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5.2.1902 Erstes Blatt
 
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Ihre Accepte gegeben? AngeL. Ja, aber nur zur Be­zahlung von Schulden. Ich möchte noch! bemerken, daß oie vorgelegte Bilanz überaus klar war, daß Schmidt sogar auf ganz neue Anschaffungen bereits Abschreibungen vornahm.

Arnold Sumpf bemerkt, daß er 1897 in Italien und gemeinsam mit Schmidt und Schulze-Dellwig in Bosnien den günstigen Eindruck von der dortigen Anlage erhalten habe. Schulze-Dellwig bestätigt diese Angaben. Dors.: Finden Sie die Reservierung der Tantieme nicht bedenklich? Angekt.: Ich hegte keinen Zweifel, ich hörte die anderen Herren sich darüber unterhalten und sagte mir; die verstehen das besser. .Herrn. Sumpf: Ter Hauptgrund der Rückstellung der Tantieme war, daß noch keine Jahresabschlüsse der Tochtergesellschaften Vorlagen. Bors.: Damals lagen wohl überhaupt noch gar Leine Bilanzen vor? Herm. Sumpf: Ich glaube nicht. Angekl. Schlegel meint, unter guten Resultaten seien nicht die finanziellen Ergebnisse, sondern die Ausbeuteziffcrn ver­standen worden.

Bors, zu Arnold Sumpf: Wofür haben Sie damals Ihre Accepte über Mk. 600 000 gegeben? Arnold Sumpf: Ich glaube für gezogene Aktien. Bors.: .Haben Sic dafür die Aktien bekommen? Angekl.: Nein.

Angekl. Schlegel beruft sich auf die Ausführungen des Direktors Liebault in Nantes über die Rentabilität des dortigen Werkes. Bors.: Sie gaben Ihre Accepte im Marz 1899. Angekl.: Nein erst im Juni. Bors.: Ist nicht kurz vor Aufstellung der Bilanz eine Aufforderung von Schmidt an Sie ergangen, Ihre Accepte herzugeben? An­gell.: Das war erst 1900. Bors.: Nicht 1899? Angell.: Mir ist nichts davon bewußt. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß die Anklage nicht bezweifle, daß die Angeklagten von dritter Seite getäuscht worden sind, bezüglich der Ergebnisse auf einzelnen Werken, er bittet daher, von dem Antrag auf Verlesung des Lassar-Cohn Gutachten Abstand zu nehmen.

Zu der Bemerkung in dem Geschäftsbericht für 1899 bis 1900, daß die Tochteraktien zum großen Teil ver­äußert seien, bemerkt Hermann Sumpf, daß die Treber- Ges. durch dieien Verkauf Baargeld zu erhalten wünschte. Von dem Geschäft mit der Caisse Commerciale in Brüssel im Jahre 1899 will Sumpf nichts wissen. Zu dem unter den Aktiven aufgefübrten Betrag von 2y2 Mill- Mark für Maschinen erklärr der Angeklagte, diese Summe be­treffe bestellte und in Arbeit befindliche Treberapparate. Daß es sich hierbei um zurückgegebene Maschinen ge­handelt haben soll, sei chm nicht bekannt- lieber das Beteiligungskonto von Mk- 2.98 Mlll. vermag Sumpf keine Auskunft zu geben. Angeklagter Schulze-Dellwig bemerkt, Schmidt habe sich in den Sitzungen des Aufsichtsrats niemals so eingehend geäußert wie dies jetzt in der Verhandlung geschehe.

