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05/06/1902 Zweites Blatt
 
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die Unterhäuptlinge von Kontscha und GaZhaka herbeiholen wollte, sollte er dann amtlich als Lamido eingesetzt werden.

Spart.

Das unlängst erschienene Blatt 17 von G. Fr e y tag s Radfahrerkarte (Preis Mk. 1/35, Verlag von G. Frey- tag L Berndt, Wien VII/1), reicht von Bad Nauheim bis Karlsruhe, von Saarbrücken bis Heilbronn und enthält von bedeutenden Orten außer den schon ge­nannten Orten noch Koblenz, Wiesbaden, Mainz, Tarmstadt, Heidelberg, Worms re. Klar und deutlich, alles Ueber- slüssige vermeidend, dafür genau alles verzeichnend, was der Fahrer braucht, ist die Karte unseres Erachtens sehr brauchbar. Gleichzeitig mit Blatt 17 erschien dessen An­schluß nach Süden: Nr. 22. S t r a ßb u r gKar l s r u h e StuttgartUlmBaselBodensee zum selben Preise und in gleich vorzüglicher Ausführung.

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, 31. Mai. In der Akademie der Künste wurde heute vormittag die Ausstellung ärztlicher Lehrmittel durch den Kultusminister Dr. Stndt feierlich eröffnet.

Ein LiSzt-Dcutmal. Im Schloßparke zu Weimar fand am Samstag die Enthüllung des Denkmals für Franz Liszt in Anwesenheit des Großherzogs und des gaiuen Hofes statt. Die Festrede hielt der ehemalige Intendant des Weimarer Hoftheaters v. Bronsart. Zahlreiche musikalische Körperschaften Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns waren durch Abordnungen vertreten. Der Großherzog legte als Erster einen Kranz am Denkmal nieder. Von der ungarischen Regierung und von der Familie Richard Wagner waren ebenfalls Kränze eingetroffen.

Universitäts-Nachrichten.

Zu amtlichen Erhebungen über den Früh- fchovpen hat der preuß. Unterrichtsminister die Universitäts- behürden veranlaßt. Es werden zu demZweck jetzt die Vorsitzenden der Vereine und Verbindungen vor den Universitätsrichter ge­laden, um diesem Auskunft darüber zu erteilen, ob in ihren Ver­einen oder Verbindungen ein offizieller Frlihschoppen stattfindet.

(Ein Fiasko des g e m e i n s a m e n U n t e r r i ch t s für beide Geschlechter.) Der Unroerfität Ehicago liegt ein Antrag vor, die Studenten und Studentinnen zu trennen, so­gar in den Klaffenzimmern. Die gemeinsame Erziehung beider Geschlechter hat sich in gewissem Grade in Amerika als ein Miß­griff erwiesen. Es wird geklagt, daß die Studentinnen in ihren Sitten zu frei werden und nicht zurückhaltend genug sind, die Männer dagegen zuweibisch" oder zu anmaßend und zu sorglos in ihrem Benehmen gegen Frauen. Ueberdies findet man, daß gewisse sentimentale Gefühle, die unverändert zwischen den Ge­schlechtern entstehen, wenn sie so zusammenkommen, störend auf den Fleiß einwirken, der von Studierenden gefordert werden muß. Dieses Problem betrifft aber sogar auch die Professoren. Mrs. John A. Logan äußert sich darüber sehr bemerkenswert in einem Schreiben anThe Newyork American":Es ist nicht selten vor­gekommen, daß Professoren ungeduldig den Schluß des Schuljahres erwarten, damit sie eine schöne Kollegin oder Schülerin zum Altar führen können. Es ist kaum wahrscheinlich, daß sie, wem: Herz und Geist voller Erwartung dem Ehestand entgegensehen, und der Gegenstand ihrer Liebe vor ihnen ift, in der richtigen Verfassung au lehren oder zu lernen siud; folglich verlieren beide." Auch in oen öffentlichen Schulen der Vereinigten Staaten werden jetzt ge­trennte Klassenzimmer für Knaben unb Mädchen hergestellt, und diese Trennung der Geschlechter wird wahrscheinlich in Zukunft wenigstens in einigen amerikanischen Universitäten durchgeführt werden.

