Ausgabe 
2.10.1902 Erstes Blatt
 
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Vermischtes.

B erlin, 1. Oft. Regierungsrat Cordes, welcher mit Bekannten eine Probefahrt auf einer neuen Lokomotive unternahm, sprang in der Rühe von Wannsee ab, als die Flammen in den Führerraum zurück- schlugen. Er stürzte dabei, geriet mit einer Hand unter einen vorüberfahrenden Güterzug und erlitt auch im Gesicht schwere Verletzungen.

* Stockholm, 1. Okt. Der Forschungsreisende Sven Heb in übergab seine Zoologischen, botanischen und geo­logischen Sammlungen der Universität Stockholm.

* P a r i s, 1. Okt. Dem Präsidenten des Gemeinderates sind anläßlich des Todes Zolas von den städtischen Be­hörden in Livorno, Florenz und Mantua Beileidstele­gramme zugegangen, welche derselbe im Namen der Stadt Paris herzlich beantwortete. Frau Zola geht es besser, nur ist ihr Seelenzuftand äußerst gedrückt. Wenn das Be­finden es erlaubt, wird sie am Freitag nach ihrer Wohnung in der Rue de Bruxelles gebracht werden, um bei der dortigen Leichenfeier anwesend zu sein. Es sind keine Schritte gethan, um das Leichenbegängnis für Zola auf Staatskosten zu veranstalten, es wird im Gegenteil ganz einfach sein. Gegenwärtig steht der Sarg inmitten des in eine Trauerkapelle umgewandelten Arbeitsgemachs. Heute vormittag weilte Alfred Dreyfus einige Zeit an Zolas Bahre.

* Paris, 30. Sept- Aus dem Jura-Gebiet werden Schneefälle und Fröste gemeldet.

* Grenoble,30. Sept- Der Abbs Labouchette, welcher nach dem Besuche des großen Karthäuser-Klosters nach Grenoble zurücklehren wollte, stürzte in einen Ab­grund und blieb sofort tot.

* Fiume, 1. Okt. Auf Schloß Tersatta verübte die GräfinNugent auf ihren Bruder, den Grafen Laval, ein Revolver-Attentat, welches aber mißlang. Der Gras blieb unverletzt. Die Gräfin wurde unter Polizei- Aufsicht gestellt.

* Budapest, 30. Sept- Der 16 jährige Handlungs­gehilfe Josef Podza hat auf der Reise nach Szegedin dem Gutsbesitzer Peter Kiß im Eisenbahnwagen ein Spar­kassenbuch und Wertpapiere.im Betrage von 30 000 Kronen gestohlen und ist damit flüchtig ge­worden. Die Polizei hat gegen ihn einen Steckbrief erlassen.

* Mobile, 30. Sept. Aus Mittelamerika hier ange­kommene Dampfer bringen die Nachricht von einem starken Erdbeben, das am 23. d. M. in Guatemala und Britisch Honduras stattsand. Die telegraphische Ver­bindung der Stadt Guatemala mit der Küste ist gestört.

Petersburg, 1. Okt. In Jasznaja Pohana auf dem Gute Leo Tolstois brach Feuer aus, das den Dachstuhl grade über dem Kabinett und dem Schlafzimmer Tolstois vernichtete. Der Dichter wurde gezwungen, einen anderen Flügel zu beziehen. Die Gesundheit Tolstois ist laut Bericht dreier Aerzte derart gut, daß ein WüUeraufent- halt in der Krim nicht nötig erscheint.

* Das Befinden Sternbergs. Vor einigen Tagen tangierte eine Korrespondenz die Nachricht in die Tagesblätter, daß das Befinden Sternbergs und seine Stimmung ausgezeick)net wären. Bon gmunt errichteter Seite wird jetzt mllgeteilt, daß diese Nachricht der Wahrheit st rock zuwiderlaufe. Das Befinden des Lüstlings ist schlecht, zumal er in Gcsahr schwebt, das. Augenlicht gänzlich zu verlieren. Auf einem .'luge ist er fast völlig erblindet, und auch das zweite Auge ist nach dem Ausspruche des ihn behandelnden Professors Silex gefährdet. Sternberg kann und darf gar nichts arbeiten, ist daher auch nicht in der Lage, sich einen Ueberoerdienst $u erarbeiten, und er kann sich deshalb auch nicht ine geringste Erleichterunng und Ver-

Der Selbstmord des Missionen-Aefraudanteu.

