als der General Andr6 vor feinem Gange nach dem Elyfee- Palaste geschworen hatte, er würde eher sein Portefeuille niederlegen, als nachgeben.
Die neue russische Uuiverfitatsoerordmmg.
Ter gegenwärtige Minister der Volks auf klärung, von Sänger, hat ein Rundschreiben an die Kuratoren erlassen, das verschiedene bemerkenswerte Verordnungen enthält unb nicht ohne Einwirkung auf das llniversitätsleben bleiben wird. Tie sogenannte „geheime Charakteristik", welche die Direktoren der verschiedenen Gymnasien über ihre Abitu- rieulen an die Rektoren der Universitäten einschicken sollten, hat in Wegfall zu kommen. Diese Neuerung ist von der Petersburger Presse mit großer Zustimmung begrüßt worden. Weniger gefallen aber dürften diesen Blattern einige andere Verordnungen, welche direkt ihre Spitze gegen die Tumultuanten aus txen Hochschulen richten. In Zukunft sollen nämlich bei der Immatrikulation in erster Linie die Abiturienten der Anstalten berücksichtigt werden, deren frühere Zöglinge sich an den Unruhen der letzten Jahre wenig oder gar nicht beteUigt Haven. Sind diese alle untergebracht, unb ist bann noch Platz auf ben Hochschulen, so können die aus -d.er schwarzen Liste stehenden Anstalten ebenfalls an die Reihe kommen. Aber sehr viel dürfte für sie jedenfalls nicht übrig bleiben. Diejenigen Studenten, welche wegen der Unruhen für die Dauer einer bestimrnten Frist von den Universitäten entfernt worden waren, sollen in keinem Fall vor Ablauf dieses Zeitraumes wieder zum Studium zugelassen werden, und auch dann soll dies nur möglich sein, wenn sie ein Zeugnis über gute Führung während der Zwischenzeit beibringen können. Was die Aufnahme von Juden anbetrifft, so soll ihre Anzahl nach den Bestimmungen des vorigen Jahres eingeschränkt bleiben. Nur in Warschau, Odessa und am Rigaschen Polytechnikum wird ein etwas höherer Prozentsatz zugelassen. Endlich giebt Herr v. Sänger eine bemerkenswerte Erklärung zu der von seinem Vorgänger geplanten Stubentenorganifcttion ab. Dieselbe wird vorläufig zurück- gestellt, solange noich nicht eine in Aussicht genommene nochmalige Prüfung durch eine Anzahl Minister stattgefunden hat. Als Grund dieses Entschlusses wird angegeben, einerseits das mangelnde Interesse der Studenten an der Sache, andererseits die Schwierigkeit, den Plan mit anderen, bereits bestehenden Verordnungen in Einklang zu bringen.
Die Juden in Newyork.
Die Zahl der in Groß-Newyork, welches Brooklyn einschließt, lebenden Juden wird von der „Jewish World" auf rund 600 000 geschätzt. Das Blatt berechnet diese Zahl zunächst auf Grund der Sterbefälle, welche um die Mitte des vorigen Jahres7997 betrugen, was der für Groß-New- york geltenden jüdischen Sterbeziffer zufolge eine Bevölkerung von 533133 ergiebt. Seitdem sind 39 225 Juden mehr in Newyork eingewanbert, und der Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle läßt sich bis 1. August dieses Jahres auf 21400 schätzen, was zusammen eine Bevölkerung von 584 788 ausmachen würde. Die genannte jüdische Zeitschrift meint, daß sie damit die Zahl der Glaubensgenossen wahrscheinlich noch zu gering veranschlagt habe. In der alten Stabt Newyork allein fanden im Jahre 1901 5062 jüdische Eheschließungen statt. Nimmt man eine Heiratsziffer von 10 auf das Tausend an, was eine sehr hohe Ziffer ist, so würbe bas für 1901 für bas alte Newyork allein eine Bevölkerungszahl von 506 200 ergeben, wozu bann noch bie 70 000 Juden in Brooklyn und, wie oben erwähnt, die spätere Einwanderung und der Ueberschuß an Geburten zu rechnen wären. Tie hohe Heiratszifser erklärt sich aus dem Umstande, daß der Prozentsatz der Erwachsenen unter den einwandernden Juden sehr groß ist. Auf jede drei Junggesellen kamen zwei Mädchen. Die rund 600 000 Juden in Groß-Newyork bilden 16,5 pCt. der Gesamtbevölkerung der Stadt, während 500 000 allein in Mt-Newyork wohnen, also 27 pCt. der Bevölkerung der eigentlichen Stadt Newyork ausmachen. Die „Jewish World" schließt: „I e d e r v i e r t e Mensch, dem man in Newyork begegnet, ist ein Jude oder eine Jüdin."
