Ausgabe 
3.9.1902 Erstes Blatt
 
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6Ie£6eu"iüi£ fast immer in Sicht, erst tarn ein Trupp von sieben, dann von fünf; sie laufen gana «chig und furcht­los. Es sind gewaltige Tiere, oeren Rucken ragt über bad Schilf von 3 Meter Höhe empor, sobaß»v>ir sie für Tücher von Hütten von Weißen hielten. Auch Heinrich Barth er» zählt schon von den Elefantenherden, die er im Tschadsee- gebiete anttaf.

direkt oder indirekt zahlen. Er hielt folcße Zölle gegerDber den russischen Vertretern, die dies bestreiten, für durchaus vereinbar mit der Meistbeqünstigungsklausel, die er Im übrigen bet keinem zukünftigen Handelsvertrag missen will. Prof. Lotz» München hebt diese Wandlung der französischen Freihändler als sehr bemerkens­wett hervor und wünscht ferner, daß sich Mittel und Wege finden ließen, um auch alle übrigen Machinationen, welche auf eine il­loyale Bevorzugung der heimischen und Fernhaltung fremder Ware hinausliefen, wie Zollchikanen, Eifenbahnfrachtchikanen u. dgl. durch Bestimmungen der künftigen Handelsverträge unmöglich zu machen. Gegenüber den Angriffen, die Prof. Fred er:kse.n- Kovenhaaen auf den deutschen Protektionismus richt'^ t*'1 uno gleicyermaßen Geh.- * *"'

Berlln, daß man in

___________________ stet, betonen Lotz .-Rat Michel-Mainz und Dr. Schacht- vuD ,.lw. ... Deutschland durchaus bereit sei, lang­fristige Handelsverträge mit weitgehender Tattfbiudung abzu- jchließen. Bezüglich der Notwendigkeit des Abschlusses solcher Ver­träge herrscht völlige Einstimmigkeit in der Versammlung, jeden­falls widerspttcht niemano. Dagegen fällt es sehr auf, daß von den anwesenden Amerikanern niemand das Wort er­greift. Pttvattm hörte man, daß Amettka gar nicht daran denke, von fernem Schutzzollsystem, dem es seinen Reichtum verdanke, ab­zugehen. Ein japanischer Vettreter betonte, daß Japan jede weitere kommerzielle Annäherung zwischen Ostasien und Europa als seiner eigenen Politik entsprechend begrüßen werde. Japan denke nicht daran, seine industrielle Entwicklung durch protektionistische Maßnahmen zu beschleunigen.

Es werden schließlich noch eine ganze Reihe minder wichtige Fragen, welche in die Handelsverträge ausgenommen werden sollen, erörtert. Da aber Resolutionen prinzipiell nicht gefaßt werden, so laßt sich eine einhellige Meinung nicht feststellen. Der Kongreß hat den deutschen Teilnehmern vor allem gewisse Stimmungen des Auslandes aufgedeckt, welche wertvolle Fingerzeige geben müssen.

Vermischtes.

* Leipzig, 2. Sept. Heute mittag brach in der chirurgischen Klinik des hiesigen Krankenhauses St. Jacob, wie es heißt, infolge Kurzschlusses Feuer aus. Ter Dachstuhl ist vollständig ausgebrannt. .Ter materielle Schaden ist bedeutend. Menschenverlust ist nicht zu be­klagen., , , .

* Würzburg, 2. Sept. In Großheubach wurden auf einem Steinhauerplatz durch Umfallen eines Krahnes drei Arbeiter schwer verletzt. Wie dasselbe Blatt meldet, brannte im gleichen Orte ein Wohnhaus und eine reichgefüllte Scheune nieder, wodurch fünf Nachbaranwesen gefährdet wurden.

* London, 2. Sept. Eine Lloyd-Tepesche meldet aus Port Elizabeth: Folgende augenscheinlich deutsche Schiffe sind bei dem letzten Unwett er ge­scheitert:Thekla",Eoriolanus", Nautilus",Ema­nuel", ,Lans Wagner" undArnold". Bon den genannten Schiffen hatte dieThekla" die Ladung bereits gelöscht, Eoriolanus" undNautilus" iiahezu,Emanuel",Hans Wagner" undArnvld" zur Hälfte.Eoriolanus" verlor zwei Mann der Besatzung.