Wien, 29. Sept-

Der Telegraph hat schon kurz die Nachricht verbreitet, daß die Leiche des Defraudanten Jellinek unterhalb Krems am Donauufer gelandet worden ist. lieber die näheren Um­stände bei Auffindung der Leiche erhält dieN. Fr. Pr." folgenden Bericht:

Mit dem Abendzuge, der um 7 Uhr nach Krems abgeht, hatte sich gestern eine Abordnung des Wiener Sicherheits- Bureaus nach Kirchberg am Wagram begeben, der nächsten Bahnstation bei Altenwörth, wo die Leiche Jellineks aus den Fluten der Donau gezogen worden war.

Im Ortswirtshause gab es ein reges Leben und Treiben. Die Ortsbewohner waren hier zusammengeströmt, und die Ankömmlinge aus Wien schlugen rasch hier chr Quartier auf. Der Ortsvorsteher, Schulleiter Herr Anton Bachner, der zu allerletzt die angeschwemmte Leiche als di eJellineks agnosziert, und sofort von dem Funde die Behörden verständigt hatte, besaß auch die Geistesgegen­wart, alles vorzukehren, um die Aktion der Behörden zu unterstützen. Die Auffindung der Leiche Jellineks hatte sich nach übereinstimmenden Berichten auf folgende Weise zugetragen: Zwei Hauer aus dem benachbarten Dorfe Giking, namens Ludwig Heinzel und Eduard Fischer, saßen gestern an der Donau. Ungefähr um halb 3 Uhr, als einer von ihnen mit seinen Blicken die Fläche des Flusses streifte, sah er einen dunklen Gegenstand auf dem Wasser herankommen. Er verfolgte den auf dem Wasser treibenden Gegenstand mit den Augen, uni) erkannte in demselben bald Den Körper eines Menschen. Tie Leiche kam etwa 25 Meter weit vom Ufer herangeschwommen. Tie Donau hat hier eine ungewöhnliche Breite. Tas Treiben von Leichen ist hier nichts Seltenes, da der Strom hier eine scharfe Biegung macht und infolge des dadurch erzeugten starken Wellenschlages die Leichen im Wasser emporgetrieben werden. Die Bank, auf der die Beiden saßen, steht am Rande der Straße, die sich längs des Torfes am Ufer der Donau hinzieht. Sobald die beiden Hauer entdeckt hatten, daß ein menschlicher Leichnam im Wasser heran­treibe, sprangen sie auf und lösten eine nur wenige Schritte entfernt angekettete kleine Zille los. Sie hatten aber keine Ahnung, daß die schwimmende Leiche jene des vielgesuchten Jellinek sein könne, da sie von der ganzen Affaire weder etwas gelesen noch gehört hatten. Als sie dem Leichnam entgegenruderten, sahen sie, daß der Kopf des Mannes aus beni Wasser rage, während der Körper in der Strömung aufrecht schwamm. Sie mären aber nicht mehr weit mit dem kleinere Nachen entfernt, als die Leiche plötzlich unter­tauchte und nicht zu sehen war. Erft einige Minuten später kam sie wieder zum Vorschein. Die beiden Männer ruderten nun rasch an dieselbe heran, der eine erfaßte den Leichnam, umschlang denselben mit einem bereit gehallenen Strick, und so nahmen sie den schwimmenden Körper ins Schlepp­tau und .brachten ihn ans Ufer.