Aus Stadt und Land.
Gießen, 3. September 1902.
Mitteilungen aus dem Publikum werden gern entgegengenommen und angemessen honoriert.
*• 5. Hessische Landeslotterie. 6. Klasse. Aus Darmstadt erhalten wir telegraphisch folgende Gewinnliste: Es fielen Gewinne zu je
3000 Mk.: 3447 (Gr.-Gerau) 17555 (Mainz) 24880 (Darmstadt) 42029 (Darmstadt) 43362 (Darmstadt) 49819 (Oldenburg) 50789 (Darmstadt).
2000 Mk.: 9042 9866 17298 22214 23136 32752 40121 54362 54519.
1000 Mk.: 2321 7895 12155 15317 15442 16092
16506 20572 22967 24362 26404 26419 29799 36214 39962. (Ohne Gewähr).
** Zirkus Maximilian. Es war die höchste Zeit, daß Gießen in dieser konzert- und theaterlosen Zeit wieder einmal eine „Attraktion" bekam. Man dürstete nach einer Abwechselung in diesem langweiligen Einerlei des täglichen Lebens, das durch nichts, aber auch rein gar nichts unterbrochen wurde. Da kam der Zirkus Maximilian gerade recht, und ein volles Haus war ihm von vornherein sicher. Schon lange vor Beginn der Vorstellung war der größte Teil der Plätze vergeben; und als endlich um 81/4 Uhr überall in dem riesigen Zelt das elektrische Licht aufflammte und die Klingel ertönte, war beinahe jeder Platz besetzt. Wir gönnen dem Besitzer diesen Erfolg gern; denn was er bot, ging im allgemeinen weit über Durchschnittsleistungen yinaus. Wer ist übrigens dieser Besitzer, dieser Maximilian B., wie er sich so geheimnisvoll nennt? Die einen vermuteten in ihm den jungen Busch, die anderen einen Ableger und Imitator von Barnum L Bailay. Nichts von alledem trifft zu. Herr Direktor Maximilian B- ist ein geborener Berliner, entflammt einer gutsituierten Bürgerfamilie unb hat acht Geschwister, die sämtlich, trotzdem sie nicht von Artisten abslammen, beim Bariöts und Zirkus unter den verschiedensten Namen hervorragende Stellungen bekleiden. So ist u- a. seine Schwester mit dem Altmeister zirzensischer Künste, Herrn Kremser, vermählt. Beim alten Kremser ist Herr Direktor Maximilian B. auch in die Schule gegangen und begann dort seine erfolgreiche zirzensische Laufbahn als Jockeyreiter, Salto- mortale- und Parforcereiter, und zwar 1886 un Aller von 16 Jahren, also auch vor 16 Jahren, da er 1870 geboren ist. Bis heute ist der in noch Verhältnis mäßig jungem Alter stehende Direktor unbeweibt geblieben (aljo noch . u haÜes!). Wie ein Feldherr bidgiect er fein au, lu_
Personen bestehendes Personal, und jede Vorstellung wickell such trotz des kolossalen Apparates glätt und ohne jegliche Störung ab, wobei ihm fern Schwager Edmund Loyal, als alter, erfahrener Regisseur thatkräftig zur Selle steht. Im Jahre 1896 fing der Direktor Maximllian B. die mittlerweile berühmt gewordene Elefantennummer an und zwar anfangs bts 1900 in fremden Zirkus-Etablissements und seit etwa jtoei Jahren in seinem eigenen Zirkus, mit dem er ganz Frankreich bereiste, bevor er seine Tourns durch