Ausgabe 
4.4.1902 Zweites Blatt
 
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öigend, insofern, als eine Nebereinstimmnng in allen wichtigen Fragen unserer Zoll- und Finanz­politik erzielt wurde. Insbesondere gehöre dahin die Ueberzeugung, daß der in der Zolltarifkommission kundgegebene Standpunkt der Reichsregierung keines­falls über die Minimalzölle für Getreide, wie sie der Regierungsentwurf vorsehe, hinauszugehen, nach wie vor als unerschütterliche Grundlage der vom Reichskanzler vertretenen Handelsvertragspolitik anzusehen sei, und ferner die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer Reform der Börsengesetzgebung. Bei Be­sprechung der Finanzlage des Reiches sei der That- sache Rechnung getragen, daß eine Reform auf diesem Ge­biete erst dann mit Aussicht auf Erfolg in Angriff ge­nommen werden könne, wann der neue Tarif in endgiltiger Fassung vorliege und seine Wirkung auf die Reichseinnahmen eine zuverlässige Rechnung gestatte.

Ausland.

Stockholm, 3. April. Der Reichstag erhöhte in gemeinsamer Abstimmung beider Kammern mit 196 gegen 174 Stimmen den Zoll für gefärbtes oder gebleichtes Gewebe aus Leinwand oder Hanf aus 27 Oere sür das Kilogramm.

Kopenhagen, 3. April. Ritzaus Bureau meldet: Betreffend das Verhältnis des jetzigen Ministeriums zu dem Kapitän Christinas wird authentischerseits mit­geteilt, daß Ehristmas um eine Audienz beim Minister des Aeußeren, Deuntzer, nachsuchte, dieser ließ jedoch ant­worten, daß er nichts mit ihm zu sprechen habe, er brauche keinen unberufenen Zwischenmann. Ehristmas wollte nach­her einen schriftlichen Bericht einreichen, erhielt jedoch die Antwort, die Regierung wolle keinen solchen entgegen­nehmen und hätte mit ihm nichts zu thun, da sie in der Angelegenheit (Verkauf der westindischen In­seln. Red.) nur durch den Gesandten verhandelte.

London, 3. April. Aus Irland eingetroffene Be­richte über die dortige Lage unter der Bevölkerung lauten sehr beunruhigend. Die Gewaltmaßregeln, die gegen die Pächter und ihre Familien seitens der Großgrundbesitzer angewendet werden, sowie die Verhaftung der Mitglieder des irischen Bundes, die öffent­liche Versammlungen abhielten, haben die Entrüstung der Bevölkerung auf den Siedepunkt gebracht. Sogar die von der konservativen Presse an Ort und Stelle eingezogenen Erkundigungen stimmen darin überein, daß die Lage der Landbevölkerung .in der That sehr traurig sei. Wenn die Großgrundbesitzer nicht bald Milde walten lassen, dürfte der Auf st and zu befurchten sein.

In der Nacht vor der Krönungs-Feier werden in ganz England 3000 Freudenseuer abgebrannt werden.

Brüssel, 3. April. Einer Statistik zufolge bestanden in Belgien am 1. Januar 1902 3000 Klöster mit 40000 Insassen. Das Vermögen dieser Klöster wird auf drei Milliarden Francs veranschlagt.

Gestern verhaftete die Polizei einen Geistes­kranken, der in das königliche Palais eindringen wollte, um, wie er angab, den König zu ermorden. Der Kranke wurde in ein Irrenhaus gebracht.

In der gestrigen Sitzung des hiesigen Sozia- listen-Kon gr es s es, in der die Taktik zur Erlangung des allgemeinen Wahlrechts beraten wurde, ist der Be­schluß gefaßt worden, bis zum 8. April, dem Tage des Vllederzusammentritts der Kammer, in aller Ruhe ab­zuwarten; sollte das Verlangen der Sozialisten aber ab­gelehnt werden, bann solle der allgemeine Aus stand beschlossen werden.

Paris, 3. April. Vor seiner Abreise teilte der russi­sche General Puzyrewski den Inhalt eines an ihn gerichteten Schreibens des Generalstabschefs Herfchelmann mit, aus dem hervorgeht, daß Oberst Grimm nach der bei ihm vorgenommenen Haussuchung eine halbstündige Bedenkzeit verlangte, bevor er sich zu einem Geständnis entschlösse. Herfchelmann aber hielt dem Obersten die bei ihm gefundenen Quittungen vor Augen und ver­langte ein sofortiges Geständnis. Darauf legte Grimm schriftlich dar, daß die exorbitanten Forderungen feiner Maitresse, der Oberstenwitwe Bergström, ihn zur Verbindung mit Agenten des Auslandes veranlaßten. Grimm gestand, außer anderen minderwertigen Dokumen­ten die Kopie des für den Zaren bestimmten Jmmediat- berichtes über den gesamten Trupp en st and War­schaus am Jahresschlüsse an das Ausland ver­kauft zu haben. Puzyrewski begiebt sich nach Warschau, um dort als Zeuge vernommen zu werden.

