Nr. 188
StUeini tSgttch außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfische» Landwirt die Gießener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der BrühlNchen Untvers.-Buch- u. Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schrrlstratze 7.
Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen.
Kernsprechai, lßNr.bl.
Erstes Blatt. 158. Jahrgang
Mittwoch 6. August 1002
GietzenerAnzeiger
*'■*' General-Anzeiger ö '**'
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bezugspreis: monatlich 75Pf., viertel», jäbrlich Mk. 2.20; durch! Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Ack.2.— viertel- fährt, ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zellenpreis: lokal 12 Pf, auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für ,Stadt und fionb' und -Gerichtssacll^: Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Gießen., den 2. August 1902. Betreffend: Die Einführung des Instituts der Kreisgeometer. Das Großherxsgliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung über die Einführung des Instituts der Kreisgeometer, sowie über die Territorialorganisation der Kreisvermessungsämter im Reg.- Blatt Nr. 44 vom 24. Juli 1902 machen wir Sie darauf aufmerksam, daß die Vermessungsarbeiten der Gemeinden künftig durch die Kreisgeometer auszuführen und daher Aufträge an Privatgeometer wegen Vornahme solcher Arbeiten seitens der Gemeinden nicht mehr zu erteilen sind. ______________I. V.: Dr. Wagner.______________
Kekamitmachung.
Die 8ooists Anonyme de Navigation Beige Am6ricaine (Red Star Line) in Antwerpen hat den Antrag auf Rückgabe der von ihr für ihren seitherigen Agenten Johann Friedrich Schaaf in Gießen hinterlegten Sicherheit gestellt, da Schaaf inzwischen die Agentur niedergelegt hat.
Es wird dies mit dem Bemerken öffentlich bekannt gemacht, daß Ansprüche, welche der Rückgabe der Sicherheit entgegengesetzt werden sollen, innerhalb eines Jahres, vom Tage dieser Bekanntmachung an, bei dem unterzeichneten Kretsamt mit der Nachweisung anzumelden sind, daß wegen solcher Ansprüche beim Gericht Klage erhoben worden ist.
Gießen, 6. August 1902.
Großh ermöglich es Kreisamt Gießen.
_____________I. V.: Dr. Wagner.______________
Delianntmachung.
Betr.: Schießübungen.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Infanterie-Regiment Nr. 168 am 13., 14. und 16. August d. Js. jedesmal von 7 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags gefechtsmäßiges Schießen mit scharfer Munition mit Schußrichtung von den Höhen südlich der Gambacher Mühle nach dem Buch-(Teller)Berg abhält.
Das für den Verkehr gesperrte Gelände wird begrenzt: im Norden: durch die Wetter von Grindel nach Osten bis zur Chaussee Eberstadt-Münzenberg, den Weg Münzenberg-Bellersheim bis zum Weg Muschen- heim-Obbornhofen;
im Osten: durch den Weg Muschenheim-Obbornhofen von seinem Schnittpunkt mit der Straße Trais- Münzenberg-Bellersheim ;
im Süden: durch die Linie Obbornhofen-Oppershofen;
im Westen: durch die Straße Södel-Oppershofen (vom Gabelpunkt des Weges nach Wölfersheim), die Straße Oppershofen-Rockenberg, Weg Rockenberg-Griedel auf dem linken Wetterufer).
Die als Grenze angegebenen Wege sowie die genannten Ortschaften dürfen betreten werden, jedoch muß das innerhalb dieser Grenzen gelegene Gelände eine Stunde vor Beginn und bis eine Stunde nach Schluß, des Schießens von jedem Verkehr frei bleiben.
Die Wege Münzenberg-Rockenberg, Rockenberg-Wohnbach, Wohnbach-Münzenberg und Münzenberg-Oppershofen sind für den Verkehr in der oben genannten Zeit gesperrt.
Gießen, den 5. August 1902.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. 23.: Dr. Wagner.
Gießen, 5. August 1902. Betr.: Wie oben.
Das Grotzherzogüche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien Bellersheim, Obbornhofen, Utphe, Trais-Horloff, Inheiden, Hungen, Bettenhausen, Muschenheim, Eberstadt und Ober-
Hörgern.
Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie in ortsüblicher Weise zur Kenntnis aller Einwohner bringen und dieselbe nochmals am Tage vor dem jedesmaligen Schießen wiederholen. Auch sind die Einwohner darauf hinzuweisen, daß sie dm Weisungen der Posten strikte Folge zu leisten haben.
I. V.: Dr. Wagner.
Stadt und Land im Keere.
Es hat immer einen Wissenschaftsbetrieb gegeben, der mit Aufwand großer Haarspalterei und Gelehrsamkeit Dinge beweist, die sich der gesunde Menschenverstand an den fünf Fingern abzählen kann. Das gilt von so mancher modernen „Untersuchung". Die neueste beweist mit Zahlen, daß die Industrie, und dann wieder mit Zahlen, daß die Landwirtschaft dm größeren Teil Militärtauglicherstellt. Professor Brmtano hat nachgewiesm, daß fast zwei Drittel des Rekrutenersatzes in Deutschlmd aus vorwiegend industriellen Bezirken stammen; Professor Gering beweist das Gegenteil, daß nämlich zwei Drittel Wehrfähiger gerade aus ländlichen Bezirken stammen. Wem soll man glauben? Dieses ganze Operieren mit Zahlen, die jeglicher Deutung fähig sind, ist unnötiger Aufwand. Der gesunde Menschenverstand muß einem sagen, daß die Landarbeit in Wind und Sonnenschein ein widerstandsfähigeres und stärkeres Geschlecht gedeihen läßt, als die Fabrik- und Kontorarbeit. Das ist mit Augen zu sehm und mit Händen zu greifen. Der gesunde Menschenverstand sagt aber auch weiter, daß ein gut bezahlter Fabrikarbeiter bei nicht allzu langen Arbeitsschichten ' sich besser ernähren kann, als der Besitzer eines landwirtschaftlichen Zwergbetriebs. Selbst wenn aber auch die Wehrfähigkeit Deutschilands vorübergehend unter seiner Industrialisierung leidet, braucht dies keine Quelle der Furcht vor Frankreich und Rußland zu werden, dmn
auch diese Länder kommen um die Industrialisierung nicht herum. Was nützt beispielsweise dem Neuseeländer seine größere Kraft, die schwersten Verwundungen zu ertragen, wenn er gleich beim ersten Zusammentreffm mit dem Europäer durch dessen überlegene Bewaffnung unschädlich gemacht wird? Dasselbe Verhältnis kehrt wieder, falls Deutschland wirklich infolge mehr fortgeschrittener Jndu- trialisierung weniger körperlich widerstandsfähig sein wird, als der östliche oder der westliche Nachbar. Wenn wir nur die besseren Waffen haben und die besseren Heerführer, dann können wir schon eine kleine Einbuße an baumlangen Kerlen ertragen, denn Leute mit Stahlnerven bringt Deutschland noch immer in genügender Zahl hervor.
Auf einen Punkt sollte sich dabei aber doch die Aufmerksamkeit der Regierenden richten: daß die kostbaren Nerven nicht durch unpraktische Pädagogik zu frühe verbraucht werden. Wir sprechen damit keineswegs denen das Wort, die gegen gute Schulbildung des Volkes sind. Im Gegenteil, wir sind davon überzeugt, daß das intelligenteste Volk auch unter son st gleichen Verhältnissen das mächtigste sein wird. Aber gegen das allzu lange Sitzen in schlechter Stubenluft muß immer wieder ein Wort gesagt werden. Denn Nerven sind in den Zukunftsschlachten angesichts der furchtbaren Vernichtungswerkzeuge das Entscheidende neben Bewaffnung und Führung. Was nützen die vollkommensten Krupptänonen, wenn die Brillen überhand nehmen, wie es jetzt im Zeitalter der Nervosität der Fall ist! Selbst wenn aber die statistischen Zahlen bei richtiger Deutung gegen alle Industrie-Entwickelung etwas beweisen würden, auch gegen diejenige mit höheren Löhnen und kürzeren Arbells- zeiten, was wir nicht glauben, selbst dann kann Deutsche land nicht mehr zurück auf das Mveau Chinas; es kann kein Agrarstaat mehr werden, sondern muß vorwärts aus der Bahn der Industrie, die ja noch in China, Australien, Kleinasien, Brasilien, Argentinien und vielerorts sonst noch gewaltige Absatzmärkte zu erringen hoffen kann und hoffen muß. Einstweilen müssen wir notgedrungen unsere Zukunft mehr aus dem Weltenmarkt und dadurch „auf dem Wasser" suchen.
