Erstes Blatt
152* Jahrgang
Mittwoch 3. September RNVS
Nr. 206
Erscheint täglich außer Sonntags.
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Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Untvers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:
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Gießener Anzeiger W General-Anzeiger ® i x . für den polit. u. allgem.
Amts- und Anzelgeblatt für den Kreis Gießen WWZ
gctgenteil: Hans Beck.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Zufahrt der Alten Ställe von der Neustadt aus bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt.
Gießen, den 2. September 1902.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Z>as Kaiserpaar in Fasen.
Posen, 2. August 1902.
Der Kaiser und die Kaiserin sind heute abend 6 Uhr Mit Gefolge hier eingetrosfen. In ihrer Begleitung befanden sich: Herzog Günther zu Schleswig-Holstein, der Kronprinz, ferner die Generale v. Messen, v. Scholl und v. Löwenfeld, Oberstleutnant v. Plüskow, Major v. Schrnettow, Leibarzt Dr. Jlberg, Oberstallmeister (B-raf Wedel, Vizeoberstall- meister v. Esebeck, Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff, die Dosoamen v. Gersdorff, Gräfin Stolberg-Wernigerode, Graf Mirbach, Kammerherr v. Keller, Geh. Kabinetsrat von Lucanus, der Chef des Militärkabinetts v. Hülsen-Häseler. Vorher waren hier eingetrosfen: Prinz Friedrich Leopold, Prinz Albrecht von Preußen, Prinz Ludwig von Bayern, Reichskanzler Graf Bülow, der lebhaft begrüßt wurde, Oberhofmarfchall Graf Eulenburg, Haus- marfchall Frecherr v. Lyncker, Gesandter v. Tschirschky und Bögendorss und Flügeladjutant von Friedeburg.
Auf dem Bahnhof fand großer militärischer Empfang statt. Das Grenadierregiments Graf Kleist von Nollendors (1. westvr. Nr. 6) stellte die Ehrenkompagnie. Der Kaiser, in der Uniform der Gardes du Corps, begab sich zu Pferde, die Kaiserin in einem offenen Vierspänner in die Stadt. Eine Eskadron des Ulanenregiments Kaiser Alexander III. von Rußland (westpr. Nr. 1) erkortterte. Am Berliner Thor wurden die Majestäten von den Behörden empfangen. Oberbürgermeister Witting hielt eine Ansprache. Die Begrüßungsrede bewegte sich lediglich in konventionellen Formen. Tas Konzept der Rede war vorher nach Berlin zur Einsichtnahme geschickt worden. Tort ist jede politische Anspielung aus der Rede des Oberbürgermeisters gestrichen worden. Witting (der übriaens ein Bruder des Herausgebers der „Zukunft" Maximilian Harden ist und ursprünglich Wittkowski heißt. D. Red. d. Gieß. Anz.) erinnerte daran, daß vor genau 100 fahren König Friedrich Wilhelm III. an der Seite der Königin Luise in Posen eingezogen sei. Seitdem sah die Stadt einen ähnlichen Glanz nicht. Heute, am Tage von Sedan, halte der deutsche Wiser an der Seite seiner hohen Gemahlin seinen Einzug. Im verflossenen Jahrhundert sei in Posen an die Stelle tiefsten Verfalls preußischer Geist, Zucht und Ordnung getreten. Ter Oberbürgermeister wies aus die verschiedenen Huldbeweise hin, die der Kaiser der Stadt Posen erzeigte. Auf kaiserliche Initiative sei die erste Erleichterung rn den Rayonbeschränkungen seinerzeit er- olgt, aus des Kaisers Gebot fielen jetzt die Wälle. 9iur m Schatten sd,es Reichspaniers und in den Bahnen des ireußischen Regiments könne und werde die Stadt Posen gedeihen. Aus jeder Brust steige heute das Gelöbnis hervor : Ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein!
