Ausgabe 
4.1.1902 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

kmff5.li big; sic sollen gut ans' der Gesellschaftskaffe bezahlt gewesen sein."

Die Bedeutung Miquels hat Mohl sofort erkannt. Er rühmt fein Gedächtnis, seinen guten, logischen, wohl- ;önenden. »Vortrag, sowie seine Unabhängigkeit von der tzarteischablone.Meiner Ansicht nach ist Miquel zur Be- lleidung der höchsten Stellen fähig." Dagegen sei Lasker bei seinen unleugbaren Vorzügen doch kein Staatsmann m höherem Sinne, sondern eben nur Parteimann gewesen. Dasjüdische Blut" sei cs nicht allein gewesen, das ihm die Ministersessel unzugänglich gemacht habe.

Windthorst wird geradezu als unehrlicher Charakter aufgefaßt.Er war ein hochbegabter Advokat, aber keine Spur von Fanatiker oder Märtyrer für irgend eine Sache. Als taktischer Parteiführer der Ultramontanen mußte er wohl oder übel deren Standpunkt annehmen und auch zu­weilen, wenn schon selten und kühl genug, in ihrem Sinne reden; aber für einen eifrigen Katholiken hielt ihn kein Mensch, schwerlich die Einsichtigeren der Partei selbst. Poli­tischer Partiknlarist war er ohne Zweifel aufrichtiger, schon aus persönlichen Beweggründen; schade nur, daß die Ueber- zeugung allgemein war und oft genug geäußert wurde, es wäre seinerzeit ein leichtes gewesen, ihn zu gewinnen, und es spreche jetzt nur getäuschter Ehrgeiz und Egoismus aus ihm. Gerade in diesem Hauptpunkte war die höhere sittliche Würdigung begründet, welche Lasker zuteil wurde." Hermann v. Mallinckrodt habe den Zweifel erweckt, ob man einen Großinquisitor oder einen Don Quichote vor sich habe. Er war ehrlich, aber einblinder Fanatiker"; er besann sich nicht, Brandstoffe unter die gläubige und unwissende Menge zu weiterer und leidenschaftlicher Auf­regung zu werfen."Peter Reichensperger habe ich nur einmal reden gehört mit Achtung vor dem Talente, mit Staunen über den Pathos und mit einer Art von Grauen vor der bis zum Zittern der Stimme und der Hände gehen­den nervösen Aufregung des finsteren dunkelen Mannes." Er sei bedeutender als sein Bruder August R. gewesen, dessen Milde aber angenehmer berührt habe.

Rach Mallinckrodts Tode erhielt das Zentrum in B. von Schorlemernur einen ungenügenden Ersatz." Bei dem Streit über die Zivilehe hätten die rheinischen Zen­trum smitglieder nicht entschlossen auftreten mögen, weil in ihrer Heimat das Institut längst bekannt und beliebt gewesen sei.So blieb der Streit ein speziftsch bayerisches' Stiergefecht. Damit soll jedoch nicht entfernt gesagt sein, daß meine Ansicht von der Gefährlichkeit und von der politi­schen und sittlichen Verwerflichkeit dieser Partei sich im mindesten durch die längere Bekanntschaft mit ihr geändert habe. Im Gegenteil, ich betrachte sie nach wie vor und selbst in steigendem Maße als einen Krebsschaden für das Reich, welcher wenigstens möglicherweise die schwersten Krisen Hervorrufen kann."

Eugen Richter, an dem er das fleißige Studieren der Finanzfragen lobt unb dieBitterkeit der Opposition" tadelt, war nach unserem Autobiographenohne Zweifel das hervorragendste Mitglied der Fortschrittspartei, zunächst aber wenig beliebt in der Versammlung, welcher er wenig sym­pathisch und fast unheimlich war. Daß er von der Regier­ung gehaßt und gefürchtet wurde, war selbstverständlich." Und vorher;Daß Richter eine bedeutende Zukunft hat, scheint mir unzweifelhaft."

