Ausgabe 
5.7.1902 Zweites Blatt
 
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Die Taube war ganz ermattet und ließ sich ohne Mühe ein- fangen.

Mainz, 4. Juli. In der Copalwäscherei und chemi­schen Fabrik von Traine u. Hauff brach heute nachmittag halb 2 Uhr Feuer aus, das reiche Nahrung fand und die Fabrik zum größten Teile einäs,cherte.

Bingen, 3. Juli. In den letzten Nächten wurden wiederholt die Leitungsdrähte durchschnitten, welche den elektrischen Wasserstandszeiger des Hochwasserbehälters des Wasserwerks mit der Pumpstation verbinden. Ab­gesehen von dem materiellen Schaden, kann der Wasser­behälter nächtlicherwelle überlaufen und die Keller der an­grenzenden Häuser unter Wasser setzen. Den eifrigen Be­mühungen unserer Polizei dürfte es hoffentlich gelingen, den oder die Thäter zu ermitteln.

Kassel, 4. Juli. DieKass. Allg. Ztg." meldet: Der 62jährige Bauer Bühl im Dorfe Hohenroth hat seine 66jährige Ehefrau in einem Anfall von Geistesstörung mit dem Bell erschlagen.

Vermischtes.

Frankfurt a. M., 4. Juli. Das Dienstmädchen Albert, das sich beim Feueranmachen in der Küche der Wirtschaft zum Wolfseck in der Friedberger Landstraße des Petroleums bediente, welches explodierte, infolge dessen es starke Brandwunden erlitt, ist im Heiliggeisthospllal gestorben.

Diez (Lahn), 4. Juli. Der Kaiser genehmigte die Er­richtung eines Kaiser Friedrich- und Kriegerdenk­mals dahier, dessen Einweihung Anfang September statt- sinden soll.

Lohr a. M., 4. Juli. In der Nähe von Bischbrunn wurde in vergangener Nacht ein schweres Verbrechen verübt. Drei Handwerksburschcn kampierten die Nacht im Freien. Während der eine schlief, fielen die beiden anderen über diesen her, -brachten ihm 20 Messerstiche bei, nahmen ihm die Barschast von 16 Mk. ab, warfen den tödtlich Verletzten in ein Kornfeld und machten sich auf und davon. Die Thäter sind entstohen. Der Schwerverletzte, Tapezierer Metzler aus Speyer, wurde ins Spital gebracht.

* Zittau, 3. Juli. Der Gemeindevorsteher des be­deutenden Jndustrieortes Großschönau, Max Weichelt, ist nach Unterschlagung von 60 000 Mk. Gemeindegeldern gestern geflüchtet. Er wurde indcß bereits in Breslau verhaftet.

Neapel, 4. Zull. Heute beginnt der Prozeß gegen Guerri.ero, der am 25. Mai Steine gegen den Hofzug ge­worfen hat. Der Gerichtshof vertagte die Verhandlung auf _ ~ ' ständigen und überwies den Angeklagten

Unioersltäts-Uuchrichtrn.

Würzburg, 4. Juli. Von den Professoren der hie­sigen Universität ist, wie ein Telegramm derFrkf. Ztg." meldet, an den Rektor und Senat folgende Adresse ge­richtet worden:

Durch die Stellung, welche der bayerische Kultus­minister Herr Dr. von Landmaun am 26. Juni im Landtag zum Fall Chroust eingenommen hat, ist das Ansehen der Universität Würzburg ernstlich gefährdet. Auf die schweren und unbegründeten Vor­würfe des Herrn Ministers konnten Rektor und Senat nur mit der Niederlegung des Amtes antworten. Wir unterzeichnete wahlberecktigte Professoren sprechen hier­durch dem Rektor und Der überwiegenden Mehrheit des Senates für die energische Wahrung des Ansehens un­serer Universität unseren wärmsten Dank und unsere volle Zustimmung aus.

Es haben unterschrieben 23 ordentliche und 6 außer­ordentliche Professoren, sodaß mit Einschluß der Senatoren 32 ordentliche Professoren, also drei Viertel Majorität der wahlberechtigten 43 Professoren, gegen das Verhalten des Ministers protestieren. Bon den nicht pro­testierenden 8 ordentlichen Professoren gehören fünf der theologischen und drei der philosophischen Fakultät an.

