Ausgabe 
2.10.1902 Zweites Blatt
 
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der

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Rücksicht zu nehmen.

j größeren Rollen zu zeigen. Fräulein Swoboba spielt bie

tröge waren recht hübsch und amüsant unb gefielen insbe-

bei. mit

^Vergrößerung ber Gießener Wasserwerke ei Queckborn. Heute Nachmittag werben an Stelle ber

einem Leiben, baS sich schon im Sommer 1900 bemerkbar gemacht hatte, erlegen. Seiner kräftigen Natur unb vielleicht mehr noch seinem eisernen Willen gelang es bamals, bie schwächenben Hemmnisse zu überwinben unb in unverminberter geistiger Ueberlegenheit versah er feine Dienstgeschäfte weiter, bis eine erneute, schwere Erkrankung anfangs April b. I. ihn zunächst zu längerem Urlaub nötigte unb schließlich anfangs Juli b. I. zwang, sein Amt enbgültig niederzu- legen. Schlippe war am 14. Sept. 1838 zu Bingen geboren. Nachbem er bas Mainzer Gymnasium absolviert, oblag er in Heibelberg unb Gießen bem Stubium ber Rechtswissenschaft unb unterzog sich im Frühjahr 1860 ber Fakultätsprüfung, im Herbst 1862 ber Staatsprüfung für bas Justiz- unb Verwaltungsfach. Der gewöhnliche Aus- bilbungßgang bes Accessisten genügte seinem Wissensbrange nicht; nachbem er sich mit allen Zwejgen bes rheinhessischen Gerichts- unb Parketbienstes unb ber Thätigkeit bes rhein- hessischen Abvokat-Anwaltes vertraut gemacht hatte, arbeitete er auch längere Zeit auf einem Notariats-Bureau, unb schließlich zog es ihn nach Paris, ivo er gleichsam an ber Quelle bie französisch-rechtliche Praxis eingehenb stu- bicrte. Seine erste Verwenbung fanb er im Herbst 1866 als Ergänzungsrichter am Friebensgerichte seines Geburtsortes. Nur zwei Jahre wahrte tiefe richterliche Thätigkeit. Arn 10. Oktober 1866 würbe er zum Substituten bes Staatsprokura­tors bei bem Großh. Bezirksgerichte in Mainz ernannt unb von da an blieb er bem staatsanwaltlichen Dienste treu, zu bem ihn sein schlagfertiges Wissen, seine kraftvolle Initiative, sein sicheres Austreten, sein feines Taktgefühl unb seine reb- nerische Begabung in hervorragenbem Maße befähigten. Vorn Dezember 1873 bis Dezember 1877 war er als Substitut bes General-Staatsprokurators beim Obergericht ber Provinz Rheinhessen thätig; bann würbe ihm mit bem TitelStaats­prokurator" bie Verwaltung ber Stelle bes Staatsprokurators in Mainz übertragen, unb gelegentlich ber neuen Justiz- Organisation am 1. Oktober 1879 würbe er zum Ersten Staatsanwalt bei bem Lanbgericht daselbst ernannt. Durch Dekret vom 4. Juli 1884 würbe er nach Darmstabt berufen, um hier als Oberstaatsanwalt (später General-Staatsanwalt) am Großh. Oberlandesgerichte unb zugleich als Ministerialrat n ben Ministerien bes Innern (hier war er Referent für bie katholischen KultuS-Angelegenheiten) unb ber Justiz ben ver­antwortungsvollen, vielseitigen Wirkungskreis zu finden, der einer unermüdlichen Arbeitsfreudigkeit, seiner reichen Erfah­rung, seinem scharfsinnigen Urteil, kurzum seiner Bedeutung entsprach. Was er hier geleistet, steht noch so frisch in der Erinnerung, daß eine nähere Darlegung entbehrlich erscheint. Ls sei nur heroorgehoben, baß ber heutige Stanb bes hessischen Gefängniswesens im wesentlichen sein Werk ist, daß die Rechtsprechung unseres Oberlandesgerichts in Strafsachen innerhalb der letzten 18 Jahre fast ausnahmslos einen stets sorgfältigst erwogenen und begründeten Anträgen olgte und daß er als Mitglied und Vorsitzender der Prüfungs­kommission für das Nichteramt und ben höheren Verwal- ungsbienst an ber Ausbilbung unserer jüngeren Justiz- und Regierungsbeamten hervorragenden Anteil nahm. Er zählte zu den wenigen Auserwählten unter den Berufenen, und alle, die ihn gekannt, die mit ihm und unter ihm gewirkt haben, werden ihm ein ehrenvolles Andenken gewahren.

