Ausgabe 
6.3.1902 Zweites Blatt
 
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stärkt wurde, der dieWacht am Rhein" sang. JSine Ab­ordnung von Stadträten wollte den Prinzen begrüßen, doch blieb er zu Bett. Später sandte der Prinz von Clcveland aus ein Danktelegrannn an den Bürgermeister von Toledo. In Cleveland wurde er wieder durch dieWacht am Rhem" begrüßt.

In Erie trade war Mittagspause, als der Zug emtraf. Daher waren Tausende deutscher Arbeiter am Bahnhose, die die größte Begeisterung bekundeten. Eine besondere Popularität sicherte sich Prinz Heinrich bei dem farbigen Aufwarte-Per­sonal de§ Zuges, weil er ein eigens von Negern Milwaukees ihm gestiftetes Zimmer-Aquarium als Geschenk acccptiertc.

Aus Niagarafalls wird depeschiert: Eine Menge alt gedienter Leute von der deutschen Armee und Marine, waren von weit hergekommcn, um ihren ehemaligen Offizieren die Hand zu drücken, so in Buffalo em aller Marine-Veteran Koberstei n. Dieser wollte Exzellenz Tirpitz sprechen, der 1864 als See-Kadett nut ihm zusammen auf der Arcona gedient hatte. Admiral Tirpitz kam auch aus dem Zuge und unterhielt sich lange mit dem alten Schiffsgefährten. In den letzten Tagen macht sich der Winter wieder recht be­merkbar. Ueberall liegt Eis und Schnee.

Aus Washington wird gemeldet: Marinesekretär Lang ist nach Boston zu einem zu Ehren des Prinzen statt- stndenden Diner abgereist. Während desselben wird der Großmeister der Germania-Loge, Hauser, dem Prinzen ein goldenes diamantbesetztes Freimaurer-Emblem überreichen als Geschenk einer typischen Amerikanerin, Frau Goodwin. Das Emblem ist aus einem Goldklumpen hergestellt, den der Gatte der Frau Goodwin im Jahre 1849 in Kalifornien ge­funden hat. ___________

Preußisches Abgeordnetenhaus.

Ueber die D i c n s t a g s s i tz u n g des preuß. Abgeord­netenhauses ist kurz folgendes zu berichten:

Drei Stunden lang schleppte man die Beratung über den kleinen Rest des Etats des Ministeriums des Innern fort. Minister v. H a m m e r st e i n gab wegen seines Urteils aber den Redakteur Bredenbeck als Sitzredakteur eine Entschuldigung zum Besten, indem er auf diesen Irrtum an­geblich deswegen verfallen sei, weil sich .Herr Bredenbeck in 11 Monaten seiner Thätigkeit außer einer Geldstrafe 16 Monate Haft er schrieben habe. Als der Minister bei Erwähnung dieses Falles von hämischen Angriffen aus dem Reichstage auf ihn sprach wurde er unter aroßer Spannung im Hause vom Präsidenten v. K röch er darauf aufmerksam gemacht, daß nach seiner ErfaHruntz hämische Angriffe im Reichstage bis jetzt ungerügt nrcht vorge­kommen sind.

Am Mittwoch legte der Abg. Kopsch (frs. Vp.) einen Antrag vor, die Regierung zu ersuchen, baldmöglichst ein­gehende Untersuchungen vorzunehmen darüber, ob und in­wieweit die Ausführung des Lehrerbesoldungs­gesetzes, insbesondere die Beschlüsse der Provinzialkonfe­renzen, den Absichten des Gesetzes entsprechen. Kopsch spricht dem Ministerialdirektor Kügler den Dank aus für seine großen Verdienste um die Volksschule, und geht als­dann auf die Lage des Lehrerstandes ein. Er bemerkt, daß in Preußen in 94 Proz. aller Fälle das Minimalgehalt 900 Mk. betrage, in zahlreichen Fällen sogar nur 600 Mk. Die Folge sei, daß die Lehrer, namentlich die tüchtigeren Kräfte, sich nach den besser besoldeten Stellen bemühten; >>en Schaden davon hätten die ländlichen Schulgemeinden.

