Ausgabe 
6.8.1902 Erstes Blatt
 
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Staatssekretär Graf Po s ado w s-ky torlängfi etnarte, Die Führung hatte;. Vielleicht ist dem. Schatzsekretär die hauptsächliche Vertretung der Regierung für die zweite Lesung des Entwurfs zugedacht. Graf Pofadowsky hat eine ,Mchonzell" redlich verdient.

Vom französischen Klüturkampf.

Die Deputierten Berger und Cochin, sowie die Akade- vckker Brunetiöre, Rousse, Cailletet, Leroy-Beaulieu und Picrll herben an alle Anhänger der Freiheit des Unterrichts einen Aufruf erlassen, in dem sie auffordern, alle gesetzlichen Mittel anzuwenden, tum zu verhindern, daß der Unterricht Smn Monopol einer einzigen Partei gemacht werde. In her Bretagne wurden die Ordensschulen während der ganzen Rächt von der Bevölkerung bewacht, es wurden sogar Wacht- vosten auf den Kirchtürmen aufgestellt, die das Heranrücken der Gendarmen und Truppen melden sollen, worauf die Glocken Sturm läuten und die Bewohner sich zusammen­rotten werden. Katholische Priester durchziehen die Gegend, die Bevölkerung auffordernd, die Truppen mit den Rufen: ,Ms lebe die Armee!"Es leben die Schwestern!" und Es lebe die Frecheit!" zu empfangen. Die Arbeiter werden von chren Dweitgebern zur Teilnahme an den Kundgeb­ungen aufgefordert, da diese sonst ihre Werkstätten schließen würden. Gendarmerie-Brigaoen sind bei Anbruch der Nacht nach der Bretagne abgegangen. In einigen Orten wurden die mit der Schließuirg der Schulen beauftragten Polizei- kommissare von mit Stöcken bewaffneten Frauen und Aiän- nern angegriffen, zu Boden geworfen und mißhandelt, und mußten unverrichteter Sache wieder abziehen. Die einzige Kvugreganisterranstalt in der Gemeinde Liebvlllers, die fich nicht unterworfen hat, ist geschlossen worden. Die Schwestern mußten aus der Schule entfernt werden. Ter Abbe Gay- 'vaud hüll, angethan mit der Schärpe der Deputierten, Zu- sammwllünfte in den um Brest gelegenen Gemeinden ab, die sich der Schließung der Kongreganistenschulen wider­setzen, und ermutigt sie in ihrem Widerstand.

Deutsches Keich.

Berlin, 5. Aug. DerKöln. Ztg." wird aus Darm­stadt gemeldet: Der Groß Herzog wird am 15. d. M. aus England in Mainz eiutreffen, wo am 16. August der Kaiser als Gast des Großherzoos im grvh- herzoglicheu Schlosse erwartet wird. Der Kaiser ckeabsichttgt, an diesem Tage in Mainz eine Truppenschau altzuhalten. DasMainzer Tagblatt" bemerkt hierzu: Wir haben bereits vor einigen Tagen mitteilen können, daß die Truppenschau nicht stattfindet. Von einer abermaligen Aenderung dieser Bestimmung ist bis jetzt hier nichts be­kannt. 'Offiziell ist auch die Hierherkunft des Kaisers noch nicht gemeldet, dagegen brachten wir in Erfahrung, daß -für den deutschen Kaiser zum 15. d. Mts. in Düsseldorf Lei der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft ein Dampfer bestellt ist, mit dem der Kaiser rheinaufwärts brs Mainz zu fahren gedenke. Er könnte also bestenfalls am 16. dsl. morgens hier eintreffen, da der Dampfer von Düsseldorf hierher etwa 15 Stunden Fahrzeit hat. (Es ist wohl kaum anzunehmen, daß der Kaiser die Nacht auf dem Rhein zu- Lringen wird. Die Dampfer der Köln-Düsseldorfer Gesell­schaft sind übrigens für Nachtfahrten auch nicht eingerichtet, d. h. sie haben keine Schlafcoupees. D. Red.)

