Ausgabe 
4.6.1902 Erstes Blatt
 
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Detonation begleitet wurde. Die Umgegend war in Flamme« gehüllt. Tie Erscheinung dauerte gegen 5 Minuten, eine Schafherde wurde vernichtet, 4 Hirten trugen schwere Brand- wunden davon.

Aum südafrikanischen Ariederr.

Pretoria, 3. Juni. (Reuter.) Bei der Fried en 3- besprechung der Buren in Vereeniging am 30. Juni, stimmten 54 für die Annahme der englischen Be«, dingungen und sechs dagegen.

London, 4. Juni. DieDimes" melden aus Pre­toria: Unter den Buren in Vereeniging riefen die endgiltigen Vorschläge der englischen Regier­ung eine lebhafte Erörterung hervor. Obgleich die meisten Redner heftigen Widerspruch erhoben, wurde dem Vernehmen nach der Antrag, die Friedensbedingungeu an­zunehmen, sofort einstimmig genehmigt.

Pretoria, 3. Juni. Die _ Friedens-Ankündigung wurde von den Einwohnern mit Enthusiasmus und Hochf- rufen auf Kitchener und Milner begrüß!. Ueberall, beson­ders unter den Burghers, wurde die Nachricht mit der größten Freude ausgenommen. In allen Staaten Süd- afriaks, besonders in Kapstadt und Johannesburg, wird der Friede mit großem Jubel gefeiert. Die iltachricht vom Friedensschluß wurde von den gefangenen Buren im Lager zu Eongelia bei Durban mit unverhohlener Freude be^ grüßt. Der Kommandant wurde auf den Schultern herum-, getragen.

Utrecht, 4. Juni. Es verlautet, Krüger, Dr. Leyds und Fischer beabsichtigen eine Veröffentlichung einer dokumentierten Protestnote an die Mächte.

London, 4. Juni. Die Morgenblätter berichten, daß Sir Green, englischer Gesandter im Haag, gestern eine Unterredung mit dem holländischen Kabinettsches Dr. Küp­pers hatte. Er ersuchte um die Vermittelung Dr. Küp­pers, um dem Präsidenten Krüger die offizielle M'ck- teilung von dem Friedensschluß machen zu können. Man glaubt, daß die englische Regierung Krüger und seinen Ratgebern mit Ausnahme des Dr. Leyds freies Geleit nach Südafrika geben wird. Die Bedingungen, die Krüger gestellt werden sollen, gehen nur dahin, daß Krüger sich auf seiner Farm als Privatmann-aushalten soll. Wenn die Buren hiermit einverstanden seien, werde Krüger und den übrigen Buren-Vertretern ein Kreuzer zur Ver^ fügung gestellt werden. Die liberalen Blätter kom­mentieren die wahrscheinliche Rückkehr Krügers und die Ausgabe der Politik der Repressalien und bemerken hierzu, daß in dieser Beziehung ein starker Druck aus Chamberlain, der früher stets für die härtesten Bedingungen eintrat, aus geübt worden sein müsse. - Aus Pretor ia wird gemeldet: Kitchener hielt in Bert eeniging eine Ansprache, wobei er der Ueberzeugung Aust druck gab, daß die Engländer und die Buren nunr mehr Freunde sein werden. Seine Worte ernteten großen Beifall. Tie Buren erklären, daß die UeBergäbe der ver­schiedenen Kommandos ohne Schwierigkeit erfolgen würde. Zur Einbringung der Waffen waren drei Zentren errichtet worden, im Osten Transvaals unter Hamilton, im Westen unter Walter Kitchener und im Oranjestaat unter General Elliot. Aufregende Szenen spielten sich in den Kon­zentrationslagern von Irene ab. Beim Empfang der Nachricht vom Friedensschlüsse versammelten sich die Bewohner und gäben ihrer Freude Ausdruck.

Neueste WewuiuM.

Originaldrahtmeldungen des Giessener Anzeigers.

8. Taimstadt, 4. Juni. Die Zweite Kammer begann heute die Beratung der Vorlage betr. den Main-Reckar- bahn-Vertrag. Finanzminister Dr. Gnauth empfiehlt die Annahme des Antrags, der lediglich eine Folge des preußisch-hessischen Vertrags von 1896 sei, der für Hessen in jeder Hinsicht gute Folgen gehabt habe. Abg. Schmitt (Ctr.) kritisiert scharf den Ausschußbericht, der die Annahme des Vertrags empfiehlt. Hessen sei durch den Gemein­schaftsvertrag mit Preußen schon genug ge­schädigt. Die damaligen Unterlagen, auf Grund deren der Vertrag geschlossen worden sei, entbehrten der Richtigkeit. Er werde mit seinen Freunden für den Vertrag nur stimmen, wenn der 1896er Vertrag einer neuen Prüfung unter­zogen werde.

