Ausgabe 
2.6.1902 Zweites Blatt
 
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Deutsches Reich.

Berlin, 31. Mai. Die Frühjahrsparade der Potsdamer Garnison verlief bei schönstem Wetter. Gegen 9 Uhr erschien der Kaiser im Lustgarten zu Potsdam und nahm vom Denkmal Friedrich Wilhelms I. aus den zwei­maligen Parademarsch der Truppen ab. Der Kaiser führte dem Schah von Persien, der von einem Fenster des Schlosses aus dem militärischen Schauspiel zusah, das Regi­ment der Gardes du Corps vor, dessen Uniform der Monarch trug. Anwesend waren auch Prinz Heinrich, der heute früh aus Kiel eingetroffen war, ferner der Kronprinz von Siam, der Großherzog von Mecklenburg, Prinz und Prinzessin Fnedrich August von Sachsen und andere Fürstlichkeiten. Nach Beendigung der Parade begab sich der Kaiser nach dem Schlöffe, wo er den Schah von Persien und die übrigen dort anwesenden Fürstlichkeiten begrüßte. Um halb 1 Uhr fand im Neuen Palais großes Frühstück statt. Der Kommandeur des Leib-Garde-Husaren-Regiments, Oberst Burggraf zu Dohna wurde zum Flügeladjutanten des Kaisers ernannt.

Wie dieNat.-Ztg." erfährt, hat der Kaiser dem Generaldirektor Ball in nach der Generalversammlung der Hamburg - Amerika - Linie ein in sehr anerkennenden und warmen Worten gehaltenes Telegramm gesandt, in dem er chn zu der unter vollster Wahrung aller nationalen Jn- tereffen durchgeführten Erledigung der in jener Versammlung behandelten Fragen beglückwünscht.

Generalfeldmarschall Graf Waldersee, der auf einer Inspektionsreise dieser Tage in Wesel weilte, hat dort die Besichtigung wegen übergroßer Abspannung plötz­lich abgebrochen und sich nach Hannover zurückbegeben.

Nach einer Meldung aus Leipzig ist der Chef­redakteur des dortigenGeneralanzeigers", Pleißner, der wegen Majestätsbeleidigung vor vier Tagen in Unter­suchungshaft genommen wurde, gegen Kaution aus der Haft entlassen worden.

In der Kommission für die Zuckersteuer hat der Staatssekretär Frhr. v. Thiel mann u. a. erklärt, man müße im nächsten Jahre mit einem Defizit von 70 bis 80 Millionen rechnen. Der preußische Finanz­minister fügte hinzu, daß man angesichts dieses Defizits an eine Erhöhung der Biersteuer und Staatssteuer denken müsse.

Wie dieNordd. Allgem. Ztg." hört, soll über die Festsetzung des Zeitpunktes, wann das Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetz seinem Gesamtumfang nach in Kraft tritt, die Beschlußfassung des Bundesrats erfolgen, sobald fest­steht, bis wann die Einzelstaaten mit den Vorbereitungen und Einrichtungen für die Durchführung des Gesetzes fertig sein werden.

Ausland.

Loudon, 3L Mai. Schgtzkanzler Hicks Bench' empfing heute eine Abordnung von Omnibus-Gesellschaften, DroschLenbefitzern und anderen Fuhrwerk-Unternehmern, welche Vorstellungen wegen der Futterteuerung machten, die durch den Kornzoll hervor gerufen werde. Der SchMtzkanzler erklärte der Abordnung, es sei u n m ö g l i ch, den Kornzoll aufzugeben oder Hafer und Mais davon auszunehmen. Letztere Getreidearten müßten den Zoll ebenso gut tragen, wie Weizen oder andere als Nahr­ung für Menschen dienende Artikel. Tie erhöhten Preise für Pferde und Futterartikel dürften dem Kriege zuzu- schreiben sein; er hoffe, daß nach dem Kriege ein Sinken der Preise eintreten werde, das bedeutend größer sei, als der Betrag des Zolles. Seiner Meinung nach sei der hohe Maispreis nur vorübergeheird und auf die letztjährige ge­ringe Ernte in Amerika zurückzuführen.

Schloß Loo, 1. Juni. Ein heute veröffentlichtes Bulletin besagt: Die Genesung der Königin macht sichtliche Fortschritte. Die hohe Patientin verläßt bereits das Bett einen großen Teil des Tages und verbrachte gestern zum ersten Male eine Zeitlang im Freien. Um die völlige Heilung zu beschleunigen, wird sich die Königin einige Zeit im Schloß Schaumburg im Lahnthal aufhalten.

