Ausgabe 
3.9.1902 Zweites Blatt
 
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12,0" C.

1. Sept, bis

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564 Mk., 973 ML, 1289 ML, im zehnjährigen Durchschnitt also 891 Mark. Privat-Niederlagen zur unversteuerten Lagerung inlän­dischen Tabaks gab es zwei in Thüringen; die in Wasungen wurde aber 1900 nicht benutzt. Die diesjährige Ernte ist durchweg recht gut ausgefallen.

Sonnenschein Sternhll. Hirn. Sonnenschein

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

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Kunst und Wissenschaft.

Heber eine hochwichtige neue Erfindung wird aus Königshütte berichtet. In der Bismarckhütte ist ein neues Verfahren zur Herstellung vonWerkzeugen bczw. Werkzeug st abl zur Metallverarbeitung erfunden worden, welches die Erfolge aller bisher bekcmntcn Ver­fahren bei Weitem übertrifft. Die Patente sind in allen Kultur- staaten angemelbet Nähere Mitteilungen hierüber werden in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Arbeiterbewegung.

Floren), 2. Sept Die Buchdrucker haben beschlossen, die Arbeit wreder auszunehmen. Man glaubt, daß der Ausstand sich morgen nur noch auf die Metallarbeiter, deren Zahl 1500 be­trägt, beschranken wird. In der Provinz Florenz nahm kein Dorf am Ausstand teil, auch ließen sich die Ausständigen in der Stadt während des Ausstandes keine Gewaltthätigketten zu schulden kommen.

New-York, 2. Sept Der Mob zündete in Pocahontas (West-Virginen) ein Zechengebäude an, worauf sich ein Feuergefecht zwischen S t r e i k e r n und der Polizei ent- spann. Das Feuer ergriff das Innere der Grube.

Für die Frauen.

Kiudergarderobe. Das MonatsblattKindergarderobe" bietet Kindern eine angemessene Anleitung zu anregender Beschäf­tigung, und Mütter werden in den Stand gesetzt, Kinderkleidung selbst herzustellen. Beilagen sindDer Kinderarzt" der von einem praktischen Arzt,Winke für Mütter", die von einer Pädagogin ge­leitet werden,Die praktische Hausfrau", die ^ugenbbeilage" und Im Reiche der Kinder"; die beiden letzteren bieten der kleinen Welt Unterhaltung. Jeder Nummer liegen ferner Schnittbogen bet Das Abonnement kostet vierteljährlich 60 Pfg. (Verlag von John Henry Schwerin in Berlin W. 35, Steglitzerstraße 11.

Landwirtschaft.

Der Tabakbau ist in Thüringen in dem letzten Jahr­zehnt infolge schlechter Ernten und niederer Preise immer mehr zurückgegangen und beginnt sich erst neuerdings, weil sein Anbau wieder rentabler geworden ist, langsam wieder zu heben. In den Jahren 18911900 wurde in Thüringen Tabak gebaut auf Flächen in Hektar: 115, 106, 117, 132, 127, 105, 103, 79, 51, 84. Der Er­trag auf einem Hektar in Doppelzentnern betrug in Thüringen in Liesen zehn Jahren: 14,6, 26, 19, 21,8, 21,9, 22,1, 21,7, 16,3, 19,8, 24,7, sodaß der zehnjährige Durchschnitt 20,8 betrug. Der mittlere Preis für einen Doppelzentner trockn er, dachreifer Tabakblätter be­trug einschließlich der Steuer in diesen zehn Jahren: 81,6, 80,4, £3,9, 75/, 72,1, 75,1, 70,8, 69,9, 63,4, 85,2 Mark, im zehnjährigen Durchschnitt 77,7 Mark. Der Brutto-Geldertrag der Tabakernte überhaupt betrug nach Abzug der Steuern in Thüringen in diesen 10 Jahren (Geldertrag in 1000 Mark): 77, 124, 108, 118, 106, 92 18, 45, 49 und 104 Mark, im zehnjährigen Durchschnitt 9OO00ML Der Brutto-Geldertrag eines Hektars der mit Tabak bebauten

Sport.

Rew-Zfork, 2. Sept. Ein 960 Kilometer-Pferde­rennen wird demnächst hier veranstaltet werden. Die Strecke soll von den Teilnehmern mit demselben Pferde in weniger als einer Woche gelaufen werden.

