Ausgabe 
7.5.1902 Viertes Blatt
 
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links.)' Ob eZ unserem Zucker möglich sein wird, auf dem englischen Markt erfolgreich zu konkurriren, ob die vielfach gehegte Befürchtung berechtigt ist, daß nach fünf Jahren fremder Zucker bei uns einge­führt werden wird, braucht gegenwärtig noch nicht Gegenstand unserer Sorge zu sein. Für die nächsten fünf Jahre kommt unser Zucker jedenfalls durch die Annahme der Konvention tn eine günstigere Lage, als durch die Ablehnung. Sollten sich, was ich nicht glaube, die jetzt für die spätere Zeit gehegten Befürchtungen bewahrheiten, so überlassen Sie es der Zutunfi, die zum Schutze der deutschen Zuckerindustrie nöthigen Maßnahmen zu treffen. Jetzt aber ist zunächst eine schnelle und glatte Annahme der Kon­vention erforderlich. (Beifall links.)

Abg. Dr. Paasche (nat.-lib.): Wenn man überzeugt wäre, daß die Annahme der Konvention die vom Staatssekretär geschilderlcn günstigen Folgen haben würde, so würden wir gewiß ohne Bedenken zustimmen. Wer so liegt die Sache nicht. Bei der gegenwärtigen allgemeinen Depression tann man nicht verlangen, daß wir die Vorlage einfach glatt annehmen. Es ist durchaus nicht gesagt, daß unsere Zuckerindustric Vorthcil davon haben wird. Daß die Zucker­steuer von 1896 ein ganz verunglücktes Experiment sei, kann ich dem Abg. Barth nicht zugeben. Wir haben unseren Zweck erreicht: heute mutz Frankreich klein beigeben und auf Beseitigung der Prämien Drängen, weil es den Kampf mit uns nicht weiter führen kann. Auf Einzelheiten will ich nicht eingchcn; das kann ja in der Kommission geschehen. Die Kommission wird eine ganze Reihe von Fragen zu erörtern haben. Beim Zolltarif bringen Sie alles Mögliche und Un­mögliche aufs Tapet. Hier aber, wo es sich um eine schwerbedrängte Industrie handelt, die nicht einmal gehört worden ist, soll eine gründliche Erörterung überflüssig sein. Außerdem können in der Kommission manche Erklärungen gegeben werden, die im Plenum nicht gut gegeben werden können. An eine Verschleppung denken wir nicht; Exzesse der Wißbegierde nach Gotheinschem Muster be­absichtigen wir nicht. Auch wenn wir die Kommissionsbcrathung beschließen, kann die Vorlage ganz schnell erledigt werden. Glaubt übrigens Dr. Barth etwa auch, daß die Engländer, die jetzt schon 8 Mk. Zuckerzoll haben, nun noch eventuell 12 Mk. Zuschlag auf unseren Zucker legen würden? Ich glaube, daß da der Staatssekretär zu schwarz sieht. (Beifall rechts.)

Direktor im Reichsamt des Innern von Körner erklärt, daß ausreichend Sachverstäiidige über die Frage gehört worden seien.

Abg. v. Komierowski (Pole) spricht sich für eine Kommissions- berathung aus. Die Vorlage müsse grundsätzlich geprüft werden, da die Noth der Landwirthschaft im Zunehmen sei.

Schatzsekretär Frhr. von Thielmann (fast unverständlich) spricht sich gegen eine Kommissionsberathung aus. Es liege die Gefahr vor, daß die Zuckerkommission die Sache in die Länge ziehen und es ebenso machen werde wie die Zolltarifkommission. Er bitte daher das Haus, wenn doch Kommissionsbcrathung beschlossen.werde, es den Mitgliedern, die es in die Kommission entsende, recht nahe zu legen, nicht mit der Ausführlichkeit wie die Zollrarifkommission zu arbeiten, damit baldmöglichst ein Beschluß zu Stande komme.

