Ausgabe 
6.11.1902 Drittes Blatt
 
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Parlamentarisches.

Verltrr, 5. Nov. Im Künstlerhause fand heute abend eine Trauergedächtnisfeier für den Abg. Ricker t statt, an der viele Parlamentarier, an ihrer Spitze die Leiden Vizepräsidenten Gras zu Stolberg und Büsing, teil­nahmen. Staatssekretär v. Tirpitz ließ sich durch den Ka- ditän Capelle vertreten. Außer den Abgeordneten, unter Denen sämtliche Parteien Der treten waren, erschienen zahl­reiche hervorragende Persönlichkeiten, u. a. Mvmmsen- Ein Trauergesang des Lehrergesangvereins eröffnete die Feier. Tie (Gedenkrede hielt Abg. Schrader, während Abg. Stadtrat Ehler-Danzig den Tribut der Tankbarkett dieser Stadt zollte. Nachdem Noch mehrere Ansprachen gehalten waren, wurde die Feier mit einem Gesang geschlossen.

Breslau, 5. Noo. Die Landtags-Abgg. für Breslau, Schmieder und Wedekamp, werden nicht mehr kandi­dieren und zwar ersterer wegen seines vorgerückten Alters, letzterer infolge seines Wegzuges nach Schöneberg bei Berlin.

Oldenburg, 5. Noo. Die liberale Pattei des Land­tages bereitet einen Antrag auf Einführung des all­gemeinen direkten und geheimen Wahl- rechts vor.___________________________________________

Kolonialpost.

Berlin, 5. Nov. Tie gestern abend abgehaltene Fest­sitzung der Abteilung Berlin-Charlottenburg der deutschen L o l o n i a l - G e s e l l s ch a s t, in welcher der Präsident der Schantung-Eisenbahn und der Schantung-Bergbau-Gesell- schast Wirkt. Geh. Rat Tr. Fischer überReiseeindrücke aus Schantung" sprach, vereinigte Vertteter der Be­hörden, des Militärs, des Handels und der Industrie. Aus der großen Zahl der Erschienenen seien erwähnt: Staats­sekretär it r a e t f e, Kolonialdirektor Stübel, Ministerial­direktor Wittko, Gräfin v. Posadowsky, Generalleutnant v. Dinklage, Gras Königsmarck, Graf Redern, Geheimrart Mendelssohn-Bartholdy u. v. a. Nachdem Prinz von Aren- berg noch die Mttteitung gemacht, daß Oberst Pawel anfangs Tezember über seine Forschungsreise berichten werde, nahm Wirkt. Geh. Rat Tr. Fischer das Wort zu seinem Bortrage. Wenn man sich in Schantung von der Eisenbahn entfernt, dann beginnt eine Art von Reise, an die sich der Europäer nur schwer gewöhnen kann. Die Herberge, welche ihn aufnimnit, besteht nur aus vier Wänden. Bett, Bettwäsche, Küchengeräte, Mundvorrat und Trinkwasser «n; x der Reisende mit sich fuhren. In allen Orten mürben die Reisenden festlich empfangen. Man über­reichte ihnen einen Willkommenstrunk, und zwar einen Aufguß auf grünen Theeblättem, der außerordentlich er­frischend toirtte. Ueberdies brachten Diener auf Platten alle Speisen, welche der reiche Chinese auf feiner Tafel hat. Tie Bevölkerung ist hauptsächlich auf Ackerbau ange­wiesen, den sie mit geradezu beispielloser Jntensivität und Sorgfalt betreibt. Bon Gehässigkeit oder Feindseligkeit der Schantungleute gegen die Eisenbahn habe er nicht das Geringste bemerkt. Tie Steinkohlenförderung in ihrer bis­herigen Stärke lasse an eine Ausfuhr noch nicht beulen; Auch! Roheisen werde bald ftu einem billigen Preise abgegeben werden können. Tie Deutschen haben, so schloß Wirkt. Geh. Rat Fischer seine Ausführungen, mit kühnem Wagemut Unter» nehmungen begründet, welche bald sowohl der einheimischen Bevölkerung als auch den Pionieren der Kultur große Vor­teile bringen werden.

