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3.6.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 1L7

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Schnlftr.be T.

Ldrrsse für Depeschen r «azetger Sieben.

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Dienstag 3. Juni 1908

153. Jahrgang

Erstes Blatt.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger ** **

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J>ie KetreidezöTe im preußischen Landtage.

Zn der Montag--Sitzung des preußischen Abgeordneten­hauses standen die Antrüge Graf Ämvurg>L-tirum und v. Zedlitz betr. Verstärkung deS landwirtschaftlichen Zoll- schutzes zur Beratung.

Der Antrag Gras Limburg verlangt, die Staatsregie- rung solle tm Bundesrat für die über die Zolltarifvorlage hinausgehenden Wünsche der Mehrheit der Zolltarifkom­mission eintreten. Der Antrag v. Zedlitz verlangt ein Eintreten der Staatsregierung im Bundesrat nur dafür, daß über jene Wünsche der Mehrheit der Zolltarifkom­mission eineBerstündigung mit dem Reichstage" herbei­geführt werde.

Unmittelbar nach dem Eintritt in die Tagesordnung gab Ministerpräsident Graf Bülow die nachstehende Er­klärung ab:

.Zu den vorliegenden Anträgen der Abgg. Graf zu Limburg- Stirum und Genossen und der Abgg. Frhr. v. Zedlitz und Genossen habe ich namens der königlichen Staatsregierung folgende Er­klärung abzugeben: .Die königliche Staatsregierung lehnt e8 ab, an der Beratung dieser Anträge sich zu betei­ligen. Der dem Reichstage vorliegende Entwurf des Zolltarifs bildet einen nach langen und mühevollen Verhandlungen unter den verbündeten Regierungen zu Stande gekommenen Kompromiß. Nach der Reichsverfassung und insbesondere nachdem der Entwurf eines Zolltarifgesehes nebst Zolltarif im Auftrage Seiner Majestät des Kaisers nach der erfolgten Zustimmung des Bundesrats dem Reichstage zur verfassungsmäßigen Beschlußnahme vorgelegt ist und zurzeit den Gegenstand der Beratungen der zu diesem Zwecke ge­wählten Zolllariftommission bildet, gehört diese Materie zur aus­schließlichen Kompetenz des Reichstages. Die gleichzeitige Beratung dieses Gegenstandes in einzelstaatlichen Landtagen, und namentlich n denjenigen des größten Bundesstaates, kann nur den Zweck ver­folgen, von den parlamentarischen Körperschaften der Einzelstaaten auS eine Beeinflussung auf die Beschlußfassung des Reichstages auszuüben. Eine solche Tendenz würde dem Geiste der Reichsverfassung nicht entsprechen. Wie der Bundesrat sich bisher von Beratungen über solche Gegenstände im Reichstage ferngehalten hat, welche durch die Reichsverfassung dem Reiche nicht zugewiesen, also der Zuständigkeit der Einzelstaaten vorbehalten sind, ebenso muß die königliche Staatsregierung ihrerseits es sich versagen, ihren übrigens an zuständiger Stelle bereits wieder­holt und unzweideutig dargelegten Standpunkt in der hier zur Diskussion stehenden und zur Kompetenz des Reiches ge­hörenden Zollftage in diesem hohen Hause des Näheren zu ent­wickeln."

Die Erklärung des Ministerpräsidenten wurde von der rechten Seite des Hauses mit wachsender Unruhe, auf der linken Seite mit wiederholtem Beckatt ausgenommen. Die Minister verließen den «Ätzungssaal.

