bekannt, daß der Aufstttndi daselbst arrdanert. Das &. Infanterieregiment in Ovorto mußte entwaffnet und aufgelöst werden, weil man befürchtet, daß es zu den Auf- stündischen übergehen könnte. Die Universität Coimbra wurde geschlossen.
Berehaven, 6. Mai. Prinz Heinrich von Preußen ist mit dem Geschwader heute nachmittaa hier eingetroffen. Beim Einlaufen in den Hafen wurden Salutschüsse mit dem Kanalgeschwader ausgetauscht.
Newyork, 6. Man Admiral Sampson ist heute gestorben.
pte Hntgleisung des Wäncheu-Nerlloer A-Z«ges fiel Zschortau.
LRr haben bereits gestern von der eigenartigen Fügung des Schicksals gesprochen, daß nach fast 31 Jahren an ungefähr derselben Stelle sich ein zweites schweres Eisenbahnunglück ereignete. Ueber den ersten Eisenbahnunfall schreiben die,^eipz. 92- 92/':
In der Nähe der Bahngleise von Zschortau befindet sich auf einer Miese ein schlichtes Denkmal, und hier war es, wo am 23. Juni 1871 eine Kompagnie Soldaten ein Massengrab grub, um 18 Kameraden eine Grabstätte zu schaffen Es hatte sich in der Nacht vorher in der Nähe von Zschortau ein Eisenbahnunglück ereignet, welches eine .Abteilung der am 22. Juni 1871 aus Frankreich heimkehrenden Truppen betraf. Das Füsilier-Bataillon des 2. Hommerschen Grenadier-Regiments „König Friedrich Wilhelm" war nach einstündiger Verpflegung auf hiesigem Berliner Bahnhof um ein Uijr per ^trazug werterbcsordert worden. Unmittelbar vor Zschortau hatte sich die Lokomotive auf unerklärliche Weise vom Zuge losgelöst. Sie fuhr, ohne daß es der Führer bemerkte, dem Zug weit voraus und dieser fuhr auf abschüssigem Terrain in stockfinsterer Nacht hinter ihr her.' Nachdem der Führer endlich aufmerksam geworden war und seine Lokomotive zum Stillstand gebracht hatte, fuhr der heranrollende Zug auf dieselbe auf und schob die ersten sechs Wagen derart ineinander, daß sie einen einzigen Trümmerhaufen bildeten, aus dem die eingequetschten Soldaten, soweit sie nicht im Augenblick getötet worden waren, um Hilfe riefen. Die in den nachfolgenden Wagen befindlichen Krieger waren gar nicht oder nur leicht verletzt und gingen unter Führung der Offiziere ans Rettungswerk. Aus den Holztrümmern wurde ern Bivuakseuer geschaffen, und nun übersah man erst ganz die gräßliche Zerstörung. 18 Füsiliere (darunter drei mit dem eisernen Kreuz geschmückt) wurden tot, 44 meist schwer verwundet, aus den Trümmern gezogen. Aerzt- liche Hilfe aus Bitterfeld und Leipzig war bald zur Stelle, es starben aber von den nach de mLeipziger Krankenhaus gebrachten Schwerverletzten noch drei Mann.