Zu Korrespondentinnen der Interna­tionalen Bereinigung für gesetzlichen Ar- Leiterschutz sind drei deutsche Frauen, die National­ökonomin Frl. Helene Simon, die badische Fabrik­inspektorin Frl. Dr. Elisabeth v. Richthofen und das Vorstandsmitglied des Bundes Deutscher Frauenvcreine Frl. Alice Salomon ernannt worden.

Die Buchdrucker sind keine Handwerker, so hat jüngst der Magistrat der Stadt Dessau entschieden, und die Betriebe sind nicht verpflichtet, zu den Kosten der Handwerkskammer für das Herzogtum Anhalt beizusteuern.

München, 5. August. Die Verlobung des Herzogs Siegfried in Bayern mit der Erzherzogin Maria An­nunziata von Oesterreich wurde heute in beiderseitigem Einverständnis gelöst.

Die Kamm er der Abgeordneten nahm einen Antrag Vollmar an, nach dem sämtliche Staatsangestellte, welche ein Gehalt bis zu 1020 Mark beziehen, einen Wohnungs­geldzuschuß von 45 Mark jährlich erhalten. Die sonstige Gewährung eines Wohnungsgeldzuschusses wurde, wie be­kannt, mit Rücksicht auf die Finanzlage zurückgestellt.

Im Finanzausschuß der jammer der Abgeord­neten beharrten das Zentrum und die Bauernbündler auf den von der Mehrheit der Abgeordnetenkammer im Kultus etat an den Positionen für Kunstgewerbe gemachten Ab­strichen, die die Kanrmcr der Reichsräte wieder eingesetzt hat. Der Regierungsvertreter und Redner der liberalen Partei hatten die Positionen befiirwortet. Abg. Tr. von Taller (Ztr.) erklärte, ein alter und sehr bekannter Kunst- schriststeller habe ihm geschrieben, er sei mit den vom Zentrum gemachten Kunstabstrichen vollständig einver­standen. (Sollte das nicht der 88jährige F r i e d r i ch P e ch t sein, der Redakteur derKun st f ü r a l l e", der aus diesem einst vortrefflichen Blatte eineKunst für keinen" ge­macht hat? D. Red. d. Gieß. Anz.)

Ausland.

London, 4. Aug. Aus Anlaß der Depesche, die der Deutsche Kaiser an den Korvettenkapitän a. D. Rosen stock von Rhöneck gerichtet hat, bemertt der Global Memand vermag eine huldvolle Handlung in huldvollerer Weise zu vollbringen,' als der Kaiser. Sein Belleidstelegramm an den Kapitän von Rosenstock ist ein Muster gütiger Aufmerksamkeit. Der Sohn des Kapitäns verlor sein Leben unter Umständen, die uns Engländer mit Dankbarkeit erfüllen müssen. Die Depesche des Kaisers, der darin die britische Flotte an seiner Trauer teilnehmen laßt, wird auf jedem britischen Schiffe ein bereitwllliges Echo finden.

Aus Kapstadt wird gemeldet: Botha, Dewet and Delarey haben einen Aufruf an die Burenfamilien deS Transvaal- und des Oranje-Freistaates gerichtet, worin sie Mitteilen, daß sie sich ins Ausland begeben, um dort Gelder für die durch den Krieg in Mllleidenschafi Ge­zogenen zu sammeln zum Wiederaufbau der Buren- farmen.

Pcrr-i-s,- 5. Aug. Aus Algier wird gemeldet: Der hol­ländische DampferFriesland" aus Batavia kommend, landete in Aden zehn Buren. Der Kapitän des Schiffes berichtete, daß sich auf Ceylon anläßlich der Friedcns- proklamatton 4000 gefangene Buren weigerten, den Treu­eid zu leisten. Es tarn zu ernsten Zwischenfällen, wobei auch Blut floß Weitere Cuizetheiten find noch nicht bekannt. Fünf Buren landeten in Algier und werden

sich auf dem schnellsten Wege über Marseille nach Holland begeben.