* Paris, 2. Sept. In Rosny stürzte gestern abend ein im Bau begriffenes Wohnh aus ein, in welchem 8 Arbeiter thätig waren. Tieselben wurden sämtlich ver­schüttet und erlitten meist schwere Verletzungen.

* Bern. 2. Sept. Am Berg Les Pt ans bei Bex (Kanton Waadt) i§t der 25jährige Tourist Eduard M a s s a r d beim Edelweißsuchen ab gestürzt. Man sand ihn als Leiche, r

* Newyork, 2. Sept. Ein Telegramm aus Port Eastris (Santa Lucia) berichtet: Am Mont Pels haben seit dem 15. August fortwährend Eruptionen ftatt- gefunden. Eine sehr starke Eruption erfolgte am 28. August nachts. Das Getose wurde in weiter Entfernung gehört. Der Berg spie ungestüm Feuer. Die auf See befindlichen Schiffe wurden mit Asche bedeckt. In der "Nacht vom 30. August fanden drei AuÄwüche statt. Es ist unmöglich, sich St. Pierre von der Seeseite aus zu nähern. In Lecarbet ist die Bevölkerung voti Schrecken ergriffen. Sie flüchtete in das Innere der Insel. Ter Gouverneur gab Befehl, alle verfügbaren Boote zu verwenden, um die Bewohner der Küste nach Fort de France zu bringen. Eine Flutwelle trieb die Einwohner von Fort de France auf bie Flucht nach dem Inneren, doch ist der angerichtete Schaden nicht bedeutend. Lim Mitternacht des 30. August wurde der Mont Pels ruhig. Späteren Meldungen zufolge sollen, abge­sehen von 2 00 in Lecarbet und Mornerouge umgetommenen Personen, auch im Norden viele Menschen umgefommen sein.

* Moderne Taufe. In Rom fand vor einigen Tagen eine reizende Tauffeierlichkeit statt. Gegen 40 Zwei­räder und Tandems folgten einem anderen Zw eirade, dessen Führerin vor sich auf der Lenkstange zwtjchen weißen unb roten Rosen eine Art Wiege hatte, m der ein junger Weltbürger lag. Alle Mitfahrenoen waren ausJournallsten- £relfen, sogar die Hebamme, welche die Schwester eines der bekanntesten. Reporter Roms ist. Tas Ktnd, das auf so sportliche Weise ins Leben tritt, ist der Sohn des Jour- naliften Bacci. Die Fahrt ging durch die Bia Nazionale und Tepretis zur Kirche (Bau Siovanno Laterano, wo die Taufzereinonie slattsand.

Handel und Verkehr. Volksurirlschast.

Hamburg, 2. Sept. Betreffend die angezweifelte hypolheka- rifche Sicherflelltmg der 41/, proz. 2. P r r o r i t ä t s a n l e ih e von 1 9 U1 der Ham bürg-Amerika-Linie stellt diep. B. H." fest, daß wegen der zu Gunsten der 4 proz. 1. Prioritäts- anleche bewirkten Sperrung des Schiffsregisters die Eintragung auch der zweiten Borrechtsaiileihe nicht flailslnden konnte, die Ge­sellschaft übernahm jedoch die obligatorische Verpflichtung, lvährend der Laufzeit der zweiten Prioritätsanleihe andere Pfandrechte als solche zu Guiislen der Inhaber von Schuldverschreibungen der ersten Prioritätsanleihe aus ihre Seedampfschisse nicht einlragen zu lassen und weitere Arileihen mir unter der Bedingung aufzunehmen, baß die Gläubiger bei der etwaigen Auslösung der Gesellschaft erst nach den Inhabern der Schuldverschreibungen der zweiten Priott- tätsanleihe eine Besriedigung ihrer Forderungen verlangen können.

Heer und Flotte.

DieKöln. Ztg." schreibt: Die Nachricht, daß auch der Oberleutnant Hildebrandt verabschiedet worden sei, ist nach unseren Erkundigungen unrichtig. Es scheint, daß ihn an den in Gumbinnen zu seiner Ehrung getroffenen Veranstaltungen keine Schuld trifft.

