Ausgabe 
6.12.1902 Drittes Blatt
 
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Bekanntmachung.

Im nächsten Jahre soll wieder eine Anzahl armer fkrophttlöser Kinder in der Kinderheilanstalt zu Bad- Nauheim behufs Gebrauchs einer Badekur auf Kosten der Sparkasse untergebracht werden.

Es ergeht an diejenigen Bewohner de? Svarkassen- bezirkS Gießen, welche solche kranke Kinder haben, aber nicht in der Lage sind, die Kosten selbst bestreiten zu können, die Aufforderung, sich bei ihrem Pfarramt der betreffenden Bürgermeisterei zu melden. Bei der Anmeldung ist ein ärzt­liches Zeugnis abzugeben, in welchem die Notwendigkeit einer Badekur bescheinigt sein muß. ES können auch solche Kinder berücksichtigt werden, welche bereits aus unsere Kosten eine Badekur durchgemacht haben, falls dies ärztlicherseits für notwendig gehalten wird.

Die Pfarrämter und Bürgermeistereien werden gebeten, die einlausenden Meldungen mit den ärztlichen Attesten und einer Bescheinigung der Mittellosigkeit der betreffenden Eltern bis znm 15. Dezember L I. hierher einzusenden. Später kintausende Meldungen können nur dann berücksichtigt werden, falls rechtzeitig angemeldete Kinder ausfallen sollten. Be­merkt wird noch, daß Kinder unter 3 Jahren, sowie Knaben über 14 und Mädchen über 15 Jahre in die Anstalt nicht ausgenommen werden.

Gießen, 24. November 1902. 8297

Der Direktor der Spar- und Leihkasse Gießen:

__________________Wiener.___________________

Bekanntmachung.

ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß auch im laufenden Jahre eine Prämiierung von Dienstboten VcS Sparkassen - Bezirks stattfinden soll. Prämien können von 5 zu 5 Jahren solche Dienstboten im engeren Sinne erhalten, welche bei der Herrschaft Kost und LogiS haben und sich über gute Führung durch Zeugnisse auSweisen können. Von Vollendung der 5 Jahre kann nur dann im letzten Dienstjahr abgesehen werden, wenn der Dienst- mt9tritt durch Einberufung zum Militär, durch Auflösung deS Haushalts oder durch Gründung eines eigenen Haus­standes erfolgt. ES werden hiernach alle diejenigen Dienst­boten, welche nach den vorstehenden Bedingungen aus eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, aufgesordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines Zeugnisses der Herrschaft über gute Führung, sowie eine? etwaigen Spar­kassenbuchs bei unserer Kaste oder der Bürgermeisterei deS Wohnorts bis znm 15. Dezember l. I. zu melden.

Der Direktor der Spar- und Leihkasse Gießen.

Wiener. 8215

KDmlMWMU

Gemäß 8 50 deS Statuts hat die Wahl der Vertreter zur General-Versammlung alle 3 Jahre stattzusinden, und muß sonach, da die letzte Wahl am 13. Dezember 1899 stattgesunden hat, dieses Jahr Neuwahl eintreten. Von Seiten der Kastenmitglieder sind 148 und von Seiten der Arbeit­geber 74 Vertreter zu wählen.

Zu diesem Zweck haben wir für die KaSSeniültglieder Wahltermin auf

Mittwoch den 10. Dezember l. I., von mittags 12 Uhr, bis abends 8 Uhr, im Kassenlokale, Lud- wigstraße 12,

und für die Arbeitgeber auf

Donnerstag den 11. Dezember L J^ nachmittags von 2 bis 6 Uhr ebendaselbst

anberaumt und laden wir die Interessenten zu diesem Wahl­akt höflichst ein.

Wählbar, sowie wählen können von den Kastenmitgliedern solche, die da? 21. Lebensjahr überschritten haben und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind. 8346

Der Vorstand.

Giessen

-

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Indem ich darauf aufmerksam mache, daß infolge billigerer Sticklöhne die Preise meiner

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Unsere diesjährigen grossen

Weihnachtsaussteilungen

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7982

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Darmstädter Zuchtviehmärkte im Jahre 1903 auf nachver­zeichnete Tage fallen:

6., 20. Januar, 3M 17. Februar, 3., 17., 31. März, 14., 28. April, 12., 26. Mai, 9., 23. Juni,

7., 21. Juli,

4., 18. August,

1., 15., 29. September,

20. Oktober,

3., 17. November,

1., 15., 29. Dezember.