Berlin, 4. Juni. In parlamentarischen Kreisen wird das Zuckersteuer-Gesetz als gefährdet angesehen in­folge des gestrigen Beschlusses der Kommission, wonach die Verbrauchs-Abgabe bis zum Jahre 1905 auf 12 Mk. und von da ab auf 10 Mk. herabgesetzt werden soll. Der Staats­sekretär des Reichsschatzamtes Frhr. v. Thielmann hatte er­klärt, daß die Regierung höchstens einer Ermäßigung der Verbrauchs-Abgaben von 16 auf 15 Mk. zustimmen könnte.

Gumbinnen, 4. Juni. Der ehemalige Unteroffizier Marten ist gestern aus dem Gefängnis in Danzig ent­lassen worden. Bei seinem Eintreffen hier wurde er von seinen Verwandten empfangen. Zahlreiche Kinder und Er­wachsene, die von einem Schul-Ausfluge zurückkehrten, be­grüßten ihn mit Hurrahrufen und warfen in die Droschke, in der er fuhr, Blumen und Sträuße.

Karlsbad, 4. Juni. Nachdem der Schah von Per­sien gestern nachmittag einer Einladung des Grafen Hohen- thal-Bergen nach Knautheim gefolgt war, reiste er abends nach Karlsbad ab, wo er heute früh eintraf. Er wird hier mehrere Wochen zum Kurgebrauch bleiben.

Serajewo, 4. Juni. Zwischen einem Serajewoer hohen Beamten und einem Leutnant in Pojepolje (in Bosnien) fand ein Revolver-Duell statt, bei dem der Leutnant tät­lich verwundet wurde. Der Beamte überraschte^seine junge Frau, eine bekannte Schönheit, Tochter eines Stutt­garter Bankiers, bei einem Stelldichein mit dem Leutnant. Er stürzte sich mit dem Revolver auf ihn, wobei es dem Leutnant gelang, dem Gatten die Waffe aus der Hand zu schlagen. Kurz darauf fand das Duell statt.

Belgrad, 4. Juni. Der Redakteur des Witzblattes Kukurek wurde wegen Beleidigung des Kaisers von Oesterreich zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.

Peking, 3. Juni. Gestern brachen in den franzö­sischen, heute in den österreichischen Baracken Feuersbrünste aus, ohne großen Schaden anzurichten. Man vermutet Brand st iftung. Vor dem Gesandtschafts- viertel sammelten sich Mengen von Chinesen, die sich zu freuen schienen.

Baku, 4. Juni. In der Nahe des Torfes Kobi (Kreis

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Gerichtssliast

e. Gießen, 2. Juni. (Gewerbegericht.) Den Vorsitz führt Stadtverordneter Keller. Der Glasergeselle Johann Jakob Bergmann hier klagt gegen die Ludwig Schmidt Wwe. hier wegen unbefugter kündigungsloser Entlastung auf Zahlung einer Entschädigung, welche er tm heutigen Termin auf 14 Mk. für 3V9 Tage ermäßigt, weil er inzwischen anderweitig Arbeit gefunden hat. Der Sohn der Beklagten beantragt Klagab- weisunq, weil der Kläger mehrfach unpünktlich zur Arbett erschienen sei uiid am 27. Mai vormittags die Arbeit unbefugter Weise ver­lassen habe. Die Entlastung erscheine darnach gerechtfertigt. Der Kläger wendet ein, daß er rein zufällig gerufen worden sei und daß er seinen Mitgesellen gebeten habe, es der Arbeitgeberin zu sagen. Das Gericht erläßt wegen der beiderseitigen Vorbrmgungen Beweisbeschluß, in dessen Erledigung Zeugen vernommen werben sollen Der Dienstmann Kaspar E i s e n b a ch hier verlangt von dem Pflastermeister Johannes H o tfn a n n hier 52 Psg. Reftlohn mit der Begründung, daß ihm Hofmann diesen Betrag zu viel als

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Krankenkastenbeitrag abgezogen habe. Dofmann habe ihn nach seinem Verdienste eine Klasse zu hoch versichert gehabt. Hofmann ist nicht erschienen, trotzdem er ordnungsmäßig geladen ist, und es mußte auf Klägers Antrag Versäumnisurteil gegen ihn ertasten werden. Der Kläger verlangt für Versäumnis bet der Klageer- Hebung und Abhaltung des heutigen Termins je 50 Psg. Entschädi­gung. Das Gericht billigt jedoch nur 50 Psg. für die Verfaumms bei der Klagerhebung, weil der Beklagte dem Klager den emge- klagten Betrag vor dem Termin reell hatte anbieten lassen.

Krieskasten der Kedaktian.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

Nach Marburg. Wir geben bereitwilligst zu, daß Ihre nach schamhafter Pharijäerart die eigene strotzendeCharakterhaftigkeit" zwischen den Zeilen anpreisendeHess, Landesztg." wieder einmal in die Fixigkeit" des Urteilens und Verurteilens manchenüber' ist. Aber darum hapert's desto mehrin die Richtigkeit", um mit Unkel Bräsig zu reden. Ganz ohne Kenntnis der Sachlage zu urteilen ist überaus klug und weise und windig desVolksblattes für West- und Südwestdeutschland".