In der Nachmittaassitzung vernimmt das Ge­richt den Sachverständigen. Der Konkursverwalter Justizrat Dr- Frieß: Bei der Uebernahm-e der Masse zeigte sich eine große Unklarheit in den Büchern. Ge­waltige Posten hießen einfachNachlieferungen". Wenn man die Angestellten nach der Entstehung dieser Konten fragte, hieß es regelmäßig:Das hat Direktor Schmidt verfügt." Die Einträge geschahen einfach aus Schmidts Verfügung und lediglich aus Grund von dessen Buch­ungszetteln. Ebensowenig war über die hohen Summen für Lizenzen Klarheit zu schassen. Jede Abteilung glaubte, daß die andere Gewinn abwerfe. Bei der Uebernähme waren die Aktiven gleich Null. An Aktiven sind heute in ganz runden Ziffern Mk. 2 Mill, vorhanden. Die Summe kann sich vielleicht noch um Mk- Vr bis 1 Mlll. erhöhen. Die Forderungen betragen rund Mk. 168 Mill., davon sind aber bis jetzt erst Mk. 28 Mill, anerkannt, Mk. 72 Mlll. ausgesetzt und nicht weniger als Mk. 64 Mill, bestritten. Dre Forderung der Leipziger Bank bewegt sich zwischen Mk- 70 und 80 Mill. Auf Befragen des Vor­sitzenden erklärt Dr. Frieß, daß den Tochtergesellschaften Dividenden garantiert waren, 7 pCt-, 7i/2 pCt., 10 pEt- usw. Nach seiner Ueberzeugung sei weder in Nantes noch in Glückstadt noch in Galizien mit irgend­welchem Gewinn gearbeitet worden- Auffallend hoch waren die Bestände an Aktien im Besitz der Treber-Ges. Dir Gründungen entpuppen sich in immer weiterem Um­fang als reine Scheinmanöver. Bei Weißwasser z, B. schickte die Leipziger Bank das Geld, um es dem Notar bei der Gründung vorzuzeigen, und erhielt es danach sofort wieder zurück- Von Krappitz steht fest, daß drei Viertel nicht eingezahlt sind; seine persönliche Mein­

ung gehe dahin, daß auch das letzte Viertel nur aus dem Papier steht- Das Ergebnis saft Justizrat Frieß dahin zusammen:Ich kann nirgends finden, inwiefern stch die in den Berichten der Gesellschaft ausgewiesenen Winne begründen lassen- Ich kann nirgends einen Anhalt finden, wo sich irgend ein Gewinn ergeben haben sollte". Schmidt hat einfach Verträge auf Lieferung abgeschlossen und diese in den Büchern eskomptiert, als seien diese! Verträge bereits erfüllt- Ueber die verbuchten Nach­lieferungen waren keinerlei Belege zu be­schaffen- Wenn aber selbst diese Nachlieferungen bestellt gewesen wären, so wäre daraus der Treber-Ges. doch schwerlich ein Gewinn erwachsen, da es sich höchstens um Erfüllung früher gegebener Garantien handeln konnte. Wie bekannt, wurden Forderungen der Treber-Ges. an die Leipziger Bank zediert. Die Schuldner wurden von dieser Zession nicht benachri.chtigt-

Auf Wunsch der Verteidigung stellt Dr. Frieß fest, daß über Schulze-Dellwig Konkurs nicht verhängt wurde, man sich vielmehr mit dessen Verwandten geeinigt habe. An Schlegel hat die Masse eine Forderung von Mk. 60 Mill- angemeldet.

Vors.: §at die Treber-Ges. Galizien übernommen? Hermann Sumpf: Nein. Vors.: Aber Nantes? Hermann Sumpf: Ja, auf meine Veranlassung. Angekl. Schlegel erklärt, es seien zwar Berichte aus Nantes gekommen, aber weder er noch Schmidt hätten Französisch gekonnt. Bei der Gründung von Krappitz habe er erst gar keine Lust gehabt, wiederum Geld in Treberwerteu anzulegen. Schmidt habe aber seinen Vertrag schon aufgesetzt gehabt. Angekl. Otto weiß von seinem Anteil an der Gründung in Krappitz überhaupt nichts. Angell. Schulze-Dellwig ver­sichert von neuem, daß er durchaus in gutem Glauben gehandelt habe. Daß auch an den Trebern nichts ver­dient worden sei, höre er zum ersten Mal.

Auf Antrag der Verteidigung beschließt das Gericht die Vorladung der drei Herren, die s. Zt. nach Nantes gegangen waren, und den Bericht abgefaßt hatten, sowie )es Prof. Frentzen von der Aachener technischen Hoch- chule als Zeugen zum Freitag den 7. d. M.

* * *

Leipzig, 4. Febr. Der frühere Direktor der Leip­ziger Bank Exner wurde durch Beamte des Landgerichts von Leipzig nach Kassel überführt, um in der morgi­gen Verhandlung als Zeuge vernommen zu werden.

Aus Stadt und Sand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Auz." gestattet)

Gießen, 5. Februar 1902.