Nun wurde rasch der Ortsvorstand, Herr Anton Bachner, herbeigeholt. Derselbe hatte sofort die Vermutung, daß die angeschwemmte Leiche jene des Defraudanlen Jellinek sein dürfte, und als er sie genauer betrachtete, wurde seine Annahme zur Gewißheit. .Er entdeckte sofort an der Stirn Über dem redjlen Auge die im Steckbrief erwähnte Narb-, und daran erkannte er, daß er die Lerche Jellinek vor sich habe. Er verglich die Gesrchtszüge mit denen der Photo­graphie, die er von der Behörde für den Fall der Agnos-

gflnfHgung verschaffen, da nur Sträflinge mit einem Mi- nimal-UHerverdienst von 10 Mk. das Recht haben, diesen zur Aufbesserung der Kost oder ähnlichen Erleichterungen zu verwenden. Soweit es angängig ist, widmet sich Stern­berg auch seinen geschäftlichen Unternehmungen. Jeden Sonntag erhält er die eingelaufenen Akten und Fragebogen^ mit denen er sich einige Zeit beschäftigen darf, und alle vier Wochen kann er seinen Generaldirektor empfangen und mit ihm in Gegenwart eines Cberbeamten eine höchstens zweistündige Konferenz abhalten. Der Seelenzuftand Stern­bergs ist begreiflicherweise infolge der bisherigen langen Haft und bei der Aussicht, dieselbe noch bis zum 22. Mat nächsten Jahres ertragen zu müssen, äußerst gedrückt.

* Cholera und Pest. In Medina (Arabien) ist die Cholera ausgebrochen. In zwei Tagen sind 18 Todes­fälle vorgekommen. Die Cholera fordert auf den Philip­pinen, besonders Jlo Jlo schreckliche Opfer. Täglich er­eignen sich gegen 1000 Fälle. Tie Bewohner einiger Städte fliehen ins Gebirge und lassen die Toten unbegraben iuü> die Sterbenden ohne Hilfe. In Aegypten nimmt die Cholera schnell ab. In Kairo und Alexandrien verlor die Krankheit ihren epidemischen Charakter, nur noch zwei bis fünf Fälle werden täglich gemeldet. Nach amtlichen Berichten ist sie auch in der Mandschurei, Port Arthur, Wladi­wostok und anderen Bezirken stark in der Abnahme begriffen. In Odessa sind vom 19. bis zum 29. September acht Personen an der P e st erkrankt, von denen vier starben» Vom 10. Juni ab sind insgesamt 38 Erkrankungen und 13 Todesfälle zu verzeichnen. Auf Verfügung der dortigen Stadthauptmannes wird die Bevölkerung von jetzt an täg­lich über den Verlauf der Cholera-Epidemie in Kenntnis gesetzt.

* Brände. Durch spielende Kinder wurde die polnische Ortschaft Poschmick in Brand gesteckt. Von 129 Wohn­häusern sind 120 abgebrannt. Das Elend ist groß. In Neuberg bei Bad Elster (Kgr. Sachsen) ist der obere Teil des Gräflich von Zedtwitzschen Schlosses mit allem Zubehör niedergebrannt. Etwa 20 auswärtige Feuer­wehren waren auf der Brandstätte. ES wird Brandstiftung angenommen.

* Ein Selb stmordversuch wegen eine- litterarischen Mißerfolge-. Der 21jährige Hand­lungsgehilfe Arthur Lewin in Berlin verriet fett längerer Zeit schriftstellerische Neigungen. Er glaubte sich zum Novellisten berufen und vernachlässigte darüber feine Obliegenheit als Kommis in einem großen ÄLnfektionS. Hause. Tie Aufnahme einiger von feinen Skizzen in einem Winkelblättchen steigerte seinen Tichterehrgeiz ins Maßlose. Er schrieb eine größere Erzählung und sandte sie voll Autorenstolz einer Der ersten deutschen Zeitschriften zu. Natürlich wurde d-as unreife Machwerkmit Tank abge­lehnt". Nicht entmutigt war es doch andern großen Poeten ebenso ergangen sandte L. sein Werk einer zweiten und, nach prompt erfolgter Ablehnung, auch einer dritten Zeitschrift zu. Da der dichtende Jünger Merkurs auch hier kein Glück hatte, setzte die Novelle ihre Rundreife fort, bis sie zu einem Redakteur kam, der sich nicht mit Der bloßen Ablehnung begnügte, sondern dem Verfasser in einem weniger höflichen, als deullichen Briefe Die weitere Fortsetzung feiner Studien in deutscher Grammatik und Rechtschreibung empsabl. Der junge L. konnte diese Verletzung seiner Poetenleyre nicht verwinden. Er griff zum Strick, um feinem Leben ein Ende $u machen. Ta er sich aber glücklicherweise dabei ebenso ungeschickt an­stellte, wie beim Abfassen seiner Werke, wurde er nodj rechtzeitig bemerkt und gerettet. Hoffentlich, dichtet er nie wieder.

