Ausgabe 
7.4.1902 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

'aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts merklich anders geworden. Im Jahre 1851 rückte Krupp mit seinen kolossalen Gußstahlblöcken die deutsche Eisenindustrie an die erste Stelle, und in den folgenden Jahrzehnten finden wir unter den führenden Männern der englischen Eisen­industrie das Genie eines Deutschen, Wilhelm Siemens. Und dessen älterer Bruder Werner Siemens brachte im Telegraphenbauwesen sowie in der Kabellegung die prak­tische Veranlagung auch der Deutschen im In- und Aus­land zur Geltung. Erinnern wir uns ferner noch, welch' ein praktisches Genie der erste deutsche Reichspostmeister Stephan im Postwesen bethätigte, und wie er als Gründer des Weltpostvereins die erste dtutoritat aus dem postalischen Gebiete rings auf dem Erdenrund war, erinnern wir uns des Aufschwungs so vieler Jndustrieen, besonders der chemischen, dann haben wir allen Grund zur Annahme, daß wir Deutschen an praktischem Geschick den Angelsachsen nicht nachstehen. Biel kann aber und muß noch geschehen, unpraktische Umständlichkeit aus den Gebieten des öffent­lichen Lebens auszumerzen. Das Zeug dazu haben die Deutschen, Praktiker zu sein; nur an dem Willen fehlt es noch an mancher entscheidenden Stelle.

Die Zulassung zum Rechtsstudium in Preußen.

Im Verfolg der Bekanntmachung vom 1. Februar betr. die Zulassung zum Rechtsstudium hat der preuß. Kultus­minister im Einverständnis mit dem Justizminister unter dem heutigen Tage an die Kuratoren der Universitäten bezw. an Rektor und Senat der Berliner Friedrich Wil- heUns-Universität folgende Verfügung erlassen:

1. Bei denjenigen Preußen, welche sich der Rechts­wissenschaft an einer preußischen Universität widmen wollen, genügt als Nachweis der wissenschaftlichen Vorbildung für das akademische Studium außer dem Zeugnis der Reife eines deutschen humanistischen Gym­nasiums auch das Reifezeugnis eines deutschen Re­algymnasiums oder einer preußischen Ober-Re­alschule; 2. Studierende, welche demgemäß auf Grund des Zeugnisses der Reife einer realistischen Lehr­anstalt ausgenommen werden, sind bei der Einschreib­ung in der juristischen Fakultät im Hinblick auf die Bestimmungen zu 3 und 4 der Eingangs erwähnten Bekanntmachung ausdrücklich darauf hinzuweisen: a) daß es chnen bei eigener Verantwortung über­lassen bleibe, sich die für ein gründliches Verständnis der Quellen des römischen Rechts erforderlichen s p r a ch- lichen und sachlichen Vorkenntnisse ander- weit anzueignen, b) daß in Aussicht genommen ist, bei der Einrichtung des juristischen Studiums Vor­kehrungen zu treffen, wonach sie sich über die zu a gedachten Vorkenntnifse auszuweisen haben; 3. Die gleiche Eröffnung ist auch denjenigen Studierenden der Rechte zu machen, welche zwar das Zeugnis der Reife eines Gymnasiums besitzen, in demselben aber für das Lateinische nicht wenigstens das Prädikatgenügend" aufzuweisen haben.

DieNat.-Ztg." schreibt dazu:

Ergänzungskurse für Realabiturienten im Lateinischen und Griechischen wenden an der Berliner Universität und vermutlich auch an anderen Univer­sitäten im bevorstehenden Sommersemester eingerichtet werden. Diese Kurse sind in der Weise geplant, daß zur sprachlichen Einführung in das Verständnis der rö­mischen Rechtsquellen ein Kursus stattfinden wird, der sich über zwei Semester erstreckt, während der Anfangs­kursus im Griechischen sich auf ein Semester beschränken wird. Beide Kurse sollen dreistündig sein, und nicht mehr als 25 Zuhörer sollen zu ihnen zugelassen wer­den, damit der Unterricht immer individuell gestaltet werden kann. Ter Ergänzungskursus im Griechischen ist aber nicht nur für die Realabiturienten bestimmt, die Jura studieren, sondern er soll auch zugleich den­jenigen auf Oberrealschulen und Realgymnasien vor­gebildeten Studierenden, welche sich der Medizin oder dem Lehramt widmen wollen, zur Ergänzung ihres Missens dienen. In dieser Weise den sestgestellten Ver­pflichtungen über ihre wissenschaftlichen Vorkenntnifse nachzukommen, wird den Realabiturienten bei einigem Fleiß leicht werden. Es ist mit Genugthuung aufzn- nehmen, daß von jeder Ergänzungsprüfung dabei Ab- stand genommen wurde.

