Nr. 155
Drittes Blatt.
152. Jahrgang
Samstag ».Juli 1902
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Die deutsche Motte in englischer IZeleuchtuug.
Gin Korrespondent der „Daily Mail" hat an Bord eines deutschen Kriegsschiffes Studien Wer die deutsche Flotte angestellt. Aus einem jetzt veröffentlichten Berichte dieses Herrn möchten wir einiges wiedergeben. Es heißt in dem Bericht:
„Als der Kaiser den Dhron bestieg, fand er eine fertige Armee vor. Anders sah es mit der Flotte aus. Vor elf Jahren gab es noch keine deutsche Flotte. Heute ist sie mächtig. Morgen wird chr nur noch die stärkste Flotte der Welt Widerstand leisten können.... Die Flotte verdankt aber ihre Existenz einem einzigen Manne. Wenn eine Flotte gesund sein soll, so muß sie von,einem nationalen Ueberseehandel von entsprechendem Umfange unterstützt sein. Ist das nicht der Fall, so ist sie entweder exotisch oder ein Spielzeug oder eine Angriffswaffe. Die russische Flotte ist exotisch Die französische Flotte hat keine gewaltige Kauffahrteiflotte hinter sich Der Kaiser hingegen hat die unabänderlichen Gesetze über die Herrschaft zur See zu befolgen gewußt. Seine Flotte und seine Kauffahrteimarine bestehen für einander. In großem Umfange isst die Flotte auf der Basis des Freihandels mit England, dessen Kolo- nien und Indien aufgebaut worden. Ohne diesen Handel hätte der Kaiser seine Flotte nicht bauen können, und wenn dieser Handel wachst, wird auch seine Flotte wachsen. Wie Deutschland sich zum großen Teil durch den Handel mit England aufbaute, so ist die deutsche Flotte eine getreue, wenn auch keine knechtische Nachahmung der englischen. In einigen Punkten — in Verpflegung und Geschützen ■— ist sie uns voraus. Der Geist in beiden Flotten ist derselbe. Diensterfüllung des Dienstes wegen, ohne Aussicht auf Belohnung, ist die Losung für den englischen Marineoffizier, und ebenso für den deutschen. Der Kaiser selbst hat sich seine Kapitäne und seine Admirale erzogen. Er hat sie mit seinem Geiste erfüllt. Vom Prinzen Heinrich bis zuni jüngsten Leutnant ist jeder Offizier scharf wie Senf. . . . (S6 ist interessant, daß der Kaiser den Kapitän v. U edom zu seinem Marine-Adjutanten machte. Dieser Offizier führte das Kommando über das deutsche Detachement bei dem unglücklichen, aber äußerst tapferen Versuche Admiral Seymours, Peking zu entsetzen. Obgleich Usedom nicht der nächstälteste Offizier war, hatte er doch von Admiral Seymour den geheimen Befehl, das Kommando über die Expedition zu übernehmen, . falls dem englischen Admiral etwas zustoßen sollte. Das ist eine Anerkennung deutscher Seemannstüchtigkeit, die nicht vergessen werden sollte.
Prinz Heinrich ist dem Publikum mehr als Prinz und weniger als Seemann bekannt. Er ist aber in erster Linie Seemann und in zweiter Linie Prinz. Er ist hart wie Eisen, wettergebräunt, und seine ehrlichen Augen, die blau sind wie Kruppscher Stahl, verraten den Mann. Er ist zäh wie eine Peitschenschnur und ein wahrer Mann. Hieße er Schmid, und hätte er seine hohe Stellung ohne Hilfe erklommen, so könnten seine Offiziere keine größere Hochachtung vor seinen außerordentlichen Fähigkeiten besitzen, als sie sie heute für des Kaisers Bruder hegen. Gr ist mehr auf See gewesen, als irgend ein anderer Offizier seiner Stellung in der deutschen Marine. Er arbeitet härter als ein Mensch, der für fernen Lebensunterhalt arbeiten muß.
