ttiflnfdjen, daß dieser Zeitpunkt möglichst bald etntteten möge. (Bei- fall bei der Mehrheit.)
Hierauf referirt
Berichterstatter Abg. Gamp (Rp.) über die Positionen 23—43 (Kartoffeln, Futterrüben, Cichorien, Tabakblätter, Hopfen, Hopfenmehl, üuchengewächse und sammtliche Pflanzengewächse der Zier- gärtnerei.j Das Referat dauert 15 Minuten.
Abg. Stolle (Soz.) beanttagt, die Posittonen 23—43 zur schriftlichen Berichterstattung an die Kommission zurückzuverweisen.
Abg. v. Matborff sRp.) beantragt Uebergang zur Tagesordnung über den Anttag Stolle.
Für Uebergang zur Tagesordnung spricht
Abg. Dr. Arendt sRp): Die Opposition will nur Zeit gewinnen. Deshalb beantrage ich, über diesen sowie jeden ähnlichen künftigen Anttag den Uebergang zur Tagesordnung.
Abg. Bebel sSoz.) spricht gegen Uebergang zur Tagesordnung. Ob wir später ähnliche Anttäge stellen werden, hängt von den Berichten ab, die wir hören. Das Referat des Kollegen Gamp war unvollständig und ungenau, er hat nicht mal die Gründe angegeben, die die Kommission bewogen haben, über die Sätze der Regierungsvorlage hinauszugehen. Die Mehrheit will keine Spezialberakhung des Tarifs; um so berechtigter ist unser Verlangen, ausführliche Berichte zu bekommen, damit auch das Volk erfährt, was in der Kommission borgegangen ist. Ueber Positionen, deren Berarhung in der Kommission mehrere Tage eingenommen hat, wird hier in wenigen Minuten referirt. Es handelt sich um Lebensfragen für ganze Schichten der Bevölkerung, und darüber soll so kurzer Hand entschieden werden? Das lann ich nicht anders als mit Gewissenlosigkeit bezeichnen. (Sehr richtig I links, Unruhe rechts.) Auch von den Aeußerungen der Regierungsvertreter in der Kommission hat Herr v. Kardorff kein Wort erwähnt. So wenig ich das Verhalten der Regierung gegenüber dem Antrag Kardorff billigen kann, so muß ich doch sagen, daß sie sich in der Kommission taktvoll benommen und auf alle Fragen geantwortet hat. Aber warum theilt sie uns nicht mit, aus welchen Gründen sie sich mit dem Anttag Kardorff einverstanden erklärt hat? DaS können wir von der Regierung verlangen. Die Ausführungen des Grafen Posadowsky waren durchaus unpassend, denn die verbündeten Regierungen haben gerade durch ihre Zustimmung zu dem Anttag Kardorff die endlosen Geschäftsordnungsdebatten hervorgerufen. (Beifall links.)
Vicepräsident Graf Stolberg: Der Ausdruck „unpassend" ist durchaus unzulässig. Da er gegen ein Mitglied der verbündeten Regierungen gerichtet ist (Nanul links), so rufe ich den Abg. Bebel zur Ordnung. (Rufe bei den Sozialdemokraten: Da hört doch Alles auf!)
Der Antrag, über den Anttag Stolle auf Zurückverweisung cm die Kommission zur Tagesordnung überzugehen, wird in namentlicher Abstimmung mit 303 gegen 72 Stimmen angenommen. — Während der Einsammlung der Sttmmzettel hat Graf Balle st rem wieder das Präsidium übernommen.
Ueber die nächsten Positionen 44—59 (Obst, Südfrüchte) berichtet
Referent Dr. Blankenhorn. Das Referat erstteckt sich auf die an den einzelnen Posittonen in der Kommission gestellten Anttäge, Deren Begründung und Schicksal. Der Referent spricht etwas über eine halbe Stunde.
Abg. Haußmann (Böblingen, d. Vpt.) beantragt, die Posi- tton 46 (Aepfel, Birnen, Quitten, Aprikosen, Pfirsiche) an die Kommission behufs schriftlicher Berichterstattung zurückzuverweisen.