Ueber die Augenblicke unmittelbar nachdem das Unglück geschehen war, fügen wir unserem gestrigen Bericht noch folgendes an. Seltsam berührte es, daß unmittelbar nach dem Unglück keinSchmerzenslautundkeineHilfe- rufe aus den Wagen drangen. Die Reisenden scheinen in den ersten Augenblicken vorn Schreck wie gelähmt gewesen zu sein. Als ein großes Glück ist es zu bezeichnen, daß es trotz des ausströmenden Gases im Innern der zerstörten und beschädigten Wagen nicht zu einer Explosion gekommen ist, der Menschenverlust wäre bei weitem größer gewesen. Die Passagiere, die sich im Schlafwagen befanden, sind so gut wie mit heiler Haut davongekommen^ benso das Dienstpersonal des Zuges. Die erste Hilfe konnte den in den Wagen befindlichen Personen dadurch gebracht werden, daß man vom Dache der Wagen aus in deren Inneres eindrang und so viele Passagiere aus ihrer Lage befreite. Fast unbegreiflich mutz es erscheinen, daß die im Durchschnitte mehrere Centimeter messende Tenderachse zerstört werden konnte. Selbstverständlich ist eine strenge Untersuchung, ob jemandem ein Verschulden beigemessen werden kann, eingeleitet worden. Das Bahnpersonal stand hils- und ratlos da, nicht einmal das notwendigste Verbandmaterial war zur Stelle. Die Postbeamten, die den Zug begleiteten, sprangen den Jammernden und Hilferufenden zur Seite und drückten in den umgestürzten Waggons die Fenster ein, aus denen sich die Reisenden retten konnten. Der kleine Verbandskasten, der für die Postbeamten im Postwagen mitgeführt wurde, thatz wenn auch unzureichend, so doch gute Hilfe.
Im preußischen Herrenhaus machte gestern Minister b. Thielen aus eine Anfrage des Prinzen zu Schönaich- Karolath Mitteilungen über die Ursache des Eisenbahnunglücks. Die zerbrochene Hinterachse des Denders sei erst im Jahre 1898 von der Firma Krupp geliefert worden. Die Achse sei in der Nähe der Räder gebrochen. Diese seien dann auf fast unerklärliche Weise noch eine Strecke weit gelaufen und erst beim Passieren der Weiche zur Seite gefallen und zusammengebrochen. Durch einen Ruck wäre dann der nächstfolgende ttalienische dreiachsige Wagen umgekippt, ebenso der zweite bayerische dreiachsige Wagen, während der dritte, ein preußischer vierachfiger Wagen, nur mit einer Vorderachse entgleiste, sonst aber aus den Schienen blieb. Der Reichstagsabgeordnete Friedel habe vermutlich am Fenster gestanden, sei beim Umstürzen des Wagens herausgeschleudert und von diesem erdrückt worden. In gleicher Weise sei die Frau Hirsch ums Leben gekommen. Außerdem seien sechs Personen verletzt, davon zwei schwer. Irgend ein Verschulden liege nicht vor. Die Bruchstelle sei während der Fahrt nicht zu kontrollieren gewesen. Ein bestimmter Vorwurf könne niemandem gemacht werden. Die Auswahl der Betriebs- mtttel sei mit aller Vorsicht erfolgt.
Die getötete Dame ist die 52 Jahre alt-e Frau Rentnerin Robert Hirsch aus Berlin. Frau Hirsch hatte sich von St. Wolfgang, wo sie zur Kur weilte, nack München begeben- Von dort wollte sie vorgestern früh nach dreiwöchentlichem Aufenthalt zurückkehren. Die Zahl der Schwerverletzten beträgt, wie jetzt seftsteht, drei. Es sind: 1. Karl Wandelt, Rittergutsbesitzer aus Pofen, 47 Jahre alt, schwerverletzt am ganzen Körper, 2. Lilly Mannes, Musiklehrerin aus Freilassing, nach arideren Meldungen aus Freising, 1874 geboren, Bruch des linken Unterschenkels, 3. Charlotte Döring aus Bitterfeld, Bauunternehmerstochter, 1885 geboren, schwere Verwundungen am ganzen Rücken.
Aus Stadl und Sand.
Gießen, den 7. Mai 1902.