Ausland.

Brüssel, 1. Oft-Jndöp. Belae" will wissen, daß die Anwälte der Gläubiger der Prinzessin Luise von Coburg das Erbteil, das der Prinzessin durch den Tod ihrer Mutter zugefallen ist, mit Beschlag b e- legen lassen wollen.

Wien, 1. Okt. Der Sohn des Erzherzogs Fran- Ferdin and wurde heute getauft und erhielt die Namen: Maximilian Karl. (Ter Prinz hat als Sohn der nicht ebenbürtigen Fürstin Hohenberg, keinerlei Erbsolgerechte. D. Red.)

ausgefallenen Stadtverordnetensitzung die Stadtverordneten unseren Wasserwerken bei Queckborn einen Besuch abstatten. Direktor Bergen wird dort statistische Mitteilungen zur Be­gründung der Erweiterung der Wasserwerke machen. Auch Geh. Medizinalrat Prof. Dr. ©affft) wird der Besichtigung reiwohnen.

fo. Stadttheater. Gestern ging SchillersMaria Stuart" über die Bühne. Der Saal war nur mäßig be- etzt, woran wohl das böse Wetter nicht am wenigsten Schuld rüg. Mit der Aufführung konnte man im allgemeinen recht j ufrieden sein. Die Darsteller schienen sämtlich gut disponirt. Herr v. Stahl, der sich Mühe gab, den wild-leidenschaft­lichen Charakter des Mortimer möglichst lebendig wieder­zugeben, dürfte darin vielleicht etwas zu weit gegangen sein ; inter der Leidenschaftlichkeit der Darstellung darf die Deut- ichfeit der Sprache keineswegs leiden. Frl. Feige hat uns als Maria Stuart gut gefallen, nur vermißten wir zuweilen eine gewiße Fülle der Stimme. Auch die übrigen Darsteller befriedigten durchweg. Das hinter der Szene im 4. Akt markirte Volksgetümmel hätten wir etwas natürlicher ge­wünscht. Der Gießener erhebt keinen Anspruch auf historisch stilechte Dekorationen und Kostüme, der Charakter des zwischen Gothik und Renaissance stehenden Zeitalters der Elisabeth ist ihm, nicht mit Unrecht, gleichgiltig, und so entsprach gestern bie Jnszenirung vollauf den Ansprüchen, bie man in biefer Hinsicht an unsere Bühne stellen barf. Die Walbszenerie, bie offenbar neu war, machte sogar einen ganz vortrefflichen Ein­druck und eröffnete, infolge der erheblichen unb wertvollen Vergrößerung ber Bühne, weiten Ausblick auf eine über- raschenb schöne Landschaft. Endlich glauben wir nicht, daß jeder im Publikum mit der niedrigen 2emperatur, die gestern im Saale herrschte, einverstanden war. Dem Wärmeausfluß der neuen Lichter, die übrigens auch gestern sehr zur Geltung kamen, barf man boch nicht allzuviel zutrauen.

** Eisenbahn-Fahrplan. Für die in Gießen wohnenden Abonnenten desGießener Anzeigers" liegt der heutigen Nummer der Winter-Fahrplan ber in Oberhesjen unb den anschließenden Bezirken der Provinzen Hessen-Nassau und der Rheinprovinz, sowie auf der Main-Necla r bahn verkehrenden Eifenbahnzlige, Bieberthalbahn und der Gießener Omnibus^Äesellschaft Die auswärtigen Abonnenten erhalten den Fahrplan der Samstag-Stummer desGießener Anzeigers".

