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Annahme.
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Vermischtes.
• Berlin, 2. Jan. Gestern abend entgleiste in der Prenzlauer Straße ein Anhängewagen der Straßenbahn und geriet auf das Nebengeleise, wo er von einem entgegenkommenden Straßenbahnwagen erfaßt und fast völlig zertrümmert wurde, während diesem der Vorderraum abgerissen wurde. Die beiden Fahrgäste des Anhängewagens wurden schwer verletzt.
* Hannover, 2. Jan. In der Sylvesternacht wurde in der Hildesheimer Straße ein Schutzmann, der die Personalien mehrerer Raufbolde feststellen wollte, niedergeschlagen, sodaß er besinnungslos liegen blieb. Hinzukommende Schutzleute nahmen die Verfolgung der Uebel- thäter auf. Ein Schutzmann verletzte einen von ihnen durch einen Revolverschuß. Fünf Verhaftungen wurden vorgenommen. Der verwundete Raufbold mußte ins Krankenhaus gebracht werden, auch der mißhandelte Schutzmann mußte ärztliche HUfe in Anspruch nehmen und ist für längere Zeit dienstunfähig.
• Apenrade, 2. Jan. Der beiHoihau in der Hainanstraße (an der chinesischen Küste. D. Red.) gestrandete vierte Llpenrader Dampfer „Clara" war nach der Strandung zunächst wieder abgekommen, aber dann, wie ein Telegramm an die hiesige Rhederei Jebsen von heute meldet, im tiefsten Wasser gesunken. Das Schiff ist total verloren. Von den geretteten 43 Personen erschienen der Aiaschinist Frenzel aus Apenrade und der Bootsmann Mehlhaus auf dem Konsulat in Hachau und erklärten, daß die vermißten Personen in ein anderes Boot gegangen seien. Ein Telegramm meldete der Rhederei Jebsen, daß sie sämtlich gelandet sind.
Verdienst entschädigt. Es sind demgemäß drei neue Paragraphen eingestellt, die bestimmen, wer als Facharbeiter aufzufassen ist, welche Zuschläge für diese &u erheben sind, und wie der Vorstand hiervon Kenntnis erhält. Die Bestimmungen zu IV. finden unveränderte Annahme, es wurde nur im letzten der drei Paragraphen statt des Ausdrucks Genossenschaftsmitglieder „Betriebsunternehmer" gewählt.
Regierungsrat Ra ch erklärte hierauf das ganze St atut, dessen Genehmigung bei Großh. Landesverstcher- ungsamt nunmehr eiuKuholen fei, für angenommen und man schrttt zu Punkt 4 der Tagesordnung, die Wahl von vier Mttgliederu des Genvssenschaftsvorstandes^ und zwei <Äellvertreteril derselben. Das Ergebnis der Wahl war die Wiederwahl der drei seitherigen Atitglieder: Beigeordneter Kalbhenu von Vilbel, A. Schmitt von Bretzenheim und Bürgermeister Trautmann von Rimbach. Neu gewählt wurde au Stelle des verstorbenen Herrn Johs. Lutz V. von Lengfeld Herr Bauer von Nieder-Modau. Die beiden seitherigen Ersatzmänner Freiherr v. Löw von Nie- der-Florstadt und Geheimer Ober-Forstrat Krauß von Darmstadt wurden schließlich wiedergewählt.
trag des Vorstandes auf Streichung der Ziffer 1 genehmigt.
