mann den andern und schickt ihm seine Karteflträger. Die beiderseitigen Zeugen finden aber, daß kein Grund zu einem Duell vorttege, und erklären die Angelegenheit für adgethan. Darauf bestraft der Oberst Förderer und Geforderte, erstattet Rapport, und der Befehl ergeht, daß das Duell unbedingt stattzufinden habe. Allein die neuen Zeugen schließen sich dem Urteil der ersten an und leugnen die Notwendigkeit eines Zweikampfes. Die obereMilitärbehörde aber verfugt, daß der seinerzeit Geforderte den Förderer „belerdigen nt ü f f e", und derselbe sagt seinem Kameraden also bei Tisch: ,Halte Dich bereit, nach Tisch muß ich Dich beleidigen!" So geschieht es. Nr. 1 nennt Nr. 2 lachend einen .Flegel", und die Zeugen müssen nun wohl oder übel das Duell zulassen. Tags darauf erfolgt der Zweikampf — zum Glück ohne schwere Verwundung — und die Beleidigung wird als gesühnt erachtet. Der „Sortiere della Sera", dem wir diese Schilderung entnehmen, fügt hinzu: Die aus das Duell folgende Bestrafung des Obersten sei erfolgt, weil er das Duell nicht -ufzuzwingen gewußt habe. (?)
Deutsches Keich.
Berlin, 1. Oft Wie wir erfahren, V\t bisher von keiner Seite dem hiesigen englischen Botschafter ein offizielles Gesuch wegen einer den Burengenerälen beim Kaiser zu gewährenden Audienz zugegangen. Der Berliner Korrespondent des Pariser „Figaro" weiß zu berichten, daß Kaiser Wilhelm trotz der beleidigenden Artikel der englischen Blätter nun erst recht entschlossen sei, die Buren-Generäle zu empfangen.
— Der „Reichsanz." veröffentlicht die Verleihung des Schwarzen Adler-Ordens an den deutschen Botschafter in Rom, Grafen von Wedel und an den iialie- scheu Ministerpräsidenten Zanardelli.
— Stadtrat Gustav K a u f f m a n n, welcher kürzlich auf seine Wahl zum zweiten Bürgermeister von Berlin verzichtete, ist heute gestorben.
— Der „Voss. Ztg." zufolge werden zum Deutschen Kolonial-Kongresse Damen als vollberechtigte Mitglieder mit den gleichen Rechten und Pflichten, wie die männlichen Mitglieder des Kongresses ausgenommen.
— Dem „Berl. Tagebl." zufolge neigt man in parlamentarischen Kreisen der Annahme zu, daß die ganze erste Woche der am 14. Oktober beginnenden Plenarverhandlungen des Reichstages mit Debatten über Petitionen verfließen wird, ehe die zweite Lesung des Zolltarifs beginnt.
Hannover, 2. Olt- Oberpräsident Graf v. Stolberg hat sein Abschiedsgesuch aus Gesundheitsrücksichten eingereicht. Als vermutlicher Nachfolger werden genannt Herr v. Rheden, Regierungspräsident v- Brandenstein und Landrat v. Gronau.
— Zur Zeit sind dem „Conf." zufolge Vorbereitungen im Gange, um zur wirksameren Vertretung der agrarischen Interessen eine neue Tageszeitung agrarischen Charakters in Berlin zu begründen. Es sollen vor allem die wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft und ihrer Nebenbetriebe zur Vertretung und Behandlung gelangen, ohne daß die politischen Fragen ausgeschieden werden. An der Spitze dieser Bestrebungen steht der Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin, Geh. Regierungsrat Max Delbrück-
Ausland.
Madrid, 2. Okt. Die Meldung, daß König Alfons sich geweigert habe, einige ihm vom Kriegsminister vorgelegte Dekrete zu unterzeichnen, wird bestätigt. Es geht das Gerücht, daß der Kriegsminister General Weyler infolgedessen seine Demission geben wird, aber erst nach Eröffnung her Kammern am 23. Oktober.
