Gefühls in beiden Staaten ruht darin, daß jeder Teil iu seinem Hause Herr i st."
Lemberg, 5- Jan. In hiesigen maßgebenden (?) Polenkreisen wird mit aller Bestimmtheit versichert, daß leine „fortgesetzte Brüskierung der Polen" seitens der preußischen Regierung die politischen und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns aufs Schwerste schädigen und daß, falls die preußische Regierung nicht freiwillig cinlenke, die Polenfrage zu den folgenschwersten Komplikationen zwischen Deutschland und Oesterreich führen müsse-
Peking, 5- Jan. Ein Edikt der Kaiserin-Witwe spricht den Wunsch aus, den Fremden versöhnlich entgegenzutreten und kündigt an, daß sofort nach der Rückkehr die freundschaftlichen Beziehungen mit den fremden Gesandten wieder ausgenommen werden sollen. — Ern zweites Edikt teilt mit, daß bei dem Massacre in Ningtsinsu in der Provinz Kansu zwei Missionare umgekommen seien- Der zweite Missionar, dessen chinesischer Name Tung gewesen sei, sei am 23- Dezember seinen Wunden erlegen-
Buenos Ayres, 4- Jan. Die argentinisch-chilenische Streitfrage hat sich neuerdings verschärft infolge des Verhaltens der chilenischen Diplomatie während der schwebenden Verhandlungen, das man hier als illoyal betrachtet- Die argentinische Regierung, die alle Mittel erschöpft hat, um auf gütlichem Wege Befriedigung ihrer Ansprüche zu erlangen, beabsichtigt, die Verhandlung abzubrechen, sowie die diplomatischen Beziehungen mit Chile zu suspendieren, und hat, um für alle Eventualitäten vorzusorgen, angeordnet, daß die Flotte und das Landheer auf Kriegsfuß zu stellen sind. Die Bevölkerung billigt die Haltung der Regierung.
Vom Bureukriege.
Nach einem Telegramm aus London wird dem „Standard" aus Pretoria über eine erneuteThätigkeit der Buren im Zusammenhang mit dem System der Blockhäuser berichtet. D e w e t soll dem Kommandanten einae- schärft haben, den Bau weiterer Blockhäuser mit allen Mitteln zu verhindern. Man macht sich deshalb auf neue Kämpfe gefaßt.
Das britische Kriegsamt veröffentlicht die monatliche Verlustliste der englischen Truppen. Sie umfaßt 96 Offiziere und 2233 Unteroffiziere und Mannschaften. Seit Beginn des Krieges sind im ganzen 24 2 9 9 Engländer kampfunfähig gemacht worden. — Natürlich liegt auch gleichzeitig eine tröstende Depesche des Generals Kitchener vor, der aus Johannesburg meldet: Bruce-Hamiltons Kolonnen machten seit dem 29. Dezember östlich von Ermelo 100 Gefangene, unter denen sich General Erasmus befindet, und erbeuteten eine beträchtliche Menge Vieh und Wagen.
In Pretoria wurde eine Proklamation erlassen, die bezüglich der Zulassung von praktischen Aerzten in Transvaal Vorsorge trifft und einen Artikel enthält, der die Ausfolgung von Licenzen an Besitzer von Diplomen fremder Länder verbietet, falls die Gesetze des Landes, aus dem das betreffende Diplom stammt, den qualifizierten englischen Aerzten nicht ein gleichwertiges Vorrecht einräumen.
Aus Stadt und Kand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 6. Januar 1902.
** Personaluachrichteu. Der Großherzog hat dem Hauptmann Blecken von Schmeling, Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Siegen, seither Batteriechef im 2. Großh. Feldartillerie-Regiment Nr. 61, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem seitherigen Vizewachtmeister Busch im 1. Feldartillerieregiment Nr. 25 (Großh. Artillerie-Korps) die Krone zum Silbernen Kreuz mit Schwertern des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Gro ßherzog hat den Vizefeldwebel Herpel zu Darmstadt und den Bezirksfeldwebel Zilch zu Darmstadt zu Kanzlisten bei dem Ministerium des Innern, und die Militäranwärter Ebel und Eirich zu Darmstadt zu Hauswärtern im südlichen Kollegiengebäude zu Darmstadt ernannt. — Der Großh erzog hat den Hauptsteueramtsassistenten in Offenbach Schröckert in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Bingen versetzt.