Abg. M a l k e w i tz (kons.) spricht namens seiner Freunde sein Bedauern aus, da^ß das Volksschulgesetz, das große Werk des Grafen Zedlitz, nicht zu stände gekommen sei. Die Regelung der Schulunterhaltungspflicht liege jetzt in der Wsicht der Regierung, uni) auch seine Partei wünsche das Zustandekommen eines hierauf bezüglichen Gesetzes. Dem Anträge Kopsch stünden seine Freunde geteilt gegenüber, seien aber darin einig, daß dem Anträge keine besondere Bedeutung beizumessen sei . Redner tritt dann für die Gleichlegung der Ferien in den Elementar- und höheren Schulen ein.

Minister S t u d t erklärt, daß er eine Erhöhung der Lehrerbsssoldungen nicht in Aussicht stellen könne. Die Regierung könne nur darauf halten, daß die Mindestsätze innegehalten werden und daß die Unterschiede sich allmählich ausgleichen. Tie Höhe der Besoldung festzustellen, müsse den Gemeinden überlassen werden. Die Regierung sei be­müht, ein Schulunterhaltungsgesetz möglichst zu fördern und bald einzubringen, doch werde vor seinem Zustandekommen noch eine große Zahl von Streitpunkten sortfallen müssen.

Abg. v. Jazdzewski (Pole) bittet den Minister dringend, den Wünschen der Polen in Westfalen, Hannover und anderen Gegenden um Einrichtung polnischer Gottes­dienste wohlwollend entgegenzukommen. Tas ganze Unter­richtssystem mit der deutschen Sprache in der polnisch redenden Bevölkerung sei verfehlt und erzeuge nur Ab­neigung bei den Eltern gegen die Schulbehörden.

Minister Studt entgegnet, von einer Beseitigung des deutschsprachlichen Systems könne keine Rede sein; schon jetzt werde bei dem deutschsprachlichen Unterricht individua­lisiert.

Aus AM und Land.

(Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten fft nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 6. März 1902.

* * Prüfung im Finanz- und Forstfach. Diejenigen Stu­dierenden des Finanz- und des Forstfachs, welche sich zu Anfang des nächsten Semesters der Vorprüfung oder der Fach­prüfung zu unterziehen beabsichtigen, haben bis spätestens zum 19. April bei dem Vorsitzenden der kameralistischen Prüfungskommission Prof. Dr. M. Bi ermer, ein Gesuch um Zulassung einzureichen. Dem Gesuche sind die in § 5, bezw. § 6 der Prüfungsordnung vom 13. Juni 1900 an­gegebenen Belege beizufügen. Die einzelnen Termine für die schriftliche und die mündliche Prüfung werden durch Anschlag im Universitätsgebäude bekannt gemacht. Die schriftliche Vor­prüfung beginnt am 23. April.

Keine Erhöhung der Vermögenssteuer. Wie dasDarmst. Tagebl." aus guter Quelle vernimmt, hat die Regierung beschlossen, von einer Erhöhung der Vermögenssteuer ab­zusehen.

* Zu dem Programm der Geistlichen Musikaufführung, die der evang.Kirchengesangverein am nächsten Sonn­tag in der Stadtkirche veranstaltet, ist vor allem der Name Mendelssohn mehrfach vertreten. Unser bewährter Or­ganist, Herr O. G ö r l a ch, hat sich zwei Sätze der Sonate in S'-moll des Altmeisters Felix Mendelssohn-Bartholdy erwählt,