* Religionsgeschichtliche Vorträge. Der letzte dieser zum Besten der deutschen Heilstätte in Davos stattfindenden Vor­träge überDas Evangelium und die Konfessionen" kann nicht, wie beabsichtigt war, nächsten Freitag, sondern erst Freitag in acht Tagen (14. Februar) gehalten werden. Die Verlegung erscheint wegen anderer Veranstaltungen an demselben Tage nötig.

w. Friedberg, 4. Febr. Gestern wurde hier die General­versammlung des Mathildenstifts Friedb erg-Butz - bach im Rathaussaale abgehalten. Der Präsident, Kreisrat Fey, eröffnete die Versammlung und gedachte der Verdienste seines Vorgängers, des verstorbenen Geh. Regierungsrats Dr. Braden, um die Entwickelung der Bezirkssparkasse. Zu seinem Andenken erhoben sich die Anwesenden. Es waren in der Versammlung sämtliche Orte des Sparkassenbezirks mehr als fünfzig vertreten. Zur Erwägung des Planes einer Trennung des großen Sparkassenbezirks in zwei Bezirke, einen für Friedberg, den anderen für Butzbach, wurde eine Kommission gewählt, die gemeinsam mit dem Aufsichtsrat be­raten soll, in welcher Weise sich die Trennung am besten herbeiführen läßt. Nach der vorgelegten Rechnung hat sich das Gesamtoermögen um 240 976,70 Mk. vermehrt. Bei Fried­berg wurden 307 644,33 Mk. und bei Butzbach 127 654,50 Mk. mehr angelegt. Der Einnahmeüberschuß beträgt bei Friedberg 137 455,73 Mk. und bei Butzbach 16 529,08 Mk. Die Schulden erhöhten sich um 291 182,26 Mk. Dem Reservefonds werden 307 479,10 Mk. zugeführt. Er ist seit dem vorigen Jahre um 23 537,41 Mk. angewachsen. Die Aktiva betragen 7 280 446,35 Mk., die Passiva beziffern sich auf 6 972 967,25 Mk. Von den lleberfchüssen werden Gewerbe-, Industrie- und Fort­

bildungsschulen subventioniert; außerdem erhalten eine ganze Anzahl wohllhätiger Institute in und außer dem Kreise jähr­liche Üntcrfiür,ungen. Im Jahre 1865 wurde aus Mitteln des MathildenstiftesDie Mathildcnsnflung zur Rettung ver­wahrloster Kinder im Kreiß' Friedberg"- gegründet, der jähr­lich namhafte Zuschüsse gewährt werden. Ter seitherige Direktor dieser Stiftung, Tckan Meyer, trat heute zurück. An seiner Stelle wurde Pfarrer Klecberger von hier gewählt.

? Volkartöhain, 3. Febr. Tie heute im hiesigen Ge­meindewalde abgchaltenc Brenn- und Nutz Holz-Ver- fieig crung war sehr zahlreich besucht. Tas Fichtcn-Stamm- holz wurde im Tlirchschnitt mit 28 Alk. pro Feilmeter be­zahlt, einem PK.'ise, der bisher noch nicht erreicht wurde.

X hcrchcnham, 4. Febr. Die hiesige Lehrerstelle, die seit dem 1. November v. I. von auswärttgen Lehrern mit­versehen wurde, wurde dem Schulverwalter Schaaf aus Hörgenaü zur provisorischen Verwaltung übertragen. In dem benachbarten Sichenhausen erhielt die vakante Stelle Schul- vcrwaltcr Roth aus Langsdorf.

Q Rainrod bei Schotten, 4. Febr. Ein hiesiger Bürger beschloß die Errichtung einer Wollspinnerei am hiesigen Platze.

-ö- Oberau bei Altenstadt, 3. Febr. Gestern nachmittag hielt Landwirtschaftslehrer Linz von Büdingen hier einen Vortrag über die Behandlung der Wiesen. Der Re­ferent hob hervor, daß in erster Linie auf Besserung der physikalischen Verhältnisse der Wiesen durch Entwässerung und intensivere Bearbeitung mit der Wiesenegge Bedacht zu nehmen sei; erst in zweiter Linie komme die rationelle Düngung in Betracht. Hierbei sei stickstoffhaltiger Dünger und somit auch die vielbenutzte Jauche ganz zu meiden, da diese zum Mörder des Klees, des eiweißhaltigen Futters auf den Wiesen würden. Unter den künstlichen Dungmitteln stünden Kali- und Phosphordünger in erster Linie. Namentlich solle ersterer in nicht zu geringer Menge in Anwendung kommen. Da indessen durch diese Mittel die physikalischen Verhältnisse des Bodens verschlechtert würden, so müsse außerdem noch ge­nügend Kalk zugegeben werden. Die gut besuchte Ver­sammlung folgte den Ausführungen mit großem Interesse.