Monte Carlo, 3. April. Bei dem Empfang des Friedenskongresses im Schlosse des Fürsten er­kundigte sich dieser u. a. nach dem Stande der Friedens­bewegung in Deutschland und gab der Meinung Ausdruck, daß das Verkennen des Wirkens der Friedensfreunde haupt­sächlich auf Atavismus beruhe, der durch unausgesetzte Arbeit überwunden werden müsse.Alle wollen den Frieden, man ist nur über die Mittel zur Erreichung des­selben nicht einig." Im Laufe des Abends äußerte der Fürst noch, daß Kaiser Wilhelm durch u n d d u r ch Friedensfreundsei. ZurBaronin von Sutt­ner sagte der Fürst, daß er seit langem Anhänger der Friedenssache sei, aber erst jetzt, nach Vollendung des ozeanographischen Museums, den geeigneten Boden gefun­den habe, für die große Idee auch öffentlich zu wirken.

Moskau, 3. April. In der letzten Generalversamm­lung der slavischen Wohlthätigkeitsgesellschaft wurde ein­stimmig beschlossen, mit Rücksicht auf die Vorgänge in Posen und Westpreußen sämtliche Waren deutscher Herkunft zu boykottieren. __________________________

Vom Burenkrieg.

Aus Pretoria liegt heute die Meldung desReuter- schen Bureaus" vor, daß es Schalk Burger und den andern Mitgliedern der Transvaalregierung nunmehr ge­lungen ist, sich mit dem Präsidenten des Oranje-Frei­staats Steijn in Verbindung zu setzen. Tas wäre nichts Neues, vielleicht aber soll stattVerbindung"Ein­vernehmen" heißen, und der Telegraph hat die De­pesche verstümmelt wiedergegeben.

Die Unterredung, die Dr. Leyds mit den Buren- delegierten am 3. d. M. in Brüssel hatte, dauerte bis 6 Uhr abends. Sofort nach derselben reisten die Buren­delegierten nach dem Haag ab, von wo sie sich! nach Utrecht zum Präsidenten Krüger begeben werden. Ueber das Ergebnis der Unterhandlungen wird strengstes Stlll- schweigen beobachtet. Tie delegierten erklären, ihre Aus- sagen könnten, falls sie falsch aufgefaßt würden, zu Miß­deutungen Anlaß geben. Aus Amsterdam aber weiß man zu melden, daß die Konferenz in Brüssel einstimmig Der Meinung Ausdruck gab, daß an eine definitive Ein­

stellung der Feindseligkeiten vor der Hand an­gesichts der fortgesetzten Weigerung Englands, die Unab­hängigkeit der Buren zuzugestehen, nicht zu denken sei. Jedenfalls werde die englischerseits geforderte Kapi­tulation aller Buren vor Eröffnung der Verhandlungen mit Schalk Burger nicht erfolgen, solange nicht England die Basis kund gegeben, auf der die Verhandlungen über­haupt geführt werden sollen.

Morning Leader" veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über die Vorgänge bei der Erschießung der Buren gefangenen durch australische Offi- z i e r e. Ter Bericht stützt sich auf Einzelheiten, die von einem Soldaten geliefert seien, der den Vorgängen als Augenzeuge beigewohnt habe. Er beschreibt die Grau­samkeit, mit der zwei von diesen Offizieren sich gegen­über den Eingeborenen und ihren eigenen Leuten während ihres Aufenthalts im wilden Buschfeld betrugen, und schließlich, die Gefangennahme von zehn unbewaffneten Buren, die sich nach Pietersburg begaben, um sich zu ergeben. Es habe geheißen, daß Die Buren 20000 Pfund Sterling bei sich gehabt hätten, wodurch wahrscheinlich die H a b g i e r des Leutnants Hancock er­regt worden sei. Darauf habe dieser ein Sch ein krieg s- gericht abgehalten und befohlen, die Buren zu erschießen. Eine Schwadron habe sich geweigert, den Befehl zu vollziehen, worauf er Die zehn Buren durch Leute einer andern Schwadron habe erschießen lassen. Später habe Hncock erfahren, daß ein deutscher Missionar um die Sache wußte, sei nach dessen Zelt gegangen, und habe ihn t o t g e s ch o s s e n. Tie Leutnants Hancock und Morant sind später auf kriegs­gerichtliches Urteil erschossen worden, während zehn andere Angehörige jenes Truppenteils zu lebens­länglichem Zuchthaus verurteilt wurden. Reuter erfährt, daß der Name des von Hancock in Pietersburg erschossenen deutschen Missionars Hesse gewesen sei. Tas ^Kriegs­gericht habe aber in diesem Falle gegen den angeschuldig­ten australischen Offizier auf Freisprechung erkannt, da er sein Alibi nachgewiesen habe. Der zu lebensläng­lichem Zuchthaus verurteilte australische Leutnant W i 11 o n kam Dienstag in Portsmouth an Bord des DampfersCanada" an. Er war mit einem engli­schen Offizier zusammen gefesselt, als er an Land kam, und wird in das Zuchthaus von Lewes über- geführt werden._______________ '_________________

