Uebertrag
Medizinische Fakultät und zwar: Anatomie .... 8500 Mk. Physiologie .... 7500 „ Pathologische Anatomie 9100 „
Innere Medizin. Pharmakologie . Chirurgie . . Gynäkologie . . Psychiatrie . . Augenheilkunde . Ohrenheilkunde . Hygiene . . . Tierheilkunde
. . 10300 „ . , 5700 „ . . 9000 „ . . 10600 „ . . 9400 „ . . 7300 „ . . 2500 „ . . 9600 „ . . 23615 „
59 550 Mk.
113 115 Mk.
Philosophische Fakultät und zwar:
Philosophie und Päda-
zusammen wie oben 354 215 Mk. Unter den sachlichen Ausgaben erscheinen als Kosten der
gogck ..... 11000 Mk.
Philologie ....
Geschichte und Geo
graphie ....
Nationalökonomie und
Staatswissenschaften. Landwirtschaft . . . Forstwissenschaft. . . Kunstwissenschaft. . . Reine und angewandte
Mathematik . . .
Chemie . . . . .
Physik.....
Zoologie . . . . .
Botanik . . . . •
Mineralogie . . . .
36650 „
15500 „
4900 „
4500 „
13400 „
4500 „
14700 , 19500 „
11300 „
10500 ,
6500 , 6900 „
159 850 ,
Bibliothek 2C.....
♦ ♦ ♦ •
21 700 „
Kliniken:
Medizinische und Frauenklinik:
a) Allgemeine Kosten 65 590 Mk.
b) Medizinische Klinik 70 060 „
199 235
c) Frauenklinik 63 585 „
Chirurgische und ophthalmologische Klinik:
a) Allgemeine Kosten 34 700 Mk.
b) Chirurgische Klinik 99 422 „
r) Ophthalmol. Klinik 48 077 „ Psychiatrische Klinik . . . . . . Klinische Apotheke .......
■ 182 199
. 129 761
. 12 000
Mk.
zusammen 523 195 Mk.
an Einnahmen — unter
Pflegegelder aus der medizinischen Klinik
n
36 500
56 700
27 700
29 200
51 200
4 700
15 965
Aus der Sonstige
ii
»
n
M
aus der chirurgischen Klinik aus der ophthalmologischen Klmik......
aus der Frauenklinik . . .
aus der psychiatrischen Klinik klinischen Apotheke . . . . Einnahmen .......
Mk.
n
Diesen Ausgaben stehen ö’ßen aufgeführten 298 215 Mk. enthalten — gegenüber:
zusammen 221 965 Mk.
Neu vorgesehen ist diesmal nur die Anstellung einer Lehrkraft für angewandte Mathematik.
Im Vermögensbudget sind angefordert: eine erste Rate von 125 000 Mk. wegen des Neubaues einer chirurgischen und ophthalmologischen Klinik mit einem Gc- samtkostcnanschlag von 1 573 000 Mk.,
eine erste Rate von 9000 Mk. wegen des Neubaues eines im Ganzen zu 85 000 Mk. veranschlagten medico-mechanischen Instituts,
eine erste Rate von 9000 Mk. wegen der Erbauung einer Zentralwaschanstalt, veranschlagt zu 81 000 Mk.,
reine erste Rate von 65 000 Mk. wegen der Erbauung neuer veterinärmedizinischer Institute im Gesamtanschlag von 600 000 Mk. und
eine zweite Rate von 256 000 Mk. für den zu 526 000 Mk. veranschlagten Neubau einer Universitätsbibliothek.
Aus Stadt und Sand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.
Gießen, den 3. Januar 1902.
** Neue Exzellenzen Der Groß Herzog hat den Ober- ikammerherrn Jrhrn. Schenck zu Schweinsberg-Wäldershausen zum Oberstkammerherrn, und den Oberstallmeister Frhrn. v. Riedesel zum Oberststallmeister, beide mi dem Prädikat Exzellenz, ernannt.
