gleitet von acht Herren seiner Suite, per Fähruad auf der Landstraße nach Londonderry, wo er mit seinem Ge- olge einen Spaziergang machte, um die Stadtmauern und verschiedene historisch denkwürdige Plätze zu besichtigen. Ein öffentlicher Empfang unterblieb, da der Bürgermeister zur Eröffnung der Ausstellung nach Cork gereist war.
— Im Unterhause erklärte der erste Lord des Schatzes, Balfour, bezüglich der F r i e d e n s v e r h a n d- jungen besitze die Regierung gegenwärtig keine Jn- ormation, die er dem Hanse Mitteilen lönne. In Beantwortung einer Anfrage über die transatlantische Schiffahrtskombination führt der Handelsminister Gerald Balfour aus, die Regierung sei über die Natur der Transaktion informiert, aber die Information wurde vertraulich gegeben . Ich bin nicht in der Lage, irgend eine Mitteilung über die genauen Bestimmungen >es Abkommens zu geben, ich kann aber sagen, daß es eine Aendernng in der Nationalität der Schiffe nicht notwendigerweise involviert. Mit großer Achtsamkeit wird darauf ge- ehen werden, daß keine Gesetzesverletzung erfolgt. Ich änn bezüglich der Schritte der Regierung in der Angelegenheit keine andere Mitteilung machen, als bereits erfolgt ist. — Dem „Standard" wird aus Tientsin gemeldet, eine hervorragende deutsche Firma habe Schritte ge- than, um unter chinesischem Namen das Opium Monopol ür ganz China zu erhalten; sie wolle der chinesischen Regierung eine hohe Abgabe dafür bezahlen.
Wien, 1. Mai. Ter Verband der D euts ch e n Vo lks- r arte i hat beschlossen, den Sp rachenan tr ag der alldeutschen Vereinigung der parlamentarischen Kommission des Verbandes, welche seit längerer Zeit sich mit der Frage des Sprachengesetzentwurfes beschäftigt, zur Beratung zuzuweisen. Die Deutsche Fortschrittspartei be- chäftigte sich gleichfalls mit dem Sprachenantrage der alldeutschen Vereinigung. Es wurde hervorgehoben, daß die Angelegenheit nur im Einvernehmen aller deutschen Parteien verhandelt werden könne. Der Vorstand wurde demgemäß beauftragt, zunächst mit der deutschen Volks- )artei in dieser Frage Fühlung zu nehmen.
Amsterdam, 1. Mai. Tie Konferenz zur Vorbereitung des deutsch-niederländischen Post-Vertrags soll im Juni in Utrecht abgehalten werden.
Helsingfors, 1. Mai. Das Domkapitel von Borga verurteilte fünf Pfarrer, die sich geweigert haben, das neue Wehrpflichtgesetz in den Kirchen zu verlesen, zu Geldstrafen; der Propst von Hertzen in Borga wurde zur Zahlung einer Strafe im Betrage von drei Monatsgagen, vier Landpfarrer zu Strafen im Betrage von zwei Monatsgehältern verurteilt; ein Pa^or wurde freigesprochen.
Tripolis, 1. Mai. Gestern find 2000 Mann Truppen aus Konstantinopel mit acht in Deutschland ausgebildeten Offizier en hier angekommen.
Die geniale geistige Arbeit, die in chr steckt, zu bewundern und mich an der Thatkrast zu freuen, deren deutsche Köpfe und deutsche Arme fähig sind! Wenn irgendwo, hier konnte man lernen, daß opferfreudiger Wille Großes zu vollbringen vermag. Niemand kann daher dem Werke inniger und aus aufrichtigerem Herzen Gedeihen und Erfolg wünschen, als ich es thue! Industrie und Handel treten heute mit der Kunst einträchtig verbunden auf den Plan. Das, meine ich, gibt einen ganz besonders guten Klang. Daß man in Düsseldorf, wo die Fabrikschornsteine rauchen und die Eisenhämmer pochen, der Kunst einen Tempel errichtete, wie er heute die Ausstellung schmückt, das mag der Welt beweisen, daß wir Deutschen im materiellen Wetbewerb die ideelle Aufgabe nicht vergessen. Nur noch ein Wort, um Derer zu gedenken, welche sich um das Gelingen der Ausstellung, deren Eröffnung wir feiern, ein großes uiid bleibendes Verdienst erwarben. Sie alle, vom obersten Leiter bis zum letzten Arbeiter, wollen wir von Herzen beglückwünschen. Sic alle mögen stolz auf ihre That sein. So düilen wir hoffen, daß der Lohii für so viel Mühe nicht ausbleibe, daß der Ausstellung ein voller Erfolg be° schieden sei. Tiefem berechtigten Wunsche lassen Sie uns Ausdruck geben in dem Ruse: Tie rheinisch-weslphälische Industrie, das Gewerbe und die gesamte deutsche Kunst: Hoch! hoch! hoch!
Nach Beendigung des Festmahls wurde der Kaffee im Weinrestaurant eingenommen, worauf der Rund gang durch die Ausstellung fortgesetzt wurde. Um 5 Uhr reiste der Kronprinz nach Bonn zurück.