Abg. Bassermann (nat.-lib.) beanttagt Uebergang zur Tagesordnung über den Anttag Haußmann. Das Referat sei so ausführlich gewesen, daß Jeder damit zufrieden sein könne.
Abg. Haußmann (d, Vpt.) spricht gegen Uebergang zur Tages
ordnung. Durch den KornmiffionSbeschluß öffne man während einer gewissen Jahreszett einer wilden Spekulation Thür und Thor. (Die Kommission hat bekanntlich beschlossen, daß frische unverpackte Aepfel, Birnen und Quitten vom 25. September bis 25. November zollfrei sind, vom 26. November bis 24. September einen Zoll von 2,50 Mk. tragen sollen.) Redner erörtert weiter die Frage, ob e5 nicht möglich sei, im Anschluß an jedes Referat in eine sachliche Prüfung der Einzelttagen einzutteten. Das Verfahren naefi dem Anttag Kardorff mache leider eine sachliche Behandlung unmöglich, aber vielleicht lasse sich die Mehrheit durch die Erklärung des Grafen Posadowsky bewegen, eine sachliche Behandlung zuzulassen. Der Streich vom 2. Dezember habe die schwersten wirthschaftlichen Schädigungen für weite Kreise zur Folge.
Nach dieser Rede zieht Abg. Haußmann seinen Antrag zurück. Dadurch ist der Anttag Bassermann hinfällig geworden.
DaS nächste Referat erstattet
Abg. Dr. Müller-Meiningen (freif. Vpt.) über die Posittonen 60—72: Kaffee, Kaffeeschalen, Kaffeeersatzstoffe, z. B. Cichorie u. s. w., Kakao, Kakaoschalen, Thee, Gewürze, Lufa, isländisches Moos u. s. w., Stuhlrohr, Bambus, Nüsse und Schalen, die als Schnitzstoff Verwendung finden, Beeren, sowie Blätter und Sämereien zum Gewerbegebrauch, die anderweit nicht genannt sind, Chinarinde und andere Pflanzentheile zum Heilgebrauch, ferner Pflanzenwachs und anderes. — Redner weist u. A. darauf hin, daß man insbesondere den Kaffeezoll in der Kommission als einen Finanzzoll bezeichnet und dessen Beseitigung oder wesentliche Herabsetzung gefordert habe. Es sei jedoch die Aufrechterhaltung und bezüglich deS gebrannten Kaffees sogar eine Erhöhung von 50 auf 60 Mk. pro Doppelcentner beschlossen worden, nachdem ausgeführt war, daß die Rücksicht auf die Finanzlage des Reichs den Kaffeezoll unentbehrlich mache. — Hingegen habe man den Theezoll von 100 auf 25 Mk. herabgesetzt. Tie finanziellen Bedenken hiergegen wurden durch den Hinweis überwunden, daß der Theeverbrauch im Falle einer Verbilligung des TheeS durch Zollherabsetzung gewaltig gesteigert und der Zollausfall auf diesem Wege wieder ausgeglichen werden könne.
Nunmehr erstattet
Abg. Gamp (Reichsp.) Bericht über die Positionen 73—98: Holz, Farbholz, Ouebrachoholz, Eicheln, Terpentin, Kautschuck, Kam- pher und andere Erzeugnisse der Forstwirthschaft. Die stärkste Erhöhung hat der Quebrachozoll erfahren. Nach dem besonderen Tarif ist Quebracho, ausgenommen in zerkleinertem Zustande, zollfrei, die Regierungsvorlage sieht einen Zoll von 1 Mk. vor, die Kommission einen solchen von 7 Mk. Redner verwahrt sich zum Schluß gegen einen Vorwurf deS Abg. Bebel, daß er seine Pflichten als Abgeordneter nicht gewissenhaft genug erfüllt habe.
Abg. Wurm (Soz.) beantragt, die Positionen 91—93 (Gerbstoffe) an die Kommission zurückzuverweisen.
Abg. Gamp (Rp.): Ich stelle dem Abg. Wurm gern das Protokoll aus der Kommission zur Verfügung. Er wird sehen, daß ich noch mehr gesprochen habe, als in diesem Aktenstück enthalten ist. (Heiterkeit.)