th. Höchst a.^>. Nidder, 3. Febr. Hiesige Aebeiter fanden am verflossenen Samstag auf ihrem Heimwege von Ostheim im Windecker Walde einen wohl plötzlich erkrankten Mann namens Musch aus dem Nachbarorte.Eichen völlig erstarrt im Graben liegen. Da sie ihn nicht zu transportieren ver­mochten , benachrichtigten sie die Angehörigen des Ver­unglückten.

ob. Altenstadt, 3. Febr. Der infolge der Bürgermeister­wahl in unserer sonst in schönstem Frieden lebenden Gemeinde entstandene Zwiespalt zwischen den beiden Parteien hat be­reits manche bittere Frucht gezeitigt. Gestern abend ereignete sich wieder ein Fall, der ein recht böses Nachspiel haben dürfte. Auf dem Heimwege von Lindheim wurde ein An­hänger derSchwarzen", ein Viehhändler, von einem An­hänger derRoten", einem Küfer, dermaßen mit einem Stock traktiert, daß er sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Die gerichtliche Untersuchung über die Sache ist be­reits im Gange.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Februar

4. 25

4. 926

5. 7

749,3 + 0,0

749,9 3,7

750,0 6,2

3,1

3,1

2,7

78 NE.

91 NE.

95 NW.

Wetter

Bew. Himmel Sternh. Himm Ved. Himmel

Höchste Temperatur am 3. Febr. bis 4. Febr. Niedrigste 3. 4. 3,8» C.

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spenden. Zwischen den beiden einander widerstrebenden Leiden­schaften, dem finsteren, starren Haß und der liebenden Hingabe, hat die Darstellerin zu vermitteln, und dieses schwierige Stück gelang Fräulein Hohenfels bis zur Wahrscheinlichkeit. Ihre ersten Szenen haben viel Herbes und Bitteres, Starkes und Energievolles, der Fortgang bringt dann viel Weichheit und Schwäche, lieber diesen Zwiespalt kam Frl. H. besser hinweg als der Autor, sie gab Uebergänge, wo der Verfasser jede Vermittelung vermiffen läßt. Sie durchlebte das ganze Stück, ihre Augen sprachen und ihre Mienen; sie war mit ihrer Seele bei der Sache. Am besten gelang chr die erste große Unterredung mit Erwins Mutter. Hier riß sie uns fort, hier pochte sie an unser Herz und brachte eS zu Wege, daß diese Szene fast wie aus einer echten Dichtung herausgeriffen schien. Frl. H. bemüht sich eifrig um unauffällige Einfachheit, ihre eigene Individualität hinter dem nachzuschaffenden Charakter jjurücftreten zu lassen. Das kostet ihr heute noch Mühe und gelingt ihr nicht immer, trotz besten Willens spielt sie, wie die meisten anderen, nicht mit diesen, sondern neben diesen; jeder giebt sich auf feine Art und so fügt sich nicht das Ganze 'au einem einheitlichen Ensemble. Sich einfügen und unter­ordnen dem Ganzen, das muß noch weiter ihr Bemühen bleiben. Den kleinen Zungenfehler, der ihr eigen ist, ab* zulegen, dürfte ihr bei gutem Willen auch wohl gelingen, ebenso ihren leichten Dialektanklang abzuschleifen und in ihrer Sprechen! einzelnen Endvokalen gleichmäßige Tonwerte zu geben. Es unterliegt im übrigen keiner Frage, daß Frl. H. chrer reichen Veranlagung nach dazu berufen ist, auf den 'Brettern Carriöre zu machen.

Herr Schneider war gestern zu einem recht lang­weiligen und steifen Liebhaber verurteilt. Der junge Herr Erwin aber muß doch schließlich etwa? besessen haben, woran ftch das Feuer Alexandras entzündet. Der Rechtsanwalt Dr. Andrea des Herrn Leßmann mar auch ziemlich hilflos und unbeholfen. Daß beide Herren sich Mühe gaben, nach heften Kräften MoK zu hatten, fei anerkannt. Frl, v. Heil­

bronn ist heute noch keine würdige Greisin und darum nicht besonders geeignet für die Präsidentin, der sie sich trotzdem in dankenswerter Weise angenommen hatte. Herr Hertzog hatte den wie ein böser Spukgeist herurnschleichenden Wald­menschen nicht ohne Verständnis aufgefaßt. Die kleineren Rollen waren, mit Ausnahme der Hotelwirtin, angemessen besetzt. P. W.

