Ausgabe 
6.5.1902 Erstes Blatt
 
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Landwirtschaft.

16. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft tu Mannheim vom 5. bis 10. Juni. Die 16. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft wird, soweit die Nniderausstellung m Betracht kommt, zmn größten Teil mit Höhenschlägen beschickt werden. Es wird somit die Mann­heimer Ausstellung das entgegengesetzte Bild wie die Hallenser bieten, denn dort waren etwa doppelt soviel Tieflandschläge als Höhenschläge ausgestellt. Mer das Vechckttnis der beiden Schläge

Gerichtssaal.

Wiesbaden, 5. Mai. Der Bureauvorsteher Julius Ebert, seit fast 31 Jahren Angestellter des hiesigenTagblattes", wurde heute von der Strafkammer wegen Unterschlagung von un­gefähr 20 000 Mk. innerhalb der letzten zwei Jahre zu 2'/, Jahren Gefängnis verurteilt. Ebert konnte bei einem Jahresgehalt von nur 2600 Mk. nebst 200 Mk. Remuneration fast unbeschränkt über die Zeitungskasse des Geschäfts verfügen. Der Staatsanwalt bezeichnete den Kall als einen der schwersten, der seit Jahren im hiesigen Bezirk vorgekommen sei, und schätzte die Gesamtzumme der tm Laufe der Jahre hinterzogenen, aber nur zum Teil nachweis­baren Gelder aus vielleicht 100 000 Mk. und beantragte 6 Jahre Gefängnis.

Stieme«, em etwa Hührigeö Mädchen, in einem unbewachten Augenblick d« zur Plattform führende Thür öffnete und hinausstürzte. Dem Kinde stürzte die Mutter nach und beide blieben am Fuße des Bahndammes bewußtlos liegen. Ein anderer Zug brachte die Verunglückten nach Nauen, wo bei Mutter und Kind schwere Verletzungen am Lopf und eine Gehirnerschütterung festgestellt wurden.

* Köln, 5. Mai. Einen tragischen Abschluß fand die -vjährige Stiftungsfeier der Lesegesellschaft. Soeben hatte der Vorsitzende, Profeffor Dr. Andries, vier Mitglieder m einer herzlichen Ansprache bei Ueberrcichung eines Geschenkes geehrt, als einer der gefeierten Jubilare so unglücklich eine Treppe hinabstürzte, daß er alsbald an den Folgen der Verletzung im Hospital v e r st a r b. Der wegen schwerer Sittlichkeitsverbrechen verhaftete Kohlenhändler hat sich in verflossener Nacht tm hiesigen Polizeigefängnis erhängt. In dieser Sache sind bisher 29 schulpflichtige Kinder vernommen worden.

* Hamburg, 3.Mai. Die in der vorletzten Nacht aus der Irrenanstalt in Friedrichsberg Entwichenen, August Klusendorf und Schlächter Viktor Müller, sind hier in der vergangenen Nacht bei einem Einbruchsdiebstahl abgefaßt und in Hast genommen worden.

* Hamburg, 5. Mai. Durch Gas aus strömen e r st i ck t e in der letzten Nacht in einem Hause am Hammer- «stetndamm eine aus vier Personen bestehende Familie.

* Lübeck, 6. Mai. Der Hamburger Kaufmann Karl v. Borries hat seiner Vaterstadt Lübeck 400 000 Mk. zur Errichtung einer Stiftung für bejahrte Frauen und Jung­frauen der gebildeten Stünde geschenkt. Die Stiftung, für die der Lübeckische Staat das Terrain kostenfrei hergiebt, führt den Namen ,ö. Borries-Stiftung".

* Stuttgart, 5. Mai. Oberkonsistorialrat Dr. von Braun ist heute vormittag ein ernster Unfall zugestoßen. Als er auf dem Wege zur Einweihung der Schwabschule in einen Straßenbahnwagen einspringen wollte, glitt er auf dem nassen Pflaster aus, stürzte hin und erlitt am Hinter­kops eine schwere Wunde. Doch ist zur Stunde Hoffnung vorhanden, daß die Verletzung ohne ernstliche Folgen bleiben wird.

