Ausgabe 
2.7.1902 Erstes Blatt
 
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Die Zolltarifkommisfiou

beriet am Dienstag die Positionen Baumtvvllwaren weiter und nahm die Positionen 462Wvgelnetze, Jagd- n e tz e rc. 100 Mk., 463 Schläuch-e, grobe G ur t e, Treibe ri e m e n 50 Mk. an, setzte Position 466 Taue, Seile, Stricke, Baumwollbindfaden von 49 Mk. der Borlage auf 36 Mk. und genehmigte sodann unverändert Position 464 baum­wollene Spitzen st osfe, Spitzen gestickt 450 Mk., gewebt 350 Mk., andere 350 Mk., sowie Position 465, Stickereien aus baumwollenen Grundstoff, Plattstichstickereien 400 Mk., Kettenstich 450 Mk., andere 400 Mk., setzte Position 468 Dochte von 90 Mk. der Vorlage aus 80 und ferner Pos. 467, Posamentierwaren von 160 der Vorlage auf 150Mk. Herab. Die Positionen 470 und 471 werden nach der Vor­lage angenommen. Die Positionen 472 bis 483 werden gemeinsam beraten und nach der Vor­lage angenommen bis auf Position 481. In dieser wird ein Antrag Müller-Sagan genehmigt, welcher sestsetzt: roh, bis Nr. 8 englisch 4 Mk., über Ncr. 8 bis Nr. 14 englisch 5 Mk., über Nr. 14 englisch 7 Mk. Hiermit ist> die Hälfte des Tarifes in erster Lesung beendet! Paasche, der den beurlaubten Vorsitzenden Rettich vertritt, stellt dies fest. Hieraus werden die Vositionen 484 und 485 genehmigt. Es folgt eine Geschäftsordnungsdebatte über die Frage, ob auch Nachmittags getagt werden solle, um den Zoll­tarif rechtzeitig fertigzustellen. Die Sozial­demokraten widersprechen. Es kommt zu heftigen Zu­sammenstößen zwischen einzelnen Mitgliedern und dem Vorsitzerrden Paasche. Der Vorsitzende vermag nur mit größter Mühe die Ruhe herzustellen. Es wird beschlossen, nachmittags nicht zu ta gen.

praktischen Ausgaben der Gesetzgebung der Schulenftreit zurückgestellt werden müßte.

Es ist hier eine juristisch wie politisch hoch bedeutsame und interessante Thatsache zu konstatieren. Der erste und wichtigste Schritt zur Reform unseres Strafgesetzbuches ist gethan. Die Schranke ist gebrochen; die Bahn ist frei!

Mit vereinten Kräften und unterstützt durch die mtt ^Sicherheit zu erwartende thatkrästige Förderung des Reichs­justizamtes wird, woran nicht zu zweifeln ist, die praktische Gesetzgebungsarbeit nunmehr mit frischen und fröhlichen Kräften ausgenommen werden können, und die auf die diesjährige Berliner Tagung des Deutschen Juristentages gesetzte Frage über die Reform des Strafgesetzbuches wird das ihrige dazu beitragen, daß dann das langersehnte Ziel näher gerückt wird die Schaffung eines neuen Straf­gesetzbuches!

Preußische Maßnahmen zur Entschuldung des ländlichen Grund­besitzes.

lieber die Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes Hat der preußische Landwirtsch^ftsminister v. Podbietski einen Erlaß an die Oberpräsidenten gerichtet und ihnen teilte im Landwirtschaftsministerium ausgearbeitete Denk­schrift über die Durchführbarkeit von Maßnahmen zur Ent­bastung Hochverschuldeier landwirtschiaftlicher Besitzungen .überreicht.