Die Besichtigung deutscher Kriegsschiffe ist kein Spaß. Sie nimmt sechs bis acht Stunden in Anspruch. Nicht die geringste Kleinigkeit wird übersehen. In allen deutschen Dienstzweigen herrscht Vollkommenheit. Es ist die Atmosphäre, die der Kaiser.geschaffen hat. Die Kommandeure der deutschen Marine sind Leute von Fähigkeit, und aus diesem Grunde allein gewählt. Vor wenigen Monaten gab
der Kaiser seinem Bruder den Auftrag, daß er sich mit der Frage des Kohlens der Schiffe beschäftigen solle. Heute kohlt die deutsche Flotte fast so gut, ja vielleicht besser als die englische. Der „Kaiser Wilhelm II." nahm in Kiel Kohlen ein, während ich an Bord war. Die Durchschnittsleistung war 283 Tons pro Stunde. Ich glaube, diese Leistung ist einmal von der „Majestic", dem Flaggschiff des Admirals Wilson, übertroffen worden, zeigt aber, welche Fortschritte die deutsche Flotte in Leistungsfähigkeit macht. Was aber Prinz Heinrich in dieser Beziehung leistete, das leistete er auch in Bezug auf Geschütze, Drill, Manöver 2C. Prinz Heinrich hat nur einen Kummer, einen dauernden Kummer: Er hat niemals den Ernstfall kennen gelernt. Ich erlaubte mir die Hoffnung auszusprechen, daß Seine Königliche Hoheit ihn niemals kennen lernen werde. Sollte aber ein Geschwader unter seiner Führung gegen eine gleich starke Flotte irgend einer anderen Nation als der englischen zu kämpfen haben, so würde es wegen der Gleichheit der Schiffe, wegen der Tüchtigkeit und wegen des Geistes, von dem es beseelt ist, ein übermächtiger Gegner sein. Außer der englischen giebt es keine Flotte in der Welt, die so tüchtig wäre wie die deutsche, und dabei ist des Kaisers Flotte erst 50 Jahre alt."
Gerichtssaal.
ech. Gießen, 28. Juni. Schiedsgericht für Arbeiter-Versicherung. Als Vorsitzender fungierte der Großherzogliche Polizeiamtmann Hechler. Den von dem Taglöhner Heinrich Fischer I. zu Ober-Sorg geltend gemachten Anspruch hatte der Vorstand der Jnvalidenvcrsicherungsanstalt Großh. Hessen gegen das Gutachten des Ausschusses für Invalidenversicherung beim Großh. Kreisamt Alsfeld abgelehnt, weil nach einem Gutachten des Großh. Kreisgesundheitsamts Alsfeld Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes nicht vorlieae. Gegen den ablehnenden Bescheid verfolgte Fischer Berufung. Das Schiedsgericht stellte zunächst die Höhe des Lohnes, den ein geistig und körperlich gesunder Arbeiter von der Art des Klägers in der Gegend von Ober-Sorg verdient, fest und holte dann ein Gutachten des Gr.Kreisarztes Dr. Königer zu Gießen ein. Dieser schätzte die Erwerbsunfähigkeit auf 55 Proz. Das Gericht mußte dem Klager die Rente zusprechen, er mit der noch vorhandenen Erwerbsfähigkeit nicht im stände ist, durch irgend welche Thätigkeit, die ihm zugemutet werden darf, ein Drittel desjenigen zu erwerben, was körperlich und geistig gesunde Personen von seiner Art in der Gegend von Ober-Sorg durch Arbeit zu verdienen pflegen. — Auch in der Jnvalidenversicherungssache des Nachtwächters Johannes Schmidt III. zu Grebenau wurde die Jnvalidenversicherungsanstalt Großh. Hessen zur Zahlung der Invalidenrente verurteilt. Die Beklagte hatte den Anfpruch mit der Begründung abgelehnt, die Wartezeit sei nicht erfüllt. Von den am 31. Dezember 1900 nacb- träglich verwendeten 156 Marken tonnten 52 nach § 146 des Gesetzes nicht auf die Wartezeit angerechnet werden. Das Gericht stellte jedoch fest, daß, obwohl Schmidt am 1. Januar 1900 zur Versicherung an gemeldet, erst am 31. Dezember 1900 die Martenverwendung besorgt worden ist. Der Rechner der örtlichen Erhebestelle für die Jnvaliden- versicherungsbeiträge ist der ihm nach der ministeriellen Dienstanweisung obliegenden Verpflichtung, die Beiträge mindestens in vierteljährl. Zeitabschnitten einzuziehen, nicht nachgekommen. Auch lag ihm die Pflicht ob, sofort bei der Anmeldung am 1. Januar 1900 festzustellen, ob Schmidt schon vorher in einem versicherungspflichtigen Ar