Abg. v. Heydebrand und der Lasa (fonf.): Ich bedauere die Erklärung des Reichskanzlers, insbesondere, daß sie abgegeben wurde, ohne baß die Regierung auch nur die Gründe gehört hat, die uns zur Stellung der Anträge veranlaßt hat. (Beifall rechts.) Ich teile aber auch nicht die Auffassung des Reichskanzlers, daß wir nicht kompetent seien zur Beratung der Anträge. Wir mußten sagen, daß der Landwirtschaft bei der Zollgesetz­gebung nicht wieder Opfer für den Welthandel zugemutet werden dürfen, denn die Landwirtschaft hat kein Interesse an dem Welthandel. Mag man unsere Kompetenz hoch oder niedrig anschlagen, wir werden die uns anvertrauten Interessen der Landwirtschaft nach unseren Kräften wahren. Deshalb haben wir unseren Antrag eingebracht, den wir Sie bitten, so wie er ift, anzunehmen. (Lebhafter, an­haltender Beifall rechts.)

Abg. Frhr. v. Zedlitz (ftks.) verliest eine Erklärung, nach oer seine Partei zwar das Abgeordnetenhaus für legitimiert hält, die Frage zu behandeln, aber eine Er­örterung zur Zeit nicht für die Sache förderlich hält. Die Partei wird sich daher an der weiteren Diskussion nicht beteiligen und, wenn ihr Antrag abgelehnt werden sollte, sich bei werteren Abstimmungen der Stimme ent­halten.

Abg. v. Eynern (nl.) erklärt, daß die nationalliberale Partei gleichfalls ablehne, sich an der Diskussion

zu beteiligen und gegen beide Anträge stimmen werde.

Abg. Herold (Ztr.): Der Bundesrat hat den Wünschen der Mehrheit der Zolltarifkommission gegenüber durchweg nur sehr geringes Entgegenkommen gezeigt. Deshalb ist es notwendig, daß wir hier unsere Stimmen erheben. Dabei ist unsere Tendenz nicht, wie der Reichskanzler meinte, den Re ichstag zu beeinflussen, sondern vielmehr Ein­fluß auf i);ie preußische Staatsregierung zu gewinnen. (Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Zollfragen sind hier schon oft erörtert worden, ich sehe nicht ein, warum das auf einmal nicht mehr zulässig sein soll. (Sehr richtig.) Redner geht darauf im einzelnen auf die landwirtschaftlichen Zölle und ihren Zusammenhang mit der Handelsvertragspolitik ein und wendet sich gegen zu weit gehende Rücksichtnahme aus das Aus­land. Wenn, so ruft er unter lebhafter Zustimmung bei der Mehrheit aus, .bei den Handelsverträgen nicht wenig st ens das für die Landwirtschaft not­wendige Minimum von Zöllen aufrecht erhalten wird, dann lieber gar keine Handelsverträge!

Abg. Richter (frs. Bp.): Auf das heutige Schauspiel habe er sich schon lange gefreut. Am meisten wundere ihn, wie das Zentrum einen solchen Antrag unterschreiben konnte. Was der Abg. Herold von der Mehrheit des Reichs­tags fün d en Zolltarif gesprochen habe, treffe nicht zu. 14 Stimmen der Kommission stünden gegen 11. Der Abg. Trimborn wolle sich schon jetzt auf die Seite der Minorität schlagen. Dann fehle nur noch eine Stimme und dann falle das Gesetz. Die Rechte glaube vom Grafen Bülow freilich:Vorne nickt er und hinten pickt er". Dazu sei sie ja auch gewifsermahen berechtigt; denn einen besseren Kameraden als den Grafen Bülow tonnten die Agrarier nicht finden. (Heiterkeit.) Wenn die Wasser aber diesmal wirklich so tief seien, daß die Agrarier nicht zum Grafen Bülow rommen könnten, würde die Linke ftch mit der Rechten zusammenthun und gemeinschaftlich den Zolltarif verwerfen.»

Nachdem der Abg. Fuchs (Zentr.) bedauert hatte, daß man auf der Linken auf die Dummheit der Masse speku­liert, fragt

Abg. Dr. Barth (frs. Vp.), wozu denn die Verständi- aung, die die Regierung anstrebe, nun durchaus durch diese Anträge erfolgen solle, die thatsächlich in die Kompetenz des Reichstages eingriffen. Zudem zeige der Landtag ja nicht das richtige Bild der Volksvertretung, da die stärkste Partei gar nicht vertreten sei.