Paris, 1. Juni. Die Deputiertenkammer wurde heute nachmittag eröffnet. Der Alterspräsident Rauline er­öffnet die Sitzung und hält eine Ansprache, in der er die Deputierten zur Einigkeit auffordert und alsdann dem Mit­gefühl der Kammer für die Bevölkerung auf Martinique Aus­druck giebt. Darauf wird zur Wahl des provisorischen Prä­sidenten geschritten. Hierbei wurde Bourgeois mit 303 Stimmen gewählt. Deschanel erhielt 267 Stimmen.

Wien, 31. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahin das Gesetz, betreffend das Verbot des börsenmäßigen Terminhandels in Getreide und Mühlenfabrikaten, in allen Lesungen an. Am Schluß der Sitzung bittet der Abg. Wolf den Präsidenten, den Bericht des Jmmunitätsausschuffcs, betr. Auslieferung des Abg. S ch a l kf, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Gleichzeitig verlangt Abg. Schönerer, die Verhandlung der alten Jmmunitäts-Angelegen- heit Wolf-Vergani auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. Hierbei kommt es zu heftigen lärmenden persönlichen Beschimpfungen zwischen Wolf und Schönerer. Der Präsident erklärt, beiden Wünschen Rechnung tragen zu wollen.

Friede in Südafrika.

Wir verbreiteten heute in den frühesten Morgenstunden folgendes Extrablatt:

Lonbon, 2. Juni. Lord Kitchener telegraphiert vom 31. Mai: Das Schriftstück, welches die Bedingungen der Uebergabe enthält, ist gestern abend 10y2 Uhr von allen Bureudelegierten, Milner und Kitchener unterzeichnet worden. Balfour wird heute im Unterhause nähere Mitteilungen machen.

Im Laufe des heutigen Vormittags erhielten wir sodann nachstehende Telegramme:

London, 1. Juni. Die Straßen werden den ganzen Abend von einer zahlreichen Menschenmenge durchwogt, die patriotische Lieder singt. Von den Kirchtürmen ertönen die Glocken. Ueberall herrscht große Begeisterung.

London, 1. Juni. Die Bekanntmachung des Friedens­schlußes wurde von der Bevölkerung mit größter Begeisterung

ausgenommen. Vor dem Mansion-House ist ein weißes Plakat angeschlagen, auf dem in roten Buchstaben steht: Der Friede ist proklamiert! Der Lordmayor erschien auf dem Balkon und hielt eine Ansprache an die Menge.

Diese Nachrichten lassen die Welt neu aufatmen. Die Uebcrgabebedingungen sind unterzeichnet, also steht der Friede in der Thür, der Kieg ist beendet, der die Welt 21/2 Jahre lang aufs tiefste erregt hat. Wenige Stunden nach Verlauf der formellen Geburtstagsfeier des Königs Eduard traf in London diese Kunde ein; König Eduard hat also das Glück, daß zwischen dieser Feier und der seiner nun binnen kürzestem vor sich gehenden Kränungsfeier der von ihm selber ersehnte Friede geschlossen und besiegelt wird.

Am Tage vor der Krönung, also am 25. Juni, wird, wie aus Brüssel gemeldet wird, das Burenkomitee in allen größeren Städten Kundgebungen zu Ehren des Präsidenten Krüger veranstalten. Die diptomalffchen Vertreter der Buren­republiken werden an den Präsidenten Krüger eine Ergeben­heitsadresse richten. Auch im Auslande werden ähnliche Kundgebungen als Gegenstück zu dem englischen Krönungs­jubel veranstaltet werden.

Was mit am meisten aufathmet, das ist die Börse. In dec sicheren Erwartung, daß der Friedensschluß außer Frage, war schon seit ungefähr einer Woche eine vollständige Aenderung in der Börsentendenz eingetreten. Es handelte sich dabei durchaus nicht ausschließlich um Goldshares, auch die meisten Jndustrieaktien, die Bankenwerte und ein Teil der Auslandsrente gingen in die Höhe. Sind nun, da der Friede Thatsache, aber alle Hindernisse beseitigt, die einer Be­lebung des Börsengeschäftes nach Ansicht der maßgebenden Beuurteiler desselben entgegenstehen? Keine Spur! Eine Revision des Börsengesetzes ist fürs Erste nicht zu erwarten, der Entwurf ist schon einmal kaltgestellt worden und wird es voraussichtlich in der Herbstsession des Reichstags wieder werden. Es ist gut, wenn man die Verhältnisse von dieser Seite ansieht, dann müssen aber auch die Kurse einer recht erheblichen Anzahl von Jndustrieaktien bescheidenen bürger­lichen Verhältnissen sich anpaffen und dürfen nicht 6080pCt. über pari stehen, wenn nur 45pCt. Dividende zu er­warten sind.