Darmstadt, den 1. Dezember 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Darmstadt.

Morneweg. 8428

Kirchstrasse 2. An der Stadtkirche.

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Gabrie le d'An n unzio : Traum eines Herbstabends. Tragische? Gedicht. (S. Fischer, Der- lag, Berlin). Gkf). 1 Mk. Die Stimmung des Herbste?, ge­steigert durch die de? Abend?, wird durch ein großartiges, balladenartig bewegtes Bild zum heroischen Ausdruck ge­bracht. De? großen italienischen Poeten d'Annunzio hoch- geschwunaene? Patho?, der Triumph der Leidenschaft, der durch alle seine Werke klingt, kommt in der knappen dra­matischen Form zu besonder? eindringlicher Wirkung.

Boeck, Dr. Kurt, Durch Indien in? ver­schlossene Land Nepal. Ethnographische und photo­graphische Studienblätter. Mit 36 Separatbildern, einem Panorama und 240 Abbildunaen im Text, sämtlich nach photographischen Aufnahmen oeS Verfasser?, sowie einer Kartenskizze. XVI u. 320 S. Le^.-Dktav. In elegantem Leinenbond. 10 Mk. Leipzig, Ferdinand Hirt & Sohn. In spannender Form, die Unterhaltung mit der Beleh- rung in glücklichster Weise verknüpfend, giebt der Asien- ceisende Dr. Kurt Boeck in diesem Werke die Quintessenz seiner Beobachtungen in Dritisch-Indien wieder, denen er aber sofort als d'nkbar interessantesten Gegensatz seine Eindrücke in dem vielen kaum dem Namen nach bekannten Himalaja-Königreiche Nepal anreibt, einem für Europäer so gut wie verschlossenen Lande, das zugleich der einzige von den Engländern wirklich ganz unabhängige Staat in Ostindien ist. In den 277 von Dr. Boeck photographisch aufgenommenen Illustrationen führt der Verfasser die be- merkenswertesten Vorkommnisse seiner vier großen Reisen in allen Teilen Indien?, einschließlich Birmas, Ceylons and diese? geheimnisvollen, mit Tibet nahverwandten Lande? Nepal vor. In zwanglosem, oft humoristisch, ja selbst satirisch gefärbtem Plauderton, aber stet? mit eckt wissenschaftlichem Endzweck knüpft er hieran eine Fülle von Mitteilungen, die schließlich ein vollständige? Bild aller für da? größere Publikum interessanten Kulturver- hältnisse de? modernen Indiens entrollen. Nicht nur für Männer und Jünglinge aller Stände, sondern auch für Damen, die neben dem gefühlswarmen E"Elerten und einer oft ungemein spannenden Handlung die in schmack­hafte Hülle eingebetteten wissenschafilickien S-ckHtze zu wür­digen wissen, wird die? prächtig und vornehm auögestattete

Buch jederzeit ein hochwillkommene? Geschenk von bleiben­dem Werte sein, zumal bei unS in Hessen angesichts der bevorstehenden großen Jndienreise unsere? Groß- herzogS.

Luther al? Erzieher. 1.5. Tausend. (VI, 208 S.) Berlin, Martin Darneck 2 Mk. Die Eigentümlich­keit dieses anonym erschienenen Lutberbuche? in Vergleich zu a nderen liegt darin, daß der Verfasser die Grenzen seiner Darstellung einmal weiter und einmal enaer ge­zogen hat. Weiter, indem er LebenSgang und Gebens- werk de? Reformator- auS dem Rahmen der kirchlichen und religiösen Bewegung seiner Zeit hinausgehoben und in den der politische, sozialen, wirtschaftlichen und wissen­schaftlichen Bestrebungen uns erer gährungsreichen Epoche ein gezeichnet hat: enger, indem er unter Verzicht auf Vollständigkeit in der Detaildarstellung und da? für die heutige Welt Wissenswerte au? der Entwickelung Luthers und da? für tm? heutige Menschen auS einem Werke Bedeutsame ausgewüblt und in populä-e Form ge- gosien hat. TuS Buch verdient ein echtes Volksbuch zu werden.tt

