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05/09/1902 Zweites Blatt
 
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Fra«rfvrt, 4. Sept. Von dem um 12.08 Uhr im Hauptbahnhof abgehenden Schnellzug nach Gaffel entgleisten heute in der Nabe des Schönhofs und un­weit des Ueberaanges der Landstraße nach Hausen, eine durch ihre scharfe Kurve stets gefährliche Stelle, ein Per­sonen-und zwei Gepäckwagen. Personen wurden nicht verletzt. Der in voller Fahrt befindliche Zug konnte nach der Entgleisung nach etwa 400 Meter schon zum Stehen gebracht werden. Die Insassen des entgleisten Personen­wagens, die auf das plötzliche ruckweise Fahren hin sofort die Notbremse zogen, kamen mit dem Schrecken davon, sie fanden zur Weitersahrt Aufnahme in den nicht entgleisten Wagen. 9lad) einem Aufenthalt von einer' Viertelstunde konnte der Zug seinen Weg fortsetzen. Der um 12.40 Uhr nachfolgende D-Zug mußte das anoere Gleis benutzen. Tie entgleisten Wagen sind an Rädern und Untergestell stark beschädigt, ihre Entfernung wird einiger Stunden Arbeit bedürfen, lieber die Ursache der Entgleisung ist noch nichts bekannt, es wird u. a. vermutet, daß die vor etwa vier Wochen neugelegten Schienenlaschen nachgegeben haben. Ms ein Gluck ist es anzusehen, daß die Wagen nicht nach der abschüssigen Seite aus dem Geleise gesprungen sind, sie wären sonst zweifellos umgefallen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. In Seligen st a d t am Main werden aegenroärtig die Scheuern und Stallungen auf der Nord- feite der ehemaligen Benediktinerabtei abgebrochen. Es wird dadurch ein Gelände frei, auf dem wichtige archäo­logische Entdeckungen zu machen wären. In Seligenstadt muß ein römisches Kastell gelegen haben, dessen Nachweis trotz wiederholter Grabungen durch Kosler noch nicht ge­führt werden konnte. Von Oertlichkeiten der Stadt kommt

hierbei nur die Pfalz und ba3 Klostergebiet in Frage; vielleicht gelänge es jetzt, die empfindliche Lücke in unserer Kenntnis der Limesanlagen ohne allzu große Schwierig- keilen auszufüllen.

Befscrung in der Cigarren^Industrie.

Zu denjenigen Gewerben, in denen während der letzten Wochen eine Besserung des Beschäftigungsgrades einge­treten ist, gehört auch die Zigarrenindustrie. Die Lager, die in den Fabriken und im Handel vorhanden waren, sind nunmehr, nachdem die Fabrikation auf ein Minimum eingeschränkt worden war, gelichtet. Nicht daß daraus etwa gefolgert werden dürfte, der Konsum in Zigarren sei schon wieder im Steigen begriffen, nein, der Ver­kauf im Detailgeschäft läßt nach wie vor zu wün- schen übrig, aber auch ein stark eingeschränkter Verbrauch reicht hin, bei schwacher Erzeugung die vollen Lager zu räumen. Das ist nun geschehen und die Fabrikanten lassen ihre Arbeiter seit einiger Zeit wieder voll ar­beiten. Mlerdings neue Arbeitskräfte werden nicht ein­gestellt, vielmehr reichen die gegenwärtig beschäftigten vollständig hin, um den Ansprüchen des Verbrauches zu genügen.

Gegenüber den früheren guten Jahren ist der Ar­tz eit erbest and in der Zigarrenindustrie stark zu- rüdgegangen. Eine Ausnahme macht nur der für die Zigarrenindustrie wichtige Regierungsbezirk Minden, in dem auch 1901 noch eine Zunahme der Arbeitskräfte statt- fanb. Nach einer gegen Mitte des vorigen Jabres von dem Regierungspräsidenten angeordneten Ermittelung wur­den in der Tabak-, Zigarren- und Zigarrenkisten-Jnoustrie beschäftigt: 6483 männliche und 4293 weibliche, zusammen 10 776 Fabrikarbeiter; 3839 männliche und 4658 weibliche.

