führung geschieden sei und daß er auch in seiner neuen,' Stellung als Leiter der Laubach'schen Rentkammer sich wenig den humanen Traditionell der letzteren an zupass en verstünde. Insbesondere wurde ihm vorgeworfen, daß er bei Neuverpachtungen mit Rücksicht auf die aus dem neuen Zolltarif sich ergebenden Mehreinnahmen eine Pachterhöhung von 4 Mark pro Morgen herauszuschlagen versuche. Die Rentkammer zu Braunfels hat nun dem „Vorwärts" eine Berichtigung zugestellt, die ergiebt, daß das Verhältnis des Herrn Schön zu dem Prinzen Friedrich zu Solms das denkbar beste ist und daß von einer Uebervor- teilung der dortigen Pächter mm so weniger die Rede sein könne, als das einzige zur Amtszeit des Herrn Schön verpachtete Gut ihn Pachtpreise von 17 Mark pro Morgen aus,13 Mark heruntergegangen ist. Der „Vorwärts" hat diese Berichtigung nicht ausgenommen, ebenso wenig die nachstehende Berichtigung der Gräfl. Rentkammer zu Laubach, die setzt von der „T-tsch. Tagesztg." veröffentlicht wird:
„Es widerspricht den Thatsachen, daß bei dem Verfahren betreffend Neuverpachtung des Gräfl. Solms- Laubach'schen Hofgutes Utphe der alte Pächter zurückgesetzt, oder daß von dem allgemein üblichen Verfahren abgewichen wäre. Dem in der Laubach'schen Verwaltung früher und jetzt beobachteten Verfahren gemäß ist den Pächtern Fülberth sen. und jun. das Gut durch lange Monate vergebens zur Neuverpachtung von uns angetragen. Fülberth jun. hat darauf wiederholt erklärt, sein Vater verzichte, und ihm selber liege sehr wenig an der Pachtung, es sei denn, er erhalte sie für 16,50 Mark pro Morgen, nebst anderen Vergünstigungen.
Tie Angaben über den früheren und jetzigen Pachtpreis sind unrichtig. Fülberths Pachtvertrag lautet seit 24 Jahren auf 20 Mark jährlich für den Morgen. Gegen dessen (Afterverpachtung verbietenden) Wortlaut war in den letzten fünf, sechs Jahren Fülberths Begehren, Gelände afterverpachten zu dürfen, entsprochen worden. Fülberth hat dabei, angesichts der dortigen starken Nachfrage und des dortigen Ackerwerts, von kleinen Ackerbauern für den Morgen durchschnittlich 29 bis 30 Mark vereinnahmt und »Lin diesen uns entgehenden Mehrerlös von 5OpCt. seine Pacht mehr und mehr verbilligt. Für die Neuver- pachtung forderten wir von Fülberth, an dem allgemeinen Verbot der Afterverpachtung festhaltend, den alten Pachtpreis von 20 Mark.
Als Fülberths trotz mehrfacher Verhandlungen ablehnten, den alten Pachtpreis zu zahlen, ist von uns die Konkurrenz anderer Pachtliebhaber durch öffentliche Ausschreibung veranlaßt. Deren Ergebnis hat unsere richtige Bewertung des Gutes bestätigt: Mehrere Pachtliebhaber boten uns, zu günstigeren Nebenbedingungcn, mindestens 20 Mark und banden sich für gewisse Fristen an ihre Gebote, unter der Bedingung der Kenntnisgabe evcnt. anderweiter gleicher oder höherer Gebote, um event. nachbieten zu können. Die Erfüllung letzterer Bedingung konnte in diesem Stadium ernstlicher Konkurrenz nicht mehr verwehrt werden.
Tas Ergebnis der öffentlichen Konkurrenz, an der auch Fülberths sich zu beteiligen Gelegenheit geboten war, ist der Zuschlag der Pachtung an einen uns genehmen Packtliebhaber für 22 Mark pro Morgen, einen Preis, der in der Wetterau für Hofgüter vielfach gezahlt, vielfach auch, erheblich überschritten wird.