Zandwirtschaft.

Hungen, 3. Juni. Der gestrige Auftrieb des Jungviehs aus die Weide Tiergarten zeigte, daß viel mehr Fohlen eingebracht wurden als man erwartete. Rinder sind vorläufig in geringer Anzahl eingebracht worden, doch sind in den nächsten Tagen weitere Auftriebe zu erwarten. Es wurde gestern die Meinung aus­gesprochen, daß sich der Tiergarten am besten ausschließlich als Fohlenweide eigne, und diese Ansicht scheint auch wirklich in weiteren Kreisen vorhanden zu sein, wenigstens darf man nach dem Auftrieb diesen Schluß ziehen.

Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft in Mannheim. Nachdem die preußisch-hessische Staatsbahnverwaltung sowie die Mam-Neckar-Ersenbahn für den preußisch-hessischen Teil ihres Bahnnetzes die Gewährung der üb­lichen Fahrpreisermäßigung (Berechtigung der einfachen Fahrkarten zur freien Rückfahrt nach Abstempelung in der Ausstellung) für den Besuch der voni 5.10. Juni in Mannheim stattsindenden Wander­ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft im Gegensatz zu sämtlichen süddeutschen Eisenbahnverwaltungen und zur badischen Strecke der Main-Neckar-Eisenbahn abgelehnt haben, sei darauf aufmerksam gemacht, daß sich einzelne Ausslelliingsbesucher sowie insbesondere Vereine, wenn sie mindestens 30 Teilnehmer zählen oder 30 Fahrkarten lösen, und Personenzüge benutzen, bei recht­zeitiger Anmeldung auf der Abgangsstation 50 pEt. Fahrpreis­ermäßigung (als sogen. Gesellschaftsfahrt) verschaffen können. Wer die Main-Neckar-Eisenbahn benützt^ kann von der badischen Grenze ab (von Station Lautenbach, bei Schnellzügen von Station Wein­heim ab) durch Lösung einer einfachen Fahrkarte nach Mannheim, die nach Abstemvelung in der Ausstellung als Rückfahrkarte gilt und auch zur Benützung von Schnellzüge,! berechtigt, gleichfalls eine kleine Ermäßigung erzielen. Uebrigens hat sich der Hessische Landwirtschaftsrat wegen nachträglicher Gewährung derselben all­gemeinen Vergünstigung, wie sie die süddeutschen Bahnen bewilligt haben, wenigstens für die Eisenbahndireklionsbezirke Mainz und Frankfurt an die zuständigen Stellen gewendet und auch die Großh. Regierung um Unterstützung gebeten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 5. Juni 1902.

Auszeichnung. Die Schmetter zum Ritterkreuz 1. Klaffe Les Großh. Hess. Verdienstordens Philipps des Großmütigen wurden dem Hauptmann v. Ploennies in der Ostasiatischen Feldattillette-Abteilung verliehen.

** Waldbesitz im Kreise Gießen. Ten größten Waldbesitz im Kreise Gießen hat die Stadt Gießen; er umfaßt 1306.4 Hektar. Von den Gemeinden, die über 300 Hettar Wald besitzen, sind ui nennen: Lich (898.5 Hekt.), Allendorf a. d. Lda. (574 Hekt.), Hungen (439 Hekt.), Langs­dorf (427 Hekt.), Gründ er g (417 Hekt.), Langgöns (398 Hekt.), Großen-Buseck (364 Hekt.). Ten kleinsten Waldbesitz mit 3.9 Hektar hat hie Gemeinde Birklar. Ter Gesamtwaldbesitz des Kreises Gießen beträgt 10 663 Hektar.