und der Chor wird dessen schöne ChoralmotetteAus tiefer Not schrei uh zu dir", allerdings in etwas verkürzter Ge­stalt, zum Vortrag bringen. Daß aber die Gabe der Musik in der Familie Mendelssohn nicht ausgestorben ist, beweist unser Landes-Kirchenmusikmeister, Professor Arnold Mendels­ohn m Darmstadt, der sich auf den verschiedensten Gebieten der Musik durch gehaltvolle und originelle Kompositionen einen geachteten Namen erworben hat. Von ihm bringt das Programm eine Koniposition des alten Volksliedes:Da Christ, der Herr, in den Garten ging" für Soli, Chor, Orgel und Orchester. Es ist ein ganz ergreifendes Tongemälde, in dem uns der Leidensgang des Heilandes vor die Seele geführt wird. Durchaus modern in Harmonie und Instru­mentation, hat es der Koniponist doch verstanden, sich tief in das Empfinden des alten Volksliedes hineinzusenken. Geradezu packend ist der Schluß. Der Komponist geht da ganz un- vermütelt aus Moll m Dur über und malt m fugenartigcn Gängen die Freudeim Himmelssaal". Die von früher in sehr gutem Andenken stehende Altistin, Fräulein Martha S t a p e l f e l d t aus Frankfurt a. M., und unser tüchtiger heimischer Konzertmeister, Franz Bauer, werden dafür sorgen, daß auch der größte Meister evangelischer Kirchenmusik, J.S. Bach, zu dem ihm vor allem in der Passionszeit in einer kirchlichen Aufführung gebührenden Recht kommt.

** Iustizpersonalnachricht. Gerichts assesfor Fresenius in Darmstadt wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Darmstadt I beauftragt.

** Zur Aufklärung über die schlechten Aus- ichten im mittleren Finanzdienst weist der D. T. A", nachdem erst Tags zuvor vor dem Studilum der Rechtswissenschaft gewarnt worden war, aus die That- ache hin, daß infolge des seit Jahren herrschenden An­drangs zahlreicher junger Leute (mit Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst) zum Finanzdienst eine recht bedenkliche Ueberfüllung eingetreten ist, und warnt nachdrücklichst vor weiterem Eintreten in diese Karriere. So sind zu dem in diesem Frühjahr stattfindenden Examen dem Vernehmen nach wieder über 70 Examinanden angemeldet, eine Menge, die wahrhaft erschreckend wirU, wenn man bedenkt, daß im hessischen Staatsdienst wie im Finanzdienst der größeren Städte des Landes im ganzen nur ungefähr 15 bis 20 Finanztechniker jährlich erforderliche werden und daß zur Zeit noch mehr als 200 Finanz­aspiranten aus früheren Examensjahrgängen vorhanden ind, die großenteils überhaupt noch keine dienstliche Ver­wendung gefunden haben, und deren Zahl im Verhältnis zu den vorhandenen Stellen allein schon für nahezu ein Jahrzehnt ausreichend sein würde. Die Aussichten auf An- telluug erscheinen sonach für den jüngeren Nachwuchs bereits jetzt schon höchst gering und werden von Jahr zu Jahr trostloser, denn bekanntlich ist die bestandene Prüfung nur Bedingung zur Anstellung, giebt aber durchaus noch kein Anrecht darauf.

