Ausgabe 
3.12.1902 Zweites Blatt
 
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trtthntg für die von der Eisenbahn dem Verein überlassenen Räume viel zu gering bemessen sei, und daß man es als ein Unrecht ernpfinde, wenn Beamte während der Tienstzeit die Geschäfte des Konsum-Vereins besorgen; daß es werter nicht angängig sei, wenn Beamte, die durch chren Dienst erlangte Kenntnis von Bezugsquellen hiesiger Handels­treibenden im Interesse des Eisenbahn-Konsumvereins ver­werten. Ter zweite Vorsitzende, Herbert, teilt mit, daß die Marktdeputalion beschlossen have, der Stadloerordneren- Dersammlung vorzuschlagen, die Gießener Märkte durch öffentlichen Aushang in den umliegen­den Gemeinden und auch auf den geeigneten Bahnhöfen bekannt äu geben. Ter Verein hat im abgelaufenen Ge- schästsjayr an Mitgliederbciträgen vereinnahmt Ö2ö Mark, verfügte aber im Ganzen über den Betrag von 1307 Mark 07 Pf., dem eine Ge>amtausgabe von 579 Mark 23 Pf. gegen übersteht. Eine Besprechung über den in Bildung begriffenen Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs lieh erkennen, daß die Mitglieder dafür Interesse haben. Der Vorstand wurde ermächtigt, den Beitritt des Tetaillisten- Vereins zu dem Verkehrs-Verein zu erklären. Die Vorstandswahl ergab dte Wiederwahl der beiden ausscheidenden Herren Aug. Noll und B Oppenhei­mer; an Stelle der Herren Stuhl und Haas wurden die Herren Herber und Selbst geivählt. Ter Verein beschloß, bei der Wahl zur Handelskammer für die seit­herigen Mitglieder der Kammer einzutreten. Aus der Milte der Versammlung wücoe gewünscht, daß die Be­ratungen der Handelskammer öffentlich statt- finden. Tie Platzfrage dürfe bei dieser Einrichtung keine Rolle spielen, da es ja ein offenes Geheimnis sei, daß der jetzige Beratungscaum die Mitglieder der Kammer, wenn sie vollständig versammell seien, gar nicht fassen könne. Ter Haiidelsjtanü unserer Stadt, der zu den Konten der Kammer usw. steuere, könne verlangen, dap die itommer öffentlich verhandele. Die beiden Mitglieder der Kammer, Röhn uni) Balser, versprachen, wenn sie wieder gewählt werden, nach dieser Richtung einen Antrag in der Handels­kammer stellen zu wollen.

** Obstsegen. Nach vorläufigen Zusammenstellungen her Obsternte an den Ltrersftraßen betragen die Einnahuien an der Straße nach Grvßen-Liiiden putschen 800 und 900 Mark, an der Wetzlarerstraße etwa 900 Mk. und an der Rodheimerstraße bei Heuchelheim über 1000 Mk. An der Straße nach Großen-Linden stehen 180, an der Wetzlarer- straße über 200 und an der Rodheimerstraße etwa die gleiche Zahl Obstbäume. Tie Aepfetsorten sind in erster Linie: Goldparmänen, Baumanns-, Kasseler-, graue fran­zösische Reinetten, Schöner von Boskop und Landsberger.

"Der grüne Wagen ist am 1. Dezember in Dienst gestellt worden. Tas Gespann zu dem Wagen, der 1012 Plätze hat, stellt ein hiesiger Oekonom. Ter Wagen fährt Montags und Donnerstags vormittag zum Zuge 7.53 Uhr der Fuldaerstrecke, ebenso zum Zuge 9.41 Uhr, der von Gelnhausen kommt, um Gefangene abzuholen. Nach 11 Uhr fährt er abermals zur Bahn, um die Gefangenen zur Bahn zu bringen, die die Fahrt nach Frankfurt oder älassel zu machen haben. Aus der Main-Weserbahn ist jetzt sell einigen Tagen auch ein Gefangenenwagen irn Zuge eingestellt, sodaß die sonstigen Reisenden durch die Gefangenentransporte nicht mehr belästigt werden. Außerdem ist den begleitenden Beamten damit eine große Sorge abgenommen, weil ein Entweichen der Häftlinge auf dem Transport durch diese Einrichtung fast unmöglich gemacht ist. Tie Gefangenen­transporte von der Lahnstrecke werden Dienstags und Frei­tags nach Bedarf durch den grünen Wagen besorgt.