** Kleine Mitteilungen au8 Heffen und den Nachbarstaaten. Auf der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein befanden sich Ende Mai stellen-, resp. arbeitslos 56 Mann. Seit Bestehen der Anstalt wurden ausgenommen 4333 und entlassen 4277. Der Bestand am 1. Mai betrug 49, die Zugänge 33, die Abgänge 26. Auf eigenen Wunsch wurden 15, wegen schlechten Bettagens 3, als arbeitsunfähig 2, als arbeitsscheu 6 entlassen. In Montabaur findet zurzeit eine Ge­werbeausstellung statt, die ebenso beachtenswert ist, wie das historische Westerwaldhaus; beide bleiben bis 15. Juni ge­öffnet. Besondere Aufmerksamkeit erregt dort ein großer Kronleuchter aus Schmiedeeisen in getriebener Arbeit, bis ins kleinste kunstvoll stilisiert und meisterhaft ausgefühtt. Der­selbe ist entworfen und gezeichnet von den, Großh. hessischen Regierungsbauführer Lutz-Weckerling, einem Sohne des Dekans Weckerling in Montabaur. Das historische Wester- waldhauS ist infolge seiner gesamten Einrichtung und Aus­stattung eine besonders schöne Rarität. Wandzeichnungen emes Künstlers der Düsseldorfer Schule, des Malers Ernst Weckerling, dienen voll Humor zur Jllusttation. In einem oberen Zimmer des Hauses hat der Ministerialrat Solda n kleine Pläne und Skizzen der bei Neuhäusel auf­gefundenen Halstatt-Niederlaffungen und die bei den Aus­grabungen gewonnenen Fundstücke ausgestellt.

Handel und Nettrehr. Volkswirtschaft.

Leipzig, 4. Juni. Die Konkursverwaltung der Leipziger Bank teilt heute nut, daß sie (rechtlich unverbindlich) die Dividende der Kasseler T r e b e r g e s e l l s ch a f l entgegen allen anderen Meldungen auf mindestens ' i und höchstens 1 pEt. schätze.

Tic Zukunftochauceu iu Transvaal. Tic Blätter be­schäftigen sich fortgefetzt mit den Aussichten, welche der Friedens- ichluß unserer Exporttndusltte unter Umständen zu bringen per-

Gerichtssaal

Berlin, 3. Juni. Prozeß Sanden. Die Erörterung über die Verhältnisse des Grunderwerbs der Gesellschaft wird fortgesetzt. Ter darüber vernommene frühere Bankbeamte Goeritz ist der An­sicht, daß der Konkurs der Gesellschaft hätte vermieden werden tonnen. Die von Rechtsanwalt Bernstein beantragte Beweis­erhebung darüber, daß die preußische Hypothekenbank infolge der Nornlativbestimmungen fortgesetzt mit Schwierigkeiten zu kämpfen batte, hält Sachverständiger Geheimrat Hecht für unnötig. Tie Bank müsse in einem solchen Falle den Betrieb einstellen oder sich den Normativbestimmungen fügen und geringere Tantiemen und Dividenden erzielen. Nachdem der Zeuge Siegfried Siebert in längerer Auslassung die Verhältnisse des Märkischen Jmmobili.cn- verems und der neuen Berliner Baugesellschaft dargelegt, wird de7 Anklagepunkt verhandelt, welcher Eduard Sanden, Heinrich Schmidt und Eduard Schmidt unwahre Darstellungen in den Bettchten über den Vermögensstand der Preußischen Hypothekenbank vorwirst und Puchmüller der Beihilfe dazu beschuldigt. Alle bestreüen, sich der Verschleierung der Bilanz schuldig gemacht zu haben.

Berlin, 4. Juni. Sanden-Prozeß. Der als Ent­lastungszeuge für Heinrich Schmidt geladene Direktor der Preußischen Hypothekenbaiik, Fritze, bestätigt, daß sich nach dem Erscheinen des vom Staatsanwalt besprocheneil Warnungsartikel in derFranks. Ztg." am 12. März 1897 Schmidt zu Sanden nach Heringsdorf begab, um auf Grund der anzustellenden Prüfung der Verhältnisse der Bank eine Entgegnung auf den Artikel zu ver­langen. Schmidt fügt hinzu, Sanden habe darauf nicht ein­gehen ivollen und gemeint, das Publikuin werde sich selbst be- ruhigen.