Deutschland und zwar in Sachsen begann. Dieser großartige Dressur-Akt mit seinen stattlichen fünf Elefanten stellt der Ausdauer und dem Fleiße des Direktors das glänzendste Zeugnis aus. Mit welcher Präzision und spielenden Leichtigkeit, Eleganz und Munterkeit er sich übrigens dieses Bravourattes entledigt, das muß man gesehen haben. Unb bas Publikum klatschte auch Beifall, daß die Handschuhe platzten. Neben dem Direktor glänzt dessen älterer Bruder, als S-ennor Fessi, mit seiner eigenartigen Stier-Dressur. Früher ein sehr bedeutender Schulreiter im Zirkus Renz rc., produziert sich dieser elegante Künstler als Dresseur eines andalusischen Stieres, dessen Vorführung auch gestern den größten Applaus halte. Bekanntlich ist dieser Stier der einzig brenterte in der ganzen Welt. Verschiedene Künstler haben sich an dieser Dressur versucht, aber Sennor Fessi ist es bis jetzt allein gelungen, in zweijähriger, unermüdlicher Arbeit diesen Prachtstier bis zu unerreicht hoher Vollendung zu dressieren. Schon im Zirkus Busch erroeette dieser schwierige Dressurakt großes Aufsehen, da die Vorführung der Hohen Schule auf diesem Prachtexemplare seiner Rasse äußer st wirkungsvoll ist. Sennor Fessi macht dank seiner eleganten Männergestalt und mit seinem südländischen Typus in seinem spanischen Kostüm aus dem Sattel dieses eigenartigen „Schulpferdes" einen ungemein vorteilhaften Eindruck. So neu und interessant auch die erwähnten Nummern des gestrigen Programms waren, so müssen wir doch daran erinnern, daß die Hauptaufgabe aller zirzensischen Unternehmungen die Dressur des Schulpferdes ist und bleiben muß. Herr Manuel Herzog führte uns Gouette dör, einen schönen Trakehner Hengst, in der hohen Schule geritten vor unb fanb oerbiente Anerkennung. Desgleichen war die Vorführung seiner sechs in Freiheit dressierte^ russischen Rappheng st e eine Musterleistung. Ebenso großen Beifall fanden die Damen Delbosque mit ihrem Sportakt, Mlle. Josephine mit ihrem in Freiheit vorgeführten Schimmelhengst. Die anderen Stummern des Programms sind ja heute so modern, daß sie in keinem Zirkus fehlen dürfen. Da ijt zunächst La Bella Aida, wo man nicht sicher ist, ob man mehr die reizende Künstlerin bewundern soll oder ihren graziösen Drahtseilakt. Mr. H. Martens brillierte mit einer ungewöhnlichen Fertigkeit im Präzisionsschießen, und die Gebrüder Deike fanden als Akrobaten ungeteilten Beifall. Le jeune Adonis kann als Equilibrist Contorsioniste wohl ebenso wenig übertroffen werden, als dNons. Edmund Loyal mit seinen eigenartigen Jongleurkünsten zu Pferde.. Schließlich dürfen wir nicht des Signor Sechi vergessen, der sich als ein hervorragend gewandter Jockeyreiter präsentierte. Die Entrees der verschiedenen Clowns waren äußerst amüsant. — Wir können auch für bie folgenden Tage dem Zirkus unb seinen Künstlern nur ben besten Erfolg wünschen.