beitsverhältnis gestanden hat. Nach Ansicht des Gerichts würden bei genauer Pflichterfüllung des Rechners die Quittungskarten zur rechten Zeit ausgestellt und die Beitragsmarken für die Zeit vom 1. Januar 1898 bis 31. Dezember 1898 gütig verwendet worden sein. Die Folgen oes hiernach von einem Organ der Versicherungsanstalt begangenen Fehlers zu Ungunsten des Versicherten anzunehmen, erachtet das Gericht nicht für angängig. — Konrad Kruppert zu Hartershausen hatte ein junges Schwein gekauft und gegen 8 Uhr abends in den Stall gebracht. Oleg en 11 Uhr abenos begab er sich von dem
Wirtshaus nach seiner Wohnung. In der Ab
sicht, nochmals nach seinem gekauften Schwein zu sehen, richtete er seinen Weg nach dem von dem Hof an oem Hause hinziehenden Gang, sog. Saugang, in dem sich der Stall befand. Hierbei stolperte er über an einer abschüssigen Stelle des Ganges liegende Steine, kam zu Fall und stürzte das Genick. Den von der Witwe des Verunglückten erhobenen Anspruch auf Hinterbliebenenrente lehnte die land- und forstw. Berussgenossenschaft ab, da nicht erwiesen sei, daß Kruppert nach dem Schwein habe sehen wollen, vielmehr nach den Akten der Großh. Staatsanwaltschaft Gießen anzunehmen sei Paß der Sturz auf dem Wege nach oder von dem Abort erfolgte. Das Schiedsgericht nahm Augenschein von der Unglücksstelle in Hartershausen und stellte hierbei durch eidliche.Zeugenvernehmung feft„ daß Kruppert an der abschüssigen Stelle des Saugangs, hinter dem Abort nach dem Ltall zu, in dem sich das Ferkel befand, langgestreckt und mit dem Gesicht nad). unten tot gelegen hat. — Nach Ansicht des Gerichts deuten alle Feststellungen und Wahrnehmungen darauf hin, daß Kruppert t h a t s ä ch l i ch nach seinem neugekausten Ferkel hat sehen wollen, und hierbei zu Fall gekommen ist. Hierfür spricht besonders die Lage, in der der Leichnam gesunden wurde. Auch hatte Kruppert umsomehr Veranlassung, nach dem Ferkel zu sehen, als er, wie festgestellt, öfters Unglück mit seinen Schweinen hatte. Die Annahme der beklagten Genossenschaft, Krupvert sei auf dem Weg von oder nach dem Abort zu Fall gekommen, erachtet das Gericht nicht für zutreffend, und sprach der Witwe die gesetzliche Hinterbliebenenrente zu. — Jobs. Hamel zu Zell hatte gegen den die Rente von 10 pEt. einstellenden Bescheid der land- und forstw. Berufsgenossenschaft Berufung perfolgt. Das Gericht kam jedoch zu der Ueberzeugung, daß in dem Zustande des Klägers eine wesentliche Besserung eingetreten ist, und daß eine im wirtschaftlichen Leben meßbare Erwerbsbeschränkung nicht mehr vorliegt. Der Berufung wurde deshalb der Erfolg versagt. — Am 29. Oktober 1901 hatte die land- und forstw. Berussgenossenschaft die Wilhelmine Löb zu Klein-Karben in das medico-mech. Institut von Dr. Lossen zu Darmstadt eingewiesen, zog jedoch den Bescheid wieder zurück, bä die Löib z .Zt. ein Kind stillte. Mit Bescheid vom 17. Februar 1902 ordnete die Genossenschaft die Einweisung in das Institut von Dr. Mainz-er zu Frankfurt a. M. an. Hiergegen verfolgte die Löb Berufung und brachte später vor, eines ihrer Kinder sei an Hypertrophie beider Mandeln erkrankt. Das Gericht erachtete die vorgebrachten Gründe nicht für stichhaltig, umsoweniger, als ihr anheim gegeben war, täglich von Klein-Karben nach Frankfurt zu fahren, die Abwesenheit von zu Hause also nur einige Stunden währte. Die Berufung wurde zurückgewiesen. —, HeinrichS chä s e r zuEichelsdorf bezog wegen eines erlittenen Unfalles zuletzt noch eine Rente von 20 Prozent. Auf Grund eines Gutachtens Großh. Kreisgesunoheitsamts Schotten setzte die land- und forstw. Berufs genossen schüft die Rente auf 10 Prozent herab, wogegen Schäfer Berufung
Plaudereien aus der Kaiserstadt.