Leutnant George, bisher im Feldattillerie-Regiment Nr. 1, ist infolge der Demonstration in Gumbinnen in das Pommer'sche Train-Bataillon Nr. 2 nach Altdamm versetzt worden. Wie wir aus einer militärischen Zuschrift in derTägl. Rundschau" ersehen, wird thatsächllch die Ver­setzung zum Train als Strafe aufgefaßt. Danach scheint man in dieser Truppe eine Art Korrektionsanstalt für besserungsbedürftige Offiziere zu sehen. Sollte es keine anderen Mitteln geben, um strafwürdigen Offizieren die Strenge der Disziplinargewalt fühlen zu lassen, als solche, die geeignet find, eine ganze Truppe bloszustellen?

Kolonialpost.

Zug nach dem Tschadseegebiete. Ter Oberst­leutnant Pavel hat von Benuö aus auf dem Wasserwege einen Bericht über seinen Zug nach Tikoa und in das Tschadseegebiet eingeschickt, der demnächst stückweise imKo­lonialblatte" veröffentlicht werden soll. Dieser vorläufige Bericht, der später noch eine Ergänzung erfahren wird, ent» hält sich dem Vernehmen nach einer Beurteilung der wirt­schaftlichen Verhältnisse unserer dortigen Interessensphäre. Oberstleutnant Pavel ift der Ansicht, daß dazu eine längere Zeit und eingehendere Beobachtungen gehören. Ter Kom­mandeur der Schutztruppe hat seinen Rückweg längs dem Logone, dem größten Zuflusse des Schari genommen, der bisher nur zum geringeren Teile erforscht und festgelegt ist. Ter Marsch des Oberstleutnants an diesem Flusse entlang, der vom 10. Grad nörbL Breite bis zur Einmündung in den Schari (etwa 12 Grad 20 Attn. n. Br.) auf deutschem Gebiete fließt, wird zu feiner Erforschung viel beitragen. Bei Kussri, etwa 8 Kilometer von seiner Mündung, gleicht der Logone an Wassermenge dem Schari. Ter Fluß ist ebenso wie der Hauptstrom außerordentlich fischreich; Fvu- reau sagt, wiederholt kam es vor, daß große Fische aus dem Wasser hervorschnellten und in die Kähne fielen. Ein großer Teil der Bewohner von Kussri beschäftigt sich mit Fischfang durch Netze, Harpunen und allerhand sonstige Methoden; Fische werden frisch gettocknet, geräuchert und sofort ver­zehrt; deshalb herrscht dort ein höchst unangenehmer Geruch, der über dem ganzen Orte lagert Die Ufergebiete des Logone sind -g.leicl) denen des Tschadsee sehr wildreich. Elefanten kommen in großer Zahl vor; überall trifft man sie in Trupps an ober sieht ihre Spuren im Sande am Ufer, Löwen müssen auch häufig vorkommen, da alle Nächte ihr Brüllen zu hören ist. Tie Zahl der Flußpferde ist überaus groß; überhaupt kommt allerhand Wild zum Trinken an den Fluh. In unglaublichen Scharen find Vögel aller Art vorhanden. Foureau schreibt: Die Elefanten

Stuttgart, 2. Sept. Der .Beobachter' schreibt: An Stelle von Regierung und Handelskammern hat sich jetzt der Ausschuß des wütttembergischen Schutzverems für Handel und Gewerbe in seiner letzten Sitzung u. a. mit der Frage der Errichtung von Petroleumtauls beschäftigt Er har den einstimmigen Beschluß gefaßt, die Generaldireknon der Staarseisenbahnen zu ersuchen, die Anlage solcher Tanks lunflrghm nicht mehr zu gestatten.

Gerhard Terlinden Akt.-Ges. in Konkurs, Ober­hausen. Der Konkurs der Gesellfchasl wird voraussichtlich gegen Schluß dieses Jahres beendet fein. Alsdann gehl das Wett an baß Bankenkonsonium über, das die Hypochttaranleihe vom Dezember 1900 an die Berliner Börse gebracht und alsbald nach dem er­folgten Zusammenbruch des Unternehmens eingelöst hatte. Daß Konsortium wird den Beiried der Fabrik m den Tellen austecht- erhalten, die eine Renlabilnätverfprechen. L

Kunst und Wissenschaft.