** Weihnachtssendungen. Die Reichs-Poswer- waltuna richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den Deihnachtsfendungen bald zu be­ginnen, damit die Paketmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste ru sehr zusammendrängen, wodurch die Pünktlichkeit in der Beförderung leidet. Bei dem außerordentlichen Anschwellen des Verkehrs ist es nicht thunlich, die gewöhnlichen Besörderungsflisten einzuhalten und namentlich aus toeüere Entfernungen eine Geivähr für rechtzellige Zustellung vor dem Weihnachtsfeste zu übernehmen, wenn die Pakete erst am 22. Tezember oder noch später eingeliefert werden. Tie Pakete sind d a u e r- h a s t zu verpacken. Dünne Papptasten, schwache Schachteln, Zigarrenkisten usw. sind nicht zu benutzen. Tie Auf­schrift der Pakete muß deutlich, vollständig und haltbar hergestellt sein. Kann die Aufschrift nicht in deutlicher Weise auf das Paket selbst gefetzt werden, so empfiehlt sich die Verwendung eines Blattes weißen Papiers, welches der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Bei Fleischs end ungen und solchen Gegen­ständen in Leinwandverpackung, Die Feuchtigkeit, Fett, Blut usw. absetzen, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung aeklebt werden. Ain zweckmäßigsten sind gedruckte Auf­schriften auf weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Vostpaketadresfen für Paketausschriften nicht verwendet werben. Ter Name des Bestimmungsorts mutz stets recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Paketauffchrift muß sämtliche Angaben der Beglelladresse enthalten, zutreffenden Falles also den Frankovermerk, den Nachnahmebetrag nebst Namen und Wohnung des Ab­senders, den Vermerk der Eilbestellung usw., damll im Falle des Verlustes der Postpaketadresje das Paket doch dem Empfänger ausgehändigt werden kann. Auf Paketen nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Paketen nach Berlin auch der Buchstabe deS Postbezirkes (C., W, SO. usw.) anzugeben. Zur Beschleunigung des Betriebs trägt es wesentlich bei, wenn die Pakete frankiert aufgeliefert werden. Die Vereinigung mehrerer Pakete zu einer Begleitadresfe ist für die Zeit vom 15. bis 25. Dezember im inneren deutschen Verkehr ^Reichspostgebiet, B<U)ern und Württemberg) nicht gestattet. Auch für den Auslandsverkehr empfiehlt es sich im Interesse des Publikums, während dieser Zell zu jedem Paket besondere Begleitpapiere auszufertigen.

** Arbeiter - Kolonie Neu-Ulrichstein. Ende November befinden ftch auf hiesiger Kolonie stellen-, resp. arbeitslos 129 Mann.

An einer er* erstickt. Von einem Arzt erhält ein Berliner Blatt folgende bemerkenswerte Zuschrift: .Dieser Tage wurde nur cm Kind von der Mutter gebracht, Schaum vor Mund und Nase tot Ein rascher Griff in den yalö belehrte mich, daß im Mund ein harter Gegenstand steckte, der sofort entfernt werden konnte, als ich das Kmd auf den Kopf stellte und in dieser Lage einige Sekunden an den Beinen feslhiell. Der Gegenstand, den ich aufbewahre, war eine .Klicker*, eine Kugel von 11'/, Zentimeter im Durchmesser, das beliebte Spielzeug. Würde der Mutter be­kannt gewesen sein, daß man einen verschluckten, in die oberen Luftwege geratenen Fremdkörper nicht selten dadurch entfernen kann, daß man ihm gestattet, der Schwere folgend, nach

unten zu sinken, indem man den Betreffenden auf den Kopf stellt, so würde das Kind mit größter Wahrscheinlichkeit ge­rettet worden sein. Vielleicht hat dieser Hinweis zur Folge, daß in ähnlichen Fällen die kostbare Zeit bis zum Eintreffen des Arztes m der geschilderten Weise ausgenützt wird.*

(:) Gr o ß e n-L i n o e n, 2. Dez. Wegm dringenden Verdachts, mit einem geistig nicht normalen Mädchen von kaum 16 Jahren sell einiger Zeit so verkehrt zu haben, daß gewisse Folgen eingetreten sind, wurde hier ein 30- jähriger Bahnarbeiter verhaftet und ins Gefängnis nach Gießen verbracht . Ter Verhaftete ist verheiratet und Vater dreier Kinder.

)( L o l l a r, 2. Dez. Der Telegraphen- und Fernsprech­dienst beginnt jetzt bei dem hiesigen Postamt an Werktagen statt um 3 bereits um 2 Uhr nachmittags.

