Ausgabe 
4.12.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. L85

Erscheint täglich außer SomuagL. fitem (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen kandwirt die Siebener Zamilien- blätler viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl 'ichen Univers.-Biich- u.Stein- druckeret lPletsch Erbens Redaktion, Lrvedinon und Druckerei:

Schulprabe 7.

Ddresle für Depeschen: Anzeiger «letzen.

FkrniprechonslbluhAr.bl.

Erstes Blntt.

152. Jahrgang

Donnerstag 4. Dezember 1908

GietzeiierAnzeiger

General-Anzeiger v '*e7

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen rapmiLinimwj.MmaMmiMMim .............. MM»WMWMWWW»WMW»WW

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monatlich 7bPs., viertel» jährlich All. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausjchl. Bestellg. Annahme von Anzeiger» für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenvreis: lokal I2Ps^ auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den volit. u. allgem. Teil I.D.: Fr. Haünemann; für,Stadt u. Land* und .Gerichtssaal*: Curt Plato; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Z)ie nturn türkischen Reformen.

Die amtlich in Konstantinopel veröffentlichten Maß­regeln zur Verbesserung der Administration der europäischen Provinzen in der Türkei besagen: Tie Gendarmerie wird au- Mohammedanern und Christen besteben. Ausgediente Soldaen wertden vor anderen Mohammedanern bevorzugt. Tie Enthebung und Ersetzung von Gendarmerievffizieren und Polizeivommissaren erfolgt mit Zustimmung der Walis. Zu Polizei komm issaren und Agenten werden Mohammedaner und Christen ernannt, welche lesen und schreiben können. Tie Dali- haben die Fortschritte der Landwirtschaft, der öffentlichen Bauten und der Industrie zu überwachen. Tie Tirektoren der öffentlichen Bauten werden neuernannt und den Dali- zugeteilt. Tas System der Zwangsarbeit für den Straßenbau verbleibt unverändert. 5 Proz. der Vilajctein- nahmen werden den öffentlichen Bauten gewidmet. Ort­schaften über 50 Hauser erhalten eine Volksschule. Tie Lchulenzahl jedes Distrikts wird vermehrt. In den Haupt­orten der Sandschaks und VilajetS werden Borbereitungs­schulen errichtet. Zwei Drittel der für den Unterricht ver­wendbaren Gelder werden in den VilajetS verwendet, ein Trittcl zu höheren Schulen in Konstantinopel. Wo Aemter der Direktoren des Unterricht? und der Landwirtschaft noch nicht bestehen, werden solche errichtet. Für die Direktoren der von VilajetS abhängigen Distrikte werden Raimakamate errichtet. Tie Direktoren und Dragvmans für das Aus­wärtige müssen das internationale Recht der Vertrage und Anderes auf das Ressort deS Auswärtigen Bezügliche kennen. Die WaliS sorgen dafür, daß die ernannten Be­amten tiichtig sind. Tie Auswahl der Wutessarifs (Ge- 'hilfen des WaliS) und der General-Inspektoren der Vilajete durch die Wahlkommission für Civilbehörden erfolgt mit Zustimmung der WaliS. Gerichtstribunale werden nach dem Lrganisationsgesetz überall errichtet. Das jetzige Prinzip litt die Auswahl der Gerichtsbeamten wird aufgegeben. Künftig erfolgt die Ernennung durch den Justiz-Minister, in gleichem Verhältnis Mohammedaner und Christen. Appro- Wkerte Rechtsschüler. welche dem Iustizwes-n dienen, werden Levorzugt. Tie Distrikte erhalten die gleichen Tribunale mit Civil- und Strafsachensektion, wie die Sandschaks. Tribunale wirken unabhängig und unbeeinftußt, wie gesetz- Eid) Vvrgeschrieben. Zuwiderhandelnde zeigt der Mali und der neuernannte General-Inspektor sofort dem Iustiz- rninister an. welcher sie suspendiert oder enthebt, die Unter- , ichung einleitet und mit der Durchführung der Maßregeln die Walis betraut. Ter neuernannte General-Inspektor, welchem Civil- und Militärbeamte zugeteilt werden, wird Zemtftragt, die Durchführung der Maßreaeln zu kontrol- Hieren. die Walis und die Pforte von den nicht durchgeführ- tim Maßregeln zu benachrichtigen, die Verwaltung und den Finanzdienst zu insvizieren, Verbesserungen vorzuschlagen, mit den Walis die Enthebung und Ersetzung von Beamten M beraten, Beamte zur Untersuchung zu ziehen und die Vachfolger der durch die Jrade ernannten Beamten der Dforte zu unterbreiten, dagegen wird der neuernannte Prä­sident und die aus drei Mitgliedern bestehende Kommission feie Berichte der Walis und der General-Inspektoren an teie Pforte studieren, mit den Dali« und General-Inspek- ttren korrespondieren und die Beschlüsse unverzüglich dem Großve^ir unterbreiten.

