** Konzert. Morgen findet in der Südanlage Promenaden- mnsik mit folgendem Spielplan statt: 1. Ouvert. Norma von Bellini. 2. Luna Walzer von Lincke. 3. Zigeunerständchen von Nehl. 4. Jntroduction und Chor a. d. Op. Carmen von Biz et.
** Aus dem Theater-Bureau. Am Sonntag gelangt, wie bereits gestern bemerkt wurde, die Jacobson'sche Pos e „Ein gemachter Mann", eines der besten Werke des bekannten Possendichters, zur Aufführung. Am Montag den^ 6. ds. Mts. wird Björnsons's Schauspiel „Neber unsere Kraft" zum vierten Male aufgeführt, diesmal als volkstümliche Vorstellung.
** Vier Jahreszeiten. Wie wir bereits mitteilten, finden m den vier Jahreszeiten täglich Konzerte des Damen-Orchcsters „Hammonia" (Dir. W. Mackens, 7 Damen und 3 Herren) statt, die seit dem 1. Januar neu engagiert worden sind. Heute und morgen finden große Extra-Konzerte mit vollständig neuem Programm statt, aus dem ein Geigen-Solo der 10jährigen Ms. Mackens und die Vorträge des Salonhumoristen Mitlott hervorgehoben seien. Es ist fomit jedem Musikfreunde Gelegenheit geboten, sich in dem Lokal einen vergnügten Abend zu verschaffen. (Siehe Inserat).
** Die Carnevalgesellschast „Germania" hält morgen (Sonntag) ihre erste närrische Damensitzung auf Lony's Bierkeller ab. Wie aus dem Inserat in unserer heutigen Nummer ersichtlich ist, werden auswärtige Humoristen mit- wirken, sodaß die Besucher gewiß einen recht vergnügten närrischen Abend erleben werden.
** Schwer verletzt wurden in die hiesige Klinik zwei Personen aus Haiger verbracht. Die Verletzungen sind wieder eine Folge der Neujahrsschießerei. Einem jungen Mann in Haiger platzte die jedenfalls zu schwer geladene Pistole. Durch die Sprengstücke wurden vier in der Nähe befindliche Personen verletzt, und zwar die beiden Erwähnten so schwer, daß sie in die Klinik transportiert werden mußten. Nach Aussage des behandelnden Arztes soll Lebensgefahr nicht ausgeschloffen sein. Der Thäter wurde am Neujahrstag in Haft genommen.
** Schenkung. Wie uns mitgeteilt wird, hat guch Pfarrer Schlosser von Herrn C. W. B. Fernie durch Vermittlung von dessen hiesigem Generalbevollmächtigten eine nam- bafte Summe zur üblichen Verwendung für den Oberhessischen Verein für innere Mission, den Allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege und sonstige wohlthätige Zwecke empfangen.
? Lang-Göns, 2. Januar. Neujahr fing hier in ruhiger Weise an. Um 12 Uhr ertönte das übliche Glockengeläute vom Kirchturm. Der hiesige Posaunenchor spielte am Kirchen- platz schöne Lieder, und alles rief sich in der fröhlichsten Stimmung „Prosit Neujahr" zu.
^.Burkhardsfelden, 3. Jan. Zu unserer Notiz in dir. 2 teilt uns Herr Heinr. Wagner, Sohn des Gastwirts Wagner mit, daß er selbst der Schütze gewesen ist, der die Fensterscheibe getroffen habe, daß dies aber nicht mit Vorsatz, sondern aus Unvorsichtigkeit geschehen sei. Ebenso unrichtig «sei es, daß eine Person am Arm verletzt worden oder ihm von der Polizei die Waffe abgenommen worden sei.
-t- Burkhard's selben, 3. Jan. Ein llnglücks- fall eigener Art ereignete sich hier. Der Landwirt M. fiel in seiner Wohnung so unglücklich zu Boden, daß ihm einige Rippen zerquetscht wurden. Nach Aussage des Arztes kann der Fall schlimme Folgen nach sich ziehen.
di. Nieder-Ojhmen, 2. Jan. Vor kurzem hat man hier mit dem Bau eines neuen Stationsgebäudes begonnen. Die Fundamente sind bereits so weit gediehen, daß sie auf der Oberfläche sichtbar sind. Mit dem Ausbau von Nieder-Ohmen zu einer Haltestelle wird in kurzem ebenfalls begonnen werden. Dadurch wird einem langgehegten Wunsch unserer Gemeinde sowie der umliegenden Ortschaften seitens der Eisenbahnverwaltung Rechnung getragen. Voraussichtlich wies die neue Haltestelle einen lebhaften Verkehr besonders in der Holz- Branche Hervorrufen.