Die jüngste Encyclica des Papstes,
>die er selbst .als sein Testament betrachtet wissen will, das er, nahe an der Pforte der Ewigkeit stehend, den Völkern hinterlasse, wird nunmehr vollständig in deutscher lleber- seyung von den Organen der Zentrumspartei veröffentlicht. Nach einem historischen Rückblicke auf die Kämpfe, welche die Kirche im Altertum und Mittelalter auszusechten Hatzte, fährt das Rundschreiben fort:
„Und doch, trotz so offenbarer, lang andauernder und durch ihre innere Vortresflichkeit erhabener Proben sehen wir die Kirche in einem uns näher liegenden Zeitalter nicht weniger als im Mittelalter und im Altertum in Kämpfe verwickelt, die in gewisser Hinsicht noch härter , und mühevoller waren. Aus einer Reihe historisch be- ' kannter Ursachen erhob die sogenannte Reformation des 16. Jahrhunderts das Banner der Auflehnung, um sie ins Herz zu treffen, indem sie das Papsttum grimmig angrifs. Nachdem das Band der alten Änheit in Recht und Glauben, das die Völker in dem einen Schafftalle unter der mütterlichen Aussicht zusammenhielt und oftmals bei der Uebereinstimmung der Unternehmungen Kraftentfaltung, Einfluß und Ruhm verdoppelte, zerrissen war, führte die Reformation unter den christlichen Stän-
:fte zu fliehen, er erkennt alles und bereut alles, was er dem .Freunde gethan. Aber keine Gemütsbewegung kann den Menschen anders machen, als er ist. Die bösen Mächte sind schon nach ein paar Stunden wieder zurückgekehrt, die Selbsterkenntnis ist tot, und Die Reue ist fortgetrotzt. Aber den Sieg haben doch die Feinen davongetragen.
Bernt Lie, Zauber. Novelle. Geheftet 1 Mark 50 Pf. Verlag Albert Langen, München. „Zauber" ist ein Liebesidyll von einer Schönheit und Poesie, die in allen Litteraturen ihres gleichen suchen. Geschildert ist die Liebe zwischen einem braven, resignierten, glücklich verheirateten Mann und einem starken, freien jungen Mädchen. Es sind nur wenige sonnenglückliche Tage, es ist 'für beide die Stunde des feurigen Glücks, die auf ein ganzes langes graues Leben ihren Abglanz werfen kann. Als er aber in sein Heim, §n seiner Frau zurückgekehrt ist, da packt ihn die Sehnsucht nach dem Verlorenen, die Reue über das Geschehene mit Gewalt. Diese Ge- ftihle packen ihn so, daß er dem Wahnsinn nahe kommt. Erst als er eine Geliebte aus der glücklichen Stunde wieder aufsucht, als er sie als die brave Frau eines braven Mannes wiedersindet, als er sieht, wie stark und wie schön und glücklich in ihrer Stärke sie ist, erst da wird er auch wieder stark und zwingt die bösen Dämonen in sich. Und ruhig und froh kehrte er in sein Werktagleben zurück, er hat einmal das Glück gesehen und das macht es ihm möglich, in schönerer Weise weiterzu- leben, als damals, da er es noch nicht gekannt, noch nicht daran geglaubt hatte.
Herm. Hchermans, Tri nette. Skizze. Berlin, S. Fischer. -Ein etwas umfangreiche „Skizze", dieses ca. 270 Seiten zählende Buch. Es ist auch keine bloße Skizze, sondern ein echter und rechter Roman, in kurzen Kapiteln skizziert. Heyermans, der Verfasser des -vortrefflichen, uns Gießenern von einer ausgezeichneten Aufführung in unserem Theaterverein wohl bekannten Dramas „Hoffnung", be- ,roät)Tt sich auch hier wiederuin als ein höchst talcmvoller Schüler 'der großen niederländischen Maler. Dramatische Szenen aus dein 'Volksleben, wie sie Kirmes, Zirkus, öffentliche Aufzüge imi) dergl. bieten, weiß er mit staunenswerter Anschaulichkeit, mit kecker, flotter Pinselsührung, mit eminentem Farbensinn zu schildern. Nur wiederholen sich leider derartige Vorgänge allzusehr in dem Buche, ■ober vielmehr sie Hausen sich zu sehr, und gehen gar zu sehr in die Breite, um immer das Interesse wach halten zu können. Als Charakterschilderer besitzt Heyermans die kräftige Hand des großen Bildhauers und Malers Meunieur. Jedenfalls ist auch dieses Buch rein Werk echter Kunst.