Dslitische Tagesschau.
Die Aufstellung der Reichsetats, die hervorragendste Aufgabe des Reicheschätzamts, ist in Angriff genommen. Sie erfordert geraume Zeit, und da die parlamentarischen Arbeiten. bereits im Oktober wieder beginnen, erscheint es zweifelhaft, ob der Staatssekretär des Reichsschatzamts, Frhr. v.^Thielmanu diesmal einen Nachurlaub wird antreten können. Es ist dies schon aus dem Grunde fraglich alsdiezweiteLesungdesZoll- tarifentwurfs in der Kommission näher und näher rückt. Von dieser Lesung wird bekanntlich eine Klärung, eine das Votum des Plenums in den Hauptstrcitsragen vorbereitende Entscheidung erwartet. An den bisherigen Erörterungen in der Zollkommission hat sich Frhr. v. Thiel- mann verhältnismäßig selten beteiligt, obgleich das Reichsschatzamt bei der Ausarbeitung des Tarifentwurfs, wie
Feuilleton.
— Der Untergang Venedigs. Die düsteren Prophezeiungen des Ingenieurs Vendrasco scheinen sich bezüglich der Kunstbauten Ven^igs bewahrheiten zu sollen. Nach dem Mnrkusturm und dem Glockenturm von San Stescmo sollen auch die Procurazie Vecchie, die nördliche Palastreche des Markusplatzes, als dem Untergange geweiht ertamll worden sein. Auch bezüglich des venetiamschen Pantheons, der Kirche Giovanni und Paolo, in der die Sarkophage von 21 Dogen ruhen, scheint Veiidraseo Recht behalten zu sollen. Während des Gottesdienstes ftürgte ein großes Kapitälfragment gerade vor den berühmten Glasmalereien von Moretto und Vivarim ab. Zum Glück wurde niemand verletzt. Tie Untersuchung ergab, daß die Gefahr weiterer Abstürze bestehe. Besonders die berühmten Glasfenster sind schwer gefährdet. — Aus Venedig wird weiter berichtet, daß wegen der Einsturzgefahr des Campanile von San Stefano die Bewohner der umliegenden Wohnhäuser delogiert werderr mußten. (Das große unregelmäßige Campo San Stefano liegt nördlich vom Canipo San Vllale, dem kleinen Platze an der Eifenbrücke über den Canale Grande, die zur Akademie der schönen Künste führt. D. Red. d. Gieß. Anz.) Die Kirche stammt aus dem Anfänge des 14. Jahrhunderts, ihr Glockenturm aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, ist em schlichter massiver Bau ein Werk der sogen. Renaisscuice-Gothck Mit venetianischem Einschlag. Insbesondere der westliche Eingang ist sehr reich und fein ausgestaltet. Auch zeichnete sich San Stefano dadurch aus, daß es noch das Holzgewolbe - freilich m neuerer Rekonstruktion - zeigt, wie es früher alle älteren Kirchen Venedigs befaßen. Zwei Heiligenstatuen des seltenen Pietro Lombardi und mehrere Grab- mäler haben kunstgeschichtlichen Wert. Der Sarkophag des Arztes Soriäno ahmt römische Vorbilder nach, tft aber mit seinem fernen Iiankenwerk voll venetiamscher Anmut. Merkwürdig ist eine grotze Bronzetafel, welche denselben Arzt mit ferner Gattin m Anbetung vor der Mutter Gottes darstellt; die Kunst Bellinis, durch das Material und eine nicht sehr leichte Hand vergröbert. Interessanteste aber, was San