Dresden, 2. Sept. Während der gestttgen Aufführung des Rheingold am hiesigen Hof the ater wurde der bttannte Kammersänger A n l h e s plötzlich von einem Anfall von Genick­krampf befallen, der ihn hinderte, die Parthie dnrchzusühren. Ter Vorhang mußte herniedergelassen werden und es sang alsdann der Opernsänger Gießen die Partie nach dem Klavier-AuSzug. Anthes wurde auch heilte morgen wiederholt vom Genickkrampf befallen. Sein Bcfiiiden ist nicht unbedenklich.

Während Goethe als Student in Leipzig weilte und auch nach seiner Rückkehr ins Daterhails unterhielt seine Schwester (Sornelia einen lebhaften Briefwechsel mit der Wormser Freundin Katharina Fabrlcius, für die sie auch em Jahr lang em gehennes Tagebuch führte, in das sie ihre geheimsten und scheusten Empfindungen einschloß. Diese Bekenntnisse, die neben sehr wertvollen Mitteilungen über den Bruder und besonders seinen Frankfurter Kreis die tiefsten Einblicke m die rätselhafte ^rauennatur Cornelias eröffnen, werden in kurzem zum ersten Male nach den im Besitz der Umversitätsbibliothtt zu Leipzig be- findlichen Handschriften von dem dortigen Litterarhisloriker Prost Georg Witkowski veröffentlicht iverden. Diese Dokumente ergeben ein freundlicheres Bild von Goethes Schwester und vertrauter Jugendgenossin, als der Dichter felbfi in der allzu düsteren Schilde­rung vonDichtung und Wahrheit" ausbewahrl hat.

Künstlcr-Eutlafsuugen in der Rcichsbruckerei. Mehrere jüngere Künstler, wie Sattler, Pankok, Siitterlin, Ehmcke, Knab, waren f. Z. von der Reichsdruckerei in Berlin, von der man thal­sächlich mcht lagen kann, daß sie technisch das Beste im Reiche leiste, erfreulicherweise herangezogen, um künlettsch die Traditionen des Instituts zeitgemäßer umzugestalten, oder gar ganz abzulösen, Aber schon als man die ersten Entwürfe der neuen Briesmatten kennen lernte, mußte man stutzig werden. Jetzt sickert durch den Teutscheii Buch- und ©teinbrurfer" endgültig durch, daß es an den leitenden Stellen mit einer noch höheren Stelle starke Aus­einandersetzungen gegeben hat, deren Folgen in der De­mission des Direktors und der Entlassimg der genannten jungen Künstlerschar bestanden. Man erinnert sich auch, weswegen es bei dem 50jährigen Jubiläum der Reichsdruckerei jo gar still zuging und keine besondere Auszeichnung erfolgte. Was übrigens den einen der Künstler betrifft, den aus München berufenen und nun auch wieder entlassenen Pankok, so war in emgeweihten Kreisen schon lange bekannt, daß sein Buchschmuck des Ausstellungs- Kataloges des Deutschen Reiches auf der Pariser Weltausstellung, der auch in der Reichsdruckerei hergestellt war, allerhöchstes M i ß s a 11 e n erregt balle, dem in sehr drastischen Worten Ausdruck gegeben sein soll.

Landwirtschaft.