den eine bedauernswerte und verderbliche Entzweiung herbei. Wir wollen hiermit nicht sagen, daß von dem ersten Anfänge der Bewegung an man im Sinne gehabt hätte, aus der Welt das Reich des Uebernatürlichen zu verbannen, aber nachdem einmal einerseits die Prärogative des römischen Stuhles, die Grundursache der Einheit, bestritten und andererseits das Prinzip der freien Forschung aufgestellt war, wurde der Gottesbau in seinen Grundvesten erschüttert und für zahllose Aenderungen, Zweifel und Negation auch in Dingen von höchster Bedeutung, der Weg geöffnet, welche die Voraussicht der Neuerer selbst weit überschritten."
Sodann bespricht der Papst die Philosophie des 18 Jahrhunderts, tue Einwirkungen von Nationalismus und Pantheismus und folgert aus dem System des praktischen Atheismus die völlige Verwirrung der moralischen Ordnung. Wenn nicht rechtzeitig Heilmittel angewendet würden, heißt es weiter, stürzten die Fundamente des bürgerlichen Zusammenlebens, da auch die erhabenen Grundsätze des Rechts und der Sittlichkeit aus ihren Angeln gehoben würden. Darunter hätten alle Teile des sozialen Körpers zu leiden, angefangen mit der Familie. Denn der Staat habe schon die Hand ausgestreckt, das Band der Ehe zu entheiligen, indem er sie ihres religiöse« Charakters entkleidete; auch das natürliche Recht der Eltern auf die Erziehung der Kinder würde von ihm verletzt und sogar die Unauflöslichkeit der Ehe angetastet durch Gesetze, welche die Ehescheidung gestatten.
Der Papst fomr.it dann auf die Mittel zur Besserung der jetzigen Verhältnisse zu sprechen und sagt darüber u. a.:
„Die Rückkehr zum Christentum ist kein wahres und vollkommenes Heilmittel, wenn sie nicht die Rückkehr und Liebe zur einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche bedeutet, da das Christentum sich in der katholischen Kirche bethätigt und verkörpert, dieser souverän geistigen und vollkommenen Gesellschaft, die der mystische Körper Jesu Christi ist und zum sichtbaren Oberhaupte den Papst hat, den Nachfolger des Apostelfürsten."
Weiter tritt der Papst der Behauptung entgegen, daß die Kirche eine Feindin der Freiheit sei, und meint, bei diesen Verleumdungen thue sich vor allem die Freimaurerei hervor, diese ständige Verkörperung der Revolution, deren Daseinsgrund der Kampf gegen Gott und die Kirche sei. Die heftigen Angriffe gegen die Kirche, namentlich in neuerer Zeit, gingen von der Freimaurerei aus; die Uebereinstimmung Der Hetze in Zeitungen, Versammlungen, Theaterstücken, die gleichmäßig angewandte Verleumdung und Aufreizung des Volkes zeigten die Einheit des Zieles und der ausgegebenen Losung. Besonders fanatisch greife man den Klerus an und verleumde ihn immer stärker im Verhältnis zur Straflosigkeit; so komme für diesen neues Leid zu sd'em Militär zwang und zu dem Verlust des kirchlichen Eigentums, das aus freiwilligen Gaben der Gläubigen entstanden sei. Und unter dem Klerus nehme man ganz besonders die Orden zum Ziel der Angriffe, diesen Ruhm der Gesellschaft nicht minder, wie der Kirche. Ohne Frankreich ausdrücklich zu nennen, beklagt der Papst den Ostraeismus, dessen Opfer Die Kongregationen gegen alle Verdienste, alles Recht und alle Billigkeit geworden seien. ।
Zum Schlüsse wendet sich der Papst mit einem Appell an den Episkopat und den Klerus und verlangt vor allem vollkommene Unterwerfung unter die Weisungen des päpstlichen Stuhles.