* Das Menschheitspaar. Tie Geschichte spielt in Paris. Ein junger Mann liebte ein junges Mädchen. Tie Eltern des jungen Mädchens waren nut der Heirat einverstanden; aber die Mutter des jungen Mannes wollte nichts davon wissen. Und da der Jüngling noch nicht das gesetzliche Alter erreicht hat, war die Heirat, für den Augenblick wenigstens, unmöglich. So kamen der junge Mann und das junge Mädchen, die sich liebten, auf bat Gedanken, sich dem Kongreß der einzigen, ewigen, un­teilbaren Menschheit" vorzustellen^ der gegenwärtig in Paris seine Sitzungen hält.Ten obersten Rat dieses Kon­gresses", schreibt derTemps",bilden fünf ober sechs weißhaarige Greise, die im Frack und in weißer Krawatte tagen, und einige mystisch ausseh ende Damen. Tiefe ehrenwerten Persönlichkeiten forschen nach den Mitteln, durch welche die Menschheit endlichin allen ihren Gliedern solidarisch und brüderlich werden könnte." Sie wollen u. a. einen Weltsenat ins Leben rufen, auS dessen Mitte die Mitglieder eines MenschheitsministeriumS er­wählt werden sollen. Dieses Ministerium hätte die Auf­gabe, jedem menschlichen Wesen Essen, Kleidung und Woh­nung zu verschaffen. DerSekretär auf Leb en Hell" deS Kongresses fragte sich, als er den Entwurf vorlegte, warum man nicht schon früher an eine solche Gründung gedacht habe:Wenn man damit schon bei Schaffung der Welt begonnen hätte", sagte er,brauchte man jetzt nicht unsere Kriegsministerien zu gründen . . ." Ter Menschheits­kongreß darf leider nicht Leute verheiraten wie es, mit seiner Schärpe geschmückt, der Herr Maire thut. Aber dafür konstituiert" der zlongreßMenschheitspaare". Die Cere- monie ist sehr schön. Das junge Mädchen hält einen Blumenstrauß in der Hand. Ter©etretär auf Lebens­zeit" hält eine Ansprache; bann erhebt er bie beiden jungen Leute zur der Würde eines Menschheitspaares und schenkt ihnen ein Abzeichen und ein Pergament-Diplom mit etwas konfusen Mitteilungen. Eine berühmte Frauenrechtlerin richtete an das junge Paar eine tiefgefühlte Ansprache, in welcher sie in grauenvoller Weise die Laster der Männer schilderte; sie schloß mit den Worten:Ach, die Männer, sie flößen mir Furcht ein! . . ." Darauf trat eine andere Tarne vor und fang eine hübsche, aber etwas her alt etc Romanze, in der viel von Liebe und von Treue die Rede ist. Tas empörte die berühmte Frauenrechtlerin derart, daß sie Lärm schlug. Tie liebenswürdige Zeremonie hätte nun beinahe ein böses Ende genommen. Aber einAma­teur" trug heitere Monologe vor, die den Seelen ihren Frieden Wiedergaben. » »