x Büdingen, 3. Jan. Gestern brach im Hause des Zimmermanns Link in Großendorf am hellen Nachmittag auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus. Bei Ankunft der Feuerwehr schlugen die Flammen schon aus dem Dach chervor. Der eifrigen Thätigkeit der Feuerwehr gelang es, des Feuers Herr zu werden; doch dauerten die Aufräumungsmrbeiten bis in die Nacht
Darmstadt, 3. Jan. An der gestern abend 7 Uhr im Weißen Saale des Großh. Residenzschlosses stattgehabten 'Neujahrs-Hoftafel waren 72 Gedecke aufgelegt. Die Musik stellte die Kapelle des 1. Großh. Inf.- (Leibgarde-) Regiments Nr. 115.
Mainz, 2. Jan. Die Kgl. Preuß. und Großh. Hess. Eisenbahitdirektten gibt bekannt, daß die Mitteilung, im Eisenbahndirektionsbezirke Mainz solle bei den Werkstätten und ^Güterabfertigungsstellcn eine Einschränkung der Arbeits- iäeit in der Weise vorgenouunen werden, daß alle Arbeiter abwechselnd in der Zeit vom 1. Januar bis 1. April ds. Js. an 26 Tagen zu feiern hätten, unzutreffend sei. Während ;für die Werkstätten Arbeitseinschränkungen z. Zt. überhaupt 'nicht vorgesehen sind, ist nur für die Akkordarbeiter der Güterabfertigungsstellen in Mainz, Worms, Bingerbrück und Kreuznach zur Vermeidung von Arbeiterentlassungen eine Anordnung ; getroffen, wonach bei schwachem Verkehr für jeden Arbeiter : monatlich etwa 2 bis 3 Feierschichten eingelegt werden. — 'Nach einer Mitteilung an die Bürgermeisterei, die derselben von maßgebender Stelle zugegangen ist, ist nunmehr die ^Angelegenheit bezüglich der Einleitung der Fäkalien in 'den Rhein so weit gediehen, daß die Stadt Mainz die Erlaubnis erhalten wird, die Fäkalien in gereinigtem Zustande in den Rhein ableiten zu dürfen. Mit der Frage der Errichtung von Kläranlagen werden sich demnächst die Stadtverordneten beschäftigen.
Frankfurt a. M., 3. Jan. In der Sitzung der Stadtverordneten gab Oberbürgermeister Dr. Adickes Aufklärung über die Jügel'sche Stiftung. Die Angelegenheit liegt so, daß die Brüder Jügel in ihrem Testnment die betreffende iSumme für die Zwecke entweder der Alters- und Krankenversorgung oder des höheren Unterrichtswesens verwendet iroiffen wollten. Im Falle dieselben nicht selber noch darüber ^nähere Bestimmungen treffen würden, sollte eine Kommission ;von fünf Testamentsvollstreckern diese Bestimmung treffen, -und zwar in einem Sinne, welcher den derzeitigen Verhält- jniffeu am besten enffpreche. Nun haben die Stifter bis zu
ihrem Tode keine derartigen Bestimmungen getroffen, wohl aber ist ein Kodizill zu dem Testamente gemacht worden, in welchem den Testamentsvollstreckern die Erwägung anheimgegeben wurde, ob nicht eine Stiftung nach dem Muster der Kölner Klara- und Elise-Stiftung zu empfehlen wäre. In diesem Falle könne man zweckmäßigerweise das Grundstück der Stifter am Röderbergweg verwenden. — Wie bekannt, neigen die Testamentsvollstrecker dazu, mit dem Gelde eine Universität in Frankfurt anzubahnen, in der Bürgerschaft erheben sich dagegen zahlreiche Stimmen und aueh in der Stadtverordneten-Versammlung wurde den Testamentsvollstreckern die Anregung gegeben, die Stiftung der Armcn- und Siechenpflege dienstbar zu machen. — Der sozialdemokratische Stadtverordnete sah die ideale Vereinigung beider Zwecke in der Einführung der Lehrmittelfreiheit für Volksschüler. Anerkannt wurde allgemein, daß die Verwalter des Testaments allerdings nach den Bestimmungen der Stifter freie Hand hätten. — Sanitätsrat Dr. de Bary machte Mitteilungen aus Privatgesprächen mit dem Stifter, der ihm versichert habe, daß er den Herren seines Vertrauens freie Hand lassen wollte, um diejenigen Zwecke zu fördern, welche zu der betreffenden Zeit am dringendsten seien.