Schnitzler, die heute im Deutschen Theater zur Aufführung gelangten, spiegeln das Verhältnis der Wirklichkeit, die der Künstler lebt, zur Welt seiner Kunst. Die beiden ersten Stücke „Lebendige Stunden" und „Die Frau mit dem Dolche" muteten etwas theoretisch an; die beiden anderen „D ie letzten Masken" und „Literatur" waren glücklich und lebensvoll gestaltet und voll überlegenen Humors- Sie sanden starken, verdienten Beifall. Unter den Darstellern zeichneten sich Frl. Triesch und Herr Basfermanri sehr vorteilhaft aus.
Stuttgart, 4- Jan. Der frühere Direktor der hiesigen Kunstschule, Genremaler Claudius von Schrau- d o l p h, ist in Eppan bei Bozen gestorben-
Das National-Theater in Kopenhagen hat Sudermanns Drama „Es lebe das Leben!" erworben und wird es noch in diesem Winter aufführen.
Paris, 4. Jan. Santos Dumont gedenkt seine Ballon reise über das Mittelmeer zwischen dem 20- und 25. Januar anzutreten und zwar von der französischen Küste aus nach Corsica- Dumont, welcher einen Ingenieur mitnimmt, hofft mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stunde fahren zu können- — Die gestrige Aufführung von Wagners Siegfried gestaltete sich zu einem wahren Triumph- Die Gattin des Präsidenten Loubet, sowie zahlreiche Mitglieder der hohen Aristokratie wohnten der Vorstellung bei- — Die französische Regierun g ernannte aus Anlaß derWelt- ausstellung von 1900 den Bildhauer Reinhold Begas in Berlin zum Großosfizier der Ehrenlegion, zu Kommandeuren wurden u- a. ernannt: Ministerial-Direktor Thiel-Berlin, Professor von Le nb ach-München und Kupferstecher Professor K ö p p i n g - Berlin, zu Offizieren: Oberst Ku n tz e - Berlin, Professor Westphal- Berlin, Professor von Thiers ch-München, Geheimrat Dr- Witt- mack-Berlin, Wilhelm von Siemens-Berlin, Professor Emanuel Seidl-München, Professor Gabriel von Seidl- München, Professor von Uhde-München, Bildhauer Professor Diez-Dresden, der Generaldirektor der Hamburg- Amerikalinie Ball.n, zu Rittern u- a.: Fabrikant Vorsitz- Berlin, Professor Mie th e - Charlottenbura, der >Korrespondent ■- der „Köln- Ztg." " Dr. Schn eide r-Paris.
8. Ernennungen. (Tel. Meldungen des „Gieß. Anz.") Der Großh erzog hat den Kammerjunker und Kreisamtmann v. Bechtold in Friedberg zum Kammcrherrn ernannt und dem den Dienst eines Direktors des Landesgestüts versehenden Landstallmeister v. Willich, gen. v. König, den Charakter als Obcrlandstallmeister verliehen.
** Gerichtsafsessor Klarcnaar hat sich hier als Rechtsanwalt niedergelassen. Er wurde heute früh in Eid und Pflicht genommen.
** Beitritt zur staatlichen Betriebskrankenkaffe. Vom 1. Januar 1902 ab müssen nach einer Verfügung des Ministeriums der Justiz sämtliche Gehilfen der Landgerichte, Staatsanwaltschaften, Amtsgerichte, Amtsanwälte der staatlichen Betriebskrankenkasse beitreten.
** Kammermusik-Abende. Der für Freitag den 10. Januar in der Aula vorgesehene Kammermusik-Abend muß wegen schwerer Erkrankung des Herrn Adolf Redner verschoben werden. Sobald Herr Rcbner wieder hergestellt oder ein vollgiltiger Ersatz für ihn gefunden ist, wird im Inseratenteil der bez. Abend genannt werden.
** Gießen—Friedberg—Homburg—Wiesbaden. Der neue Bahnhof in Wiesbaden, der zurzeit im Bau begriffen ist, erhält, wie jetzt bekannt wird, Geleise für die Strecke Wiesbaden —Homburg. Es scheint also, daß die Eisenbahnverwaltung sich dem Bau dieser neuen Strecke gegenüber, die den Wünschen weitester Kreise entsprechen würde, durchaus nicht ablehnend verhält. Vielmehr ist danach anzunehmen, daß wir hier in Gießen in absehbarer Zeit Gelegenheit finden werden, nach Wiesbaden zu fahren, ohne den Umweg über Frankfurt und Kastel machen zu müssen.