Heer rrud Flotte.

Der älteste Divisionskommandeur der preuß. Armee ist zur Zeit der Gen.-Lt. v. Deines, Komm, der 21. Division in Frankfurt a. M.; nach ihm folgen Gen.- Leutnant Wallmüller, Gen.-Lt. v. Kuhlmay von der 18. Division in Flensburg, der ebenfalls seine Verabschiedung nachgesucht hat und Gen.-Lt. v. Hugo, der bereits mit der Führung des XUL Korps beauftragt ist.

Zum Kommandeur der 27. Division (Ulm) wurde der bisherige Kommandeur der 52. Infanterie-Brigade, Geüeral- major v. Freudenberg ernannt und der seitherige Kom­mandeur dieser Division, Gem-Lt. v. Stohrer, in den Ruhestand verseht.

Die Herausgabe der militärisch en Werke Moltkes wird der Große Generalstab demnächst mit der militärischen Korrespondenz des Jahres 1859 fortsetzen. Der Band wird die Operationsentwürfe, sowie die Mobilmachungsarbeiten vom Februar 1859 enthalten und hierdurch ein Bild der umfassenden Thätigkeit Moltkes bis Juli 1859 geben, wo der Präliminarfrieden von Villafranca das Eingreifen Preußens in den italienischen Feldzug verhinderte.

Das Pariser BlattRappel" berichtet aus London: Ein schottischer Mechaniker habe dem Kriegsamt das Modell eines von ihm erfundenen neuen Magazingewehres unterbreitet. Die Patronen werden automatisch in den Lauf gebracht und ebenso automatisch aus demselben entfernt. Mit dem neuen Gewehr sollen 20 Schuß in der Minute ab­gegeben werden können. Die Entladung erfolgt mittelst Elektrizität und die Tragweite soll 3500 englische Pard betragen.

Kolonialpost.

Aus dem Hinterlande von Kamerun.

Aus dem soeben amtlich veröffentlichten Berichte des Oberstleutnants Pavel ergibt sich ein klarer Ueberblick über die Vorgänge und Maßnahmen im Lande der Bafut und Bandeng. Die neue Station zur Beherrschung der Bafut zu Banumda (Bammda) angelegt worden. Außerdem hat der Kommandeur noch den Sitz des unterworfenen Häupt­lings Fontem einstweilig besetzen lassen. Die südlich gelegene

Station Tinto, wo der Oberstleutnant sich vorläufig festgesetzt hat, gilt als Stützpunkt. Nach Banyo ist Anfang Januar die Expeditions-Kompagnie unter Oberleutnant Sticler abge­rückt. Darnach befinden sich dort jetzt zwei Abteilungen der Schutztruppc, da schon eine früher von Tibati her dort ein­gerückt ist, bei der sich der inzwischen ermordete Ober­leutnant Nolte befand. Ueber die Vorgänge dabei weiß man noch nichts Näheres und Wochen kann es noch bauern, ehe weitere Berichte einlaufen. Hierin liegt ein wunder Punkt unserer Verwaltung der Schutzgebiete, und Landeskundige schlagen vor, alle unsere Stationen unter sich und mit dem Gouvernement durch Telegraphen zu verbinden. Der Telegraph würde auf die Europäer und die Besatzungen einen großen moralischen Einfluß ausüben. Nicht weniger Eindruck im umgekehrten Sinne würde er auf die Einge­borenen weithin machen. Die ganz isolierten Stationen würden von den Vorgängen innerhalb ihres Bannkreises stets rasch unterrichtet sein, dann könnten sie im Falle der Be­drängnis schon in derselben Zeit Hilfe erwarten, in welcher sonst erst ihre Meldungen nach den nächsten Stationen ge­langen. Das Gouvernement ist auch nur mittelst des Tele­graphen im Stande, die Verwaltung des Schutzgebietes richtig zu handhaben. Der Telegraph würde auch die Möglichkeit darbieten, einer stetigen Verinehrung der Schutztruppc vorzu­beugen. Durch die schnelle Verbindung können die Truppen viel mehr leisten als jetzt. 2(uf diese Weise würden sich die nicht allzu großen Kosten für die Herstellung des Telegraphen reichlich bezahlt machen.

Der 31. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

IV.