Gießer». 2. Sept. Dieser Tage sand im Nebeschen Witt- schaftshofe hier die B e r ft e i g e r u n g des durch den landwirt­schaftlichen Provinzialoerein in der Schw eiz angekauften Zucht­viehs stall. Obwohl die Tiere erst Tags vorher, nach einer säst 2iägigen Reise aus der Schweiz hier eingetroffen waren, war ihr Zustand doch recht gut und zeigte, daß das gekaufte Material nicht nur widerstandsfähig, sondern auch von vorzüglicher Beschaffenbett war. Versteigert unter die Besteller wurden: 2 Bullen, 18 Rinder des Simmenthaler und 58 Ziegen und Ziegenböcke des Laaner Schlages, ivährend 11 Bullen direkt an die Zuchtoereine Alsfeld und Friedberg für sogenannte Bullenstationen»» überwiesen wurden. Tie Versteigerung ergab einen Mehrerlös gegen die Ankaufspreise von, m Summe 5976,84 Matt, ein Beweis dafür, daß baß ange­kaufte Material den Wünschen der Besteller entsprach. Im Durch­schnitt kosten die Bullen (nach Abzug von 20 Prozent VereinS- zuschuß) 698,76 Matt, bie fKinber 711,90 Mk., die Ziegenbocke (nach Abzug von 20 Prozent Vereinszuschuß) 47,12 Mk., bie Ziegen 36.31 Mark und bie Kammer 20,85 Matt.

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5. lieber Tantiörnen an bte Autoren läßt sich Besttrnrntes nicht sagen. Wir werden in unserer Rechnung die Summe von 3000 Mark für das Jahr, für den Monat also 300 Mark einfügen. Es hängt von der Reichhaltigkeit des Repertoirs, von der Aufnahme älterer (klassischer und nicht klassischer), also tantiemefreier Stücke in den Spielplan ab, ioie hoch die Tantiörnesumme anwächst. Tas Städte­bundtheater wird, da es in den fünf Städten ohne Konkur­renz spielt, die Stücke lebender Autoren nicht allzu teuer bezahlen müssen, wie das in großen Stödten häufig der Fall ist, luo sich verschiedene Direktionen Konkurrenz machen.

6. Die Ko ft en für Publikationen, d. h. für Zettel und Anzeigen in den Zeitungen, sind gering.

7. Die Allgemeinen Geschäftsunkosten wer­den auch nicht über 500, also 50 Mark monatlich, hinaus­

gehen.

8. Ter Dekorations- und Kostümfundus

müßte von dem Städtebund angeschafft werden und ein für allemal im Besitze des Städtebundes bleiben. Die Ausgaben für die ersten Jahre würden naturgemäß größer sein, als die folgenden. Wenn wir nach einer Reihe von drei Jahren insgesamt einen Dekorations- und Kostüm­fundus von 30 000 Mark annehmen, so würde das vom vierten Jahre ab einen Zinsverlust von 1200 Mark be­deuten. Dazu körne der Transport von der einen Stadt nach der anderen mit jährlich 300 Mark, also in Summa 1500 Mark. Rechnen wir diese Ausgabenposten zusammen, so erhalten wir folgende

Ausstellung für den Monat: Pacht und Miete 000 Mark.

Heizung und Beleuchtung 000

Gagen und Löhne 4470

Zahlung an die Autoren 300 ''

Publikationen ca. 20

Geschäftsunkosten 50

Dekorations- und Kostümfundus 150

Gesamtausgaben also monatlich 4990 Mark.

2 ab ei siird die Gagen in unserer Aufstellung höher, als die üblichen. Für bie Tarnen kommt noch in Betracht, daß das Städtebundtheater Kostüme liefert, was unsere Bühnen (mit sehr geringen Ausnahmen nid# thun.

Welche Einnahmen stehen diesen Ausgaben gegen­über?

Es wird angenommen, daß das Städtebundtheater in den Städten A, B, C, D, E je einen Herbst- oder Winter­monat und je einen Frühlings- ober Sommermonat spielt. Wenn ein Ort in den Städtebund hineinzuziehen ift, der durch seine schöne Natur ober durch Heilquellen einen ftärfereil Sommerverkehr hat, wird auch im Sommer mit Erfolg gespiett werden können ein Vorteil, der allen Städten zugleich^ vor allem aber auch den Angestellten des Städtebundtheaters zu Gute käme. Es wird ferner an­genommen, daß die Preise nicht zu hoch seien. Wir denken sie uns von 2 Mark bis herunter zu 25 Pfennigen, im Durchschnitt also 1 Mark. Wir wollen demnach den Ein­heitspreis von 1 Mark unserer Rechnung zu Grunde legen. Es wird weiter angenommen, daß ein starkes Abonnement die Grundlagen der Einnahme bildet.