Biedenkopf, 3. Jan. Am 31. Dezember hat, dem „Hinterl. Anz." zufolge, der Förster Klinker den Wilderer Stenger aus Langenzaun erschossen. Stenger soll auf des Försters Anruf die Flinte nicht niedergelegt haben, sondern im Anschlag vorgegangen sein. Durch die Lunge tödtlich getroffen, brach er zusammen und wurde von seinen Mitschuldigen auf einer Bahre fortgeschafft. Er ist inzwischen seinen Wunden erlegen.
Vermischtes.
Hannover, 3. Jan. Auf der Station Porta fuhr eine Rangiermaschine auf einen festgebremsten Packwagen auf. Zwei Packmeisier sind schwer verletzt.
München, 3. Jan. Der kürzlich verstorbene Komponist Rheinberger vermachte der Münchener Stadtgemeinde 100 000 Mk. zu wohlthätigen Zwecken.
* Frankenthal, 3. Januar. Heute morgen wurde in der Veranda bei der hiesigen Zuckerfabrik die in den 50 er Jahren stehende Kindergärtnerin Belfer durch fünf Messerltiche ermordet aufgefunden. Die Ermordete, welche als Kindergärtnerin für die Arbeiterkinder der Zuckerfabrik eit vielen Jahren angestellt ist, hatte zu Neujahr van der Fabrik eine größere Gratifikation empfangen und man nimmt daher an, daß es sich um einen Raubmord handelt. Während des letzten Stiches, den der Mörder gegen die Brust der Dame geführt hat, scheint diese die rechte Hand auf das Herz gelegt zu haben, da die Finger der Hand durchschnitten sind. Das Aufsinden der Leiche im Pavillon erklärt sich dahin, daß die Dame herausgeläutet worden und so zum Nachsehen an der Thür erschienen war, worauf der Mörder aller Wahrscheinlichkeit nach über sie hergefallen fein dürfte. Ein der That verdächtiges Individuum wurde bereits verhaftet.
* Glasgow, 3. Jan. Hier sind 16 Erkrankungsfälle an Blattern festgeftellt worden. Aus einem Logierhaufe im nördlichen Teile Glasgows wurden allein 14 Kranke fortgefchafft.
Namur, 3. Jan. Eine junge deutsche Dame Namens Auguste B. aus Bitterfeld erlitt gestern bei einer Wagenfahrt einan schweren Unfall. Die Pferde des Wagens gingen durch und der Wagen stürzte um. Die Insassin trug so schwere Verletzungen davon, daß sie bald darauf verstarb.
Nizza, 3. Jan. Der hiesige Notar Salvi wurde wegen Betruges und Unterschlagung tn Höhe von 100000 Francs verhaftet.
• Budapest, 3. Jan. Der Direktor der Aktien-Buch- druckerei „Pallas", Ludwig Georve ist nach Unterschlagung von 200000 Kronen gepslüchtet.
Budapest, 3. Jan. Wegen finanzieller Cala- mitäten wurde das Altofener Th eater behördlich gesperrt.
Warschau, 4. Jan. Der Unternehmer Skarschinsky erhielt die Genehmigung zur Tracierung eines Kanals zwischen den Städten Wlozlawsk an der Weichsel und Konin an der Warthe. Die Arbeiten müssen binnen zwei Jahren vorgenommen werden.
New-Port, 3. Jan. Bei Lyn chburg (Virginien) auf der Eisenbahn Chesapeake wurde ein Expreßzug mit Fahrgästen voll besetzt durch herabfallende Erdmassen teilweise verschüttet. 25 Personen wurden hierbei getödtet und zahlreiche verletzt.
New-Pork, 3. Jan. Unweit Eureka (Californien) kollidierte der Küstendampfer „Walawalla" von San Francisco, nach den Pugethäfen bestimmt, mit einem unbekannten Segelschiff. „Walawalla" sank binnen 15 Minuten. Die meisten Passagiere waren noch in den Betten und 45 Personen ertranken. Die Zahl der Passagiere und Bemannung betrug zusammen 60.
Nord und Süd. Einem alten Brauche folgend, haben auch diesmal die Garnisonen Lindau und Memel Neujahrsgrüße ausgetauscht. Lindau grüßte am 31. Dezember früh: „Die Offiziere der Garnison Lindau entbieten Kameraden in Memel die besten Wünsche für das kommende Jahr." — Memel erwiderte:
„Zu Grabe sank das altersmüde Jahr, Im Morgenylanz naht jugendsrisch das neue, Das in verhüllter Hand der Völker Schicksal tragt. Was es auch bringt — eins bleibt unmittelbar; Zürn deutschen Vaterland die deutsche Treue, Wofür in Nord und Sud e i n deutsches Herz nur schlägt."