* Nürnberg, 4. Mai. Eine furchtbare That hat hier eine 19jährige Arbeiterin vollführt. Das junge Mädchen sollte auf Verlangen der Eltern ein Liebesverhältnis aufgeben. Dies nahm sich die Unglückselige dermaßen zu Herzen, daß sie zu sterben beschloß. Sie stürzte sich in die Pegnitz und nahm ihren 5jährigen Stiefbruder und ihre 3jährige Stief­schwester mit in den Tod. Die Leiche des kleinen Mädchens wurde bereits aus dem Wasser gcländet.

* London, 5. Mai. Nach einer Meldung derCentral News" aus Chicago ist Potter Palmer, Financier und Socius von Leiter u. Field, gestern Abend plötzlich infolge von Influenza gestorben. Palmer verlor 1B71 durch den Chicagoer Brand sein ganzes Eigentum, ging neu an die Arbeit und erwarb wiederum ein großes Vermögen. Er gab 200 000 Dollars für den Frauenpalast der Columbia-Aus­stellung. Seine Frau wurde Präsidentin der betreffenden Abteilung.

* London, 5. Mai. DerCentral News" wird aus Galway berichtet: Acht Fischerleute fuhren heute in einem kleinen Boote aus, um da§ deutsche Geschwader zu sehen. Das Boot schlug um und alle ertranken.

Brüssel, 4. Mai. Hier steht ein großer Skandal­prozeß mit politischem Beigeschmack bevor. Dic Gräfin Figuelmont verklagt wegen Bruch des Eheversprechens die Famllie d'Oultremont, deren Chef, Graf John d'Oultremont, Oberhofmarschall und persönlicher Freund des Königs ist. Sie behauptet, die Familie habe ihren Verlobten, ebenfalls einen Grafen d'Oultremont, wider­rechtlich in eine Irrenanstalt in Bonn einsperren lassen. Advokaten der Gräfin find die beiden Sozialisten Royer und Emlle Vanderveldc, welcher letztere sonst niemals als Anwalt thätig ist.

* Rom, 5. Mai. Scarfoglio,^ der Gemahl der Matilda Serao, machte gestern mit zwei Schauspielerinnen einen Automobilausflug in die Albanerberge. Bet der Rück­kehr überfiihr er an der Brücke Arriccia einen Bauern und am Bahnhofsplatze in Rom einen Soldaten. Scarfolgio brannte mit den Damen durch, während eine Menge das Automobil zertrümmern wollte, das die Polizei in Beschlag nahm.

*Schemacha, 4. Mai. Nachdem bereits vorgestern hier eine Erderschütterung verspürt worden war, wurde gestern Abend abermals ein starker Erdstoß verspürt.

'Nervyork, 3. Mai. Von St. Thomas wird tele­graphiert, daß der Krater des Mont-Pelee auf Martinique eine beunruhigende Thäti^keit entfalte. Die Stadt Saint- Pierre war Donnerstag mit einer */4 Zoll hohen Aschenschicht überschüttet; der Geschäftsverkehr stockt.

Kunst und Wissenschaft.

Halle, 3. Mai. In den Tagen vom 22.-25. April fand im anatomischen Institut der hiesigen Universität die diesjährige P e r - sammtung der Anatomen stall, die zahlreich aus Deutsch­land, Schweden-Norwegen, Belgien, Frankreich, Italien, Oesterreich- Ungarn besucht war. Bei dieser Gelegenheit wurde in besonderer Sitzung von den deutschen ordentlichen Professoren eine Verein­barung über die Art der Ausführung mancher Bestimmungen der neuen medizinischen Prüfungsordnung getroffen. Auch die Frage des medizinischen Studiums der Frauen wurde be­handelt und von denjenigen Lehrern der Anatomie, die bereits eine große Anzahl von Frauen unterrichtet haben, weniger günstig be­urteilt als früher. Die von einigen weiblichen Studierenden bei dem preußischen Ministerium beantragte Immatrikulation auf Grund der deutschen Reifeprüfung zum Studium zugelassenen Frauen wurde von diesen Lehrern für das Studium der Medizin als zur Zett nicht empfehlenswert erachtet. Die Meinung ging dahin, es müsse erst eine Reihe von Jahren unter den jetzigen AuSnahme- bedinoungen, die dem Lehrer aestatten, Frauen auszuschließen, eine Anpassung der weiblichen Studierenden an die mannigfachen neuen Verhältnisse zu Lehrern, Behörden und Mitstudierenden herbei- geführt, eine gute, feste Ueberlieferung geschaffen werden, um dann später nach der Immatrikulation der Frauen womöglich ohne be­sondere Beftirmnungen auskommen zu können. Als das Richtige wurde aber erachtet, für die weiblichen Studiere n den gesonderten medizinischen Unterricht einzurichten, obwohl sie selbst es nicht wünschen.