Eisenbahn-Zeitung.

Eine Entschädigung von 160 000 Mk. hat der bayerische Eisenbahnfistus dem bei dem Eisenbahnunglück auf Station Hergatz bei Lindau a. B. im Juli 1899 zu Schaden gekommenen Fabrikanten Blank aus Heidelberg zu zahlen. Dieser hatte derart schwere Verletzungen erlitten, daß er zeitlebens er­werbsunfähig bleibt. Blank, welcher damals mit gutem Erfolge die Fabrikation von Bade- und Bierkühlapparaten betrieb, und nebenbei Familienvater von 11 unversorgten Kindern ist, verlangte seiner Zeit eine Entschädigung in Höhe von 300OO0ML Es waren ihm auch bereits 100 000 Mk. angewiesen und seinerseits unter Vorbehalt angenommen worden. Den Rest machte der Fiskus streitig, worauf Blank den Klageweg beschritt. Tas Gericht ver- arteilte nunmehr den Fiskus zur Zahlung von weiteren 160 000 Mk. sowie zu vier Fünfteln der Kosten, indem es annahm, daß die Er- iragsfähiakeit des flägenfcben Geschäfts durch die Arbeitsunfähig- kett des Klägers infolge des Unfalles vernichtet und der Kläger selbst nach ärztlichem Gutachten ein geistig und körperlich ge­brochener Mann sei, bei dem eine Besserung zwar möglich, eine völlige Wiederherstellung jedoch ausgeschlossen sei.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Posen, 3. Sept. Um 745 begab sich der Kaiser an der Spitze der Fahnenkompagnie auf das Paradefeld bei Lawica. Der Kronprinz begleitete ihn. Um 820 folgte die Kaiserin in einem Vierspänner, eskortiert von einer Eskadron Jäger zu Pferde. Bei Eduardsfeld hatten die Kriegervereine von Posen Aufstellung genommen.

Halle a. S, 3. SepL Hier ertränkte sich die Frau des Lagerhalters Rudvls mit ihren drei Kin- oern in der Saale. Der Grund z-ur Thctt ist unbekannt.

Bremen, 3. Sept. Bon den in der Algoa-Bai ge­strandeten deutschen Schiffen Coreotanus und Nautilus sind anscheinend 14 Mann ertrunkev.

London, 3. Sept. Tie Blätter wollen wissen, daß die Ausgaben des Kriegs-Departentents seit dem Fried ensschluß ebenso bedeutend sind, wie während des Krieges. Tie Schuld hierfür trage die schlechte Verwaltung «djeA Kriogs-Departements.

Paris, 3. Sept. Ter Schriftsteller Masson Fo­re stier führte beim preußischen Gesandten in München Klage wegen einer seiner Gattin seitens eineH deut- s ch en Beamten angeblich widerfahrenen Ehrenkrän- kung.

Dijon, 3. September. 8 Personen sind unter dem Verdachte verhaftet worden, die jüngsten EntgleisungH- versuche begangen zu haben. Ter Eisenbahnminister bat eine Belohnung von 20000 Francs für die Festnahme der Schuldigen .aufgesetzt.

Barcelona, 8. Sept. In Dsnia traten die Aus- lader in den Aus st and. Die anwesenden Schiffe konnten den Hafen nicht verlassen.

geklagte, diesen zivilrechtlichen Anspruch der Eisenbahn gutwillig zn zahlen, so konnte die Eisenoahnverwattung chren Anspruch nur im Mahnverfahren ober im Prozeßweae mittelst Klage geltend machen. Der Stattonsafsistent hatte mithin keineswegs die Befugnis, gegen den Angeklagten so zu bandeln, wie er gehandelt hab Stand aber dem Stattonsafsistenten dieses Recht nicht zu, dann konnte er auch nicht für befugt erachtet werden, oie Polizeibeamten mit oer Verhaftung zu beauftragen. Hier­nach waren die Volizeibeamten, als ihnen der Angeklagte Widerstand emgegenjegte, nicht in der rechtmäßigen Ausübung chres Amtes, mithin war die Freisprechung des Angeklagten ge­boten. Gegen diese Entscheidung legte die kgl. Staatsanwaltschaft Berufung ein. Tas Oberlandesgericht in Hamm hob dann auch dieses Urteil auf und wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurück. Die Strafkammer kam bei der erneuten Verhandlung zu dem Schluß, daß die Polizeibeamten erst dann eine Verhaftung vornehmen dürfen, wenn sie selbst sich davon über­zeugt haben, daß eine strafbare Handlung »erliege. Der Angeklagte wurde endgültig abermals frei gesprochen.