Petersburg, 2. Okt. Die Russifizierung Fin- lands macht immer weitere Fortschritte. In Helstngfvrs wurden nach einer Meldung von dort gestern eine Reihe dahin zielender kaiserlicher Verfügungen veröffentlicht, so betreffend Zulassung zum Dienste in Finland von Absolventen russischer Universitäten und Hochschulen, betr. die Amtsentsetzung und gerichlliche Verfolgung der Beamten wegen amtlicher Vergehen, betreffend Einberufung des Plenums des Senats durch den Generalgouverneur oder seinen Stellvertreter, sowie endlich betr. die Regelung bei Eingaben von Petitionen und Adressen. Ferner sind zwei Vize-Gerichtspräsidenten, sieben Gericht- assessoren, sowie eine weitere Anzahl Gerichtsbeamter entlassen worden. — Andererseits teilt das in Helsingfors erscheinende amtliche Blatt mit, daß der Zar, durch eine Eingabe des Senates veranlaßt, ohne augenblicklich die weitere Behandlung der Angelegenheit zu bestimmen, dem Senat erlaubt hat, eine detaillierte Vorlage auszuarbeiten und zur genaueren Prüfung vorzulegen, welche Sachen zur allgemeinen Reichsgesetzgebung gehören sollen.
Konstantinopel, 2. Okt. Das russische Panzerschiff „Georg Pobjedonoszew" kam mit dem Großfürsten Nikolaus Nikolajewitsch an Bord heute nachmittag hier an. Abgesandte des Sultans, der russische Botschafter Änowjew und die Mitglieder der Botschaft waren dem Großfürsten auf dem Bosporus entgegengefahren. Nach der Landung fuhr der Großfürst, von einer Schwadron begleitet, nach dem Aildizpalast, wo er vom Sultan aus das herzlichste begrüßt wurde. Bald darauf stattete der Sultan dem Großfürsten in dessen Wohnung einen Gegenbesuch ab.
Christlich-sozialer Parteitag.
Siegen, 2. Oktober.
In der Parteiversammlung wurde nacbgetragen der Beschluß der vorigen Versammlung, den n ä ch st e n P a r t e i t a g in Mül- h e i m a. d. Ruhr abzuhalten. Tann ging man zum letzten Punkte der Tagesordnung des diesjährigen Parteitages: Tie Stellung der Landwirte, Handwerker und Arbeiter zur Zollpolitik. An Stelle Professor Schumachers sprach ArbeUer- jekretär Behrens aus Berlin. Er erörterte das ganze Gebiet dcö Zusammenbanges der Interessen von Landwirtschaft, Hand- werk und Arbeiterschaft. Diese Solidarität zu verleugnen wäre Thorheit. Ter Redner kam zu dem Schlüsse: nicht billiges Brot, in er st er Linre, sondern in er st er Linie guter Verdienst! Außerordentlich bedauerlich ist es, daß die Sozialdemokratie alles darauf anlegt, die Zollfrage zur Wahlparole zu machen. Das widerstreitet dem eigensten Interesse der Arbeiter. Teiin was würde bann die Folge sein, roeiut der Kampf unter der Zollparole entbrennte ? Die Massen, die nicht nachdenken, würden zweifellos die radikalsten Anti-Agrarier wählen, die landwirtschafi- ticheii Kreise die radikalsten Agrarier. Alan muß zugeben, daß von diesen leine Sozialreform zu erwarten ist, beim Sozialresorm setzt Ausgleich voraus. Tarum wäre es auch im Interesse einer Fortführung der Sozialresorm au beklagen, wenn der Reichstag sich allein nad) bcii Gesiduspuntlen ber Zollfrage zujammenseyen lourbc. Der Redner legte dann bar, baß er a u f b e m B o b e n Der Regierungsvorlage stehe, abgesehen von ernt gen Positionen (wie z. B. Zoll auf Quebracho, Garmerzölle rc.). Die Vorlage biete etwa den Ausgleich der Imeressen.