Döllinger erfährt vielleicht die interessanteste Be­urteilung. Er hat, wie Mohl meint, nicht den Mut der Ueberzeugung gehabt und, zu jenes Erstaunen, sich die Ex­kommunikation tief zu Herzen genommen. Als anerkannt erster Theologe Deutschlands hätte er es in der Hand gehabt, eine überwältigende Bewegung in ganz Deutschland gegen das Unfehlbarkeitsdogma hervorzurufen, damit aber gegen ben Absolutismus der Kurie unb den Terrorismus oer Jesuiten schließlich zur Bildung einer deutschen National- ttrche den Anstoß zu geben. Allein hierzu wäre ein persön­liches Hervortreten, ein Einsetzen seiner ganzen Person, ein Entschluß zur Führung eines wütenden Kampfes bis an das Ende seines Lebens notwendig gewesen." Dazu war, nach Mohls Ansicht, Döllinger zu wenig Charakter- unb zu viel Gemütsmensch. Er sei mehr Erasmus als Luther gewesen. Die geflissentliche Ehrung des Exkommunizierten durch Ludwig II. hervorhebend, schließt Mohl:Ob und wie sich das unklare Verhältnis lösen wird, muß die Zeit lehren. Ich wünsche nicht eben, den kaum älteren Mann zu überleben, allein begierig zu wissen wäre ich allerdings, ob nicht doch schließlich eine Aussöhnung mit der Kurie erfolgt, d. h. eine Unterwerfung Döllingers; unb wäre es auch nur auf bem Todesbette. Für unmöglich erachte ich es nicht, wie ich den Mann zu kennen glaube."

Schon aus Raummangel können wir die Mohlschen Ur­teile über so manche politische Persönlichkeiten, von den allerhöchsten bis herab zur scharfen Opposition, hier nicht

andeuten; das Mitgeteilte reicht wohl hin, um einschem zu lassen, daß Mohl zwar ein Menschenkenner war, aber auch in der einseitigen Parteibeleuchtung, von der er sich unab­hängig glaubte, manches schief beurteilt hat. Bequem ist es ja freilich,' abweichende Ansichten anderer dadurch' ;u erklären, daß man die Personen für dumm ober unredlich ausgiebt. Man gestatte uns nur noch eine Notiz über den fröhlichen Poeten I. V. v. Scheffel. Diesem ist Mohl in Karlsruhe näher getreten. Scheffel sei nicht so glücklich gewesen, wie die äußeren Verhältnisse gestatteten; mit seiner liebenswürdigen, hochgebildeten, schönen, jungen Fran" lebte er oft in Unfrieden, und Mohl, der anfangs zur Ver­mittelung herbeigezogen wurde, kam, wie das so geht, dadurch mit dem Dichter auseinander. Zankt das Maskulinum mit dem Femininum, so muß eben, einem alten Spruche zufolge, ein verständiger Dritter stets das Neutrum bilden. Scheffel sei gelegentlich unzurechnungsfähig gewesen, und nur dadurch könnten manche seiner sonst scharf zu verurteilen­den Handlungen leidlich erklärt werden. Auch Scheffels Arbeiten hätten darunter gelitten. Mohl fiel in Königsberg gelegentlich der akademischen Jubelfeier von 1844 der ost- preußischen Ritterschaft in die Hände, hat aber von dem Feste keine andere Erinnerung, als daß die Herren sehr viel mehr als er selber trinken konnte. Auf der Rückreise lernte er in Berlin beiSavigny dessen Schwägerin Bettina von Arnim,schmutzigen und geistreich unverschämten An­denkens", kennen. Aehnliche Stichworte werden mit mehr oder weniger Recht zur Kennzeichnung zahlreicher Personen verwandt, deren Namen ein ausführliches Register vereinigt, das dem schön ausgestatteten Werke beigegeben ist._______

Reformen im Strafrecht.