Aus Stadl und KänS.

Gießen, den 4. April 1902.

? ** Ernennung. Lehramtsaccessist Georg Flach in Butz­bach wurde zum Lehramtsassessor ernannt.

** Das Regierungsblatt Nr. 18 enthält Bekanntmachung, die Verlegung der Bergwerksdirektion Grube Ludwigshoffnung von Friedberg nach Bad-Nauheim betreffend.

"* Der städtische Grundbesitz, einschließlich desjenigen des Hospitals und des Stadterweiterungsfonds, umfaßt nach dem Verwaltungsbericht der Bürgermeisterei für 1900/01 rund 1265 Hektar Wald, 130 Hektar Feldgelände und 105 Hektar Wiesengelände, zusammen rund 1500 Hektar. Der Wunsch der städtischen Verwaltung, gleich dem Wald auch das Feld- und Wiesengelände zur intensiveren Ueberwachung und Be­wirtschaftung einer sachkundigeren Leitung unterstellt zu sehen, gab Veranlassung zu einer Anfrage an das Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung, ob dasselbe bereit sei, auch das städtische Feld- und Wiesen­gelände der Großh. Oberförsterei Gießen gegen entsprechende Vergütung in Verwaltung zu überweisen. Nachdem die ge­nannte Behörde sich hierzu bereit erklärt und die Verwaltungs­gebühr auf 1 Mk. für 1 Hektar festgesetzt hatte, trat diese Verwaltung von 1901/02 ab in Wirksamkeit.

** Konzession für Wirtschaften, Ausschank und Kleinhandel mit Branntwein. Der Stadtverordneten-Versammlung sind im Rechnungsjahre 1900/01 53 Gesuche gegen 82 im Vor­jahre zur Aeußerung über das Bedürfnis zum Wirtschafts­betrieb, bezw. Branntweinausschank vorgelegt worden, wovon jedoch 34, im Vorjahre 51, sich nur auf den Uebergang be­stehender Wirtschaften in andere Hände bezogen. Die Be­dürfnisfrage wurde in 47 Fällen bejaht, in 6 Fällen ver­neint, gegen 66 und 16 Fälle im Jahre 1899/1900. Des­gleichen haben 9 Gesuche Vorgelegen um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein, worunter 4 Uebergänge einer Verkaufsstelle in andere Hände. Die Bedürfnisfrage wurde in 6 Fällen bejaht, in 3 verneint.

* * Sicherungsanlagen. Auf den Stationen Großen-Buseck, Grünberg, Zell-Romrod und Renzendorf wird dieser Tage mit dem Bau von Stellwerksanlagen begonnen werden. Ihre Ausführung ist derselben Firma übertragen worden, die die Sicherungsanlagen auf unserem Gießener Bahnhof hergestellt hat.

* * Hessischer Landwirtschaftsrat. Dienstag, den 8. April, findet in Darmstadt eine Sitzung des Hessischen Landwirtschaftsrats statt. Aus der Tagesordnung seien folgende Punkte hervorgehoben: Voranschlag des Hessischen Landwirtschaftsrats pro 1903/04; Jnitiativ-An- trag, betr. Errichtung einer Landwirtschafts- kammer; Anfrage des Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, betr. Anträge des Landwirtschaftsrats wegen Bekämpfung der Rindertuberkulose; Antrag des landw. Provinzial­vereins für Ober Hessen, betr. die Tuberkulin- Impfung des Viehstandes der Zuchthöfe; Festsetzung eines einheitlichen Formulars und einheitlicher Grund­sätze für die Führung und Drucklegung des Simmenthaler Herdbuchs; Anfrage der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, betr. Aussetzung eines Preises für Erfindung eines Verfahrens, natürlichen Hönig vom künst­lichen auf chemischem Wege zu unterscheiden; Maßregeln zur Vertilgung der Krähen.