K. Der hessische Landes-Lehrerverein wird seinem Obmann, Oberlehrer Backes aus Darmstadt, aus Anlaß seiner 20jährigen verdienstvollen Leitung des Vereins — man denke nut an das Zustandekommen der jüngsten Lehrerbesoldungsvorlage — eine besondere Ehrung zu Teil werden lassen. Der Vorschlag, ein Bild des Obmannes Herstellen zu lassen, hat unter den Lehrern Hessens große Zustimmung gefunden, sodaß bie Ausführung des Planes gesichert ist durch die bereits sehr zahlreichen Bestellungen. Im Anschluß hieran soll ferner eine „93acfeS»«Stiftung" ins Leben gerufen werden und zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken im Interesse des Lehrerstandes Verwendung inden.
8. Wetzlar, 3. Sept. Am gestrigen Tage wurde die General-Lehrerkonferenz für die Lehrer des Kreises Wetzlar im „Schützengarten" zu Wetzlar abgehalten. Außer den drei Kreisschulinspektoren waren Geheimer Regierungsund Schulrat Anderson-Koblenz, Landrat Dr. Sartorius-Wetz- ar sowie viele Geistliche des Bezirks erschienen. Als Thema land zur Verhandlung: „Welche Aufgaben stellt das Für- orge-Erziehungsgesetz vom 2. Juli 1900 den Lehrern und Lehrerinnen der Volksschule und wie können diese überhaupt zu einer gedeihlichen Durchführung des Gesetzes mllwirken." Die Arbeiten drr beiden Referenten wurden lobend anerkannt.
W. Nidda, 3. Sept. Aus Anlaß der 32. Wiederkehr des Sedantages leuchteten gestern abend auf den um» äegenben Höhen Freubenfeuer weit ins Lanb hinaus. Bis tief in ben Vogelsberg hinein waren biefe leuchtenben Erinnerungszeichen einer großen Zeit zu sehen. In Bab Salzhausen würbe zur Feier des Tages ein Brillant- Feuerwerk abgebrannt, bas sehr viele Zuschauer aus nah unb em herbeigelockt hatte. — Vom 9.—12. September wirb unser Städtchen gedrängt voll Soldaten fein, einmal wohl über 1000 Mann. Auch ein Proviantamt wird hier errichtet. In letzter Zell weilten verschiedentlich höhere Offiziere hier, um die erforderlichen Schritte zu thun. -In der Nahe der Stadt, beim „Dauernheimer Hof", findet ein Biwack statt.
Kassel, 1. Sept. Ein in der Henschel'schen Lokomotivenfabrik beschäftigter Arbeiter wollte einen Maschinentell putzen und bediente sich dabei einer Winde, um ihn hochzuwmden. Dabei ließ er versehentlich die Kurbel los, die ihn dermaßen vor den Magen traf, daß er zurücktaumelte, mit dem Kopf auf einen Maschinenzylinder aufschlug und einen schweren Schädelbruch davontrug. An den Folgen der Verletzung ist er bald darauf im Landkrankenhaus, wohin man ihn gebracht hatte, gestorben. Heute früh entgleiste eine Maschine der der Kohlen- unb Steineförberung im Drusenthal bienenden elektrischen Herkulesbahn nut 6 Kohlenbehältern, wodurch die Straße etwa 1 Stunde gesperrt war. Em Führer wurde hierbei leicht, em Kohlenfuhrmann erheblicher verletz! (Arm- und Rippenbruch). Die Ursache des Unfalls soll darin zu suchen fein, daß der Führer bei dem feuchten Wetter die Sandstreuer nicht benutzte und die Bremsen nur teilweise und nicht recht- zellig in Thätigkell setzte. Der Führer 111 bereits 80 Meter nach der Ausfahrt aus der oberhalb (in der Horizontale) ! egenden Weiche nach Beginn des starken Gefälles von der Maschine abgesprungen unb hat die Maschine dann führerlos den Berg hmablaufen lasten. Der Bahnkörper w»'tde mcht
nennenswert beschädigt, der Materialschaden an Maschine und Kohlenwagen aber ist erheblich.