Magdeburg, 3. Juni. Ter Arbeiter Krüger zeugte in 20= jähriger wilder Ehe mit seiner eigenen Tochter 9 Kinder, von denen 5 leben. Kr. wurde heute von der Straf­kammer zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Äoburg, 3. Ium. Das Schwurgericht verurteilte den 57 Jahre alten Steueramts r en danken Rat Frank aus Sonneberg wegen Urkundenfälschung und Unter­schlagung zu'o I a h r e n Zuchthaus und 10 Jahren Ehr­verlust. Frank hatte, nachdem er das ca. Mk. 125 000 betragende Vermögen seiner Frau durchgebracht hatte, Amtsgelder im Betrage von Mk. 37 348, sowie die ihm anvertraute Kaution eines Mühlen- besitzers namens Gumpert aus Mrrpperg unterschlagen sowie die verwittwete Frau Realschuldirektor Alartin von hier um Mk. 10000 gebracht. Der Staatsanwalt hatte 7 Jahre Zuchthaus beantragt.

Leipzig, 3. Juni. Die auf morgen anberaumte Verhandlung gegen den Uebersetzer der Tolstoi'schen SchriftDer Sinn des Lebens", Direktor Löwenfeld vom Schillertheater in Ber­lin, und den Verlagsbuchhändler Eugen Dieb er ichs in Leipzig, gegen welche wegen Gotteslästerung und Beschimpfung kirch­licher Einrichtungen Anklage erhoben wurde, ist auf unbestimmte Zeit vertagt.

Paris, 2. Juni. Der Urheber des schrecklichen Motor- w a g e n u n f a l l s, bei dem am 16. März der bretonische Dichter Quellten den Tod fand, Agamemnon Schliemann, der Sohn des berühmten Trojasorschers, hatte sich heute vor der neunten Kammer des Pariser Zuchtpolizeigerichts zu verantworten. Aus den Zeugenaussagen und Verhandlungen ging hervor, daß das Unglück vielmehr dem Zusammentreffen unvorherzusehcnder Um­stände und' vielleicht auch dem Mangel an Kaltblütigkeit des be­klagenswerten Opfers als einer groben Fahrlässigkeit des Beklagten zuzuschreiben war. Da Againemnon Schliemann überdies frei­willig der Familie Quellten 8 0 000 Frs. Ent­schädigung gezahlt hat unb so ausrichtigen Schmerz über das von ihm angerichtete Unglück bekundet, daß ihn noch heute die bloße Erinnerung daran tn qualvollste Erregung versetzt, ließ der Gerichtshof Gnade für Recht ergehen und begnügte sich mit einer Verurteilung des Beklagten zu 2 0 0 F r §. B u ß e.

Petersburg, 2. Juni. Der Attentäter L e cf e r t, der be­kanntlich den Generalgouverneur v. Wahl verwundet hatte, wurde zum Tode verurteilt.