fiamtober, L Sept. Die BezeichnungP. P. 'undMit gebührender Achtung" bildeten den Gegenstand eines Belei­digungsverfahrens, das dieser Tage vor der Berufungs­strafkammer »um Austrag gebracht wurde. Ein Bankier klagte gegen einen Amtmann wegen Beleidigung, weil er u. a. auf einer Postkarte die genannten Bezeichnungen gegen chn gebraucht habe. Das Gericht erkannte aus Freisprechung des Angeklagten. Die BezeichnungP. P. statt der Anrede, sagte das Gericht, ist durch­aus üblich, um so mehr bann, wenn mittels einer Postkarte eine Mitteilung gemacht werben soll, bie für Mitteilungen nur einen beschränkten Raum bietet. Tie UnterschriftMit gebührenber Achtung* kaim ebenfalls als geläufig bezeichnet werben unb braucht durchaus nicht die Absicht einer Herabsetzung mit sich zu verbinden. Sie enchält an sich keine Beleidigung. Das WortAchtung* schließt Begriffe der Ehrung unb Anerkennung schlechthin in sich, baS Gegenteil muß sprachlich birekt ausgedrückt werben burch ent- sprechenbe Zusätze, als Ver- und Miß-. In dem Ausdruckge­bührend* konnte unter Umständen eine Beleidigung erkannt werben. An sich ist dies Wort aber indifferent und hat für sich allein weder herabsetzende, noch ehrende Bedeutung. Etwas Beleidigendes be­sagt es nur, wenn der Inhalt des Schreibens u. s. w. bar- nach ist

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Lissabon, 3. Sept. Sämtliche Blatter beschäftigen sich mit dem Gerücht eines großen Skandals, durch welchen dir Regierung kompromittiert sein soll. Die Regierung soll, als sie sich in Geldnot befand, die Krou-Juwelen, darunter auch das kostbare Scepter Don Juan I. in einem Gesamt werte von 25 Millionen Francs veräußert haben.

Wien, 3. SepL Blättermeldungen zufolge wurde, während der Erzherzog Otto in Ludwigsburg zur Bei­setzung seiner Schwester weilte, sein Schreibtisch fatj Augarten-PallriZ erbr och en und seines Inhaltes von 380g Kronen beraubt. Von dem Thäter jede Spur.

Agram, 2. Sept. Die Wut der Menge bei den gestrigen Kundgebungen richtete sich gegen das HauS deS Hauptmannes WitaI, der auf die Demonstranten ge­schossen hatte. Tie Menge errichtete eine Barrikade und! warf die Fenster ein. MilitÄr säuberte die Straße. Später kehrten die Demonstranten zurück und drangen in daZ HauS des HanvtmannA Witas ein, demolierten die Wohnung, und warfen die Möbel auf die Straße. Es gelang WihaA mit seiner Fran u nbemerkt aus dem Hause zu entfliehen. Tie wütende Menge zog sodann nach der M^>ultesgasse und perwüstete dort die Wohnungen von Serben. Auch in anderen Straßen sollen Verwüstungen vorgekonrmen sein.

Petersburg, 3. Sept. DerRegieruugS» auzciger" meldet: Vor einigen Monaten zeigten sich im Zustand der Kaiserin Veränderungen, die' Schwangerschaft vermuten ließen. Infolge Ab« lenkung vom Normalverlauf endigte jetzt bte Schwangerschaft in Abort, der ohne Komplikationen' bei normaler Temperatur und Puls stattfand.

New York, 2. Sept. Einer Depesche aus Brarnwell (Westvirginien) zufolge ist das Feuer in den Kohlen* gruben der Peeahentes-Grubengesellschaft, wie BÄmche der Grube berichten, eingedämmt. Der Schaden dürste un­bedeutend sein.

New York, 3. Sept. Mährend der Land- und See». Manöver explodierte gestern ein Geschoß, wobei etdr Soldat getötet und mehrere schwer verwundet wmLen.