Von der Reform des deutschen Strafgesetzbuchs^ ist neuerdings in einem Teile der Presse die Rede, unter Hin­weis darauf, daß die Regierung nach Abschluß der Gesetz­gebung über das bürgerliche Recht die Reform des Straf­rechts wiederholt zugesagt habe. Auch auf der Tagesordnung des freilich noch in weitem Felde stehenden deutschen Juristentages befindet sich die letztere Reform. Nach den Mitteilungen, die wir von unterrichteter Stelle empfingen, liegt die Sache so, daß ein sehr umfangreiches vorbereiten­des Material für eine Neudurchsicht des Strafgesetzbuchs vorhanden ist, daß aber mit einem längeren Zeiträume gerechnet werden muß zur Vollendung eines fertigen, dem Reichstag zu unterbreitenden Entwurfes. Darüber können Jahre hingehen.

Reformvorschläge giebt es auf diesem Gebiete in Hülle und Fülle, im ganzen mehr mit der Absicht, eine Verschärf­ung, als eine Milderung der Strafgesetze herbeizuführm. Die Verschärfungs-Tendenz liegt im Zuge unserer Zeit. Stünde etwa gegenwärtig die Revision des Strafgesetzbuchs zur Beratung im Reichstage, so würde zweifellos das Straf­recht in vielen Bestimmungen, einen strengeren, ja einen drakonischen Charakter erhalten. Das Zentrum hat z. B. einen noch unerledigten Antrag im Reichstag eingebracht, demzufolge wegen Diebstahls und Unterschlagung außer der Freiheitsstrafe hohe Geldstrafen vorgesehen sind. Bekannt sind ja auch seit den parlamentarischen Kämpfen um die Lex Heinze ine Bestrebungen, sowohl auf feiten des Zentrums wie der Konservativen, die Paragraphen über die Ver­gehungen wider die Sittlichkeit so zu erweitern, daß Anstoß erregende künstlerische Schöpfungen und Darstellungen mit recht nachdrücklichen Strafen bedroht würden. Andere Ver­schärfungs-Absichten betreffen die Betrugs-, Wucher-, Be- leidigungs-, Zweikampf-Paragraphen usw. Kurzum, die Anhänger derAbschreckungs-Theorie" sind weitaus in der Mehrzahl, obwohl die Justiz der Vergangenheit mit ihrem gewaltigen Apparat grausamster Strafen feststehendermaßen auch nicht den Missethaten kräftig zu steuern gewußt hat. Diejenigen, die bei einer Revision des deutschen Strafrechts vornehmncy das Moment im Auge haben, daß die Milde da, wo sie angezeigt ist z. V. bei den Vergehungen aus Not mehr zur Geltung komme, haben in jetziger Zeit wenig auj Berücksichtigung zu Höften. Es sind sehr beachtenswerte Stimmen laut geworden, die es für immer noch besser er­klärten, das Strafgesetzbuch bleibe noch eine Reihe von Jahren ohne eine durchgreifende Revision, als daß eine solch, mit der Grundtendenz der Verschärfung erfolge.

Eine andere Reform liegt auch viel näher; sie ist nicht nur dringlicher, sondern es wird sich hier auch bei weitem leichter und rascher Uebereinstimmung erzielen lassen. Die Verbesserung des Vorverfahrens zu Gunsten des Angeschul­digten: sie müßte die Grundlage bilden, müßte der erfte Schritt fein zur Revision des Strafrechts. Darauf kommt es hauptsächlich und vor allem an, daß so schleunig, so um­fassend als möglich die Untersuchung geführt wiro, daß der Beschuldigte, bevor er auf die Anklagebank kommt, jeg­liche Gelegenheit zur Rechtfertigung erhält. Auch die Ver­

hängung der Untersuchungshaft sollte von Gesetz wegen _metyc zu einer Ausnahme-Maßregel gemacht werden, abgesehen natürlich von schweren oder rückfälligen Verbi