Der Kaiser erwiderte:
„Empfangen Sie den Dank der Kaiserin und meinen für den freundlichen Empfang seitens der Stadt und für die Ausschmückung, wie die Gesinnungen, denen Sie soeben beredten Ausdruck verlieben haben« Ich freue mich von Herzen, daß heute ein anderes Bild meinen Augen sich zeigen wird, als damals in diesen trüben Tagen, als die Wellen des Stromes sich gegen und zum Teil über Ihre Häuser dahinwälzten. Was diese Stadt und dieses Land sind, verdanken Sie der Arbeit der preußischen Könige. Ich, als ihr Nachfolger, werde auch meinen Teil, wie ich es damals schon bei der Sitzung im Magistratssaal aethan, es an der Sorge für die Stadt und Unterstützung in ihrer Entwickelung nicht ermangeln lassen. In feinen Entwlckelungsbestrebungrn ist Posen in ein Stadium getreten, in dem es mit den bisherigen Abgrenzungen nicht mehr auskommen kann. Zu eng ist der Gürtel ihres Gewandes, zu klein die Mauerkrone für ihr Haupt. Ich habe infolge dessen heute eine Ordre vollzogen, nach ivelcher das Rayongesetz ein für alle Mal fällt. (Brausende Hurrarufe.) Ich erwarte von der Einsicht des Oberbürgermeisters, des Magistrats und der Stadtverordneten, wie von dem Patriotismus der Einwohner, daß die Stadt nun mit allen Kräften an ihre Entwickelung Hand anlegt, und daß sie sich dieser großen Wohlthat würdig zeigen wird. Ich hege keinen Ziveisel, daß sich binnen Kurzem Straßen und Häuserquartiere erheben werden, welche mid) den Armen ein menschenwürdigeres Dasein ermöglichen, als die Wallischei jetzt thut. Ich hoffe, daß die bösen alten Stadtteile verschwinden werden, uni) bitte Sie. tn meinem und der Kaiserin Namen den herzlichsten und innigsten Dank für die Stimmung und Begrüßung, sowie für den Empfang der Stadt Posen auszusprechen. Ich danke Ihnen und der gesamten Bürgerschaft dadurch, daß ich Ihnen die Hand reiche."
Bei der Stelle der Rede von der Aufhebung der Nayon- beschränkung brach ungeheurer Jubel unter den Tausenden aus, welche den Platz am Berliner Thor besetzt hatten. Der Kaiser, die Kaiserin und der Kronprinz setzten alsdann ihren Einzug in die Stadt fort. Auf dem Wege bildeten bte Truppen Spalier, die Musik spielte, die Truppen präsentierten. Von dem in den Straßen aufgestellten Publikum, sowie denjenigen, welche die Fenster besetzt hielten, wurden den Majestäten stürmische Ovationen dargebracht.
Im Generalkommando, wo die Majestäten Wohnung nehmen, fand großer Zivilempfang statt. Vor dem Gebäude bildete eine Kompagnie des Grenadierregiments Kaiser Wilhelm I. Nr. 7 die Ehrenwache. Beim Zivilempfang waren die Spitzen sämtlicher Zivilbehörden zugegen, ferner der Erzbischof von Posen und Gnesen, von Stablewski, und der Weihbischof von Lichnowski.
Nach dem Zivilempfang war bei dem Kaiserpaar im Generalkommando Abendtafel. Aus Einladung des Kaisers sind heute abend eingetroffen: Der General-Adjutant General der Kavallerie, Generalgouverneur von Warschau, Tschertkoff, mit einem Adjutanten, ferner der Kommandeur des Petersburger Leib-Garde-Jnfanterieregi- ments König Friedrich Wilhelm III. mit einem Oberst und 16 Offizieren des Regiments.
DieEinladungenzurHoftafel haben in Posener Beamte »kreisen einige Mißstimmung hervorgerufen. Man hatte sich auf die obersten Beamtenschichten bis herab zum Rat 3. Klasse beschränkt und nur bei einigen Oberregierungsräten eine Ausnahme gemacht, aber von den Vertretern der wissenschaftlichen Anstalten, der Gymnasien, des Archivs, oes Museums rc. war niemand geladen worden. Am Abend war die Stadt festlich illuminiert.