W o r c e st e r (Massachusetts), 2. Sept. Präsident Rooses velt hielt hier eine Rede über die Trusts, in der er die Zuhörer ersuchte, die völlige Thorheit desjenigen Mannes, sich %u vergegenwärtigen, der auf Vernichtung' der Trusts bestehen würde, ohne eine Idee zu haben, was er sächlich machen wolle. Er selbst würde mit einem Manne zusammen arbeiten, wenn derselbe auf Vernichtung beä Uebetö in den Trusts bestände. Indessen würde er Äesem Manne seine Unterstützung nicht bieten wollen, wenn dieser die Trusts aus eine Weise beseitigen wollte, welche die Wohlfahrt des Landes vernichten würde. (An Mann, der die Vernichtung der Trusts durch Maßregeln empfehlen würde, welche die Jndustrreen des Landes lahm legen würden, wäre im besten Fall ein Charlatan, im schlimmsten Fall ein Feind der Republik. Roosevell gab am Äh^ seiner Rede der Hoffnung Ausdruck, daß dmch die nationale Gesetzgebung etwas in der Truschngelegentzeit geschehen, könne.

Telephonischer Kursbericht«

Frankfurt a. LR.

372% Reichsanleihe . . 102.40

3o/o do. ... 92.65

3V,o/o Konsole .... 102.30

8% do......99.35

3Vs% Hessen .... 100.45

356 Oderhessen . . . 99.70 4-6 Oesterr. Goldrente . . 103.80 47,-6 Oesterr. Biiberrente 102.20 456 Ungar. Goldrente . . 102.35

40/0 Italien. Rente . . . 103.65

47,56 Portugiesen . . . 51.50

8% Portugiesen. . . . . 81.10

156 C. Türken .... Türkenlose ...... 113.80 4% Griech. Monopol.-Anl. 44L5 47,56 äussere Argentiner.

3. September 1902.

8% Mexikaner .... 26.75 47a°/o Chinesen .... 92.65 Electric. Schachert . . , 92.50 Nordd. Lloyd . . j . ,...__

Kreditaktien.....21630

Diskonto-Kommandü. . , 187.50 Darmstädter Bank . . . 188.50 Dresdener Bank .... 144.75 Berliner Handelsges. . . 157.50 Oesterr. Staatsbahn . . . 15430 Lombarden.....19.30

Gotthardbahn ..... 176.30 Laurahütte ...... 20L70 Bochum.......186.00

Harpener......167.00

Tendenz: test.

AMTLICH GLINZEXD BEGUTACHTET!

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des Johannes Opper 111.

von Ettingshausen gegen ten Heinrich Keil XII. in Ettingshausen

wegen Beleidigung hat bas Großh. Schöffengericht zu Laubach am 6. Februar 1902 für Recht erkannt:

Der Angeklagte Heinrich Keil XII. von Ettingshausen, geboren am 5. September 1847 zu Ettingshausen, evangelisch, Nachtwächter, unbestraft, ist schulbig der Beleidigung in zwei Fällen im Sinne der §§ 185, 186, 200 St. G. B., begangen zu Ettingshausen am 15. Dezember 1901, und wird dieserhalb zu einer ' Gefängnisstrafe von 2 Wochen und in die Kosten des Ver- ; fahrens verurteilt, einschließlich der notwendigen Auslagen des Privatklägers.

Zugleich wird deni Privat­kläger die Befugnis erteilt, binnen 14 Tagen nach Rechts­kraft des Urteils im Gießener ' Anzeiger eine einmalige be­glaubigte Abschrift des ent­scheidenden Teiles auf Kosten des Angeklagten zu veröffent­lichen.

Die Richttgkeit der Ab­schrift der Urteilsformel wird beglaubigt und die Vollstreck­barkeit des Urteils bescheinigt.

Laubach, 1. Septbr. 1902. (gez.) Keil, Gerichtsschreiber

des Großherzogl. Amtsgerichts. Für die Richtigkett der

Abschrift 6143 B e i l st e i n, Rechtsanwalt. Versteigerung.

Donnerstag den 4. d. Mts., nachniittags 3 Uhr, sollen dahier Neuenweg 28: 1)1 Faß Spiritus, 3 Fässer grüne Farbe und 1 Faß Rüboel, 2) Haus- und Küchen­geräte aller Art, sowie ein Oekonorniewagen zwangsweise gegen bar versteigert werben.

Gießen, 3. September 1902.

Seipel, Gerichtsvollzieher.

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