Prag, 5. Mai. Die böhmische Akademie für Kunst und Wissenschaft hatte beabsichtigt, den Grafen Leo Tolstoi zum Ehrenmitglrede zu ernennen. Infolge Intervention von hoher Stelle wurde von dieser Absicht indes A b st a n d ge­nommen.

4. Mai. Das Befinde« des Grasen Tolstoi ist noch immer kein befriedigendes. Der Ent-imdungsprozeß tm linken Lungenflügel hat sich noch nicht gehoben.

Ludwig Fulda hat ein neues, abendfüllendes L u st - spielKaltwasser" vollendet, das seine Erstaufführung in nächster Spielzett im BerlinerLessing-Theater" erleben wird.

Berlin, 3. Mai. Die Wiesbadener Festspiele er­fahren durch das Ableben des Prinzen Georg von Preußen keine Beeinträchttgung. Auch der Anwesenheit des Kaisers wird nach wie vor entgegengesehen.

Ein medizinischer Preis soll aus einem Ueberschuß von 40 000 Frs. gebildet werden, den der internationale medizinische Kongreß in Paris 1900 ergeben hat. Der Preis soll alle 3 Jahre von den späteren Kongreffen verliehen werden.

Universitäts-Nachrichten.

Budapest, 5. Mai. Der Universitäts-Professor Lang ist zum Handelsmini st er ernannt worden.

Lemberg, 5. Mai. Nach Meldung eines hiesigen Blattes entzog der Unterrichtsminister Dr. Hartl dem Rektor der hiesigen polytechnischen Schule das Recht, die A b h a l t u ng von S l u d e n t e n - V e r s a m m l u n g e u zu gestatten. Die Studenten­schaft richtete deshalb ein Beschwerde-Telegramm an die polnischen Abgeordneten uni) wird in einer vertraulichen Versammlung die Angelegenheit besprechen.

Dorpat, 5. Mai. Zur Erinnerung an die vor 100 Jahren stattgehabte e r ft e Immatrikulation an der Universität Dorpat fanden gestern hier und in vielen anderen Städten, namentlich in den Osfieeprovinzen, Festveranstaltungen ehemaliger Dorpater Studenten statt.

Sport.

8. Darmstadt, 4. Mai. Das große Frühlings-Rad wettfahren des Radfahrervereins Darmstadt auf der Renn­bahn an der Heidelbergerslraße erfreute sich in Anbetracht des seit­herigen zweifelhaften Wetters eines verhältnismäßig guten Besuchs. Die einzelnen Rennen nahmen folgenden Verlauf:

1. Eröffnu ngsfahren: 2000 Meter.

Dasselbe mußte der starken Besetzung wegen in zwei Läufen gefahren werden, aus welchen als Sieger in den Entscheid ungs- lauf kamen: E. Scheinsberg-Frankfurt a. M.^Mich. Schmidt- Ludwigshafen, G. Drescher-Mainz, H. Struht-M a inz, Jakob Steigerwald - Frankfurt a. M., Hch. Haber - Nürn­berg. Erster wurde: H. Hch. Struth-Mainz in 1 Min. 37 Sek., 1 Tafelaufsatz; zweiter: Hch. Haber-Nürnberg in 1 Min. 37.4 Sek Rindleder-Reisetasche; dritter: G. Drescher-Mainz in 1 Min. 38 Sek., 1 Stahlremontcure mit Wecker.

2. Erstfa hren: 2000 Meter.

Dasselbe wurde ebenfalls in zwei Läufen gefahren und errangen schließlich den Sieg: Gg. Fink-Mannheim in 3 Min. 23.3 Sek., 1 Tafelaufsatz; Gg. Karen-M annh eim in 3 Min. 24 Sek., 1 Barometer event. Thermometer; Friedrich Roth-Niederrad in 3 Min. 37.4 Sek., 1 Wanduhr mit Doppelwecker.