Die Berufung des Herrn v. Morawski zum Kamme r h e r r n d i en st bei der Kaiserin während der Posener Festtage läßt erkennen, daß es um die politische Verstimmung des polnischen Hochadels keineswegs so bestellt ist, wie die polnische Presse glauben machen will. Der Verlaus der Festtage dürfte noch deutlicher erweisen, wie wenig diese Mutigen, zum größeren Teil jedenfalls, geneigt sind, die „Hofluft" zu meiden. Vielleicht erlebt man das Schauspiel, daß auch der seinerzeit zu parlamentarischer Bedeutung gelangte Herr v. Koscielski — „Admiralski" — bei dieser festlichen Gelegenheit seinen Frieden mit Berlin macht, obgleich er noch vor wenigen Monaten im preußischen Herrenhause in Angriffen auf oie preußische Regierung sich erging. Dieses „Sichbesinnen" oes polnischen Adels ist bedeutungsvoller als das wohl unausbleibliche Zetern der polnisch-radikalen Presse über „Verrat an der guten Sache". Die Posener Woche hat eine interessante Einleitung erfahren, sie kann noch mancherlei Ueberraschungen bringen. Die Kaiserrede war ja im wesentlichen unpolitisch. Die Aufhebung der Rayonbeschrän- fungeu wird auch auf polnischer Seite Beifall finden und die flüchtige Bemerkung, daß Stadt und Land Posen ihr Bestes den preußischen Königen, das beißt präziser aus- gedrückt, der Angliederung ans Deutsche Reich verdanken, ist eine von niemandem fortzuleugnende Thatsache, die schon anno 1848 feststehend war und damals von dem jungen Parlamentarier Wilhelm Jordan in seiner berühmten Polenrede mit treffendsten Belegen ausführlich dargelegt wurde. Was seitdem alles von der preußischen Regierung zu Gunsten des polnischen Ostens geschehen ist an Eisenbahn-, Wege- und Kanalbauten rc., sowie namentlich rn Bezug auf die intellektuelle Hebung der Volksmassen, das wird in den Blättern der objektiven Geschichte einst verzeichnet stehen als eine der besten Thaten preußisch- deutscher Kultur um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Schwankungen in der preußischen Polenpolitik mögen bisweilen unerfreulich gewesen sein und mögen mancher guten Absicht hemmend im Wege gelegen haben; trotzdem wird jeder mit den polnischen Verhältnissen einigermaßen Vertraute die volle Berechtigung der Kaiserworte unumwunden anzuerkennen haben, sofern er sachlich zu urteilen fähig ist.
Uolilische Tagesschau.
Vom internationalen Kongreß für Handel und Industrie, der, wie wir bereits meldeten, kürzlich in Ostende stattfand, wird gemeldet:
Tie Behandlung der Handelsvertragsfrage förderte eine Reche namentlich für uns Deutsche interessante Momente zu Tage. Während int Großen und Gamen die Debatte mit jener wunderbaren liebenswürdigen Oberflächlichkeit geführt wurde, die den Franzosen eigen ist, streßen doch einige belgische Industrielle die Versammlung so nachdrücklich auf die nackten Thatfachen, daß man sich dazu äußern mußte. Und fo kam es, daß namentlich die Franzosen sehr in die Enge getrieben wurden, da das protektionistiche Verhalten Frankreichs im grellsten Widerspruch steht ui den Phrasen von der Gleichheit und Freiheit, die jene dauernd im Munde fuhren. Der frühere französische ÖHnifter Yves Guyot tritt deshalb in enera sicher Weise für die Vergeltungszollklausel nicht nur der Brüsseler Zuckerkonvention ein, sondern empfiehlt Vergeltungszölle ganz allgemein überall, wo Staaten oder Kartelle Ausfuhrprämien
Slädleöundtßeater.