Heer und Flotte.

Potsdam, 5. Noo. Heute Vormittag 11 Uhr fand die Vereidigung der Rekruten der Potsdamer Garnison im Exerzierhause in Gegenwatt des Kaisers und der Kaisettn, der Prinzen des kgi. Hauses, der Prin- zessin Friedrich Leopold, der Prinzessin Ernst von Sachsen- Altenburg, der Erbprinzessin von Hohenzollern, des aller­höchsten Hauptquattiers, des Generals von Kestel, der Vorgesetzten der beteiligten Truppentelle und der fremden Militärbevollmächtigten statt. Die Feier begann mit An­sprachen des evangelischen Garnisonspfarrers Keßler und des katholischen Militärpfarrers Midchendorf. Hierauf fand die Vereidigung statt. Der Kaiser hielt eine Anspra che, worauf Generalmajor von Lyncker ein dreifaches Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Nach dem Vorbeimarsch der Ehren­kompagnie begab sich der Kaiser zum Frühstück im Offiziers­kasino des 1. Garderegimentes. Die Kaiserin begab sich nach dem Neuen Palais zurück.

Laudesverralsplozeß Uecker.

Leipzig, 5. Nov.

Vor dem vereinigten 2. und 3. Strafsenat des Reichs­gerichts begann heute der Landesverratsprozeß gegen den Ges chästsreisenden Edo Becker aus Wolffenbüttel. Ten Vorsitz führt Senatspräsident Treplin, die Aullage vertritt Oberreichsanwalt Olsyausen, Verteidiger ist Rechts­anwalt Wildhagen. Geladen sind elf Zeugen, drei Militär- sachverständige und ein Dolmetscher. Außerdem wohnt im Auftrag des Ministeriums für Elsaß-Lothringen der Polizei­direktor Zahn-Straßburg den Verhandlungen bet Der An­geklagte ist im Wesentlichen geftänbig, einem fran­zösischen Spion Namens Meunier militärische Corresponbenzen unb photographische Auf­nahmen der Metzer VestenLothringen" und Graf Häfeler" geliefert zu haben.

Ter Angeklagte bemerkt, er habe zunächst nur Photo­graphien der Festungswerke und Manöverbilder geliefert Als er im Juli 1902 eine längere Gefängnisstrafe wegen Unterschlagung verbüßt hatte, sei er von Meunier ersucht worden, nach Nancy zu kommen. Meunier habe dabei For­derungen derart an ihn gestellt, daß er die Vermutung hatte, Meunier sei Chef der französischen Spionagegesell­schaft. Er wollte von ihm militärische Geheimnisse er­fahren, um sie der französischen Regierung auszuliefern. Er fei daher scheinbar auf den Vorschlag Meuniers ein» gegangen, um seftzustellen, ob seine Vermutung sich be­stätigen werde. Er habe, wenn fein Verdacht sich bestätigt hätte, die ganze Angelegenheit der deutschen Reichs­regierung anzeigen und deshalb auch die Be­ziehungen nach der Verhaftung fortsetzen wollen. Ter Unter- suchungsrichter habe aber fernen Vorschlag obgelehnt. Der Angeklagte bemerkt, Meunier habe Doppelzünder C. 96 haben »vollen unb ihm dafür eine Belohnung versprochen. Er entsprach aber dem Verlangen nicht, zumal, da er dazu gar nicht in der Lage gewesen sei. Er sei einmal von einem Franzosen in ein Cafs bestellt worben, könne aber hierüber näheres nur in geschlossener Sitzung mitteilen. Er wolle nur sagen, daß dieser Franzose kein französischer Offizier gewesen sei. Ter Vorsitzende bemerkt, daß er später für einen Augenblick die Leffentlichkett ausschließen werde. Mehrere Zeugen bekunden, daß fie den Angeklagten mehrfach

in verdächtiger Weise am FortGraf Häseler" gesehen haben. Ein Metzer Kantinenwirt will den Angeklagten mit weißem Papier und Bleistift gesehen haben, als er am FortGraf Häseler" Aufzeichnungen machte. Ter Ange- fiagte bestreitet, jenen Mann gesehen zu haben. Ter Zeuge erklärt, den Angeklagten mit Bestimmtheit wiederzuerkennen.