* * Der Verwalter unseres Volksbades Wiesner verläßt am 1. Mai Gießen, um eine ähnliche Stellung am Volksbad in Oberhausen i. Rhl. anzutreten. Wie wir hören, verbeffert er sich dadurch nicht unwesentlich in seinem Einkommen.

* * Patentanmeldung. Nach der von den Patentanwälten Gerson und Sachse in Berlin aufgestellten Patentliste hat die Firma H. Sch affst ädt hier ein Patent erhalten auf eine Regelungsvorrichtung für Kondensationsanlagen.

* * Von einem eigenartigen Unfall wurde am Dienstag Mittag der Frankfurt-Berliner Schnellzug betroffen. Der Zug überfuhr im hiesigen Bahnhofe einen großen vierrädrigen Gepäckkarren, welcher auf der schiefen Perronebene ins Rollen gekommen und ins Geleise gelaufen war. Ter Karren ging natürlich in Trümmer. Dabei wurden auch einige der Basaltsteine, mit denen die Geleise jetzt gebettet sind, umher­

geschleudert, und eine auf dem Perron stehende Dame wurde davon an's Bein getroffen. Da sie Schadenersatz beanspruchte, forderte man sie auf, sich zur Feststellung des entstandenen Schadens im Stationsgebäude einer Untersuchung zu unter­werfen. Davon wollte sie nichts wissen, sie kehrte vielmehr entrüstet sofort den Rücken und verschwand. Die Verletzung muß also wohl nur leichter Natur gewesen fein.

* Die Bevölkerung im Großherzogtnm Hessen. Nach den Mitteilungen der Zentralstelle für Landesstatistik vom März 1902 betrug im Großherzogtum am 1. Dezember 1900 die Zahl der ortsanwesenden Bevölkerung 1 119 893, darunter 7019 Reichsausläuder. Darmstadt zählte 72 381 Orts­ansässige, darunter 1212 Reichsausländer, Offenbach 50 468 (870), Gießen 25 491 (202), Mainz 84 251 (1062), Worms 40 705 (546). Die in der heutigen Nr. derFrkf. Ztg." enthaltenen Zahlen sind insofern falsch, als die dort für die Ortsansässigen genannten Einwohnerzahlen nicht die gesamte ortsansässige Bevölkerung der Städte, sondern nur die deutschen Staatsangehörigen angeben.

** Von der Hessischen Landeslotterie. Die Spiellustigen unter unseren Lesern machen wir Darauf aufmerksam, daß die Ausspielung der 5. Hessischen Landeslotterie in 1. Klasse am Mittwoch, den 9. d. beginnt. Wer sich überhaupt am Spiel beteiligen will, thut dies am vorteilhaftesten schon zur ersten Klasse, weil bei Kauf von Losen zu späteren Klassen der Lospreis für die abgespielten Klassen mitbezahlt werden muß.

-i- R o d h e i m a. Bieber, 2. April. Auf Veranlassung unseres Ortsgeistlichen hat sich hier ein Posaunenchor gebildet, der es sich zur Aufgabe macht, bei kirchlichen Festlichkeiten zur Verschönerung des Gottesdienstes beizu­tragen. Am ersten und zweiten Ostertage hatten wir Ge­legenheit, den Chor zum erstenmale zu hören. Wenn man bedenkt, daß die Mitglieder des Chores sämtlich Laien sind und bisher keine Kenntnis von irgend einem Instrument besaßen, kann man mit ihren Leistungen wohl zufrieden sein.

(:) Blasb ach, 3. April. In der Nacht vorn zweiten auf den dritten Oster tag brach in unserem Dorfe auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weise Feuer aus, dem zwei Hof^ raiten zum Opfer fielen. Auch die mit dem zweiten Ge­bäude verbundene Schreinerwerkstätte brannte ab. Leider oll nur einer der schwer betroffenen Bewohner vollständig versichert gewesen sein.

a. Waldgirmes, 2. April. Um einen wahren Pracht­bau ist unser Dorf verschönert worden. In der Ludwig- straße hat man im vorigen Sommer ein neues Schul­haus gebaut, das in diesen Tagen seiner Vollendung ent­gegengeht. Da wir bisher drei Schulklassen, aber nur zwei Schulsäle hatten, so waren zwei Lehrer auf einen Saal angewiesen. Diesem Uebelstand ist nunmehr durch den Neu­bau abgeholfen, der zwei Schulsäle mit Lehrerwohnungen enthält und vom 2. und 3. Lehrer bezogen werden wird.