Abg. Dr. Arendt (Rp.) stellt den Anttag auf Uebergang zur Tagesordnung über den Antrag Wurm, zieht ihn aber sofort wieder zurück.
Abg. Wurm (Soz.) begründet nunmehr seinen Anttag. Die Regierung selber habe ja betont, daß mit solchen Zollsätzen auf Gerbrinden Handelsverträge überhaupt nicht zu Stande kommen können. (Am BundeSrathStisch hat sich inzwischen auch Handelsminister Möller niedergelasien.) Redner beruft sich in seiner Beweisführung auch auf Aeußerungen deS früheren Abgeordneten, jetzigen Ministers Möller. Um über so wichtige Positionen in angemessener Weise referiren zu können, müsse man eben dabei gewesen
sein. (Abg. Gamp: Ich bin dabei gewesen.) Nm so schlimmer für Sie. Herr Gamp (Heiterkeit). AuS Ihrem Bericht hat man da- nicht bemerk. Eine einzige Fabrik in HudeShcim würde nach dem Quebrachozoll der Vorlage schon 40 000 Mk., nach dem KomB missionsbeschluß gar 280 000 Mk. zu bezahlen haben. Die soll eine Jndusrrie das aushallen? Auch die blühende deutsche Quebracho- exttakrindusrrie wird durch den Zoll ruinirt. Ueber eine Industrie, die eine solche Wicbngkeit hat, wo Hunderttausende von Existenzen in Frage kommen, wollen Sie so sans fa;oB ohne Berathung zur Tagesordnung übergehen?
Abg. Dr. Müllet-Sagan (freif. Vp.) beantragt, die Posittonen 91—93 und 381 (Gerbstoffexttakte) an die Kommission zuruckzuver- weisen.
Abg. Sachse (Soz.) beanttagt gleichfalls bie Rückverweisung der Position 381.
Abg. Dr. Arendt sRp.) beantragt, über diese Anttäge auf Ruck- Verweisung zur einfachen Tagesordnung überzugehen, und begründet in kurzen Worten seinen Antrag mit dem Bemerken, daß Abg. Gamp so ausgezeichnet referirt habe, daß man ihn durch Ablehnung der Rückverweisung ehren müsse. (Heitcrkett.)
Abg. Bock (Soz.) spricht gegen den Anttag Arendt. Er wird wiederholt vom Bicepräsidenten Büsing ermahnt, nicht abzuschweifen. Er beruft sich u. A. darauf, daß die deutschen fieber» industriellen in ihrer Versammlung im Kaiserhof einen solchen Zoll für direkt unsinnig erklärt haben.
Vicepräsidcnt Büsing theilt mit, daß Abg. Dr. Müller-Sagcm seinen Antrag zurückgezogen habe.
Darauf geht das HauS in namentlicher Abstimmung übet den Anttag Sachse mit 231 gegen 79 Stimmen zur Tagesordnung über.
Ueber die Positionen 99—123 (Vieh und Fleisch, Fische, Federvieh, Kaviar, Seemuscheln, Schildttöten und Krebse), soweit sie nicht schon in ben Minimalzöllen deS § 1 angenommen sind, berichtet
Referent Abg. Herold (Ctt.) in viertelstündiger Rede.
Abg. Molkenbuhr (Soz.) beantragt, die Positionen 106 (Federvieh), 109 (Haarwild), HO (Federwild), 114 (gesalzene Heringe), 116 (Kaviar) und 121 (Seekrebse, Hummern) behufs schriftlicher Berichterstattung an die Kommission zurückzuverweisen.
Abg. Dr. Spahn (Ctt.) beantragt, über den Anttag Molken- buhr zur Tagesordnung überzugehen. Redner empfiehlt kurz seinen Anttag.