Ter Monats spielplan für die Stadt B im O kt o b er soll beispielsweise derarttg entworfen fein, baß ein Mon­tag-, ein Dienstag, ein Mittwoch? rc. Abonnement aus- gegeben wirb. Ter Abonnent kauft vier zusammengeheftete Eintrittskarten für vier Montage für Montag den 4., 11., 18., 25. Oktober, für 4 Mart halbes Abonnement ober acht zusammengeheftete Eintrittskarten für vier Mon­tag- und vier Donnerstag-Abende, für vier Dienstag- unb vier Freitag-Abende, für vier Mittwoch? unb vier Samstag- Abenbe ganzes Abonnement. Tie Eintrittskarten sind übertragbar, also nicht bloß von bem Abonnenten, sonbern für jebermann zu benutzen. An den acht Abonnementslligen eines ganzen Abonnements werben acht verschiedene Stücke gespielt, beispielsweiseKabale unb Liebe" von Schiller, Ter Raub ber Sabineriunen" von Schönthan,Emilia Galotti" von Lessing,Tie Ehre" von Sudermann,Tok- Lor Klaus" von L Arronge,Ein Fallissement" von Björnson, Ter Meineibbaucr" non Anzengruber,Ter Veilchenfresser" von Moser, also Ernstes und 5?eiteres in angemessenem Wechsel. Am Sonntag wirb nachmittags unb abenbs außer Abonnement gespielt. Ter angestellte Tirektor wird sehr jorgfältig bar auf zu achten haben, für biefe beiden Bor- iteUungen, die mit Wahrscheinlichkeit vor einem ausver- tauften Hause in szene gehlen, die Stücke zu. wählen, die

in ber Stadt B am besten gefallen haben. Für den Sonn--, tag Nachmittag wirb vor allem auch bte Jugend zu berück­sichtigen sein unb Besucher aus ber Umgegend ber Stabt« die zu später Abendstunde nicht hereinkommen können. Ter Spielplan wirb im nächsten Monat in ber Stabt E roieber» holt. Taburch wirb eine sorgfältige Einstudierung aller Stücke auf bie bequemste Art ermöglicht.

Welche Einnahmen können wir bei biejem Abonnements-, system unb biefem Spielplan haben?

Wir nehmen 300 Plätze an. Davon finb 100 abonniert, 100 werben am Wochentage an ber Kasse verkauft, in beiden Sonntags-Vorstellungen finb alle 300 besetzt. Wir hätten also:

600 Abonnenten L 4 Mark .... 2400 Mark.

2400 Mchtabonnenten ..... 2400

4 Sonntage (mancher Monat hat 5) mit 8 ausverkaufien Vorstellun­gen, b. h. 600 Besuchern. . . 2400

Insgesamt 7200 Mark.

In ber Rechnung ist eine Einnahme für Garde­robe unb Zettel nicht angesetzt. Ich will, um mich nicht aus Optimismus einer Täuschung hiuzugeben, bie Ein­nahmen von Zetteln nicht höher ansetzen, als ihre Her­stellung kostet. Tie Garberobe bagegen müßte eine beträcht­liche Einnahme abwerfen, wenn man bie Ablegung bet Kleider zu einem Zwang macht; unb bas empfiehlt sich zur Sicherung bes Geschäfts sowohl, wie der Ordnung. Bei einer Besucherzahl von 7200 Menschen würbe bie Garberobe, nur mit 5 Psg. berechnet, eine Einnahme von 310 Mark ergeben. Die Ausgaben für Garberobe würden betragen: Für Frauen ä 30 Mark monatlich (was ange­messen bezahlt ist) 120 Mark, Ueberschuß: 190 Mark.

Es würden also ben Gesamtkosten von rund 5000 Mk. gegenüberstehen Gesamteinnahmen von 7200 und 190 Mk., zusammen 7390 Mark. Gewinn 2390 Mark monatlich.

Unsere Aufstellung, bie in allen Teilen mit größter Vorsicht gemacht ist, erweist unzweifelhaft bie Durchführ­barkeit bes Städtebundtheaters.