Ausgabe 
2.6.1902 Erstes Blatt
 
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Bekanntmachung.

$n das hiesige Handelsregister wurde heute eingetragen:

I. Erloschen ist die Firma

1. Georg Balser zu Gießen;

2. August Haßler daselbst;

3. Sally Klebe daselbst;

4. I. Klebe daselbst;

5. Wilhelm Textor daselbst.

II. Tas unter der FirmaCarl Hem, Hotel Prmz Carl", zu-Gießen bestehende Geschäft ist aus die Carl Hem Witwe übergegangen.

Gießen, 29. Mai 1902. 4063

Großherzogliches Amtsgericht.

heben. Es wäre gewiß nicht uninteressant, zu erfahren, wie hoch der Schaden von Sachverständigen abgeschätzt würde.

Kolonialpost.

Leber die Lage im nördlichen Hinterlande von Kamerun hat die Tagung des Ausschußes der Deutschen Kolomal- Gesellschaft in Halle größere Klarheit verschafft. Der Vor­sitzende des Tschadsee-Komitees, Konsul Vohsen, hat u. a. mit* geteilt, daß der OberstleutnantPavel in der Verfolgung deS ehemaligen Emirs von Jola, Subcir, bis nach Marru a vorgerückt ist, also nahezu 200 Klm. nördlich über itic Station Garua am Benue hinaus. Außerdem ist in kolonialen zu­ständigen Kreisen das Gerücht verbreitet, daß von einem Offi­zier auch ein Vorstoß bis nach Diköa gemacht worden sei. Manche Gründe sprechen dafür, daß man sich dort dauernd festsetzt, zumal die Früchte solcher Expeditionen regelmäßig verloren gehen, wenn sich die Truppen aus dem betr. Land­strich bald wieder zurückziehen. Ein merkwürdiges Zusammen­treffen ist es, daß zu gleicher Zeit mit dem Vorrücken der deutschen Schutztruppe nach dem Tschadsee-Gebiet auch die Geschichte von der Vernichtung des Reiches Rabe Hs von Gentil erschienen ist. Der Harrptschlag gegen Rabeh geschah im April 1900 am Schari auf deutschem Gebiet. Die französische Truppe führte der Major Lamy, der nur fürchtete, daß Rabeh einem Kampfe ausweichen könnte. Da­zu schreibt Gentil: Dabei kommt noch ein delikater Punkt m Frage; Rabeh befindet sich nämlich auf anerkanntem deutschen Gebiet. Die abgeschlossenen Verträge verhinderten uns, dahin einzudringen. Was machen? Glücklicherweise hatte Lamy bei seinem Zug durch Sinder den ältesten Sohn von Hachim, dem vorletzten Sultan von Bornu, aufgefunden. Er ist der rechtmäßige Erbe von Bornu und macht auch An­spruch darauf. Da Deutschland das Landgebiet noch nicht besetzt hat, kann er uns allein ermächtigen, dahin einzudringen. Ich ließ ihm durch Gaurang, den Sultan von Bagirmi, schreiben. Die Antwort des Scheit Amar Scinda ging da­hin, daß er nicht über solche Kräfte verfüge, um gegen Rabeh vorzugehen. Er ermächtige aber Gaurang und seine Ver­bündeten, auf das Gebiet von Bornu einzudringen und in Verbindung mit ihm den gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Dieses Schreiben, schreibt Gentil, ermächtigte mich, nach meinem Gutdünken zu handeln, denn ich beging mit dem Eintritt nach Bornu keine Gebietsverletzung. Danach erfolgte am 22. 2lpril 1900 der Kampf bei Kussuri am Schari. Rabeh wurde völlig in die Flucht geschlagen.

Samoa. DieSam. Ztg." meldet: .Wie uns mit­geteilt wird, ist die Kopfsteuer der Samoaner pünktlich am 1. April eingezahlt worden. Der Gesamtertrag belief sich auf etwa 40000 Mk. In diesem Vorgang liegt ein neuer deut­licher Beweis für die Gewöhnung der Samoaner an die deutsche Verwaltung.

Aus Stadt und Zand.

Gießen, den 2. Juni 1902.

- Audienz. Der Groß Herzog empfing am 31. Mai u. a. den Unwersiäts-Forstgärtner Dörmer aus Gießen.

* Auszeichnung. Der Groß Herzog hat dem zum 1. Juli nach Halle versetzten Ober-Postdirektor Holfeld das Komturkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen.

Wegen Diebstahls wurde ein auswärtiger Taglöhner verhaftet. Er hatte seinem Tischgenossen, als dieser neben ihm eingeschlafen war, Geld aus der Tasche entwendet.

'"Patentiert wurden neuerdings: ein Brennofen für Kalk, Gement u. dergl., hergestellt von H. Hinz in Gießen; ein Verfahren zum Mischen von Hochofeneisen erster Schmelzung mit iw Kugelofen niedergeschmolzenen Eisen in einem beheiz­baren Mischer und Vergießen der Mischung, hergestellt von

H. Buderus in Hirzenhain; Kreissägeblatt mit radialen, nach der Mitte verjüngt verlaufenden Wellen, hergestellt von H. Ehr. Hansel in Gießen.