Abg. Molkenbuhr (Soz.) spricht gegen Uebergang zur Tagesordnung. Der Abg. Bachem habe bekanntlich vor einiger Zeit gesagt, die Sozialdemokraten hätten in der Kommission Zollfreiheit für Kaviar beantragt. DaS sei nicht der Fall; im Gegenthell, der Abgeordnete Stadthagen hätte sogar einen höheren Zoll befürwortet. lAbg. Stadthagen ruft: Sehr wahr!) Vor Allem aber sei eS nöthig, Die Frage deS HeringSzollS nochmals in der Kommission zu erörtern, denn über die Bedeutung dieses Zolles seien ganz falsche Anschauungen verbreitet. Die Belastung deS kleinen ManneS durch den Heringszoll sei viel größer als man gewöhnlich annehme.
Vicepräsident Biistng ersucht den Redner, nicht zu eingehend über den Heringszoll zu reden.
Abg. Molkenbuhr (Soz.) schließt mit der Ditte, seinen Antrag anzunehmen, damit sich nicht Legenden bilden, die die Mehrheit veranlassen könnten, für die Kommissionsvorschläge zu frimmen.
«wird der Uebergang zur Tagesordnung ittag Molkenbuhr in namentlicher Abstimmung mit 222 gegen 73 Stimmen beschlossen.
Abg. Dr. Müller-Sagan (freif. Vkp.) referirt sodann über die Positionen 124—141 (Thierische Fette, Milch, Butter, Eier, Honig).
(Schluß folgt.)
Aus Stadl und Sand.
Die Gewerbeschule plant in nächster Zeit den Bau eines neuen Schulgebäudes, da das seitherige ain Asterweg in keiner Beziehung mehr genügt. Ein gütiger Spender, der nicht genannt sein will, hat bereits 10 000 Mk. dazu geschenkt. Der Andrang von Schülern in die Gewerbeschule und in die Handwerker-Sonntagszeichenschule wird ein immer stärkerer.
N. Ortenberg, 2. Dez. Heute sand hier im Gast- hause zur Post die Generalkonferenz der Lehrer des Kreises Büdingen unter dem Vorsitze des Kreisrats Bocckmann und in Beisein des Kreisschulinspektors Schulrat Buß und des Landtagsabgeordneten Erck statt. Kreisrat Boeckmann stellte sich heute den Lehrern des Kreises zum ersten Mal vor und erklärte, daß er die Schule als eine Anstalt ansehe, von der viel Segen ausgehe und von der das Wohl und Gedeihen des Volkes abhänge, daß er auch ein warmes Herz für die Lehrer habe und daß sich dieselben in allen Fragen vertrauensvoll an ihn wenden können. Schulrat Buß gab nun eine statistische Uebersicht über das Schulwesen des Kreises. Es sei hier nur daraus erwähnt, daß sich im Kreise 71 Schulen mit 110 Schulklassen behoben, wozu die entsprechende Anzahl von Lehrern vorhanden ist. Die Schülerzahl beträgt 6448, 117 mehr als im Vorjahr. Auf einen Lehrer kommen durchschnittlich 59 Schüler. Es wurde hiernach in die eigentliche Tagesordnung eingetreten, auf der sich als erstes Thema befand „Was verbürgt der Schularbeit des Lehrers einen guten Erfolg?" Referent Lehrer Eberle-Michelau löste ferne Aufgabe in klarer, ansprechender und treffender Weise. Das zweite Thenia der Tagesordnung behandelte „Wie soll der Zeichenunterricht nach den Forderungen der Gegenwart gestaltet werden?" Auch dieser Referent entledigte sich seiner Aufgabe in recht zufriedenstellender Weise. Stach kurzer Debatte schloß der Vorsitzende mit warmen Worten des Tankes für die Referenten die Versammlung. Die Teilnehmer vereinigten sich vollzählig zur gemeinsamen Mittagstafel. KreiSrat Boeckmann brachte hierbei cm Hoch auf S. K. H. den Großherzog aus, in welches die Versainnilung begeistert einstimmte.