Aus Stadt und Kund.

Gießen, den 5. Juli 1902.

* * DiePromenadenmusik findet morgen um 12 Uhr in der Ostanlage statt. Gespiell werden: 1) Krönungs- marsch von Meyerbeer. 2)Maiblümchen", Gavotte von Krauße. 3)lieber den Wellen". Walzer von Rosas. 4) Romanesta von Zikoff.

* * Populäre Volksmusik findet morgen nachmittag tn Steins Garten statt. Es spielt die 50 Mann starke Kapelle des Badischen Leib-Grenadier-Regiments unter Leitung des König!. Musikdirektors Adolf Boettge. Abends wird die­selbe Kapelle m Steins Garten eine Nationalmusik aus allen Landen veranstalten.

* * Die Gemälde-Aus st ellung im Turmhaus am Brand hat diese Woche wieder eine teilweise Erneuerung er­fahren, da zu den, kaum sell acht Tagen ausgestellten, 22 Gemälde neu hinzugekommen sind. Die circa 90 ausgestellten Bilder bringen diesesmal nur wenig Mittel­mäßiges oder Manieriertes, weshalb wir den Besuch der Ausstellung aufs angelegentlichste empfehlen. Ein Teil der neu ausgestellten Gemälde wird leider schon am Dienstag wieder zur Weitersendung gelangen. Gleichzeitig sei noch be­merkt, daß dies die letzte Aenderung der Ausstellung vor den alljährlich üblichen Ferien sein wird, da die Ausstellung am 21. Juli auf einige Wochen geschlossen wird.

* * Die T.iroler-Gesellschaft, welche Sonntag den 6. Juli auf Textors Terraffe konzertiert, hatte die Ehre, sich in der Pariser Weltausstellung und in den feinsten Etablisse­ments produzieren zu dürfen.

** Heber die Flora der Alp-en hielt in der Julisitzung des Alpenvereins, Sektion Gießen, Assistent Zang vom botanischen Institut der Hniversttät einen Vor­trag. Die stattliche Zahl der Zuhörer, die sich im Hörsaal an der Senkenbergstraße ein gefunden hatte, bewies, wie dankbar es in den Kreisen der Alpenfreunde begrüßt wurde, über diesen Gegenstand von berufener Sette Belehrung und Anregung zu empfangen. Nach einlettender Besprech­ung der floristischen Lttteratur über Alpenpflanzen und über das Sammeln von solchen, schilderte der Redner die klimatischen und physitalischen Verhältnisse des Hoch-Ge­birges unh deren eigentümliche Einwirkungen auf das Pflanzenleben. Niedriger, polstersörmiger Wuchs, dicke fleischige oder auch stark behaarte Blätter schützen die Pflanzen gegen die sengenden Strahlen der Sonne, wie auch gegen die austrocknende Wirkung des Windes. Dagegen find Wurzeln und Blüten im Verhältnis ungemein start entwickelt. Alsdann wandle sich der Vortragende der Schilderung der einzelnen Pslanzenvertreter aus der Vor- alpenregion, der .Mummholz- und Alpenregion zu. Er­läutert wurden die Ausführungen durch Vorzeigen vieler Pflanzen und Abbildungen. Auf den Vortrag folgte eine Demonsttation der lebenden Alpenpflanzen am Alpinum des botanischen Gartens. Zum Schlüsse richtete Redner an die erschienenen Mitglieder und Gäste die Bitte, für den Schutz der hübschen Enzianen, Primeln, Alpenrosen und der anderen farbenprächtigen Alpenkinder mit allen Kräf­ten eintreten zu wollen. Bei dieser Gelegenhett möchten wir allen, welche den Besuch des Hochgebirges beabsichtigen, angelegentlich empfehlen, ihre Schritte vorher auch ein­mal nach unserem botanischen Garten mtt seinem reich- haltigen Alpinum lenken zu wollen, und es sei noch be­sonders daraus hingewiesen, daß infolge der Verschieden­heit in den klimatischen Verhältnissen die einzelnen Pflan­zen hier bei uns drei bis vier Wochen fricher ihre Blüte erschließen, als in chrer Heimat, so daß man bei späterer Wanderung im Gebirge die hier geschauten Blumen gerade in voller Blüte antreffen wird.