S. Der landwirtschaftliche Lokal-Verein Gießen feiert heute den 2 5. Jahrestag seines Be­stehens. Infolge einer Aufforderung des Professors Dr. Thaer imGieß. Anz." versammelte sich am 20. Februar 1877 eine Anzahl Herren im damaligen landw. Institut der Universität Gießen, Brandplatz Nr. 61, Großh. Eigen­tum, in dessen unteren Räumen sich heute die Reitbahn und die Wohnung des Universitäts-Reitlehrers befindet, um einen landw. Lokalverein für Gießen und Umgegend ins Leben zu rufen. Sie einigten sich über den Entwurf eines Statuts. Dasselbe sollte der nächsten konstituierenden Versammlung zur Besprechung unterbreitet werden. Es hatten schriftlich und mündlich vierzehn Herren ihre Teil­nahme zugesagt. Die Versammlung wurde auf den 6. März 1877 abends 6 Uhr im Lokale des landw. Instituts zur Beschlußfassung über die Gründung des Vereins anberaumt. Tie Nr. 57 desGieß. Anz»" berichtet über die Gründung am 6. März 1877: Heute hat sich der Verein unter erfreu­licher Teilnahme unter dem Vorsitz des Herrn Prof. Thaer konstituiert. Als Tagesordnung für die erste Sitzung am 3. April 1877 wurden die Fragen zur Erörterung gestellt: Ausstellung der Sommersaat, Verwendung von künstlichem Dünger im Frühjahr, Schutzmittel gegen die Verbreitung der Kleeseide". Pros. Dr. Thaer, dessen Bemühungen es zu danken ist, daß der Verein ins Leben gerufen wurde, übernahm auf Wunsch der Versammelten den Vorsitz, er legte denselben nach einigen Jahren aus Gesundheitsrücksichten nieder. An seine Stelle trat Theodor Wort mann aus Gießen, diesen löste Oekonomierat Sch lenke aus dem Hardthof im Jahre 1883 ab. Pros. Dr. Thaer bewahrte als treues Mitglied dem Verein seine lebhafte Teilnahme, und dieser ist es zu danken, wenn der Verein bis heute blüht und seinen Mitgliedern gute Früchte bringt. Nach den Statuten sollte vom Oktober bis intt. April in jedem Monat eine Sitzung stattfinden. In der Folge wurden aber in den eigentlichen Wintermonaten in der Regel je zwei Sitz­ungen abgehalten, die von den auf über 100 Mitglieder angewachsenen Verein in der Regel gut besucht wurden. Tie Mitglieder rekrutieren sich aus der Stadt Gießen, den Landgemeinden Langgöns, Allendorf a. Lahn, Heuchelheim, Steinberg-Watzenborn, Haufen, Garbenteich, Langsdorf, Lich, Hungen, Steinbach, Wiesest, Lollar, Großenbuseck, Friedel- Hausen, Albach, Rödgen, Trohe, Annerod re. Tie Besprech- ungn im Verein galten in erster Linie rein landwirtschaft­lichen Fragen. Vorträge wurden saft nie gehalten. Bei den Versammlungen war es besonders erfreulich, daß die kleineren Landwirte ihre in großen landwirtschaftlichen Ver­sammlungen bewahrte Zurückhaltung ablegten und sich an den Tebatten lebhaft beteiligten. Doch nicht nur den zu­nächst liegenden Interessen wandte sich der Verein zu. Die Frage des Schutzes Ihrer einheimischen landwirtschaftlichen Produktion stand im Laufe oer Jahre wiederholt auf der Tagesordnung. Als auf Grund des Reichsgesetzes vom 5. Mai 1886, die Ausführung dieses Gesetzes betresfend die Unfall- und Krankenversicherung ausgedehnt wurde auf die in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen, war es Sache der Landesgesetzgebung, Einzelheiten jenes Gesetzes selbständig ergänzend oder abändernd zu regeln. Bei dieser Gelegenheit war der landwirtschaftliche Lokalverein Gießen der e i n z i g e des Landes, Äer sich in seinen Sitzungen mit Einzelheiten des Gesetzes beschäftigte und auf einzelne Entschließungen der Regierung mit Erfolg einwirkte. Das Statut über die Handhabung der Geschäfte im Gießener Schlachthaus ist unter Mitwirkung des landw. Lokalvereins zustande ge­kommen, und als sich später Mißstände in der Verwaltung herausstellten, war es wieder der Lokalverein, der zur Ab­hülse derselben wesentlich beitrug. Die Frage der Feld­bereinigung schwand im Laufe der Jahre nicht von der Tagesordnung. Tie öftere Behandlung dieser Frage im Lokalverein hat zweisellos dazu beigetragen, daß endlich