Der Prozeß gegen den Briganten Musoliuo in Lucca geht seinem Ende entgegen, ©ehr günstig für den Angeklagten lautete die Aussage des Holzhändlers Longari. Er erzählte:Am 18. September 1900 befand ich mich auf einem Waldwege des Aspronrente, als mir ein bewaffneter Mann entgegenkam, in dem ich auf Grund der Bildnisse Musolinos, die ich hängen gesehen hatte, den berühmten Briganten erkannte. Ich mürbe von großem Schrecken erfaßt, zog meine Brusttasche, in ber sich 1080 Lire be- fanben, unb wollte sie bem Briganten überreichen. Musolino aber wie§ bas Geld zurück.Ich bin ein Unglücklicher" sagte eraber kein Dieb!Ich töte bloß die Spione und Meineidigen, die mich im Jahre 1898 durch falsches Zeugnis ins Zuchthaus gebracht haben." Von anderen Zeugen erfuhr man, daß Musolino sie beschenkt und jede kleine D i e n st l e i st u n g reichlich belohnt habe. Wo nahm der Brigant das Geld dazu her? Musolino hüllt sich über diesen Punkt in Schweigen. Aber man weiß ja, daß die kalabresischen grauen für ig n schwärmten und das Leben wagten, um ihm in die Bergklüsle des Aspromonte Lebensrnittel und wahr­scheinlich auch Geld zu bringen. Eine Signora, deren Namen man nicht hat in Erfahrung bringen wollen, soll ihr ganzes Bar­ver mögen, 50000 Lire, dem Briganten zur Ver- f ü gu n g gestellt haben. Der letzte Zeuge war der Lehrer D. Nucera, der Biograph Musolinos. Er hat oas Verdienst, früh­zeitig erkannt au haben, daß Musolino im Jahre 1898 unschuldig verurteilt wurde. Ueber den Justizirrtum vom Jahre 1898 herrscht heute kaum noch ein Zweifel. An dem Mordversuche gegen seinen Nebenbuhler Zoccoli war Musolino vollständig unschuldig. Es hat sich damals wohl gar nicht um einen Mordversuch gehandelt, son­dern um eine Komödie, die von der Familie Zoccoli ins Werk ge­setzt wurde, um sich des verhaßten Musolino zu entledigen. Falsche Zeugen fanbcn die Zoccoli durch Bestechung soviel sic wollten, und Musolino wurde zu 21 Jahren Zuchthaus verurteilt. Aus diesem Justizirrtum ist dann das ganze Unheil entstanden. Der Biograph Musolmos schwärmt natürlid) für seinen Helden. Ist doch sein BuchMusolino" in Hunderttausenden von Eremplaren vettaust worden. Der Brigant bediente sich des Lehrers Nucera auch als Sekretär, da er selbst mit dem Alphabet und der Orthographie auf schlechtem Fuße steht. Während 800 Polizisten und Soldaten den Briganten auf bem Aspromonte suchten, sap Musolino im Stübchen seines Biographen unb biftierte ihm Briefe an bie Zeitungen. Aber warum haben Sie bas der Polizei nicht mitgeteilt?" fragte ber Präsibent ben Zeugen.Musolino war als Gast in meinem Hause, unb ich werbe doch nicht so ehrlos sein, bas heilige Gast- recht zu verletzen!" antwortete ganz entrüstet der Lehrer.

mag. Es fällt uns auf, daß man sich dabei einem sehr roeft- gehenden Optimismus hingiebt. Wir sinb unb bleiben ber Ansicht, daß da, wo England regiert, Deutschland kaum dominieren kann. Die zähen Briten sind aus der Affarre als Sieger hervorgegangen, wenn auch nicht gerade auf dem Schlachtfeld. Sie sind Heitten des Landes geworden, und werden es die übrigen Völker bald genug fühlen lassen, daß sie mit den unendlich reichen Mitteln, die ihnen in den Schoß gefallen sind, sich wieder als Herren der Wett fühlen. Und daß dabei bie englischen Großindustriellen in den neu gewonnenen Gebieten ben Rahm abschöpfen werben, versteht sich unserer Meinung nach von selbst, baß es kaum notwenbig sein sollte, noch speziell bar auf aufmerksam zu machen. Englanb wirb eine Zollunion herbeiführen, burch welche bie englischen Probukte den Vorzug genießen. In den Minen am Withwatersrand sind hauptsächlich amerikanische Maschinen im Gebrauch. Es fragt sich, ob die deutschen Maschinen den amerikanischen erfolgreich Kon­kurrenz machen können. ImB. T." wird die Meinung aus­gesprochen, daß bie Entwicklung ber beutschen Industrie nicht in so hohem Maße von der Situation in Afrika, rote von ber in Amerika abhängt. Es fragt sich, wie lange Amerika noch in ber Lage fein wirb, m der Hauptsache für ben Jnlanbskonsum zu produzieren. In bem Augenblick, in bem ber amerikanische Export in verstärktem Maße einsetzt, wird sich unsere Exportindusttte verringern. Auch die Entwicklung am Withwatersrand wird nur langsam vor sich gehen. Hauptsächlich wird man anfangs mit Arbeittkrmangel xu kämpfen haben, sodaß der Goldstrom nach Europa lange nicht so schnell und so statt sein wird, wie man jetzt vielseitig annimmt Die chemische Großindustrie erwartet viel von bem neuen Auf­schwung unb finbet einen günstigen Umftanb barii.x, baß die Chemiker in Südafrika in ber Mehrzahl Deutsche sind. In der Elektrizttäts- industrie gehen die Meiitungen auseinander. Eine leitende Per­sönlichkeit spricht sich recht hoffnungsvoll aus, wahrend eine andere unsere Befürchtungen hegt und sagt: Die Engländer werden es vermutlich vermeiden, uns mit industriellen Aufträgen zu bedenken.

