Ausgabe 
6.9.1902 Zweites Blatt
 
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zimmer zu holen. Ms nach co- halbstündigem Warten niemand kam, wurde dem Mädchen die Zeit zu lanae und es stellte sich heraus, daß die Schwindlerin unter Zurück­lassung ihres Hutes und Bouquettes dasWeitegesucht hatte. Sie hat anscheinend noch eine Anzahl ähnlicher trüyereien hier ausgeführt, und wird voraussichtlich ihre Thatigkeit jetzt in die Nachbaritädte verlegen; sie rmrd als mittelgroße Perlon mit schwarzem Laar geschildert und hatte Helle Bluse und hellblauen Rock an.

Darmstadt, 5. Sept. Die Versteigerung der Plätze für die Herbstmesse und die Bessunger Kirch« weche ergab im Ganzen nahe an 8200 Mark (gegen 8400 Mark bei der letzten Frühjahrsmesse); dabei kam bekanntlich für diesmal der Ernst-Ludwigplatz nicht in Betracht. Die Schwurgerichtsverhandlungen nehmen laut Anschlag am Justizgebäude Montag, den 29. d. Mts., vormittags 9 7, Uhr ihren Anfang.

Mainz, 5. Sept. In einem hiesigen Geschäft wurde vorgestern ein Pult erbrochen und aus demselben fünf Stück Loose der Hess. Klaffen-Lotterie gestohlen. Das ,M. 33." berichtet den Fall unter der bezeichnenden Spitzmarke: Ein dummer Einbrecher^. Daß einzelne Per­sonen, wenn sie sich des abends auf eine Bank im Freien niederlaffen, bestohlen werden, kommt ja häufig vor, daß aber ein Pärchen auf einer Bank einschlief und auch gleich- zeüig bestohlen wurde, haben wir bis jetzt noch nicht gehört. Vorgestern Abend ereignete sich dieser Fall auf dem Kinder- spielplatz in der Neustadt. Er, ein Arbeiter, hatte den Ver­lust einer silbernen Uhr und Sie, eine Näherin, den Verlust ihres Portemonnaies, das sie in ein Taschentuch gehüllt in der Hand getragen hatte, zu beklagen. Ein Pärchen, das bei abendlichen Zusammenkünften einschläft, muß sich schon sehr lange kennen.

Frankfurt, 5. Sept. Die in der Bockenheimer Ka­serne liegenden dreiSchwadronendes 13. Husaren­regiments werden am Samstag unsere Stadt ver­lassen, um zunächst nicht mehr zuruckzukehren; sie werden bekannllich nach Mainz verlegt, wo die zwei übrigen Schwadronen des Regiments bereits garnisonieren. Land­graf Karl von Hessen gründete 1688 das Regiment, das er nach seinem ersten BefehlshaberGraf Wartensleben" nannte. Im siebenjährigen Krieg focht es mit Auszeich­nung gegen die Franzosen, wurde unter napoleonischer Herrschaft vom Kurfürstep aufgelöst, 1813 wieder einbe- cufen und nahm dann an den Feldzügen gegen Napoleon teil. 1866 stand es in der Bundesfestung Mainz in Gar­nison und focht dann bei Aschaffenburg gegen Preußen. Bis 1875 war Hofgeismar die Garnisonstadt. An dem Feld­zug 1870-71 war es mit Auszeichnung beteiligt, u. a- schlug es bei Weißenburg französische Kürassiere in die Flucht, vleibtreu hat die Kampfszene im Bild festgehalten. 1875 kamen die genannten drei Schwadronen hierher; sie waren volle 27 Jahre hier. Das Regiment verlaßt am Samstag vormittags 10 Uhr die Kaserne und nimmt seinen Weg in das Manöver. Von dem Manöver geht es dirett nach Mainz. Tie Bockenheimer Kaserne, die schon teilweise ge­räumt ist, wird neu hergestellt, um dann das Feld- Artillerie-Regiment Nr. 63 aufzunehmen. Zum Abschied der Husaren wurden eine Reihe von Festlichkeiten veranstaltet. Armeekorpstommandeur General u. Linde- quisl hatte das Offizierkorps anfangs dieser Woche zu einem Abschiedsmahle ecngeladen. Ferner gäben die Offiziere des 81. Jnf.-Regts. ihren Kameraden ein Essen, das Gleiche geschieht seitens der Reserveoffiziere der 13 er Husaren mnj^reitag abend im Lokale des Rennklubs.