)( Allendorf a. d. Lda., 3. Dez. Im Lüll'schen Saale führte gestern abend Pfarrer E ck st e i n in dMikens- werter Weise dasLeben Luthers" in Lichtbildern vor. Ein großes Publikum spendete reichen und verdienten Beifall.

m. Friedberg, 2. Dez. Man schreibt un5: Nachdem Bürgermeister Sandmann sein Amt desinitio nicbergelegl hat und wieder in den Staatsdienst einzutreten gedenkt, soll schon in aller Kürze die Bürg er meist er stelle aus­geschrieben werden, da in der städtischen Verwaltung wichtige und dringende Arbeiten bevorstehen. Die Besetzung soll des­halb möglichst beschleunigt werden.

? Rodheim, 1. Dez. Nachdem durch den, im letzten Sommer erfolgten Tode des Beigeordneten Georg Nikolei dessen Stelle frei geworden war, wurde heute der Ge­meinde- und Kirchen-Rechner Otto Hofmann als Bei­geordneter gewählt.

Aus dem Rodgau, 1. Dez. Tie gefürchteten M a- sern, die in diesem Jahre sehr häufig in Verbindung mit Hals- und Lungenkrankheiten auftreten, breiten fidj in erschreckender Weise von Ort zu Ort auS und fordern fast täglich neue Opfer. Viele Hunderte von Kin­dern sind erkrankt und liegen in manchen Familien oft 46 Kinder gleichzeitig zu Bette. Tie unteren Klassen der Schulen zu Evpertshausen, Ober-Röden und zu Urberach sind bereits geschlossen, während die oberen Klassen meist bis zur Hälfte gelichtet sind.

t. Lauter bei Grünberg, 1. Dez. Hier ereignete sich ein schrecklicher Unglücksfall. Der hiesige Chausseewärter, ein noch junger Mann, stürzte von einem Wagen Heu herab und war sofort tot. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und mehrere Kinder.

(!) Kaulstos, 1. Dez. Gestern starb ganz plötzlich der Veteran Heinrich I o ft IV. Ter Verstorbene war der einzige Kombattant aus unserer Gemeinde in den Feld­zügen von 1866 und 1870/71. Während des letzten Krieges wurde er invalid und erhielt eine Invalidenrente.

() AlSfeld, 2. Dez. Die höhereMädchenschule, die bisher Privatanstalt war, wird von Ostern 1903 an alshöhere Bürgerschule für Mädchen" verstaatlicht werden.

Darmstadt, 2. Dez. Zu Beginn der gestrigen Sitzung der evangel. Gesamt-Gemeindevertretung ge­dachte der Vorsitzende, 1. Stadtpfarrer Belte, des ver­storbenen Pfarrers Grein mit folgenden Worten:Wir stehen unter dem Eindruck eines erschütternden Tobes­salles, indem in der Person des Herrn Pfarrer Tr. Grein ein teures Mitglied der Gemeindevertretung plötzlich ab- gerufen wurde. Der Verstorbene war ein Seelsorger und Geistlicher, auf den große Hoffnungen gesetzt wurden; er war erst wenige Wochen hier, und gleichwohl brachte ihm die Gemeinde berells das größte Vertrauen entgegen. Um so tiefer empfinden wir den Verlust, und werden dem Verstorbenen ein treues Andenken bewahren." Tie Ver­sammlung ehrte das Gedächtnis des Entschlafenen durch Erheben von den Sitzen. Tann wurde in die Tagesordnung eingetreten.

Tie Stadtverordneten Lindt und Säen g haben, wie dieN. H. V." schreiben, die Einführung der Ma­gistrats-Verfassung beantragt. Ter Gedanke ist schon vor vielen Jahren von dem verstorbenen Stadt­verordneten Bergsträßer angeregt worden, damals freilich ohne Erfolg.

Bensheim, 1. Dez. Morgen nachmittag findet im Rathause die Bürgermeistermahl statt. Es soll sich, wie die ,91. H. 93/ erfahren, eine ziemlich große Zahl von aus­wärtigen Herren um die Stelle beworben haben. Das Re­sultat ist aber im voraus sicher. In einer gestern statt- gefunbenen Vorbesprechung der Stadtverordneten einigte man sich dahin, von jeder Debatte abzusehen und den Rechts­anwalt Dr. Ignatz Frenay in Mainz einstimmig zum Bürgermeister zu wählen.