Abg. Graf Bernstorff-Uelzen (Welfe) führt aus, daß in der Provinz Hannover das Interesse der Rübenbauern und der Roh­zuckerfabrikanten identisch sei. Man könne daher unmöglich davon sprechen, daß den Zuckerfabrikanten bisher eine Liebesgabe gezahlt sei. Eine Kommissionsberathung sei nöthig, denn es komme doch nicht nur darauf an, schnell einen Beschluß zu fassen, sondern man müsse einen Beschluß fassen, der dem Lcnrdc zum Segen gereiche. Ehe man der Vorlage zustimme, müsse man auch Gewißheit über das Schicksal der künstlichen Süßstoffe haben.

Wg. Graf zu Limburg-Stirum (kons.): Der Schatzsekretär und auch der Staatssekretär des Innern haben sich Beide gegen eine Kommissionsberathung ausgesprochen. Bei dem Schatzsekretär wundert mich dies nicht, denn er ist ja noch ein junger Parlamen­tarier. (Heiterkeit.) Herr Dr. Barth meinte, wir wollten Die Vor­lage verschleppen. Hier hat ihn sein gewöhnlicher Scharfsinn ver­lassen, wir denken nicht daran. Aber eine Kommissionsberathung ist nothwendig, schon um die Unruhe zu beseitigen, die durch die Vor­lage im Lande entstanden ist. Herr Dr. Barth sagt, England habe der Konvention zugestimmt, obwohl es damit Opfer bringe. Das lasse ich dahin gestellt. Man darf aber nicht vergessen, daß England immer mehr zum Schutzzollsvstem übergeht. Weshalb sind England nicht dieselben Bedingungen gestellt, wie den anderen Staaten, wes­halb ist das Verhältnitz Englands zu seinen Kolonien noch extra

in das Schlußprotokol! ausgenommen? Eine Krisis steht so tote so bevor, es fragt sich nur, was das kleinere Uebel ist, die Konvention anzunehmen, die die Gefahr birgt, daß England uns doch differentiell behandelt, oder sie abzulehnen und den englischen Markt zu ver­lieren.

Schatzsekrctär Frhr. von Thielmann (schwer verständlich): Der Vorredner stellte es so dar, als ob die Gefahr möglich wäre, daß England uns differentiell behandle. Dies ist nach Dem Wortlaut Der Konvention ganz unmöglich, es ist ausgeschlossen, daß Rohrzucker und Rübenzucker differentiell behandelt wird.

Abg. Liebermann von Sonnenberg (Amis.) bittet Die Herren von der Regierung, endlich einmal die raffinirt süßen Reden für das Wohl der Landwirthschaft in Thaten umzusetzen, damit der Land- wirthschafi das schwere Dasein versüßt werde.

Abg. Speck (Ctr.) begrüßt die Konvention mit Freuden, die ganze Kalamität rühre nur von der Ueberproduktion her, die Vorlage sei geeignet, der Kalamität ein Eirde zu machen. Eine Kommissions- berathung sei jedoch nothwendig, denn Die volle Tragweite der Kon­vention könne jetzt noch keiner übersehen. Die Bestrebungen, die künstlichen Süßstoffe ganz zu verbieten, könne er nicht billigen. _

Direktor im auswärtigen Amte v. ftörncr (schwer verständlich) führt aus, daß die Unterstützungen, die England seinen Kolonien zahlte, mit dem Inkrafttreten der Konvention wegfielen und nur für die Uebergangszeit Geltung hätten.

Hiermit schließt die Diskussion.

Die Vorlage wird an eine Kommission von 28. Mit­gliedern überwiesen.

Die Tagesordnung ist erledigt.

Nächste Sitzung: Dienstag, den 3. Juni. Tagesordnung: Zweite Berathung des Saccharin-Gesetzes und dritte Berathung der Branntwein st euer-Novelle.

Präsident Graf Bnllestrem: Indem ich den Herren Kollegen eine recht gute Erholung während den Ferien wünsche, schließe ich die Sitzung.

Schluß 5 Uhr.