auch im Kreise Gießen und in der Gemarkungi dieser Stadt die Feldbereinigung in Fluß kommt. Wünschen wir den Bestrebungen des Vereins, das landwirtschaftliche Gewerbe zu fördern, weiteren Erfolg! Wenn die Mrtglleder des Vereins, wie man zuversichtlich annehmen darf, es nrcht fehlen lassen an nachhaltigem freudigem Zusammenwrrken, dann werden nach weiteren 25 Jahren die deretustt^n Mitglieder mit Befriedigung auch aus diese Zeit zuruckblrcken können.

* * Aus dem Theaterbureau. Dre Aufführung von LaubesGraf Essex" ist auf Dienstag kommender Woche verschoben worden. Am Freitag wird als zehnte Volksvorstellung noch einmalAlt-Heidelberg" auf* geführt.

* * Verhaftete Diebe. Gestern abend zwischen 9 und 10 kahlen zwei obdachlose Taglöhner aus einem Hofe in der Gocthestraße 11 Pfund altes Zink. Sie wurden von einem Schutzmann auf frischer That ertappt und verhaftet.

* * Die Zentrumsfraktiou des hessischen Landtags hat ge­legentlich der Jubelfeier des Papstes folgendes Telegramm nach Rom abgesandt:

Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII. in Rom. .

Sanctitati Tuae occasione anni jubilaei coronationis Tua® omnem divinam benedictionem cunctaque fausta filiali sensu precantur.

Magni Dncatus Hassiae Deputat! catholici: de Brentano, Dr. Frenay, Horn, Molthan, Pennrich, Prof. Schlenger, Dr. Schmitt.

Die Uebersetzung lautet:

Für Deine Heiligkeit erflehen bei Gelegenheit des Jubel­jahres Deiner Krönung allen göttlichen Segen und alles Glück in kindlicher Gesinnung. .

Die katholischen Abgeordneten des Großherzogtums Hessen.

* * Sternbergs Begnadigung abgelehnt. Für den verurteilten Bankier Sternberg waren bekanntlich Ende vorigen Jahres unter der.Arbeiterschaft der ihm ge­hörigen industriellen Unternehmungen in Oberhessen Unter» chriften für ein Gnadengesu ch gesammelt worden. Wie den beteiligten Kreisen jetzt mitgeteilt wurde, hat der Karser das Gnadengesuch abschlägig beschieden.

§ Butzbach, 5. März. Gestern nachmittag entwich bei der Außenarbeit ein Gefangener der Zell en straf an st alt in der Richtung nach dem Walde, ohne daß seine Festnahme möglich war. Der Aufseher konnte den Flüchtigen nicht verfolgen, sondern ihm nur einen Schuß uachseuoeu, weil er noch andere Sträflinge zu überwachen hatte.

rt. Friedberg, 5. März. Am Sonntag hielt im Saale des Pfälzer Hofes der e v a n g. Arbeiterverein seine Monatsversammlung ab. Kirchenrat Meier er­stattete den Rechenschaftsbericht und teilte mit, daß der Verein nun 327 Mitglieder zähle. Bei seiner Gründung betrug im Jahre 1889 die Mitgliederzahl 28. Nachdem dann noch Kausmann D^rrnrn als Rechner des Vereins und Kausmann Hilb recht als Leiter der Vergnügungs­kasse Rechenschaft abgelegt hatten, hielt Kandidat Laut einen Vortrag überLuther in seiner Familie". Darnach sand noch eine durch verschiedene Gesäuge der Gesangsabteilung verschönte Wendunterhaltung statt. Am Montag sprach in dem HotelZu (bien drei Schwertern" Pfarrer Lie. Dr. Diehl aus Hirschhorn a. Neckar in einer Sitzung des Vep- eins für Geschichte und Altertum überKulturgeschichtliches aus dem Amt Butzbachs und den umliegenden Orten der Wetterau". Der Vortrag bat manches Interessante. Die hessische Spezialgeschichte, besonders aus kirchlichem Gebiete, verdankt Diehl wertvolle wissenschaftliche Ergebnisse, zu deren Aufnahme sogar schau eine Parallelausgabe des Archivs für hessische Geschichte geschassen werden mußte.