Fälle einer sich über lange Monate hmausziehenden Unter^i suchungshaft, während die Gerichtsverhandlung das Ergeb^ nis einer geringeren Freiheitsstrafe oder gar o er F e sprechung hat, sind nicht selten. Noch zu wenig wird he* * achtet, daß die Untersuchungshaft dieselben schweren Folgen für die Betroffenen herbeiführen, ihn auf ^bre hfucmA in feiner Existenz schädigen kann, wie die Strafhaft. ^ewer! ist die Entschädigung wegen unschuldig erlittener Untersu^ ungshaft zeitlich zu begrenzen je nach der Schwere des Vw? gehens. Untersuchungshaft und Strafe mu))en im n^^t^gen. Verhältnis zu einander stehen. Auch das ist rn Betracht zn ziehen, daß die peinvolle Ungewißheit über sein Schicksale den Untersuchungsgefangenen und wie erst den ftcy schuldig Fühlenden! beherrscht; die kleinen Erleichter-i- ungen, wie Selbstbeköstigung, Selbstbeschäftigung, bebaute# demgegenüber so gut wie nichts. In der Gertchtsverhano^ hing, wo sich der Angeklagte Ange in Auge mit den Zeugen befindet, das Recht der Fragestellung an sie hat, lost sich oft manches, worüber Bände voll Akren niedergeschriebeM sind, in Frist weniger Stunden. Würde die Untersuchung' in ähnlicher Weise das Prinzip der Gegenüberstellung des- Für und Wider haben, so könnte manchem vielleicht, durch rasche Aufklärung des Falles, der harte Gang zur Anklage­bank, die Bloßstellung vor der Oeffentlichkeit -erspart; werden.

Auszug aus dcu Kirchenbücher« der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute. Markusgemeinde. Den 1. Januar. Her­mann Klotz, Spengler zu Gießen und Lina Frieberike Marie Klingel- meier, Tochter des verstorbenen Fluftchützen Karl Klingelmeter zu> Gießen.

Getaufte. Maithäusgemeinde. Den 29. Dezember. Dem Locomotivführer Karl Bufeck ein Sohn, Wilhelm Ludwig, ge­boren den 2. Dezember. Markusgemeinde. Den 1. Ja­nuar. Dem Friseur Bernhardt Dofch eine Tochter, Johanna Barbara, geboren den 17. Dezember. Dem Taglöhner Joseph Schumann ein Sohn, Karl, geboren den 15. November. Dem Schlosser Heinrich Müller eine Tochter, Minna Karoline, geboren ddn 12. September. Lukusgemeinde. Den 29. Dezember. Dem Sektionsingcnieur Friedrich Albert Kosche ein Sohn, Robert Bernhardt Hellmuth, geboren den 21. Oktober. Den 1. Januar. Dem Schmied Karl Parr ein Sohn, Karl Heinrich Robert Dttn, geboren den 13. Dezember. Dem Bahnwärter Heinrich Heß eine Tochter, Martha, geboren den 5. November. Johannes- gemeinde. Den 26. Dezember. Dem Schmied Franz Joseph Ganß eine Tochter, Luise Henriette, geboren den 7. Dezember. Den 29. Dezember. Dem Kaufmann Rudolf Hahn ein Sohn, Rudolf Carl Ludwig Wilhelm, geboren den 25. November. Eine unehe­liche Tochter, Elisabeth, geboren den 16. Oktober. Den 1. Januar. Dem Kaufmann Joseph Seeler eine Tochter, Minna Dorothea Anna Emma, geboren den 5. Dezember.

Beerdigte. Johannesgemeinde. Den 3. Januar. Heinrich Franz, Sohn des Taglöhners Johannes Franz, 11 Jahre alt, starb den 31. Dezember.

Schisssnachrichten.

Red Star Linie" Antwerpen.

Der PostdampferZeeland" derRed Star Linie- m Antwerpen ist laut Telegramm am 1. Januar wohlbehalten in New-Port angekommen.

Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 2. Januar. (Per transatlantischen Telegraph^ Der Doppelschrauben-PostdampferHannover''. Kapt. I. Jantzen, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist am 3L Dezember 1901, 1 Uhr nachmittags wohlbehalten in Galveston angekommen.

