Ausgabe 
2.12.1902 Zweites Blatt
 
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Mag durchgebrannt war, daß die HolKverlleDungen M Zensier und Thür durch Feuer beschädigt vorgeftnhen Wurde». Ter als Zeuge vernommene Schäfer Jakob Hchäfer erklärt, daß er nicht mehr in Diensten des Pächters Lllein aus der Ludwigshöhe sei; er bemerkt weiter, daß «r wegen des Brandes in Untersuchungshaft genommen gewesen und als Beschuldigter den Janisch als den wahren ?lchäter der Brandstifütng angegeben hat. Er will an jenem 75age, einem Sonntage um Ostern herum, in der Nahe äiec Hutenburg seine Schafe getrieben haben Janisch sei 5-l chm gekommen und habe ein Schwefelholz verlangt, Elches er chm auch gegeben habe, ohne eine Abuung davon g-t haben, welchen Gebrauch derselbe damit habe machen wollen Ter Zeuge bestreitet, mit dem Angeklagten ge­meinsam an jenem Tage ein Gebäude der Hutenburg oe- iireteu zu haben, es sei auch die Angabe des Janisch uu- ivahr, oaß er chn verleitet habe, das Lagerstroh in Brand zu setzen. Ter Zeuge bekundet, daß er dem Angeklagten, als dieser aus Anraten des Peter Junker das Feuer löschte, seinen Hut voll Wasser zu diesem Zwecke in das Haus getragen habe; er weiß auch, daß das Haus zur Zeit der That und lange Monate vorher von Menschen Nicht be- ivohrll gewesen und auch keine Einrichtung zu einer mensche lvichen Wohnung enthielt. Ter Gerichtshof beschloß, wegen Les' Verdachts der Mitchäterschast des in Frage kommenden Verbrechens, den Zeugen Schäfer nicht zu vereidigen Ter äjeuge Peter Junker von Steinbach deponiert, nie er an Lern Sonntag um Ostern herum an der Hutenburg bei Leihgestern vorübergebvmmen sei und aus dem Tach habe Lauch kommen sehen, der ihm verdächtig schien Er sah nähergehend den Angeklagten Janisch aus dem Hause Obnunen. Ter Schäfer Jakob Schäfer stand bei seiner Herde etwa 4050 Schritte vom Hause entfernt. Junker hat dann die Beiden aysgesordert, den Brand im Hause zu löschen panisch ging in das Haus und verlangte Wasser; da hat Schäfer gesagt, wer das Feuer angelegt habe, möge zusehen, wie er es wieder lösche. Erst auf Zureden von Junker hat Schäfer sich herbeigelassen, seinen Hut voll Wasser in das iMis zu reichen. Auch dieser Zeuge bestätigt, daß das in s^rage kommende Haus lange vor der That nicht mehr lmwohnt war und auch sich vor dem Brande in recht ver­wahrlostem Zustand befand. Frau Pächter Klein von der Ludwigshöhe giebt dem Angeklagten das Zeugnis, daß er c in An echt war, wie sie sich besser keinen wünschen könne. Derselbe sei in ihren Diensten brav, treu und ehrlich ge­wesen, und man habe denselben zu allem brauchen können Der Geschworene Fabrikant Zurbuch-Gießen wünscht von boer Zeugin zu wissen, ob sie über den Zustand des Hauses am Tage des Brandes Auskunst geben tonne. Die Zeugin imneint dies. Ter Vorsitzende konstatiert aus dem Augen- sicheinprobokoll, daß es sich zwar um ein Gebäude handele, d»as einige zerbrochene Fenster hatte, dessen Thür aber moch intakt war und auch sonst seiner Beschaffenheit nach noch als Haus im Sinne des Gesetzes wohl zu gelten habe. Dlndgerichtsrat Prätorius erklärt, daß er ja nicht gesehen habe, daß durch das Strohseuer auch das Haus in Brand gesetzt worden sei. Er habe das Haus selbstverständlich nicht brennen sehen, aber nach dem ganzen Befund der Brandstelle müsse er sagen, die Dielen des Hauses, die Limperien an Fenster und Thür seien zum Teil bis auf b as Mauerwerk zerstört gewesen, und zwar, wie er aus (yrunb seiner Erfahrung annehmen müsse, durch die Kämmen. Daraus wird auf die Vernehmung der weiteren trugen verzichtet Ter Geschworene Zurbuch bittet um Mfklärung, ob es nicht möglich ist, annähernd festzustellen, mie gro ßder GebLudeschaoen ist, der durch den Brand verursacht wurde. Unter den Zeugen ist niemand, der b arüber Auskunft erteilen kann. Der Staatsanwalt ist der Alirsicht, daß der Schaden höchstens 4050 Mk. betragen