O rp he um. Tw gestrige erste Vorstellung neuen Varietebühne in ber Schanzenstraße erfreute sich eines großen Besuchs seitens der hiesigen Herrenwelt. Die Vor-

Ein pflichtvergessener Pflichtfeuerwehr» mann." Unter dieser Spitzmarke schreibt bieKl. Presse": In einet unserer hessischen Nachbarstäbte besteht neben zwei vorzüglich organisierten fteiwilligen Feuerwehren noch baS Institut einer Pflichtfeuerwehr, bie natürlich (!) für ben Ernst­fall ganz unb gar überflüssig ist (!). Selbstverständlich müssen die Herren ber Pflichtfeuerwehr häufig sich versammeln unb zu einer Uebung erscheinen, wobei natürlich (!) von dem Ernst, den die zur Hebung Verpflichteten an den Tag legen sollen, nichts zu merken ist. Vor einigen Monaten verlegte ein solcher Pflichtfeuerwehrmann feinen Wohnsitz nach Frankfurt a. Main. Er meldete sich bei der Polizei seines seitherigen Wohnsitzes ab, beauftragte auch vorsichtshalber einen Ver­wandten, dem Höchstkommandierenden der Feuerwehr von dem Domizilwechsel Mitteilung zu machen mit bem Bemerken, daß er infolgedessen die bevorstehende Feuerwehrübung nicht mitmachen könne. Aber der neue Frankfurter Bürger er­staunte nicht wenig, als ihm sein Verwandter schrieb, er solle sofort an seinem früheren Wohnort erscheinen, um bei Meldung schwerer Strafe sich persönlich beim Herrn Brand­direktor abzumelden. Bei ruhiger Ueberlegung kam der Mann in Frankfurt zu dem Schluß, daß sich bei bem Verlangen der persönlichen Abmeldung nur um einen Ulk handeln könne und lud brieflich den Feuerwehr-Gewaltigen ein, mit feiner Truppe nach Frankfurt inSHippodrom zu kommen, falls man ohne ihn die betr. Hebung nicht abhalten wolle. Im übrigen erklärte in jenem Brief der Mann sich be­reit, bei jedem Ernstfall auf der Brandstelle seines früheren Wohn­ortes sich für die Löscharbeiten zur Verfügung zu stellen, falls das Feuerwehr-Kommando ihm 24 Stunden vorher von dem Ausbruch deS Brandes Kenntnis geben würde. DaS Ende vom Liede war eine Beleidigung S- läge, die für den humoristisch veranlagten früheren Pflicht- euerwehrmann mit einer Geldstrafe in Höhe von 35 Mk. und Tragung der Kosten endete. Die Lacher der ganzen Stadt über diese Affäre hat doch der Verurteilte, der übrigens in Frankfurter Artisten- und Radfahrerkreisen eine wegen einer humorvollen Schnurren bekannte Persönlichkeit ist, auf einer Seite. Er soll die Absicht haben, die ganze Affäre in artige Verslein zu bringen und sie demnächst als Schlager von der Koupletbühne herab zum Vortrag zu bringen."

Sofia, 1. Okt. Tie Schipkafeste fanden heute ihren Abschluß durch eine Truppenparade auf dem Scheinover Felde. Fürst Ferdinand kommandierte die Pa­rade persönlich und erstattete dem Großfürsten bei dessen Eintreffen persönlich Meldung. Während der Festtage war von politischen Demonstrationen nlchts zu merken. Die Festlichkeiten behielten chren rein militärischen Charakter. Bei dem Frühstück brachte Fürst Ferdinand einen Trink­spruch aus. Der Großfürst erwiderte.

Kapstadt, 1. Okt. Kritzinger erklärt, er mache eine Vergnügungsreise nach England.