Aom Krankenlager der König.n Wilhelmina

Nach wie vor sind die Angen der ganzen Welt nach 'Schloß Loo gerichtet, wo die vor kaum mehr als Jahres­frist noch in Jugendschönheit und Jugentkräft strahlende Königin Wilhelmina, der vergötterte Liebling ihres Volkes, nunmehr zum Tode krank darniederliegt. Noch immer ist die Gefahr für ihr Leben nicht beseitigt, wenn auch die amt- üch ausgegebenen Nachrichten etwas zuversichtlicher klingen als gestern. Seit gestern mittag liegen folgende Nach­richten vor:

Schloß Loo, 6. Mai. Der heute nachmittag 2 Uhr vusgegebene Krancheitsbericht lautet: Die Temperatur ist andauernd normal. Die übrigen Symptome geben keinen Anlaß zu besonderen Bemerkungen.

Schwerin, 6. Mai. Bei der Großherzogin lief heute folgendes Telegramm aus Schloß Loo ein: Nacht verlief gut. Ernährung, Kräfte bleiben günstig. Aerzte zu­frieden.

S ch l o ß L o o, 6. Mai. (Reuter.) Die trübe Stimmung tnt Schlosse hat noch nicht nachgelassen, obgleich die dLach- richten über das Befinden der Königin gestern etwas beruhigender lauteten. Der heutige Dmnkheitsbericht giebt dem Eindrücke Raum, daß noch keine Gewißheit besteht, weder über den augenblicklichen Zustand der Königin, noch über den Verlauf der Krankheit. Natürlich ist die Königin sehr schwach. Die beiden Aerzte verweilten gestern abend lange bei der Königin .Professor Pot kehrte sehr spät in seine Wohnung zurück. Professor Rvessingh hat das Schloß noch nicht verlassen. Fast alle fremden Fürst­lichkeiten lassen Erkundigungen über das Befinden der Kö­nigin einziehen. Krankheitsberichte über das Befinden der Königin werden vorläufig noch regelmäßig veröffentlicht.

Amsterdam, 7. Mai. Der Zustand der Kö­nigin ist immer noch äußerst bedenklich. Offiziell wird die Nachricht dementiert, daß eine Operation statt­gefunden habe. Dies ist insofern richtig, als die Entbindung rmr eine gewisse künstliche Beihilfe erforderte. Heute war bereits das natürlich unglaubwürdige Gerücht ver­breitet, daß die Königin tot sei, und daß man das Ableben geheim halte. Aber da auch seinerzeit der Tod Welhelms III. und der Königin Sophie mehrere Tage verborgen wurde, so fand bei der allgemeinen Spannung die unrichtige Nach­richt sofort viele Gläubige.

Schloß Loo, 6. Mai. Aus mehreren Umständen kann geschlossen werden, daß die Aerzte nunmehr den Verlauf der Krankheit ruhiger abwarten. Gestern blieben sie beständig im Schlosse. Heute wurde Dr. Roessingh häufig lange außerhalb des Schlosses gesehen. Dr. P o t kam dahin, wie früher, nur zu den gewöhnlichen Besuchen. Die Königin-Mutter und Prinz Heinrich ver­ließen heute das Schloß nicht.

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Die ZoMarifLommisston

Berlin, 6. Mai.

Die Zollkommission nahm nach längerer Debatte Po­sition 237, Mineralöle (Petroleum re.) wonach Schmieröl 10 Mark, andere Mineralöle 6 Mark bezahlen, in der Fassung der Regierungsvorlage nebst den drei Anmerkungen des Entwurfs a n, unter Ablehnung der ge­stellten Anträge, darunter des Antrags Heyl, welcher bezweckte, wenigstens die Raffinerie des Petroleums nach Deutschland zu verlegen, um dadurch das Monopol Rocke- fellers und des Petroleumrings zu brechen. Die Kom­mission nahm aber gleichzeitig die Resolution Gamp an, welche die Regierung ersucht, schleunigst zu erwägen, ob nicht durch Einführung verschiedener Zollsätze auf Roh- Petroleum und gereinigtes Petroleum die Schaffung einer inländischen Raffinerie-Industrie möglich sei, und einen diesbezüglichen Gesetzentwurf dem Reichstage vorzulegen. Sodann genehmigte" die Kommission die Positionen 238 bis 244, Asphalt usw. zollfrei, und beschloß, falls morgen das Plenum tagt, nochmals zu tagen, und sodann am 27. Mai die Beratungen sortzusetzen.