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Am 5. September verstarb in König­stein nach langjährigem Leiden Baron Simon Moritz von Bethinann, Mitinhaber des Frankfurter Bankhauses Gebrüder Bethmann, im Alter von nahezu 58 Jahren.

Vermischtes.

Berlin, 5. Sept. Die 48jährige Frau des Leder- sieppers Reinke hat in einem Anfall von Geistes­störung ihren achtjährigen Sohn an der Thürklinke er­hängt und dann durch einen Sturz aus dem Fenster auf den Hof Selbstmord begangen. Der 36jährige ehe­malige Privatsekrctär Bern köpf aus der Claudiusstraße, dessen Frau vor einiger Zeit den Tod im Wasser gesucht hat, hat in der vergangenen Nacht seinen fünfiährigen Sohn and dann sich selbst erschossen.

Potsdam, 5. Sept. Die Beute des Mörders der JustizratSwitwc Jßmer scheint nach den neuesten Er­mittlungen nur ganz gering gewesen zu sein. Es wurden nämlich von den Erben der Ermordeten jetzt die Wertpapiere derselben aufgefunden und zwar versteckt in einer alten Kommode in einem Vorderzimmer der Villa.

* Köln, 5. Sept. Heute mittag entgleiste auf der Strecke AstenelHerbesthal der Schnellzug Nr. 4 mit 7 Wagen. Von den Reisenden und Beamten wurde niemand verletzt. Die Beschädigung an den Wagen ist un­erheblich, doch wurde daL Geleise auf etwa 50 Mir. stark beschädigt, sodaß dasselbe voraussichtlich bis heute abend ge­stört sein wird. Der Betrieb zwischen beiden Orten wird eingleisig aufrechtcrhalten. Die Reisenden, die nach Belgien zu fahren beabsichtigten, wurden mittelst Hilfszuges nach Herbeöthal und von dort um ll/4 Uhr nach Veroiers weiter­befördert.

Straßburg, 5. Sept. DerLothr. Bürgerztg." zu­folge wurde Leutnant Lamdeck, der kürzlich zusammen mit der Frau eines Hauptmanns von Metz durch- ging, erschossen in einem französischen Badeorte auf- gefunden.

* * Parig, 5. Sept. Bei Bcrck wurden drei Damen beim Baden von einer Welle erfaßt und ins Meer ge­schleudert. Eine derselben erttank, die beiden anderen konnten gerettet werden.

* Paris, 5. Sept. Ein Redatteur des ,3oum.e hatte eine Unterredung nut dem Leutnant Mattachich Keg. levich. Dieser erklärte, eine Stunde vor seiner Verhaf­tung habe er noch nicht das Geringste von dem gewußt, was ihm bevorstand. Er habe am 8. Mai Dienst gehabt und am 9. sei der Kommandant Franz bei ihm erschienen und habe ihn im Namen des Kaisers verhaftet. Im Ge­fängnis sei ihm nicht einmal erlaubt worden, Mundvorräte zu kaufen, er habe vielmehr dieselbe Verpflegimg gehabt, wie die gemeinen Verbrecher. Mattachich beteuerte, er sei voll standlg unschuldig und habe niemals eme Fälschung

begangen. Er beabsichttge eine Rehabilitierung mit allen möglichen Mitteln zu erlangen und dann Oesterreich zu ver­lassen. Den zu seinen Gunsten eingetretenen Abgeordneten kenne er nicht.