Lindenfels, l.Dez. 100 Jahre sind in diesen Tagen verstrichen, seitdem alle zum Oberamt Lindenfels gehörenden Orte an Hessen gekommen sind. Der Gemeiudevorstand und Gememderat, sowie der Festausschuß für die Geburtstags­feier Sr. Kgl. H. des Großherzogs haben mit dieser letzteren auch jenes Ereignis gefeiert.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die geplante Errichttmg einer Pro- vinz ial-Pflegeanstalt für die Provinz Starkenburg sieht nunmehr ihrer Verwirklichung entgegen. Die Anstalt wird unweit der Gemeinde Ebersladt erstehen und einen Kosten­aufwand von etwas über 180 000 Mk. verursachen.

Etngcsanöt.

(Für Form und Jnhcut aller unter dieser Rubrik stehende« Ärtikä übernimmt die Redaktion dem Pnbtikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Die vrotpretsfrage.

Nachdem die Srotpreidirage nun schon so ost ventiliert wurde, rst eS wohl notwendig, daß einmal auch die Vertreter der Bäcker da§ Wort ergreifen. Fast sämtliche Müller verwenden deutsche und au6länbijct)e Ware, um dem Bäcker gutes Diehl zu liefern und da hat vorerst der Bäcker nut der Thatsache zu rechnen, daß ihn der Toppettenlner dieses Mehles nundestenS 22 Mk. kostet. TaS letzte Eingesandt sagt, daß einige Bäckermeister empfohlen hätten, angesichts der gesunkenen Diehlpreise den Laib Brot um vier Pfg. billiger zu geben, und daß dies der beste Beweis Dafür wäre, daß Der jetzige Preis deS Brotes zu hoch sei. In verschiedenen Sitz­ungen der Vertreter wurde wegen deS schlechten Geschäftsganges auch die Preisfrage, ob zwei oder vier Pfennig Abschlag möglich wären, öfter besprochen; m der Hauptversammlung aber wurde nur ein Abschlag von zwei Pfennig ernstlich oorgefchlagen und em­pfohlen. Tie Verfannnliing gmg auf eine größere Preisreduzierung nicht ein, was Die Mehrheit damit begründete, daß angesiüits der hohen Produkt lonSkosten, Rat uralien, Löhne, Ernsiihrung des Maximal- arbeilstages ein größerer Abschlag Nicht gerechtfertigt fei. Es war deshalb Dieser Vorschlag noch lange fein Beweis dafür, daß über- | Haupt «ui Abschlag »< GraipreiseS gerechtfertigt fei, im Gegenteil,

feder bMg Denkende mußte die einfachen schlichten?eukfülrungn» unserer kleinen Bäcker anerkennen, um ihnen die (Snfitri nicht noch schwieriger zu macken. Wer da von einem Ring'Der Backer spricht, ist vollständig auf dem Irrwege. Wenn bei der Ausübung Des Oktrois der Stadtverordnete iiober bemerkt hatte, dies uöeme em Geichenk an Die Backer, Deshalb müße er dagegen sturmen, Dann hatte er jedenfalls recht gehabt, Da Der Oktroi auf Den eiet- pfimDigcn Laib Brot nur Dreimend Pfennig ausmache. tk.-ec auch, unD das wollen mir nicht verfchiveigcn, Die anderen oäter, Die für die Aufhebung eumaten, haben recht gehabt; beim feit Dieser Zeit hat sich Die Einnchr von Brot m Die Stadl um Das Treiiache gehoben. Waren es noch damals sieben attsivtn.ze Backer, Die wöchentlich ein ober zwei Mal zur Stadt tarnet, \q l'inö es jetzt Ich Die mitunter sogar täglich zur Stadt kommen