Ter 31. Kongreß deutscher Chirurgen beschäftigte sich in seiner Freitag-Nachmittagssitzung mit der Frage der Ni er e n o p e r a t i o n en. Kümmelt (Hambergs, Strauß (Frankfurt), Hildebrand (Basel), PclS-Leusden (Berlin), Casper (Berlin), Langemak (Rostock) u. a. nahmen das Wort hierzu. Eine Debatte entspann sich über die Bedeutung der modernen diagnostischen Methoden, soweit sie für die Bestimmung operativer Eingriffe in Betracht kommen.

Zum Vorsitzenden für das kommende Geschäfts­jahr wurde mit 254 von 382 Stimmen der Marburger Chi­rurg Geh. Medizinalrat Professor Küster gewählt. Zu Ehrenmitgliedern wählte der Kongreß die Berliner Chirurgen Geh. Medizinalräte v. Bergmann und König.

In der Vormittagssitzung des Samstag brachte die Tagesordnung ein buntes Programm, darunter auch die üblicheninteressanten" Fälle. Gleich der erste Patient, den Prof. Rehn (Frankfurt a. M.) vorstellte, zeichnete sich durch die Besonderheit seines Leidens und der an ihm ausgeführten Operation aus. Es handelte sich um einen 29jährigen Schlosser, der sich einen Revolver schuß in die rechte Schläfen g egend beigebracht hatte. Der Sitz der Kugel wurde lyittels Röntgenstrahlen nachgewiesen. Zunächst befand sich der Verletzte leidlich wohl; am siebenten Tage aber stellten sich Krämpfe ein, die immer heftiger wurden und das Leben des Kranken bedrohten. Man ent­schloß sich zu einer Aufmeißelung des Schädels, spaltete die Hirnhaut und zog die Kugel mit einer Kornzange heraus, wobei es zu einer starken Blutung kam. Der Patient überstand, obschon ec dem Tode nahe schien, den schweren Eingriff, die Krämpfe schwanden bald und der Kranke erfreut sich jetzt, von einigen Störungen int Bereiche des Auges abgesehen, völligen Wohlbefindens. Auch der nächste Patient, den Professor Th i e m (Cottbus) zeigte, ein 38jähriger Mann, stellte eineSeltenheit" in medizinischem Sinne dar. Er erkrankte im Anschluß an eine Influenza an heftigen Kopfschmerzen und klagte über fort­während auftretende Verdunkelungen seines Gesichtsfeldes, sodaß er schließlich, trotz sonst guten Sehvermögens, keinen Schritt mehr allein gehen konnte. Auch hier lag eine Er­krankung des Gehirns vor, und zwar wurde nach Aufmeißelung des Schädels eine hühnerei- große Blasengeschwulst aus dem linken Hinterhauptlappen des Gehirns entfernt In diesem Falle hat die Operation dem im besten Mannesalter stehenden Patienten nicht nur das Augenlicht, sottdern ge­radezu das Leben gerettet

In zahlreichen anderen Fällen ist die Art der Hirn­erkrankung allerdings eine derartige, daß auf eine wirk­liche Heilung nicht zu rechnen ist. Trotzdem kann man, wie Dr. Sänger (Hamburg) hervorhob, auch in solchen nicht operierbaren Fällen von Gehirngeschwülsten die schweren Leiden der Patienten dadurch erheblich mildem, daß man den Schädel trepaniert (anbohrt) und die Hirn­haut spaltet. Dr. Sänger verfügt über elf solcher Fälle, von denen zehn durch diese Methode eine wesentliche Besser­ung ihres Befindens erfuhren. Einer dieser Patienten, ein 21jähriger junger Mann, litt an heftigen Kopfschmerzen, Erbrechen und taumelte wie ein Trunkener hin und her. Er war bereits fast wie erblindet, als er vor jetzt zweiund­einhalb Jahren operiert wurde; sein Befinden ist gegen­wärtig, wie seine Vorstellung vor dem Kongreß bewies, vor­züglich, und er kann sich vollkommen frei bewegen.