Aus dem oberen Ulfathal, 3. Juli. Hier haben sich die Händler, wie dieDarmst. Ztg." meldet, endlich auch bewegen laffen, die Heidelbeeren nach Gewicht einzu­kaufen, und wurden gestern abend 12 Pfg. pro Pfund be­zahlt, ein Preis, wie er in hiesiger Gegend noch nie erreicht wurde. Leider wird aber die Ernte bald beendet sein, denn das Winterwetter im Mai hat im Hochwalde und frei­gelegenen Holzbeständen die Blüten vernichtet, weshalb es nur un geschützten Niederwalde Heidelbeeren giebl. Jmmerhm werden die armen Leute, und besonders die Kinder, 14 Tage

Gerichtssaal.

e Gießen, 4. Juli. (Strafkammer.) Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Reuß. 2 Standesbeamte sind des Vergehens gegen das Personenstandsgesetz beschuldigt und werden deshalb zu Geld­strafen von je 3 Mark verurteilt. Die Strafsache gegen den Landwirt Johannes Frank V. von Ulrichstein wegen Grenz­verrückung wurde, da 2 Zeugen ausblieben, auf den 22. Juli 1902 vertagt. Der Knecht Heinrich Laatz von Bad°Nauheim und der Taglöhner Karl Emmerich von Dorheim sind des versuchten bezw. vollendeten Diebstahls angeklagt und werden deshalb Laatz drei, Emmerich zu insgesamt sechs Monate Gefängnis verurteilt. Der Dienstknecht Kaspar Ritter aus Wallenrod ist zahlreicher Mietgeldschwindeleien angeklagt. Er hat sich als Taglöyner zu verschiedenen Landwirten verdingt, in einigen Fällen schriftlich, in manchen unter falschen Namen, hat sich das Mietgeld aushändigen lassen, den Dienst jedoch in keinem Fall angetretcn. Wegen zehn vollendeter Betrugsfälle, wegen eines versuchten und wegen ideell konkurrierender Urkundenfälschung erhält er mit Rück­sicht auf seine Vorstrafen wegen des gleichen Delikts eine Zucht- hausstrafe von drei Jahren. Die bürgerlichen Ehren­rechte werden ihm für die Dauer von 5 Jahren aberkannt.

Osnabrück, ö. Juli. Tas Schwurgericht verurteilte den An­geklagten Teßnow, der beschuldigt ist, drei Alorde begangen zu haben, zum Tode.

Kirche und Schule.

Berlin, 4.Juli. Die Blättermeldung^ daß der Bischof von Metz für den erzbischöflichen Stuhl von Köln ausersehen sei, wird demLok.-Anz." von zuverlässiger Seite als unbegründet bezeichnet.

L. Januaren.I- statt. Mare hat bei Den letzten Wahlen die Ueberzeuguug gewonnen, bah die Linke 25 neue Sitze erobern wird.

Rom, 4 Juli. Nach den neuesten Dispositionen er­folgt die Reise des Königs nach Petersburg über Den Brenner. Tirol wird nachts in strengstem Inkognito durchfahren. Ans Petersburg wird dazu gemeldet: Die ,Mowoje Wremja" begrüßt den Besuch des Königs von Jatilen am russischen Hofe als erfreuliches Anzeichen dafür, daß der Dreibund bte guten, freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen Petersburg und Rom nicht beeinträchtige, keine der drei Berttagsmächte hindere, fid)i den Mächten M nähern, die außerhalb des Dreibundes stehen Dies fei eine weitere Gewähr für den Weltfrieden

Newyork, 4. Juli. Eine Depesche aus Port of Spain teilt mtt, daß Barquisimeto in Venezuela von den Aufständigen nach] viertägigem Kampfe eingenommen wurde. 4000 Ausständige marschieren auf Valencia.

Washington, 4. Juli. In der Proklamation d-es Präsidenten Roosevelt an die Philipp i- ner wird die vollständige Verzeihung und Amnestie den­jenigen Personen auf dem Archipel zugefagt, die am Auf­stande teilgenommeu oder ihn unterstützt haben, ausgenom­men diejenigen, welche nicytnttlitärischer Verbrechen über­führt werden. Alle, die um Verzeihung uachsuchen, müssen Den Vereinigten Staaten den Treueid schwören.

Der Atter ney-g ener al hat seinen Gehilfen Ruffel beauftragt, nach Paris zu reisen, um dort sämt­liche Dokumente über Panama zu studieren.