Stefaiio bietet, sind Wandgemälde von Pordenone im Klosterhose. Man erkennt einige hübsche weibliche Gestalten und nackte Putten, und ahnt, wie reizvoll einmal die gemalten venetianischen Fassaden und Hofmauern gewirkt haben müssen. Von Pordenones zahlreichen Wandmalereien m Venedig sind nur diese teilweise erhalten, und, wenn auch recht fragmentarisch, zu studieren. Wenn der Campanile von San Stetano em- stürzen sollte (er zeigt nämlich seit Jahren bedenkliche Risse und es fehlen einzelne Ecksteine), dann dürften auch diese Fresken nn Klosterhose zu Grunde gehen. Noch sei erwähnt, daß btqer schief steht. Dian beabsichtigt, von seinen 60 Meter Höhe 30 Meter abzutragen, um wenigstens die untere Halste zu retten. Auch, der Glockenturm von San Donato m Murano zeigt einen Sprung, der vom Boden bis zum Turmhelm zieht; die er Campanile hat hohen Kunstwert; er stammt , aus dem 12. Jahrhunderi und zeigt e ne Mischung von byzantinisch-maurischen Atotwen. In
Venedig sind bekannllich noch andere Bauwerke restaurationsbedürftig. In Vicenza weist die Basilika des Palladio einen Sprung auf, welcher durch die ganze Länge des Gebäudes zieht. SanFermo in Verona ist geradezu baufällig. So weisen mehrere hervorragende Bauwerke im Venetianischen schwere Defekte auf; diese Defekte sind zum Teil dem furchtbaren Zahne der Zeit, großenteils aber der Nachlässigkeit von Behörden mid privaten Korporationen zuzuschreiben, welche die ihnen anvertrauten Kunstwerke nicht entsprechend überwachen, und insbesondere es unterlassen, Baugebrechen zu beheben, sobald sie sichtbar werden. Auch wird in der nächsten Nähe großer Gebäude von ästhetischer und hlsto- rischer Bedeutung häusig zu viel in Straßenregulierungen und Ab- qrabungen gesündigt. — Nach einer Blättermeldung spendete der König Victor Emanuel 100 000 Lire für den Wiederaufbau des Glockenturmes in Venedig. — Vielleicht steht doch dieser Niedergang so zahlreicher alter "Monumentalbauten Obentaliens nn Zusammenhänge mit den häufigen Erdbeben dort. Heute wird aus Genua gemeldet, daß dort gegen Mitternacht em 3 Sekunden dauernder Erdstoß verspürt wurde. Gleichartig wurde in Pisa em schwacher, von unterirdischem Getöse begleiteter Erdstoß verspürt, der keinen Schaden anrichtete. Und das meteorologische Zentralbureau m Rom meldet, daß in vergangener Nacht in Carrara eiu starker Erdstoß, dem zwei weitere folgten, verfpurt worden sei. Auch aus Massa wird ein starker Erdstoß gemeldet. Dw Erdbeben anzeigenden Instrumente in Siena, Florenz, Padua, Nom und Rocca di Papa haben die Stöße registriert
— Aus Frankfurt a. M. erhielten nur heute die Meldung, daß die Besserung tm Befinden des alten Nibelungen -Jordan erfreulicherweise unerwartet gute Fortschritte macht.
— Ein fchlesifches Bayreuth. Gerhart Hauptmann trägt sich mit dem Plan, in Schreiberhau ein Nativnal- Theater zu gründen, worin während der Hochsaison lo bis 20 Vorstellungen gegeben werden sollen, ähnlich wie m Bayreuth.