3. Hauptfahren: 2000 Meter.

Im Entscheidungslauf siegten: Ernst Schweinsberg-Frank­furt a. M. in 4 Min. 5 Sek., 1 Bowle in Oxidsilber; Mich. Schmidt--L udwigshafen in 4 Alin. 6 Sek., 1 Humpen in Kupfer; Johann Schneider - Altripp in 4 Min. 6.1 Sek., l Kaffee- Seroie, versilbert.

4. Ni eh rsitzerfahr en (6 Runden): 3000 Meter.

Ebenfalls in 2 Läufen gefahren. Carl Lurz, Ernst Schweins- berg-Frankfurt a. M. in 5 Mm. 20 Sek., 2 Taschenremon- toirs; Mich. Schmidt-Ludwigshafen, Hch. Beck-Frank- f u r t a. M. in 5 Min 21.2 Sek., 2 Wanddekorationen in Messing; L. Stals, H. Bertsch-Mannheim in 5 Min. 22.1 Sek., 2 Feld­stecher.

5. 10-Kilomet erfahr en mit Schrittmacher:

1. G. Drescher- Mainz in 15 Min. 15 Sek., 2. Ernst Schweinsberg- Frankfurt a. M. in 16 Min. 45 Sek., 3. Earl Lurz-F r a n k f u r t a. M. in 17. Min.

Interessantestes Rennen. D. war von einem vorzüalich funk­tionierenden Benzin-Motor geführt und gewann leicht. Auch Schweinsberg hielt sich tapfer und hätte bei gleicher Führung wohl ernstlich mitgesprochen. Im Mehrsitzerfahren stürzten Link und Steigerwald infolge eines Reifendefektes, doch kamen sie ohne emft- hdjen Schaden davon. Den Rennen wohnten u. A. als Ehren- prcisrichler bei: Oberstallmeister Erich v. Riedesel zu Eisenbach, Generalmajor Brigade-Kommandeur Graf Könitz, Oberstleutnant a. D. Winsloe.

Kyuologisches aus Frankfurt a. M. Das soeben er­schienene Ausstellungsprogramm der Frankfurter Kynologischen Woche dürfte wohl das interessanteste aller deutschen diesjährigen Hundeausstellungen sein. Es haben der kommandierende General des 18. Armeckorps v. Lindequist und Oberbürgermeister Dr. Adickes-Frankfurt a. M. das Ehrenpräsidium übernommen. Dem Ehren-Komttee gehören u. a. an der Stadtkommandant Generalleutnant von Stülpnagel und Regierungs-Präsident Dr. Wentzel-Wiesbaden. Die Oberleitung der Ausstellung selbst liegt m den Händen des Generalmajors z. D. v. Barde leb en und Justizrats Dr. Caspari, während die ersten deutschen und berühmte ausländische Kynologen als Preisrichter fungieren werden. An Geldpreisen, die zur Verteilung kommen müssen, hat das Ausstellungskomitee 5100 Mk. ausgesetzt, dazu viele Hundert vergoldete, silberne und broncene Medaillen, je mit den ent­sprechenden Diplomen versehen. Bis heute sind die Anmel- oungen der Ehrenpreise ebenso zahlreich eingelaufen wie bei den früheren Veranstaltungen dieses Vereins. Besonders haben sich viele Spezialklubs an dieser Ausstellung beteiligt, so der deutsche Brackenklub, der Neusundländerklub, der deutsche Schäferhundklub und der rauhhaarige Terrierklub. Die verschiedenen Veranstaltungen und Vorführungen sollen nicht nur den 24. und 25. Mai, sondern auch noch am Montag dem 26. Mai stattfinden, ba das große In­teresse des Publikums an denselben auf sehr starke Beteiligung rechnen läßt. Tenn es kommen unter anderen Meuten die Jox- houndmeute der königlich bayerischen Eguitationsanstalt in München, die Darmstädter Schleppmeute, eine Hairhoundmeute aus Neu­brandenburg noch die Foxhoundmeuten der königlichen Reitschule in Hannover zur Vorführung. Diese Vorführungen werden täglich mehrmals stattsinden, abwechselnd mit den Hebungen der Kriegs- Hunde der deutschen Jägerbataillone. Diese Hunde werden von den sie begleitenden Mannschaften täglich mehrmals vorgefübrt werden, ebenso die Sanitätshunde. Für die auswärtigen Besucher der Ausstellung wird eine direkte Verbindung ab Zoologischer Garten vom Hauptbahnhof nach der Landwirtschaftlichen Halle her- gestellt werden.