Im Verlag der I. C. HinrichS'schen Buchhandlung in Leipzig erschienen, herauSgegeben von Dr. Hugo Winckler, »Die neuentdeckten Gesetze HammurabiS, Königs von Babylon, lllm 2250 v. Ebr.) DaS älteste Gesetzbuch der Welt. Mit Abbildung de? Steindenkmals/' <00 Pfg.) Wohl die wichtigste Urkunde, die bisher auS der assyrisch-babvlonischen Kultur aus un? gekommen ist, wird hier behandelt. Hammurabi, der biblische Amraphel, der al? Zeitgenosse Abraham? genannt wird, hat um 2250 v. Ehr. regiert. In etwa 280 Paragraphen enthält die fast tadellos erhaltene, in Susa gefundene Stele eine Gesetz­sammlung, die über die verschiedensten Verhältnisse de? Recht? wie de? staatlichen und bürgerlichen Leben? syste­matisch aeordnete Aufschlüsse giebt. Dem Historiker, Ju­risten, Orientalisten und Ethnologen wird durch diese? iuriS eine Fülle von Einblicken in die Entwickelung des altorientalischen Kulturleben- eröffnet. Für den Theo­logen bildet da? nni gefundene Gesetzbuch einen wichtigen Kommentar zum Alten Testament.

»Tie Blütezeit der deutschen poli­tischen Lyrik von 1840 6i? 1860 be­

handelt Ehr. Petzet in einem Z. tm Erscheinen be­

griffenen, von uns bereit? wiederholt erwähnten Werke (Verlag von I. F. Lehmann in München). Ta? 4. Jahr­zehnt de? verflossenen Jahrhunderts ist sowohl in poli­tischer wie in litteraturgeschick'tlicher Beden tun a von großer Dichtigkeit. Der Preußen-König Friedrich Wilhelm TV., der bekanntlich damals regierte, erfüllte in keiner Be­ziehung die Hoffnungen, die man bei seinem Regierungs­antritt auf ihn gesetzt hatte. Er wollte Berlin zu einer Metropole der Künste und Wissenschaften machen, wählte aber die Leute schlecht auS, die er nach Berlin zog. Tie Unzufriedenheit be? Volk«-? gab sich immer lauter und lauter kund, und die Dichter waren eS, die durch die Sprache der Po-sie die Anschauungen be? Volkes ver­breiteten. Unter biesen Einflüssen entstand Nikolaus B-cstrS Nheinlied:Sie sollen ihn nicht haben'" Weitere Titfiter, die den Rhein verherrlichten, waren Hoffmann von Fallers­leben, H-rwegb, Dinaelltedt und Prutz. De b-deutendsten unter i^nen sind Herwe^h und Dinaelstedt. Von den Werken

(H-stgenannten müllen besonders erwähnt werden die Gedichte eine? Lebendiaen", vmi b*nen be? Lehteren die Lieber eine? kosmopolitischen Nachtwächter?" und andere Li ober, die ihm stet? eine Bebentung unter b-n Dichtern sichern werden Von Robert Tnth verdient bindere Be» achtung sein Drama:Die politische Wochenstube^b Aber auch Heinr. H e in e und Emanuel Geibel waren polll'lche Lyriker, und sie behandelt Debet in der so-^en iur Aus- aabe gelangten 3. Liefe-ung seine? Derk'?. Manche lieder- llohe junge Dame wird erschrocken sein, wenn sie von Vetzet vernimmt, daß das von tausend Unschuldslippen lo gern gesungeneU n d dräut der Winter noch s o sehr", mehr ein politische? Lied als ein FrüblingSgesang ist. Ausführlich werden endlich in der vorliegenden Lie- fenmg die österreichischen politischen Dichter jener Jahre behanb-lt, die in unserem Nachbarreiche einst einschluaen wie mächtige Wellen. Anastasius Wrün, Nik. Lenau, ^r. Grillparzer -e. ?e» sie alle waren auch große volitische Lvr'ker, die der Erbitterung über die inneren Zu­stände des Vaterlandes je nach Temperament irtmifthen oder leidenschoftlick"w, klaaenden oder zornmütigen Aus­druck o^ben. Von allen diesen und zahlreichen anderen noch -ntwirsl Petzet kurze, ab-- trign.inte Charakteristiken.