Volttische Tagesschau.

Ein Handschreiben des Kaisers.

TerReichsanz." meldet: Der Kaiser richtete an dem Ctaatsminister von Maßbach aus Anlaß des 80. Geburtstages demselben folgendes Handschreiben:Mein lieber Staatsminister von Maßbach: Ich habe mit Freuden rnrnomrnen, daß eS Ihnen durch Gottes Gnaden vergönnt ift, am heutigen Tage Ihr 80. Lebensjahr zu vollenden. Ich kann mir nicht versagen, Ihnen aus diesem Anlasse meine wärmsten Glück- und Segenswünsche anszusprech-n. Möge die Erinnerung an die hervorragenden Dienste, welche Sie in Ihrem arbeits- und segensreichen Leben bo?r Krone und dem Vaterlande geleistet haben, Ihren Dbensabend verschönern und das Bewußtsein Sie erfreuen, daß Ihrer stets in Dankbark"it gedenkt Ihr wohlgeneigter Mnig Wilhelm. Neudeck, 29. Nov. 1902."

Zur parlamentarischen Lage.

Bei den Mehrheitsparteien des Reichstages' beschäftigt man sich jetzt mit der Absicht, die zweite und dritte Bc- nctung des Zolltarifes baldmöglick'rst unter Innehaltung biic geschäftsordnungsmäßigen Fristen auf einander folgen zn lassen, sodaß bte Hoffnung gehegt wird, den ganzen Dlltarif bis Weihnachten in Sicherheit bringen zu löinnen. Bis zum Samstag gedenkt man die zweite Be­ugung sich ausdehnen zu lassen, dann die zweite Be- lotfung mit der Endabstimmung über den Antrag Kardorff zn schließen und am Dienstag die dritte Beratung des Dlltarif-Gesetzes mit dem eingefügten Anträge Kardorff beginnen zu lasten. Die Vlättermeldung, daß Präsident N:af Dallestrem mit den Führern seiner Partei ernste Mseinandersekungen gehabt habe, sind nach besten Jn- sirrmationen falsch; in dieser Hinsicht sollen nicht die jgringsten Dijfwenzen herrschen. Die Erholungsreise nach iam Süd-n gedenke Graf Balleftrem im Frühjahr anzu- mten. Bis dahin wolle er die Präsidialgeschäfte fort» Dhren und sich nur mehr Schonung als bisher, gönnen.

Bei der Abstimmung über die Zulässigkeit des Antrages Jhcrborff im Reichstage haben am Dienstag, wie dieNat.- grg." sestoestcllt, von den 53 nationalliberalen Mgeord- nslen 39 für die Zulässigkeit, 6 dagegen gestimmt und 8 haben sich der Abstimmung enthalten. Gegen die Zu- Usigkeit stimmten die Abgeordneten Büsing, Prinz Schön-

aich-Carolath, Tr. Esche, Hilbck, Quentin und Dr. Semmler. Bemerkenswert ist noch die Stimmenthaltung der beiden Präsidenten, deS Grafen Ballestrem und des Grafen Stol- oerg. Ebenso enthielten sich der Abstimmung die 9Eb- geordneten Prinz Hohenlohe Schillingsfürst (fraktionslos) und von Strombeck (Zentrum).

wer sich ihm widersetzte, endete, wie der Marquis von Gang- MarS, auf dem Schaffst. Im Innern hat er fortgefahren, Heinrichs IV. Bahnen im Kampfe für die Staatseinheit mit größerer Härte weiterzuwandeln. Daß dadurch Richelieu das Ziel vielfacher Mordanschläge wurde, ist leicht denkbar.