Hieran knüpfte sich eine längere zustimmende Debatte. Bäckermeister Heistermann (Elberfeld) beleuchtete die Zoll- politck der Sozialdemokratie, die in ihren Wickungen durchaus arbeiterfeindlich ist. Tie früher so außerordentlich fühlbaren Preisschwankungen in Getreide sind durch das Börsengesetz elivas weniger heftig geworden. Ein Zoll von 7.60 Mark würde das Reich nicht auS den Fugen bringen, aber schwerlich würden bei dieser Höhe noch Handelsverträge abzuschließen sein. Fünf Mark sind inoeffen überhaupt wirkungslos, sodaß ein Satz von sechs Mark als angemessen erscheinen würoe. — Lanbwirt Lüttringhaus (Oehbe) sieht in die Zukunft ber deutschen Landwirtschaft recht trübe. Auf dem Bankiertage in Frankfurt hat die Reaierung ver- künden lassen: Tie Börse ist ein Machtfaktor ersten Ranges und bergt Einst aber hat ein Minister gesagt: Die Börse ist em Gifl- baum! Daraus mag die Landwirtschaft schließen, was sie der jetzigen Regierung zutrauen darf! — Schließlich sanden sich auch hier die Ansichten zusammen m folgender einstimmig angenommenen Resolution o. Oertzen (Berlin): „Ter Parteitag hält an seinen Beschlüssen von 1901 fest und spricht die Hoffnung und Erwartung aus, daß die Mehrheit des Reichstages unb„ ber Reichskanzler noch im Laufe dieses IahreS zu einer Verständigung über den Zolltarif gelangen. Was den für das Siegerland und weite Gebiete des Westens so wichtigen Zoll auf Quebracho betrifft, so unterstützen wir aus voller Ueberzeugung die Bestrebungen der Siegerländer Haubergs-Genossenschaiten, des Kultur- und Gewerbevereins in Siegen und des Lohgerbervereins in Rheinland-Westfalen/
Damit hatte der Parteitag seine Arbeiten erledigt und Abg. Stöcker hielt eine Schlußrede. Ich halte dafür, sagte er u. a., daß nichts nötiger ist für das politische Leben der Zeit, als daß wir den Zolltarif noch in dieser Session verabschieden. Es wird das äußerste versucht, um der Landwirtschaft Schimpf und Schande anzuhangen, während man sich garrncht die Thatsache llar macht, wir sind halb industriell, halb landwirtschaftlich, und daß Regierung und Parlament die Pflicht haben, beide gleichmäßig zu berücksichtigen. Es zeugt von der Blödigkeit der Massen, daß man nur immer den Zollschutz der Landwirt - fchast behandelt und den derJndustriekaumer- ,v ä h n t. Diesen hält man für selbstverständlich, den der Landwirtschaft bezeichnet man als Brotwucher. Alan will die Landwirtschaft kaput machen. Was oerschlägts diesen Leuten, wenn Tausende mit dem Bettelstab hinausgehen müßten? Es ist ein Unglück, daß das Aufkommen der Industrie verbunden ist mit dem Niedergänge der Landwirtschaft. Wo die Landwirtschaft mit Industrie verbunden ist, geht es zur Not noch. Aber die reine Landwirtschaft bringt nicht mehr als höchstens 2—3 pEt., ja in manchen Gegenden garnichts. Es ist wahrlich nicht leicht zu arbeiten bei solch' geringem Gewinn oder gar keinem und so trüben Aussichten. Es ist auch verkehrt von Brotwucher zu reden. Es handelt sich ja zunächst nicht um Brod, sondern um Koni, nidjt in der Eigenschaft, daß man Brod daraus macht, sondern als Agrarprodukt der konkurrierenden Länder. Man stelle sich doch vor: amerikanisches Getreide zollfrei eingehen zu lasten und damit jede Möglichkeit aufgeben, Amerika etwas aufzulegen. Amerika, dessen hohe Zölle gegen uns beinahe wie Prohibitivzölle wirken. Das heißt, daß Amerika unsere Landwirtschaft ruiniert und unsere Industrie um die Exportniöglichkeit bringt Ter von Adolf Wagner hervorgehobene Gedanke, daß es sich nicht um Mehl und Brod, sondern um Agrarprodukte konkurrierender Länder handelt, muß immer wieder betont werden. Wir können nun am Schlüsse mit Befriedigung auf unfern Parteitag zurückblicken. Tie Versammlung sang „Der ewig reiche Gott" re. Stöcker sprach ein Schlußgebet und einen Segen nnd dann ging man auseinander.