Nach Beendigung der Zeugenvernehmung beantragt der Staatsanwalt für die nun folgende Vernehmung der <-ach- verftänbigen im Interesse der Staatssicherheit, die Oeffent- lichkeit auszuschließen. Ter Gerichtshof beschließt dement­sprechend.

Nach Wiederaufnahme der öffentlichen Sitzung bean­tragt der Oberreichsanwalt gegen den Angeklagten wegen zweier vollendeter Verbrechen des Landesverrates mit Rück­licht auf die noch zu verbüßende Gefängnisstrafe von acht Monaten wegen Unterschlagung eine Gesamtstrafe von drei Jahren vier Monaten Zuchthaus, sechs Jahren Ehrverlust sowie Zulässigkeit der Polizeiaufsicht.

Das Reichsgericht verurteilte Becker wegen Verrats mili­tärischer Geheimnisse zu drei Jahren und sechs Mo­naten Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Zu­lässigkeit von Polizeiaufsicht.

Wahlkuriosa.

Man schreibt uns aus Darmstadt, 5. Nov.: TemGieß. Anz." wurde mitgeteilt, daß der Mainzer Bischof am 29. Oft. sein Wahlrecht ausüben wollte, aber zurückgewiesen werden mußte, da er als Mitglied der Ersten Kammer kein Wahlrecht für die Zweite Kämmer besitzt. Aehnliche Fälle von Wahleifer sind uns von hier zu mel­den So kam um die Mittagsstunde ein ehrwürdig drein­schau ender alter Herr und verlangte zu wählen. Man suchte die Wählerliste mehrmals aufs gründlichste durch, und der Herr begann bereits unruhig zu werden, bis sich einer der Beamten noch einmal den Namen nennen ließ und darauf­hin konstatierte, daß der Herr allerdings nicht in der Liste stehe, aber auch nicht drin stehen dürfe, weil er als Senior eines der vornehmsten Adelsgeschlechter Sitz unb Stimme in der Ersten Kammer besitzt. Tableau! Bald darauf sandte ein höherer Offizier mit be­kanntem Namen seine Wirtschafterin ins Wahl- bureau, um Beschwerde darüber führen zu lassen, daß er keine Ein ladu n g zur Wahl erhalten habe. In einem besonderen Schreiben führte er aus, er sei wegen Krankheit am persönlichen Erscheinen verhindert, füge aber seine Visitenkarte bei unb gebe seine Stimme den Wahlmännern des beigefalteten Zettels. Auch diesem Herrn mußte bedeutet werden, daß er als Offizier kein Wahlrecht aus^zuüben habe. Auch sonst fehlte es bei der Wahl an seltsamen Vorfällen nicht. So kam ein Wähler und wollte durchaus eine Parteieinlabung zur Wahl ei- ligung in die Urne stecken. Ein anderer gab einen Wahl­aufruf mit den beiden Landtaaslandidaten als Sttmm- zettel ab und blieb auch auf Vorhalten des Wahlvorstanbes dabei:Hier stehen die beiden richtigen Kandidaten, diesen gebe ich meine Stimme unb keinem andern!" Erst die Heiterkeit der Umstehenden bewies dem Guten, daß er eine Dummheit geäußert hatte, und beschämt zog er schleunigst von bannen.

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Als ein Beweis des überaus geringen Interesses an den Landtagswahlen wird denN. H. Volksbl." aus zuver­lässiger Quelle mitgeteilt, daß in einer größeren Gemeinde des vorderen Odenwaldes bei der Wahlmännerwahl nicht einmal die Mitglieder der Wahlkommission abj'timmten. Schließlich gelang es doch, einen Wähler zur Wahlurne zu bringen, sodaß die Wahleinstimmig" erfolgte. Es er* klärt sich einigermaßen dadurch, daß in dem Bezirk die Wiederwahl^ses Abg. Schönberger sicher steht.