Darmstadt, 2. Dez. Heute nachmittag um 3 Uhr wurde die sterbliche Hülle des Pfarrers Grein auf unserem Friedhof zur letzten Ruhe beigesetzt. Eine für hiesige Verhältnisse ganz ungewöhnlich große Zahl von Leidtragenden gab ihm das Geleite, voran die Konfirmanden und die Geistlichkeit deS Dekanats Darmstadt in Amtstracht, dann hinter dem mit Blumen bedeckten Wagen zunächst die Vertreter von Gießen: der Kirchenvorstand der Markusgemeinde, die vier Pfarrer mit dem T<kan des Dekanates Gießen, der Bürgermeister der Stadt Gießen, Kommerzienrat Georgi, eine Deputation des Gießener Regiments unter Fichrung des Mazors v. Schlemmer, die Professoren Gey. Rat D. Kattenbusch, D. T r e w s und Dr. Sauer, und eine Abordnung des evangelischen Arbeitervereins mit der Fahne des Vereins, deren Beschaffung gelegenN es VerbandsfesteS des mittelrheini-
schen Serbe.::. . c >. .sivrbenen noch eine so besonders große Frei. i Der Zug bewegte sich von dem
in der S. gucgcncn Psaerhause, in dem die
Leiche ausgebahrt gewesen war, nach einer ergreifenden Feier, die dort der Onkel des Heimgegangenen, Delon Stamm von Stockstadt, im engeren Kreise der Familie und Freunde gehalten hatte, durch die Mexanderstraße, am Schloß und der Stadtkirche vorüber, unter dem Geläute der Glocken nach dem Friedhof. Leider war das Wetter sehr ungünstig. Es regnete in Strömen. Trotzdem batte sich doch eine geradezu unabsehbare Menge von Leidtragenden eingefunden, die sich am Portal dem Zuge anschloisen. Ob sich ein Vertreter des Großherzogs darunter befand, wie man nach den freundschaftlichen Beziehungen, in denen Grein in den Jugendjahren zu dem Großherzog gestanden, allgemein erwartete, konnte bei der Menge der unter ihren Schirmen sich drängenden Menschen nicht festgestellt werden. Tie Leiche wurde auf dem Erbbegräbnis der Familie Grein an der Seite der Heimgegangenen Eltern bestattet. Es waren überaus warme, fein empfundene Worte, die dort Herr Superintendent D. Flo er in g auf Grund von Joh. 5,35 zum Gedächtnis des Frühvollendeten sprach Er hob mit Recht vor allem das Sonnige in seinem Wesen und, Leben hervor, seine feine Liebenswürdigkeit, seine jugendfrische begeisterte Art, die ihm aller Herzen rasch gewonnen habe, und gab dem herben Schmerz über feinen jähen Verlust einen beweglichen Ausdruck. Wsdann wurden eine Reche von Kränzen am Grabe niedergelegt, von Pfarrer Veite im Namen des Darmstädter Kirchenvorstandes, der Geistlichk.it, der Helferinnen des Kindergottesdienstes, von Direktor Rausch im Namen der Markusgemeinde und chres Kirchenvorstandes, der er zehn Jahre mit feinen Gaben gedient, und deren dankbare Liebe ihm über das Grab hinausfolge, von Pfarrer Dr. Naumann, als Vertreter des Gefamtürchenvorstandes, der von der großen Liebe, die sich der Heimgegangene bei der gesamten Gemeinde Gießen, bei Hoch und 'Niedrig, erworben habe, und dem tiefen Schmerz über sein Scheiden Zeugnis gab, von Pfarrer Schlosser, als Vertreter des Pfarr- kollegiums, der rühmte, wie Grein ein Amtsbruder von vorbildlicher Lauterkeit, Freundlichkeit und Treue gewesen war und zum Trost auf die wunderbar schönen Worte aus der Weisheit Salomonis Cap. 4, V. 7—14 über den frühen Tod des Gerechten hinwies, von Kommerzienrat Georgi, im Namen der städtischen Verwaltung, von Lackierer I. Ritsert im Namen deS evang. Arbeitervereins, von Dekan Strack im Namen der Geistlichen des Dekanates Gicpen, von einem Vertreter des akademischen Vereins „Kloster", zu dessen alten Herren Grein gehörte, und endlich in rührender Weise von einem Konfirmanden. Wohl selten mag einem so jungen Manne eine solche Fülle von Siebe und Dan ko ar keil, eine solche allgemeine un- geheuchclte Trauer und Teilnahme ans Grab gefolgt fein, selten bei derartigen Gelegenheiten, bei denen sich leicht ein gewisser Ueberschwang geltend macht, mag, wie an diesem Grabe, das Gefühl so allgemein gewesen sein, daß kein Wort zu viel gesagt worden war. Wir schieden alle mit dem wehmutigcn Gefühl, daß em in seltenem Maße liebenswerter Men,ch in der Sonnenhöhe des Lebens von uns gegangen sei, und im Herzen klang es: „Fürwahr, du bist ein verborgener Gott."