zu einander neigt in diesem Jahre in noch höherem Maße de» Höhenschlägen yx, da von dem großen Fleckvieh mit bellem Pig­ment allein 2o9 Tiere, von dem kleinen gefleckten oder rücken- blässigen Höhenvieh 58 Tiere, von den gelben einfarbigen Höhen- schlügen 55 Tiere, von dem graubraunen Gebirgsvieh 49 Tiere, von dem Ansbach-Triesdorfer Vieh 48 Tiere, von dem einfarbig roten und rotbraunen Vieh des Höhenlandes 43 Tiere, von den Rot- und Braunblässen 8 Tiere und von den Pinzgauern 6 Tiere zur Stelle fein werden. Demgegenüber werden 89 Tiere der schwarzbunten Tieflandschläge, 23 Tiere der rotbunten Tiefland­schläge Rheinlands und Westfalens, 9 Tiere des roten schleswigschen Milchviehs, 5 Tiere des Wesermarschschlages, 1 Bulle des rotbunten holsteinischen Schlages .und 21 Tiere aller andern Niederungsschläge ausgestellt werden. Die Shorthorns sind durch 38 Tiere vertreten, von denen 25 zu den Land-Shorthorns und 13 zu den Vollblut- Shorthoms gehören. Auch eine umfangreiche Molk er ei°Aus° stelluna wird auf der Wanderausstellung geboten werden. Nicht nur die Abteilung für Butter, sondern auch die für Käse, ist, ent­sprechend den Produktions-Verhältnissen Süddeutschlands, reich be­schickt, wenn natürlich auch die Anzahl der Butteraussteller größer ist, als die der Käseaussteller. In der Butter-Abteilung wird vor allen Dingen, nämlich mit 210 Proben, frische gesalzene Butter aus saurem Rahm oder aus saurer Milch und außerdem mit 136 Proben frische ungesalzene Butter aus süßem Rahm ausgestellt werden. Ungesalzene frische Butter aus saurem Rahm'' oder aus saurer Milch wird durch 66 Proben, frische gesalzene Butter aus süßem Rahm durch 10 Proben vertreten sein, während die Aus­stellung von Vorbruchbutter und Butterschmalz in beachtenswertem Umfange nicht stattfindet. Die Käse-Ausstellung zeichnet sich vor allen Dingen durch eine reiche Beschickung von Weichkäse nach Art des Münsterküse (Schachtelkäse) aus. Diese Sorte wird durch 58 Aussteller beschickt. Außerdem wird Käse nach Limburger Art, fett und halbfett, in 29 bezw. 30 Proben ausgestellt werden. Ferner verdienen von den Weichkäsearten die franzosifchen Käse, so der Brie, der Frühstückskäse, der Camembret und der NeufchLteler Käse Beachtung. Unter den Hartkäsen nimmt der Schweizer Käse, der mit 35 vollsetten und 26 halbfetten Proben vertreten ist, die erste Stelle ein. Von den andern Hartkäsen, so dem Tilsiter, dem Holsteiner, dem Edamer und dem Käse nach Gouda-Art, werden nur einige wenige Proben zu sehen fein. In der Kosthalle der Molkerei-Ausstellung, die den Ausstellungsbesuchern Gelegenheit giebt, die ausgestellten Molkerei-Erzeugnisse auf ihren Geschmack zu prüfen, werden 75 Butterproben und 56 Käseproben zum Ver­kauf kommen.

Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Salzschlirf, 4. Mai. Die AktiengesellschaftBad Salzschlirf" verteilt wie im Vorjahre 4 Prozent Dividende. Die Gesellschaft hat eine weitere Soolquelle, die zum Baden benutzt wer­den soll, erbohrt. Sie hat 5 Prozent Gehalt.

Faber u. Schleicher, Aktierr-Gesellschaft, Offenbach a. M. In der Sitzung des Aufsichtsrats wurde beschlossen, der auf den 30. Mai d. I. nach Offenbach a. M. einzuberufenden Generalver­sammlung vorzuschlagen, für 1901 aus dem 161 994 Mk. (im Vor­jahre 184157 Alk.) betragenden Reingewinn eine Dividende von 8 Prozent (i. V. 10 Prozent) zu verteilen und 10000 Mk. (4408 Mk.) der Specialreserve, sowie 19000 Mk. (8000 Mk.) dem Delkredere- Fonds zuzuweisen, so daß 3670 Mk. (6148 Mk.) zum Vortrag bleiben.