* Der Kampf um die Cigarette. Man erinnert sich vielleicht an die Berichte über den zwischen englischen und amerikanischen Cigarettenfabrikanten entbrannten Kon­kurrenzkampf, bei welchem selbst für die dortigen Verhält­nisse riesige Summen ins Treffen geführt wurden und dessen Spezialität darin bestand, daß bie Amerikaner ben Krieg im Feindeslande eröffneten und England unter Auf­wendung einer kaum zu überbietenden Reklame mit ihren Fabrikaten überschwemmten. Ter Konsument, um dessen Gunst man sich so leidenschaftlich bemühte, war in diesem Falle der lachende Dritte. Nun wird aus London tele­grafiert, daß nach einer Meldung derDaily Mall" der Mcieg um die Cigarette zwischen dem amerikanischen und dem englischen Riesensyndikat sein Ende gefunden hat, und

zierung erhalten batte, und dieselbe wiesen eine unver­kennbare Aebnlichreit mit der Leiche auf. Tas Saeco, womit die Leiche bekleidet war, war zugeknöpft; Herr Bachner knöpfte das Saeco auf und fand in der unteren Seitentasche zunächst einen schwarzumränderten Briefum­schlag, der folgende ^ldresse trug:Herr und Frau (Dmund Jellinek". Hierdurch war die volle Bestättgung gegeben, daß der Tote der Defraudant Edmund Jellinek sei. Man sand man bei dem Toten u. a- einen Zeitungsausschnitt mit der Anzeige der Verlobung Jellineks. Tas Gesicht des Toten war stark gerötet und ebenso wie der Körper stark aufgedunsen. Tie Beinlleider waren an beiden Knieen ourchgerissen. Tie Wertgegenstände und Briefschaften hatte die Gerichtskommission an sich genommen. Die goldene, massive Doppelkette, an der die Uhr befestigt gewesen sein soll, war bei der Leiche nicht vorgefunden worden. Tie Kette dürste bei dem Treiben im Wasser im Gestrüpp hängen geblieben sein. Alle diese Gegenstände erkannte Herr Mohr, der Schwiegervater Jellineks, als Eigentum seines Schwie­gersohnes. Mit schwerer Mühe gelang es, den tief erschütterten und fast ganz gebrochenen Mann zu beruhigen und ihn aus der Totenkammer zu führen. Als die Arbeit der Kommission um i/*ll Uhr nachts auf dem Friedhöfe beendigt war, entfernte man sich in gebrüerter Gemütsslim- mung. Allen, bie dieser unheimlichen Nachtszene auf dem Friedhöfe in Altenwörth beiwohnten, wird ihr grauen­hafter Andruck unauslchchlich im Gedächtnis haften.

Von dem Kirchhofe wurde unter Fackel- unb Laternen- schein bann noch einmal die Wanderung durch das finstere, öbe Tors angetreten, unb unter Führung her beiben Hauer, die ben Leichnam Jellineks gefunden, suchte man die Stelle am Ufer auf, von wo aus der schwimmenbe Tote bemerkt worden war. Man begab sich zuerst zu dem Holzbänkchen, wo die beiden Hauergesellen gesessen, als sie die in der Tonau schwimmenbe Leiche entdeckten. Es steht hinter einem Obstgärtchen, und man kann von hier aus die aus­gedehnte Stromfläche Überblicken. Nicht weit davon lagen einige kleine Zillen, an einem Pflock der steilen Uferböschung angekettet. Die beiden Arbeiter stellten sich nun an den Userrand ihre Gestalten wurden von ben flackemben Flammen der Fackeln beleuchtet unb mit lebhaften Ge- berden auf das Wasser deutend, gaben sie die Stellen und die Tistanzen an, wo sie den Leichnam zuerst bemerkt, wie sie ihm nachgerudert, wie sie ihn erfaßt und geborgen hatten. Die Straße läuft hier knapp an der Uferböschung, ein verfehlter Schritt im Dunkeln kann schon verhängnis­voll werden und einen Sturz über die Böschung zur Folge haben. Ter Anblick der ungeheueren Wasserfläche hatte etwas Unheimliches. Erschreckendes; und dieser Eindruck wurde durch bas Brausen und Rauschen der an das Ufer brandenben Wellen noch gesteigert. Alles atmete erleichtert auf, als bie Agnoszierung bes Toten und die Besichtigung der Auffindungsstelle beendet war und man aus dem düsteren Dunkel der Nacht mit ihren schrecklichen Bilbern wieder in die Gaststube des Gemeindewirtshauses zurück­kehren konnte. Am stärksten hahten natürlich diese Ein­drücke auf Herrn Mohr, den Schwiegervater Jellineks, ein­gewirkt, der bleich unb zittemb in das Wirtshaus zurück­kam.