Suez, 4 Juli. Aus der Provinz Hedschas traf in den letzten Tagen die alarmierende Stachricht ein, daß Admiral Ahameratib Pascha geflüchtet, fer Es wird eifrigst nach ihm geforscht. An seine Stelle wurde Biarschall Feisi Pascha, Kommandeur des sechsten Armee­korps in Bagdad berufen.

In Medina fth zum erstenmal das Heiligtum oes Propheten gesperrt, was unter den Mohame- danern große Erregung hervorrief. Auf Weisung ans Konstantinopel wurde das Heiligtum wieder eröffnet. Die Ursachen dieser Vorfälle sind noch unbekannt.

lang recht lohnenden Verdienst haben.

0 Kaul stos. 3. Juli. Ein hiesiger Bürger fing heute in seiner Scheune eine Brieftaube, die an dem einen Nüg-l die B-zeichnANg K. F. (Güftrin) 98 und einem M wi

Fuß einen Rmg mit den Zeichen 296 und 0 182 trug.! Antrag des Sachverst

Kunst und Wissenschaft.

Königsberg, 4. Juli. In der heutigen Sitzung des d e u t s ch e n Aerztetags wurden u. a. folgende Anträge einstimmig an­genommen: L Mitglieder einer Krankenkassen sollen die Hilfe eines jeden Arztes anrufen können, der im Bezirk thatig ist und sich auf die vereinbarten Bedingungen verpflichtet hat. 2. Die gegenseitigen LeisMngen zwischen den Aerzten und Krankenkassen sollen verein­bart werden von Kommissionen, die zu gleichen Teilen von den Aerzten des Bezirks und Delegietten der Krankenkassen gebildet werben.

London, 4. Juli. Die Meldung, daß von Kap Breton aus versucht worden fei, über den Ozean zu telegraphieren, wird, nach einem Telegramm derFranks. Ztg.", von der hiesigen Mareoni- Gesellschaft für um mehrere Monate verfrüht erklärt. Tie neue Station in Poldhu (Cornwall) sei noch nicht fertig. Statt der 2030 Maste, welche im Winter der öüirm umblies, habe man 4 hölzerne Türme errichtet, von denen man ausgezeichnete Resultate erwartet. Es dauere aber noch Wochen, bis sie zum Ge­brauch fertig seien. Es sei ganz wahrscheinlich, daß man auf amerikanischer Seite die Apparate geprüft habe und daß so die Meldung entstand, es sei zu hoffen, daß innerhalb Jahresfrist Die drahtlose Verbindung mit Amerika für geschäftliche Zwecke her- gestellt fei.

vierzig Tage dem Jrrenhause zur Beobachtung seines Geistes» zustanoes.

Sport.

Mainz, 4. Juli. Zur Mainzer Regatta am 20. Juli haben, sich 21 Vereine mit 63 Booten gemeldet, die stärkste Beteiligung, die je für Mainz da war. Gemeldet haben sich u. A.: Frank­furt a. M. (Germania, Ruderverein und Ruderklub), Offenbach, Oberrad, sämtliche Rudervereine Mannheims, Ludwigshafen, Speyer, Wetzlar, Hamburg.

Das Schiedsgericht der Automobilfahrti Paris Wien hat den Protest gegen Renault als un- gerechtfertigt zurückgewiesen. Renault ist also Sieger. Er fuhr einen leichten Wagen aus seiner eigenen Fabrik und legte die 1430 Kilometer lange Strecke in ungefähr 26 Stunden zurück, was einem Durchnitt von 55 Kilometer pro Stunde entspricht.________

Arbeiterbewegung.