8497 Hausarbeiter, zusammen 19 273 Arbeiter. Unter Be­rücksichtigung der im Jahre 1898 ermittelten gewerblich beschäftigten 5979 Schulkinder (3320 männliche und 2659 weibliche) ergiebt sich, daß in den genannten Industrie­zweigen insgesamt 25 292 Arbeiter, 5. s. 9,4 Prozent der Bevölkerung der Kreise Minden, Lübbecke und Herford, be­schäftigt werden. Daß in diesen Kreisen die Zahl der Beschäftigten gestiegen ist, ist daraus zu entnehmen, daß die Zahl der Arbeiter in den der Fabrikinspeklion unter­liegenden Betrieben von 9727 im Jahre 1900 auf 10 249 im Jahre 1901 gewachsen ist. Allerdings gegen Ende des vorigen Jahres und zu Anfang dieses Jahres hat der Beschäftigungsgrad so nachgelassen, daß auch dort vielfach Beschäftigungslosigkeit eingetreten ist.

Viele Arbeiter kehrten dem bisherigen Beruf den Rücken und suchten als Bau-, Wald- und Eisenbahnarbeiter sich zu ernähren. Diese dem Gewerbe dauernd verloren ge­gangenen Arbeitskräfte sind noch nicht ersetzt und brauchen auch vorläufig keinen Ersatz. Trotz des besseren Geschäfts­ganges ist es den Arbeitern auch nicht möglich, die ge- drückten Preise für bie von ihnen gelieferten Zrgarrön zu erhöhen. Dabei wird ihnen das Material äußerst knapp zugemessen. Selbst wenn die Besserung anhalten sollte, ist in nächster Zeit noch nicht mit höheren Sätzen zu rechnen, ba bie Heimarbeiter zu jedem Gebote bie Arbeit übernehm en.___________________________________________

Schiffsnachrichün.

,Red Star fiint e' Antwerpen.

Der Postdampfer .Switzerland* der Red <?tar Linie in Ant­werpen ist laut Telegramm am 18.Aug. wohlbehallen in Philadelphia angetommen.

Gascokes.

Preise seit 10. AM 1902:

Für den Eentner atz Verkaufsstelle: Stück-Cokes.............. 1,10 Mk.

Nuß-Cokes, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofenschächte passend zerkleinert:

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Korngröße des Anthracit ...... 1,30 Mk.

I» Wagenladungen von mindestens 36 Centnern: Stückcokes.......1,05 Mk.

Rußcokes 9lr. 1.....1,20 ,

Nutzcokcs Nr. 2 .... . 1,25 ,

Bei Entnahme von mindestens 200 Centnern:

Stückcokes ....... 1, Mk.

Nußcokes 9hr. 1 .... . 1,15 Nutzcokes Nr. 2.....1,20

Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Centner.

Für Anfuhr au das Haus werden 5 Pfennig für den Centuer berechnet.

NB. Sofern das Verbringen der Cokes bis zu 6 Centnern auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall rc.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung.

Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centuer Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der

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von 1 bis 5 Centner

eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 34, Gcbr. Kahl, Franksurterstraße 151, Cd. Klinket, Bahnhofstraße 10, Cmil Lotz, iürchenplatz 9, Cmtl Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Lrcherstraße 2, August Struck, Bismarckslraße 6, Georg Unverzagt, KaplanZgasse 5.

Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer GaScokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Centnern.

Die Preise unserer Gaseokes für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der vctroirückvergütuug von 4 Pfg. für den Centner.

Gießen, den 16. April 1902. 3086

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.

Zu der aus Anlaß des

Weggaages des Hm. Pfarrer Dr. Grein am Sonntag dem 7. September abends von 81/, Uhr ab

in Steins Garten

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Feierlichkeit

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Der Vorstand der Markus-Gemeinde.

Der Vorstand des evangelischen Arbeiter-Vereins.

58 wird gebeten, Kinder unter 14 Jahren nicht mitzubringeu.

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