Ausgabe 
6.10.1902 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 834

tL-ttch außer Sonntags.

De» Dtehener Anzeiger werde« tm Wechsel mit dem Lefßfchen Landwirt die Gießener Familien« büittrr viermal in der Woche beigelegt.

Notationßdruck u. Btt- leg btt «rühNcken Uoloerß-Buch- u. St ein- druckerri (Pietsch Erben) Nedakttoa, Expedition und Druckerei:

Gch«lftraße T.

Adresie für Depeschenr Nn»eiger Gießen.

^ernsprechanschluß Nr. 5L

Erstes Blatt.

152. Jahrgang

Montag 6. Oktober 1902

Gietzener Anzeiger

** General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

VezugSpret», monatlich7bPs., viertel« sährUch Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Ps.; durch diePost Mk.2. vterlel- sährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« vormittags 10 Uhr. Zetlenprei«: lokal 12Pf.

auSwärt« 20 Psg,

Verantwortlich, für den polil. u. öligem. Steil: P. Wittko; für .Stadt und Land" und .Gerichtssaal" Eurt Plato; sür den An­zeigenteil: Han« Beck.

Kie heutige Dummer umfaßt 8 Setten.

1-1 1 . -L.L! -1.....Bl. _!. ! ' .... -----

Politische Tagesschau.

Die Strömung «ach links

tu der nationalliberalen Partei macht sich immer stärker bemerkbar. Eine Reche der hervorragendsten Parteiblätter geht mit dieser Strömung und giebt sich große Mühe, den in Eisenach bevorstehenden nationalliberalen Delegirtentag und damit die ganze Partei in die gleiche Richtung zu drängen. Man müsse sich, heißt es, wieder mehr auf den liberalen Charakter besinnen und diesen kräftiger betonen. Man müße schärfer die selbständige liberale Weltanschauung der nationalliberalen Partei bekennen. Daraus ergiebt sich dann von selbst die Forderung, von tyen Konservativen mehr abzurücken und sich den Linksliberalen zu nähern.

Wie weit da? Drängen nach links in Eisenach Erfolg haben wird, ist abzuwarten. Einige Schwierigkeiten werden sedenfalls im Wege stehen. Das ist zunächst eine stark agrarische Strömung innerhalb der Partei. Will man die Graf Oriola, Frhr. Heyl zu Herrnsheim u. s. w. ein­fach aus der Partei hinauSwerfen? Dann dürste man sich um so und so viel Mandate bringen. Die weitere Schwie­rigkeit bietet die Frage: Wohin denn nun nach links? Das Beispiel der Mainzer Nationalliberalen, die für-die bevorstehenden hessischen Landtagswahlen den Freisinnigen, Demokraten und Sozialdemokraten ein Kartell angeboten haben, dürfte in Eisenach kaum zur Nachahmung empfohlen werden. Mit den Sozialdemokraten zu gehen, würden schon die vielen Großindustriellen nicht gestatten. Eine Anlehnung an die Freisinnige VolkLpartei oder die süd­deutschen Demokraten würde nicht von Dauer sein, weil diese freisinnige Gruppe bei MUitär- und Marinevorlagen versagen würde. Es bliebe also nur die Freisinnige Vereinigung. Aber auch an sie könnte man sich doch nur enger anschließen, wenn man den Liberalismus auch auf wirtschaftlichem Gebiete gründlich bethätigen, also möglichst zum reinen Freihandel schwören wollte. DaS wird man aber nicht wollen.

DasFrankfurter Journal" pflanzt für den Parteitag die Fahne mit der Devise:Kampf gegen den Ultramon- tanismus!" auf. ES müsse, sagt das Blatt, gegenwärtig ganz energisch Stellung genommen werden gegen die unter dem neuen Kurse eingeleitete Umschwenkung zur Ultra- montanisierung der inneren Reichs- und Einzelstaatenpolitik. Der Liberalismus habe sich in dieser Beziehung nicht als zuverlässig erwiesen, sodaß einer prinzipiellen Anlehnung an ihn nicht das Wort geredet werden könnte. Und die Korre­spondenz der westfälischen Nationalliberalen erhebt gegen die Konservativen und Freikonservativen bittere Vorwürfe, daß sie dem Zentrum mehr und mehr zur ausschlaggebenden Stellung verhalfen hätten.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Okt. Der Kaiser richtete an den General ber Kavallerie a la suite des Leib-Garde-Husarenregiments v. Krosigk das nachstehende Telegramm:

Ich wünsche Ihnen zu dem fünfzigsten Jahrestage des Beginns Ihrer ehrenvollen, in Krieg und Frieden gleich bewährten militärischen Laufbahn von Herzen Glück und erinnere Mich, dabei gern und dankbar Ihrer hohen Verdienste um die deutsche Reiterei und um Meine kaval- leristische Ausbildung. Wilhelm."

Admiral Prinz Heinrich hat nach einer Privat­meldung aus Kiel einen 45tägigen Urlaub erhalten und wird nach der Uebersiedelung von Gut Hemmelmark nach Kiel zunächst mit seiner Familie die Reise nach Darm­stadt antreten.

Heute mittag fand auf dem Kirchhofe der Luisen- Gemeinde zu Charlottenburg die Beisetzung der verstor­benen Stadlrats Kaufs mann statt. Pastor Fischer hielt die Trauerrede. Er schilderte den Verstorbenen als Mensch, dessen vornehmster Zug die Treue gewesen sei. Seine fort­schrittliche Gesinnung entstrahlte den Idealen, die er sich selbst gebildet hatte und die ihn rastlos vorwärts streben ließen rund ihn befähigten, ein hervorragender Führer des Volkes zu werden, darum wollte er auch treu der Gesamt­heit dienen, der Stadt und auch dem Staat und mit seinen hervorragenden Arbeiten im Schoß der Gemeinde sowie als Mitglied des Reichstages dem Volke seine Dienste weihen. Um so bitterer mußte er es empfinden, als es ihm ver­sagt wurde, an die Spitze der Stadt zu treten, um ein weiteres Feld seiner Thärigkeit zu erhalten. Die.e Ent­täuschung habe ihm auch das Herz gebrochen. Als er aber sah, daß seine Wahl der Stadt Schwierigketten bereitete, da habe er den Mut der Entsagung gehabt und sein Amt niedergelegt. r

Wie der Münchener Korrespondent desBerl. Tagcbl." erfährt, ist die von der WienerZeit" gebrachte Aeußerung des Prinzen Ludwig, wonach es dem Prinzregenten gelungen sei, zwischen den zahlreichen deut­schen Staaten einen Ausgleich in der Zolltarif­frage zu finden, richtig. Die Aeußerung fiel im vorigen Jahre, als die Zolltarisdebatten bereits tm Gange waren, gelegentlich einer Tischrede. Trotz dieses von Bayern bewirkten Ausgleiches hat Bayern doch nachträglich im Bunde mit miberen süddeutschen Negierungen Stellung gegen sehr viele Positionen im Bundesrate genommen und wird im Reichstage noch bedeutend schärfere Stellung gegen einzelne Positronen nehmen.

Man ist über den Verlauf der Beratung, namentlich über die Annahme eines neuen § 10a, der die Beseitigung des kommunalen Oktrois auf Lebensmittel ver­langt» sehr verstimmt.

Die Ministerpräsidenten der größeren Bundesstaaten weroen Mitte Oktober in Berlin eine Konferenz mit dem Reichskanzler Grafen Bülow über den Zolltarif haben. Wie demLok.-Anz." von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, erhält sich in den Re­gierungskreisen, die den Zolltarif bisher zu vertreten hatten, die Hoffnung, daß doch etwas zu stände kommen werde. Man glaubt, daß sich schließlich aus allen tarifsreundlichen Parteien eine genügende Anzahl von Mitgliedern zusammen- inden werde,- um dem Regierungsentwurf zur An­nahme zu verhelfen. Eine Nachgiebigkeitder ver­bündeten Regierungen bezüglich der Mindestzölle ;ilt nach wie vor als ausgeschlossen. Was die ge- chästliche BehaiMung anbetrifft, so glaubt mau durch ab- chnittweise Zusammenfassung der Diskussion die Vorlage in einigen Monaten erledigen zu können.