ffinne.

Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Den Geschworenen werden zunächst folgende Schuldfragen vor- g clegt: 1. Hauptfrage. Ist der Angeklagte schuldig der vorsätzlichen Brandstiftung, begangen an einem Gebäude, Elches zur Wohnung von Menschen dient? 2. Hauptfrage im Fall der Verneinung der Frage 1. Liegt vorsätzliche Brandstiftung, begangen an einem Gebäude, welches frem- d.» Eigentum ist, vor? 3. Nebenfrage bei der Bejahung d w Frage 2. Sind mildernde Umstünde vorhanden?

Hierauf nimmt Staatsanwalt Reuß das Wort und laßt die Anklage insoweit fallen, als er der Ansicht ist, d. das in Brand gesetzte Gebäude nach Lage der Beweis­aufnahme vor und während der That nicht zur Wohnung Dion Menschen gedient habe. Wohl aber sei die Frage 2 mit einem Ja zu bcantworten. Der Angeklagte brauche wicht den Vorsatz, gehabt zu haben, das Haus, um das es sijlh handelt, in Brand zu setzen, es genüge, daß er mit Ur Möglichkeit der Inbrandsetzung habe rechnen können um die gegebenen Bedingungen des § 308 des Strasgesetzes als gegeben anzunehmen. Herr Reuß tritt aber auch fmr zuzubilligende mildernde Umstände ein. Ter Angeklagte fad noch jung, er sei bisher unbestraft, er sei durch dessen Lhat, der er übrigens geständig sei, kein großer Schaden entstanden. , _ . ,

Ter Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Jung bemerkt, daß en mit dem Vertreter der Staatsbehörde einig sei in der , Beurteilung der That seines Klienten, soweit die erste Schuldfrage in Betracht komme. Diese müsse verneint teert)en Er habe bisher in der Verhandlung geschwankt, |o'i der Angeklagte schuldig sei der vorsätzlichen Brand- ftiftimg nach § 308 des Strafgesetzbuches, und da müsse en sagen, er habe die volle Ueberzeugung, Janisch sei schuldig, mit Vorsatz bei seiner Thal gehandelt zu haben.

wolle kein Hehl daraus machen, daß er persönlich dem Maeklagten nicht glauben könne, daß dieser, wie er sagt, emt daran dachte, daß das Haus mit anbrennen würde, n ichdem er den Zündstoff, das Stroh in Brand gesteckt bitte Ter Verteidiger erklärt, seiner Ansicht nach hatte >2)er vernünftige Mensch, und ein solcher ser sein Klient, fciffen müssen, daß das brennende Stroh auch das Haus in Brand fetzen würde. Meine Herren Geschworenen, so ungefähr fuhr der Verteidiger fort, für Sie darf ine An­sicht des Staatsanwalts, für Sie darf die persönliche An- scht des Verteidigers in der vorliegenden Sache nicht maßgebend sein, Sie haben als Richter die heilige Pflicht, jeLber zu prüfen, ob im vorliegenden Falle der Angeklagte richt doch fahrlässig gehandell hat. Schenken Sie dem Angeklagten nach jeder Richtung vollen Glauben, so mujfen Gäe auch die zweite an Sie gerichtete)uldfrage ver- itiitnen, es muß dem Angeklagten die 2Lbsicht nachgewiejen wurden und darüber, ob dies geschehen, kann man Oer* Med en er ficht fein. Ter Vorsitzende eröffnet noch ein* null die D. ausnahme und richtet cm den Angeklagten erneut die schon Mngangs der Verhandlung gestellte fr:age, ob er sich bewußt gewesen, als er den Hausen C^roh anzündete, daß auch durch das Feuer das Haus ui Brand geraten würde, welche Frage Janisch wieder mit fai beantwortet. Als hierauf Tr. Jung bittet, der Vor-

Unioersitäts-Uachrichleu.