Sie bringen es Den Leuten aui Wunsch in Das paus, wir leben sie an last allen Enden der Stadt Filialen errichten, wir sehen sie das Brot teilweise mit 4U ja gar 38 Pfg. vertanen. Wozu also dieser Notschrei nach billigerem Brot. Wir können und wollen unseren Kollegen vom Lande Die Einfuhr nach Der Liadt weder wehren noch gewehrt willen, ebenso wie wir unseren Kollege, Die Ausfuhr nach dem Lande mau verbieten können, Da ja Jeder bai Beste erwägen muß. Es sinD jetzt 38 Bäcker m Der ctaDt, 2J ut Der nächsten Umgebung, Konkurrenz genug, um eine angeoute Rliigbildniig hiesiger Backer illnforisch zu machen. Und nun lam­men wir zu Dem RecheneLempel: Es koiten 3 Pfund Mehl, Di? einem Laib Brot nong 1inD, ä PfunD 11 Pfg. 38 Pfg., nut xm nötigen Brennmaterial also 35 Pfg. Tas Brot, welches tun hauptsächlich hier in Betracht kommt, ist Das zu 44 Pfg., Da t-on den anderen Sorten noch wenig gebacken ivird. Es bleiben also Dem Bäcker 9 Pfg. übrig, wovon er Löhne, Gehilfen, Hausourcve, yiägbe, Pferd und Wagen, Hausmiete und Steuern bestreuen ivu. 9lun backen em Drittel unserer hiesigen Bäcker täglich 50 Brote, tm weiteres Drittel 100 und Das letzte Drittel 15020u Laib 'Lrot. (Tas letzte Quantum wohl nur 3 oder 4 Bäcker.) Seien wir mn ehrlich und aufrichtig jetzt m unserem Urteil. Hat bei diesen idojv- heüsgetreuen Berhältnisien Der Backer em so glänzendes Ta an?

Halten wir deshalb Umschau bei unseren Bäckern, so 1 ewn wir abgesehen von einigen mit ererbtem Vermögen Die De- deutende Mehrzahl einen recht schweren Kampf umS Tajem juljrcn. Wir müssen es leider ausjprechen, daß die Bäcker Schulden bet den Müllern und Großhändlern haben und zumeist emen ehr langen Kredit in Anspruch nehmen müssen. Richtig »st-es ja wohl, daß bei Den größten Bäckern etwas mehr verdient »vird durch Ver­ringerung Der Produktionskosten, aber ist es vom moralifhen Standpunkt aus gerechtsenigt, deshalb den Kleinen zu vergeval- tigen ? In Gießen tauft man em schönes Brot au 44 Pig. jn Frankfurt kostet dasselbe 48 Pfg., ebenso in Friedberg, Nauheim, Grünberg und Alsfeld, und in Eöln kosten gar 3 l/e Piund 50 tifa. Sehen wir uns nun um, aus welchen Leuten sich die BackeiiLan rekrutiert, so müssen mir zugestehen, daß aus Der euigejeiienen Bürgerschaft nur noch wenige Dies HanDwerk lernen; Der Eruiio Dafür liegt wohl Darm, Daß Das BäckerhanDwerk Die ganze Jüan Des Mannes insofern mehr beansprucht, als Daß er, wenn andere bei Vergnügungen unD sonstigen gesellschaftlichen Vereiniguizen sind, in Der Backstube und vor Dem Ofen arbeiten muß.

Die Vertreter der Bäckermeister vonleien.

^lniversitüts Nachrichten.

Die in Der Berliner philoiophischen Fakultät der Universität durch den Tod des Pros. Schefier-Boichorst erledigte Professur für mittelalterliche Geschichte ist jetzt wieder beseht i»or- den. Geh. Rat Prof. Dietrich Schäfer m Heidelberg, Der im letzten Sommer einen Ruf nach Berlin abgelehnt haue, hat sich nach neuerlichen BerhanDlungen bereit erklärt, Diesen Ruf anzuneh­men unD roirD zu Ostern nach Berlin überfieDeln.

Vermißt wird Der 4Vjähnge Prioatdozent von bei Berliner Universität Tr. Aiidreas Fock, der am 28. v. WL 'eine Wohnung im Hause WilmerSDorferstraße 107», Eharlottenburg, verlassen hat unD bisher nicht wieder zurückgekehrt i|L Es wirb vermutet, daß er sich in einem Anfalle von Geistesstörung entfernt hat und seitdem planlos umherirrt. Etwaige üJluteilungen über Den Verbleib DeS Unglücklichen nimmt Die EharloUenburger Rr» niinalpolizei entgegen.

Gerichlssnal.