Aus Stadt unb Land.

** Neue Volksbiblivtheken in Hessen. Die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung hat im Laufe dieses Jahres, von Anfang Januar bis Ende Sep­tember, wiederum 1126 Dolksbibliotheken mit 34 646 Bänden begründet und unterstützt. Hiervon entfallen auf Hessen 44 Bibliotheken mit 1517 Bänden. Seit Anfang 1897 bis Ende September d. Js. hat bie Gesellschaft insgesamt an 3894 Bibliotheken 157141 Bände unentgeltlich abgegeben. Tie für diesen Zweck in demselben Zeitraum aufgeiuanbten Barmittel belaufen sich auf über 180000 Mk. Dazu kommen sehr erhebliche Bücherscheukungen, die mit zur Verwen­dung gelangt sind. Seit dem vorigen Jahre hat die Gesell­schaft auch 252 Wanderbibliotheken von je 50 Bänden er­richtet, die alljährlich erneuert werden. Die Wanderbiblio­theken eignen sich besonders für kleinere Gemeinden. Die Bücher werden aus dem etwa 1500 Nummern umfassenden Katalog der Gesellschaft von den betreffenden Gemeinden vollständig unbeschränkt ausgewählt und im nächsten Jahre bis $um 1. Juni an die Geschäftsstelle der Gesellschaft zurückgesandt. Diejenigen Gemeinden, die die Bibliothek fortsetzen wollen, wählen dann wiederum eine neue Kollek­tion von 50 Bänden aus den Katalogen der Gesellschaft aus. Tas Neue dieser Wairderbibliotheken den bisherigen vereinzelt bestehenden ähnlichen Einrichtungen gegenüber besteht darin, daß jede Gemeinde völlig freie Hand in der Wahl der Bücher behält.

f Ruppertenrod, 5. Nov. Gestern ist unser seit­heriger Wachtmeister Dörr nach Kirtorf verzogen, wohin er versetzt worden ist. Als Stationsführer hat er sechs Jahre lang dem hiesigen Gendarmeriebezirk vorgestanden. Nicht nur unsere Gemeinde, sondern der ganze Bezirk sah Dörr ungern scheiden, war er doch ein freundlicher Beamter, der die Liebe und Wertschätzung der Bevölkerung in reichem Maße besaß.

§ Aus dem Ohmth ale, 5. Nov. Das überaus schöne Novemberwetter ist noch von großem Nüven für unsere Landwirtschaft. Bekanntlich war durch Die um Wochen verspätete Vegetation auch die landwirtschaftliche Herbstbestellung sehr verspätet, sodaß nicht selten jetzt noch Weizen gesät wird. Das Unrpflügen der Stoppeläcker hätte bei weniger günstiger Witterung nicht mehr gänzlich be­wältigt werden können. Tas Vieh vermag jetzt noch die Weide zu benützen. 'Dhin kann der Sanbmann nach Bewäl­tigung aller landwirtschaftlichen Arbeiten getrost dem Winter entgegensehen.

Hanau, 4. Noo. Vor einigen Tagen entleibte sich der am hiesigen Westbahnhof stationierte Güterexpedient Nickel. Der Mann lebte in sehr guten Verhältnissen; ein Verdacht, daß die von ihm geführte Kasse nicht in Ordnung fei, war von vornherein ausgeschlosfen. Ter Angestellte einer hiesigen Firma hatte daö amtliche Frankaturenbuch zu seinen eignen Gunsten gefälscht; der verstorbene Nickel hatte ebenfalls, als er sich einmal versehen, Aenderungen im selben Frankaturenduch vorgenommen und der bett. Ange­stellte hatte sich bei dem Untersuchungsrichter hieraus berufen.