Der bekannte Professor Dietrich Schäfer in Heidelberg hat einen Ruf an die Universität Berlin angenommen. Derselbe wird nach Ablaus des Winter-Semesters nach Berlin übersiedeln.

Ein studentisches Arbeitsamt ist, wie aus Halle a.S. geschrieben wird, nunmehr auch dort nach dem Muster von Char- lottenburg, Berlin, Leipzig und einiger anderen deutschen Hoch­schulen von der Freien Studentenschaft gegründet worden. Das Arbeitsamt weist armen Studierenden, die schon während der Studienzeit den Kampf ums tägliche Brod führen müssen, Beschäf­tigung nach, wo sie angemessen gelohnt werden, nicht, wie es leider infolge der Unterbietung auch in Halle bisher der Fall war, mit 50, ja mit 30 Pfg., für die Privatstunde. Als Minimalsatz hat das Arbeitsamt 1 Mt. pro Stunde festgesetzt. Die Neuerung wird von Allen, die den sozialen Fortschritt vertreten, angenehm vermerkt.

Aus Heidelberg schreibt man: In einer Resolution hat eine Versammlung, in welcher mit Ausnahme des S. E. alle satis- faktionsgebenoen Korporationen der Studentenschaft be­schlossen, dem Beispiel anderer Hochschulen folgend, bei Ehrenhän­deln mit Offizieren, den Säbel vor der Pistole zu wählen.

Aus Karlsruhe wird gemeldet: Oberbaudirektor Pro- feffor Dr. Durm dahier, ist infolge der Aufhebung dieser Behörde unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprießlichen Dienste und unter Ernennung zum Geheimrat 2. Klasse, sowie unter Belassung in der nebenamtlichen Stellung an der Technischen Hoch­schule auf Schluß des Jahres in den einstweiligen Ruhestand ver­setzt, ferner die beiden außerordentlichen Mitglieder der Baudirektion Oberbaurat Professor Dr. Otto Warth an der Technischen Hoch­schule und Oberbaurat Direktor Philipp Kircher an der Bau­gewerkeschule dahier auf den gleichen Zeitpunkt ihrer nebenamt­lichen Thätigkeit enthoben.

Eine deutsche Vorlesung an der Sorbonne. Wie aus Paris berichtet wird, ist dem Dr. phil. Siegsried Benignus die Erlaubnis erteilt, an der Sorbonne einen freien Kursus in seiner Muttersprache d. h. also deutsch zu halten. Dr. Benignus liest nun vom 3. Dezember ab jeden Mittwoch nachmittag in der Salle Quinet über ,2)ie deutsche Litteratur seit 1889*.

Berlin, 1. Dez. Dem Berliner Tageblatt wird aus Madrid gemeldet: Der Gouverneur von Barcelona besuchte die Universität und entschuldigte vor versammelten Professoren das Eindringen der Gendarmerie in das Universitäts-Gebäude. Die verhafteten Studenten wurden in Freihett gesetzt. Die Regierung hofft, daß nun die Ruhe wieder emkehren wird.

möge benr Angeklagten eine von ihm formulierte Frage zur Aufklärung der Sachlage vorlegen, erklärt Ja­nisch fast wörtlich: Als er daS brennende Streichholz cm daS Stroh gehalten, habe er nicht daran gedacht, daß das Feuer das Haus in Brand setzen könne, erst als das Stroh gequalmt ljai, sei er ängstlich geworden und habe sich m das Freie begeben. Der Verteidiger beantragt nunmehr, auch wegen der Schuldftagen 1 und 2 noch die Fragen an die Geschworenen zu stellen, ob der Angeklagte die eine oder die andere Tbat aus Fahrlässigkeit begangen. Nach eingehender Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden und nach kaum 10 Minuten währender Beratung der Ge­schworenen, verkündet deren Obmann, Fabrikant Adolf Zurbuch-Gießen, den Wahrspruch, der auf schuldig der fahrlässigen Brandstiftung eines in ftemdem Eigentum befindlichen HauseS lautet Das Urtdl lautete auf drei Monate Gefän gnis, unter Llnrechnung von zwei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft Ter Staats­anwall halle fünf Monate Gefängnis beantragt Der An­geklagte erklärte das Urteil annehmen zu wollen, und weiter seine Bereitwilligkeit den Rest der Sllafe sofort verbüßen zu wollen. Ter Haftbefehl war nämlich durch den Gerichtshof für aufgehoben erklärt worden