Ausstellung für Arbeiter-Wohlsahrt.

TieBerliner Korrespondenz" meldet: Unter dem Vor- sitz des Staatssekretärs Grasen Posadowsky fand gestern im Ausstellungsgebäude der im kommenden Frühjahr zu eröffnenden Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt eine Sitzung des für die Ausstellung gebildeten Beirats statt. Gra PosadowSkß legte die Aufgaben dar, deren Förderung das Reich durch die Schaffung des neuen Instituts beabsichtige. Tie Ausstellung solle vor allem auf dem Gebiete der Unfall­verhütung in den beteiligten Kreisen der Arbeitgeber, Ar­beiter, Ingenieure und anderer Sachkenner anregend und belehrend wirken und so zur Vertiefung der auf diesem Gebiete hervortretenden Fragen beitragen. Bleibenden Wert könne die Ausstellung behalten, wenn sie dem Be­schauer in ununterbrochenem Wechsel stets die neuesten Er­findungen zur Verhütung von Unfällen vvrführe und die Gelegenheit biete, die Wirkungen der ausgestellten Schutz­einrichtungen während des Betriebs der gefährdenden Ma­schinen zu beobachten. Tie Aufgaben deS Instituts sollen aber auch die Aufgaben der Gewerbehvgiene mit umfassen. Solle die Ausstellung möglichst ein vollständiges und leben­diges Bild der technischen Bestrebungen und Erfolge im Bereiche der Arbeiterwohlfahrt darbieten und auf die öffent­liche Besprechung aller auf diesem Gebiete hervortretenden Fragen fortgesetzt anregend und befruchtend wirken, so be­dürfe es vor allem der ständigen und einmütigen Mit­wirkung aller beteiligten Kreise, der Erfinder, Auffichts- beamten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Jede Partei­stellung müsse geaenüber den rein Humanitären Aufgaben des Instituts verschwinden.

Die Räumung Shanghais.

In London wurde gestern eine amtliche Korrespondenz über die Räumung Shanghais veröffentlicht. In Beant­wortung einer Anfrage der chinesischen Regierung teilt die englische Regierung mit, fie sei bereit, Shanghai zu räumen, wenn die ftanzösischen, deutschen und japanischen Truppen auch zurückgezogen würden. Frankreich, Deutsch­land, Japan willigten in die Zurückziehung ein, behielten sich aber das Recht vor, Shanghai wieder zu besetzen, wenn eine andere Macht dies thue. Die deutsche Re­gierung fügte noch die besondere Bedingung hinzu, daß die Regierung in Peking und die Panatse-Vizekönige sich verpfiichteten, keiner Macht irgendwelche besondere Vorteile militärischer, maritimer oder ökonomischer Art zu gewahren, auch nicht zu gestatten, daß eine Macht irgend welche, den Fluß beherrschende Punkte unterhalb ober oberhalb Shanghais besetze. Die Regierung widersetzte sich diesen Bedingungen nickt, weil es ihr nicht darum zu thun war, das Prinzip der offenen Thür und Chinas Souveräne- tat zu bewahren, sondern weil sie keinen Grund sah, warum die Räumung Shanghais Anlaß geben sollte zu einer neuen Betonung jener anerkannten Prinzipien oder toarum ein Verzicht ausgesprochen werden sollte, der, wenn er überhaupt eine Bedeutung habe, besonders gegen Eng­land gerichtet scheine. Prinz Tsching behauptete, er habe gamichts von den deutschen Bedingungen gehört. Sir Ernest Satow telegraphierte aber an Lord Lansdowne, die chinesische Regierung habe die deutschen Bedingungen an­genommen. Die englische Regierung teilte dann Prinz Tsching mit, sein Verhalten sei sehr übel ausgenommen worden. Infolge seiner Doppelzüngigkeit sei England ge­zwungen, seinen Standpunkt zu ändern und könne nun keinerlei Versprechungen der französischen Regierung oder der Vizekönige an erlernten, durch welche Englands Aktions­fähigkeit bei Aufrechterhaltung der Ordnung und des Schutzes der britischen Interessen im Pangtsegebiet be­schrankt wurde. Tie deutsche Regierung erhielt eine ähnlich lautende Mitteilung. In der letzteren, vom 16. November datierten Depesche erklärte Lord Lansdowne, es würden für die Zurückziehung der britischen Truppen Vorkehrungen getroffen werden.