Der 31. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie,
IL
Tie Abendsitzung des Mittwoch brachte eine Reihe bemerkenswerter Vorführungen an dem großen Projektionsapparat. Tr. Joach ims th al-Berlin sprach über die Struktur und Lage der Kniescheibe und über gewisse abnorme Verhältnisse derselben. Es giebt Menschen, die feine Knies cheib e besitzen und dennoch vorzüglich gehen, reiten, schwimmen können — ein Beweis dafür, daß die Kniescheibe nicht unbedingt nötig ist. Dr. Albers- Schönberg (Hamburg) zeigte einen Apparat, welcher den Nachweis von Nierensteinen mit Hilfe von Röntgen-Strahlen ermöglichen soll. Recht originelle Röntgenaufnahmen von den verkrüppelten Füßen der Chinesinnen zeigte Dr. Perthes-Leipzig. Die Füßchen der holden Zopfträgerinnen werden bereits in früher Kindheit jener entsetzlichen Prozedur unterzogen, welche dem Fuße eine ganz unnatürliche Wölbung giebt. Der vordere Teil mit den Zehen wird gegen die Ferse angenähert, und in die Fersen kappe des Schuhes wird eine Einlage gethan. Auf diese Weise wird die ganze Last des Körpers von den Fersen getragen. An den Röntgenbildern ist die dadurch bedingte Verkrümmung der knöchernen Teile deutlich zu erkennen.
Einen ,unfreiwillig komischen Anstrich hatte eine Demonstration von Dr. I. Joseph, der es unternommen hat, die abnorm geratenen Nasen und Ohren seiner Mitmenschen zu verschönern. Er führte eine ganze Galerie dieser verschönerten Organe vor. Eine andere Methode, äußere Defekte, Schönheitsfehler, entstellende Narben usw. auszugleichen, besteht in der Einspritzung flüssigen Paraffins unter die Haut oder Schleimhaut. Dieses Verfahren ist von dem österreichischen Chirurgen Professor Gerfuny angegeben worden. Tr. A. Stein hat Versuche dieser Art an einer Reihe von Kranken angestellt und damit recht günstige plastische Resultate erzielt. Tas Paraffin erhält jede gewünschte Form und heilt, wie es scheint, ohne Störung ein. An einem mikroskopischen Präparate zeigte Dr. Stein die allseitige Durchwachsung des Paraffins mit organischem Gewebe.
Ten Schluß der Sitzung füllten die Demonstrationen ton Professor Doyen-Paris aus, welcher den dwtzen des Kinernatographen in der Chirurgie darzulegen suchte. Man konnte in aller Muße und in überraschender Deutlichkeit die schwierigsten Operationen in ihren Einzelphasen verfolgen, z. B. eine Schädelöffnung, eine Kniegelenksresektion, die Entfernung einer Bauchgeschwulst, die Ausschälung eines Kropfes u. a. m. Ten Beschluß machte die Darstellung der vielbesprochenen Operation, welche die beiden Hindumädchen Radica und Toodica trennte.
Erst kurz vor Mitternacht endete die Sitzung; es war die dritte im Verlauf von zwölf Stunden.