Der Prozeß des Malers Syndon.

Paris, 30. November.

Vor den Geschworenen der Seine-Jnfsrieure (Rouen) begann vorgestern bet äußerst zahlreichem Zuspruch der Prozeß des Malers Syndon, welcher am 21. September im Seebade Etretat den Wechselagenten David an der Seite feiner Gattm niederschoß. Zwischen Frau David und dem Künstler hatte schon seit längerer Zett em zärtliches Verhältnis bestanden, wie vorliegende Briefe bezeugen: doch behauptet der junge Mann, der vor Gericht einen sehr günstigen Eindruck macht, und dem seine ehemaligen Lehrer im Atelier Jullian, die Maler Bonnat, Jules tefebre und Tony Robert-Fleury, die günstigste Nachrede halten, es sei rein platonischer Art gewesen. Was ihn, wie er sagt, gegen David aufbrachte, das war, daß dieser ihn bei seiner Frau verleumdet, indem er ihr ein­zureden suchte, Syndon wolle ihre halberwachsene Tochter, der er Zeichenunterricht erteilte, verderben. Einige Tage vor dem Drama tu Etretat hatte David den Künstler in seinem Atelier ausgesucht, ihn geschmäht und geschlagen. Syndon ließ sich mißhandeln, weil er sich, wie er nachher zu einem Freunde sagte, an dem Gatten nicht vergreisen wollte. Die Geliebte Syndons meldete sich krank; ihre Schwiegermutter trat als Zivilpartei auf. Syndon wurde der vorsätzlichen Tötung des Gatten seiner Geliebten schuldig erkannt und zu zehnjähriger Zwangsarbeit verurteilt.

Nach der Urteilsverkündung kam es im Gerichtssaale zu er­regten Szenen. Die Schwester des Verurteilten wurde von einer Nervenkrisis befallen; sie schrie mit gellender Stimme:Gebt mir meinen Bruder wieder, ich will meinen Bruder sehen l* Dann stürzte sie auf den Bruder der Madame David, Herrn Ehrenberg, los, schlug ihn mit ihrem Schirm ins Gesicht und ries:Ihre elende Schwester hat meinen Bruder ins Unglück gestürzt!* Das arme Mädchen mutzte mit Gewalt fortgeführt werden. Inzwischen spielte sich ein anderer Zwischenfall ab. Der Advokat Decori, der Verteidiger Syndons, erhob sich und erklärte, daß er die Kassation des Urteils beantragen wolle, wett die Geschworenen während der Pause mit dem Publikum in Berührung gekommen seien. Ein Ge­schworener hatte nach dem Plaidoyer des Anwalts der Zivilkläger Bravo gerufen. Der Präsident lehnte jedoch ab, diese Erklärungen zu Protokoll nehmen zu lassen, und weigerte sich gleichfalls, eine Enquete über dre von Decori angefühllen Vorkommnisse vornehmen zu lassen. Das sehr aufgeregte Publikum nahm für Decori Partei. Der Präsident schloß in schroffer Weise die Debatte. Er wird heute in sämtlichen Pariser Blättern scharf angegriffen, während das Urteil von den meisten gebilligt wird. Syndon hatte das Urtett äußerlich ruhig und mit großer Selbstbeherrschung angehört.

Vermischtes.

In Lüttich ist die sozialistische Genossenschafts- Backerei abgebrannt. Der Schaden beträgt etwa 150 000 Franks.

Landet und Verkehr. Volkswirtschaft.