(Nachdruck verboten.)
Das Schicksal des alten „Botanischen Gartens". — Der Tier- schütz und die Omnibuffe. — Berliner ^Höhere Töchter".
Ein Beet nad), dem andern mit den fremdländischen Kindern Floras verschwindet aus dem Alten Botanischen Garten, der damals, als noch Adalbert von Cha- misso Custos an ihm war, weit draußen wo r den Thoren Berlins, mitten im freien Felde lag, dessen Besuch für unsere Großeltern noch eine kleine Landpartie bedeutete, zu dem man sich einen Kremser mietete — und der heute von allen Seiten umslutet und umbranst wird von den Wogen des großstädtischM Lebens und Verkehrs, der eine schöne grüne Insel geworden ist im steinernen Häuiermeer Berlins und Schönebergs. Planvoll und sicher wird alles, was an seine Studienzwecke erinnert, hinausgeschasft nach Dahlem, wo ein neuer errichtet ist, der in seiner Anlage viel großartiger, praktischer und lehrreick)!er wird, aber den Reiz des Parkartigen, der dem alten zu eigen ist, erst in vielen Jahren erringen kann. Und um diesen Park, der für die Anwohner und die Leute im weiteren Umkreise eine unermüdlich thätige Lunge, einen Erholungsplatz köstlichster Art, einen Tummelplatz für Hunderte von bleichen, schwächlichen, lufthungrigen Großstadtkindern bedeutet, um diesen Park wogt der Kampf nun schon seit zehn Jahren hin und her. Denn der liebe Fiskus, der Ivie die mtttelMerliche Kirche einen guten Magen hat, möchte sich die e 44 Morgen- Mahlzeit nicht entgehen lassen. Hat man doch, immer nut durchaus mäßigen Ansätzen, herausgerechnet, daß ans diesem Gelände, weiin man es der Bebauung preisgiebt, gut 16 Millionen herausKuschlagen sind! Miquel, der Unerbittliche, hatte schon so gut wie den Stab gebrochen über das schöne Erdeufleckcheii mitten im Großstadttrubel. Wie der sparsame Frankfurter selber nie die besten Zigarren rauchte, so hielt er für die Berliner und Schöneberger auch die betze Lust nicht für durchaus notwendig, wenn [ic jte nicht
bezahlen wollten. Und so lautete sein Entscheid: kauft uns deii alten Garten ab, wenn er Euch soviel wert ist! Es regnete Artikel, Angriffe, Broschüren, man gründete Vereine und wählte Kommissionen, man suchte Studienzeit nach und verfaßte Immediatgesuche: ich glaube aber, es hätte wenig geholfen, wenn die zähe, kleine Exeellenz nicht den Kanal- schnupsen bekommen und zurückgetreten wäre. Doch dadurch kam die Entwickelung der Afsaire ins Stocken, und wahrscheinlich wird uns der Garteii nun doch als Park erhalten bleiben. Die städtischen Behörden Schönebergs und Berlins gehen einig in dieser Sache vor, der fiskalische Heißhunger hat sich etwas gegeben, die Rechte der Krone, die auch hier ihren Einfluß haben, werden wie in allen Fragen von hygienischer Bedeutung nicht mehr tut Miquelschen Sinne geltend gemacht, man wird Opfer vvon allen Seiten bringen und dadurch dem Gemeinwohl einen unschätzbaren Dienst erweisen, der den guten Rus Berlins in sanitärer Beziehung verstärken wird.