Newyork, 1. Okt- Man mefbet vom Aufstand auf Haiti: Wie Privatmeldungen, die mit der letzten Post ein- getrosfen sind, bestätigen, ist der haitianische Admi­ral Killick mit demErste a Pie rrot" unter­gegangen und zwar aus eigenem Entschluß, nachdem er ferne Leute ausgeschifft hatte. Mit dem Führer des ^chrsfes fmb, wahrscheinlich infolge der vorzeitigen Ex- p l o s i o n, auch der Schiffsarzt, die Köchin und ein Sle- rcarb sind e rtr unten. Die Mannschaft zeigte anfänglich ^ust, auf die Deutschen zu feuern, wurde aber baran von Killick mit einem Revolver in der Hand ver­hindert. Uebrigens soll das amerikanische Kriegsschiff (Sincinnati" trog des Ersuchens des deutschen Konsuls es abgelehnt haben, bei der Festhaltung und Durchsuchung derMarkomannia" zu intervenieren Ter Befehl für diese Durchsuchung ist vom Rebellenführer Firmin selbst aus­gegangen, der dabei der Ansicht Ausdruck gab, man brauche jur auf die Amerikaner und nicht so sehr auf die T

Deutsches Keich.

Berlin, 1. Okt. Ter Kaiser hat der Tochter Kes verstorbenen Oberpräsidenten v. Goßler eine herzliche Beileidsdepesche zugehen lassen, in der es heißt, die erfolgreiche Thätigkeit auf ben verschiedensten Gebieten der staatlichen Verwaltung sichert bem Entschlafenen einen Ehrenplatz in Iben Annalen ber preußischen Geschichte. Der Kaiser sandte ferner an ben Kriegsminister von Goßler aus Anlaß bes Hmscheidens seines Bruders ein Beileidstelegramm.

Eugen Richter schreibt in seinerFreis. Zig.": Zu Betrachtungen sehr verschiedener Art giebt einer An­zahl von Blättern ein unvollkommener Zeitungsbericht Anlaß über eine scherzhafte Stelle meines Trinkspruches auf dem Hamburger Partei-Kommers in Betreff meiner Pensionierun g". Ich habe eine Erwägung derselben nicht angekündigt für bie Zeit nach beenbigtem Wahlkampf, sondern für bie Zeit nach Ablauf ber nächsten Wahl- periobe, also für 1908. Bis bahin hoffe ich also auch für meine verehrten Herren Gegner noch ber alte bleiben zu können.

Heber bie in Vorbereitung befindliche Militär- Pensions-Gesetznovelle macht eine Korresponbenz Mitteilungen, in welchen es heißt: Ob bas Gesetz rürf- wirkenbe Kraft für bie bereits pensionierten Offiziere haben soll, ober nicht, ist an maßgebenber Stelle noch nicht ent­schieden. Wenn bie Novelle ohne biefen Passus vorgelegt wirb, werben bie verbünbeten Regierungen trotzbem be­reitwillig einem entsprechend)en .Berbesserungsbeschluß des Reichstages Folge geben.

Nach den Informationen berGermania" trifft die Nachricht, daß bas Scheitern des preußischen Schulgesetz-Entwurfes in erster Linie bem national- liberalen Parteiführer v. Bennigsen zuzuschreiben fei, nicht zu. Das Scheitern bes Gesetzes fei besonders auf süddeutsch e Einflüsse zurückgeführt worden; außer­dem soll auch beim Abschluß eines gewissen großen Finanz­geschäfts eine mächtige Strömung gegen das Zustande­kommen des Bolksschulgesetzes sich geltend gemacht habe.