Die Oberpräsidenten sollen über die in der Denkschrift erörterten Fragen unter Benehmen mit den Landwirtschatts- ckammern, mit den landschaftlichen (ritterschaftlichen) Kredit­anstalten, den provinzial- (kommunal-) ständischen Grund- Meditanstalten, sowie mit den Provinzialhilfskassen in Ver- chandlung treten und sie unter Mitteilung der Denkschrift ^u einer Aeußerung auffordern, ob sie eine Schuldentlastung in der erörterten Art für durchführbar und im öffentlichen Interesse wünschenswert erachten, und ob und unter welchen Bedingunaen sie geneigt sein würden, sich dabei zu be­teiligen. Im Falle der Bereitwilligkeit werden sie geeignete Vorschläge über die zweckmäßigste Art der Durchführung dieser Maßnahmen zu machen und sich insbesondere auch darüber zu äußern haben, in welcher Weise die zur Ab­lösung der Nachhypotheken erforderlichen Mittel aufzu­bringen sind. Sollten die in Betracht kommenden Kredit­institute chre Mitwirkung von staatlichen Leistungen ab­hängig machen, so würden nach dieser Richtung eingehend begründete Vorschläge zu unterbreiten sein. Daneben kommt als wichtiges Mittel der Schuldentlastung die stärkere Pflege der unkündbaren Amortisationshypothek in Be­tracht, wobei es besonders daraus ankommen wird, die jetzt vielfach mangelhaften Bestimmungen über die Amortisa­tion im Sinne einer wirtlichen Schuldentilgung wirksam zu verschärfen. In dieser Hinsicht hat die vorjährige Plenar­sitzung des deutschen Landwirtschaftsrates die in der Denk­schrift mitgeteilten, zum Teil sehr beachtenswerten Be­schlüsse gefaßt. Der Minister sieht den Berichten über das Ergebnis der Verhandlungen binnen sechs Monaten ent­gegen. :

In der Denkschrift wird über die Vorschläge berichtet, welche die Kreditkommission der 'Landwirtschaftskammern der Regierung gemacht und die von dieser einer Versamm­lung sachverständiger Vertrauensmänner vorgelegt worden sind. Es handelt sich in der Hauptsache um die Ablösung der hinter der landwirtschaMchen Beleihungsgrenze ein­getragenen Hypotheken (Nachhypotheken), die zu diesem Zweck in unkündbare Amortisattons-Hypotheken zu verwandeln wären. Dieser Weg wäre indes nur gangbar, wenn die Landschaften oder sonstigen öffenttichen Kreditinstitute sich bereitsinden würden, in geeigneter Weise mitzuwirken. Die Einführung einer allgemeinen obligatorischen Verschuld- ungsgrenze für den landwirtschaftlichen Grundbesitz soll zur Zeit nicht ernstlich in Betracht kommen. Es wird aber die Zulassung einer fakultativen Verschuldungsgrenze im Wege der Gesetzgebung erörtert

hält Der Kommandeur der Schutztruppe rückte mit mehre­ren Kompagnien aus, um die Linie nach dem Benue zu be­setzen, und die geplante Station bei Garua zu stützen. Die Engpässe haben chn aber gezwungen, weit nach Norden zu ziehen Dabei wurden die Stteitkräste aus dem öst­lichen Adamaua herangezogen, wenigstens die Hälfte der 900 Mann starken Kameruner Schutzlruppe wird dort im Norden sestgehalten Die französische Streitmacht am Logone und Schari betrug aber, als es zum Kampfe mit Rabeh kam, ungfähr 900 Mann, dabei waren auch Kamel­reiter. Dort hatten sich drei Expedittonen aus den ver­schiedensten Richtungen zusammengefunden: nämlich die Schari-Expedition unter Genttl, die saharische Expedition unter Foureau und die zentralafrikanische vom Niger unter Joalland. Seitdem sind die französischen Truppen durch Mannschaften aus dem Heere Rabehs verstärkt wor­den, auch rücken vom Ubangi aus immer neue Ergänzungen, namentlich Senegaleser nach. Die Franzosen haben sich durch ihre Kämpfe der letzten Jahre in hohe Achtung bei den Völkerschaften jener Länder gesetzt. Die Engländer besitzen in Westafrila eine Macht von 7000 Mann, von denen mehr als die Hälfte die Landstriche westlich von Kamerun bis zum Tschadsee besetzt hat, und die Bevölkerung im Zaume hält