. Märkte.

Gießen, 2.Dez. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,101,20 Mch Hühnereier 2 St. 1519 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier v000 Psg^ Enteneis 00Psg^ Käse vr. Stck. 58 Pft Kasematte2 Stck. 56Psg^ Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,800,90 Mk., Hühner pr. «St. 1,001,20 Mch Hahnen pr. Stück 0,701,25 All., Enten pr. Stück 2,002,60 Mk., Gänse pr. Pfd. 5064 Pfg^ Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfa., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg^ Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 6872 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,205,50 Mt, Weißkraut per Stück 0000 Psg., Zwiebeln pr. Zentner 3chO4,50 Mk., Milch per Ltter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Psg.

Die Marktzett dauert von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr. Gegenstände des Wochemnarkwerkehrs dürfe« vor Beginn

der Marktzett überhaupt nicht und während der ersten dr« Stund« der Macktzeit nur aus den dafür bestimmten unb angewiesen« Verkaujsplätzen, also auch mckt tm Umlierziehc-n, seilgeboten werden.

Familien Nachrichten.

Gestorben: Lehrer i. P. Görlach in Gießen, 76 Jahr« alt.

Neueste Mewungen.

vriginaldrahtmel-ungen des Gießener Anzeiger.

Berlin, 2. Dez. Die Morgenbläller melden: Zur Re- oision des Sllasprozesies wurde vom Staatssekretär deK Reichsjustizamts Nieberding eine Kommission einberufen, m der 21 Mitglieder sitzen. Die Sitzungen beginnen am 14, Januar.

Berlin, 2. Dez. Die Ernennung des LegallonsratÄ bei der bayrischen Gesandtschaft in Berlin, Frhr. v. Gullen- berg znm bayrischen Ministerresidenten in Pari^ wird offiziell beftätigt

Groß-Si . litz, 2.Dez. Der Kaiser wurde bei der Ankunft gestern nachmittag von Grafen v. Tschirschky-Renard, Landrat v. Alten, Güterdirektor Diederici und Bürgermeister^ Gundrun begrüßt Vom Bahnhofe fuhr der Kaiser mit dem Grafen unter begeisterten Hurrarufen der Menge nach dem Schlöffe. Der Weg war mit Fackeln und Lampions be­leuchtet. Abends 7 Uhr fand im Schlöffe ein Diner zu 26 Gedecken statt.

Bonn, 2. Dez. Der ordenttiche Professor Dr.ElemenL- 93acumfer, der an der hiesigen Universität das katholischer Ordinat für Philosophie bekleidet, hat auf Grund des Vor­schlages der Straßburger philosophischen Fakultät als Nach­folger des nach Heidelberg berufenen Professors Windelband einen Ruf nach Straßburg erhalten und wird demselben am 1. April Folge leisten.

Wilhelmshaven., 2. Dez. Gegen das Artille-» rie-Depot wurde von einem unbetcurnten Thäter ein Schuß abgefeuert. Tie Kugel stammte aus einem 8 Millb- meter-Gewehr, und flog in die Registratur, ohne jedoch, irgendwelchen Schaden anzurichten. Tie Verfolgung des; Thäters blieb infolge des Nebels resultatlos.

Kiel, 2. Dez. Der KüftenpanzerHildebrand^ erlitt vor Cuxhaven erhebliche Beschädigung des Steuer­ruders. Tie Reparatur bedingt eine zweitägige Verzöger­ung der Wellerfahrt des Schiffes.

London, 2. Dez. Mehrere Morgenblätter beschäftigen sich mit der Lage der aus Südafrika zurückgekehtten Re- servisten, welche ohne Ardell sind. Der Kriegsminister hat eine Untersuchung eingeleitet über den Selbstmord zweier Reservisten, welchen der schuldige Sold nicht auSgezahlt worden war.

London, 2. Dez. ,Daily Mail^ meldet aus New- Pork: Ein furchtbarer Sturm wütet auf dem atlan­tischen Ozean. Der Dampfer ,©t. Louis" ist mit 2tägiger Verspätung in New-Poll eingetroffen. Der Kapitän elllälle^ er habe eine sehr stürmische Ueberfahll gehabt. Dep Dampfer ^Campania" ist ebenfalls mit Verspätung einge­troffen und berichtet ähnliches über die Ueberfahll.