Die Rührigkeit des Berlinertums auf diesen Gebieten muß wirklich anerkannt werden. Auch der Tierschutzverein zeigt sich in einem ähnlichen Lichte. Durch die gegluckte Wiedereinführung der Esel in die Spreemetropole — ich rede natürlich nur von Vierfüßern! — ist der Quälerei der armen Zughunde in zahlreichen Fällen ein Ende gemacht: selbstverständlich, wirkt man auch sur die geplagtesten aller Asphalt-Trotter, die Pferde. Hunderte von ihnen stecken in diesen Tagen die Ohren durch Str oh Hute die die Thiere vor Sonnenstich schützen; ^.ranlitationen sind eingerichtet, Haltestelleii für Droschken und Omnibusse werden an schattige Stellen verlegt. Es ist eine Lust, diesen selbstlosen Eifer bei der Arbeit zu sehen. Nur manchmal geht der Eifer denn doch etwas zu wert. Wer lemals beobachtet hat, wie oft Frauen beim Verlassen des Omnibusses zu Fall kommen, weil sie nicht so lange tourten, per Wagen toirtltd) hält, wird es nicht verstehen, wenn der Tier, schutzverein dringend bittet, den Omnibus )o feiten tote möglich halten zu lafsen, da jedes neue Anziehenmussen
eine gesteigerte Kraftanstrengung für die Pferde bedeute. Unentschiedene Leute, zaghafte Mütterchen, unerfahrene Fremde re. werden durch solche falschangebrachten Bitten häufig genug zum Absteigen während der Fahrt verkettet weroeu und das nachher zu ihrem Schaden bereuen müssen. Merkwürdig ist, daß die Omnibusgesellschaften sich diese Plakate in ihren Wagen gern gefallen lassen, aber die viel notwendigeren Kopfbedeckungen für ihre Pferde noch immer nicht angeschafft haben. Das gute Publikum sollte dafür doch eine Sammlung Derart ftalten!
Wie der Sonnenstich übrigens in Berlin grassiert, zeigen unsere „höheren Tö chter", die einem Alt-Heidelberg - Taumel von beängsttgenden Dimensionen verfallen sind. Glücklicherweise haben sich die Pforten des „Berliner Theaters" gestern geschlossen; für einen Monat wenigstens hat der jugettdliche Held dieser Bühne, der den Erbprinzen Karl Heinrich in „Alt-Heidelberg" spielt, Ruhe. Dieser Karl Heinrich, im gewöhnlichen Leben ein ganz guter Schauspieler, aber kein Genie, dLamens Harry Walden, sieht sich tagtäglich umschwärmt von unseren noch die Schulmappe tragenden Backfischen; sie lauern chm auf, wenn er die Proben verläßt, um einen Gruß- einen Blick von ihm zu erhaschen; sie paktteren mit dem Droschkenkutscher, der ihn fährt, und wechseln sich das Geld mit einem Agio ein, das er dem Rosselenker als Bezahlung giebt, um es als Talisman auf dem Herzen zu tragen, sie bombardieren ihn mit Briefen, in denen Ansichtskarten mit seinem Porträt stecken, das in allen Schaufenstern ausbängt, und betteln um Rücksendung mit einer Widmung, die natürlich auch erfolgt, wenn nicht die Gattin, die teure, die der gute Harry schon besitzt, einen ironischen Riß durch das papierne Gestammel macht; sie gründen Karl-Heinrich^Vereine; mit einem Worte: sie haben sich verrückter als einst ihre älteren Schwestern mit Kainz oder Matkowsky. Und l-atcr merfi nichts, und Mutter merkt nichts! Berliner höhere Töchter — wer sie kennt tauft sie nicht! . . s