Aus Stüdl uiiÄ fiänih”
Gießen, 3. Oktober 1902.
Gedenktage. Vor 430 Jahrnn, am 4. Oktober 1472, wurde der Maler LukaS Cranach zu Kronach geboren. Cranach war Hofmaler Friedrichs des Weisen und teilte nach der unglücklichen Schlacht von Mühlberg freiwillig die Gefangenschaft seines fürstlichen Freundes Friedrichs des Großmütigen. In Weimar liegt der Maler begraben. Die Stadtkirche dort besitzt als Hauptschmuck ein Kolosialgemälde des Künstlers.
— ASpiranten-Prüfungen. Die diesjährige Prüfung der Polizeikommissariats-, Gerichtsschreiber- und Gerichtsvollzieher-Aspiranten nimmt am 7. Oktober 1902 in Darmstadt ihren Anfang.
• • Offene Beamtenstellen in Hessen. Rechnungsbeamter bei der Sektion 6 der Lagereiberuss- genossenschaft in Mainz. Hochbautechniker beim Stadtbauamt Offenbach.
• • Kaufmännischer Verein. Gestern wurde der erste der für die Wintersaison vom Kaufmännischen Verein veranstalteten Vorträge im CasS Leib gehalten. Ein sehr großes Publikum war anwesend. Herr Alfred Nitzsche auS Leipzig sprach über „Eine Nordlandreise", die er durch 94 Lichtbilder erläuterte. Nach kurzer Emleltung begann Redner eine eingehende Schilderung der Nordlandreise, ihrer Reize und Schönheiten zu entwerfen. Tie Reise ging von Hamburg aus durch die Nordsee, die Küste von Norwegen entlang nach Stavangen, Bergen und den landschaftlich so prächtigen Gegenden der nordischen GebirgSwelt. Die wirklich ausgezeichneten Lichtbilder bildeten eine vortreffliche Ergänzung des Vortrages, der den größten Beifall fand. DaS Publikum kam durchaus auf seine Rechnung, sodaß an- zunehm^n ist, daß der Besuch der folgenden Vorträge ebenfalls recht groß sein wird. Zu wünschen bleibt nur, daß der von der Bühne her in den Saal unvermittelt hineindringende kalte Luftstrom durch entsprechende Vorkehrungen beseitigt würde. Besonders die Besucher der vorderen Reihen haben darunter sehr zu leiden.
* * Der Kaufmännische Verein feiert am 11. Oktober, abends 8 Uhr, in „Stein's Saalbau" sein 29. Stiftungsfest. Das Programm umfaßt die Ausführung der „Fee Caprice", Konzert der hiesigen Regimentskapelle und Ball.
• * Männer-Turnverein. In der morgen (Samstag) im „Hotel Schütz" stattsindeuden Hauptversammlung soll u. a. das Winterprogramm festgesetzt werden. Wie wir hören, ist außer anderen Festlichkeiten ein Masken- ball in Aussicht genommen. Sonntag den 6. Oktober, nachmittags, wird das Abturnen des Verems in der Turnhalle des Realgymnasiums abgehalten. Abends ist ins „Steins Garten" ein Familienabend vorgesehen. Hierbei soll die Preisverteilung vorgenommen werden. Auch wird es an Unterhaltung durch humoristische Vortrage und an einem Tänzchen nicht fehlen.
— Von ber Fleischerinnung in Gießen. Den langjährigen Mitgliedern und Mitbegründern der Fleischer- lnnung m Gießen, Herrn Heinrich Kiefer und Karl Schneider, wurden die vom Verband herausgegebenen Diplome als Ehrenmitglieder der Gießener Innung ausgefertigt.
§§ Ruppertenrod, 2. Okt. Gestern abend fanden Vorübergehende am Nordausgange unseres Torfes einen jungen Menschen anscheinend leblos am Straßenrande liegen.