Tie Vormittagssitzung des Donnerstag war von den Erörterungen über den gegenwärtigen Stand der Krebs- srage ausgefüllt. Nach Ansicht von Professor Gussen- b au er-Wien, der den ersten Vortrag über die Entstehung des Krebses hielt, sind die Beweise für die parasitäre Natur der Krebsbildung zur Zeit noch nicht überzeugend genug; Gussenbauer bekennt sich als Anhänger der parasitären Theorie und ist überzeugt, daß der Krebs zu den Infektionskrankheiten gehöre. Um genauere Ausschlüsse über die Entstehung und Entwickelung der Krebsgeschwulst zu gewinnen,
hat Gussenbauer ganze Rechen mikroskopischer Serienschnitte angefertigt, welche die Beteiligung der einzelnen Gewebe klar legen sollen. Von besonderer Wichtigkeit ist es, die Grenzen der Geschwulst zu bestimmen, schon um dem Operateur den richtigen Weg für seinen (Ängriff zu weisen; denn unter allen Umständen soll die Ausschneidung der Krebsgeschwulst weit im gesunden Nachbargewebe erfolgen. Sonst ist die Gefahr eines Rückfalles gegeben.
Interessante Angaben über die Frage der Krebsrecidive machten die Professoren v. K a h lden-Freiburg und Petersen -Heidelberg. Eine Wiedererkrankung in ursächlichem Zusammenhänge mit dem ursprünglichen Eeschwulst- herd kann auf verschiedene Weise erfolgen: entweder sind bei der Operation Krebsteile zurückgelassen worden, oder das Lymphgefäßsystem in der Nähe der Geschwulst ist bereits erkrankt. Andere Möglichkeiten für eine Wiederkehr der Erkrankung kommen weniger in Betracht.
Es folgten einige Borträge über die Behandlung des Krebses. Professor v. Mikuliez-Breslau berichtete über 106 Fälle von Darmkrebs, die zur Behandlung kamen. Vier Fünftel der Fälle betrafen Männer. Stets wurde die Operation in zwei Sitzungen vorgenommen; dabei stellte sich das Resultat günstiger, als wenn die Operation in einem Zuge aus geführt wurde. Nicht ganz 30 Prozent der „zweizeitig" Operierten starben hinterher. Auch Dr. H o ch e n e g g empfahl, die Operation in zwei Abschnitten vorzunehmen. Er verfügt über ein Material von 282 Fällen; 174 Fälle von Tickdarmkrebs ergaben im ganzen 30 Dauer- Heilungen, d. h. die Heilung hielt mindestens drei Jahre an.
Von allgemeinstem Interesse war ein Vortrag von Professor K r ö n l e i n - Zürich, welcher an der Hand der Statistik das Schicksal jener Unglücklichen verfolgt hat, die an Magenkrebs 'erkrankt waren. Wie steht es mit der Lebensdauer des Kranken, wenn operiert und wenn auf einen operativen Eingriff verzichtet wird? Ist die Operation imstande, den Patienten zu retten, verlängert sie sein Leben, oder schafft sie dem Patienten nur für gewisse Zeit eine Erleichterung? Professor Krönlein verfügt über ein Material von 264 Fällen, von denen 67 ohne Operation behandelt worden sind; in 251 Fällen ist es Krönlein gelungen, genauen Aufschluß über den Verlauf der Krankheit zu erhalten. Gewöhnlich vergingen acht bis neun Monate, bis die Patienten in die Klinik kamen. Im Tnrch- schnitt betrug die Dauer ixr Krankheit vom Anfang der ersten Symptome bis zum Tode etwa ein Jahr. Von den Operationen verlängert die Gastro-Enterostomie (Eröffnung des Magens und Vereinigung von Magen und Darm) das Leben durchschnittlich um drei, die Gastrektomie (Her- ausschneidung des erkrankten Magenabschnittes) um etwa 14 Monate. Unter den mit Gastrektomie Behandelten verfügt Krönlein über 13 Tauerheilungen; ein Patient lebt jetzt acht, ein ictnberer vier, zwei Patienten drei, drei Patienten zwei und sechs Patienten ein Jahr nach der Operation Man muß indessen mit der Annahme einer Dauerheilung vorsichtig sein; denn es kommen noch nach einer ganzen Reihe von Jahren sogenannte Spätreeidive vor. Jedenfalls haben die operativen Eingriffe einen nicht zu unterschätzenden Wert; die Gastrektomie insbesondere verlängert wesentlich das Leben und schafft in einzelnen Fällen radikale Heilung. Deshalb muß diese Operation — wie es heute bei der operativen Entfernung des Wurmfortsatzes der Fall ist — populärer werden, nicht nur bei den Aerzten, sondern auch beim Publikum.