In einem Brief an dasJournal des Debats" betont D r e y f u s, daß General G a l l i f e t die Aeußerung Jos. Reinechs, das Bordereau sei von Esterhazy verfaßt, und Dreyrus habe niemals eine Verbindung mit Deutschland gehabt, niemals bestritten habe. Aus dem Briefe geht il ä. hervor, daß er seinen Revisionsantrag aus die Vor­haltungen des Kriegsministers selbst zurückgezogen hat. Er willigte nur ein unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß er auf kein Rechtsmittel gegen seine Verurteilung ver­zichte.

Newyork, 5. Aug. Das Schatzamt hat die hiesige Zollbehörde angewiesen, die vom d e u t s ch e n K a i s e r nach Amerika gesandten Orden und anderen Ehren­geschenke zollfrei einzulasscn.

Ans Statt und Land.

Gießen, 6. August 1902.

** Prüfungen. Laut Anschlag am schwarzen Brett findet am Samstag von 11 Uhr ab eine Prüfung von zwei Studierenden der Forstwissenschaft inVolkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft" in der kleinen Aula statt.

-ff Zum Scheiden des Prof. Belin g. Wie wir bereits mitteilten, hat Dr. Ernst Beling, ordentl. Prof, der Rechte «an unserer Landesuniversitäl, einen Ruf nach Tübingen, wo er selbst einst studierte, kürzlich angenommen. Alle diejenigen, welche Prof. Beling kennen, vor allem aber seine Schüler und Zuhörer, sehen ihn höchst ungern scheiden; ihre Dankbarkeit Ijat er sich in der verhältnis­mäßig kurzen Zeit, während der er an unserer Universität, vor allem als Lehrer des Strafiechts, wirkte, zu sichern verstanden, nicht zum mindesten durch die liebenswürdige Art, in der er die Studierenden mit seiner Wissenschaft vertraut machte, sowie durch seine anregende, kritisches Denken entfesselnde Vortragsweise. Prof. Beling vertrat in seinen Strafrechtsvorlesungen einen durchaus selbstän­digen, von der modernen Richtung im Strafrecht grund­sätzlich verschiedenen Standpunkt, wodurch er vor allem zu den Ansichten v. Liszt's, eines unserer größten Stras- rechtslehrer, in prinzipiellen Gegensatz tritt. Pros. Dr. Ernst Beling steht im 36. Lebensjahre. Er wurde am 19. Juni 1866 zu Großglogau i. Schl, geboren und bekleidete vor seiner Berufung nach Gießen bereits in Breslau eine ordentl. Professur. Sein Hauptwerk ist das mit dem verstorbenen Göttinger Prof. Bennecke gemeinsam begonnene Lehrbuch des deutschen Reichsstrafrechts (1900).

** Unter dem Zeichen des Wingolf steht in diesen Tagen ünsere Stadt. Gestern nachmittag und abends brachte jeder Zug ganze Schären von Gästen zum goldenen Wingolf-Jubiläum, auf den Straßen begegnen einem auf Schritt und Tritt alte und junge Herren mit den fchwarz- weiß-goldenen Mützen und Bändern und Schleifen und Korpsjacken. In den Gasthöfen und auch in vielen Privat- häufern wimmelts von vielen Wingolf-Gästen aus dem ganzen Lande und aus fast allen deutschen Mufenstädten, zumal im Begrüßungslokal, dem Viktoriahotel. Es liegt nahe, ein hübsches Frankfurter Bonmot des seligen Hein­rich Stoltze zu variieren: Gießen liegt nicht mehr an der Lahn, sondern am Win-Golf. Gestern nachmittag wur­den die Gräber der 1870/71 Gefallenen feierlich geschmückt, am Abend fand in Steins Garten eine von well über hundert Herren besuchte Begrüßungskneipe statt, bei der ein Festspiel von Theodor Wahl zur Aufführung kam. Heute gings, trotz des jämmerlichen Regenwetters, in aller Frühe nach der Gründungsburg Gleiberg, wo eine ernste Feier stattsand. Wir werden über den ganzen Verlaus des Festes noch ausführlich berichten.