Anfangs glaubte man, e5 sei em Betrunkener, bis man gewahrte, daß es ein völlig ermatteter junger Hand- werksbursche war. Mitleidige Leute nahmen sich seiner an, brachten ihn zum Gemeindehause und verpflegten ihn. Er erholte sich in der folgenden Nacht wieder so, daß er die Weiterreise fortsetzen konnte. Der Bursche gab an, in Köln HerrschastSdiener gewesen zu sein und am Tage seines Hier- Herkommens nicht das Geringste gegeßen zu haben.
i. Laubach, 2. Okt. Heute fänb die Generalv er- sammlung der Spar- und Leihkasse Laubach, zu der die Orte der früheren Grafschaft Laubach gehören, statt. Die Rechnung wurde genehmigt, ebenso die Bewilligung von 2092 Mk. an die Gemeinden des Sparkaffenbezirls und für wohlthätige Zwecke. Beschloßen wurde die Beteiligung an ber Landeshypothekenbank mit 5000 Mark. Ter Reservefonds beträgt beinahe 100000 Mk. Ter Vorsitzende teilte mit, daß ber Rechner Schreiner, der übrigens die Sparkaße nicht geschädigt, jonbcrn'gut verwaltet Hal, feit dem 28. Juni vom Amte suspendiert ist und daß der RechnungSgehülfe Oswald Dorläufig die Rechnerstelle verwaltet. Ein Eßen in ber „Traube" schloß sich an bie Verhanblungen an.
f. Friedberg, 2. Okt. Tas alte Rentamtsgebäude auf der Kaiserstraße ging für bie Summe von 75 000 Mk. in den Besitz des Kaufmanns Fertsch über. — In dem benachbarten Assen heim wurde in ber Nacht vom Dienstag auf Mittwoch ein Einbruchs-Dieb stahl bei bem Lanbwirt Maul verübt. Die Diebe begaben sich nach bem über einem Nebengebäube bcfinblidjen Getreibeboden, erbrachen bie verschloßene Thür und stahlen mehrere Säcke Getreide. Trotz sofortiger Anzeige hat man bie Thäter noch nicht aussinbig gemacht.
Mainz, 2. Okt. Die Vertreterversammlung des hessischen Landes-Lehrervereins und die Hauptversammlung des Vereins provisorisch an- ge ft eilt er Lehrer zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfällen tagte gestern tm „Kötherhof" zu Mainz. Die Versammlung wurde um 11 Uhr von dem Vorsitzenden, Oberlehrer BakeS aus Darmstadt eröffnet, worauf der Schriftführer Huff-Darmstadt em Begrüßungstelegramm des „Allgemeinen Deutschen Lehreroereins" verlas, das mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde. Lehrer Klink-Mainz hieß hiernach die Vertreter namens ber Mainzer Lehrer herzlichst willkommen. Als erster Punkt ftanb auf ber Tagesordnung : Tte Jahresberichte der beiden Vereine. 1. Landes- Lehrerverem. Die Mitgliederzahl hat sich im Vereinsjahre 1901 um 42 vermehrt und betrug am 1. Jan. 1902 2773. Einnahmen 9157 Mk., Ausgaben 8640,47 Mk., das Vereinsvermögen wuchs um 517 Mk. auf 2958. Tie Feueroei sicher- ungs-Gesellschaft „Providentia" stiftete wieder bem Verein 718 Mk., Joh. Faber-Nürnberg 60 Mk. Der „Schulbote" erscheint im 42. Jahrgang und zwar in rund 3000 Exemplaren. Der Verein provisorisch angestellter Lehrer zählt 450 ordentliche und 200 außerordentliche Mitglieder. Einnahmen 3010 Mk., Ausgaben 3145 Mk., Vermögen 11966,81 Mk. An 12 erkrankte Schulverwalter wurden 3164,64 Mk. bezahlt. Ebenso erhielten zwei dauernd leidende Lehrer Unterstützungen. Die Rechnungsablage für 1901 wird in ihren einzelnen Details im „Schulboten" erscheinen.