Die Vernehmungen deS jetzt Dersiorbeneu vor dem Unter­suchungsrichter machten diesen so nervös, daß er schließlich an Verfolgungswahn litt und in diesem Zustande Hand an sich legte.

Fran kf urt, 4. Nov. lieber die Verw ertung des alten Schauspielhauses wurde bekanntlich schon vor Jahren, als der Plan der Errichtung eines Neubaues feste Form annahm, ein Vertrag vereinbart, auf Grund dessen das alte Haus jekt zum Preise von 1 250 000 Mark in den Besitz der hiesigen Commerz- und Disk ontv» Bank übergeht. Tic Uebergabe, die vertragsmäßig am Tage der Eröffnung des neuen Hauses erfolgen sollte, ist unseres Wissens noch nicht geschehen, doch wird es sich bei der Verzögerung wohl nur um wenige Tage handeln. Msdann wird vermutlich mit der Niederlegung des alten Schauspielhauses bald begonnen werden. Ob die Commerz- und Diskonto-Bank auf dem nach dem Börsenplatz ge­legenen Teil des Terrains ein neues Bankgebäude errichtet, oder ob sie die Liegenschaft ganz oder geteilt zu verwerten sucht, steht noch nicht endgiltig fest.

Vermischtes.

Hamburg, 4. Nov. Die Direktton der Hamburg. Arnettka-Linie teilt mit: Die (uns gestern telegraphisch zuge­gangene) Zeitungsmeldung, nach welcher auf dem in Ham­burg eingetroffenen Postdampfer ,S ithonia* an der West­küste von Aftika der Steuerbordkessel explodierte, die ganze Mannschaft verbrühte und 16 Personen getötet fein sollen, ist vollständig erfunden. Ein zwelles Schiff dieses Namens liegt im Hamburger Hafen nicht und giebt es auch nach dem Register des Bureau Veritas nicht. Der Dampfer Sithonia" von der Hamburg-Amerika-Linie ettitt während der ganzen Reise nicht den geringften Unfall.

New - Pork, 5. Noo. Gestern Abend, als etwa 30 000 Menschen sich am Madison Square angesammelt hatten, um die öffentlich bekannt gegebenen Wahlresultate zu lesen, ex­plodierten in der Nähe befindliche Feuerwerks körper. 12 Personen wurden getötet und viele verletzt, da- runter eine Anzahl tätlich. Bei dem Feuerwerk wurden zahl­reiche gußeiserne Mörser verwendet, welche mit schweren Bomben geladen waren. Als die erste Reihe der Mörser angezündet wurde, siel ein Mörser um und entsandte cutt Bombe in die dichtesten Menschenmassen. Die Bombe explo- diette und warf die Umstehenden haufenweise nieder. Auch die übrigen Mörser der ersten Reihe sielen alsdann um unb entzündeten sich. Ein Hagel von Projektilen wurde gegen die Menge geschleudert. Tann folgten die zweite und dritte Mörserrelhe. Es entstand eine entsetzliche Panik. Viele Leute stürzten nieder. Eine Reihe von Opfern, die meist in Stücke gerissen wurden, wurden von der Menge niedergetreteu.

Universltäts-Uachrichten.

Aus D a r m st a d t wird berichtet: An der technischen Hoch­schule habilitierte sich am 4. d. Ingenieur Feldmann aus Köln als Dozent der Elektrotechnik mit seiner Vorlesung übet Die Anforderungen der heutigen Praxis an die Ausbildung des Ekektro-Jngenieurs".

Berlin, 4. Noo. Die brandenburgische Provinzial s y n o d e nahm einen Antrag an, in dem verlangt wird, daß du Lehrstühle für Theologie an den preußischen Unioerfi- täten nur mll Prosessoren von streng kirchlicher Rtch- t u n.'g beseht werden.