Unterschlagungen. Nach einer Meldung aus Pößneck L Th. wurden in der Spar- und Darlehns- Paffe zu Langewiesen große Fehlbettäge entdeckt. Die Höhe der Fehlbeträge soll etwa 100000 Mk. betragen. Der Kafsirer Reichstadt ist slüchttg. Die Auftegung in der Be­völkerung ist groß.

' Ein Lustmord ist in der Nähe von Lauscha in Sachsen-Meiningen verübt worden. Die Nichte des Bahn­hofsvorstehers Ludwig in Lauscha, die 16jährige Ella Brodowski, war in den Wald gegangen, um Beeren zu suchen. TaS Mädchen kehrte nicht zurück und später fand man die Leiche der Unglücklichen, an welcher ein Lustmord begangen worden war.

* Tobsuchtsanfall auf der Lokomotive. Einer großen Gefahr ausgesetzt war kürzlich der um 1 Uhr mittags in Metzingen (Bayern) fällige Güterzug. Auf der Strecke ReutlmgenMetzingen wurde plötzlich während der Fahrt der Lokomotivführer von Tobsucht befallen. Er ging mit gezücktem Messer auf seinen Kollegen, den Heizer, los. Durch die Geistesgegenwart des Heizers konnte der Führer über­wältigt werden, worauf es gelang, den Zug glücklich nach Metzingen zu bringen. Der erkrankte Locomotivführer wurde mit dem nächsten Personenzug nach Tübingen transportiert, um dort einer Anstalt übergeben zu werden.

* Vom Mont Pel 6 e. Nach einem New-Porker Telegramm der , Franks. Zig." wird aus Westindien gemeldet, daß bis 9 Uhr am Freitagmorgen eine Dunkelheit herrschte, wie wenn eine totale Sonnenfinsternis wäre. Das war an­scheinend die Folge des immensen Quantums der vom Mont Pelee ausgeworfenen Asche. Man glaubt, daß 2 000 Tote bei der Eruption am 3. ds. Mts. eine noch zu niedrige Schätzung sei und daß Martinique gänzlich un­bewohnbar gemacht wäre. Große Aschenmengen fielen in einem Radius von mehreren hundert engl. Meilen. Ein japanischer Dampfer langte in Victoria (Britt. Columbien) an. Er berichtet über die Zerstörung der Insel, bei Fornischirna ei ein unterseeischer Vulkan entstanden, der alle 1017 Mi­nuten eine Wassersäule von 600 Fuß Höhe in die Luft wirft. In eigentümlichem Widerspruch dazu steht folgende Pariser- Meldung vom 5. d. M.: Der Kolonialminister erhielt heute ein aus Fort de France vom 3. September datiertes Tele­gramm, in welchem von einem neuerlichen Ausbruch des Mont Peläe seit dem 3 0. August nicht die Rede ist. Und eine spätere Meldung besagt: Der Be­richt, daß auf Martinique 2000 Menschen umgekommen sind, bezog sich auf die bis einschließlich den 30. August fest- gestellten, nicht auf die durch den Ausbruch des Vulkans am 3. September herbeigeführten Todesfälle.

* Ein seltener Kriminalfall ist in Gartow a. Elbe vorgekommen. Dort ist der Bürgermeister Könke wegen Urkundenfälschung und Einbruchs in Untersuchungshaft genommen worden und hat unter dem Druck der beigebrachten Schuldbeweise seine Strafthaten bereits eingestanden. Der inzwischen verstorbene Böttcher­meister Honig hatte an den Bürgermeister Könke aus einer Brandentschädigungssache eine Forderung von 360 Mk. und diese an seinen in Hamburg wohnhaften Schwiegersohn cediert, der, weil er fein Geld erhalten tonnte, gegen K. klagbar wurde. Dieser behauptete, daß er die Angelegen­heit mit Honig bereits geregelt hätte; Schriftstücke darüber müßten sich unter dessen Nachlaßpapieren vorfinden. Es konnte indessen nichts dergleichen entdeckt werden. In einer Januarnacht drang nun der Bürgermeister in die Wohnung des verstorbenen Böttchermeisters Honig ein und legte dort von seiner Hand gefälschte Schriftstücke nieder, die beweisen ollten, daß Honig von ihm die 360 Mk. erhalten habe. Lin gewisser Verdacht wurde schon damals gegen ihn laut; päter häufte sich das Beweismaterial, sodaß der verbreche­rische Bürgermeister schließlich seine Thal einräumen muhte.