** Persoualnachrichteu. Der Großherzog hat mittelst Allerhöchster Entschließung vom 7. Dezember v. Js. dem Direktor der Landesbaugewerkschule Prof. Hermann Müller zu Darmstadt die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zum 1. Januar, zum 1. Januar 1902 dem Oberlehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms Daniel Bonin den Charakter als Professor, dem stellvertretenden Standesbeamten Kanzleirat Heinrich Kraft in Darmstadt das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
*• Theater-Verein. „Die rote Robe", das jetzt im Vordergründe des dramatischen Interesses stehende Drama von Brieux, erlebte seine erste deutsche Aufführung im Frühjahr 1901 in Frankfurt a. M., Frl. Triesch spielte die Janetta, Herr Bolz den Mouzon. Seitdem hat sich das Stück im Flug die deutsche Bühne erobert. Der Verfasser ist unter den zeitgenössischen Dramatikern Frankreichs der robusteste, der ehrlichste und begeistertste. Ihn reizt ein Problem in erster Linie um seines ethischen Gehalts und seiner moralischen Tendenz willen. Er kann einer der ersten Dramatiker werden, wenn seine künstlerische Gestaltungskraft sich :§u der Höhe entwickelt, auf der seine sozialen lebensfördernden ! Instinkte und sein ehrliches Bestreben stehen, durch die Kunst der Schaubühne zur Reform und Heilung tief eingewurzelter 1 Schäden im gesellschaftlichen Organismus beizutragen. Brieux !hat in der „Roten Robe" ein wirkungs- und eindrucksvolles Schauspiel geschaffen, dem man eine soziale Bedeutung nid):: i absprechen kann. Er weift auf die furchtbare Gefahr hin, die dre Gesamtheit der G üschaft bedroht, wenn die Göttm der
Gerechtigkeit sich zur feilen Dienerin der Politik erniedrigt, und die Richter nur dadurch in den Ruf der Tüchtigkeit und zur Beförderung, deren Symbol die rote Robe ist, gelangen können, daß sie möglichst viele Verurteilungen erzielen. Brieux -hat sein Problem so allgemein menschlich, wie nur möglich, formuliert und bringt doch dem Zuschauer, wenn er die Rechtstragödie des baskischen Bauern Pierre Etchepare miterlebt, die Ueberzeugung bei: „Et tua res agitnr“! Das tiefste Mitgefühl beansprucht die Bäuerin Janetta der infolge ihrer Vernehmung als Zeugin durch ein unbarmherziges Untersuchungsverfahren, welches die weitest zurückliegenden und längst gebüßten Geschehnisse vor der Oeffentlichkeit wieder bloslegt, ihr ganzes Lebensglück zerstört wird.
♦* Oberhessischer Geschichtsverein. Dem Museum des Oberhessischen Geschichtsveveins sind nach der letzten Veröffentlichung folgende Geschenke überwiesen: Ysenburg-Büdingerscher Schnepfenheller. Herr Büchsenmacher Dickoro. — Fürstl. Hess. Oberamtsbescheid in Sachen der Hutmacher- und Strumpfwirkerzunft zu Gießen, 22. Juli 1765. Herr Wohlmuth. — Erinnerungsmedaille an das 40 jährige Dienstjubiläum des Direktors Paseoe zu Gießen. Derselbe. — Bronzene Medaille der 1. allgemeinen Geflügel- und Vogel-Ausstellung zu Gießen. Derselbe. — Stark vergoldeter Rockknopf mit eingeprägtem Ordensstern, gefunden im alten Schloß auf dem Brand. Derselbe- — Chinesische Münze. Derselbe- — Tischdecke mit aufgedruckten Karritaturen aus der Zeit Napoleon I. (Schaubühne in Europa, Dezember 1812) Herr Beigeordneter Wolff-Gießen. — Standuhr aus der Empirezeit. Fräul- Louise Wortmann-Gießen. — Tabellen über Forstwissenschaft 1791, sowie Inventar des I. C- Seipio, 1685—1686. Dieselbe. — Atlas von 50 auserlesenen Landkarten des Joh. Baptist Homann, Kartenstecher und Geograph, geb. 20.März 1663 zu Kamlach in Bayern. Dieselbe- — Zwei Schuldscheine über zehn bez. fünf Thaler der freiwilligen Anleihe der Herzogtümer Schleswig-Holstein. Herr Kommerzienrat Heu- chelheirn. — Teile einer Ofenkachel aus dem Schulhause zu Langsdorf (Haus Zwirrlein), Geschenkgeber nicht ermittelt. — Zwei Gesäße, davon eines mit Deckel, gef. 1899 bei Gelegenheit des Ausschachtens