Baumwollenbau in Togo. Aus München-Glad­bach wird geschrieben: Tie hiesige Spinnerei Richard Brandts hat auf der Düsseldorfer Ausstellung einen Schrank ausgestellt, der lediglich Gespinste deutscher Togo- Baumwolle enthält. Ueber die Erfahrung, welche die Firma beim Spinnen dieser Baumwolle machte, äußert sie sich jetzt wie folgt: Die Togo-Baumwolle aus einheimischer Saat, die vom Kolonial-Wirtschaftlichen Komitee ge­liefert ist, hat einen guten Stapel. Die Faser ist stark und hat einen rauhen, wolligen Charakter. Sie ist der gewöhnlichen amerikanischen Baumwolle^ zum mindesten ebenbürtig, und für viele Gespinstsorten der amerikanischen vorzuziehen. Tie Togo-Baumwolle spinnt und färbt sich vorzüglich. Der Faden ist voll und schon.

Are berufsmäßige Ausbildung der Aortöilüungs- schüler in Kessen.

Zu dem Anträge desAbg. Köhler-Langsdorf, betr. Umgestaltung der ländlichen Fortbildungsschulen zu Acker­bau-Vorschulen hat die Regierung ihre Ansicht im wesentlichen wie folgt dargelegt: Tie Regierung hält diese Umwandlung weder für ausfahrbar, noch für zweckmäßig. Der Regel nach wird ein Vollsschullehrer kaum im stände fein, außer dem Wissen und Können, das sein eigentlicher Beruf von ihm verlangt, sich noch nebenher das theoretische Wissen und praktische Können eines tüchttgen Lehrers der Landwirtschaft anzueignen. Der Meinung aber, daß die geplante Einrichtung der Fortbildungsschule das Landvolk auf die Bedeutung der landwirtschaftlichen Winterschulen Hinweisen und dieser Anstalt Schüler zusühren werde, kann nicht beigepflichtet werden. Vielmehr erscheint die Annahme gerechtfertigt, daß der zukünftige Schüler der in eine Ackerbauvorschule umgewairdelten Fortbildungs­schule sein bescheidenes Wissen meist für ausreichend halten und damtt der Besuch ter Winterschule noch schwächer wer­den wird, als er vielfach bisher schon war. Dagegen erkennt sie an, daß chm ein richtiger Gedanke zu Grunde liegt in­sofern, als er eine Anlehnung des Unterrichts an den Beruf der Schüler, eine Beziehung auf chre tägliche Beschäftigung und hierdurch ein lebhafteres Interesse für Berufsarbeit und Unterricht zugleich erstrebt Seit geraumer Zeit wird darüber geklagt, daß die Fortbildungsschüler dem Unterrichte zu wenig Interesse entgegenbringen. Mit Recht sucht man eine Ursache für diese Erscheinung neben anderen in dem Umstände, daß die Fortbildungsschule zu sehr Wiederho- lungs- und Befestigungsschule ist, daß sie vielfach aus­schließliche oder doch in zu großem Umfang die allgemeinen Blldungsziele der eigentlichen