* Edisons neuer Triumph. Aus Newyork wird gemeldet: Edison kündigt an, ,er hätte eine praktische Batterie für Motorwagen, die auf lange Ent­fernung vorhält, hergestellt. Ein mit seinem neuen elek­trischen Motor ausgerüstetes Gefährt hat am vorigen Freitag 62 englische Meilen auf schlechten Wegen gemacht, und rerselbe Motor und dasselbe Gefährt haben letzten Montag 81 Meilen auf Turchschnittswegen gemacht. Edison beginnt in der nächsten Woche einen Versuch über 5000 Meilen. Sollte dieser erfolgreich sein, so beginnt er sofort mit der Fabrikation von solchen Batterien für Motorwagen, Straßen­bahnwagen und Barkassen. Edison erklärte:Ich habe das Problem des Motorwagens gelöst, und ein Gefährt, das hundert Mellen zurücklegen kann, ohne wieder geladen zu werden, ist jetzt in Sicht."

* Ein großer Mangel an Frauen Herrscht in Turkest an. Als Resultat dieses Zustandes ist der Raub und Verkauf von Frauen und Bräuten an der Tagesord­nung. Die Zcchlungen an die Eltern der Braut, die man laufen will, sind sehr verschieden. In einigen Gegenden betragen sie nur 10 Rubel, in anderen steigen sie bis zu 100 dhibcL Die Verkäufer versuchen einen möglichst hohen Preis für dieWare" herauszuschlagen, aber die Käufer geben sich Mühe, den Preis herabzudrücken. Man schützt an den Mädchen nicht Tugend, Schönheit und sonstige gute Eigenschaften, sondern der Preis für die Bräute wird nach )cr Anzahl bet als Aussteuer mitgegebenen Kleidungs- tücke berechnet, und zwav genau berechnet. Nicht selten kommt es daher vor, daß der enimiltige Preis nicht in einer runden Summe, sondern in Rubeln mit so und so vielen Kopeken besteht, wie etwa: 17 Rubel 65 Kopeken usw.

Unwrrjitüts-Nachrichtrn.

Au der Heidelberger Universität werden bei den Vor­lesungen über Anatomie Soldaten den Sludemen vorgesühri. Sie müssen sich im Kollegiensaale völlig entkleiden und wie die ozialdemokratische .Volksstimme" behauptet, was wir jedoch vor- ausig für unmöglich hallen sich jedem Experimennerversuche unterziehen. Will zum Beispiel der vortragende Prosessor den Studenten die Form eines Muskels am menschlichen Körper zeigen, o elektrisiert er die beiden MuSkelenden so stark, daß der Muskel ich krampfhaft zusainmenzieht und so deutlich tierauStritt. Tas ind bisweilen recht schmerzhafte Experimente für das Ver- uch-:-ob,ekt. ________________________________ ____________

Gerichtssaal.

Gießen, 5. Lept- Ferienstrafkammer.) Den Dorlm rührt» Handgerichtsdirektor Tr. Gängerrch, die