Kauptversamrulung der Mitglieder des «Landes- gtwerbevereins.

(Originalartikel desGieß. Anz.") sd. Darmstadt, 5. Oktober.

Anwesend waren als Vertreter der Hess. Reigierung Ministerialrat Braun, ferner: Provinzialdirektor von ® r an ci), Beig. Baurat Jäger als Vertreter der Stadt Darmstadt, als Vertreter des Verbandes Pfälzischer Ge- werbeoereine Sekretär Jung-Kaiserslautern. In seiner Begrüßungsansprache wies der Vorsitzende daraus hin, daß die Thätigkeit des Vereins sich so vielgestaltig entfaltet habe, wie in keinem anderen deutschen Staate. Als wich­tigste Aufgabe, welche dem Verein geworben, erwähnt Redner die Uebertragung des gewerblichen Unterrichtswesens seitens der Regierung. Reich an Ausgaben und Mitteln zu ihrer Erfüllung sehe man den Wirkungskreis des Vereins aus­gestattet und zur Entfaltung seiner Thätigkeit dienen:Ge­werbe- und Fachschulen, Meisterkurse, Wandervorträge, Ge­sellenprüfungen, technische Vorbilder und Vorbildersamm­lungen, eine umfangreiche, dem ganzen Lande dienende gewerbliche Bibliothek, die VereinszettschristGewerbeblatt", die Chemische Prüsungsstation, Ausstellungen und Preis­aufgaben. Das Band des Landesgewerbevereins umschließe über 10 000 Mitglieder, an 9600 Schüler und über 400 Lehrer, also mehr als 20 000 Personen. Das auf den Ge­werbestand ausgebrachte Hoch wird mit großem Beifall ausgenommen. Als Ort für die näajfte Hauptversammlung wird hierauf Mainz gewählt, da im nächsten Jabre daselbst die 21. Jahresversammlung des Verbandes der deutschen Gewerbevereine stattfindet, mit welcher eine große Ausstellung von Schülerarbeiten, sowie verschiedene Fest- lichleiten, Rheinfahrten re. stattfinden. In einem längeren, sehr interessanten und lehrreichen Vortrag spricht hieraus Seminarlehrer Buxb au m-Bensheim über die Berufs­bildung ider Handwerker und erläutert dabei folgende Leit­sätze: 1. das fortgeschrittene Kulturleben unserer Zeit, ins­besondere die hochentwickelte Technik, der gewaltige Auf- chwung auf kunstgewerblichem Gebiete, die Erweiterungen der Berufsgrenzen im selbständigen Handwerk und die charfe Konkurrenz machen eine vorzügliche berufliche Bil­dung für den Handwerkerstand zur unabweisbaren Not­wendigkeit. 2. dem Lehrlingsverhältnis liegt ein auf die Gewerbeordnung sich stützender Lehrvertrag zu Grunde, in dessen Erfüllung es der Lehrherr als Ausfluß seiner väter­lichen Rechte ansieht, den Lehrling in seinem Gewerbe nicht bloß praktisch gründlich auszubilden, sondern ihm auch die geeignete und ausreichende Zeit zu gewähren, daß er sich in der Fortbildungs- und Fachschule diejenige elementaren Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen vermag, welche er zur zeitgemäßen Ausübung seines Berufes bedarf, aber in der Werkstatt oder auf dem Bauplatz nicht in ausreichen­dem Maße erwerben kann. 3. die Volksschule, welche als allgemeine Schule vorzugsweise dasW o r t" als Bildungs- mittel benutzt und mehr das Wissen wie das Können, die Kenntnisse mehr wie die technischen Fertigkeiten berücksich­tigt, trägt somit den Charakter einer Wissensschule und wird durch Verwendung eines möglichst wertvollen und praktischen Lehrstoffes zur grundlegenden Anstalt für die gewerblichen Fachschulen. 4. die Handmerksmeister müssen es als eine Ehrensache betrachten, ihren Lehrlingen den Besuch der Sonntagszeichenschule zur Pflicht zu machen, und den Schulbesuch in der gehörigen Weise zu übernehmen. Pflicht der Ortsgewerbevereine und Schulvorstände wird es sein, diese Schulen den neuzeitlichen Anforderungen ent­sprechend zu leiten und zu heben. 5. die obligatorische Fort­bildungsschule vermittelt keine Fach- und Berufsbildung, aber solchen Lehrstoff, der zu praktischem Denken führt und in das praktische Leben überleitet. 6. der hessische Landesgewerbeverein hat ein prinzipiell berechtigtes Inter­esse an den gewerblichen Fortbildungsschulen und wünscht deren Errichtung überall da in den Ortsgewerbevereinen, wo sich auch die nötigen technischen Lehrkräfte finden; er will diese Schulen im Rahmen der allgemeinen Fortbildung geleitet und den Kräften der Schüler entsprechend nach ber gewerblichen Seite hin erweitert sehen. 7. die Ortsgewerbe­vereine, welche zur Abhaltung von Gesellenprüfungen be­rechtigt sind, haben den Lehrlingen durch die gewerbliche Fortbildungsschule oder durch besondere Lehrkurse Gelegen­heit zur theoretischen Vorbereitung zu geben und bei diesen Prüfungen besonders die technisch-wirtschaftliche Seite zu berücksichtigen. 8. der praktische Teil der Gesellenprüfung hat in erster Linie die handwerklrche Tüchtigkeit des Lehr- jungen zu zeigen; Schau- und Prunkstücke mit vvrgenchteten Teilstücken aus anderer Hand sind cckzuweisen: für gleiche