** Ministerialdirektor Althoff und der Gießener Anzeiger? Eine wunderliche Postkarte ist uns in die Hände geraten. Sie trägt als Adresse einen winzig kleinen unleserlichen, wie es scheint, in deutschen, lateinischen und griechischen Lettern geschriebenen Briefausschnitt und als Ortsbestimmung „Gießen". Ihr Inhalt ist der folgende:
Berlin w.'k ) [Stempel], 31712. 01.
Bahrensh-aeso 6?. J
Hochgeehrter Herr!
Indem ich hoffe, daß die Post Ihre Unterschrift enträtseln wird, was mir trotz eingehender Bemühungen und erheblichen Zeitverlustes nicht gelungen ist, danke ich Ihnen bestens für Ihre Wünsche, die ich freundlichst erwidere.
Hochachtungsvollst
[eig.] Althoff.
Wir nehmen an, daß der Absender dieser Karte der neuerdings aus Kreisen der akademischen Welt vielfach, zunächst aus Anlaß des Falles Spahn angegriffene preußische Ministerialdirektor Althoff ist. Das hiesige Postamt glaubte nun, offenbar, wie wir aus der späten Zustellung folgern, nach langen Entzifferungsversuchen, aus der Adresse den Namen „Wittko" lesen zu sollen, was nicht zutreffend ist. Vielleicht aber erhält durch diese unsere Mitteilung der Adressat die ihm zugedachte Althoff'sche Antwort.
** Die ungeheuere Zahl der Neujahrsbriefe, die unsere Reichspost zu bewältigenEhat, steigt von Jahr zu Jahr. Bei diesem Jahreswechsel, den wir jetzt hinter uns haben, sollen es, nach Berliner Blättern, allein in der Reichshauptstadt nicht weniger als zwölf Millionen gewesen fein. Unter diesen Umständen kann es nicht Wunder nehmen, wenn über den Neujahrsbriefverkehr hier und da Beschwerden laut werden. So ist z. B. eine hier am Vormittage des Silvestertages in den Briefkasten an unserem Hauptpostamt gethane Postkarte nach Frankfurt nicht an seine Adresse gelangt, und ein am 28. d. M. bereits der hiesigen Post übergebener Brief nach einer ostpreußischen Stadt ist dort erst am 3. Januar angelangt, dagegen eine aus jener Stadt vom 2. Januar datierte Postkarte bereits am Abend des 3. Januar in den Händen des hiesigen Adressaten gewesen. Doch wie gesagt, bei diesem plötzlich so stark gesteigerten Verkehr hat das Publikum alle Veranlassung, mit seinen Vorwürfen gegen die Postverwaltung zurückzuhalten.
** Ein Frühlingsbote? Von einem unserer Leser wird uns mitgeteilt, daß er am Samstag gegen Abend in der Nähe der Bürgermeisterei eine weiße Fledermaus habe umherflattern sehen. Bekanntlich halten die Fledermäuse einen Winterschlaf; doch ist es schon möglich, daß das Tierchen durch das anhaltend milde Wetter aus seinem Schlaf geweckt wurde und annahm, der Frühling sei schon da. Oder sollte es wirklich schon ein Vorbote des Frühlings gewesen sein?
** Oeffcntliche Lesehalle. Im Dezember 1901 wurden 1838 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 789, Illustrierte Zeitschriften 585, Jugendschriften 263, Litteraturgeschichte 6, Verdichtungen 19, Länder- und Völkerkunde 42, Kulturgeschichte 20, Geschichte und Biographien 37, Naturwissenschaft, Technologie 43, Seewesen 10, Religion und Philosophie 8, Staatswissenschaft 6, Fremd-' sprachliches 10 Bände. Es wurden verliehen an Männer: Handwerksmeister 278, akademisch Gebildete 37, Kaufleute 154, Beamte 22, Unterbeamte 102, Techniker, Schriftsetzer 107, Diener, Hausburschen 57, Arbeiter, Taglöhner 92, Lehrlinge, Gehilfen 252, Studenten 68, Rentner 7, Soldaten 11, zusammen 1187 Bände; an Frauen: Ehefrauen, Witwen, ältere Unverheiratete 209, Gewerbetreibende 84, Dienstmädchen, Lauffrauen 61, Arbeiterinnen, Ladenmädchen 77, Beamtinnen 58, Pflegerinnen 20, junge Mädchen, Lehrmädchen 142, zusammen 651 Bände. Nach auswärts kamen 111 Bände.