Welche glänzenden Erfolge die moderne Operations­technik zu erzielen weiß, zeigte eine Reihe jugendlicher und erwachsener. Patienten, an denen Professor Gluck (Berlin) wegen krebsiger, diphtherischer und anderer Erkrankungen außerordentlich schwere Eingriffe im Bereiche des Kehl­kopfes ausgeführt hat. Einigen ist der halbe oder ganze Kehlkopf herausgeschnitten worden; trotzdem be­finden sie sich durchaus wohl uni) wissen sich, zum Teil mit Hilfe eines künstlichen Kehlkopfes, mehr oder weniger gut verständlich zu machen. Gluck hat eine Art Sprech­apparat konstruiert, welcher es dem Operierten gestattet selbst nach völliger Ausschaltung des erkrankten Kehl­kopfes durch Anblasen von oben oder unten im Rachen eine vernehmliche Stimme zu erzeugen. Das Resultat ist in Anbetracht der gefährlichen Erkrankung und der Schwere des Eingriffes als ein außerordentlich günstiges zu be­zeichnen. Von den bisher durch Gluck operierten Patienten sind noch dreißig am Leben und bisher ohne Rückfall ge­blieben, davon zwölf, denen der halbe, und zwölf, denen sogar der ganze Kehlkopf herausgenommen worden war. Ein Kranker, der an Kehlkopfkrebs litt, überstand trotz seines hohen Alters er war bereits 74 Jahre alt den unge­wöhnlich schweren Eingriff und lebte noch anderthalb Jahre im besten Wohlsein.

Dr. Holländer beschrieb eine Methode von plastischer Operation bei Nasenlupus, durch welche eine künstliche Nase geschaffen wird. Dieselbe erhält nicht die üblichen zwei Atmungslöcher und eine Nasenscheedwand in dec Mitte, sondern eine gemeinsame Oeffnung, weil so am besten das Eintreten eine» Rückfalls verhütet wird.

Ein Schweizer Arzt, Dr. Tadel (Lausanne), berichtet über die günstige Wirkung eines vor einiger Zeit von Dr. Marmoreck in Paris hergestellten Serums, das aus ge­wissen eiterbildenden Bakterien, den Streptokokken, ge­wonnen und Antistreptotokkenserum genannt worden ist. Dieses Serum ist von verschiedenen Seiten zur Behandlung aller der Krankheitsprozesse empfohlen worden, bei bereit Entstehung Streptokokken eine Rolle spielen, und Dr. Tave' will bann auch bei verschiedenen Afsektionen (Rose, Kind bettfieber, Gehirnhautentzündung, Lungenentzündung 2C; einen günstigen Einfluß des Antistreptokokkenserums beob­achtet haben. Vielfach erfolgt die Heilung überraschend! schnell, mitunter langsam; in manchen Fällen bleibt sie allerdings ganz aus. Unangenehme Nebenwirkungen hat Tr. Tavel bei dieser Behandlungsmethode nicht be< obachtet.

Tie Schlußsitzung wurde mit einer Reihe von Vorträgen aus dem Gebiete der orthopädischen Chirurgie eingeleitet. So berichtet Küster-Marburg über die Be­seitigung von Schultersteifigkeiten nach Verletzungen, die eine Entzündung des Schleimbeutels über dem Schulter- gelenk hervorgerufen haben.Heusner -Barchen demon­strierte die Tauerfolge nach Streckung von Kniegelenkvev- krümmungen; die Streckung wurde dadurch herbeigeführt, daß die verkürzten Beugesehnen an der Hinterseite des! Oberschenkels durchschnitten und vorn an der Streckseite des Kniegelenks eingepslanzt wurden. Engels-Hamburg zeigte ein nach seinen Angaben verbessertes künstliches! Bein, welches das fehlende Kniegelenk durch einen kunst­vollen beweglichen Mechanismus ersetzt. Eckstein-Berlin zeigte mehrere Kranke, bei welchen er Defekte verschie­denster Art (Sattelnasen, Gaumenspalten) durch Einspritzung von Hartparassin unter die Haut gut ausgeglichen hat. Rein fachwissenschaftliches Interesse boten die Vorträge bezw. Temonftrationen von Hon s e 1 l-Tübingen über aseptischen uni) antiseptischen Salben- und Pflasterverband, von Braatz-Königsoerg über einige neue Apparate und In­strumente, von Sam t er-Königsberg über den Zirkel- schnitt bei Fußamputationen, von Ledderhose- Straß- bürg über die Zerreißungen der Harnblase und von Woeri°> n e r - Gmünd über den Beginn des Gallenblaseukrebses. Ein von Lenzmann-Duisburg besprochener Fall von Brand des Blinddarmes infolge von Umschlingung des Wurm-, fortsatzes um den Blinddarm beweist wiederum die unend­liche Menge von Komplikationen, welche durch die Beweg­lichkeit und variable Lage des zur Entzündung so leicht neigenden Wurmfortsatzes entstehen können.