durch die Mhe von Frankfurt, wo sie viele verwandtschaft­liche Beziehungen haben, angezogen wurden. Die Zahl der Kurgäste hat erst in der verflossenen Woche 12 000 überschritten. Homburg bat aber auch im Winter immer Fremde, für welche das Kurhaus den Sammelpunkt und Die Stätte guter musikalischer Aufführungen bietet. Neben großen Neubauten im Interesse des Kur- und Fremden­verkehrs erstehen hier noch immer auch kleinere Lanb- häufer, in welchen Familien ein gemütliches, ruhiges Heim fich zu schaffen bemüht sind. Auch das von den Englischen Fräulein hier geleitete Haushaltungspenfionat hat durch einen Anbau eine Vergrößerung erfahren.

Wiesbaden, 1. Clt Die Beteiligung an der vom 4.-7. b. M. hier stattfindenden 5. Generalversamm­lung des Bundes deutscher Frauenvereine verspricht außergewöhnlich zahlreich zu werden. Dem Bunde sind gegenwärtig 156 Vereine angeschlossen (gegen 131 bei der letzten Generalversammlung), die durch un­gefähr 200 Delegierte vertreten fein werden. Von den zur Verhandlung kommenden Anträgen gilt etwa die Hälfte einem weiteren Ausbau der Organisation, wichtigen Sta­tuten- unb Geschäftsordnungsänderungen, lieber diese wird in geschlossener Sitzung am Sonntag beraten. Alle Anträge auf (Weiterungen des bisherigen Arbeitsgebietes des Bun­des, auf Stellungnahme zu Tagesfragen usw. werden in allgemein zugängllchen Sitzungen verhandelt, in denen auch sämtliche Berichte erstattet werden. Ebenso sind die Sitz­ungen der Kommissionen öffentlich. In drei großen Abend- versammlungen werden Fragen der weiblichen Bildung, der öfsenllichen Sittlichkeit, der Stellung der Frauen zur Po­lllik vom Standpunkt des Bundes behandelt. Das Lokal­komitee hat umfassende Vorbereitungen für bie Tagung ge­troffen und veranstaltet für die Delegierten und Mitglieder der Bundesvereine am Freitag abend einen festlichen Em­pfang im Kurhause. Für Montag ist ein Ausflug nach Mainz geplant, zu dem die Mainzer Bundesvereine ein- geladen haben.

Hanau, 29. Sept. Die durch die diesjährigen Herbst- manöver verursachten Flurschäden sind im Landkreise Hanau ziemlich beträchtlich, etwa 12 000 Parzellen kommen in Betracht. Für die schnelle Abwickelung der Geschäfte sind vier Kommissionen thätig.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die politische Redaktion derW o r m- ser'Zeitun g", der bekanntlich der Frhr. v. Heyl nahe steht, ist mit dem L Oktober auf den früheren Chefredakteur der fteikonservallvenPost" übergegangen. Man kann sich daraus einen Vers machen, von der zukünftigen Haltung dieses leider auf dem rechtesten Flügel pes Nationallibera­lismus stehenden Blattes. In Hanau haben Magistrat und Stadtverordnete beschlossen, in der städtischen gewerb­lichen Fortbildungsschule den Pflichtbesuch wesentlich zu erweitern und den Tagesunterricht einzuführen. Der Abbruch einer Scheuer und mehrerer Stallungen im Hofe der Wei Seligenstadt am Main veranlaßte die Reichs­limeskommission, in dem freigewordenen Raume nochmals nach dem schon lange vergeblich gesuchten Limeskastell zu forschen. Die Untersuchungen scheinen insoweit von Erfolg begleitet zu sein, als es Hofrat Kofler gelungen ist, 1,50 Meter tief unter Bauschutt einen Spitzgraben von 2Z18 Meter Tiefe und 6 Meter Breite nachzuweisen, der in feinen Verhältnissen ben Gräben entspricht, bie bie Limes­lastelle umschließen.