Warnung vor Fälschung

tttaA ay* *n Pillen noch in Pulverform noch mit Cacao gemischt, sondern 179

n i-i -n io Flaschen mit eingeprägtem Namen ist

11U1 Dr. Hommels Haematogen echt. |

m J Man verlan9e abera11:

F loells vorzügliche

00' o GM

Kronen-Papier-Wasche | jnd achte beim Einkauf auf die nebenstehende Schutzmarke.

M- Seidenstoffe

von Ehen 4 Keussen, ALL Krefeld.

ML

Was ist antiseptisch?

Was sind Bakterien?

I

2. Bacillen.

nützlich und notwendig, sich darum zu kümmern, was es eigentlich mit diesen Erbfeinden des menschlichen Körpers für eine Bewanbt- nis habe, und wie man sich dagegen mehren kann und muß. Eine Anregung dazu zu geben, ift der Zweck dieser Zeilen.

Der landläufige Ausdruck Bakterien ist

eigentlich ungenau. Der Sammelname für diese Aticroorganismen (deutsch: kleine Lebewesen) ist Spaltpilze. Es giebt gutartige und bös­artige Spoltvilze. Tout comme chez nous. Die gutartigen besorgen eine große Anzahl von .Kulturarbeiten. Spaltpilze sind es, die den Mist in fruchtbare Ackererde umwandeln, die der Luft Stickstoff entziehen, um ihn in zahl­reichen FutterkräuternMrfzuspeichern,tne Alkohol,

lieber diese Begriffe herrschen im Publikum die drolligsten Vorstellungen. Die einen meinen, daß in der Luft der Städte Milliarden von Krankheitskeimen umherschwimmen und nur daraus warten, daß der Mensch Mund und Nase aufmache, um auf diese Kreatur wie über eine Delikatesse herzufallen. Für andere wieder existiert diese nwdeme wissenschaftlicheErfindung"

i'werhaupt nicht, und es fällt ihnen nicht ein, M auch nur die einfachsten hygienischen Vorsichts- t maßregeln zu beachten. Das Richtige liegt wie % so oft in der Mitte. Zweifellos erwiesen ist, oaß eine große Anzahl menschlicher Krankheiten, l und besonders die alleraefährlichsten (Schwind­sucht, Typhus, Cholera, Pest, Drphtheritis usw.) i. Bakterien. durch diese kleinen Lebewesen hervorgerufen werden. Deshalb ist es für diejenigen, die lange zu leoen wünschen,

Wein, Bier, Essig erzeugen und die den Brotteig aufiockern. Ge­wisse im Darme lebende Spaltpilze scheinen für die Verdauung so iwtwendig zu sein, daß ohne ihre Thätigkeit der Mensch über­haupt nicht leben konnte. Unb so ließen sich noch viele Beispiele ansühren. Wir wollen uns - jedoch nicht bei den nützlichen Spaltpilzen auf- halten, sondern wir wollen uns die schädlichen a

etwas genauer betrachten. F e

Wie die Abbildungen zeigen, sind die j J Spaltpilze ganz verschieden geformt Nach ihren j ®

Formen sind sie auch wtssenschaftlich getauft worden. Ist es auch für den Laien nicht nötig, die einzelnen Namen und Arten zu keimen, so d- Spirillen, wird es doch manchem Wissenslustigen erwünscht sein, wenigstens einige allgemeine Anhaltepurckte zu erhalten: Spaltpilze in Form kurzer plumper Stäbchen heißen Bakterien (1). Längere, faden­förmige Stäbchen nennt man Bazillen (2). . .

Coceen sind kugelförmige, Vibrionen und Spi- / <

rillen (3) spiralförmig gewundene, Spirochaeten z / <

(4) langgewundene, korkzieherförmige Spalt- J 5

pilze. Geißeln (5) nennt man die langen, 1 .

dünnen Fäden, die den beweglichen Spaltpilzen < /

als Ruderarme bienen.