Längere Erläuterungen des Vorsitzenden sind bezüglich der Frage der Einschätzung der Nebenbetriebe, die durch das neue Reichsgesetz vom 20. Juni 1900 eine obligatorische ist, notwendig. Die betreffenden Vorschläge werden durchgehends genehmigt. Es wird jedoch auf Antrag des Re- sterungsrats Rach statt des Wortes Hauptbetrieb, zu dem )ie Nebenbetriebe bei der Einschätzung jedesmal in ein Verhältnis gestellt werden, das Wort „Bodenbewirtschaftungsbetrieb "gewählt, was keinen Widerspruch findet. Der hinter § 26 einzuschaltende neue Paragraph über die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, die mit einer Bodenbewirtschaftung nicht verbunden sind, ist demgemäß dahin abzuändern, daß es heißt, „diese Betriebe werden zu Beiträgen herangezogen, wie ein gleiche Arbeit erfordernder Bodenbewirtschaftungsbetrieb". Was nun die in diesem neuen Paragraphen erwähnten Gärtnereien anbelangt, so chlägt Regierungsrat Rach selbst eine Aenderung des Ab- ätzes 2 vor, wonach es heißen soll, „bei Gärtnereien können )iese Beiträge durch den Vorstand bis zu i/5 des ermittelten Steuerkapitals ermäßigt werden" und begründet dies damit, daß vielfach die Gefahr in diesen Betrieben eine sehr geringe sei, daß aber eine allgemeine Regel nicht aufgestellt werden könne und demgemäß von Fall zu Fall entschieden werden müsse. Auch dieser Vorschlag findet einstimmige
Die Jahresversammlung sand am 28. Dezember im Bahnhofshotel in Darmstadt statt. Der Vorsitzende, Regierungsrat Rach, hieß die erschienenen Mitglieder willkommen und begrüßte insbesondere die Vertreter des Großh. Landesversicherungsamts, Geheimrat Emmerling und Oberregierungsrat Best, denen er für ihr Erscheinen dankte. Die Versammlung, führte er aus, finde in diesem Jahve päter statt, da die Ausarbeitung des neuen Statuts nicht rüher möglich gewesen sei, doch sei man gezwungen gewesen, te noch vor dem 1. Januar 1902 abzuhalten, da nach den Bestimmungen des Reichsgesetzes das Statut bis zu diesem Zettpunkt fertiggestellt sein müsse. Die im Vorjahr von der Genossenschaftsversammlung gewählte Kommission zur Ausarbeitung von Unfallverhütungsvorschriften sei nicht in Thätigkett getreten, weil das Reichsversicherungsamt selbst die Ausarbeitung solcher Unfallverhütungsvorschriften vor- berette und es daher zweckmäßig erscheine, bereit Ergebnis ab zuwarten. Das Großh. Landesversicherungsamt habe diese Ansicht geteilt und ein Beruhenlassen der fraglichen Angelegenheit genehmigt.
Zu Punkt 1 der vorliegenden Tagesordnung teilt der Vorsitzende mit, daß die Rechnung für das Jahr 1900 mit Belegen zur Einsicht offen liege und daß die Rechnungsprüfungs-Kommission kettterlei Beanstandung gefunden habe. — Sodann wurde in die Beratung des Voranschlags für 1902 ein getreten. Bezüglich der Gehälter für die Gehilfen erachteten es sowohl der Vorsitzende als auch verschiedene der anwesenden Vertreter für wünschenswert, wenn die jährlichen Petttionen um Gehaltserhöhung einmal besettigt würden. Der Vorsitzende regt daher an, ob es nicht zw-eck- afei, für die Schreibgehilsen bestimmte aufsteigende er festzusetzen, ein Gedanke, der fettens der Versammlung lebhaften Beifall fand und auch seitens des Ober- regierungsrats Best unterstützt wurde. Dieser warf die Frage auf, ob es nicht möglich wäre, diese Beamten der staatlichen Betriebskrankenkasse in Bezug auf eventuelle Attersversorgung anzugliedern. Aus Antrag des Forst- meisters Stockhausen von Schlitz wurde beschlossen, der Vorstand möge der nächstjährigen Genossenschaftsversammlung eine diesbezügliche Vorlage unterbreiten.