— Verzeichnis der für das 2. Quartal 1902 des Grotzh. Schwurgerichts der Provinz Oberhesfen ausgelostea Geschworenen. 1. Kempf, Karl Dr., Gutsbesitzer in Gießen. 2. Friedrich, Konrad, Landwirt in Nieder-Gemünden. 3. Römer, Heinrich II., Landwirt in Wicseck. 4. Schmidt, Heinrich Konrad, Rechner in Londorf. 5. Töpelmann, Alfred, Buchhändler in Gießen. 6. Buff, Otto, Landwirt in Stock
heim. 7. Herget, Johann, Beigeordneter in Kaulstos. 8. Jochim, Ludwig, Geometer in Schotten. 9. Geiß, Johannes III., in Windhausen. 10. Weisel, Wilhelm IV., Rechner in Muschenheim. 11. Keil, Wilhelm II., Landwitt in Melbach. 12. Schuchard, Wilhelm, Kaufmann in Gießen. 13. v. Jungenfeld, Arnold, Bankvorstand in Gießen. 14. Eckstein, Konrad, Landwirt in Schellnhausen. 15. Obenhack, Valentin II., Landwitt in HatterShausen. 16. Müller, Friedrich, Landwitt in Gedern. 17. Faust, Christian, Bürgermeister in Sandlofs. 18. Stein, Jakob, Architekt in Gießen. 19. Kreiling, Jakob, Bürgermeister in Heuchelheim. 20. Junghardt, Heinrich E., Kaufmann in Gießen. 21. Throm, Georg, Fabttkant in Gießen. 22. Moscherosch, Johann Wilhelm, Beigeordneter in Burg- Gräfenrode. 23. Fatum, Peter, Bürgermeister in Wohnbach. 24. Bork, Johannes II., Rentner in Schotten. 25. Fischer, Heinrich, Molkereibesitzer in Selters. 26. Kalb- ;enn, Johann Georg, Beigeordneter in Vilbel. 27. Knöß, Uri sen., Landwirt in Lardenbach. 28. Bartolomae, Wilhelm, Hüttenbeamter in Lollar. 29. Wendeberg, Heinrich, Kaufmann in Schotten. 30. Rohnthaler, Otto I., Landwitt in Langd.
• * Lotterie. Bei der heuttgen Ziehung der 2. Klaffe der Hessischen Landeslotterie fiel die Prämie von 40 000 Mk. auf Nr. 24498, das mit einem Gewinn von 300 Mk. heraus- äm (nach Offenbach), ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 22442, ein Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 23483 (nach Offenbach), drei Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 13727 (nach Worms), 36969 (nach Mainz), 49283 (nach Gonsenheim), zwei Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 9324 19558, sechs Gewinne von je 300 Mk. auf Nr. 2328 7053 22472 32652 33226 53018, sechs Gewinne von je 200 Mk. auf Nr. 3000 4485 6437 38346 48245 49598, 35 Gewinne von je 150 Mk. auf Nr. 911 1741 3302 4052 5328 6168 7483 7835 8398 11046 11087 12571 14040 14946 15671 16707 19657 21732 21919
22141 25109 26079 29299 30427 39809 42682 46281
46438 48485 49143 50906 51593 52636 53688 54326.
Auch Nr. 1 kam mit dem Einsatz (100 Mk.) heraüs. (Ohne Gewähr.)
* * Lahnthal Sängerbund. Die Gesangvereine des Lahn- halsängerbundes, dessen diesjähriges Sängerfest am 20. und 21. Juli in Wetzlar gefeiert wird, sind, wie wir erfahren, eifrig mit dem Einüben der dott vorzutragenden Chöre be- chäftigt. In Gießen haben sich die vier Bundesoereine „Bauerscher Gesangverein", „Gemächlichkeit", „Harmonie" und „Heiterkeit" zu öfteren gemeinsamen Uebungsabenden unter der Leitung des Herrn Kapellmeisters Polster vereinigt und wir berichten gern, daß diese Proben allgemeinen Anklang gefunden haben. Daß auf diese Weise die Gießener Sängerschaar eine starke Stütze des Bundes werden wird, wird jeder Freund des Männergesanges freudig begrüßen.
• * Männerturnverein. Diejenigen Mitglieder, welche morgen direkt nach Braunfels fahren wollen, können außer den in der geftrigen Annonce angegebenen Zügen noch den Zug 258 (ab Gießen) benutzen.