Staatsanwaltschaft wurde durch Gerichtsassessor Dr. Hetzek vertreten. Zur Verhandlung ft eben sieben Sachen: Zu­nächst wird verhandelt die Strafsache gegen die Hand­werker Heinrich Schneider und Töbus von Gießen wegen Körperverletzung. In der Nacht vom 5. auf 6. Juli d. I. stand Töbus mit einem gewissen Hardt in Unterhaltung begriffen auf dem Asterweg in Gießen. Schneider gesellte sich zu ihnen. Es kam zu einem Wortwechsel, in dessen' Verlaus Schneider aggressiv wurde. Um ihn abzuwehren, versetzte ihm Töbus einen leichten Schlag über die Schulter. Schneider wandte sich nun gegen Hardt, dem er mit seinem Taschenmesser eine Stichwunde am Kopfe beibrachte. Entsprechend dem Antrag der Staatsanwaltschaft wird Töbus, da er in 9 totwehr gehandelt hat, frei­gesprochen, während Schneider zu einer Gefängnis- ftrafe von 6 Monaten verurteilt wird. Die Witwe Elisabeth Görnert und der Auszügler Peter Rock, beide zu Lauter wohnhaft, werden wegen eines vor dem Großh. Schöffengericht Grünberg und Großh. Strafkammer Gießen im Verlaufe dieses Sommers geleisteten fahrlässigen Falsch- eides zu einer Gefängnisstrafe von je einer Woche verurteilt. Sie hatten in der Verhandlung gegen einen gewissen Heinrich Konradi wegen Sachbeschädigung beschworen, daß )ie den Konradi, der beschuldigt war, zur Nachtzeit zwei Fensterscheiben durch Steinwürfe zertrüm­mert zu haben, bestimmt als den Thäter erkannt hätten. Nachträglich stellte sich heraus, daß Konradi der Thäter nicht sein könne. Ter Kaufmann Wilhelm Moll zu Nidda soll vor längerer Zeit auf fremdem Jagdgebiet ein Reh gewildert haben. Durch Urtell des Schöffengerichts Nidda war er freigesprochen worden. Gegen dieses Erkennt­nis verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung. In der heutigen Verhandlung wurde Moll abermals fr ei ge­sprochen. In den Gründen wurde ausgeführt, daß Moll zwar in hohem Maße des chm zur Last gelegten Jagd­frevels verdächtig erscheine, daß insbesondere keine Ver­anlassung bestehe an der subjektiven Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen, der den Älngeklagten auf frischer Thal betroffen haben will, zu zweifeln, daß aber die Möglichkeit eines Irrtums dieses Zeugen über den Ort, an dem Moll das Wild erlegt haben soll, nicht schlechter­dings ausgeschlossen sei, und daß daher mangels aus­reichenden Beweises auf Freisprechung erkannt werden müsse. Die Berufung des Franz Tietz V. zu Rockenberg, der wegen Pfandverschleppung in erster Instanz verurteilt worden war, wird, da oer Angeklagte unentschuldigt aus­bleibt, kostenpflichtig verworfen. Ein gefälsch­tes Zweimarkstück wird eingezogen. Der Bauunterneh­mer Heinrich Koch von Pirmasens soll sich eine Zuwider­handlung gegen das Gewerbesteuergesetz schuldig gemacht haben. Koch, der in Pirmasens seine Hauptniederlassung hat, übernahm im Jahre 1901 die in Vilbel zu bethatigen- ben Wasserleitungsarbeiten. Er beschäftigte in Vilbel etwa 100 Arbeiter, errichtete dort ein Bureau und eine Bauhütte und engagierte technisches Personal. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft vertrat in der heutigen Sitzung den Standpunkt, daß Koch für dieses Unternehmen in Vilbel gewerbesteuerpflichtig wäre und verpflichtet wäre, ein Ge- werbefteuerpaterit zu lösen. Das Gericht wird sein Urtell am 9. September sprechen. Die Karöline Pfeffer von Nieder-Quembach wird wegen Erpressung zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

-k- Mainz, 5. Sept. Die Strafkammer des hiesigen Land­gerichts hatte sich in ihrer letzten Sitzung mit drei Weinfälschern zu befassen. Die drei Fälscher, der Gastwirt und Weinhändler Gabriel Paul, der Ackerbursche Philipp Hottum und der Land­wirt Philipp Holzmann, sämtlich aus Wolfshcim, welche ganz ge­ringen Weinbergsbesitz haben, haben ihre Crescenz durch Zusätze von Wasser, Zucker und sonstigen Substanzen um das Trei- und Vierfache vermehrt, wobei sie ihren .Wein" immer bis zu det untersten Grenze der Analyse brachten. Das Gericht oerutteilto Paul zu 1000, Holzmann zu 300 und Hottum zu 150 Mark Geldstrafe.