Auf dem im Juni d. I. abgehaltenen Städtetage zu Marburg hat bekanntlich Herr Bodo von Bodenhausen aus Kassel einen Vortrag über die Errichtung von Städtebundtheatern in Hessen gehalten, und wir haben diesem Herrn auch bereits das Wort zu Ausführungen an dieser Stelle erteilt. Jetzt liegen uns die vom Stadtkassenrat Bödicker in Kassel herausgegebenen „Verhandlungen" jenes Städtetages (erschienen be iWeber u. Weidemeyr in Cassel) gedruckt vor. Daraus ersehen wir, daß Herr v. Bodenhausen sich aus die Autorität des Direttors des Schlller- theaters in Berlin, Dr. Löwenfeld, stützte, der nicht nur als Herausgeber der Zeitschrift „Die Volksunterhaltung", sondern auch als Tolstoi-Uebersetzer und -Interpret sowie durch den jüngsten Lewziger Tolstoi-Prozeß, vornehmlich aber als geistiger Urheber der Volks- und Städtebun- theater-Jdee sich in litterarischen Kreisen einen geachteten Namen gemacht hat. Herr v. Bodenhausen führte u. a. aus, und es lassen fidk cum grano salis, seine Ausführungen auch auf die Verhältnisse von Gießen, Marburg, Bad-Nauheim usw. anwenoen:
Ueberall in Deutschland, wo Theater bestehen, ist man jetzt bemüht, sie auch den weniger Bemittelten zugänglich zu machen. Große deutsche Hoftheater pflegen mit Eifer diese Volksvorstellungen, und in einem deutschen Staat (Koburg) hat ein Landtagsbeschluß sie der Theaterleitung zur Pflicht gemacht. Aus diesem Wege werden wir stetig *ur Verbilligung des Theatergenusses gelangen und, was davon untrennbar ist, zu seiner Veredelung. Jede Stadt strebt danach, sich ein eigenes Theater zu gründen, und wo dies nicht gelungen ist, hat das nur einen Grund: den Mangel an Mitteln. Aber wie auf vielen Gebieten unseres öffentlichen Lebens geeinten Kräften durchzuführen geglückt ist, was einzelne noch so einflußreiche und noch so starke Persönlichkeiten nicht durchzusetzen vermochten, so können auch mehrere Städte vereinigt sich ein würdiges Theater schaffen. Wenn wir erwägen, wie wenige Menschen die edelsten Erzeugnisse der dramatischen Dichtung lesen, wie viele sie nur dadurch kennen lernen, daß sie eine herumziehende Truppe ihnen einmal vorspielt, so wird uns die Bedeutung der kleinsten, unansehnlichsten Bühne nickst gering erscheinen. Städte, die allein nicht im stände sind, ein .Theater zu erhalten«
sollten sich zur Erhaltung eines gemeinsamen Theaters vereinigen.
Denken wir uns fünf Städte vereinigt, um ein ständiges Theater besseren Charakters zu begründen. Jede der fünf Städte wählt einen Vertreter für einen Theater- ans schuß. Der Theaterausschuh hat gemeinsam über die Verwaltung des Städtebundtheaters zu ivachen. Vor allem über die Geschäftsführung des angestcllten Direktors. Denn ich denke mir dieses Theater nicht anders als von einem Angestellten des Ausschlusses geleitet, der von den fünf vereinigten Städten ein festes Beamtengehalt bezieht. Die materielle Sicherheit des Theaters muß von den fünf vereinigten Städten verbürgt sein. Der angestellte Leiter muh einerseits frei fein von materiellen Sorgen um seine Existenz, und darf andererseits nie vor der Versucyung stehen, die Not der Schauspieler durch Herabdrückung der Gehälter zu seinem Mtzen auszubeuten. Materielle Sicherheit, Freiheit von täglicher Sorge erst gießt dem Theaterleiter die Möglichkeit künstlerisch zu arbeiten.