©rridjlsiuat
R- B. TnnnPabt, 3. Tez. Wohl viele, die heute der Verhandlung oes ct) ro u vgc r i d) t ö beiwohnten, vor dem sich der frühere ■cuar.ahei'-cdmer äranz iaoer Meyer aus Cf;enbadj wegen
Verbrechens im Amte zu verantworten hatte, waren erstaunt, ali der Cbmamt der Geschworenen als den Wahrspruch der Gefchwore- nen das „Nichtjchuldig" verkündete. Die Anklage legte dem Angeklagten zur Last, daß er im Jahre 1901 Gelder, die er für ein« aelöste Coupons vereinnahmt hätte, für sich verwendet hätte. Im ganzen ist die Osienbacher Sparkasse während der Arntsihäug- feit des Angeklagten um zirka 5000 Mk. geschädigt worden. Tu Coupons, deren Quittung im Hauptbuche fehlen, sind bei der Firma Merzbach eingelöst worden. Ter Angeklagte hatte allem die Coupons in Verschluß und er verlegte sich daraus, zu behaupten, daß stets mehrere dabei beschästtgt gewesen seien, die Coupons ab- zuschneiden. Aber nicht nur im März ist eine Unregelmäßigkeit vorgekommen, sondern auch im August ist noch eine solche bei der später folgenden Bücherreoision nachgewiesen worden. Ter Angeklagte ist anfangs Oktober 1901 mit ca. 11 000 Mark nach Amerika geflüchtet, ist wieder zurückgekehrt und dahier im Februar zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der StaaiSan» walt, der das Mono zu dieser Flucht in dem Schuldbewuvtsem des Angeklagten erblickt, plaibierte in einem 1'/,stündigen Vortrag ans eine Verurteilung des Angeklagten. Nachdem wie oben gesagt, die Geschworenen die Schuldfrage verneinten, mußte der Angeklagte freigesprochen werden.
Vermischtes.
• Frankfurt a. O., 2. Dez. Wie die .Frankfurter Oderzeitung" meldet, wurde heute früh in der Apotheke in ArnSwalde infolge einer Explosion im Keller ein Apo- thekerlehrling getötet und der Hausdiener schwer verletzt.
• Bielefeld, 2. Dez. Auf der Kleinbahn Herford- Salzuflen erfolgte gestern nachmittag ein Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge. Zwei Personen wurden schwer verletzt. Ein Wagen ist zertrümmert. Der Schaden »st erheblich.
Nruclle Itlrliuuujfn.
Lriginaldrahtmeldüngen des Gießener Anzeiger.
Berlin, 4. Dez. Der ,£.-91." meldet: Der Dichter HieronimuS Lorm ist gestern in Brünn gestorben.
London, 4. Dez. DaS Unterhaus nahm in dritter Lesung die Unterrichts-Vorlage mtt 288 gegen 134 Stimmen an.
Dladrld, 4. Dez. AuS Barcelona werden Kundgebungen der Studenten gemeldet, die gegen den Rücktritt des Präfekten protestieren. Tie Universität von Barcelona wurde geschlossen.
ihtionnllibrrolrr Ikmn.
deS Herrn Professor Dr. Sie Vers über: „Dcu sche Interessen in Uittel Amerika" Donnerstag den 4. Dezember, abends 8V2 Uhr, im oberen Saale des Cafe Ebel. 8386 Auch Richimitglieder deS Vereins sind willkommen.