Die deutsche Mühlenindustrie. Recht kritisch hat sich schon seit längerer Zeit die Sage der deutschen Mühlenindustrie ge­staltet. Von 31 Etablissements, die Aktienunternehmungen find, konnten nur 19 eine Dividende bezahlen und diese war von 7.4 Prozent im Vorjahr rückgängig bis 6.10 Prozent Die Durch- schntttsdioidende dieser 31 Mühlen beträgt nur 3.74 Prozent gegen 4.47 Proz. im Vorjahr. In dem neuem Ausfuhrregulatio wird hauptsächlich die Ursache des Rückgangs gefunden.

FufiouSverhaudluugeu bei Bcrgwerksgesellschafteu. Bezüglich der Gerüchte über Fusionsverhandlungen bei Bergwerken meldet dieVoss. Ztg.", daß es sich dabei nicht um unoerritzte Grubenfelder an der Lippe handelt, sondern um Verschmelzung bereits in Förderung stehender Bergwerke, deren Kuxen an den Börsen zu Essen unb Düsseldorf gehandelt werde. ES handle sich um Grubenerwerbungen seitens der Harpener unb Gelsenkirchener Bergwettsgesellschaften, sowie der Aktiengesellschaft Königshorn.

3> <3'/,Proz. Wiesbadener Stadtanleihc. Von dieser Anleihe werden am 6. d. Mts. 6 Millionen Matt zu 99.30 Proz. zur Zeichnung aufgelegt.

Bom Londoner Goldsharcsmartt roirb gemeldet, daß ber Haussetaumel rascher verflogen ist, als man annahm unb an- nehmcn konnte. Rian sagt, baß bie Aussichten für bie Entwicklung ber Golbinbustrie in ben Kursen vieler Werte schon hinlänglich eskomptiert sinb. Tann hat sich die Spttillation thatsächlich über­nommen und schließlich wird den Jobbern doch etwas schärser auf die Finger gesehen als früher.

Zement-Industrie. Der Geschaftsbettcht derAdler^ Deutsche Portlandzementsabrik Aktien-Gesellschaft in Berlin bespricht eingehend den Zusammenbruch des Syndikats und die verderb­lichen Folgen des Konkurrenzkampfes durch sinkende Preise, die be­sonders fühlbar werden durch die großen Vorräte aus 1900. Hebet die Aussichten des laufenden Jahres wird bemettt, die Vettaufs- preise seien niedrig, andererseits seien aber fallende Selbstkosten zu verzeichiien bei zunehmender Produktion. Der Bettcht hätt einen neuen Zusammenschluß der Zementindustrie für eine Frage der Zeit, da die gegenwärtigen Verhältnisse nur beft situierte Wette überdauern können.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt oie Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Zur Frage der Bodenreform.

So dankenswert an sich das Bestreben des Herrn Damaschke ist, wettere Volkskreise mit der Frage der Bodenreform vertraut zu machen, so sehr ist aiiderersetts die Verquickung dieser Sache mit aussichtslosen Debattierklubsbestrebungen, wie das Herr Damaschke, nach dem Bettchte desG.A."gethan hat, zu bedauern. HerrDamaschke als Vertreter der Gedanken des Amerikaners Henry George warum nicht derjenigen Ottomar Betas in:Deutschlands Ver­jüngung"? ist der Vorsitzende des Bundes der Bodenreformer, in dessen Vorstand auch hervorragende Deutschsoziale ic, sitzen, und der parteilos sein soll.