* * Ueberbrettt-Abend. Wie aus dem Inseratenteil unserer )eutigen Nummer ersichtlich ist, findet der angeregte Ueber» brettl-Abend, der, wie wir kürzlich bereits mitteilten, von hiesigen jungen Leuten am Frettag Abend 9 Uhr im großen Saale von Stein's Saalbau veranstaltet wird, statt. Wir können nach Einsicht in das Programm einen Besuch dieses humoristischen Abends angelegentlich empfehlen, umsomehr als der gewonnene Reinettrag der hiesigen Bürgermeisterei für einen wohlthätigen Zweck überwiesen werden soll. Die hier ansässige Schauspielettn Fräulein Bärin hat in anerkennens- roerter Weise ihre Kräfte dem Unternehmen zur Verfügung gestellt. Auch die auf der Durchreise hier weilende beliebte Schauspielettn Fräulein Helene Hohenfels hat ihre Mtt- wittung zugesagt. Wir wünschen den Veranstaltern ein recht gut besetztes Haus und eine günstige Aufnahme bei unserem Publikum.
t. Burkhardsfelden, 6. Mai. Am Samstag den 10. Mai eiert die hiesige Gemeindekinderschwester ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Bereits 21 Jahre steht sie der hiesigen Kinderschule vor. Die Schwester besitzt nicht allein die Liebe der Kinder, sondern auch bei allen Ottseinwohnern erfreut sie sich großer Beliebtheit. — Gleichzeittg findet am Samstag eine Schwesternkonferenz hier statt.
§ Butzbach, 7. Mai. Der hiesige Leinweber Heinttch Braun, gebürtig aus Renzendorf bei Alsfeld, und seine Ehe- rau Gretha, geb. Fenchel, aus Griedel, begehen am Frettag das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Ersterer ist 83 Jahre und letztere 76 Jahre alt; beide erfreuen sich noch körperlichen und geiftigen Wohlbefindens. — Wie verlautet, besteht die Absicht, die hiesige „Gambrinusbrauerei" in eine Aktienbrauerei umzuwandeln.
Butzbach, 6. Mai. Dem wegen Beleidigung zu 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis verutteilten Melchior Thomas aus dem Rheinhessischen, der nach seiner Beobachtung in der Klinik zu Gießen wieder in die hiesige Zellenstrafanstalt über» fuhrt wurde, ist der Rest der Strafe, von welcher Thomas 18 Monate verbüßt, erlassen worden.
Bad Nauheim, 6. Mai. Nachdem die Jnstallattonsar- betten an den Sprudeln und den Thermalsprudel-Reservoirs u. s. w. beendet, werden feit Montag folgende Bäderatten gefertigt : Badehaus 1 Sprudelbäder von Quelle 7, Badehaus 2 Thermalbäder von Quelle 7, Badehaus 2 Thermalbäder von Quelle 12, Badehaus 3 (Südflügel) Thermalsprudelbäder von Quelle 7, Badehaus 3 (Südflügel) Thermalsprudelbäder von Quelle 12, Badehaus 3 (Nordflügel) Thermalsprudelbäder von Quelle 14, Badehaus 3 (Nordflügel) Thermalbäder von Quelle 12, Badehaus 4 Soolbäder von Quelle 7, Badehaus 4 Douchen, Süßwafferbäder, Sitzbäder, Badehaus 5 Sprudelbäder von Quelle 12, Badehaus 6 (Südflügel) Thermalbäder von Quelle 7, Badehaus 6 (Südflügel) Termalbäder von Quelle 12, Badehaus 6 (Südflügel) Süßwafferbäder, Badehaus 6 (Nordflügel) Thermalbäder aus Quelle 7, Badehaus 6 (Nordflügel) Thermalsprudelbäder aus Quelle 12, Badehaus 6 (Nordflügel) Süßwafferbäder, Badehaus 7 Sprudelbäder von Quelle 14, Konitzkystist Thermalbäder von Quelle 12, Konitzkystift Süßwafferbäder. — Die Preise der Bäder sind aus der Badeordnung ersichtlich. — Die am 3. Mai stattgehabte Generalversammlung der Ortskrankenkasse beschloß die Erhöhung der Beiträge von 2 pCt. auf ca.