Tie Vermehrung ber Spaltpilze geschieht ( in ber Weise, baß sie sich, wenn sie eine be­stimmte Große erreicht haben, in zwei Hälften 4- Spirochaeten. spalten. Diese werben enhueber frei ober bleiben in bestimmten Anordnungen nebeneinander liegen, so baß Gemeinwesen: Verbänbe ober Gruppen entstehen. Bei ben Coceen unterscheibet man traubenförmige Gruppen: die Staphyloeoeeen (6), ferner Ketten­reihen: bie (Streptococcen (7), bann Gruppen zu je zwei Coceen: Diplococcen (8) unb paketförmige Gruppen: Sarcinen (9).

t Aus ber Form eines Spaltpilzes ist nun 15 burchaus nicht ohne weiteres zu erkennen, ob

* er gutartig ober bösartig ist; ja es kann

> sogar ein unb bieselbe Spaltpilzart gutartig unb bösartig zugleich sein, je nach ben Ver- * ** hältniffen, in benen sie aufwächst. Ganz rote # . * bei ben Menschen: ein schlecht beanlagter Mensch

1 kann bei guter Erziehung unb günstigen Ver- 7. Streptococcen. ' hältniffen noch ein nützliches Gued der Gesell­

schaft roerben unb umgekehrt, ein gut bean= z-otfSP- lagter kann bei schlechter Umgebung unb vernachlässigter Erziehung zum Verbrecher'/Tur zlf ausarten. Die kleinsten Deränberungen bes Us ( Nährbobens veränbern unter Umftänben bie ß Eigenschaften eines Spaltpilzes erheblich. So fi kann z. B. ber Spaltpilz ber Diphtherie in ber Munbhöhle mancher Menschen wuchern, /MS

ohne Krankheitserschemungen auszulösen. Wirb berselbe Spaltpilz auf anbere Menschen über- 5. Geisseln, tragen, so führt er vielleicht ben Tob herbei. Der Cholerakeim ruft in einigen Fällen nur leichte Durchfälle hervor, in anberen Fällen vernichtet er in wenigen Stunben bas Leben bes Kranken.

Ueber bie Lebensbebmgungen ber Spaltpilze, insbesonbere ber krankheitserregenben (pathogenen) herrscht jeboch fein Zweifel: Sie bebürfen alle zu ihrer Ernährung feuchter tierischer ober pflanzlicher Probukte. e Von ber Luft kann keiner leben. (Die Aehn- e lichkeit mit allen menschlichen VerhälMiffen< e

ist auffällig.) Gegen Kälte sinb sie empfinblich. eeye Reinlichkeit ist ihnen ein Greuel. Wärme e *e (namentlich Blutwärme wie im Munbe 37°) »»

ist ihr Lebenselement. Ueberhaupt ist ber * *e»* ,« Mund ihr beliebtester Aufenthaltsort. Ein un- e** gereinigter Munb, in bem Fäulnißstoffe sich 6. staphyloeoeeen. befiiiben, ist ein richtiges Bakterien-Nest, wo Generationen aus­gebrütet werben unb üppig gebeten. Hier setzen sie sich im kranken Zahnfleisch unb in bem kranken" -6S& Zahnmarke ber hohlen Zähne fest, um von öa m ^e Schäbelhohlen, in bas innere Ohr, in bie Speicheldrüsen, 'bie Lymphbrüsen, oie Lungen, ja selbst in ben Kreislauf bes Blutes zu roanbem.

So weit über die äußeren Verhältnisse ber Spaltpilze. In bem folgenben Artikel soll ge- zeigt werben, auf welchem Wege sie auf ben 8. Dipiococcee. Menschen übergehen, unb wie wir uns gegen ihre Schäbigungen wehren können.

(Dr. med. "W. Ganser-Wien.)

(Fortsetzung mit den weiteren Abbildungen folgt in der nächsten SamstagS» ninmner, 12. Januar.) 203j