Gewerbe ijt wo überhaupt thunlich eine Werkstatt iu wählen. 9. die Errichtung von Meisterkursen für die >er Meisterprüfung sich unterziehenden Gesellen ist an allen gewerblichen Schulen geboten, an denen sich berufene Lehr- räfte hierfür finden; in erster Linie sind aber die Gewerbe- chulen dazu berufen. 10. richtig geleitete Weiterbildungs- lurse für die Handwerksmeister bilden ein sehr wirksames Mittel für deren zeitgemäße Fort- und Ausbildung. Nach kurzer Entgegnung durch Hofmann-Beerfelden werden die Leitsätze angenommen und dem Referenten Dank für seine tüchtige Arbeit ausgesprochen.

Genossenschaftsdirektor Paech berichtet hierauf über das Thema:Förberungdesgenossenfchaftlichen Zusammenschlusses in Hessen und schlägt zum Schlüsse folgende Leitsätze vor: Zur Förderung des genos en- chaftlichen Zusammenschlusses der Handwerker in Hessen wird iben Ortsgewerbevereinen und Bezirksausschüssen em­pfohlen: 1. durch Vorträge und Belehrungen das 23er- tändnis für das Genossen sch aftsw es e n im allgemeinen zu wecken und zu verbreiten. 2. durch besondere Versammlungen die Handwerker zur Errichtung von Genossenschaften direkt anzuregen. 3. die notwendige Errichtung der Zentralkasse, sei es durch finanzielle Beteiligung der Vereine selber, sei es durch Gewinnung von Privatpersonen hierfür, zu unter­stützen. 4. im Falle der Bildung von Genossenschaften für die Vorstands- und Aiufsichtzsratsmitgliöder Unterrichtskurse in der genossenschaftlicyen Geschäfts, ührung einzurichten, bezw. denselben die Teilnahme an derartigen bereits anderswo eingerichteten Kursen zu ermöglichen. In der sich an­schließenden Diskussion weisen M a r b u r g _- Michelstadt, Kais er-Grünberg und Petri-Gießen auf die Schwie­rigkeit der Bildung von Genossenschaften aus dem Lande hin, werden aber von T-r. Schröder-Darmstadt, Hofmann- Beerfelden, Jochem-Worms, Rockel-Darmstadt und dem Referenten besonders durch den Hinweis auf die groß­artigen Resultate der landwirtschaftlichen Genossenschaften widerlegt, woraus die Leitsäße Annahme finden.