Einen breiten Raum nahmen die Erörterungen über die parasitäre Natur des Krebses ein Während Dr. Nöske (Leipzig) es nach dem gegenwärtigen Stand der mikroskopischen Technik für ausgeschlossen hält, daß irgendwelche Parasiten als Erreger des Krebses nachzuweisen sind, glaubt Professor Doyen (Paris), einen bestimmten Krebsparasiten gefunden zu haben, den er Microcoecns neosvrmanss nennt. Er hat diesen kleinen Schmarotzer in mehr als 400. Fällen von Krebsgeschwülsten, insbesondere vor krebsig erkrankten Lymphdrüsen, einen runden Organismus, entdeckt, den er angeblich sogar in Reinkulturen züchten und auf Tiere überimpfen konnte. 9ticht unmöglich ist «es nach Doyens Ansicht, daß die sogenannten Krebsgeschwülste der Tiere mit dem Krebs des Menschen übereinstimmen. Der Pariser Chirurg hat aus seiner Entdeckuüg sogar schon die Anregung zu gewissen Behandlungsversuchen geschöpft. Professor Schüller (Berlin) will einen besonderen Krebs- erreger entdeckt haben, dessen Existenz allerdings bald nach seiner vermeintlichen Geburt angezweifelt ist. — Im Zusammenhänge erörterte Professor O. Israel (Berlin) die Probleme der Krebsforschung. Er HÄt den Kampf gegen den Krebs nicht für aussichtslos; doch, ist davor zu warnen, die Nachforschungen allzu sehr nach der Seite des Para- sitismus hin zu richten. An die Vorträge schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in welcher die Anhänger und Gegner der parasitären Theorie ziemlich scharf aufeinander prallten.
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 4. April 1902
** Prof. D r. Pfannen stiel von der Universität Breslau, der als ordentlicher Professor für Frauenheil> künde an die Universität Gießen berufen worden ist, tritt bekanntlich an die Stelle des Pros. Löhlein. Mit der Professur übernimmt er die Leitung der Universitäts- Frauenklinik. Johannes Psannenstiel wurde 1862 in Berlin geboren. Auf dem Berliner Wilhelms-Gymnasium vorgebildet, machte er seine medizinischen Studien von 1880 bis 1885 an der Universität Berlin. Nachdem er 1885 zum Doktor promoviert und die Staatsprüfung bestanden hatte, trat er beim Stadtlazarett in Posen als Hilfsarzt ein. 1887 ging er, um sich ganz der Frauenheilkunde zu widmen (die erste Unterweisung darin erhielt er während seiner Berliner Zeit durch Gusserow und Wyder) an die Universitäts-Frauenklinik in Breslau, die damals H. Fritsch leitete, über. Von dort aus habilitierte er sich 1890 als Privatdozent an »Der Universität Breslau. 1896 erhielt er den Professortitel. Im selben Jahre wurde er zum leitenden Arzt der gynäkologischen Abteilung der Elisabetherinnen berufen. Die wissenschaftlichen Arbeiten Vfannenstiels beziehen sich auf die Klinik der Frauenkrankheiten, die pathologische Anatomie und die Entwickelungsgeschichte. Hervorzuheben sind Untersuchungen über die Ovarialkrankheiten, über die Einbettung und Plaeentarbildung, Beiträge zur Lehre von Geschwülsten, Beobachtungen über Kindbettfieber rind andere.Wochenbetterkrankungen, über künstliche Frühgeburten. Die Arbeiten Pfannenstiels finden sich zumeist in Virchows „Archiv", im „Archiv s. Gynäkol." und im „Zentralbl. f. Gynäkol."
** Ernennungen. Der Großherzog hat den Land- gerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Tasche zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Bensheim mit Wirkung vom 1- Mai und den Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Zwingenberg Kies er zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Bensheim, mit Wirkung vorn-