Statt dessen sehen wir, wie Herr Damaschke am Schluffe feinet Ausführungen von den national-sozialen Schriften spnchtz die der B. b. B. für ben jährlichen Beitrag versenbe. Hoffentlich ist das ein lapsus oalami. Wenn nicht, dann niuß hier eüt Segeln unter falscher Flagge festgestcllt werden. Und das wäre im In­teresse der Bobenresormsache sehr zu bedauern. Der National- Sozialisrnus ist aussichtslos. Das haben die Wahlen von 1898 gezeigt, werden auch bie im nächsten Jahre ftattfiubenben erweisen. Warum bas so sein wirb unb sein mußte, gehört nicht hierher.

Aber bie Wohnungsfrage ist so wichtig, baß sie nicht mit ben Wolkeilranblercien politischer Eigenbrötler im Blauen ver­schwinden darf.

Weiterhin bilden gerade die Deutsch-Sozialen die Siern truppt der Bodenresormer. Nicht nur, daß diese Parteirichtung schon im Jahre 1889, also längst bevor man an Damaschke dachte, im Bochumer P r o g r a m m die Grimbzüge beutschen Bobenrechtes jeftlegte, sondern ihr Führer der Reichstagsabgeordnete Friedrich Raab war es auch, ber bie erste Bobenresormrebe vor einem deutschen Parlamente gehalten hat. Es ist ferner der Deutsch- Soziale Graf Ludwig Reventlow, der auf seinem Gute Wulsshagen bei Gettorf in Holstein die Grundsätze der Bodenreform in bie Praxis üb ertrug unb Gewinnbeteiligung für seine Arbeiter einführte.

Es ist ber Deutsch-Soziale Wilhelm Schack, ber geniale Orga­nisator ber beutschen Handlungsgehilfen, der diese Forderuiigen gegenüber freisinnigen und anderen Rückwärtsern im hamburgischen Parlamente oft genug begründet hat. Damit mag die Priorität und die Thatsache parlamentarischer und öffentlicher Vertretung der Bodenreform von anderer als nationalsozialer Seite genügend fest- gestellt sein. Es unterliegt ja keinem Zweifel, daß die Deutsch- Sozialen sich durch rolleiiwidrige Seitenspttinge des Herausgebers berVolksstimme" nicht in ihrem Bestreben bestimmen lassen roerbeii. Notwendig aber ist es für bat Vorsitzenben bes B. d. B., eine gute Sache nicht bem national-sozialen Wägelchen anzuver­trauen. Tas Streben nach beutschem Heimatsrecht bars nicht Par­teisache werben. Der Gebaitte ist zii groß unb schön, als daß ihn Parteiegoismus in den Sand werfen sollte. An ihm müssen alle Parteien teilnehmen, bem ganzen Volke joll er zum Gemeingut werden! Damit ist ber Weg zu seiner Erfüllung gegeben.

Ter national-soziale Schriftsetzer Kuhlmann bezeichnete einst in letzter Diskussionsnot ben B. b. B. als freihändlerisch. Ist die Aeußerung Damaschke's thatsächlich gefallen, so wäre das ein wei­terer klärender Strahl. Versucht Damaschke unter der Flagge der Bodenreform ivie in Berlin (Mieterpartei") für den national- sozialen Verein zu agitieren, so ist dem B. d. B. das Urteil ge­sprochen.

Es steht außer Frage, daß der Bund von dem llftomente an fortlaufende Mttgliedernummern zu führen hätte. Weite Kreise der Bundesmitglieder die an sozialer Gesinnung denen um Naumann nicht nachstehen, aber gerade deshalb auf anderem na­tionalem unb wirtschaftlichem Bobcn kämpfen, müßten dann ihren Austritt erklären. Das aber würbe em unberechenbarer Schaben sein. Denn bie Bobenrechtsbewegung ist so nötig wie bie liebe Sonne. Will Damaschke ben Karren feiner politischen Vereinst-