Im Laufe der Debatte schlug Paasch e vor, eine siebengliedrige Subkommission zur Vorberatung des Pe­troleumzolles zu ernennen, zog den Antrag aber zurück, als er Opposition begegnete. Graf Posadowsky betonte die Schwierigkeit der Petroleumsrage und ersuchte, man möge nicht technische Fragen, deren Lösung Sache der Spezialgesetzgebung sei, gelegentlich der Tarifberatung zu entscheiden versuchen. Graf Kanitz erklärt sich gegen den Antrag Heyl. Die Allmacht des Rockefellerrings werde nicht ewig dauern. Redner widerrät, aus das russische Petroleum zu Gunsten des galizischen zu verzichten, zumal das russische dem amerikanischen gleichwertig sei. Paasche befürwortet die vom Antrag Heyl bezweckte Bekämpfung des Petroleum­ringes mit Hilfe galizischer und rumänischer Petroleum­quellen. Oesterreich habe sich ja von Rockefeller unabhängig gemacht. Staatssekretär v. Thielmann erklärt, der Pe­

troleumzoll behindere die Marine nicht, da sie zollfreie Niederlagen habe. Geheimrat Hencke führte aus: Die Bestrebungen zur Verdrängung der Stan- dard-Oil-Company seien aussichtslos. Das russische Oel bedinge eine Abänderung der Lampen, auch sei der russische Ausfuhrzoll zu befürchten. Galizien müsse in erster Linie den Bedarf Oesterreich-Ungarns decken. Die Standard-Oil-Company stehe auch mit dem russischen und rumänischen Quellen in Verbindung. Hahn (Bund der Landw.) befürwortet die differentiale Zollbehandlung des Rohöls und des raffinierten Oels, wobei das Reich die Raffinierung besorgen solle. Darauf folgte die gemeldete Abstimmung. Nach dem Wortlaute der angenommenen Resolution Gamp wird darin das Ersuchen an die Re­gierungen gestellt, mit Rücksicht auf die Erklärungen der Regierungsvertreter bezüglich der Zollsätze in Position 237 keinerlei vertragsmäßige Verbindlichkeiten anderen Staaten gegenüber eingehen zu wollen.

Nächste Sitzung am 27. Mai.

Arbeiterbewegung.

Petersburg, 6. Mai. Gegenüber der in einem auswärtigen Blatte verbreiteten Meldung aus Petersburg vom 2. ds. über 6en Beginn des Generalstreiks, das Ankleben von Arbeiterausrusen und über blutige Zusammenstöße wird von derRufs. Telegr.- Agentur" festgestellt, daß außer Den von ihr gemeldeten Kundgebungen weder ein Streik noch Demonstrationen irgend welcher Art, noch blutige Zusammenstöße in Petersburg stattsanden.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