** Vortragskurs für praktische Landwirte. Die Eröffnung des Vortragskurses ftndet am morgenden Dienstag, vormitt. 10 Uhr, in der Turnhalle statt. Den ersten Vortrag hält Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. P a a s ch e - Charlottenburg, Mitglied des Reichstags, über „Die Bedeutung und die Zukunft der ausländischen Getreidekonkurrenz"; ferner sprechen an diesem Tage Prof. Dr. Albert-Gießen über: „Neue Forschungen auf dem Gebiet des Molkereiwesens" und Oberlehrer Dr. Freyb e - Weitburg über die Frage: „Wie kann die neuzeitliche wissenschaftliche Wettervorhersage für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden?" — Am Nachmittag findet allgemeine Diskussion über die Vorträge statt. In den Diskussionsstunden ist Gelegenheit zur Fragestellung aus dem Gebiet der Vortragsthemata geboten. Dauerkarten L 5 Mk. und Tageskarten ä 3 Mk. können an der Kasse beim Eingang gelöst werden. Für gesellige Unterhaltung an den Abenden ist Sorge getragen.
** Für die Buren gingen bei her hiesigen Ortsgruppe
des Alldeutschen Verbandes noch folgende freiwillige Gaben ein: Aus Alten-Buseck, abgegeben bei Lehrer Hübner, Bürgermeister Körber und Pfarrer Scriba, 65,20 Mk., da- runter 1 Mk. aus Trohe. — Weiter gingen zu gunsten der Buren-Frauen und Kinder ein 17,50 Mk. Weihnachtsgabe der Konfirmanden des Kirchspiels Kirchberg, von Frau Scrhl- feld hier 3 Mk. und Herrn Aug. Kretzschmar hier 1 Mk.
** Heilige drei Könige. Die Katholiken feiern heute heilige drei Könige oder das Epiphaniasfest, das Fest der Erscheinung Christi unter den Menschen. Ursprünglich im Morgenlande als Tauffest und, da im Herabkommen des heil. Geistes bei der Taufe auf Jesum dessen eigentliche Geburt zum Sohne Gottes erblickt wurde, als Geburtsfest Jesu gefeiert, brachte man es später im Abendlande mit der Ankunft der Weisen aus dem Morgenlande m Bethlehem in Verbindung und deutete nun den Namen auf die Offenbarung Christi als Erlösers der Heidenwelt. Daher rührt der Brauch, daß an diesem Tage in Rom zu Missionaren ausgebildete Männer aus allen Nationen jeder in seiner Sprache predigen. Später hielt man jene Weisen für Könige, und so wurde daraus das Fest der heiligen drei Könige.
** Hochwasser Meldungen. Nachdem erst vor wenigen Wochen West- und Mitteldeutschland von Ueber- schwemmungen heimgesucht worden sind, ist schon wieder in den damals hart betroffenen Gebieten ernste Gefahr im Anzuge. Der Rhein ist bei Köln innerhalb 24 Stunden um 92 Zentimeter gestiegen. Der Main und die Kinzig steigen fortgesetzt. — Der Pegel zeigte Samstag vormittags 10 Uhr 4.90 Meter. Der Oberrhein )teigt noch. — Aus Hanau meldet man: Der Wasserstand des Mains beträgt zurzeit 3.44, der der Kinzig 2 Meter. Von den Städten am Obermain wird weiteres Steigen des Maines gemeldet. Die Stadt Hanau wird in Kürze ihr Pumpwerk gegen Hochwassergefahr in Betrieb fetzen lassen. — Aus Kassel wird berichtet: Die Fulda ist teilweise übergetreten; der Fluß steigt noch. Ebenso führen Oberweser, Eder und Lahn Hochwasser. Die Niederungen sind teilweise überschwemmt. — Die Lahn führt seit einigen Tagen ein solches Hochwasser, wie cs seit langem nicht mehr zu verzeichnen war; dabei ist sie außerordentlich reißend. Die Flut steigt fortgesetzt. Sie beginnt immer mehr über die Ufer zu treten und die angrenzenden Ländereien zu überschwemmen. Die Wieseck führt ebenfalls viel Wasser. — Aus dem Kinzigthal wird geschrieben, daß die Straße zwischen Rückingen und Niederrodenbach überflutet ist und infolgedessen der Post- und Fuhrwerkverkehr nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Aus Kreuznach wird berichtet: Die in den letzten Tagen des alten und zu Anfang des neuem Jahres niedergegangenen Schnee- und Regensälle haben die Nahe zu Hochwasser gereizt. Der Fluß ist so rapid gewachsen, daß er stellenweise aus den Ufern trat. Der Hochwasserdienst ist in Thätigkeit, und die Uferanwohner wurden durch Plakate an den Säulen sofort in Kenntnis gesetzt. Bei Bretzenheim, Langenlonsheim und Laubenheim ist ein Teil der Aecker bereits unter Wasser gesetzt. Ein weiteres Steigen wird befürchtet. — Infolge des starken Zuflusses der hoch angeschwollenen Nebenbäche, die in den Main einmündeu, ist der Untermain zwischen den Orten Flörsheim-Hochheim an verschiedenen Stellen aus den Ufern getreten uud bedeckt das naheliegende Gelände. Die Nied ist oberhalb Höchst ausgetreten und dehnt sich aus dem Wiesengelände aus. — Auch die Nidda hat die Ufer überschritten, und die ganzen Wiesenflächen unterhalb Kleinkarben, Dortelweil, Vilbel gleichen einem See, weiter abwärts ist die Ausdehnung noch größer. Zwischen den Orten Berkersheim-Harheim ist der Fußverkehr durch Ueber- schwemmung gesperrt. Die Fahrgäste der Main-Weser-Bahn, die von der Haltestelle Berkersheim kommen, müssen die Station Bonames benutzen.