Abg. Frhr. v. Wan gen heim (fonf.) tritt für das Recht des Hauses ein, sich über wichtige Lebensfragen hier auszusprechen. Mit besseren Witzreden, wie sie Richter heute hielt, komme man nicht über solche Tinge hinweg, die namentlich das Wohl der Arbeiterschaft beträfen. Die warme Zuneigung des Reichskanzlers zu uns hat sich mit der zunehmenden Temperatur immer mehr verflüchtigt. Wir wissen, wo'ran wir sind; die Sachlage ist sehrernst;alleVerantwortungtrifftjetztdie Regierung.

Nach längeren Ausführungen der Abgg. Dr. Sattler (ntl.), Dr. Becker (Ztr.) und Ehlers (fr. Ber.) wird ein Schlußantrag angenommen.

Nach einem Schlußwort des Abg. Grafen Limburg- Stirum (kons.) wird der Antrag der Fr ei konser­vativen abgelehnt und der konservative An­trag in namentlicher Abstimmung mit 183 gegen 79 an­genommen, bei 42 Ctimmenenthaltungen.

o e *

Der starken Verstimmung der Konserva­tiven gegen den Grafen Bülow wegen seiner Erklärung im preußischen Landtag giebt dieKreuzt g.", das offi­zielle Organ dieser Partei, umgehend Ausdruck. Die Kreuzztg." ftndet, daß der Ministerpräsident seine W- lehnung der Verhandlung über den Getreidezollantrag in eine Form gekleidet habe, die überaus peinlich wirke und sonst nur bei ungesetzlichen oder verfassungs­widrigen Ueb je r griffen gewählt worden sei. Ein derartiger Vorgang lege die Vermutung nahe, daß die Re­gierung auf ein verständnisvolles Zusammen­wirken mit einer loyalen Mehrheit keinen Wert legt. Das ist deutlich gesprochen, und es könnte fein, daß sich die Konsequenzen gar bald, auch auf dem Gebiete der Reichs-

ivlitik, bemerkbar machen. Da sind die Zuckersteuer­vorlagen die in der Kommission beantragte Ver­tagung dieser Materie mag den Reickzskanzler vor allem verdrossen haben und der Gesetzentwurf über die O st- afrikabahn. Dem einen wie dem andern stehen die Konservativenkühl bis ans Herz hinan" gegenüber, wäh­rend Graf Bülow die baldige Verabschiedung beider Vor­lagen sehnlichst wünscht. Der Horizont der inneren Politik mag nach alledem dem Reichskanzler um Vieles bewölkter erscheinen, als der der Auslandspolitik.

Hin Aückvnck auf den südafrikanischen Krieg.

Angesichts der Unterzeichnung der Uebergabe durch die Burenführer sowie durch Milner und Kitchener und des also unmittelbar bevorstehenden Friedensschlusses verlohnt es sich, einen Rückblick zu machen auf den Verlaus der KriegK- geschehnisse.