M. Gießen, 7. Mai. Vieh markt. Ter gestern abgehaltene Markt hatte einen Auftrieb von 1600 Stück Großvieh und ca. 400 Kälbern. Der Handel war wie beim letzten Markt sehr flott. Es genügte der Vorrat in Milchvieh so wohl als in fetten Rindern und Kälbern lange nicht Der starken Nachfrage. HänDler von: Rhein, von Der Nahe unD von Der Sieg machten Den Markt in Zuchtvieh, während Der KälberhanDel von Frankfurtern unD Hcm- Delsleuten, Die für Nauheim unD WiesbaDen kauften, gemacht mürbe, Dieselben legten sehr hohe Preise für Die Ware an, so Daß unsere Gießener Metzger Der zu hohen Preise wegen teilweise vom Kaufen absahen. Bei Der stark fteigenDen TenDenz Der Fellvieh­preise in Den letzten Tagen gingen auch Die Breise für Milchvieh naturgemäß in Die Hohe. Selbst ältere Kühe, Die an unseren Märkten seit langem schon schwer Abnehmer finben, waren gestern leichter an Den Mann zu bringen. Die sehr hohen Preise für Zucht­vieh haben zweifellos auch ihren Grunb in Den überaus günstigen Futteraussichten bieses Jahres, bei benen Vieh in verstärktem Maße eingestellt unD babei auch mit Dem Verkauf u. A. von Jung­vieh seitens Der LanDwirte zurück gehalten roirb. Gehanbelt wür­ben Kühe srischmelkenb unb tragens 1. Qualität 480550 Mk., 2. Qualität 375450 Mk., 3. Qualität 275 350 Mk. 2 zjährige Färsen, bie wenig am Markt waren, gingen mit 300350 Mk. ab. Der Zentner Schlachtgewicht würben verkauft: Fette Ninber 1. Qualität 6466 All., 2. Qualität 6062 Mk., Kälber 1. Qua­lität (über 50 Pfund schwer) 7078 Mk., 2. Qualität (zwischen 4050 Pfunb schwer) 6368 Mk., 3. Qualität (Tiere unter 40 Pfund wiegend) 5660 Mk. Der Markt wurde vorständig ge­räumt und fand sehr früh sein Ende.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 6. Mai. Ein 450 italienische Auswanderer nach Pittsburg führender Eisenbahnzug stieß, wie derBerl. Ztg." aus Newyork gemeldet wird, auf einen Güterzug unb entgleiste. Der Zusammenstoß war so heftig, daß die meisten der mit Auswanderern gefüllten Wagen umstürzten und dann unter die Trümmer zu liegen kamen. Trotzdem gab es nur verhältnismäßig wenig Tote, aber zahl­reiche lebensgefährliche Verwundungen, während die übrigen Insassen des Zuges fast sämtlich durch Glas- und Holzsplitter oder durch Umstürzen der Wagen leichter ver­letzt worden sind.

Berlin, 6. Mai. Die Abendblätter melden: Der Buch­halter der hiesigen städtischen Gaswerke Thilo zog in voriger Woche für die Gaswerke 5200 Mark ein, führte das Geld aber nicht an die Kasse ab. Seit gestern nachmittag ist er v e r s ch w u n d e n. Ob er weitere Summen unter­schlagen hat, muß sich erst noch ergeben.

Berlin, 6. Mai. Dem preußischen Landtage ging ein G e s e tze n t w u r f über die B e s ä h i g u n g für den höheren Verwaltungsdienst zu. Nach demselben ist zwischen der ersten und zweiten Prüfung ein Vorbereitungsdienst von wenigstens acht Monaten bei einem Amtsgericht und wenigstens zwei Jahren und zehn Monaten bei Verwalt­ungsbehörden zurückzulegen. (Bisher war eine Beschäftig­ung von neun Monaten beim Amtsgericht, von 12 Mo­naten bei einem Landgericht und mehrere Monate bei der Staatsanwaltschaft vorgeschrieben. D. Red.) ,

Berlin, 6. Mai. Die Bud g e t k o m m j s s i v n des Reichstages beendigte die Beratung über das Projekt der ost afrikanisch en Eisenbahn und nahm den

Antrag Frese mit dem Unterantrag Richter an, bei Ueber- schreitung des Emissionskurses von 103y2 das Mehr zu einem Viertel dem Reiche, zu Dreivierteln dem Bau-Kon­sortium zu überlassen. Sodann wurde die ganze Vorlage angenommen. Der Seniorenkonvent verständigte sich, am 3. Juni die Beratungen mit der B r a n n t w e i n - steuer wieder aufzunehmen. Dann folgen Zucker­vorlage, die Schlußabstimmung über die Branntwein­vorlage und Zuckervorlagc in einer Sitzung, sodann Tole­ranzantrag und Afrikabahn. Die Zuckersteuer-Ko m- Mission konstituierte sich bereits heute nachmittag und wählte Goetz von Olenhusen zum Vorsitzenden. Sie beschloß, am" 27. Mai die Beratungen zu beginnen.

Celle, 6. Mai. Amtliches Wahlergebnis. Bei der am 2. Mai im 14. hannoverschen Wahlkreis Celle-Gifhorn- Burgdorf-Peinc stattgehabten Reichstagsersatzwahl wurden im ganzen 21899 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Kaufmann Wehl-Celle (nl.) 11343, auf Gutsbesitzer v. d. Decken-Wendorf (Welfe) 10 556 Stimmen. Wehl ist somit gewühlt.