Eine längere Debatte riefen die Titel 50 und 55 des Voranschlags hervor, die den Zinsen- und Verwaltungsaufwand, sowie die Ansammlung des Reservefonds betreffen. Reichstagsabgeordneter Lucke von Patershwrsen meint, man solle die Zinsen des Reservefonds zur Ansammlung eines noch größeren Betriebsfonds verwenden, um nicht jährlich bei der Rückzahlung der durch die Reichs- vost vorgelegten Beträge zur Aufnahme eines Lombard- oarlehns gezwungen zu sein, und um so den dadurch notwendig werdenden Aufwand an Zinsen von etwa 1000 Mk. zu ersparen. Gleichzeitig empfahl er die Eröffnung eines Girokontos bei der Reichsbank. Regierungsrat Rach erklärt den ersteren Vorschlag für nicht zweckmäßig, weil das Lom- barddarlehn ein derartig hohes sei, daß der Betriebsfonds eine unverhältnismähige Höhe haben müsse und zu letzterem !Punkt, daß ein Girokonto bei der Reichsbank, mit Rücksicht auf den meist nach dem Lande gehenden Geldverkehr, der iBerufsgenossenschaft wenig Vorteil böte. Dringend empfahl er, für dieses Mal nochmals die Zinsen dem Reservefonds jzuzuschlagen, obwohl nach dem Reichsgesetz ein Zwang hierzu nicht mehr vorhanden sei, indem der Reservefonds bereits die gesetzliche Mindesthöhe, nämlich das Doppelte der jährlichen Ausgaben an Entschädigungen und Verwaltungskosten überschritten habe; würde jedoch diesmal der Zuschlag nicht erfolgen, so sei mit Sicherheit zu erwarten, daß in kurzer Zeit doch wieder beträchtliche Zuschläge zum Reservefonds gemacht werden müßten, was dann schwerer empfunden würde, als heute, wo die Ausgaben der Berufsgenossenschaft beträchtlich zurückgegangen seien und zwar deshalb, weil der noch im vorigen Jahre nach dem Landesgesetz zuzusührende Betrag von 120000 Mk. (nebst den Zinsen des Reservefonds) jetzt nicht mehr nötig sei. Der Antrag fand allseitige Zustimmung und wurde hierauf der Voranschlag einstimmig genehmigt.
Hierauf ßing man zu Punkt 3 der Tagesordnung „Antrag auf Abänderung des Statuts" über. Geheimerat Emmerling erklärte, es sei der Großh. Regierung nicht möglich gewesen, die Abänderung zum Ausführungsgesetz noch vor dem 1. Januar 1902 zum Abschluß zu bringen, da sich die Kammer ohne Erledigung des Gesetzes vertagt habe. — Sämtliche Paragraphen bezüglich der Positionen A. „Genossenschaftsversammlung" und B- „Genossenschaftsvorstand" werden dem Anträge entsprechend genehmigt. Eine längere Debatte entspinnt sich bei Pos. C. „Vertrauensmänner". Nach der Vorlage ist in § Obliegenheiten des Vertrauensmannes zu streich Entgegennahme der Anzeige von Unfällen." Regierungsrat Nach giebt hierbei nähere Darlegungen über die unbedingte Notwendigkeit, daß die Anzeige umgehend dem Genossenschaftsvorstand zur Kenntnis komme, um vor allen Dingen auch frühzeitig ein geeignetes Heilverfahren herbeisühven ,w können, sowie auch im Interesse einer raschen und besseren :Aufklärung der Frage nach dem Vorttegen eines Betriebsunfalls «ls wlcken. Nach langer Debatte wurde der An-
wsitzende gab Aufklärung an Hand der reichsgesetzlichen Bestimmungen.
Sodann kam die Ausdehnung der Versicherung zur Beratung. Nachdem durch das Reichsgesetz die .Arbeiter, die hauptsächlich in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt sind, auch bei Haus wirtschaftlichen und anderen Diensten versichert sind, zu denen fte vom Arbeitgeber beauftragt werden, so führte Regierungsrat Rach aus, erachte es der Vorstand für zweckmäßig, diese Bestimmung statutarisch, wie es in Preußen mehrfach geschehen sei, auch aus die Betriebsunternehmer auszudehnen, um so mehr als damtt eine Reihe vor schwierigen Feststell ungen, ob der Unfall ein hauswirtschafllicher oder ein laudwirts chaftlich er fei, ab geschnitten würden. Dies bedinge zwar eine Mehrbelastung der Berufsgenossenschaft, doch glaube er nicht, daß sie sehr erheblich werde, wett auch letzt schon eine große Reche von Unfällen, bei denen es zweifelhaft gewesen sei, ob sie der Landwirtschaft oder der Hauswirtschaft zuzurechnen seien, hätten übernommen werden müssen. Nach verschiedenen Anfragen wird die Ausdehnung der Versicherung einstimmig beschlossen.