des Fundaments des Krieger-Denkmals. Stadt Gießen. — Bildchen, Karri- katur auf Napoleon I. von I- M. Volz 1784—1858. Das wahre Portrait des Eroberers 1813. Herr Lehrer Diem er - Gryßen-Linden. — Bronzekette, Halsring, Spitze eines Schwertes, zwei mit Steinchen gefüllte Hohlkugeln. Hallstadtzeit, Fundort Oberwetz. .Herr Prof. Dr. Gundermann. — Eisenmesser, gefunden beim Baggern in der Lahn. Herr Ratsdiener Ochs. — Giraffenklavier, Anfang des 19. Jahrhunderts. Ungenannter Gönner- — Flachsbrecher (Brake), Ende des 18. Jahrhunderts- Derselbe. — Scherben, Bronzeteile pp. aus der vorrömischen und römischen Zeit, gefunden in der Umgebung von. Gießen. Herr Dr- Saame. — Bearbeiteter Knochen in Form eines Pfriems, gefunden in einem Hügelgrabe auf dem Trieb. Herr Gerichtskanzlist Tippel. — Altes Apothekenstandgefäß aus Porzellan. Herr Apothekenbesitzer Schwieder, Engel-Apotheke. — Pachtbrief über das Stistsgut Elmshausen, 1627. Derselbe. — Pergamenturkunde von 1590- Derselbe. — Zwei Schuhschnallen. Derselbe- — Alter Thürknopf mit Scheibe. Derselbe-
** Gießener Volksbad. Im Dezember wurden 6553 Bäder verabreicht, gegen 8055 ihn November 1901 und 6325 im Dezember 1900 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 262 Bäder gegen 288 im November 1901 und 264 im Dezember 1900. Der Besuch im einzelnen hat sich verteilt wie folgt: Schwimmbad 3574 Männer, darunter 511 zu 10 Pf., 573 Frauen, darunter 72 zu 10 Pf.; Wannenbäder 1- Kl. 200 Männer, 52 Frauen, 2. Kl. 562 Männer, 343 Frauen; Dampf- und Heißluftbäder sowie Massage zusammen 108 Männer, 10 Frauen; Brausebäder 1064 Männer, 67 Frauen. Die Personenwage wurde von 160 Personen benutzt, und das Bad von 7 Personen besichtigt.
** Zur Erhöhung der Vermögens st euer in Hessen. Eine ganz besondere Weihnachtsüberraschung ist den hessischen Steuerzahlern durch die auch von uns bereits erwähnte Mitteilung geworden, daß zur Deckung des hn Vergleich zu früheren Steuerperioden recht erheblichen Defizits für 1902 die Vermögenssteuer um einen hohen Prozentsatz erhöht werden soll. Dem „Frks. Journal" wird nun aus Darmstadt geschrieben, daß im Hinblick auf diese Absicht eine Massenpetition an die Regierung wie an die Stände gegen jede weitere Erhöhung der Vermögenssteuer veranstaltet werden soll.
h. W i e s e ck, 2. Jan. Durch das Unterkomitee des deutschen Burenhilfsbundes, das sich hier gebildet hat, wurde kürzlich in unserem Ort eine Geldsammlung veranstaltet, so daß dieser Tage 103 Mark zur Linderung der Burennot an die Geschäftsstelle des Bundes in Berlin gesandt werden konnten.
n. Klein-Linden, 31. Dez. Wie wir bereits früher berichteten, weilte vor kurzem ein von hier gebürtiger Deutsch-Amerikaner bei seinem Verwandten hier zum Besuch, nachdem er vor etwa 20 Jahren ausgewandert war. Mitte November trat er den Rückweg in die neue Heimat an und traf am 28. November mit dem Dampfer „Kronprinz" in New-York ein. Nur durch einen glücklichen Zufall, der seine sofortige Weiterreise von New-York verhinderte, entging er der furchtbaren Eisenbahn-, k a t a st r o p h e, der in jenen Tagen auf der Bahn nach Chicago so viele Menschenleben zum Opfer fielen.
△ Klein-Linden, 1. Jan. Erfreulicherweise nimmt die Unsitte des Neujahrsschießens und Abbrennens von Feuerwerkskörpern in unserem.Dorfe immer mehr ab. Dagegen ist es seit Jahren Sitte geworden, daß der hiesige Posaunenchor bei dem Neujahrsläuten mit dem Glockenschlag 12 Uhr mehrere Choräle intoniert, wozu sich die Gemeinde an der Kirche versammelt, um den feierlichen Klängen zu lauschen und mit einzustimmen. Gerade diesem schönen Brauche ist es wohl in erster Linie zu danken, daß jene Unsitte im Schwinden begriffen ist. — Der hiesige Turnverein veranstaltete dieser Tage anläßlich seiner Weihnachtsfeier eine Geld sa mmlung zu Gun st en ^d er Buren, die 13.70 Mk. einbrachte.