Sturm in der belgischen Kammer.

In der gestrigen Kammersitzung in Brüffel kam es über die Lex Woeste zu sehr lebhaften Szenen zwischen den Sozialisten und dem Präsidenten und der Rechten. Als der Präsident die Sitzung geheim erklären wollte, weil Temblon sich anschickte, obscöne Stellen aus der Bibel und den Schriften der Heiligen zu verlesen, protestierte die gesamte Linke gegen dieses von Pfaffenfurcht ein- gegebene präzedenzlose Vorgehen. Schließlich willigte der Präsident ein, daß sein Vorschlag erst morgen in geheimer Sitzung beraten werden soll. Temblon erklärte zum Schluß Ihr, die Totschießer von Loewen, sollt mich nicht als Paria behandeln. Ihr erklärt mir den Krieg. Ich nehme ihn an. Allen Präsidenten zum Trotz werde ich morgen aus dem heiligen Alphons von Signori vorlesen."

Aus HiM und Land.

Gießen, den 4. Dezember 1902.

Gedenket der hungernden Vögel!

* Gedenktage. Vor 260 Jahren, am 4. Dezember 1642, starb der größte Staatsmann des alten Frankreichs Jean du Richelieu. Im AuSwättigen war er, scharf und geschmeidig, jedes Mittels Meister, von großattiger Kühnheit;

* Unbestellbare Postsendungen. Rach der Sta­tistik der Reichs-Postverwaltung für daS Jahr 1901 haben von den unbestellbaren Briefsendungen 1327 318 Stück (und zwar 295 721 Briefe, 923 533 Postkatten und 108 064 Druck­sachen) den Absendern nicht zuruckgegeben werden können und vernichtet werden müßen. Wie in früheren Jahren, nehmen auch diese? mal die Postkatten wieder den Löwenanteil für sich in Anspruch; auf 1 Million aufgefieferte Postkatten ent­fallen durchschnittlich 990 unanbttngliche. Von den dem Feuettode veffallenen Postkatten haben allein 692 650 (b. t 75 0/e) lediglich deshalb nicht angebracht werden können, weil der Absender sich auf der Sendung gar nicht, oder bloS mit dem Vornamen genannt hatte. Dem Publikum empfehlen wir daher im eigenen Interesse immer wieder, in den Briefen und auf den Postkatten stets den vollen Namen und die Wohnung deS Absenders, fei es handschriftlich, sei eS durch Albdruck eines Stempels, anzugeben, damit ihm, falls der Empfänger nicht ermittelt wird, die Sendung zurückgegeben werden kann.

** gr. Friedberg, 3. Dez. Gestern vormittag 10 Uhr erbrach und leerte ein hiesiger 19jähriger Bursche die Kaffe drS Bäckermeisters Rosenschon, welche zwischen 30 und 40 Mk. enthielt. Zufällig sah die Milchfrau vom HauSgang auS, daß sich ein ihr Unbekannter an der Ladenkaffe zu schaffen machte. Der rasch herbeigerufene Meister konnte den Dieb noch erwischen und der Polizei übergeben. Man vermutet, daß der Verhaftete am SamStag die 8 Sammelbüchsen in hiesigen Wirtschaften mit ca. 100 Mk. Inhalt gestohlen hat. Der Bursche hat hier schon mehrere Diebstähle verübt. Heinrich Sang III. und seine Ehefrau feierten dieser Tage das Fest der goldenen Hochzeit. Das MatHilden- ftift (Spattaffe) Friedberg-Butzbach wird am 11. Dezember im RathauSfaal eine Generalversammlung abhalten. Außer der Rechnungsablage, dem Voranschlag und der Vorstands­wahl steht die Erwerbung eines Bauplatzes für den Neubau des Sparkassengebäudes zu Butzbach auf der Tages­ordnung.