Falkenau (Böhmen). 4. Juli. Die bet der Firma Starck in Nntereichenau beschäftigten Bergarbeiter, sowie die Arbeiter derGlück- und Segenszeche" in Wudingruen, zusammen 700 bis 800 Mann, stellten die Arbeit ein. Sie verlangen ein­st ü n d i g e Mittagspause. Aus dem gleichen Anlaß stellten in Zwodau 460 Mann und auf den Schächten der Montan- und Jndustrialwerke 720 die Arbeit ein. Ruhestörungen sind nicht oorgekommen. Eine Einigung wurde bisher nicht erzielt.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankfurter Börse. Obwohl New-Pork und Wien feste An- sangskurse sandten, war die Tendenz des hiesigen Marktes nicht einheitlich. Der Begehr nach Bankaktien, welcher in den letzten Tagen hervortrat, übertrug sich auch auf die heutige Börse. Nur für Montanaktien konnte sich die günstige Stimmung nicht erhallen politische und wirtschaftliche Einflüsse machten sich nicht bemerk­bar und dürfte die Zurückhaltung auf diesem Gebiete auf den Düsseldorfer Marktbericht sowie Auslassungen eines rheinischen Blattes in Bezug des Ruhrkohlenmarktes zurückzuführen sein. Deutsche Bank und Diskonto etwas höher. Staatsbahn schwächer. Lombarden '/, pEt. beffer. Deutsche Fonds fest, ausgenommen 3'/- pEt. Preußische und Reichsanleihe, die unter stärkeren Abgaben zu leiden hatten. Industrie-Aktien durchschnilllich ein Prozent nie­derer. Portugiesen etwas höher, Serben standen im Vordergründe des Interesses.

Berlin, 4. Juli. Die Rekonstruktion derRhede re i, vereinigter Schiffer", Aktiengesellschaft, Breslau, ist durch die heute formell vollzogenen Verträge perfekt geworden. Ein unter Führung des Schaaffhaufen'schen Bankvereins stehendes Bankenkonsortium gründet im Verein mit dem Konkursverwalter eine neue Aktiengesellschaft unter der FirmaBreslauer Schifffahrts- Aktiengesellschaftt' mit einem Aktienkapital von 1 900 000 All. In diese Gesellschaft inferiert der Konkursverwalter die gesamten Ak­tiva der Konkursmasse, welche mit 1 Mill. Mk. angerechnet werden. Das Bankenkonsortium übernahm die Verpflichtung, spätestens zwei Wochen nach der Eintragung der neuen Gesellschaft in das Han­delsregister dem anerkannten Konkursgläubiger eine Offerte zu machen, inhaltlich deren sie statt der in der Masse liegenden geringeren Quote 21 pEt. in Baar und 14 pEt. in Aktien der neuen Gesell­schaft erhallen. Zwischen den bisherigen Mttgliedern des Aufsichts­rats der Rhederei vereinigter Schiffer, dem vom Gläubigeraus- fchuß hierzu bevollmächtigten Konkursverwalter und dem Banken­konsortium ist ein kombinierter Vertrag abgeschlossen, auf Grund dessen die Aufsichtsratsmitglieder den Bettag von 1 Million Mark ä fonds perdu zahlen und sich ferner verpflichten, 785 000 Mark Nominal-Aktien Der neuen Gesellschaft zu übernehmen. Auf diese Aktien soll den Aktionären der allen Rhedereigesellschast das Be­zugsrecht in der Weise angeboten werden, daß der Inhaber von 7 alten Aktien 2 neue Aktien der Breslauer Schifffahrts-Aktienge- sellschaft über zusammen 2000 Mk. zum Kurse von 50 pCt. beziehen kann. Soweit Der Aktionär weniger als 7 Aktten oDer eine nicht durch 7 teilbare Anzahl hat, kann er unter Einzahlung des ent­sprechenden Teiles von 1000 Mk. von den Vergünstigungen der Offerte Gebrauch machen. Die Gründung der neuen Gesellschaft wird bereits in nächster Woche erfolgen. Als leitendes Vorstands­mitglied ist Handelsrichter Mugdan-Breslau ausersehen.

Die Besitzer von Dortmunder llniou-Attieu werden jetzt aufgeforDert, Die Stücke von 5 zu 3 zusammenzulegen, Davon wer- Den 2 vernichtet und 3 abgestempell zurückgegeben.

Einfuhr nach den Bereiuigteu Staaten von Nord­amerika. In Dem Quartale April-Juli hat in Dem Konsulats­bezirk Mainz (Provinz Rheinhessen) Die Einfuhr nach Den Ver­einigten Staaten gegen Das Vorjahr wesentlich zugenommen. Der Schätzungswert Der eingesührten Waren betrug 668 016 Dollars (604 524 D. i. V.). Im Konsulatsbezirk Mannheim nahm Die Ein­fuhr um 75 799 Mk. ab.