Düsseldorf, 1. Oktober. Ter Großherzog von Baden weilt hier zum Besuche der Ausstellung. Heute nahm er im Fürstenzimmer des Hauptweinrestaurants ein Frühstück ein. Hier begrüßte ihn Professor Röber mit einer Ansprache, in der er den Fürsten als den Mitkämpfer aus großer Zeit und als wirksamen Förderer nationaler Einheit feierte und hervorhob, daß dieser Verdienste wegen nicht nur in des Großherzogs eigenem Lande, sondern in ganz Deutschland ihm alles in Liebe zugethan fein unb bfeiben werbe. Ter Großh erzo g erw iberte, daß bas zu viel bes Lobes sei. Er habe ja nichts weiter gethan, als seine Pflicht und sei in jener großen Zeit schon so alt und reif gewesen, um sich dessen bewußt zu sein, daß in seiner Stellungnahme kein besonderes Verdienst liege. Was da­mals auf blutigem Schlachtfelde alles wiedererrungen worden sei, das zu erhalten sei die vornehmste Aufgabe der Gegenwart, und daran sein Teil beizutragen, betrachte er als seine Aufgabe. Tas könne aber nicht nur gepflegt und erhalten werden durch die nationale Kraft, so notwendig diese auch sei, sondern auch namentlich durch den Fort­schritt auf geistigem Gebiete. Heute nachmittag verließ ber Großherzog bie Stadt und fuhr zunächst Mch Koblenz, um von ba nach Mainau zu reifen.

generüle durch den deutschen Kaiser in der englischen Presse eine Wandluna erfahren. Die Erregung ist einer ruhigen und unparteiischen Stellungnahme gewichen. Nach Erkundigungen derMorningpost" hätte unser Aus­wärtiges Amt der britischen Regierung das Gesuch der Burenführer um Gewährung einer Audienz unterbreitet Audienz stattfinde oder nicht, hänge lediglich davon ab, ob die britische Regierung den Burengeneralen die erforderliche Einführung durch den Botschafter gewähre. Unserem Berliner Mitarbeiter zufolge ist der erste Teil jener Meldung richtig. Doch soll die Angeleaen- heit sich keineswegs mehr in der Schwede befinden, sondern bereits die Erklärung von der englischen Regierung erfolgt sein, daß ihrerseits keinerlei Bedenken gegen einen Empfang gehegt werden. Genug, bie Burengeneräle ftnb im Besitze einer offi-

** Unfall. Daß bie aufmerksamste Handhabung bet Unfallverhütungsvorschriften seitens ber Arbeitgeber ihre Arbeiter vor Unfällen nicht zu schützen vermögen, beweist wieber ein Unglücksfall, ber sich hier am verflossenen Montag in ber Crednerstraße zugetragen hat. Als morgens um 6 Uhr bie in bem großen Arbeiterhaus beschäftigten Weißbinber bie Arbeit begannen und der erste davon bas im Treppenhaus befindliche Gerüst betrat, verschob sich das- elbe plötzlich und ber Mann stürzte in bie Tiefe. Zum Glück wurde bie Wucht des Absturzes burch eine Leiter, auf welche er fiel, gemUbert. Er burchbrach die Leitersprossen und kürzte bann auf die mit einer dicken Lehmschutzschicht ver- ehene Steintreppe. Der Verletzte liegt jetzt an den Folgen des Sturzes schwer darnieder. Es ist erwiesen, baß am Samstag Nachmittag eine Schar erwachsener Lümmel sich in bem Neubau Herumgetrieben und dabei die Gerüstkloben bes fraglichen Gerüstes in ben Wänden gelockert haben, obaß das Gerüst feinen Halt verlor. Es ist dringend not­wendig, daß jene Burschen ermittelt werden und für ihren, von so schweren Folgen begleiteten Leichtsinn empfindlich bestraft werden.

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, 2. Oktober 1902.

* Gedenktage. Am 3. Oktober 1807 legte baS von Robert Fulton erbaute Dampsboot seine erste Fahrt auf bem Hudson zwischen New-Pock unb Albany zurück, nachdem der geniale Mechaniker zuerst den Gedanken ergriffen hatte, die verbesserten Dampfmaschinen zur schnelleren Fort­bewegung der Schiffe zu benutzen. Fulton ist auch der Er­finder der unheimlich-furchtbaren ZerstörungSmittel, der Tor­pedos, gewesen.