Ken tlin g er-Offenbach berichtet hierauf über den Antrag des Dezirksverbandes Offenbach, Einführung einer staatlichen Mobiliarversicherung mit Beitritte» zwang und schlägt nachstehende Leitsätze vor:

Die am 5. Oktober 1902 zu Darmstadt tagende Haupt­versammlung der Mitglieder des Landesgewerbevereins er­blickt in den erhöhten Versieherungsprämien und erschwerten Bedingungen für die Versicherung gewerblicher Betriebe, welche das Syndikat der im deutschen Reiche jugelaffenen Feuerversicherungsgesellschaften ausgestellt hat, eine ernste Gefahr für den Gewerbestand. Seit Jahren vermehren sich im Großherzogtum die Klagen über die wachsenden Versicherungsprämien und die Thatsache liegt vor, daß eine Anzahl besonders feuergefährlicher gewerblicher Betriebs­anlagen seitens der Versicherungsgesellschaften die Aufnahme verweigert, ober burch unerschwinglich hohe Prämie un- möglich gemacht wird; die Hauptversammlung richtet daher im Hinblick auf die in Hessen seit mehr als 100 Jahren bestehende Lanbesbrandversicherungsanstalt, an Großherzog­liche Regierung bie Bitte:Es möge im Großherzogtunr die Einrichtung einer staatlichen Mobiliarversicherung mit Beitrittszwang getroffen werben. Dr. Schröder bean­tragt Zurückverweisung des Antrags an den Ausschuß, zieht aber seinen Antrag zurück, nachdem er vom Vorsitzenden darüber aufgeklärt wird, daß die ftrage im Landtag ein­gehend behandelt und durch die Regierung hinreichende Er- hebungeii angestellt seien. Der 2£ntrag wird hieraus an­genommen.

Sekretär Jung, Vertreter des 23erbandes der Pfalz. Gewerbevereine beglückwünscht den Verein zu seinen guten Resultaten und werden wegen vorgeschrittener Zeit hierauf die Verhandlungen abgebrochen; bie noch vorgesehenen Refe­rate über: ben Stand des gewerblichen Unterrichtswesens in Hessen; Ref.: Inspektor Meyer-Darmstadt und Umwand­lung der Sterbekasse: Ref. Handwerkskammersekretär Engel­bach-Darmstadt sollen im Gewerbeblatt veröffentlicht werden. Ein gemeinsames, animiert verlaufenes Mittagessen und Se- sichtigung der Stadt mit Umgebung schlossen sich den an­regenden Verhandlungen an.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 6. Oktober 1902.

Gedenktage. Am 7. Oktober 1794 wurde bet Dichter Wilhelm Müller zu Dessau als Sohn eines Schuhmachers geboren. Nachdem er in Berlin studiert hatte, 1813 als Freiwilliger dem Aufrufe des Königs gefolgt war, wurde er 1819 Lehrer am Gymnasium seiner Vaterstadt und Bibliothekar. Seine trefflichen, frischen Naturlieder mit einer seltenen Innigkeit sind zu Volksliedern geworden. Am be­kanntesten ist wohl sein GedichtWanderschaft": DaS Wandern ist des Müllers Lust. Schubert war ein eifrige: Vertoner seiner Lieder. _______

** Durch Allerhöchste Entschließung wurde dem Großh. Kammermusiker Eduard Mohr das Ehren­zeichen für 25 Jahre im Hofdienst zum 4. Oktober 1902 verliehen. Der Großherzog hat den Vorstand der 23e» triebsinspektion Worms ber H e s s i sch-Preuß ischen Eisenbahn­gemeinschaft, Eisenbahn-Bau- uno Betriebsinspektor Wo l- perr zu Worms zum Mitglied einer Eisenbahnbirektion in dieser Gemeinschaft und ben Bau- unb Betriebsinspektor bei der Main-Neckar-Eisenbahn, Baurat Simon zu Darm­stadt zum Vorstand einer Betriebsinspektivn in der Hessisch- Preußischen Eiseilbahngemeinschaft ernannt.

" Stadttheater. Am DienStag gelangt Oskar Blumenthal's neues dreiaktiges Lustspiel ,D4e Fre Ca- price* hier zum ersten Male zur Ausführung.