--Grünberg, 2. Jan. Der älteste Bewohner unserer Stadt und wohl auch der ganzen Gegend, Rentner Johannes I ö ck e l, feierte am Neujahrstage in bewundernswerter Rüstigkeit und Geistesfrische seinen 95. Geburts- t a g. Von nah und fern wurden dem ehrwürdigen Greise, der am Gemeinde- und Volksleben noch regen Anteil nimmt, zu der seltenen Feier die herzlichsten Glückwünsche dargebracht, die darin gipfelten, es möge dem alten Herrn vergönnt sein, auch den 100. Geburtstag in bestem Wohlsein zu erleben. — Am letzten Tage des Jahres findet hier nach altem Brauche ein Krammcxr.kt, der. sogen.
Neujahrsmarkt, statt, auf dem auch diesmal wieder recht lebhafter Verkehr herrschte. — In der Turnhalle fand gestern - abend eine Abendunterhaltung statt, die der Turnverein unter Mitwirkung des Musikvereins veranstaltet hatte, und die sehr zahlreich besucht war. Aus dem reichhaltigen Programm möchten wir nur die recht schön ausgeführten zwei Szenen aus dem zweiten Akt von E. von Wildenbruch's Schauspiel „Die Quitzows", sowie das Weihnachtsmärchen „Die Tannenfee" und den von vier Damen und vier Herren in prachtvollen Kostümen ausgeführten Knappentanz als besonders wirkungsvoll hervorheben. Reicher Beifall lohnte den Mitwirkenden. Eine besondere Weihnachtsfreude wurde dem hiesigen Turnverein von seinem in New-York lebenden Ehrenmitgliede Philipp H e e r z, einem geborenen Grünberger, bereitet. Nachdem bereits auf dessen Betreiben vor mehreren Jahren die in Amerika lebenden Landsleute einen namhaften Betrag zu dem Baukapital für die Turnhalle beigesteuert haben, hat H. nun dem Verein 104 Mark überwiesen.
p. Friedberg, 31. Dez. Wie hier bestimmt verlautet/ wird die Präparandenschule zu Lich wahrscheinlich schon, im nächsten Frühjahre hierher verlegt und mit dem hiesigen Schu.llehrerseminar vereinigt werden, wie dies auch; in dem benachbarten preußischen Seminar zu Usingen bet; Fall ist. Es ist bereits das ehemalige Schneider'sche Ge-- bäude und Anwesen angekauft worden, das direkt an- die Seminargebäude angrenzt. Verhandlungen über die Vereinigungen der beiden Anstalten sind bereits feit längerer Zeit im Gange.
*♦ Arbeiterkolonie Neu-Ulrichstein. Ende? Dezember befanden sich auf der Kolonie stellen- resp. arbeitslos 122 Mann. Seit dem Bestehen der Anstalt wurden ausgenommen 4073 und entlassen 3951. Auf eigenen Wunsch wurden 14 entlassen, in Stellung durch die Kolonie kam 1, in Stellung durch eigenes Bemühen ebenfalls 1; In die Familie kehrten 2 zurück; wegen schlechten: Betragens wurden 5 entlassen; wegen Arbeitsunfähigkeit 1. Tie Kolonie verpflegte an 3939 und arbeitete an 3017> Tagen.