Die Dresdener Kriminalpolizei hob in der Dorstadt Räcknitz mehrere Schlägermensuren der Veterinärstudenten aut Zu Beginn des Semesters hat sich in Tübingen eine enthalt­same 6tubente»Vereinigung gebildet als »Vereinigung, die auf dem Boden der Alkoholenthaltung steht und deren höherer Zweck neben dem des Anschlußes überhaupt die Wege deS Ideals in nettem, regem Verkehre sein soll".

Gerichtssaal.

Rostock, 5. Noo. Professor Binder ist, wie wir gestern mitteilten, von der hiesigen Strafkammer zu 6 Monaten Gefäng­nis wegen Z w e i k a m p f s verurteilt worden. TaS Duell verlief unblutig, besonders deshalb, weil ein Revolver unbrauchbar war; der Professor meinte darum, es könne eigentlich nur von einem versuchten Zweikampfe die Rede sein. Professor B., der über die Ursachen des Ehrenhandels Auskunft gab, erzählte: Ich verkehrte im Jahre 1900 sehr mtenfiv in der Familie des Obersten von P a e z e n s k y. Später brach ich den Vettehr ab aus mancherlei Ursachen, über die uh aus Gründen der Delikatesse mich nicht äußern möchte. Von diesem Zeitpunkt an begann die Frau des Cberfteu gegen mich zu intriguieren. Nachdem ich sie nutzlos ge­warnt, schrieb ich dem Obersten einen Bttef, auf den er, wenn er ein Mann von Ehre gewesen wäre, nur mit einer Forderung hätte antworten können. Statt besten suchte mich derselbe aus unß bat mich unter Thränen, ich mochte doch wieder die alten Bezieh­ungen zu seiner Familie aufnehmen, was ich jedoch nicht chat. habe mich dann fpater verheiratet. Nun verbreitete die yrau des Oberst das Gerücht, ich sei von ihrem Manne r a u 6 g eschmissen worden. Wenn aber einer von uns beiden, rausgeschmisten wurde, fo konnte das nur der Oberst gewesen sein. Ich schrieb der Frau des Oberüen einen Brief, worin ich ihren Mann einen jtifl" ling nannte. Auf feine Forderung hin wandte ich mich an das Ehrengericht der Offiziere, weil ich den Oberst nicht mehr für fatisfaktionsfähig hielt. Von dem General v. Muff erhielt ich die Antwort, baß gegen v. Paczensky ehreiigerichil'ch vorgegangen werden würbe, baß ich mir aber ben Vorwurf der Feigheit zuziehen könnte, wenn ich seine Forberung nicht annehme» würbe.

Nizza, 5. Nov. DaS Schwurgericht sprach heute gegen den Morber Vidal, der im letzten Dezember zwei Kraue« gemordet unb drei anbere zu morben versuchte, baS Todes- urteil. |

Neueste yirlvumjfit.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger.

Konstantinopel, 5. Nov. Gerüchte von entern an* geblichen Attentat aus den Sultan reduzteren fuh darauf, daß ein im ^jildiz-Kiosk bediensteter Ltallmetster Namens Hussein dem Sultan bei dessen Rückkehr von dtr Moschee ein Bittgesuch um Befreiung vom MllttärdrenV überreicheon tvollte, dabei aber von der Leibwache des Sultans halb tot geschlagen wurde.

Newyork, 5. Nov. Nach ben letzten Wahlnach' richre n fetzt sich der demnächstige Kongreß aus 197 Repu­blikanern, 3 Fusionisten und 177 Demokraten zusammen.

Newyork, 5. Nov. Die Zahl der bei der gefmgen Explo sion Verwundeten beträgt 80. Mehrere sind so schwer verwundet, daß an ihrem Aufkommen geztveifett wtrd. Im Bellevue-Lwspital wurden allein [icben Seine amputiert. Bielen mußten beide Hände amputiert werden.

N ew y o r k, 5. Nov. Nach einem Telegramm aus Port au Prinee hat sich die Lage gebessert. In (?tonain» ist die Lage nod) ernst. General 'J£ori> besteht daraus, baß sich alle in die Konsulate geflüchteten Personen ergeben. Iic diplomatischen Vertretungen erhoben Einspruch.