ps. Grün berg, 3. Dez. Die der Zweiten Kammer vorliegende Drucksache Nr. 12 enthält den Protest gegen die Wahlmännerwahl in Atzenhain, Groß-Eichen, Merlau und Weickartshain. Als Begründurrg des Protestes ist angeführt: 1. bei Atzenhain:Einige Tage vor der Wahl der Wahlmänner hat der Wahlmann Heinrich Zulauf in Atzenhain einige Faß Bier und mehrere Liter Branntwein in verschiedenen Wirtschaften an seine Wähler verabfolgen lassen mit der offen erkermbaren imb auch er­reichten Absicht, die Wähler für sich günstig zu beeinfluffen. Auch am Wahltage selbst, während der Wahlstunden und vorher, hat der genannte Wahlmann in der Wirtschaft von I. W. Reichel Speisen und Gettänke gespendet, sodaß mehrere Angetrunkene gab." Daß der Wahlmann Zulauf selbst Drohungen zur Beeinffussung gebrauchte, wird be­wiesen durch: . . . (folgen Namen). Nur durch diese syste­matische Beeinffussung der Wähler konnte das Resultat in Atzenhain erzielt werden. 2. bei Groß-Eichen: In diesem Orte hat der für Otto Hirschel thätige Agitator Thomas Reuther ans Offenbach gelegentlich einer Wahl­versammlung Gettänke zum Besten gegeben, mit der bereits bei Atzenhain bezeichneten Absicht: 3. bei Merlau: Der Vorsitzende der Wahlkommission, Bürgermeister Magel, hat nach Ablauf der festgesetzten Wahlstunden die rwch an­wesenden Wähler aus dem Wahllokal gewiesen, bevor bad Resultat der Wahl festgestellt war und auf dieser Aus­weisung bestanden, trotzdem von den Anwesenden dagegen sofort Protest eingelegt wurde, fcerr Thomas Reuther au8 Offenbach hat in der Gastwirtschaft von Schlosser in Merlau gelegentlich bezw. nach einer WahlversammluTrg, aber vor der Wahlmännerwahl, durch Verabreichung von Gettänken an die Wähler Stimmung für Hirschel gemacht; 4. bei Weickartshain: Bei der Wahl des WahlmannS für Weickartshain und Stockhausen hat fich der Lehrer Knöpper in Weickartshain erlaubt, am Wahltage während der Wahl, vor dem Wahllokale, den einzelnen Wählern, in welchen er geeignete Objekte für seinen Thatendrang vermutete, die Sttmmzettel zu vertauschen, und zwar solche von dem Wahlmann Knöß ffür Herrn Moll) in solche für den Wahl- manu ioirsckels. Am Abend vor der Wahlmännerwahl be­arbeiteten Lehrer Knöpper und der Wahlmann Schneider Tröller (für Hirschel) den er*ft vor einigen Monaten ge­wählten Bürgermeister Knöß (Wahlmann für Moll) in einer Weise, daß er sich veranlaßt fühlte, einigen feiner Wähler am Morgen der Wahl zuzurufen: ,^ZHr braucht nicht zur Wahl zu kommen, ich neunte dieselbe nicht an!" Den von der Arbeit zur Wahl heimkehrenden Bergwerks-Arbeitern wurde von der Partei des Wahlmanns Tröller (für Hir- Hrn Branntwein in einem Kruge und Sttmmrettel für Böller entgegen getragen. Aus Grund der vorstehenden An­gaben wird ersucht, die Wahl des Abg. Hirschel für un­giftig zu erklären.

o. Laubach, 3. Dez. An der im Bau befindlichen neuen Bahnstrecke LaubachMücke logen, wie un§ ge- cf)rieben wird, die Hauptgeländeschwierigkeiten zwischen hier und dem etwa 6 Klm. entfernten Freienseen, wo ein Basalt- rfiefen, der Kaff, zu durchstechen war. Ein tiefer Einschnitt und ein Tunnel mußten hergestellt werden. Von Freienseen