Volksschule weiter verfolgt, ohne den Unterschied zu berücksichtigen, der zwischen ihren Schülern und denen der Volksschule besteht. Dieser Unter- schred liegt wesentlich darin, daß der Volksschüler noch ohne Beruf ist, der Fortbildungsschüler aber bereits einen Berus gewählt hat, und mitten in der Vorbereitung auf diesen Beruf steht Die Berufsarbeit, die ihn vom Morgen bis zum Abend beschäftigt, bildet seinen Gedankenkreis und erregt fein Interesse. Wenn die Schule einen Einfluß auf ihn ausuben will, so muß sie an dieses Interesse anknüpsen und bei ihren Unterweisungen auf die Berufsthättgkeit Be­zug und Rücksicht nehmen. Von dieser Erwägung geleitet, hat man in zahlreichen Städten die Schüler der Fortbtt- dungsschule nach Berufszweigen getrennt, und durch den Unterricht unter Berücksichtigung der Gewerbekunde und der einschlägigen wirtschaftlichen Gesichtspunkteeine theo­retische Begründung des Berufes" ersttebt Die Er­fahrungen ermutigen zu einem Weitergehen auf dem be­tretenen Wege und die ländliche Fortbildungsschule kann nur gewinnen, toeim auch in ihrem Unterricht an den Beruf angeknüpft wird, dem die meisten ihrer Schüler angehören, an das landwirtschaftliche Gewerbe. Es bedarf praktischer Versuche, bei denen die Gefahr des Irrens und Fehlgreifens allerdings in großem Umfange besteht. Aber mit Rücksicht aus die Wichtigkett der Sache hat es die Schul­verwaltung für zweckmäßig gehalten, in der Gemeinde Lan gsdorf, in der die Verhältnisse in mehreren Hin­sichten günstig liegen, einen Besuch zuzulassen. Ein ab­schließendes Urteil ist nach der Arbeit eines ein­zigen Winters selbstverständlich noch n i ch t m ö a l i ch; wohl aber dars jetzt schon gesagt werden, daß die Art, wie der Unterricht an die "Berufsthättgkeit der Schüler anknüpst, im großen und ganzen richtig zu sein scheint, daß die Ergebnisse im allgemeinen befriedigen, und daß bei allen Beteiligten ein lebhaftes Interesse vorhanden ist, von dem man für die Zukunft das B e st e h o f f e n darf. Die oberste Schulbehörde hat deshalb die Fortsetzung des Versuches gestattet, und die Kreisschulkommission _ ange­wiesen, der Angelegenheit ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sie wird auch gern bereit sein, in anderen ländlichen Gemeinden Versuche zu gestatten, sofern die Ver­hältnisse in ähnlicher Weise günstig liegen, rote in Langs­dorf. Die Berufung einer Kommission kann nut Rücksicht auf den geringen Umfang des bis jetzt vorliegenden Erfah­rungsmaterials zur Zett nicht für zweckmäßig erachtet werden. r ,