Zu Anfang des Krieges betrugen die Streitkräfte dcrl Buren nach Angabe der Engländer 54 800 Mann, denen letztere kaum 30000 entgegenftenen konnten. Nach An­gabe aus Burenquelle hat die Gesamtzahl der Burenstreitev niemals 36 000 überschritten. Am 11. Oktober 1899 über­schritten die Transvaalburen, denen sich die Oranjebupen anschlossen, und am nächsten Tage die letzteren die Grenzen der beiden Republiken, schnitten zunächst Kimberley Und Maseking von der Verbindung mit Kapstadt ab und be­setzten die nach Natal hineinführenden Gebirgspässe. General White konnte den 20 000 Mann des burischeu Oberfeldherrn Generals Joubert nur 13 000 Mann gegenüberstellen. Sein Untergeneral Symons wurde am 19. Oktober von den Buren bei Glencoe geschlagen und selbst tätlich verletzt. Tie Trüm­mer des englischen Heeres flüchteten nach Ladysmith. Trotz eines britischen Erfolges bei Elandslaagte, am 21. Cfr« tober, bei dem das deutsche Burenhilfskorps vernichtet und sein Oberst Schiel gefangen genommen wurde, konnte Ge­neral White die Einschließung von Ladysmith nicht hindern. Während Joiibert nun Ladysmith cemierte und 9iatal bis zum Tuge la besetzte, drangen weitere Burenkommandos in dieMaplolonie ein unb hatten hier großen Zuwachs an waffenfähigen Mannschaften. * Am 31. Oktober war der eng­lische Oberbefehlshaber Sir Redvers Buller in Kapstadt gelandet. Joubert unternahm, um ihn nach Natal zu ziehen, einen Vorstoß auf Pieter Maritzburg, und Buller hielt eq demgemäß auch für das Wichtigste, mit der in Natal stehen­den Hauptmacht der Buren abzurechnen. Er überließ daher dem General Lord Methuen den Entsatz von. Kimberley, während General Gatacre den Norden der Kapkolonie vom Feinde freimachen sollte. Wohl errang Lord Methuen am 23. und 25. November bei Belmont und Graspan schein­bare Erfolge über die Vorhut der Buren, wurde aber am 28. November und 11. Dezember am Modderfluß und bei Magersfontein von General Cronje so entscheidend ge­schlagen, daß die englische Offensive ins Stocken geriet Fast gleichzeitig, am 10. Dezember, erlitt General Gatacre bei Stormberg eine blutige Niederlage, wahrend fünf Tage später Bullers Versuch, Ladysmith zu entsetzen, bei Colenso vereitelt wurde. So schritten die Buren von Erfolg zu Erfolg, ohne aber nnebegreiflicherweise deren Früchte zu sichern. Daß die Engländer ihre Lage mit größter Besorg­nis betrachteten, beweist der Umstand, daß sie nun ihre beiden erprobtesten Offiziere, Lord Roberts, den Sieger von Kandahar, und Lord Kitchener, den Würger von Khar­tum, an die Spitze ihrer südafrikanischen Armee beriefen. Beide trafen am 10. Januar 1900 in Kapstadt ein, konnten aber mit den durch die Niederlagen völlig entmutigten Truppen nichts beginnen, so lange die unterwegs befind­lichen 150 000 Mann Verstärkungen noch nicht eingetroffen waren. Ein nochmaliger Versuch Bullers, Ladysmith zu entsetzen, brachte ihm am 24. Januar die blutigste Nieder­lage des Krieges am Spionkop und am 8. Februar eine zweite am Vaalkrantz.

Jetzt aber übernahm Lord Roberts das Kommando und führte eine Wendung zu Gunsten der britischen Waffen herbei. Am 18. Februar 1900 umging er am Modderfluh die Stellung der Buren bei Jakobsdal mit 150 000 Mann, denen General Cronje nur 8000 Buren gegenüberstellert konnte. Cronje mußte sich nach dreitägigem Kampfe am 27. Februar mit 4300 Mann am Paardeberg ergeben. Kim­berley war befreit, die nächste Folge war auch das Auf-

Feuilleton.

Znm Darmstadter Theaterumbau. Die unserem Land­tage zugegangcne Regierungsvorlage, betr. den Hostheater- umbau, hatte uns Veranlassung gegeben, die Meinung eines in Fachkreisen mit Recht geschätzten Theatermannes, des Hof­rats Hugo Edward in Darmstadt, des früheren lang­jährigen Darmstädter Hostheater-Regisieurs, über das Projekt und seine etwaige Notwendigkeit einzuholen. Herr Hofrat Edward hat die Liebenswürdigkeit, uns u. a. folgendes zu schreiben:

Günstige Zufälle und vorhandene Neigungen haben mir in früheren Jahren die erwünschte Gelegenheit geboten, die Musen­tempel der jämtlichen hervorragerrden Städte unseres Kontinents kennen zu lernen, und so hatte ich mir denn über das Thema Theaterbau" meine eigenen Ideen gemacht, bie bet einigen der für diesen Zweck vorhandenen Bauwerken, z. B. bei dem des neuen Stadttheaters in Halle a. d. S., ihren prägnantesten Ausdruck sanden. Meine Auffassung eines zu ermögllchenden Mustercheaier- daues wenn auch nur in kleinem Stil und bescheidener Aus­führung wurde nun aber durch dasHaus der Darmstadter Spiele" vollkommen auf den Kopf gestellt! Ob ich mit meiner Ansicht im Recht bin, weiß ich nicht, will mich auch durchaus nicht darauf versteifen. Im übrigen halte ich ben Umbau und Ausbau

des hiesigen Hoftheaters auch ohne Dienstwohnung des leitenden Direktors für eine absolutc Notwendigkeit; die Gefahren, die das jetzige Bauweck für die Besucher in sich schließt, sind so mannigfache, daß ich, um die Gemüter der letzteren nicht unnütz zu erregen, auf die Beschreibung der Uebelstände ver­achten möchte. Doch will ich nicht versäumen, meine Meinung dahm.zum Ausdruck zu bringen, daß diejenigen maßgebenden Faktoren, die sich dem Umbau des Darmstädter Hosiheaters ent­gegenstellen, für die Zukunft eine überaus schwere Verantwortung auf sich laden."

Gegen Olbrich und Behrens als etwaige Bauleiter spricht sich Hofrat Edward in folgenden Worten aus:

Hierbei will ich nun gern die Gelegenheit benutzen, Ihnen die Versicherung zu geben, daß mir beide Herren durch Ihre Schöpfungen bet der vorjährigen Ausstellung in Darmstadt über­aus sympathisch geworden sind, daß ich jedoch einen weit nach­haltigeren Eindruck ihrer Kunstwerke empfangen haben würde, wenn mir der damaligeTheaterbau für die Darmstädter Spiele" fremd geblieben wäre."

Dagegen lesen wir in einem, uns im ganzen durchaus nicht sympathischen, zum Teil gehässigen, in Einzelheiten aber doch beachtenswerten Aufsatz von Jul. Meier-Gräfe in der Harden'schenZukunft" Nr. 34, beuteltDarm-Athen":

Jetzt höre ich, daß man das Darmstädter Theater umbauen will und dafür 800 000 Mk. auswirft, von denen 300 000 Mk. von der Schatulle bezahlt werden; und dieser Bau soll nicht Olbrich,

nicht Behrens, keinem der Darmstädter, foitbern einer beliebigen Routinierfirma übertragen werden. Das ist ein bischen hart, aber gesund; denn es reinigt..... Die Schatullen werden kommen,

wenn erst das liebe Volk will. Ich sehe schon alle Throne Europas mit Christiansens Linien und färben geschmückt; heute oeht es nicht mehr von oben, sondern von unten; und darüber sollten wir uns alle freuen."

Dieser Nachsatz enthält gewiß auch etwas Wahres. Jedenfalls aber würden wir es sehr bedauern, wenn die hessische Residenzstadt, die durch dasDokument deutscher Kunst" im Vorjahr mit Recht die Augen der Welt auf sich zog, auch nach dem Umbau ein Dutzendtheater behielte, wie man es in zahllosen deutschen Mittelstädten antrifft, statt eines architektonischen Werkes von künstlerischer Bedeutung und Originalität. Selbst kleinere Städte besitzen Theater­bauten von künstlerischem Werte, so z. B. Meran einen ge­wiß nicht mit besonders reichen Mitteln, vielleicht für die Hälfte der in Darmstadt jetzt vorgesehenen Kosten nach den Plänen des Münchener Architekten M. Dülfer in antikisierender Tempclform errichteten, 1900 vollendeten Bau, um den z. B. auch die von Hofrat Edward oben erwähnte Stadt Halle die Meraner beneiden könnte.