— ^er Parfifal-Buud, der, wie wir mitteilten, die Verlängerung der 30jährigen Schutzfrist ausschließlich für den .Parsyal" durch ein Ausnahmegesetz erreichen 011x^16, l)at wahrend der Festspiele in Bayreuth allen Fremden und Einheimischen dre Listen zur Einzeichmmg in den Bund herumreichen laßen. Wie, die „Munch. Zeitung" berichtet, ersuchte man eine hohe Persönlichkeit, welche in diesem Jahre die Festspiele Milchte, um ihre Unterschrift. Nachdem der hohe Herr sich den Zweck des ^irsifal-Bundes hatte erklären lassen, meinte er: «Sind Lie wirklich der Ueberzeugung, daß man „Parfisal" auch in zehn Jahren an keiner anderen Buhne wird aufführen können? Sind Ihnen die Kräfte, welche die Theater im Jahre 1913 besitzen werden, schon bekannt? Mein Intendant behauptet nämlich, daß ihm Kräfte, die m zehn Jahren vorhaiiden sein werden, noch nicht bekannt seien. Ich mochte, ausrichttg gestanden, dem Intendanten meiner Buhne nicht gern die Freude verderben, in unserem Theater in zehn, elf Jahren den „Parfisal inszenieren zu dürfen — wenn er bis dahm noch lebt. Sie muhen nämlich wissen, daß wir in unserem Theater alle Wagner'schen Tonwerke geben, und daß die Begeisterung der Künstler tn gleicher
Höhe mit der stets weihevollen Stimmung der Zuhörer steht. Ich hoffe, daß diese Stimmung und Weihe bis zum Jahre 1913 womöglich so steigen wird, daß em Wunsch in Bezug darauf nicht mehr übrig bleibt!" Es war dies der erste Fall für den Parsifal-Bund, der Unterschrift dieses hohen Herrn, der als ein sehr begeisterter Verehrer der Tonwerke Richard Wagners bekannt ist, schon im voraiis sicher zu sein glaubte. — Soweit das Münchener Blatt. Man erinnert sich, daß S. K. H. unser G r 0 ß h e r z 0 g Ernst Ludwig den diesjährigen Bayreuther Festspielen beigewohnt hat.
Dortmund, 5. Aug. Die Verhandlungen des heute eröffneten Anthropologen -Kongresses leitet Frhr. von Adrian- Waring. Er betonte, daß die Teilnehmer des Kongresses sich freuten, gerade m Dortmund, dem Mittelpunkte für die Urgeschichte des westphälischen Landes, tagen zu können. Lebhaft bedauerte er das Fernbleiben Virchows. Landeshauptmann Horte begrüßte die Versammlung im Namen des Provinzialoerdandes, Professor Rubel namens des historischen Vereins, während Prof. Schmelz-Leyden der Freude Ausdruck gab, daß die Kongreßmitglieder Holland einen Besuch abstatten wollten. Berg-Assessor Tillmann sprach über die Geschichte des westfälischen Bergbaues und über die Bedeutung des Dortmund-Emskanals. D e r K 0 h l e n r e i ch t u m d e s L a n d e s sei so groß, daß er noch Jahrtausende lang tn demselben Umfange wie heute Kohlen zum Nutzen der Menschheit liefern werde, obwohl täglich 19 000 Toppeiwaggons gefördert würden. Pros. Ranke vev- las den wissenschaftlichen Jahresbericht und erging sich über G e - wichtsunterschiede des männlichen und weiblichen Gehirns. Nach dem Kassenbericht wurden 6208 Mk. eingenommen und 6334 Mk. verausgabt. Tas Vereins-Vermögen beträgt 28 000 Alk.
Berlin, 5. Aug. Der Gabelsberger Steno- graphentag lehnte mit 2572 gegen 2153 Stimmen den zur Systemänderungs-Vorlage eingebrachten Kompromiß-Antrag ab und nahm mit 3303 gegen 782 Stimmen die Jdemnität für die Psingstvorlage an. Revisor Weizmann- Wien legte das Amt des Vorsitzenden der Versammlung nieder. Statt seiner wurde L e u e - Braunschweig, gewählt. Nachdem sodann über einzelne Punkte abgestimmt war, erfolgte die Gesamtabstimmung mittelst Stimmzetteln. Für die Pfingstvorlage mit dem abgeänderten Punkt des Vokalstrichs stimmten 3428, dagegen 1216. Hierauf wurde die Sitzung geschloffen. — Hier fonfiituirte sich die Deutsche Gefells ch a f t Ä u r wissenschaftlichen Erforschung Anatoliens. Prof. Virchow wurde zum Ehrenpräsident, Dr. Belck zum provisorischen Vorsitzenden ernannt. In den provisorischen Vorsialid wurden ferner Dr. Lepsrus, Psarrer Lohmann-Freienwalde, Prof. Dr. Dahlmann-Leipzig, Prof. Sieglin-Berlin, Pros. Dr. K 0 rste- mann-Tübingen, der Weltreijende Dr. Albrecht Wirch- Franksurt a. M. und Dr. Zimmer entjanbt.
Nom, 5. Ang. Ter H c rz 0 g d e r A b r uz z en tritt oem- nächst an Bord des Kriegsschiffes „Stguria" eine Netze nach öuo« am er ika an.