2,3 pCt. Diese Erhöhung tritt mit 1. Juni in Kraft. Die Kaffe hatte in 1901 eine Gesamtausgabe von 24681,54 Mk. Die Einnahme spez. aus Beiträgen betrug nur 22054,35 Mk., sodaß auch aus dem Reservefonds zugeschoffen werden mußte, letzterer beträgt jetzt nur noch 4161,05 Mk., während derselbe 13 577,20 Mk. betragen müßte.
w. Reichelsheim i. d. W., 6. Mai. Gestern wurde im „Gasthaus zur Post" die ordentliche Generalverfamm^ l u n g der hiesigen Molkereigenossenschaft, e. G. rnu.H., abgehalten. Die vorgelegte Rechnung von 1901 weist einen Reingewinn von 16 355.92 Mk. nach. Hiervon werden nach dem heutigen Beschluß für jedes Liter gelieferte Milch 0,7 Pfg. nachbezahlt. Die Aktiva belaufen sich auf 103 667.34 Mk. Der Reservefonds erreichte die Höhe von 15795.03 Mk., die Bettiebsrücklage eine solche von 8310.96 Mk. Das Geschäftsguthaben der Genossen beträgt 18 500 Mk., die Sicherungs- einlage derselben 34 943.64 Mk.
Darmstadt, 6. Mai. Der Großherzog gedenkt Ende dieser Woche auf Jagdschloß Wolfsgatten einzutreffen.
Mainz, 6. Mai. Der Landwirtschaft!. Provinzial-^ verein für die Provinz Rheinhessen hat in feiner heute vormittag abgehaltenen Versammlung den Antrag des Abg. Haas und Genossen auf Errichtung einer Landwirts chafts- fammer für das Großherzogtum Hessen mit großer Mehr- hett angenommen.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Durch einen schweren Unglücksfall wurde die Familie Rendant August Wolf in Wetzlar in tiefste Trauer versetzt. Sie erhielt die Mitteilung aus Gelsenkirchen, daß ihr Sohn Karl, der auf dem dortigen Eisenwerk des Schalter Gruben- unb Hüttenvereins als Obermaterialien-Verwalter eine Vertrauensstelle einnahm, beim Uebcrschretten der Staatsbahn von einem Zuge erfaßt und überfahren worden sei, so daß der Tod des unglücklichen jungen Mann sofort eintrat. — Bei Ausschreibung der Blad'schen Stiftung in Mainz meldeten sich für den Teil, der für Handwerker bestimmt ist, nur 5 Leute. Der Stifter hat aber ganz genaue Vorschriften hinterlassen. So sieht er in dem vorliegenden Falle vor, daß als Mindestbetrag 150 Mark, als Höchstbettag 250 Mk. an die einzelnen Handwerker vergeben werden sollen. Zur Verteilung steht aber die Summe von 2065.69 Mark, sodaß man mindestens 9 Bewerber hätte berücksichtigen müssen. — In der Franks. „Kl. Pr." lesen wir: Aus den 70er Jahren erzählt ein ehemaliger Schüler der Mannheimer Lateinschule folgende amüsante Reminiscenz aus seiner aktiven Schulzeit: Eines Tages übt die Unterprima Latein. Der eine der Schüler kann gar nichts. Der Lehrer ist erbost und hebt folgende Philippika an: „Ich will Dir 'mal was sage (sprich „sake"): Vor zwanzig Jahre hab' ich auch so et' Nixthuer in der Klass' g'habt, nie hat er sein Latein g'lernt und vom Griechisch hat er gar nix wisse wolle. Unn weischt, was em passiert ist? Im Hessische ist er g’ftorbe". — In Mainz ist gegen den Inhaber eines Hotels Untersuchung wegen Kuppelei eingelettet worden.
Vermischtes.
* London, 6. Mai. Eine furchtbare Feuersbrunst zerstörte heute ftüh einen großen Teil der Docks auf der östlichen Seite. Zahlreiche Dampfsptttzen befanden sich an der Arbeit. Nach äußerst ansttengender Arbett gelang es der Feuerwehr gegen Mittag, des Feuers Herr zu werden. Der Materialschaden soll sich auf mehrere Millionen belaufen.
• Bukarest, 6. Mai. In der Stadt Verlad wütet ein großer Brand, der einen Schaden von über eine Million verursacht hat. Während des Brandes wurden ein Raub- mord und mehrere Einbrüche verübt.