Worms, 1. Oktober. Die Stadtverordnetenversammlung nahm folgende Resolution einstimmig an:
Die derzeitige Theuerung verschiedener Fleischwaren erscheint als eine Thaisacke, welche mit der Stadt- Verwaltung die Stadtverordnetenversammlung lebhaft bedauert. Sie wendet sich daher an Hobe Staatsregierung mit dem ergebenen Ersuchen, es möchten, ähnlich wie das in Preußen, Bayern, Württemberg und Baden zur Zeit aeichiehl, so auch in Hessen Erhebungen angestellt bczw. falls solche cirujcleitd sein solllen, beschleunigt werden, über die Ursachen der im Interesse der Volksernährung beklagenswerten Erscheinung. Sollte «ich hierbei ergeben, daß die Grenzsperre einen Teil der Schuld an der periodischen Fleischteuerung trägt, so wäre bei der RcichS- regierung dahin zu wirken, daß die Grenzsperre, so wen dies die Sicherheit des deutschen Viehstandes gegen Seucbcngeiahr irgend gestattet, zeitweise aufgehoben bezw. gemildert werde.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und ben Nachbarstaaten. Wieder einmal ist unS cm sehr übler Druckfehler passiert. In der gestrigen Notiz über den Personalwechsel in der Redaktion der „Wormser Ztg.", bie von uns vor etwa zehn Tagen bereits geschrieben unb stets mit vielen anderen Nachrichten aus Raummangel in letzter Stunde nach Redaktionsschluß zurückgestellt worben war, ist durch thörichten Zufall vom Setzer ein „bisher" als „leibet* irrtümlich gelesen und gesetzt worden. Obendrein erfahren wir heute, daß der neue politische Redakteur jenes Blattes nicht der ftühere Chefredakteur ber Berliner „Post", fonbem dessen Bruder ist. — In Laubach spielte ein 13jährigcr Gymnasiast mit einem Revolver. Plötzlich ging ein Schuß los, die Kugel traf einen Schulkameraden in die Lippe, sprang aber an einem Zahne ab. Tic Verletzung ist unbedeutend. .
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P. Gießen, 3. Okt.
Vor bem Schwurgericht wird heute gegen den Dienst» kn eckt Friedt. Wilh. Na st, geb. am 23. Oktober 1833 zu Neudors in der Provinz Posen, wegen Notzuchtsversuchs verhandelt. Tie Richterbank ist besetzt durch Landgerichtsrat Holzapfel als Vorsitzender, die Landgerichtsräte Tornseif unb Schmeckenbecher als Beisitzer. Die Anftage Vertritt Gerichtsassessor Tr. Hetzel. Die Verteidigung fuyrt Rechtsanwalt Dr. Jung. Es sind vier Zeugen zu vernehmen. Ter Angeklagte bemerkt zu ... Personalien, daß er bis zu feinem 4. Iahte in der T-eutinj Posen gelebt habe, bann seien seine Eltern nacr ...iha . gezogen und von dort nach Buckau bei Magdeburg, .it 1J Jahren sei er Dienstknecht geworden unb arbeite^ais solcher bereits mehrere Iahte in Hardetshausen bei Schlitz, wo et auch am 26. Mai bie 51)at, der er heute beschuloigt wird, verübt habe. Er habe, kaum 18 Iahte alt, schon wegen Ltraßenraubes unter Anklage gestanden, sei aber biesethalb freigesprochen, weil bie That sich nur als Diebstahl erwiesen hatte. Außerbem sei er wegen Körperverletzung vorbestraft. Auf Antrag bes Staatsanwalts wird während der Bet- Handlung bis zur Verkündigung des Urteils bie Seffent- lichkeit ausgeschlossen. Als die Oessentlichkeit wiederhergestetlt war, wurden den Geschworenen oie Schuld- fragen gestellt. Sie bejahten sowohl die Sckuloitage als auch bie Nebenfrage nach milbernocn Umständen. Ter Gerichtshof verurteilt danach den Angeklgaten zu einem