lieber IV. „Betriebsbeamte und Personen in besonderer fachlicher Stellung (Facharbeiter)" wies Regierungsassessor Dr. Lang rock darauf hin, daß auf Grund des neuen Reichsgesetzes eine Reihe von Arbeitern hinsichtlich der Berechnung der Renten den Bettiebsbeamten gleich gestellt worden sei. Diese sogenannten Facharbeiter, die eine technische Fertigkeiten erfordernde Stellung einnehmen, werden wie die Betriebsbeamten nach ihrem individuellen
Universttitts Nachrichten.
Dem Prof. Dr- Heinrich Köstlin in Stuttgart, ättestem ßohn des Ober-KonsistorialratesProf. Dr- I. Köstlin in Halle, ist vom König von Württemberg der Titel und Rang eines Geh. Hofrats verliehen worden-
Das studierende Deutschland. Auf sämtlichen Universitäten des Deutschen Reiches studierten deutsche Reichs angehörige im Winterhalbjahre 1886-87 26 362, 1892-93 25559, 1896-97 27 585 und 1899-1900 30 665, das sind auf je 10000 männliche Einwohner 11,49 bez. 10,55, 10,63 und 11,06 Studierende. Die Beteiligung der männlichen Bevötterung am Universitätsstudium ist aber nur ttu Durchschnitte des Reiches annähernd gleichmäßig gebüeben. In den einzelnen Landstrichen und Staaten
G. Schweppenhänser befindet, wurde Sonntag abend ein dreister Einbruch verübt. Vermutlich mittelst Nachschlüssels gelangte der Dieb durch Haus- und Vorplatzthüre in den Laden, öffnete den Erker und entnahm ihm goldene, silberne und stählerne Uhren im Gesammtwett von etwa 3 00 0 Mk. Die geleerten Futterale ließ der Spitzbube zurück. Außer einer zerbrochenen Scheibe in der Vorplatzthüre ist nichts beschädigt worden. Jedenfalls ist der Thäter mtt der Oettlichkett genau vertraut gewesen.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Postaspttant Imhof von Ochsenfurt, der nach Unterschlagung von Wettbriefen und Fälschung von Postanweisungen im Gesamtbettage von 31100 Mk. vor 6 Jahren flüchtig geworden war, ist in Fr ankfürt a. M. verhaftet und nach Würzburg eingeliefert worden. — Der seitherige Direktor der Mainzer Volksbank, Bomper, ist in Rücksicht auf seine Gesundheit ans dem Vorstände der Bank ausgeschieden. Aus gleichem Grunde legte er auch sein Amt als Stadtverordneter nieder. Herr Bömper blickt auf eine 37 jährige Thätigkett als Direktor der Volksbank zurück. — In der Neujahrsnacht hatte der Schriftsetzer Weltscheck in „Herrnkeller" zu Worms einen Trunk über den Durst genommen und wurde von Kameraden nach Hause gebracht und auf sein Bett gelegt. Am andern Morgen sand man ihn tobt. — In Frankfurt a. M. verstarb im Alter von 80 Jahren der Geh. Kommerziemat Emil Ladenburg, früher Inhaber, zuletzt Teilhaber des Bankhauses E. Ladenburg.