** In unserer Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand befindet sich zur Zeit bekanntlich ein Porträt S. K. H. unseres Großherzogs, ge­malt von Emst Kr et schm ar in Gera. Unser M. H.-Mit- arbeiter urteilte jüngst an dieser Stelle sehr scharf über den Wert dieses Bildes- Wie außerordentlich! verschieden die Auffassungen über künstlerische Produktionen sind, zeigt eine Besprechung des nämlichen Porträts, die im Darmst. Tagebl." vor einiger Zeit erschien. Wir geben yier den ganzen Artikel wieder:

Ein neues Porträt Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs, das am Dienstag in der Gemäldehalle der Mnstlerkolonie ausgestellt war und eine schätzens­werte Bereicherung der dortigen Gemälde-Ausstellung bildete, ist von gestern ab der Ausstellung des Kunst­vereins einverleibt worden. Das Porträt, das soeben erst das Atelier des Mnstlers verlassen hat, ist von Herrn Ernst Kretschmar, Porträt- und Genremaler in Weimar-Gera, gemalt worden und zeugt von einem her­vorragenden Können und gereiften, vornehmen Ge­schmack des Mnstlers, der aus der Weimarschen Schule hervorgegcmgen ist und gegentoärtia eine von ihm ins Leben gerufene Kunstschule in &era leitet- Er ist in weiteren Streifen durch seine in Pastell ausgeführten schönen Frauenporträts und zarten Kindervorträts aufs vorteilhafteste bekannt geworden- Dem Maler ist eine besondere Auszeichnung dadurch zu teil geworden, daß Se. Königliche Hoheit der Großherzog ihm in Wolfs­garten viermal zu dem Bilde gesessen hat- Das Oel- gemäldc zeigt Sc- Königliche Hoheit in Infanterie-Uni­form mit beiH übecgeworsenen Militärmantel. Bei der

Ausführung des Bildes ist das Hauptgewicht auf die rein malerische Wirkung verlegt worden und entsprechend diesem künstlerischen Prinzip der im Profil gehaltene Kopf mit besonderer Sorgfalt und Liebe behandelt wor­den, während die Details in gedämpftem Tone gehalten sind, ohne indessen irgend welche Vernachlässigung in der Behandlung und Ausführung erkennen zu lafsen- Der beabsichtigte künstlerische Zweck ist dadurch vollständig erreicht worden. Die harten Konturen sind auf dem Bilde durch Abdämpfung des Farbentons grundsätzlich vermieden worden. Der Fleischfarbenton ist sehr glück­lich getroffen und der Gesichtsausdruck sprechend, wie sich überhaupt auf dem ganzen Bilde neben einer flotten und sicheren Technik eine natürliche und liebenswürdige Auffassung und eine echte und gediegene, von allem Gesuchten und Manierierten sich fern haltende Kunst behmbet Bemerkt sei übrigens noch, daß Seine König­liche Hoheit auf diesem Biloe zum erstenmale in einer neuen ungescheitelten Haartracht erscheint- Der Farben­ton des Rahmens ist dem des Bildes angepaßt worden." Unser M. H.-Mitarbeiter hatte so ziemlich das direkte Gegenteil davon gesagt! Möge ein unbefangenes kunst­verständiges Publikum nun seinerseits endgiltig urteilen.

Köln, 4. Febr. Irene T r i e s ch vom Deutschen The­ater in Berlin errang bei ihrem gestrigen ersten Gast­spiel als Martha in SudermannsHeimat" einen Erfolg, wie ihn das Kölner Theater seit langem nicht mehr erlebt hat. Die Künstlerin riß das Auditorium des ausver- tauften Hauses zu einem Beifallssturm hin, der mit jedem Alte sich steigerte. Am Schluß des Stückes mußte die gefeierte Künstlerm immer und immer wieder vor den Rampen erscheinen.

Die Orientalistische Lttteratur-Zeitung schreibt: Wie von Konstantinopel gemeldet wird, wurde angeblich südlich von Membig bei Aleppo eine unterirdische Stadt entdeckt. Ein mit Skulpturen geschmücktes Thor führe zu Straßen, die von Steingebäuden eingefaßt seien; auch Brücken feien zu beobachten.