-o- Die akademische evang. Vereinigung (Ortsgruppe des evang. Bundes) hielt 'gestern abend im Cafs Ebel eine Generalversammlung ab, in der Repetent Becker einen Vortrag hielt über den Reformkatho­lizismus. Der Reformkatholizismus, führte der Refe­rent aus, stelle innerhalb der katholischen Kirche einen Gegensatz dar gegen denUltramontanismus". Ihren Anfang nahm die Bewegung vor etnxi 50 Jahren in Amerika und sie hat sich dann auch nach Europa verpflanzt. In Deutschland sind gegenwärtig drei Männer als Führer zu neuen: die Prof. Schell in Würzburg, Joseph Müller in München uni) Ehrhard in Wien (jetzt nach Freiburg be­rufen). Der Reformkatholizismus erstrebt eine Versöhnung des Katholizismus mit der modernen Kultur. Der wahre Katholizismus sei dazu berufen, die Kultur in sich aufzu­nehmen; dadurch erst könne diese auch zu einem Segen für die Menschheit werden. Er geht dabei von der Ueber- - eugung aus, daß der Katholizismus die Wahrheit sei, daß aber auch die Kultur die Wahrheit zur Führerin habe. Ta es nun nur eine Wahrheit gebe, so könnten beide gar nicht miteinander in Widerspruch geraten. Wenn sich ein­mal ein Widerspruch zu ergeben scheine, dann sei entweder die wissenschaftliche Forschung nicht richtig verfahren und müsse darum korrigiert werden, oder der Gegensatz beziehe ich auf einen Gedanken, der überhaupt nicht zur katholi­schen Wahrheit gehöre, sondern nur fälschlich dazu gerechnet werde. Tas Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes, erklären die Reformer weiter, bedeutet nicht einen Zwang, andern eine Befreiung. Sie geben ihm dabei eine andere Deutung als die Jesuiten. Während diese die Unfehlbar­keit auf das Gebiet des Glaubens und der Sitte im wer­testen Sinn beziehen, beschränken es jene auf dogmatische Formulierungen. Ter Papst ist ihnen nur insofern un- ehlbar, als er das Organ der von Gott mit der Wahrheit betrauten K i r ch e ist. Während der Jesuitismus die Philo- ophie des Aristoteles und die darauf begründete Theologie >es Thomas von Aquin zu seiner Richtschnur nimmt, er­klärt der Reformkatholizismus, die Theologie müsse sich die Ergebnisse der neueren Philosophie zunutze machen, sie dürfe nicht einfach das Alte weiter überliefern, sondern müsse es weiter ausbauen und zu den praktischen Fragen Stell­ung nehmen, statt sich in Spitzfindigkeiten zu verlieren. So besteht zwischen beiden Richtungen ein scharfer Gegensatz. Ter Reformkatholizismus, schloß Referent, sei emeBew.gung, über die man sich freuen könne, wenn es auch nach pro­testantischem Bewußtsein eine freilich wohl begreifliche Halbheit sei, daß er eben doch eine von außen garantierte Wahrheit anerkenne, aber durchdringen werde er in der katholischen Kirche nicht. ,

** Die kaiserliche Posthalterei geht mit dem 1. Juli m die Hände des Hoflohnkutschers Huhn (nicht Lohnkutschers, wie es in unserer Samstagsnummer heißt) über.

Mainz, 30. Mai. Wie dasM. I." schreibt, hat das Reichspostamt die Oberpostdirektion Darmstadt ermächtigt, wegen Erwerbung des auf der Kaiserstraße vor dem Adrni- nistrationsgebäude liegenden Anlagegeländes, des sog. Eng­lischen Gartens, mit der Stadt in Verbindung zu treten. Auf dem Gebiet, das von Anfang an als Bauplatz vorgesehen war, soll ein Hauptpostamt errichtet werden. Der Kauf­preis dürfte annähernd 500 000 Mk. betragen. Gestern abend ertönte bei dem um 10 Uhr in Bingen fälligen Schnellzug oberhalb Trechtlingshausen die Notpfeife und gleich darauf hielt der Zug auf offener Strecke. Der vierjährige Knabe einer Deutsch-Amerikanerin aus Cleoeland, welche ihren Vater besuchen wollte, hatte sich an die Waggon- thüre gelehnt, welche nachgab, und mar infolgedessen aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge gestürzt. Das Kind hatte nur geringfügige Verletzungen am Kinn, Oberlippe und Stirn erlitten und kam nach Stillegung eines Notverbandes in das Binger Hospital, wo es heute jedoch wieder entlassen werden konnte.

Eiftnblchn-ZettMg.