Zur Erleichterung der Deckuna des inländischen Kohlenbedarss wurden bekanntlich mit Gültigkeit vom 12. September 1900 ab für Die Dauer von zwei Jahren Die billigeren Satze Des Rohstofflariss auch auf die über Deutsche See- und Binnenhäfen umgeschlagenen Kohlen- und Kokes-Sendungen aus- aeDehnt. Wie uns amtlich mügeieiit wird, liegt es nicht in der Absicht, diese Maßnahme über den 30. September d. Js. hinaus in Geltung zu belassen. Der vom Bezirkseisenbahnrat Frankfurt a. M. in ferner letzten Sitzung behandelte, aus Jn° teresseittenkreisen gestellte Antrag au[ Aushebung des Rohstoff- tarifs für ausländische Brennmaterialien findet hierdurch feine Er­ledigung.

Tabak. Die Geschäftslage hat sich während Der abgelaufenen Berichtswoche in keiner Weise gebessert, im allgememen herrscht überall große Ruhe. Die sell einigen Jahren eingeriffene Unfitte, Waren, Die erste gepflanzt wird, jetzt schon durch Die Makler auf Dem Lande abfaufen zu lassen, wirb auch in Diesem Jahre wieder zum größten BeDauern fortgesetzt. Im DberlanD wurden Die Sand­blätter auf Preis gekauft und Da beklagt man sich in Den Kreisen Der HänDler Darüber, Daß Die ProDuzenten mtt so wenig Sorgfalt Die Ware behcmDeln. In Seckenheim wurDe eine Partie 1901er Tabak von Produzenten an Händler zu 25 Mk. verkauft. In losen pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine 99,50 Mk., gebündelte 11-11,50 Mk.

Getreide. Tie Tendenz war anfangs der Woche recht fest, Da Regengüsse in Amerika Die Ernte in mehreren Staaten beein­trächtigten. Gegen Schluß Der Woche wurDe die Stimmung aber ruhiger, und Die Preise, welche ca. AU. 2 per Tonne hatten ge­winnen können, gingen roieDer auf Das vorwöchige Niveau zurück. Unsere Mühlen beteiligten sich nur schwach am Einkauf. Roggen ruhig. G erfte preishallenD. Hafer behauptet. Mais unoer- änDert. Tie heutigen Notierungen sinD: Redwinter II, Juli, August, Abladung Mk. 131 /,132'/r. Kansas II schwimmend Mk. 13472. Kansas Juli, August, Abladung Mk. 1317,-132. Südrust Weizen Mk. 126142. Russ. Roggen AU. 109. Ruff. Futtergerste Mk. 107-108. Russ. Hafer Mk. 133143. Donau Mais AU. 97. Laplata Mais r. t. Mk. 96. cif. Rotterdam.

Petroleum. Seit dem letzten Bericht kam New-Pork zwei Pmüie höher, ohne auf Die allgemeine Markt- und Preislage be­lebend einzuwirken.

Kohlen. Es notieren : Ruhr-Fettnuß Körnung I u. II190 bis 200 Mk.; Nußschmiedekohlen 165175 Mk.; Deutsche Anthraeit- Nußkohlen 290300 Mk.; Englische Anthracit-Nußkohlen 360 bis 370 Mk.; Ruhrflammnuß Körnung I u. H 180190 Mk.' Ruhr- tlammnußkohlen 111 160170 Mk.; Fettschrot 135140 Mk.; Ruhr- Bruchkoks 235245 DU.; Aussiebgries 110120 DU. Alles per 10 Tonnen ab Mannheim. Tie Nachfrage ist zufriedenstellend und dürfen für Hausbrandkohlen wohl bald Preiserhöhungen ins Auge zu fassen fein.

Märkte.

Gießen, 28. Juni. Marktbericht. Auf demheuttgenWochenmarkt kosteten: Butter pr.Psd. 0,801,00 DU., Hühnereier pr. St 67 Pfg., 2fStcf. 0000 Pfg., Gänseeier 1012 Pfg., ©nieneier 67Psq^ Käse pr.Stck. 57 Pf., Käsematte2Stck. 00 Pfg., Erbsen pr.Ltter 19Psg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,801,00 DU., Hühner pr. St. 1,001,50 DU., Hahnen pr. Stück 0,901,60 DU., Enten pr. Stück 2,402,60 Mk., Gänse pr. Psd. 0000 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- unD Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg^ Schweine-