Mese Regierungsausführungen haben den vierten Aus­schuß veranlaßt, zu beantragen, die Hohe Kammer wolle an die Regierung das Ersuchen richten, eine al [ g e nt ein e Erweiterung des Fortbildungs,chulwesens in dem Sinne anzustteben, daß in den Lehrplänen (her Fortbildungsschulen die berufsmäßige Ausbildung der Fortbildungsschüler möglichst berücksichttgt und demgemäß in Orten mtt vorwiegend Landrotttschaft treibender Bevöl­kerung aus den laudwirtschaftttcheu Beruf und in solchen

Kolonialpost.

Der Lanbesyauptmann der Marschall- Inseln Brandeis hat nach seiner Ankunft in Italien Berlin gar nicht aufgesucht Er hat fief), vielmehr mtt seiner Famttie nach seinem HeimatUmde Baden begeben, um dort einige Zett zuzubringen.

Aus dem Hinterlande von Kamerun. Noch -ist keine Meldung hier eingetroffen, daß Oberstleut­nant Pavel vom nördlichen Hinterlande nach dem Küstengebiete Kameruns zurückgekehrt ist. Deshalb besteht auch in amtlichen Kreisen die Ueberzeugung, daß er die Landstriche nördlich vom Be nue nicht hat verlas­sen können. Wenn man die Sage bei uns und in den Nachbar-Mlonien näher betrachtet, so ist die Aufgabe des Kommandeurs der Schutztruppe dort eine solche, daß sie ihn vielleicht noch lange fesselt Im Herbst vorigen Jahres wurde Oberleutnant Dominik beauftragt, eine Station am Benue zu errichten; er erhielt uur 60 Mann ber Schutztruppe mit, da man nicht mehr entbehren zu können glaubte. Jetzt aber wird von den Kamerunern, dar­unter dem Gouverneur selbst die Vermutung ausgesprochen, häfc Dominik mtt seinen Leuten DiM in Bornu besetzt

mtt Hauptsächlich gewerbetreibender Einwohnerschaft mehr auf das gewerbliche Unterrichtswesen Wert gelegt wird.

Der Leipziger Bankprozeß, x.

Leipzig, 1 Jult

Nach Eröffnung der Sitzung giebt Sachverständiger Duenger Erläuterungen zum Geschäftsbericht für 1899 und weist nach, daß ein großer Teil der als im Besitz der Bank ' ausgeführten Effekten und Wechsel verpfändet ge­wesen ist. Die Leipziger Bank sei daher in ihren Dispo- sitionen nicht so flüssig gewesen, wie die Bilanz erscheinen lasse. Der Gewinn an der Trebergesellschaft habe schon von 1898 an thatsächlich auf dem Papier gestanden. Exner bezeichnet alle mit den Trebergesellschaften eingegangenen Effekten- und Verkaufsgeschäfte als ordnungsmäßig abge­schlossen und verbucht. Dr. Gentzsch hatte nach seiner Aus­sage kein Bedenken, diesen Effekten und Konsortialgeschäften seine Zustimmung zu erteilen. Er war der Meinung/ daß diese Konsorten das sogenannte Treberconcem bildeten. An diesen Geschäften waren zum Teil die Auffichtsratsmit- glieder der Bank Beteiligt, teils hatten sie, mit Ausnahme Mayers und Fiebigers, Kenntnis davon. Der Vorsitzende hält Exner vor, daß dieser in der Voruntersuchung gesagt habe, die Konsorttalkonten der Treberwerte seien niemals solche gewesen.

Die weitere Verhandlung betrifft das Geschäft mit der russischen Trebergesellschaft, nach welchem 3 750000 Mark russische Obligationen von der Leipziger Bank abgenommen werden sollten, obwohl Kassel noch keine Forderung an die russische Gesellschaft hatte. Außerdem waren diese Obli­gationen noch gar nicht ausgegeben und ihre Lieferung noch gar nicht bestimmt worden. Nach kurzer Pause erklärt Sach^ verständiger Plaut, ein Schaden für die Leipziger Bank sei indessen aus dem Geschäft mit den russischen Obliga­tionen nicht entstanden. Sachverständiger Hermann meint, dieses Geschäft sei in der unternommenen Form wirtschaft­lich unverständlich, vom kaufmännischen Standpunkte wider­sinnig. Alsdann kommt ein langer Briefwechsel zwischen Exner und Schmidt zur Verlesung. Schmidt bezeichnet in diesem Briefe den Werwattungsrat der galizischen Gesell­schaft Spitzbubengesindel. Plaut hält eine Reihe von Wechseln auf die Union in Prag und die Schweinfurter Gesellschaft für Reitwechsel. Dr. Gentzsch lagen die Wechsel vor, doch wurde er durch Exner dahin beruhigt, daß ausreichende Sicherheiten dafür vorhanden feien. Die Ver­handlung wird morgen fortgesetzt werden.