Vermischtes.
• Delitzsch, 2. Sept. Der vor etwa Monatsfrist auS der Strafhaft in Halle wegen schwerer Erkrankung beurlaubte ftühere Magistratsassessor Simon von hier ist heute hier gestorben. Er war an Körper und Geist völlig gebrochen. Sell 1898 hat er bis jetzt eine 3jährige Gefängnisstrafe von den ihm vom Schwurgericht Halle zu- diktierten 5 Jahren verbüßt. Bekanntlich war Simon als Hauptträger eines in der städtischen Verwaltung cm» rissenen Korruptionssystems festgestellt worden. Seine Mitschuldigen wurden s. Z. geringer bestraft.
• Temesvar, 3. Sept. Hier wurden vier Arbeiter verhaftet, weil dieselben falsche Kronen stücke angefertigt hatten.
* Port Elisabeth, 2. Sept. Von dem bei dem Orkan gescheiterten deutschen Schiff „Nautilus" wurden drei Mann gerettet. Vom „Coriolanus" ertranken zwei Mann, die übrigen wurden gerettet.
• Die vulkanischen Eruptionen in Mittelamerika. Ein dem franz. Minister der Kolonien aus Fort de France zugegangenes Telegramm bestätigt, daß die Dörfer Morne Rouge, Ajaupa, Bouillon und Morne London durch ben Ausbruch bes Mont Pelve m ber Nacht zum 31. August zerst 0 rt würben. Nach Melbungen der Polizisten auf Martinique finb 10 60 Menschen umgekommen unb 1500 verletzt worben. Die lieber» lebenben wurden aus den verwüsteten Ortschaften nach Fort be France unb Umgegenb gebracht. Fort be France litt nicht. Morne-Rouge war bei ber Eruption bes Mont Pelse im Augenblick von brühenb heißem Wasser und Schmutz massen überflutet. Ajoupa, Bouillon ist von Schmutzfluten des Flusses und herniederfliegenden Steinen zerstört. Während des Ausbruches war die See in furchtbarem Aufruhr. Eine Flutwelle wogte längs der ganzen Küste. In Le (Sorbet kamen viele Personen in den Fluten um. Nach der Eruption versank eine Strecke von mehr als einer Meile Länge am Ostende ber Insel ins Meer. Granb Rivisre auf Martinique ist gleichfalls zerstört. Die Regierung beabsichtigt, ben nördlichen Teil ber Insel zwischen Lorrain unb Le (Sorbet räumen zu lassen. Die Schreckensszenen, bie sich beim ersten Ausbruch abspielten, wiederholten sich. Die Temperatur auf Martinique ist fast unerträglich. — Privatdepeschen auS Point a Pitre schildern nach Erzählungen von Personen, welche Martinique in der Nacht von Samstag zu Sonntag verließen, die Stimmung in Fort be France sehr büfter. Das Louis-Fort hat kaum Platz für bie große Zahl ber Verwunbeten, bie sich borthin retten konnten. Unter den Toten befinden sich in der Mehrzahl Frauen und Kinder. In Morne Rouge ist auch nicht ein einziges lebendes Wesen dein Tode entgangen. Die Regierung ist entschlossen, die ursprünglich beabsichtigte, dann wieder auf- gegebene vollständige Räumung des Nord - Bezirkes von Martinique rasch durchzuführen. Die schwarze Bevölkerung soll teils nach Guadeloupe, teils nach Cayenne geschafft werden. Es scheint jedoch, daß viele Schwarze die freiwillige Auswanderung nach Cuba vorziehen.