Nach einem kurzen Geschäftsbericht und einem von Küster-Marburg auf den Vorsitzenden Ko cher ausge­brachten Hoch wurde der Kongreß geschlossen.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 7. Aprll 1902.

** Bienenzucht. Jetzt ist es noch Zeit, schwache Völler mit starken oder zwei oder mehrere schwache miteinander zu vereinigen. Hat man ein weiselloses Volk, so hängt man das weiselrichtige Voll zu dem weisellosen, am besten getrennt durch eine Zucker- oder Honigwabe, ober auch, indem man beide Völler durcheinander hängt. Schwache Völler haben für den Binenzüchtec keinen Wert, da nur starke im Stande sind, zur Zeit der Tracht Vorräte an Hopig einzusammeln. Als besonders geeignet, starke Völler und demgemäß große Honigmengen zu erzielen, können die in den letzten Jahren eingeführten Vieretagern ohne Schindbrett und mit 2 Flug­löchern bestens empfohlen werden. Außerdem gilt es jetzig zwecks Erzielnng von reichlichem Brutansatz, mit Honig zu füttern. Das ist im Frühjahr der Fütterung mit Zucker vor­zuziehen.

** Sind Eltern für den durch ihre spielenden Kinder an» gerichteten Schaden verantwortlich? Eine alte Dame war von einem etwa zwölfjährigen spielenden Knaben auf der Straße umgerannt worden und hatte sich einen Schenkelbruch zuge­zogen. Sie verlangte 300 Mk. Schadenersatz für Kurkosten u. s. w. Ihr Rechtsanwalt verwies auf den § 823 des Str.--G.--B., wonach Derjenige, der zur Beaufsichtigung Minderjähriger verpflichtet ist, für etwaige durch diese ange­richtete Schäden zu hasten hat. In erster Instanz gewann die Klägerin ihren Prozeß; in der Berufungsinstanz wurde sie glatt abgewiesen. Das Urteil wurde folgendermaßen be­gründet : Es mag wohl bei Kindern jugendlichen Alters, die noch nicht völlig Herr ihres Körpers und ihrer Bewegungen sind, eine Aufsicht in der Art geboten und durchführbar sein, daß der Auffichtspflichtige chre Bewegungen überwacht und nötigenfalls eingreift. Anders aber liegt die Sache bei einem zwölfjährigen Knaben, der gewohnt ist, sich auf der Straße zu bewegen. Bei ihm würde eine solche Aufsicht das ver­nünftige Maß überschreiten und praktisch undurchführbar sein. Die Aufsicht kann sich hier im wesentlichen nur auf Er­mahnungen und Strafen beschränken, und es ist unerfindlich,, wie auch durch die strengste Aufsicht das unvorsichtige Rück­wärtslaufen eines solchen Knaben, dem das Spielen mit seinen Altersgenossen nicht zu verargen und zu verbieten ist, im Augenblick verhindert werden kann.

m Saasen, 3. April. Ein sonderbarer Handel wurde heute hier abgeschlossen. Ein Schweinehändler von hier bot einem Federviehhändler von Beuern ein Huhn zum Verkauf an unter der Garantie, daß es gesund sei und auch laufen könne. Er solle nur ein Gebot machen. Nach einigem Hin- und Herreden bot der Händler 20 Pfg. Er erhielt sofort den Zuschlag. Der Verkäufer entfernte sich sofort und brachte ein Küchlein, das vielleicht einen Tag alt war. Der Feder­viehhändler wollte natürlich den Handel rückgängig machen. Der Schweinehändler drohte jedoch mit einer Klage, wenn der Käufer es nicht bei dem Verkauf bewenden ließe. Dieser machte deshalb gute Miene zum bösen Spiel, verschenkte aber das Küchlein in Reiskirchen.

Vermischtes.

* Berlin, 6. April. Ter bekannte WeinhändleL Oswa 1 d Nier hat sich in der Nacht vom Freitag zum Samstag durch Gift getötet Der Grund zu dieser That wird teilweise in zerrütteten finanziellen Verhältnissen gesucht, zum andern Teile soll sich Nier die Einsetzung eines neuen Tirektors so zu Herzen genommen haben, daß er seinem Leben freiwillig ein Ziel fetzte. Das Nierfche Geschäft, von dem sich Filialen in zahlreichen deutschen Städten befinden, wurde am 1. De­zember v. I. in eine Gesellschaft m. b. H. umgewandelt, deren Direktor bisher Nier war. Am Freitag fand die Uebergabe des Geschäfts an den neuen Direktor statt. Nier,