UnioerslMs-Nachrichteu.
Die D e u t s ch e Orient-Gesellschaft in Berlin, die soeben ihren Rechenschaftsbettcht veröffentlicht, umfaßte im Jahre 1901 622 Mitglieder mit jährlichen Beiträgen und 34 immerwahrende Mitglieder (gegen 561 Mitglieder im Vorjahre). Die Einnahmen betrugen 167847, die Ausgaben 132 917 All. Die Expedition Kol- beroen nahm 60277 Alk. in Anspruch. — Dr. Bast ier aus Paris, Leltor der französischen Sprache an der Universität Jena ist an Stelle Prof. Dr. Scharff's an die Universität Königsberg berufen worden. — Die Privatdozenten in der theologischen Fakul- tät Greifswald, Sic. theol. und Dr. phil. F. Kropatscheck und Sie theol. W. Riedel wurden zu a. o. Professoren ernannt.
Kunst und Wissenschaft.
London, 6. Mai Br et Harte ist gestern Abend im Red House zu Camberley, Grafschaft Surrey, plötzlich geftorben und zwar an innerer Verblutung infolge eines Halsübels. Des amerikanischen Dichters und Novellisten Francis Bret Hatte zahlreiche Novellen, Skizzen, Romane und Kindergeschichten, die ihm zu großer Populatttät verholfen haben, sind meist auch in deutschen Uebersetzungen bekannt geworden.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Börsenresorm. Dii Arbetten des Reichstages gehen ihrem Ende entgegen und daher ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Börsenreform vertagt wird. Von manchen Seiten wird sogar geltend gemacht, daß eine Vertagung der Frage vielleicht noch nicht einmal so unerwünscht sei, da die Einbringung der Vorlage bin ben jetzigen zerfahrenen parlamentarischen Zuständen vielleicht nicht zu dem gewünschten Erfolg führen könnte
Luxemburgische Prince Heuri Eisenbahn. Aus dem Rechenschaftsbericht für 2901, der der am 10. ds. stattfindenden Generalversammlung vorgelegt wird, wird einiges bekannt. Der Bericht weist daraus hin, daß die Krisis in der Eisenindustrie die Betriebs- ergebniffe ungünstig beeinflußt hat, da der Verkehr in allererster Linie eben auf diese Industrie angewiesen ist. Die Betriebsausgaben finb infolge der hohen Kohlenpreise wetter gestiegen. Zu den benachbarten Eisenbahngesellschaften haben sich die Beziehungen ge= bessert. Der Betriebsuberschuß stellt sich auf 1447 501 ftreä. gegen 2 224 934 im Vorjahr. Aus dem mit 1318834 g-rc§. (unJBor]at)rc 2 246 319 Frcs.) ausgewiefenen Reingewinn roirb bie -bertetluna einer Dividende von 17 Frcs. (i. V. 28 Fres.) beantragt, wobei sich der Gewinnvortrag von 106319 Frcs. auf 4667 Frcs. verringert.
Bou der Newyorker Börse wird gemeldet, bau der Geldmarkt sich in einem Zustand starker Erregung befinbet. Mehrere -ooqen- makler und einige kleinere Banken haben ihre Zahlungen eingestellt. Man sieht die gegenwärtige Sage zwar nicht als gefahrvoll an, aber das unberechenbare und wir möchten Hinzufugen unsolide Gebühren der Newyotter Spekulation tritt wieder einmal grell zu ^Heddernheimer Kupferwerk. Die Generalversammlung genehmigte den Abschluß für 1901 und setzte bie Dividende der Mk. 1 Million Vorzugsaktien auf 6 pCt. p. r. t. gleich 3 pCt. p. a. fest, während die 4 Millionen Mk. Stammaktien leer ausgehen. Ueber die Aussichten im neuen Jahr wurden nur sehr wenig zuversichtliche Mitteilungen gemacht. Es seiletzt möglich in Heddernheim uud Gustavsburg mit einem, wemi'auch nur bescheidenen Nutzep