? Lang-Göns, 4. Jan. Bei Gastwirt K. I. Wenzel fand heute eine Versammlung des Gewerbevereins statt. Am Schluß traten dem Verein mehrere neue Mitglieder bei.
§ Ruppertenrod, 5. Jan. Nach dem Sylvestergottesdienste und auch nach dem Neujahrsgottesdienste wurde von Lehrer Strack eine Kollekte zum Besten der armen Burenfrauen und Burenkinder erhoben. Sie brachte die Summe von 22.85 Mk. ein, die an den „Gieß. Anz." gesandt wurden, und von diesem an das Hilfskomitee für die bedrängten Burenfamilien weitergegeben wurden. — In Ober-Ohmen wurde für denselben Zweck nach einem Vortrage des Lehrers Volp im Kriegervereine eine Sammlung veranstaltet, die 11 Mk. ergab.
§ Butzbach, 6. Jan. Der am nordöstlichen Ausgang der Amtsgasse gelegene ftüher Reul'sche, jetzt städtische Gebäudekomplex ist nun mit dem anhängenden Stadtmauerteile niedergerissen morden. Hiermit verschwindet wieder ein Stück Alt- Butzbach und zwar in der Nähe des Amtsgerichts und der neuen Bismarckstraße das ärmlichste. — Von der Unzulänglichkeit der Diensträume im hiesigen Gerichtsgebäude hat man sich nunmehr auch höheren Orts überzeugt, sodaß wohl eine baldige Abhilfe geschaffen werden dürste. Es fehlt sowohl ein Beratungs-, wie auch ein besonderes Amtsanwalts- und Zeugenzimmer.
Darmstadt, 3. Jan. Der Großherzog empfing u. A. am 4. Januar v. Lehmann vom 1. Großh. Infanterie- (Leibgarde) Regiment Nr. 115, den Hauptmann v. Zangen, Mit- glied des Bekleidungsamts 15. Armeekorps, den Hauptmann Blecken v. Schmeling, Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Siegen, den Oberleutnant v. Rosenberg, den Professor Ko ob vom Realgymnasium in Gießen. — Um IO1/* Uhr empfing der Großßherzog den Königl. Großbritannischen Geschäftsträger Mr. Johnstone in Audienz.
S- Darmstadt, 5. Jan. Die 21jährige Wilhelmine Reich, die seit einigen Jahren, da sie elternlos ist, bei Verwandten in der Schloßgässe hier ihren Aufenthalt hatte, hat am vergangenen Freitag ohne Wissen ihrer Angehörigen ein Kind geboren und es entfernt- Der Hebamme erklärte sie, es sei in den Abort gefallen, worauf alsbald Nachforschungen angestellt wurden, die aber ohne Erfolg blieben, bis man den Leichnam heute nach längerem Sucheck in einer Hutschachtel versteckt fand- Die a'.bscheuliche Mutter, sonst ein hübsches und tüchtiges Mädchen, wurde alsbald verhaftet- — Ein in der Dönges- borngaffe wohnender Hausbesitzer und Handarbeiter, der früher schon einmal in einer Irrenanstalt untergebracht war, bekam gestern wieder einen Tobsuchtsanfall, schlug seine Frau, stieg als Leute kämen, auf das Dach und warf mit Ziegelsteinen, alsdann ergriff er ein großes Messer und v enrunbete drei Personen teilweise schwer- Er wurde durch die Polizei festgenommen und wieder in die Anstalt' gebracht., — Gestern ist der ftühexo^Landtagsabg.