Darmstadt, 2. Jan- Der Großherzog empfing zur Entgegennahme der Neujahrsgratulationen am 1. Jan. den Preußischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Prinzen zu Hohenlohe-Oehringen, den. Russischen Minister-Residenten Prinzen Koudachesf, den Großbritannischen Geschäftsträger Mr. Johnstone- Ferners empfingen Seine Königliche Hoheit den Obersthofmarschall, den funktionierenden General-Adjutanten, die dienstthuen- den und a la suite stehenden Flügeladjutanten, den Ordonnanzoffizier, die Oberhofchargen, den Hofjägermeister, den Kammerherrn Frhrn. v. Bellersheim, den Vorstand des Kabinetts, den Hofprediger, den Generaldirektor des Hoftheaters und der Hofmusik, den Divisions-Kommandeur, die Brigade- und Regiments-Kommandeure der Garnison Darmstadt, den Kommandanten der Residenz, die Kommandeure des Großh. Gendarmerie-Korps und des Großh. Train-Bataillons Nr. 18; den Staatsminister, den Justizminister, den Minister der Finanzen, die Präsidenten der; Landeskollegien, den Präsidenten der Zweiten Kammer der Stände und den Oberbürgermeister von Darmstadt. — Das Neujahrsessen im „Hotel zur Traube" nahm den gewohnten animierten Verlauf. Den ersten Trinkspruch brachte Oberbürgermeister Momeweg aus, der im Eingang seiner Rede darauf hinwies, daß, so wenig die Natur gegenwärtig das gewohnte winterliche Bild zeige, ebensowenig auch der Gedanke des „Friedens auf Erden" zur That geworden sei; noch wüte der entsetzliche Vernichtungskrieg in Südafrika; ob iin Südamerika Blutvergießen verhindert werde, wisse man noch nicht, in Frankreich herrsche der Kulturkampf,, in Oesterreich der Rassenkampf, bei uns in Deutschland, machten sich die Folgen einer ungesunden Spekulation mit ihren Nachteilen für die Industrie und den nicht unwesentlichen Einbußen für die Arbeiterschaft in empfindlicher Weise fühlbar; heftiger denn je entbrenne der Kampf um die entgegengesetzten Interessen bei den auf den Schutz der nationalen Arbeit gerichteten Bestrebungen der Reichs-Regierung; den stets wachsenden Erfolgen gegenüber seien die destruktiven Elemente, unheilbare Schwätzer, eitle Streber und unverbesserliche Idealisten am Werke; überall werde die Verwirllichung der von den berufenen Organen beabsichtigten Einrichtungen und Verbesserungen erschwert. Selbst die größten Optimisten und Schönmaler würden kein erfreulicheres Bild von der gegenwärtigen innerpolitischen Lage entwerfen können. Möge der Sonnenstrahl, der heute morgen die Wolken durchbrach, uns eine bessere Zukunft verheißen. Im Großherzogtum hat sicherlich fein Meihnachtsbaum gebrannt, unter dem nicht des geliebten hohen Landesherm gedacht worden ist, der jetzt vereinsamt auf steiler Höhe steht. Heißer denn je steigen unsere Wünsche empor für das Wohlergehen unseres geliebten Landesfürsten. Gott segne unteren Großherzog und das Großherzogliche Haus! Nach oem begeistert auf genommen en Hoch auf den Landesherrn wurde die Fürstenhymne gespiÄk und von den Gästen stehend angehört. Der Kommandeur der 25. Kavallerie-Brigade Oberst v- Schmidt gab dem Bedauern darüber Ausdruck, daß Exz. Generalleutnant von: Perbandt durch Unwohlsein am Erscheinen verhindert sei, und hob hervor, daß er als alter Darmstädter es mit besonderer Freude empfinde, in diese schöne Garnisonsstadt versetzt zu sein. Redner schloß mit einem Hoch auf das Hessenland und die Hebe, treue deutsche Stadt Darmstadt.
Darmstadt, 1. Jan. Der flüchtige Sparkassenrechner Maier ist in das hiesige Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden.
Mainz, 31. Dez. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung verlas der Oberbürgermeister ein Schreiben des Steuerkommissars Stroh als Antwort aus die Ausführungen des Stadtv. Ring in der letzten Stadt- verordnetensitzung über eine in Aussicht stehende Erhöhung der Kommunal - Umlagen im nächsten Jahre. In dem Schreiben heißt es wörtlich: . . . „daß die bisherigen Ergebnisse der noch nicht abgeschlossenen Neuregulierung nicht zu den Schlüssen berechtigten, die Herr Ring geglaubt hat, ziehen zu können, daß wir vielmehr trotz größerer Ausfälle hoffen, einen nicht erheblich ungünstigeren Abschluß der Veranlagung zu erzielen, als wir ihn für das laufende Jahr erreicht hatten." Darauf erwiderte Stadtv. Ring, daß er trotz dieses Schreibens keine Veranlassung! habe, von seinen Mitteilungen etwas zurückzunehmen.
Frankfurt, 31. Dez. Die älteste Tochter Adelheid des verstorbenen Frankfurter Barons Karl Wilhelm v. Rothschild, die Baronin Edmonde de Rotschild in Paris hat zum Andenken an ihren Vater eine Summe von einer Millio n Mark zur Errichtung eines Hospitals für Lungenkranke im Taunus bestimmt. Die Stiftung erfolgte schon vor mehreren Monaten. — Im Hause Friedens- straße Nr. 9, in dessen Parterre sich die Uhrenhandlung von