* Der degradierte Tote. Wiener Blätter erzählen eine Ehebruchsgeschichtee, die sich sehr seltsam anhört: Der Ehemann hatte die Frau und ihren Verführer erwischt; er leitete die Scheidung em. Während der gerichtlichen Verhandlungen starb er. Die Witwe vermählte sich unmittelbar darauf mit ihrem Verführer. Bis hierher unterscheidet sich der Fall in nichts von anderen ähnlichen Fällen. Vor dem Tode des Unglücklichen war aber ein Schritt unternommen worden, der der Sache ein eigentümliches Aussehen giebt. Der betrogene Ehemann war auch Leutnant der Reserve des 5. Landwehr-Ulanen-Regiments, bei welchem der Verführer zu Lebzeiten des Ehemanns die Anzeige erstattete: Er, der Anzeiger, habe die Frau des Herrn N. verführt? und dieser Herr habe ihn dafür nicht zum Duell gefordert. Mittlerweile war der Tod des Unglücklichen eingetreten; trotzdem
das Regiment von demselben verständigt worden war, fällte der Offiziers-Ehrenrat über das' Grab hinaus das Urteil, demzufolge der Tote seiner Offizierscharge verlustig erklärt wurde. Gleichzeitig erging an den Bruder des Verstorbenen, der gleichfalls Reserve-Offizier ist, der strenge Befehl, das Offizierspatent des Toten zurückzustellen. Der Bruder weigert sich diesem Befehl nachzukommen, und will lieber seine Offizierscharge niederlegen, ehe er sich entschließt, ber gegen seinen toten Bruder einschreitenden Militärjustiz behilflich zu fein.
Nniversttüts-Uachrichten.
... ~ Dir der neue preußische Etat keine Rate für die von beiden vausern des Landtages wiederholt für dringend notwendig erklärte Errichmng einer technischen Hochschule in Breslau auiweqr, Und sämtliche für diese Anstalt seitens der schlesischen Städte, Handelskammern und Jndudrietlen gemachten Zeichnungen von über drewiertel Millionen hinfällig geivorden, weil sie aUc» famm^nnr „bedingungsweise" erfolgt waren.
r nnis, 3. Jan. In der hiesigen landwirtschaftlichen k 2 l °Jl 1 G ich 111c ist eine Meuterei ausgebrochen. Die Ur- ,ache dazu bildete die Entlassung eines sehr beliebten Professors und feine Ersetzung durch einen Mißliebigen. Die Vorsteher der schule haben stch an den Residenten Pichon gewendet und chn er- k^Äb.llch iint dieser Angelegenheit zu befassen.
Kunst und Wistenschast.
~ ^rofeffor Martin Spahn sind in seinem Buche „Der Grose Kurfürst" einige „Schnitzer" passiert, die auf die Gründ- lichkett und Zuverlässigkeit seiner Forscherthätigkeit gerade kein gnnitiges Licht werfen. In einem im „Lootsen" veröffentlichten kritischen Artikel von I. H. Eckardt-Heidelberg werden dem neuestens so viel genannten Historiker etliche Verstöße vorgehalten, darunter eine schier unbegreifliche Verwechselung des schlesischen Dichters Martin Opitz mit einem Kieler Professor Heinrich Opitz. Eckardt schreibt darüber: „Beim Durchblättern des A>erles fließ ich aus das Bild eines Bekannten. In Kiel wirkte nämlich von 1675 bis 1712 als Theologe und Orientalist der Proseffor Heinrich Opitz. Dessen Bildnis, ein würdiger Kopf nut der großen Allongeperrücke des 17. Jahrhunderts, fand ich ini Werke mit der richtigen Unterschrift Heinrich Opitz. Was hat denn dieser Mann, deffen Wirken doch dem Ende
17. Jahrhunderts angehört, mit dem Großen Kurfürsten zu schaffen? fragte ich mich unwillkürlich. Mir wurde eine uner-- wartete Aufklärung zu teil. Seite 65 heißt es nämlich: „Beide (es ist von opee und Flemming die Rede) sind um vieles reichere und echtere Dichter, ate der Schlesier Heinrich Opitz (1597 bis 1639) , usw. Aber Herr Spahn, das ist doch etwas zu arg. Einem Gymnafiafteii wurde man hierfür eine arge Note geben. Der ^Icame Ntartin Opitz müßte Ihnen doch geläufig sein, er war zwar em Lutheraner, aber da Sie ja auch andere Männer dieses Glaubens kennen, hätten oie diesen doch mehr Beachtung schenken können; bet eifrigem Nachsehen hätten Sie dann auch sein richtiges Portrat in Könneckes Bilderatlas gejunbeii und nicht das Bild eines braven, alten Kieler Professors gebracht, der erst nach dem Tode seines Namensvetters das Licht der Welt erblickte."