Unmittelbare politische Friedensvorläufer sind die folgenden: In einer in Pretoria veröffentlichten Bekannt­machung wird ungeordnet, daß die Zahlung der Zinsen der Transvaalbons, welche während der Tauer des Krieges ein­gestellt war, vom 1. Juni ab wieder ausgenommen würde. Ferner hat die Wieder-Ansiedelungs-Kommission des Trans- vaal-Rand-Amtes an die dort befindlichen Flüchtlinge aus den Landbezirken, ßrie nach dem Friedensschluß aus ihren früheren Wohnsitz zurückkehren wollen, die Aufforderung gerichtet, Anmeldungen einzureichen.

Tie Nachricht, daß das Betschuana-Land an Transvaal abgetreten werden wird, wird dahin ge­deutet, daß England den Buren im letzten Augenblicke b e d e u t en d e Z u g e st ä n d n i s s e gemacht hat.

St eijn ist übrigens leidend; er hat eine Lähmung erlitten und an der Konferenz in Pereenigung nicht teil­genommen.

Tie letzten Telegramme lauten:

London, 2. Juni. Tie Mvrgenblätter besprechen den Abschluß des Friedens mit Genugthuung und zollen den Buren wie den englischen Soldaten Anerkennung.Stan­dard" nennt die Buren den tapfersten Feind, dem entgegen­zutreten den britischen und Kolonialtruppen jemals zuge- sallen sei.Morning Post" betrachtet es als eine glück­liche Fügung, daß der König zu einem Zeitpunkt gekrönt werde,' in dem das Reich, welches er regiere, stärker sei denn je zuvor.Daily News" sagt: Es liege eine größere Ausgabe als der Krieg vor dem britischen Lolk, nämlich die Ausgabe, Eintracht und Wohlfahrt in das zerrüttete Land zu bringen und den Buren zu zeigen, daß England sich im Frieden ebenso wie im Kriege auszeichnen könne. Daily Telegraph" hält es für gut, im Interesse Eng­lands, daß der Krieg zu der Zeit ausbrach, als er der Fall war. Später wäre es zu spät gewesen. 'Die Gefabr, in die England geraten sei und die es überwunden habe, sei eine tätliche Gefahr gewesen.

Paris, 2. Juni. TerMatin" schreibt: Ganz Europa sei von einer ungeheuren Last befreit worden, die sein Ge­wissen bedrückt habe. In diesem Kriege gebe es weder Sieger noch Besiegte. Tie Buren haben ihre Ehre zu herr­lich verteidigt, als daß man sie zu den Gedemütigten unb ab ge ich an en Völkern zählen könnte. Sie haben sich einen un­vergänglichen Platz in der Weltgeschichte erobert. Diese Eroberung ist soviel wert wie alle anderen. Aehnlich sprachen sich die meisten anderen Blätter aus.

London, 2. Juni. Der König erließ folgende Botschaft an das Volk:Der König erhielt die willkommene Nachricht von der Einstellung der Feind­seligkeiten in Südafrika mit unendlicher Genugthuung und hegt das Vertrauen, daß dem Frieden die Wiederherstell­ung der Wohlfahrt in seinen neuen Besitzungen rasch folge und daß die durch den Krieg notwendigerweise hervMgerufenen Empsindungen dem ernsten Zusammen- wirken aller Unterthanen des Königs in Südafrika Platz mache, um die Wohlfahrt ihres gemeinsamen Vaterlandes zu sördern.

Berlin, 2. Juni. Eine Mitteilung der englischen Regierung oder eine amtliche Meldung über den Inhalt der nunmehr angenommenen Friedens-Bedingungen liegt noch nicht vor. An Kaiser Wilhelm wurde gestern abend telegraphisch die Nachricht von dem Abschluß des Friedens nach Potsdam gesandt, ebenso wurde Reichs­kanzler Gras Bülow verständigt.