• In ungarischen Adelskreisen ruft folgender Vorfall lebhafte Erregung hervor. Die beiden jungen G r a f e n Mirbach drangen m das Haus des Grafen Peter Haller und verwundeten ihn schwer an Kopf und Schultern. Graf Haller erstattete gegen die beiden Mirbach Strafanzeige. Das Motiv der That ist in einem Familienzwist zu suchen.
* Ein energisches Mädchen". Unter vorstehender Spitzmarke erzählt der „Elsässer Volksbote" von der Lauter folgende Geschichte, die sich fast wie ein Roman lieft, für deren Richtigkeit aber das genannte Blatt wob! bürgen wird: Vor einigen Jahren langte im Lauterdorfe Sch. ein gewisser K. als Forstpraktikant an, bald darauf wurde der junge Mann schwermütig und legte eines Tages Hand an sein Leben. Ter Selbstmörder wurde auf dem Friedhöfe in Sch.-begraben. Einige Zeit nachher sandte eine unbekannte Dame an den Freund des K. nach 3d), einen anonymen Brief, in dem sie anaab, sie sei die Braut des K. und übermittle das nötige Geld, nm dem SU einen Grabstein zu setzen. Vorläufig wolle sie ihren Namen und ihren Wohnort verschweigen und nur mitteilen, daß sie ein braves, aber armes Mädchen sei. Aus diesem Grunde hätten die Ettern ihres Bräutigams sich ihrer Verehelichung mit K. hindernd in den Weg gestellt. K. and) habe trotz seiner Zuneigung zu ihr, aber mit Rücksicht auf sein späteres Avancement wohl bie Verlobung nicht aufgehoben, aber doch selbst Bedenken gehabt, sie später als Frau heimzuführen. Tas habe ihn in den Tod getrieben. Sie schloß ihren nach Sch. eingefd)itften Brief mit der bemerkenswerten Wendung, „daß sich selbst das Leben nehmen immer wieder eine Feigheit und eines Mannes unwürdig sei. Jeder Mensch habe die Verpflichtung, aud) dem härtesten Lebensschicksale die Stirn zu bieten. Tarin läge eigentlich jedes Menschen Mut." Tiefer Tage traf nun die Unbekannte in Sch. ein und verlangte die Grabstätte des K. zu sehen. s2üt derselben verweilte sie lange Zeit betend. Darauf erkundigte sie sich, roa «b-?r Freund des K-, der vor Jahren mit der Stellung des K.'schen Grabsteines betraut war, wohne. Tiefen besuchte sie, dankte für feine Bemühungen und machte ihm folgende Angaben: „Ich bin dasjenige Mädchen, das das K.'sche Grabdenkmal stellen ließ. Als sich E^das Leben nahm, war ich feine Braut unb Lehrerin in N. Seine 2Jat empörte mich, und ich faßte den Vorsatz, dem feigen Selbstmörder zu zeigen, daß ich seiner doch würdig gewesen wäre. Alle meine freie Zeit widmete ich von damals ab dem Studium. Ein Jahr darauf bestand ich das Examen als Lehrerin für die höheren Töchterschulen. Zwei Jahre nachher erlangte ich durch das Abfolutorium die Berechtigung zu Univerfitätsstudien, und zu guterletzt errang ich den Jo ft or titel. Heute bin ich Leiterin einer bedeutenden höheren Äcäbchenanstalt und Mitarbeiterin der meisten in Deutschland ausgegebenen Frauenzeitungen." — Drei Tage lang blieb die Dame in Sch. Ihre Enthüllungen wurden bekannt. Jedermann wollte sie sehen.
Tos Lebensalter der Studenten.
Professor Pelerfilie untersuchte in seiner Arben über „Uni» I versilälsbesuch und Studentenschaft aus den deutschen Universitäten" auch das Lebensalter der Studierenden. Es liegen Nachrichten darüber iur die Hald'abre 1886/87—1895—96 und 1899—1900 vor.