- Geheimerat Schlippe f. Wie wir gestern be­reits telegraphisch meldeten, ist der Generalstaatsanwalt Geh. Rat Paul Angelus Schlippe gestern Morgen

AthenaiS", Fräulein Brücher dieBaronin PrSf onf. TerOctave" wird durch den jugendlichen Liebhaber, Herrn Willy Brosch, dargestellt. Tie Lustspiel-NovitätDie Fee Caprice" von Oskar Blumenthal, wirb voraussicht­lich am kommenden Dienstag, den 7. d. MtS., erstmalig in Szene gehen.

~ Unfall. Ein auS Bad-Nauheim hier zu Besuch weilender Junge spielte vorgestern mit einem kleinen geladenen Revolver. Durch Unvorsichtigkeit brückte derselbe loS, sodaß ihm bie Kugel beS vor ben Mund gehaltenen Revolvers in baS Genick drang. Der Junge mußte in die Klinik aus­genommen werden.

** Die Gießener Leichenkasse-Gesellschaft. In unserer DienStag-Nummer veröffentlichten wir einen längeren Lokalartikel, der unS von dem Schriftführer der Leichenkasie-Gesellschast zugegangen war. Heute schreibt unS Herr Bürgermeister Mecum:

TerGieß. Anz." jagt in der Ausgabe vom vergangenen Dienstag in einem Artikel über die Leichenkasse-Gesellschaft, dieselbe werde mit Eröffnung des Friedhofes am Rodberg ihre Thätigkeit einstellen, und gut der Hoffnung Ausdruck, die Gesellschaft möge ihren noch vorhandenen Mitgliedern in der seitherigen Weise ge­recht werden können. Um einer Beunruhigung der derzeitigen Aiitglieder der Kaffe vorzubeugen, bemerke ich, daß nach den bis­herigen Lerhandlungen mti dem Vorstande der Gesellschaft AuS- sicht vorhanden ist, daß die Stadt dieKasse unter völliger Wahrung der Rechte und Pflichten der jetzigen K a f fen m it g lieber übernimmt und spreche die Hoffnung aus, daß sowohl die GeneraloersammlungderÄesellfchaft, wieauch die Stadtverordnetenversammlung diesem Vorschläge zustunmen werden. Nachdem die Gesellschaft durch ihr llljähnges segensreiches Wirken tjjre Existenzberechtigung bewiesen hat, beabsichtige ich weiter beim Stadtvorstand die Weiterführung der Kaffe aus etwas veränderter Grundlage zu beantragen. Ich denke mir dabei, daß an Stelle der jetzigen schwankenden Beitrage 50 Pfg. für jeden Todes­fall feste Jahresbeiträge treten, und auch andere Sterbegelder als ber letzige feste Satz von 250 Mack, etwa bis zu 1000 oder auch 3000 Mack versichert werden können, oder mit anderen Worten, daß an Stelle ber jetzigen Sterbekaffe eine Art städtischer Lebensversicherung für Minderbemittelte treten soll. Cb den Mit­gliedern dieser städtischen Versicherung außerdem freies Begräbnis zu gewähren ist, wird besonders zu erwägen sein. Ta die Lebens- Versicherungs-Gesellschaften so geringe Versicherungen nicht ab­schließen, das Bedürfnis nach solchen aber durch das mehr als hundertjährige Bestehen der Leichenkaffe-GeseUfcyaft, welche im Grunde ja auch eine besondere Art von Lebensversicherung ge­währt, erwiesen ist, glaube ich, daß die Annahme meines Vorschlag- eine willkommene Ergänzung der sozialpolitiscken Gesetzgebung be­deuten würde, und wünsche, berfelbe möge allerseits eine günstige Beurteilung finden.

zielten Zusage ber Audienz und daraufhin ist der Zeitpunkt beS Eintreffens in Berlin, ber 17. Oktober, be­stimmt worden.

** Stadttheater. In dem am Freitag zur Auf- T> führung gelangenden OhnclschcnHütten besitz er" haben deutschen Tarnen Fräul. Brücher und Fräul. Swoboda zum I ersten Male Gelegenheit, sich dem hiesigen Publikum in