London, 2. Juni. In politischen Kreisen macht sich allgemeines Erstaunen darüber geltend, daß die Friedens- Nachricht an einem Sonntage bekannt gegeben wurde. Man schließt daraus im Zusammenhänge mit der That- sache, daß in der kurzen Kftchener'schen Meldung von den Einzelheiten der Friedens-Bedingungen kein Mort erwähnt ist, daß diese den Buren verhältnis­mäßig so günstig sind, daß die englische Regierung Ursache hat, sie allmählich bekannt werden zu lassen. Die Friedens-Bedingungen waren nicht zu erfahren. Sie werden jedenfalls heute ofsiziell verkündet werden. Es verlautet, die Opposition werde jetzt im Unterhause auf eine strenge Untersuchung der Art dringen, in der der Krieg geführt worden ist. Die Friedens-Proklamation wurde am Manseon-House angeschlagen und erregte enor­men Enthusiasmus. Der Lord-Major erschien mehrere Male auf dem Balkon des Hauses und hielt kurze Ansprachen an die begeisterte Menge. Der Abschluß des Friedens wurde in allen Kirchen verkiindet und Dankgebete ge­

sprochen. Von der St. Pauls-Kathedrale ertönte nach dem Gottesdienst ein spezielles Friedens-Geläut. Erst spät abends entwickelte sich auf den Straßen ein etwas regerer Verkehr. Die meisten großen Hotels und Klubs waren illuminiert.

Paris, 2. Juni. Es verlautet, daß eine voll st än- dig neueVerfassungfür ganzSüd-Afrika aus- gearbeitet wird, deren Hauptlinien die Buren zufrieden stellen werden.

Berlin, 2. Juni. Die Nachricht von dem Friedens-» schluß wird von den Morgenblättern mit lebhafter Be­friedigung ausgenommen. In einem längeren Artikel schreibt dasBerl. Tagebl.": Der Nachdruck der Meldung liegt darin, daß alle Buren-Delegierten die Friedens-Be­dingungen unterschrieben haben. Wenn auch viele Wun­den, die der Krieg geschlagen hat, sich nie mehr heilen lassen, so läßt sich doch manches gut machen. Es wäre der schönste Edelstein in der Krone Eduards VIL, wenn er dem Friedensschluß einen Akt umfassender Gnade folgen ließe. Für die allgemeine Lage der Kulturwelt wird der Friedensschluß günstige Folgen haben. Möge der jetzt abgeschlossene Friede eine lange Aera ungestörter Kultur­arbeit einleiten. DasKleine Journal" sagt: Die Welt­geschichte wird sür alle Zeiten die Burenkämpfer als na­tionale Helden preisen, welche ihr Gut und Blut xin-i gesetzt haben für das höchste Ideal eines Volkes, die Unabhängigkeit. Die Totenhügcl in Transvaal decken brave Briten und tapfere Buren und aus dem gemeinsamen Grabe mag die Hoffnung sprießen, daß jetzt endlich Wohl­fahrt und Glück dort einziehe und die unsäglichen Wunden heilen mögen, welche egoistische Politik und gierige Hab­sucht dem unglücklichen Lande gebracht haben.