Jahresversammlung der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft für das Großherzogtum Hessen.
ist sie nicht gleich stark und unterliegt auch stärkerem Wandel. Im Osten und Norden des Reichs ist die Beteiligung am Universitätsstudium am schwächsten, auf je 10 000 männliche Einwohner 9,86 bezw. 11,00; ab=i gesehen von Berlin und Brandenburg (13,24) sowie beti mecklenburgischen Großherzogtümern; am niedrigsten ist ie in Posen (7,31) und Schleswig-Holstein und Lübeck (7,24). Am stärksten dagegen erscheint sie in den süddeutschen Gebieten Hessen 15,69, Baden 13,75, Württemberg 12,40, Bayern 12,43. Das Großherzogtum Hessen liefert also im Verhältnis die meisten Akademiker! Auch Elsaß-, Lothringen, das vor 10 und 15 Jahren noch eine auffällig geringe Beteiligung aufwies (4,45) entsendet zuletzt verhältnismäßig viel mehr Studenten auf die Universität (9,49), als der größte Teil des Ostens und Nordens und bereits beinahe ebenso viel wie Rheinland (9,97) und Westfalen (9,82), welche beiden besonders gewerbreichen Provinzen allerdings wohl nur um deshalb so wenig am Universitätsbesuche beteiligt sind, weil sie ihre Söhne statt auf die Universitäten auf die technischen Hochschulen entsenden. Der regelmäßig aufsteigende Besuch der Uni*' versitäten seitens der reichsländischen Jugend ist heute jedenfalls nicht mehr durch die Beteiligung der ans! dem altländischen Reichsgebiete Eingewanderten zu erklären.
Gerichtssaal.
Kassel, 31. Dez. Einen peinlichen Eindruck hinterlieh eine Gerichtsverhandlung vor der hiesigen Straf-, kammer. Unter der Anklage des schweren Diebstahls fa^ eine junge Frau von einigen zwanzig Jahren auf der Anklagebank, beschuldigt, eines Abends im vergangenes Herbste ihre eigenen Eltern bestohlen zu haben.; Die junge Frau, obschon das einzige Kind ihrer Ellern,- war von diesen angeblich sehr hartherzig und egoistisch! behandelt und bei ihrer Heirat in Bezug auf Aussteuer an Leinen, Kleidungsstücken usw. sehr knapp bedacht wor- den. Die Angellagte wollte nun ihre Aussteuer verbessern, wohl auch einige Sachen zu Gelde machen, wett sie sich' in Not befand, weshalb sie sich eines Tages von ihrem! jetzigen Wohnorte Kassel auf ben Weg nach ihrem Hemutts-. orte Helmshausen bei Melsungen machte. Bei passender Gelegenhett schlich sie nun in der Dunkelheit oben aufs den Boden ihrer -elterlichen Hütte, riß den schlecht be-, festigten Schloßkrampen aus der morschen Wand der altert Bodenkammer und nahm von den dort aufbewahrten! Kleidungsstücken, Leinen und Tüchern einige Stücke ach sich, packte alles in einen Tragkorb und eilte wieder nach! Kassel zurück. Obgleich der Wert der Sachen nur gering^ machten die Eltern Anzeige gegen ihre Tochter, woraufi dieselbe festgenommen und in Untersuchungshaft genommen wurde. Bei Aufruf der Zeugen in der hiesigen GerichtL- verhandlung erschienen Vater und Mutter weinend im Saale und machten von dem Recht der Zeugnisverweiger-- ung Gebrauch. Der Staatsanwalt hiell beiden mtt Rechtz vor, warum sie üyc eigenes Kind zur Anzeige brächten, wenn sie nachher vor Gericht die Sache nicht vertreten wollten. Die Angeklagte war reumütig geständig undi schützte vor, durch Arbeitslosigkeit — sie ist Fabrikarbeiterin — in einer Notlage gewesen zu sein. Da die Angeklagte in ihrer Jugend wegen einer Entwendung geringfügig vorbestraft ist, so konnte der Staatsanwalt, wett! es sich um qualifizierten Diebstahl Handelle, selbst unter! Annahme mildernder Umstände, nicht unter einem Jähre Gefängnis beantragen. Der Gerichtshof beriet lange, es- wurde ihm offenbar schwer, die reumütige Angellagte wegen eines Eigentumsvergehens gegen die leiblichen Eltern zu verurteilen. Er kam wieder zurück, ließ die, beiden Eltern nochmals vortreten, und indem der Vorsitzende ihnen die Zurücknahme des Sttafantrages förmlich in den Mund legte, frug er nach einander Vater wie Mutters ob sie etwa mit der nunmehrigen Verweigerung ihrer' Aussage gegen chre Tochter die Zurücknahme des Stras- anttages hätten ausdrücken wollen, aber mtt weinerlicher Stimme erklärten sie: „Nein, bestraft soll sie werdend So mußte der Gerichtshof auf die Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis erkennen. Die hartherzigenEllern ließen sich ihre Zeugengebühren auszahlen, und anscheinend ganz befriedigt über ihre Rolle zogen sie nach Hause.