Sudttalieu-Mnncheu.Franrfurt London. Vom 1. Mai an ist durch die Einlegung neuer Schnellzüge zwischen München und Frankfurt a. M. im Anschluß an die zwischen Basel und Holland verkehrenden Tagesschncllzüge eine neue sehr be­schleunigte Verbindung zwischen München und dem Rheine, sowie den Niederlanden und England mit folgenden VerkehrS- zetten geschaffen worden. Nordwärts: München ab 6.50 Vm., Frankfurt an 1.16 Nm., Köln an 5.41 Nm., London an 7.48 Vm. (über Vlifsingen) und 8.00 Vm. (über Hoek van Holland). Südwärts: London ab 8.30 9hn. (über Hoek van Holland) und 6.45 Nm. (über Vlissingen), Köln ah 12.40 Nm., Frankfurt ab 4.45 Nm., München an 11.36 Nm. Diese Züge haben in Würzburg Schnellzuganschluß von und nach Nürnberg, Bad Kissingen, Bamberg, Leipzig und Dresden und führen außer einem Speisewagen noch folgende direkte Wagen: München-Vlissingen, München-Hock van Holland, Nürnberg-Frankfurt, Kisfingen-Frankfurt. Der Schnellzug der Richtung München-London hat in München unmittelbaren Anschluß an den von Italien kommenden Nachtschnellzug über den Brenner. Durch diesen Anschluß ist eine durchgehende günstige Verbindung von ©Übitalien, Rom, Florenz und Südtirol nach dem Rhein, den Nieder­landen und England hergestellt.

Auszug aus den Kirchenbüchern Der Stabt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute. Mathäusgemeiude. Den 24. Mai. Dr. Johannes Heinrich Anton Wagner, prakt. Arzt zu Hunaen und uifc Wilhelmine Ottilie Karoline Balzer, Tochter des verstorbenen Restaurateurs Karl Balzer zu Gießen. Militärgemeinde. Den 29. 'Mai. Otto Paul TrmkS, Sergeant und Hoboist zu Gießen und Lina Heß, Tochter des Schreiners Adam Heß zu Gießen.

Getaufte. Mathäusgemeinde. Den 25. Mai. Dem Fuhrmann "August Kratz eine Tochter, Emllie, geb. ben 15. März. Ein unehelicher Sohn, Heinrich, geb. den 16. Mai. Markus- gemeinde. Ten 25. Mai. Dem Schneider Georg Schmidt eine Tochter, Margarethe Christiane, geb. den 5. April. Luk a S- gemeinde. Deri 23. Mai. Dem Oberlehrer Dr. Richard Trapp ein Sohn, Arnold Adolf Hans Otto, geboren den 20. März. Den 25. Mai. Dem Wirt Fritz Teigler ein Sohn, Karl Louis, geboren den 28. April.

Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 27. Mau ver> mann Röder, Kaufmann, ledig, 44 Jahre all, starb ben 24. Mai. Den 29. Mai. Heinrich Curfchmann, Lehrer t. P., ein Witwer^ 83 Jahre alt, starb den 27. Mai. Markusgemeiude. Den 27. Mai. Elisabethe Petri, geb. Kräling, Witwe des verstorbenen 'Maurermeisters Christian Petri, 72 Jayre alt, starb ben 25. Mai. Lukasgemeiude. Den 28. Mai. Helene Babel, geb. Klug, Ehefrau des Schloffers Hartmann Babel, 68 Jahre all, starb den 26. 'Mai..

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Bekanntmachung.

Die diesjährige Heuernte von der städtifcheu Wiese am Hamm, zwischen Hammweg, Wieseck und Eyenbahndamm gelegen, zirka 1'/, Morgen, soll

Donnerstag de« 5. Mai b. nachmittags 5 Uhr,

rn Orr und Stelle meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 30. Aiai 1902. . 4049

Grvßherzogltche Bürgermeisterei Gießen.

Mecum.

Bekanntmachung.

In dem hiesigen Genoffenschaftsregister wurde heute bezüglich des landwirtschaftlichen Konsumvereins Leihgestern 11 e G. m. u. H. vorgemerkt, daß für das infolge Krankheit verhinderte Vorstandsmitglied Balthasar Brücket Johannes Eiff IV. zum Vorstandsmitglied bestellt isi.

Gießen, am 30. Mai 1902. 4064

Großherzogliches Amtsgericht.__

Gothaer Lebensversicherungsbank.

Versicherungsbestand am 1. Dezember 1901 806 . Mill. Mark.

DGwende im Jahre 1902: 30" bis 135 °/° der Jahres-Normal- Prämie je nach dem Aller der Persicherung.

Vertreter: Heinrich Hochreuther, 56 Sfidanlage 5.___

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Genossenschaft m. unb. H., Reiskirchen.

Vermögens-Bilanz Ende CeMsjahres IM.

Aktiva. X H

Kaffabestand 1993.79

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Genossenschaften 100.

Inventar 80.

Warenbestand 1893.79

Ausstände bei Ge­nossen 2204.07

Sonstige Schuldner 9.59

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Passiva. JL H

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Genoffen 553.60

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