** Nachklänge zum Wormser Turnfest. In ein­facher, aber echt turnerischer Weise wurden gestern abend die vom Wormser Kreisturnfest zurückkehrenden Sieger des hie­sigen Turnvereins von dessen Vorstand und vielen Angehörigen am Bahnhof empfangen. Wie sie mitteilen konnten, betrug die Zahl der bei dem vorjährigen Kreisturnfest zum Einzel­wettturnen Antretenden nicht ganz 300, während sie in diesem Jahre auf nahezu 600 stieg. In demselben Verhältnis müssen auch die errungenen Preise gewogen werden. Wurde doch derartig wacker geturnt, daß die Hälfte, beinahe 290 Turner, mit Preisen geehrt werden mußten. Die Sieger unseres Turnvereins haben sich an diesem Wettkampf ehrenvoll be­teiligt und, wie gleich gesagt werden soll, mit recht an­erkennungswertem Erfolg. Es erhielten C. Müller den 8. Preis mit 64 Punkten, A. Berghoff den 44. Preis mit 57 Punkten, Ehr. Schmidt den 84. Preis mit 502/, Punkten. Ersterem war es wohl vergönnt, im vorigen Jahre den 4. Preis zu erringen, indessen bleibt die Punktzahl hinter der diesjährigen zurück, ein Beweis, daß der diesjährige Erfolg ein bedeutend besierer ist. Hierzu kommt noch, daß zufolge eines Irrtums diese Punttzahl um einen Punkt zu gering angegeben ist, sodaß die bereits eingelegte Reklamation dem Turner Müller den richtigen Erfolg, 6. Preis mit 65 Punkten, bringen wird. Die anderen Turner haben gleich guten Erfolg gehabt, obwohl sich solche im Alter von 19 Jahren darunter befinden. Von Entsendung einer Musterriege mußte der Ver­ein wegen Erkrankung eines Turners absehen. So war auch diese turnerische Veranstaltung für unseren Turnverein eine Anerkennung seiner Leistungsfähigkeit, die den Ansporn giebt, weiterzuarbeiten.

** Eine schwere Bürgermeisterkrise ist in einer unserer Nachibarslädte ausgebrochen. Vor etwa einem Jahre wurde dort mit allen Stimmen unter etwa 70 Be­werbern ein dort ansässiger höherer Regierungsbeamter, der sich wegen seiner außerordentlichen Tüchtigkeit, Ar­beitskraft und Intelligenz well und breit allgemeinen An­sehens erfreute sowohl bei seinen Untergebenen, wie bei Kollegen, in der Gesellschaft und audy selbst in wissen­schaftlichen Kreisen, mit einem Gehalt von 5000 Mark, ohne NeLeneinnahmen, auf 5 Jayre zum Bürger­meister gewählt. Tie Bürgerschaft hatte anfänglich auch allen Grund, auf ihr neues Oberhaupt stolz zu sein. All­mählich aber ward man anderer Ansicht. Ter Bürgermeister, der in nicht glücklicher Ehe leLen soll, begann bei häufiger Mißstimmunb sein Amt ein wenig zu vernachlässigen, und das nahm mit der Zeit in unerfreulicher Weise zu. Es kam zu unliebsamen Vorgängen im Stadtverordnetenkollegium und nun ist eine Opposition drauf und dran, den mißlichen Verhältnissen ein Ende zu machen, indem sic danach trachtet, den Bürgermeister selber zur Niederlegung seines Amtes zu bewegen lieber den Ausgang der betrüblichen Ange­legenheit darf man gespannt fein

* Die Familienblätter des Gießener An­zeigers bringen in ihrer heutigen Nummer einen ausführ­lichen Bericht über den vierten SommerausLlua d-eL

Historischen Vereins für das Großherzogknm' Hessen Der Roman Miß Corkson aus Nework wird fortgesetzt.

** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 4-8, auS- gegeben am 5. August d. I., enthält: Bekanntmachung, die Einführung der Srädteorduung in der Kreisstadt Bensheinr betreffend.

** Dem Kriegerv erein Watzenborn-Stein- berg wird gelegentlich seines 28. Stiftungsfestes am 17. ds. Mts. die, vom Kaiser gestiftete Fahnenschleife durchs das Kreisamt Gießen überreicht werden.

** Gold und Silber im Taunus. Im Taunus bei Homburg stieß, wie derF. G.-A" icLbet, ein Bergingenieur aus Frankfurt auf eine ziemlich mächtige Erzader, deren metallische Bestandteile fich nur aus Gold und Silber zusammensetzen. Eine Prüfung des Gesteins ergab ein überraschendes Resultat. 2)er Finder sicherte sich alsbald die Muthung. (??)

l Heuchelheim, 4. Aug. Heute wurden die Ar- beiten zur Herrichtung einer Lehrerwohnung in einen s e chS- tenSchulsaal vergeben. Tie Ausführung wurde hiesigen Meistern übertragen. Mit den Maurerarbeiten wird am Anfänge nächster Woche begonnen, sodaß der Saal mit Schluß der Herbstferien seiner Bestimmung wird übergeben werden können.

(?) Klein-Linden, 4. Aug. Heute wurden hier zwei Italiener verhaftet und von der Gensdarmerie nach Gießen gebracht. Dieselben sind an der Erweiterung des Eisenbahn-Einschnittes der Main-Weser-Bahn beschäftigt und sollen den Unternehmer bedroht, der eine sogar nach chm geschossen haben.

(?) Großen-Linden, 5. Aug. Dieser Tage wurde der hier wohnhafte Förster Johannes Menges in den Ruhestand versetzt. In Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste wurde ihm das Silberne Kreuz des Philipps- ordens verliehen. M. ist bereits seit dem 6. Januar 1846 im Forstdienste thätig. Im vorigen Jahre war es ihm ver­gönnt, sein öojähriges Dienstjublläum zu begehen. Mit 22 Jahren war er in den Forstdienst eingetreten, gegenwärtig hat er das Alter von 78 Jahren erreicht.

: Reiskirchen, 4. Aug. Unsere alte Feuer«» spritze, die wegen der Beschaffung einer neuen Spritze ihr Obdach so ost wechseln und schließlich im Freien kam­pieren mußte, ist von leider unbekannt gebliebenen Personen kürzlich in den Wieseckgraben gestürzt worden. Damll dem nützlichen Löschwerkzeug ein solcher Unfall nicht wieder; zustoßen kann, ist es nunmehr ebenfalls in dem fetzt fertig gestellten Gebäude untergebracht worden.

Butzbach, 5. Aug. Der Kriegerverein hielt am Samstag seine G en er al Versammlung ab, welche außer-- ordentlich stark besucht war. Dem über das 28. Lebensjahr erstatteten Rechenschaftsbericht entnehmen mir, daß die Fort­entwickelung des Vereins eine durchaus erfreuliche ist. Im verflossenen Jahre sprachen im Verein Lehrer Haberinehl aus Offenbach über die chinesische Expedition, Lehrer Stein­acker aus Schaafheim über Heimats- und Vaterlandsliebe» Postsekretär Meyer aus Gießen über Schnellfeuergeschütze der Gegenwatt und Dr. Vogt an drei Abenden über den Transvaalkrieg, die deutsche Hansa, und das hessische Mllllär vor 300 Jahren. Die Finanzlage ist eine recht günstige, da das Vereinsvermögen sich von 2500 auf rund 2800 Mk. er­höht hat. Dann fand die Vorstandswahl statt. Durch Zuruf wurde der alte Vorstand wiedergewahlt bis auf Direktor Clement, der eine Wiederwahl abgelehnt Halle. An seine Stelle wurde L. Kreh gewählt. Es wurde ferner bestimmt, daß die Sedangedächtnisfeier am 7. September stattsinden soll. Der Verein beschloß, als körperschaftliches Mitglied dem deutschen Flottenverein beizutreten.