Nantes, 5. Sept. Heute begann als Folge des französischen Kulturkampfes der Prozeß gegen den Oberstleutnant St. Remy, der bekanntlich einem Befehle des militärischen Vor­gesetzten ziun Vorgehen gegen die Kongregationen nicht nach- gekommen war. Ter Zuhörerraum war übervoll. Der Angeklagte beantwortete mit ruhiger Stimme alle ihm vorgelegten prägen, gestand die Anklagepunkte zu und sagte:Ich mußte zwischen der militärischen Pflicht und meinem Gewissen wählen. Ich wußte, welche schrecklichen Folgen eine Gehorsamsverweigerung haben würde, ich wußte, daß ich vor Ihnen als meinen Richtern flehen müsse, aber ich wußte auch, daß ich vor einem anderen Richter stehen müsse, vor Gott/ Einige Damen riesen Bravo, Darauf folgte die Zeugenvernehmung. Tas Ergebnis der Ver- Handlung war, daß der DberfHeutnant St. Remn von der An- klage, einem militärischen Befehl nicht gehorcht zu haben, freigesprochen, aber zu einem Tage Gefängnis ver­urteilt wurde, weil er sich geweigert hat, einer Requisition der Zivilbehörden Folge zu leisten.

Eisenbahn-Zeitung.

Main-Neckar-Bahn. Mit dem 1. Oktober tritt im Eisenbahnwesen Hessens insofern wieder eine Aenderung ein, als bekanntlich die Tirettion der Main-Neckar-Bahn in Darmstadt aufgehoben wird. Die Landtage Hessens, Preußens und Badens haben bekanntlich in der letzten Tagung einem Gesetze zugestimmt, durch das ein über die Vereinfachung der Verwaltung der Main-Neckar-Bahn ge» ch lassen er Staatsvertrag genehmigt wurde. Nach dem Ver- rage wird diese Bahn Dom 1. Oktober ab durch die preu- jifche und hessische Eftenbahndirekrion in Mainz unter Ober­aufsicht der Zentralstelle der preußisch-hessischen Eisenbahn­gemeinschaft mitoerwaltet. Tesgleichen treten die bisher von der Main-Necker-Bahn für Rechnung der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschaft verwalteten hessischen Nebenbahnen mit dem 1. Oktober in die preußisch-hessische Betriebsgemeinschaft ein. Unter der Eisendahndirektion in Mainz als der betriebsleitenden Verwaltung werden in Tarmstadt eine neue Betriebs- und eine neue Werkstätten- Jnspektton errichtet, während die Beauftichtigung des Nttv- chinen- und Verkehrdienstes auf der Main-Neckar-Bahn den Vorständen der nach ihrer örtlichen Lage hierfür in Betracht ommenben Inspektionen der preußisch-hessischen Eisenbahn­gemeinschaft übertragen wird.

Freiburg i. Br., 5. Sept. Aus den Verhandlungen des Vereins deutscher Eisenbahnverwal­tungen ist folgendes von allgemeinerem Interesse: Der Antrag Der Eisenbahndirektioii Berlin auf Ergänzung der Bestimmungen betreffend Erstattung von Fahrgeld wird nach dem Beschluß des Ausschusses angenommen: Statt der bisherigen Berechttgung, von dem zu er­kaltenden Betrag für jeden Fahrtausweis 1 M k. abzu­ziehen, werden nnnmehr die Schreibgebüht und das etwaige Porto von dem zu erstattenden Betra ab gezogen." Eine längere Auseinandersetzung bea prucht der Antrag der preußischen und hessischen Tirett^ zu Mainz auf Befreiung von Zeitmietc und Verzögeruv^* gebühren bei Reinigung und Desinfektion von (SpfW.