Gerichtssaal.
F- Gießen, 3. Jan. In der heutigen Schäffen- gerichtssitzun g kamen u. a. folgende Fälle zur Verhandlung: Landwirt Heinrich Sp. von Lang-Gons hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl erhoben, in dem ihm die LIebertretung der Vorschriften für Reinhaltung ber Straße zur Last gelegt wurde. Da er fehlte, wurde ber Einspruch verworfen. — Die Strafsache gegen den Schäfer Sch. zu Wellersburg wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung wurde zwecks Ladung weiterer Zeugen vertagt. Der Schuhmacher St. von Gießen, der gegen einen Verwaltungsstrafbescheid die gerichtliche Entscheidung beantragt hatte, wurde freigesprochen. —
Leipzig, 3. Jan. Die Voruntersuchung in Sachen der Leip- ziger Bank, Exner u. Co. ist nunmehr definitiv abgeschlossen worden. Tie Anklageschrift ist bereits dem Landgericht zugegangen. Die Llnklage lautet auf betrügerischen Bankerott. Die Verhandlung wird voraussichtlich bereits m der erstell Schwurgerichtsperiode . stattfinde,i.
Odessa, 3. Jan. Das M i li t ä r g e r i ch t hat den Fürst en Dolgorucky, welcher angeklagt war, in derAtarine-Verwalttrng Unterschleife in Höhe von zwei Millionen Rubel verübt zu haben, f r e i g e s p r o ch e n. Kaiser Nikolaus ordnete fedoch an, daß der Fürst, ein Neffe der morganatischen Gemahlin des Zaren Alexanders H., Rußland sofort zu verlassen habe. Diesem Befchl hat der Fürst Folge geleistet und sich nach Wien begeben.
Arliriterlrowrguiig.
Madrid, 4. Jan. Die Metallarbeiter in Barcelona streiken weiter. Gestern brache,i wieder Unruhen aus, sodaß die Gendarmerie durch Truppen verstärkt werden mußte. Man befurchtet, daß die Streik-Unruhen m Barcelona und Umgegend noch weiter an Ausdehnung gewinnen werden. In Nlersa wurden die Steuer-Häuschen eingeäschert. In arideren Städten mußte die Gendarmerie zusammengezogen werden, da man schrvere Unruhen befürchtet.
sandel und Verkehr. Uolkswirtschast.
Märkte.
Gießen, 4. Januar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmackt kosteten: Butter pr. Pfund 0,75—1,00 Mk., Hühner- erer pr. Stück 8—9 Pf., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 5—7 Pf Kasematte 2 Stück 0—0 Pfg., Erbsen pr. Liter 20 Psg., Linsen per Liter 30 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80—0,90 Mk., Hühner pr. Stück 0,90—1,25 Mk., Hahnen pr. Stück 0,80—1,25 Mk., Enten pr. Stück 2,20-2,50 Mk., Gänse pr. Pfd. 50-70 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Psg., Schweine- keisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 60—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,50—0,00 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfa., Zwiebeln pr. Zentner 4,00—5,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 9—15 Pfg., in Körben 12—15 Pfg. Trauben 35—50 Pfg., Tomaten per Pfd. 18—20 Pfa.
Dauer der Marktzeit von morgelis 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Akarktzeit darf nicht im Umherziehen feilgeboten werden.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
, Die für Sonntag den 5. Januar angesetzte Vereinigung der konstrmierten männlichen Jugend aus der Markusgemeinde findet — nicht rote irrtümlich angegeben um 8 Uhr — sondern um 6 Uhr 'tatt- Dr. Grein.
Neueste Melaungeit.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Kassel, 4. Jan. Die Fulda ist teilweise überge- treten. Die Weser ist noch im Steigen begriffen.
Bremen, 4. Jan. Die Zahl der Auswanderer über Bremen betrug im letzten Jahre 110 606 gegen 95961 im vorigen Jahre. Davon waren 9143 bezw. 9072 auö Deutschland.
Jena, 4. Jan. Zwischen einem Offizier des hiesigen Bataillons des Jnf.-Reg. Nr. 94 und einem Studenten fand heute Morgen ein Duell statt. Der Student fiel. Der