Rotterdam, 2. Dez. Ter Prätendent des Suttanats Atchin, der den Holländern so lange viel Mühe und Opfer gekostet, wurde, wie aus angeblich sicherer Quelle ver­lautet, in den Bergen von Pantei Radja getütet Von der holländischen Kolonie wurde sein Siegeünng wieder erkannt

Dlarseille, 2. Dez. 600 Reisende, welche hier ver­gebens auf Fahrgelegenheit wallen, haben gestern eine Ver­sammlung abgehalten, in welcher sie beschlossen, ein Pro­testtelegramm an den Ministerpräsidenten Combes zu. llchten.

Rom, 2. Dez. Das BlattEpocccll erfährt aus Lon­don : Die italienische Regierung habe der englischen gestattll, Truppen auf italienisches Gebiet zu landen, um diese nach dem Somalilande zur Bekämpfung des Mullah zu bringen. Ein italienischer Offizier werde die Engländer be­gleiten. Die Landung soll Ende Dezember ftattfinben.

Wien, 2. Dez. Auf der hiesigen russischen Botschaft werden die gestern verbreiteten Gerüchte von einem Atten­tat auf den Zaren als völlig unbegrünbet bezeichnet

Wien, 2. Dez. Die Kabinette von Wien und Peters­burg haben sich, wie mit Sicherheit verlautet, nunmehr! dahin geeinigt die Durchführung von Reformen in Maeeoonien unter ihre gemeinsame Kontrolle zu stellen. Sowohl der österreichische wie der russische Bot­schafter erklärten dem Sultan, daß dies das einzige Mittel fei, Klarhell in die Lage zu bringen und die Ge­müter zu beruhigen. Mll Rücksicht auf das österreichisch- russische liebereinfommen vom Jahre 1897 sei bei einem solchen Arrangement jeder Gedanke an eine Verletzung der Hohellsrechte des Sultans oder an irgendwelche Terrllo-s rial-Veränderungen der Türkei ausgeschlossen. UeberdieK würde auf diese Weise einer Einmischung der Mächte vor­gebeugt, die unvermeidlich wäre, wenn die maeedonische Frage zum Frühjahr wieder akute Formen annehmen sollte.

Ottawa, 2. Dez. Der Holz-Jndustrielle Mc. Kay ist gestorben. Er hinterläßt em Vermögen von 250 Millionen Dollar. Kay kam als einfacher Arbeiter nach Kanada.

Telephonischer Kursbericht«

Jt'rankturt a. 2. Dezember 1902.

3*/a% Reiohsanleihe . . 101.85 3°/o do. ... 91.50 3/,°/o Konsole .... 101.85 8% do.....91.45

3*/2°/n Hessen .... 100.30 8% Oberhessen . . . 99.80 4% Oesterr. Goldrente . . 103.00 4/,% Oesterr. bilberrente 101.40 4% Ungar. Goldrente . . 101.50 4°/. Italien. Rente . . . 103.20 4V,% Portugiesen . . . 49.00 n°/ Portugiesen. .... 31.00 \% C. Türken .... 27.80 Türkenlose......121.60

4% Griech. Monopol.-Anl. 44.10 41/,% äussere Argentiner.

8d/o Mexikaner .... 24.75 4,/«Vg Chinesen .... 91.50 Electric, bohuckert . . . 79,90 Nordd. Lloyd . . . . 94.85

Kreditaktien .... 211.70 Diskonto-Kommandit . . 188.50 Darmstädter Bank . . . 137.20 Dresdener Bank .... 142.80 Berliner Handelsges. . . 155.90 Oesterr. Staats bahn . . , 148.30 Lombarden ..... 17.30 Gottharabahn.....179.70

Lanrahütte...... 202.50

Bochum ....... 167.00 Harpener......167.00

Tendenz: fest.

Sammte, Velvets,

Elten & Keussen, 0.1 Krefeld.

Für die polll. Red alt. veranttvvrttich. I. V.: F. HaunemaMH