Kunst und Wissenschaft

Der Fehlbetrag der Darmstädter Ausstellung. Die endgültige Abrechnung über die vorjährige Ausstellung der Darm­städter Künstlerkolonie liegt nunmehr vor. Trotzdem an Eintritts­geldern 58 000 Mark mehr vereinnahmt wurden, als vorgesehen war, schließt die Ausstellung mit einem Fehlbetrag von 252 288 Mark, so daß die Garanliefondszeichner mit 96 Prozent der ge­zeichneten Beträge herangezogen werden sollen. In den Ausgaben und u. A. folgende UeberschreiMngen des Voranschlages zu kon­statieren: Provisorische Bauten 141 702 Mark (gegen 107 000 Mk. im Voranschlag), Musik und Lustbarkeiten 46 383 Mark (20 000 Mark), Gartenanlagen und Nivellierungen 35445 Mark (12 000 Mark). Ferner wurden gegen den Voranschlag mehr verausgabt: für Gehälter und Löhne 19 847 Mk., Reklamen usw. 19 063 Mark, Theaterbetrieb 11526 Mark, Inventar 21055 Mark usw. Im Ganzen betrug die Mehrausgabe geaen den Voranschlag 211 948 Mark, dem nur eine Ersparnis an Ausgaben von 29 308 Mark gegenübersieht, darunter 25 879 Mark. Ersparnis an Honorar für die Künstler, welche 14121 Mark, gegen früher beanspruchte 40000 Mark erhalten sollen. In den Einnahmen war gegen den Voran­schlag an Eintrittsgeldern, Festen und Konzerten die bedeutende Dtehreinnahme von 58126 Mark zu verzeichnen (198126 Mark, gegen 140 000 Mk.); trotzdem betrug der Ausfall an Einnahmen gegen den Voranschlag 132 140 Mark; darunter 44 520 Mk. Minder­einnahme aus der Lotterie, 25 787 Mark Mindereinnahme aus Schriften und Katalogen ufw. Die Gesamtausgabe betrug 496 639 Mark, die Gesamteinnahme 244 351 Mark, im Voranschlag batan- zierten beide mit 314 000 Mack. Angesichts dieser Ziffern und da der über alles Erwarten zahlreiche Besuch der Ausstellung und das prächtige Wetter noch eine Mehreinnahme von 58 000 Mark ge­bracht haben, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Voranschlag mit einem unbegreiflichen Optimismus aufgestellt wor­den ist, der einen nüchternen und praktischen Geschäftssinn gar sehr vermissen läßt, wie die Abrechnung andererseits die Frage nahe­legen muß, ob man sich von allem Anfang an in den Ausgaben nicht hätte einer weisen Beschränkung befleißigen sollen, an­statt einen vertrauensvoll für Ausnahmefälle gezeichneten Garan­tiefonds ohne wttteres als zu verlaborierendes Kapital zu be­wachten.

UnivrrstÄs-Nachrichten.

Zum Vorsitzenden der Diplomprüfungen an der Tech­nischen Hochschule i n D a r m st a d t für das Jahr 1902,03 wurde Proteffor Dr. Hermann Wiener ernannt. Der, Schlußtermin zur Einreichung der Studienzeichnungen ist auf Montag, 21. Juli festgesetzt. Die Abteilung für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule wird unter Führung der Professoren Dr. Rittler, Dr. Wirtz und ©enget vom 19.-26. Juli eine. Exkursion in die Rheinlande unternehmen. Die Abfahrt beginnt von Mainz aus bis Köln per Schiff. Sodann erfolgt Besichtigung des Kölner Elektrizitätswerks, Tüffeldorser Ausstellung und Elek­trizitätswerk dortselbst, sowie einiger in Düsseldorf gelegener tech­nischer Anlagen. Besichtigung des Elberfelder Elekttizitätswerk und der Schwebebahn und der Gasmotorenfabrik in Deutz sowie der Werke der Köln-Ehrenfelder ElektttzitätsaesellschastHelios".

Tas von den Banken für Handel und Industrie und für Süddeutschland für die Studierenden der Technischen Hochschule ge­stiftete Jubiläums-Stipendium wurde für dieses Jahr den Stu­dierenden Wilhelm Dietz aus Büdesheim und Rudolf Pfeiffer aus Dresden im Betrage von je 500 Mk. verliehen.

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