Leipzig, 2. Jan. Das Reichsgericht verwarf bte Revision des Raubmörders Matthias Kneißl, der am 19. November vom Schwurgericht zu Augsburg zum Tode verurteilt wurde, ebenso die Revision des ehemaligen Kaisirers des Kreis- kreditvcreins Ansbach, Albrecht S ch r ö p p e l, der vom Landgericht zu Ansbach am 19. August wegen Untreue und Betruges au 3 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Wie „Herold" meldet, will Kneißl ein Gnadengesuch einreichen.
Mannheim, 2. Jan. Der bei der Stadwerwaltung angestellte ehemalige Bezirksfeldwebel Fißler ist von den Militärbehörden plötzlich verhaftet und in das Karlsruher Arresthaus in Untersuchungshaft verbracht worden. Fißler soll während seiner Dienstzeit beim Bezirkskommando Bruchsal einem französischen Spion Mobilmach ungs pläne gegen hohe Bezahlung zugänglich gemacht haben, und sei vergangene Woche vom Kriegs»^ gerichte in Karlsruhe wegen La nd es- und Hochverrats zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt worden.
Arbeiterbewegung.
Loudon, 2. Jan. Infolge Unruhen, welche durch den Ar- beiierausstand in der Umgegend von Penrhyn und in den Schieferbrüchen von Nordwales entstanden sind, wird in der Nachbarschaft Militär zum Eingreifen bereit gehalten. Letzte Nacht wurden mehrere Häuser im Distrikt zerstört.
Amsterdam, 2. Jan. Nach einer Erklärung im Blatte ^Hei Volk" wurde in einer Versammlung der Vorstände der Dynamitarbeitervereine beschlossen, der von den Arbeitgebern verkündeten Aussperrung gegenüber einen allgemeinen Ausstand zu proklamieren. Der allgemeine Ausstand soll sämllicheu Mitglledern oer Arbeitervereinigungen gegenüber durchgeführt werden.
Handel und Verkehr. Uolkswittschast.
Soltugeu, 2.Jan. Der Verein der ©d)eecenfabrifantetn genehmigte heute den Antrag seines Ausschusses auf Zustimmung^ zu einer unter dem Vorsitz des Landrats Dr. Lucas am vergangenen Samstag mit Vertretern des Scheerenschleifer-Vereins in der Frage der Löhne getroffenen Vereinbarung und auf Aufhebung^ der über die Mitglieder des Scheerenschleifer-Vereins verhängten Sperre.
Mannheim, 2. Jan. Wie die „N. B. S." meldet, wurde infolge der neu ein geführten Marktordnung, die eine bedeutende Verteuerung der Stände zur Folge hat, von Seiten der Verkäufer der hiesige Mackweckehr in Boykott erklärt. Heute morgen erschien die weitaus größere Zahl der 'S erlauf er nicht, infolgedessen mußte auch der Veckehr unterbleiben.
Familien Nachrichten.
Verlobte: Christine Schütz, Otto Lippeck, Butzbach. — Therese Stoll, Adam Fehr, Butzbach und Rimbach L O.