fr Gieße», 2. Dez. Schöffengericht. Den vorsi, führte Gerichtsasjessor Keller in Vertretung des erkrankten ?lmis- genchtsrats Gebhardt. Von der Anklage bet Körperverletzung wurde Der Zimmermann Otto Sch. zu Giegen f r e i ge spro che n, da ,hm Nonvehr zur Seite stand. Es^wurde festgestellt, daß poch- zeitsgäste beim Wirte Monik einen Streit begannen, im Ver.aU dessen Der Angeklagte einen Andern körperlich verletzte. Zer Knecht K. zu Wieseck bat bei einem nächtlichen Rencontre^ den Studenten Eduard R. Durch einen Wurf mit einem großen eieut eine blutende Wunde am Kopse beigebracht. K. wurde weg« Körperverletzung mittels gesährlicken Werkzeugs unter 91nnaoirc Mildernder Umstände zu einer Gefängnis st rase von drei Wochen verurteilt. Der noch jugendliche Hausbursche pemri^ W. zu Gießen hat in der Zeit von August bis Oktober nach uii> nach über 102 Mark empfangene Kundengelder nicht an leine- 'Dlelfter abgeliefert, sondern für sick verbraucht. Der Anget^u" ist geständig; er wird wegen Unterschlagung zu zwei Aochen Gefängnis oerurteUt Ter noch jugendliche Heinrich t. jt Gießen hat dem Kaufmann Friedrich Leih aus dessen HouS.iangi zwei Holzkisten gestohlen und verkauft. Er wurde ötrurui.t zu Strafe des gerichtlichen Verweises. Sodann wurde pemrich D. und Gustav B. wegen Körperverletzung in eine Strafe vor einer bezw. zwei Wochen Gefängnis genommen. Gegen das Dienstmädchen L. wurde im Privatklageoepahren em: Gefängnis st rase von zwei Wochen auSgefprochen, >veü sie auSgefprcngt hatte, ihr früherer Dienstherr, Der Wejdjaltemant Rosenbaum, habe sich erhängen wollen, wodurch Dem 9t em grobe: Nachteil in fernem Geschäftsgänge erwachsen ist. Zugleich wino: dem Privackläger die BesugniS zugesprochen, das Urteil auf Koster der Beklagten nn »Gieß. Anz.^ bekannt zu machen.

R. B. Darmstadt, 2. Dez. Tie gestrige Verhandlung Dd SchwurgenchtS gegen den Metzger Valentin Saal aus 'JUeoev klingen endigte in später Abendstunde mit der Verurteilung dck Angeklagten unter Annahme mildernder Umstände wegen JlmjuaC zu zwei Jahren Gefängnis. Der Verurteilte erkarmte jeme oirae an. Mit einer dreisten Beharrlichkeit verlegte sich der Hemrit Grund aus Ueberau, Der sich heute wegen BranDstistung zu ver­antworten hatte, ausS Lügnen, unD jedem Zeugen gegenüber, Dn irgend etwas tu fernen Ungunsten wußte, entgegnete er mit Den eintönigen: ,Es ist nicht roaforI' Selten »st es wohl den G«- fchworenen so leicht wie heute gewesen, DaS .Schuldig" über bei Angeklagten zu sprechen. Selbst der Verteidiger verzichtete in betracht der Sachlage Darauf einen Antrag iu stellen und auq bezüglich der von Dem VorsiyenDen gestellten Frage auf mildern« Umstände enthielt er sich eines Antrags. Tie Aicklage legte Den Angeklagten zur Last, er habe am 5. Oktober in Der ®enianun| Ober-RarnstaDt, in Der Nähe Der Waldmühle, ewcit Vorrat uon Lebensmittel, welcher fremdes Eigentum gewesen sei^vorsätzlich in Brand gesteckt. Tte Strohhaufen sollen eine kleine strecke aoietil Der Ehausjec Nieder-RamstadtOber-Ramstadt gewesen sein und der Angeklagte versucht c6 nun, seinen Aufemhallt im AugcnbliL der Inbrandsetzung immer weiter vom stohhaufen zu verlegen. Während ihn der Zeuge Bensch in Dem Augenblick, in Dem Dte ersten Rauchsäulen und Flammen aus Dem L-trohhaufen aufstiegen, hinter dem Stroh gesehen hat, hat er bet der Augenschemsc.,,. nähme behauptet, vor dem Strohhaufen sich ausgehalten zu Halen und heute will er gar em paar edjntte von Der Ehaussee em,ernt gestanden haben. Als Lertich das Feuer sah, ist er soiori auf Den Angeklagten ^gegangen und hat ihn als Thäter bezeichnet und gefragt, warum er Das Stroh angesteckt habe. Damals schon leug­nete er Die That und alle Zeitgen konnten bekunden, dav zu Dieter jeu Niemand weiter in Der Nahe DeS Strohs sich ausgehatten hat. -ter 'Angeklagte ist schon mehrtoch vorbestrast, Darunter nut Zucht­haus wegen jchweren Ttelitahls. TtL Gefchworenen fprachen ihn unter Versagung milDemDer Umstande schuldig, und wurde er auf Grund diese» Spruches zu 1 Jahren I Monaten Zuchthaus