D a r m st a d t, 5. März. Dem Vorsitzenden des Hessi­schen Landesvereins vom Raten Kreuz, Ober- konsiftorialpräsidenten D. Buchner, hat die Groß» Herzogin Viktaria Melita mitgeteilt, daß sie sich bewogen gefunden habe, das Protektorat über diesen Verein niederzulegen, mit der Bitte, dem Vorstand und den Mit­gliedern des Vereins hiervon in geeigneter Weise Kenntnis geben zu wollen, und mit dem Wunsche, daß die menschen- freundlichen Bestrebungen des Vereins auch fernerhin van besten Erfolgen begleitet sein möchten.

Mainz, 6. März. (Telegramm des Gieß. Anz.) Gegen den Pastor Schoenherr in Sprendlingen waren häßliche Anschuldigungen verbreitet worden, u. a. daß er spät abends bei einem traulichentete ä tete" mit einer Dame in der Kirche beobachtet worden sei. Die Sache stand gestern vor der hiesigen Strafkammer znr Verhandlung. S. wurde glänzend gerechtfertigt, da sich alles als Verleumdung erwies. Der Hauptverbreiter der Anschuldigungen wurde leider nur zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt.

* * Hechtsheim, 6.März. (Telegr. desGieß. Anz.") Der Metzger Schädel erstach im Streit seinen 23jährigen Sohu. Der Stich ging ins Herz. Der junge Manu war sofort tot.

k o Frankfurt a. M., 5. März. Die Disko uto-Gesell­schaft kaufte das alte Schauspielhaus für Vj4 Million Mark an. Der alte Kuusttempel soll in ein Bank- gebäude umgewaudelt werden.

ck Höchst a. M., 6. März. (Telegr. des Gieß. Anz.) In dem nahen Sossenheim wurde heute früh der 23jähr. Gastwirt Vouhoff auf dem Abort seiner Hauses er­schossen aufgefuudeu. Der Schuß saß in der Schläfe und muß sofort tätlich gewirkt haben. Eine Waffe fand sich jedoch nicht vor. 3)lan nimmt allgemein einen Meuchelmord an. V. war gestern Abend in heiterer Gesellschaft und wollte heute seinen Gebnrtstag feiern, zu dem zahlreiche Einladungen er» gangen waren.

Vermischtes.

* Stuttgart, 5. März. Der Mörder der vor einem Vierteljahr in den königl. Anlagen mit abgeschnittenem Halse aufgefundenen Modellsteherin Babette Wirth wurde in Kirchheim u. T. in der Person des 27 Jahre alten aus Stuttgart gebürtigen Mechanikers Ludwig G erst er ver­haftet. Gerster, der früher ein Zuhälter der Ermordeten war, hat bereits ein völliges Geständnis abgelegt und gab au, daß ihm sein Gewissen keine Ruhe lasse.

* Brüssel, 5. März. In Arlou wurde heute ein Landwirt ermordet in seinem Bette aufgefuudeu. Der Kopf war ihm mit einem Hammer gespalten und die Kehle durchschnitten. Von den Thätern fehlt jede Spur.

Universitäts-Nachrichten.

Für eine Studentenfahrt nach Paris ist das Programm jetzt in den Umrissen festgestellt. An den theatralischen Auf­führungen, bei denen Matkowsky, Grube und Rosa Poppe vom Königlichen Schauspielhause in Berlin im Vordergrund stehen, werden sich Leipziger und Berliner Studenten be»