Zur wirtschaftlichen Lage. Nach und nach kommen nun auch die eigentlichen Finanzblätter zu der Ansicht, die wir schon feit Monaten vertreten haben, daß die industrielle und wirtschaft­liche Krisis des vergangenen Jahres noch nicht überwunden ist. Es schreibt z. B. derFmanzherolo": Man hat doch anfangs die Folgen der Kapitals- und Handelskrisis zu gering eingeschätzt und die Pessimisten haben reckt behalten, die vor dem zeitweisen Auf°- flackern des Geschäfts resp. der Jndustriekurse als die Folgen einer künstlich erzeugten Stimmung warnten. Thatsächlick hat sich die Industrie, wie die Berichte über das abgelaufene Jahr beweisen, wenig gehoben und vor der Hand wird auch nur mtt Hoffnungen für die Zukunft gearbeitet

RuS den Waggonfabriken. Die Lage der Waggonfabriken ist fehr schlecht. Die Bestellungen, welche der Eisenbahnminister herausgegeben hat, lauten, wie wir schon früher schrieben, auf so weit hinausgeschobene Liefertermine, daß den Fabriken hieraus keine kontinuierliche Beschäftigung erwachsen ist. Von Privatbahnen sind nur vereinzelt und unter großen Preisopfern Aufträge zu er­langen. Naturgemäß sind die Waggonfabriken, welche nicht dem alten Kartell angehören, am schlechtesten beschäftigt, da der Mi­nister 75 Prozent der Staatsbahnbestellungen dem Kartell überwie­sen hat. Die außerhalb des Kartells stehenden Fabriken unterbieten daher stark und bei jeder Gelegenheit. Sie haben natürlich auch versucht, den Staatsauftrag durch Unterofferte an sich zu bringet^ Das Kartell wurde dadurch gezwungen, noch unter die schon un­genügenden Preise des Vorjahres zu gehen, sodaß der Staatsauf­trag zu den denkbar schlechtesten Preisen übernommen wurde.

Der Morgau'fche Schiffstrust. Die Aufnahme, die dir Morgansschen Neuorganisationen bezüglich des SchifffahrtstrusteL in den deutschen kaufmännischen Kreisen gefunden haben, ist ver­schieden und gehen die Nieinungen teilweise auseinander. Während eines Teils der Ansicht Ausdruck gegeben wird, die Selbständigkeit der deutschen Linien wäre am besten gewahrt geblieben, wenn der Lloyd und die Hamburger Packenahrtgesellschaft der neuen Kom­bination absolut fern geblieben wären, findet auch eine andere Auf­fassung Vertretung, daß die Gefellschaften sich gezwungen fühlten, dem Trust beizutreten. Man scheint noch in vielen Kreisen die Macht und die Rücksichtslosigkeit dieser amerikanischen Großfinanz- leute zu unterschätzen. Man muß im Auge haben, daß, wäre es zu einem Kampf zwischen den deutschen Schifffahrtsunternehmungen und dem neuen Trust gekommen, die finanzielle Stärke zweifellos auf feiten der Amerikaner gewesen wäre. Die amerikanischen Trustleute be­sitzen eine ganz gewaltige Macht, das siird die Großbanken, wie dies schon der Kupfertrust gezeigt hat. Tie deutschen Gesellschaften sind gezwungen, sich dem Trust in der bekannten Weise anzuschlie- ßen uno liegt es jetzt den deutschen Jntereffenten ob, unsere Schiff­fahrts-Gesellschaften in finanzieller und moralischer Beziehnng der­art zu stärken, daß sie die Kraft haben, jederzeit den amerikanische» Interessenten die Spitze bieten zu können.

Mannheimer Dampfschleppfchifffahrts Gesellschaft. In der Auffichtsratssitzung wurde die Dividendenoerleilung von 47,pCt. (i. V. 6 pCt.) für das Geschäftsjahr 1901 beschlossen.

Arbeiterbewegung.

Skrefeld, 5. Mai. Sämtliche Arbeiter der hiesigen Stabl« werke haben wegen der angekündigten Lohn-Reduktion die Ar­beit eingestellt. ___________________________

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