London, 7. Mai.Daily Telegraph" meldet ans Johannesburg vom 3. Mai: Die Burghers in den Flüchtlingslagern haben anscheinend keinen Zweifel über die Friedensfrage. In Klertsdorp und an­deren Orten wird ber Friede als sicher angenommen. Die Militärbehörden haben eine etwas p e s s i m i st i s ch e r e Ansicht über die jetzige Lage und lassen die Bereitschaft für die energische Durchführung des Krieges nicht erlahmen.

Brüssel,?. Mai. Jn Wanfercee-Baulet stürzte gestern das Gebäude einer Arbeitergenossenschaft eirt. Bis­her wurden zwei Tote und acht Verwundete unter den Trümmern hervorgezogen. Doch dürfte die Zahl der Opfer viel erheblicher sein.

Brüssel, 6. Mai. Hiesige Blätter berichten über folgende Sch windel-Affaire: Ein Deutscher, namens Stie­gel, Angestellter eines großen Handelshauses in Buenos Ayres, war beauftvagt worden, 4 Cheks über je 400000 Francs einem Pariser Bankhause auszuzahlen. Er veran­laßte den Dircctor der hiesigen Nationalbank auf Grund eines angeblich von einem Berliner Agenten der Firma herrühren­den Schreiben die Hälfte der Summe an eine gewisse Bank in Paris zu senden, was auch geschah. Stiegel reiste alsdann nach Paris, erhob das Geld und lebte davon auf großem Fuße. Der Schwindler hatte sich den neuen zwischen Frankreich und Belgien abgeschlossenen Vertrag zu Nutze ge­macht und alles vermieden, was seine Ausliefer­ung an Belgien ermöglichen könnte. Der Betrug wurde eine Stunde nach Auszahlung des Geldes entdeckt.

Paris, 7. Mai. Bei Moye nneville, zwischen Mont- Didier und Compiegne, entgleiste gestern Nachmittag ein Personenzug. Neun Reisende wurden getötet, elf verwundet. Es handelt sich um einen Pilgerzug, der nach Lourdes gehen sollte und vorwiegend belgische Wallfahrer führte.

Paris, 7. Mai. In verschiedenen Gegenden des süd­westlichen Frankreich, so in Bourbon, Lourdes und Bayonne, wurden gestern morgen zwischen 2y2 und 3 Uhr starke Erderschütterungen verspürt, welche zwischen zwei und 15 Sekunden andauerten, jedoch keinerlei Schaden anrichteten. Auch in Spanien fanden Erderschütterungen statt, und zwar gegen 5 dreiviertel Uhr morgens in Murcia, wo das Erdbeben eine große Panik hervorrief und die Kathedrale sowie mehrere Klöster und Häuser beschädigte. Von dem Fuensante-Gebirge stürzten große Fels­massen herab. In Alberia mußte die Kirche und Schule, welche einzustürzen drohten, gesperrt werden.

Petersburg, 7. Mai. In einer Bekanntmachung des Ministers des Innern, welche derRegierungsbote" veröffentlicht, wird festgestellt, daß ausländische Lot­terielose fortgesetzt nach Rußland abgesetzt werden, obwohl die Einfuhr derartiger Lose in Rußland verboten ist. Indem das Ministerium vor Ankauf ausländischer Lotterielose warnt, giebt es bekannt, daß Lose, falls die­selben entdeckt würden, den gesetzlichen Bestimmungen ge­mäß vernichtet werden müßten.

Pretorias. Mai. Die Aussichten auf Frieden sind Hoffnung erweckend. Tie Delegierten, die die einzelnen Kommandos aufsuchen, haben bei ihren Bemüh­ungen, die Zustimmung zur Uebergabe zu erlangen, erheb­lichen Erfolg. Die Unversöhnlichen befinden sich haupt­sächlich unter den Mannschaften Delareys.

Newyork, 6. Mai. Ein Telegramm aus St. Tho­mas meldet: Ter Aus b r uch des Vn l kan s Montpelee auf Martinique dauert an. Die Lava zerstörte die ungefähr zwei Meilen von 3t._ Pierre liegenden Fabriken. Es heißt, daß etwa 150 Personen ih r Leber: ein- büßten. In St- Pierre herrscht große Panik.