Der Theaterausschuß des Städtebundes hätte dann festzustellen, in welchen Monaten Vorstellungen in dem einen oder in dem anderen Orte stattfinden. Was hier au berücksichtigen wäre: der Verkehr der einzelnen Städte, die Ferienzeit usw., kann nur der mit den Sonderverhältnissen näher Bekannte beurteilen. Der Städtebund müßte gemeinsam Dekorations- und Kostümfundus besitzen. Nur dadurch wird dem Theater die Stetigkeit gegeben und eine gesunde Grundlage für die Dauer geschaffen. Gegenüber der auf deutschen Bühnen herrschenden Unsitte, schließen müssen, was auch sonst jeder anständigen Unterhaltung ferngehalten werden sollte: das Gemeine, die Zote.
Ter Versuch mit einem solchen Städtebundtheater kann nicht schwer sein. Es würde sich bald zeigen, daß die Städte nicht bloß den unmittelbaren Zweck, den wir anstreben, erreichen würden: eine angemessene Volksunrer- haltung — es würden sich auch Nebenvortelle für sie selbst und unser gesamtes geistiges Leben daraus ergeben. Für sie selbst — eine Verbesserung des Theatervergnügens, wenn sie bisher schon welches hatten, eine Vergrößerung des Verkehrs während der Thecttermonate, geistige Anregungen, die ihnen bis heute gefehlt haben. Für die Ge- famtBeit — eine Verbesserung der Theaterverhältnisse im ideellen und im wirtschaftlichen Sinne.
Wir können an dieser Stelle nur von einer bestimmten
। Anzahl von Städten (A, B, C, D, E) ausgehen, wir tonnen in unserer Rechnung nicht berücksichtigen, wieviel die eine Stadt mehr, die andere weniger zu den Gesamtkosten beizutragen hätte, wieviel Wochen das Theater in A, wieviel in V zu spielen hat. Wir müssen die fünf Städte als gleichwertig in jeder Hinsicht ansetzen und so schemcttisch die Gesamtrechwung für das Städtebundtheater machen.
Vorweg fei bemerkt, daß alle Angaben in unserer Rechj- nung bestehenden Verhältnissen entnommen sind, daß vor allem die Gehaltsangaben, die Hauptsache in der Rechnung, dem entsprechen, was heute an Stadttheatern tote Bautzen, Frankfurt a. O. gezahlt wird.
Tie Ausgaben eines Theaterunternehmens drücken sich in den folgenden acht Positionen aus: 1. Miete für das Theaterhaus und für Lagerräume, 2. Beheizung und Beleuchtung der Räume, 3. Gagen, 4. Löhne, 5. Tantiemen an die Autoren, 6. Publikationskosten (Zettel, Anzeigen rc.), 7. Allgemeine Geschäftsunkosten, 8. Dekorations- und Kostümfundus.
1. Für Miete wird das Städtebundtheater keine Ausgaben haben. Auch die großen Stadttheater zahlen keine Pacht. Viele haben sogar städtische Zuschüsse (Gas, Wasser und dergl.). Tas Theater wird also mietfrei wohnen. Tie Lagerräume für Dekorationen und Kostüme müssen von den Städten oeschafst werden. Eine Miete von 50 Mark monatlich wird das Höchste sein, was dafür in Anschlag zu bringen ist.
2. Die Heizungs- und Beleuch tungskosten wird der Saalbesitzer zu tragen haben und auch gern tragen. Tie Reinigung des Theaterraumes ist selbstverständlich auch seine Aufgabe.
3. Tie Schauspielergagen stellen sich für ein ungewöhnlich g roßes Personal von 17 Herren und 14 Damen, die unter einem angestellten Direktor thätig sind, wie folgt (zu beachten ist, daß wir unser Personal 12 Monate, mindestens aber 10 Monate spielen lassen, was gegenüber dem sechs- oder siebenmonarlichen Spieljahre unserer Provinzbühnen einen außerordentlichen Fortschritt bedeutet):
a) Bureau Mark 710
bj Tarnen....... „ 1385
c) Herren....... „ 2195
4. Löhne „ 180
Sa. Mark 4470.