m. G a m b a ch, 5. Aug. In diesem Monate werden es vierzig Jahre, daß der neue Friedho f hierselbstj seiner Besttmmung dient. Der am 8. Oktober 1868 ver­storbene Bürgermeister Joh. M. Repp schreibt in seinem Tagebuch, S 23:1862, am 24. August, wurde der neue Friedhof eingeweiht. Am 7. September wurde Tobias Miß als der erste darauf begraben, am 21. September das erste Kind, ein Knabe des Joh. Matth. Mohr 3, auf demselben beerdiget. Der letzte auf" dem alten Friedhof war Kasper Bingel 3."- Wie festgestellt istz soll der neue Friedhof seinem Zwecke geradehundert Satyr e" dienen können.

)( Neumühle (bei Grünberg), 5. Aug. Auf dem an der Frankfurterstraße in nächster Nähe gelegenen Mühlen­gehöfte, einem beliebten Ausflugsorte, wellt zur Zell in der Sommerfrische ein Oberlehrer aus D«arm stadt mit einem 15jährigen Schüler. Letzterer befand sich in kurzer Entfernung von dem Gehöfte allein auf dem Wege. Da nahte sich ein Landstreicher mit einem sackartigen Paket auf dem Rücken Ohne weiteres überfiel er den; Knaben, warf ihn in den Chausseegeaben und hieb erbarmungslos auf ihn ein Ein ans Ruppertenrod gebürtiger, auf der Neumühle bediensteter junger Mann sah den Vorfall und eilte herzu. Der Vaga­bund ergriff daraufhin die Flucht. Der junge Mann aber nahm energisch die .Verfolgung auf, packte den Flieherrden und brachte ihn trotz aller Gegenwehr zur Mühle. Hier leugnete er Namen und Herkunft. Erst nach einer gehörigen Tracht Prügel bequemte er sich zu dem Beken7lln.is, daß er Lein heiße und aus Groß-Eichen stamme. Bei seiner Untersuchung fand man einen Dolch bei chm. Ter überfallene Knabe hatte fünf Löcher am Kopse, die chm vom Arzte zugenäht werden mußten. Eine energische Be­strafung des Landstreichers wird wohl erfolgen.

)(Zeilbach,5. Aug. Ein hiesiger Landwllt hatte vor einigen Wochen einen aus Augsburg stammenden Hand­wertsburschen zum Knechte angenommen. Kürzlich suchte indessen der Fremdling in einer Nacht das Weite^ Tabei hatte er verschiedene Sachen, wie Kleidungsstücke^ Weißzeug u. a., die nicht ihm gehörten, mitgenommen. Ter Bestohlene meldete den Vorfall telegraphisch der Gew» darmerie zu Ruppertenrod. Tiese nahm sofort die Ver­folgung des Flüchtlings auf, machte ihn kurz vor der Bahn­station Mücke dingfest und brachte ihn in das Gefängnis nach Ulrichstein.

Schotten, 4. Aug. Ein hübsches Geschenk hat der GastwirtZum f) ein gen Kreuzberg" bei T arm stadt Stroh- menger dem Lehrerheim gemacht, nämlich zwei prachtvolle Lüster, einen fünfarmigen für den großen und' einen dreiarmigen für den kleinen ^aal.

? Darmstadt, 3. Aug. Wie in früheren Jahreu­so fand auch heute die Verlosung der Beträge aus der Küchlerstistung statt, wobei 18 Gewinnlose sich er­gaben. Die Gewinnlose entfallen auf nachstehende zur £efl> nähme an der Verlosung berechtigte Waisen Ruhland^ Ma^ie Wilhelm von ^andbach, Hachenberg, Heinrich von Rin er Lügen, Ehmann Jakob Heinrich pon WinMen, Za-