London, 2. Juni. Aus Pretoria wird gemeldet: Die Konferenz von Vereeniging beschloß bereits am Samstag, die englischen Bedingungen anzunehmen. Tie Delegierten waren in Pretoria spät nachts eingetrosfen und unterzeich­neten sofort die Bedingungen der Wafsenstreckung. Kein Blatt veröffentlicht den Wortlaut'der Friedens- Bedingungen. Es wird nur ein amtliches Communi- que mitgeteilt, die Regierung hoffe, die notwendigen 'Doku­mente über den Friedensschluß frühzeitig genug zu er­halten, um heute im Unterhause eine offizielle Erklärung abgeben zu können. Diese Erklärung wird von einer Feier­lichkeit begleitet sein, wie eine solche den letzten Generationen noch nicht bekannt geworden ist. Heute mittag halb 12 Uhr fand ein Kabinettsrat statt. Blättermeldungen zufolge ist die Nachricht des Friedensschlusses dem Könige durch Lord Balfour noch Samstag um Mitternacht mitgeteilt wor­den. Bereits am Abend vorher war der König benachrichtigt worden, daß der Friedensschluß ziemlich sicher sei. Ter König soll in der letzten Periode der Verhandlungen einen gewissen Druck zu Gunsten des Friedens ausgeübt haben. Ein Telegramm aus Pretoria berichtet, daß sechs Kom­mandos aus Transvaal und zwei Kommandos aus dem Oranje st aat den Wunsch ausgedrückt haben, sich zu unterwerfen. Das endgiltige Resultat der Verhand- lungen wird von den übrigen Kommandos erwartet, um sich ebenfalls zu unterwerfen. Mehrere Blätter sehen voraus, daß während einer gewissen Periode noch ve r- einzelteBurentruppen, welche die Friedens-Beding­ungen noch nicht angenommen haben, den Krieg sort- setzen werden. Ter Vorsitzende der Preß-Assoziation hatte eine Unterredung mit Sir Campbell Ba n n e r m an n. Dieser sagte, die ge) tunte Nation wird sich freuen. Wir kennen zwar die Friedensbediugungen noch nicht, aber wir müssen hoffen, daß dieselben derart sein werden, daß die Buren nicht mehr versuchen, gegen unsere Oberhoheit zu tämpsen. Eine Demonstration von wenigstens 10 000 Personen sand anläßlich des Friedensschlusses gestern auf den Straßen statt. Die Kurrdgebung erinnert an diejenige anläßlich der Entsetzung von Mafeting, aber ohne die da­mals zur Schau getragene Brutalität. Die Kommentare der Blätter über den Abschluß des Friedens tonnen in zwei Kategorien eingeteilt werden, nämlich in diejenigen, welche für eine Versöhnlichkeit eintreten, und diejenigen, welche eine entschlossene Regierung sür die Zutunst fordern. Sämtliche Blätter aber erkennen die Tapferkeit der Burpn an, welche diese bei den Kämpfen an den Tag gelegt haben.

Aus Stadt und Kund.

Gießen-, 2. Juni 1902.

** Ernennung. Der Großherzog hat den Stadt­pfarrer Waldemar Petersen zu Darmstadt zum geistlichen Mitglied des Oberkonsistoriums und zum Superinten­denten der Superintendcntur Gießen mit Wirkung vom 1. Juni an ernannt. Superintendent Petersen ist, wie wir hinzufügen können, geboren zu Norder-Brarup in Schleswig-Holstein am 22. Juni 1850. Nachdem er Er­zieher des Prinzen Albert von Schleswig-Holstein-Glücksburg gewesen war, wurde er 1876 als Hofprediger des Königs von Griechenland nach Athen berufen. Im Jahre 1891 wurde ihm die Landpfarrei Mainz übertragen. Seck 1892 wirkte er als Pfarrer in Darmstadt. Außerhalb seiner Thätigkeck im Pfarramt ist er noch in keiner Weise, weder im kirchlichen Leben, noch im Vereinswesen herausgetreten.

** Das Regierungsblatt Nr. 31 enthält eine Verordnung, die organischen Bestimmungen der L a n d e s - Universität betr. (Betrifft die Bestimmungen für die Habilitierung als Privatdozent.)

** D as Verordnungsblatt für die evange­lische Kirche des Großh. Hessen, Nr. 5, hat folgenden Inhalt: Ausschreiben Nr. 8 vom 8. Mai 1902, betr. die Landeskirchenkollekte für Erbauung einer evangelischen Kirche zu Bürgel. Bekanntmachung vom 5. Mai 1902, betr. Aenderung in den Kirchengemeindeverhältnissen von Friedberg und Fauerbach. Verzeichnis der im ersten Vier­teljahr 1902 genehmigten Schenkungen und Vermächtnisse für evangelisch-kirchliche Zwecke. Dienstnachrichten. Auf­forderung zur Bewerbung.

* * Der Verein der Richter im Großherzogtum Heffen hielt am Samstag im Saale derRosenau" m Frankfurt a. M. seine Hauptversammlung ab, die zahlreich besucht war. Die Verhandlungen waren vertraulicher Natur. Als Haupt­punkte standen auf der Tagesordnung Gehalts- und Standes- ftagen.

* * Der Verein hessischer Gerichtsschreiber hielt gestern nachmittag imStorch" in Frankfurt a. M. seine Haupt­versammlung ab. Zur Verhandlung standen innerberufliche Angelegenheiten. Die Besprechungen waren daher streng vertraulicher Natur.

* * Löhlein-Deukmal. Frühere Schüler, Freunde und Kollegen des Ende des vorigen Jahres verstorbenen Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Löhlein bcasichtigen, zum Zeichen ihrer Verehrung und Dankbarkeit dem Heimgegangenen ein