fc. Queckboru, 3. April. Da die Schülerzahl unseres Ortes erheblich zurückgegangen ist, wurde unsere zweiklassige Schule in eine einklassige umgewandelt. Die Schulbehörde ist wohl um so bereitwilliger auf eine Verminderung der Klassen eingegangen, da zurzeit ja überall großer Lehrer­mangel herrscht. Lehrer Will, der der hiesigen 2. Klasse vorstand, wurde nach Geilshausen versetzt.

fc. Rüddingshausen, 3. April. Hier findet am 15. Juni anläßlich des 25jährigen Bestehens des hiesigen Kriegervereins das Bezirkskrigersest des Bezirks Grünberg statt, zu dem alle Vereine des Bezirks erscheinen.

i Vom oberen Vogelsberg. Die Preise für Heu und Stroh sind in diesem Jahre sehr in die Höhe gegangen. Stroh zum Füttern wie auch zum Streuen kostet per Zentner 3, Mark, Heu, am Platz abgeholt, 4 Mark. Die Winter­saaten stehen sehr gut. Doch scheint es, als ob der Weizen etwas gelitten «hätte. Bleibt die Witterung aber günstig, so ist Aussicht auf eine gute Ernte vorhanden.

8 Darmstadt, 3. April. Prinz und Prinessin Heinrich von Preußen fuhren vormittags halb 12 Uhr mit Gefolge nach Jugenheim, nahmen dort gemeinsam das Mittags­essen ein und kehrten gegen Abend wieder zurück. Prinz und Prinzessin Friedrich Carl von Hessen trafen 5,23 Uhr hier ein und nahmen dann gemeinsam das Souper im Neuen Palais ein, während Prinz Heinrich, Prinz Fried­rich Carl und der Groß Herzog einer Einladung des Offizierkorps des Artillerie-Regimentes Nr. 25 folgten, (dessen Inhaber Prinz Heinrich bekanntlich ist), um an einem in dem Kasino veranstalteten Liebesmahl, zu dem auch die nicht­aktiven Offiziere geladen find, teilzunehmen; die Frankfurter Herrschaften kehrten 10,24 Uhr abends wieder zurück. Trotz des ungünstigen Wetters machen der Groß Herzog und seine hohen Gäste öfter Radausflüge in die Nach­barschaft.

Darmstadt, 3. April. Ein Grab aus der Bronzezeit ist na/ch derD. Lit. Ztg." jüngst in Gegend wart des Großherzogs im Kranich st einer Forst geöffnet worden. Von der Bestatteten, einer Frau mittlerer Größe, waren nur Knochenspuren übrig. Ueber der Brust batte die Frau eine Doppelreihe von Zierstücken aus Bronze, sprralähnliche Drahtgebilde getragen, um die Lenden lagen die Besatzteile eines Gürtels und an den Armen und Füßen breite Spiralrollen. i

Darmstadt, 3. April. Der Großherzog begab sich heute vormittag zum Besuche des Prinzen Friedrich August von Sachsen nach Wiesbaden und kehrte im Laufe des Nachmittags hierher zurück In seiner Be­gleitung befand sich Flügeladjutant Major Frhr. v. Röder.

Mainz, 3. April. Der Oberbürgermeister machte in der heutigen Stadtoerordnetensitzung die Mitteilung, daß ihm vom hiesigen Gouvernement die Nachricht zugegangen sei, daß die Umwallung von Mainz falle und das Terrain der Stadt zur Verfügung gestellt werde. Das Terrain um­faßt 2 Millionen Quadratmeter. Die Firma Disch hat ihren Trajektvertrag mit der hessischen Regierung am 1. April gekündigt. Die hiesige Eisenbahndirektion teilt mit: Nachdem die Sprengung und Aufräumungsarbeiten beeenbet, ist heute Morgen der zweigleisige Betrieb zwischen Bacharach und Obcrwesel wieder aufgenommen. Polizeirat Dr. Obstfelder in Chemnitz wurde in der heuti­gen geheimen Sitzung der Stadtverordneten zum Polizeirat von Mainz gewählt; die Anstellung des Gewählten erfolgte aber zunächst nur probeweise ans ein halbes Jahr.

. K a st e l, 2. April. Im Frühjahr bereitet es beit Knaben ein besonderes Vergnügen, die Na s en fläche an Dämmen, Rainen :c. in Brand zu stecken. Die Jungen kennen eben die Tragweite ihrer unbesonnenen Handlungsweise