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Dienstag den 10. Juni 1902, nachmittags 2 Uhr, sollen auf dem Bürgermeisterei- Büreau zu Mainzlar nachbe­nannte Arbeiten an den Wenigst.

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Donnerstag den 5. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, sollen dahier Neuenweg 28 diverse Möbel, 1 Faß Krystall- öl, eine Ladeneinrichtung, eine Schreibmaschine u. v. a.

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Berlin, 3. Juni. Das Opfer efner überaus anstrengenden Marschübung ist der Gefreite Paul Zenker von der 4. Kompagnie des Potsdamer Garde- Jäger-Datalllons geworden. Infolge der großen Hiße wur­den etwa 60 Jäger marode. Mehrere sielen vor Hitze um und kamen ins Lazarett. Während Zenker etwa zehn .Minuten von Döberitz einen H itz s chl a g bekam, an dem er abends 7i/2 Uhr im Döberitzer Lazarett verstarb.

* Paderborn, 3. Juni. Als gestern vormittag um ;iO Uhr das 1. Bataillon des hier garnisonierenden Jnfan- iterie-Regiments Nr. 158 von einer Hebung zurückkehrte, wurde Leutnant Graf v. Sparr von einem Hitzschlag getroffen. Obwohl ärztliche Hilfe sofort zur Stelle war», erlangte der Verunglückte das Bewußtsein 'nicht wieder, sondern starb gegen 7 Uhr abends. Graf Sparr hatte im 6. ostasiatischen Infanterie-Regiment in der China-Expedi­tion teilgenommen.

Amsterdam, 3. Juni. Einem Diamantenhändler wurden gestern während er sich zur Börse begab, 95000 Francs gestohlen.

* Lissabon, 3. Juni. Die Polizei verhaftete zwei Reisende, welche Checks über hohe Summen bei sich führten. Man glaubt es mit Freunden der Familie Humbert zu thun zu haben.

* Rom, 3. Juni. Auf dem DampferMontenegros, welcher italienische China-Truppen heim befördert, ist die Cholera ausgebrochen. Es sind bereits mehrere Todes­fälle zu verzeichnen.

Linz, 3. Juni. Der Marktflecken Hofkirchen ist größtenteils niedergebrannt.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Aus der Pfalz. In dem Saale des GasthausesZum wilden Mann" in Schifferstadt tagte die Generalversammlung der Pfälzischen Tabak-Verkaufs-Genossens chaft, die sehr zahlreich besucht war. Im Jahre 1897 zählte die Genossenschaft 18 Vereine mit 739 Pflanzern, 1898: 33 Vereine mit 701 Pflanzern, 1899 : 44 Vereine mit 1987 Pflanzern, 1900 : 51 Vereine mit 1846 Pflanzern, die 21500 Zentner Tabak für 620000 Mark verkauften, 1901: 52 Vereine mit 2439 Pflanzern, welche 30100 Zentner um 800000 Mark lieferten. Bis jetzt wurden von den Pflanzern ms- gesamt gekauft 95000 Zentner im Werte von 2*/e Mill. Mk.

Deutsche Anleihe«. Auch an der heutigen Börse waren deutsche Anleihen auf Auslandkäufe gefragt und steigend.

Südafrika und das Warengeschäft. DerKonfektionär meldet, daß eine größere Berliner Weißwaren- und Konfekttons- Firma beträchtliche Ordres zur Lieferung nach Friedensschluß er­halten hat. Auch eine große mechanische Kleiderfabrik hat be­deutende Aufträge erhalten.

Rhederei vereinigter Schifferin Breslau. Zwischen den Hauptgläubigern und der Konkursmasse ist bezüglich der Ueber- ttlssung des Unternehmens an eine neu zu gründende Gesellschaft eine Verständigung erzielt worden.

Bon der Londoner Börse. An der Londoner Borfe herrscht ein Haussetaumel sonder Gleichen. Die Minenaktien steigen fortgesetzt. Täglich kommen neue Werte heraus, deren Namen vielfach gewählt sind, um besonders die Dummen auf dem Kon­tinent zu ködern. Es ist also, wie man dem ,B. T." meldet, die größte Vorsicht zu beobachten. Wir möchten hinzufügen, daß es Überhaupt geboten scheint, sich in Betreff der Aussichten, welche die geänderten Verhältnisse mit sich bringen, feinen zu großen Hoff­nungen hinzugeben. Es ist wohl möglich, daß das Ende des un­heilvollen Krieges einen neuen Aufschwung, besonders auf in­dustriellem Gebiete mit sich bringt, aber das kommt doch alles nicht über Nacht. Jede Ueberstürzung hat sich noch bitter gerächt und die Zeiten liegen gar nicht weu hinter uns, da eine Forcierung der Kurse sich bitter rächte.