K. Düsseldorf, 1- Mai.
Unserer gestrigen Beschreibung des Kunstpalastes fei noch kurz folgendes angefügt: Gerade gegenüber vorn Knnstpalast ist eine schwarze Panzerplatte aufgestellt, auf der folgende Ziffern verzeichnet stehen: 13160 Millimeter Länge, 3400 Millimeter Breite, 300 Millimeter Dicke, 106 000 Kilogramm Gewicht. Diese Panzerplatte von über 2000 Zentnern ist nur ein Bruchteil der Krupp-Ausstellung. Eigenartig in seiner architektonischen Wirkung mit zwei Kuppeln in Form von Hängetürmen erhebt sich der originelle und gewaltige Bau von Fried. Krupp. Um das Haus, in dem die Krupp-Ausstellung sich befindet, winden sich schwere Goldverzierungen aus Eisen wie eine Symbolisierung der Anschauung, daß aus Eisen Gold werden kann.
Dann kommen in bunter Reihe die Baulichkeiten des Bochumer Vereins, an denen noch lustig große Stücke Blattgold angeklebt werden, der Hörder Verein, die Riesenfontaine mit zwei Brücken des Deutschen Beton-Vereins, die Gute-Hoffnungs-Hütte, die einzelnen Abteilungen der großen Ausstellungshalle mit dem mächtigen, ein wenig bunt wirkenden Kuppelsaal, in dem die Eröffnungsfeierlichkeiten stattfanden, der interessante Bergbausaal mit dem naturgetreuen Modell der Zeche Shamrock und das Haupt- Weinrestaurant. Die Gute-Hoffnungs-Hütte hat sich nur des Eisens bedient, und sie erzielt hiermit einen überraschenden Effekt, denn diese Eifenlinien und Eisenwindungen, diese Eisentürme und Eisenloggien wirken hier nicht nur durch ihre charatteristtsche Stileinheit, sie wirken auch künstlerisch und graziös. — Die architektonischen Wundes und Wunderlichkeiten, die leichten und die massiven Prachtbauten nehmen kein Ende. Moderne Restaurants und altertümliche Weinhäuser, Schloßruinen und verfallene Burgen, in denen der müde Ausstellungswanderer Rast und Erquickung findet, steigen aus, in machtvollen Dimensionen breitet sich im Angesicht des Rheines stolz der Jndustriepalast aus, dessen mittlere Fa?ade der Kaiseraar mit der glänzenden Kaiserkrone schmückt; und unter dem deutschen Kaiseraar steht der Wahcspruch des Habsburger Kaiserhauses viribus unitis. Neben all' der echten, herrlichen Natur leuchtet aber auch ein Stück erkünstelte Natur hervor — das Suldenpanorama; es ist ein geradezu verblüffender • Effekt, wenn Plötzlich grüne Matten und schneebedeckte Gipfel auftauchen, sich weit, weit hinziehen unö noch in fernster Ferne in verschiedener Beleuchtung sichtbar sind. An Den Ufern des deutschen Rheines leuchten weiße Kuppeln und schlanke Minarets; auaj Düsseldorf wird (einen Vergnügungspark, sein Kairo am Rhein haben.
Jle c£age in Südafrika.
Die „Daily Mail" schreibt: Obwohl die Aussichten sehr hoffnungsvoll sind und allgemein das Empfinden herrscht, daß die gegenwärtigen Unterhandlungen mit dem Frieden endigen werden, ist es doch gewiß, daß eine viel längere Frist verstreichen wird, als die drei Wochen, von denen Balfour im Unterhause sprach. Man hält es nicht für unwahrscheinlich, daß, wenn die Verhandlungen in Vereeniging wieder aufgenommen werden, dann ein neuer aber sicherlich fruchtloser Versuch gemacht werden wird, die den Buren-Delegierten in Pretoria vorgelegten englischen Bedingungen zu modifizieren. — Die Frage der Amnestie soll dem Bureau Reuter zufolge den Stein des Anstoßes bilden. Inzwischen naht der Winter und die englischen Militärbehörden werden, um keine Gelegenheit zu versäumen, sehr wahrscheinlich die Operationen im Felde neu ins Werk setzen. Die Freistaat Kommandos bieten, tvie zu erwarten war, die größte Schwierigkeit. Die Transvaaler sind bei weitem friedlicher.
Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Maritz- bur g legte im Parlament von Natal der Premierminister die Korrespondenz mit der englischen Regierung über die Ausdehnung der Grenzen von Natal auf den Tisch des Hauses. Natal wird ein neues Gebiet erhalten, wozu die Distrikte Vryheid, Utrecht und ungefähr der auf Natalscher Seite der Drakensberge belegens Teil des Distriktes Wakkerstroom gehören. Das neue Gebiet umfaßt 7000 englische Quadratmeilen, 8000 weiße und 50000 eingeborene Bewohner. Natal übernimmt dafür 700 000 Pfund Sterling der transvaalschen Schuld. Natal tritt an Transvaal einen Landstreifen an der Tongo- landküste mit der Kosibai ab, welche Krüger als Hafen wünschte.
Die „Central News" meldet aus Pretoria: Die militärische Lage ist unverändert. Kitchener betreibt, wie zu erwarten war, die Operationen nicht mit Nachdruck, um die Bewegungen der Burenführer nicht zu behindern, während sie mit ihren Leuten verkehren, um i)te Lage zu beraten. Viele Versammlungen sind unter zahlreicher Beteiligung von Buren bereits abgehalten worden. Dewet hielt eine Versammlung in Bethlehem ab, und vor Ende dieser Woche noch wird er eine andere in Dewetsdorp abhalten. Reitz hielt eine Ansprache an Beyers Kommando; Louis Botha hielt mehrere Versammlungen in der Nähe von Vryheid ab. Delarey ist mit den Kommandos im westlichen Transvaal beschäftigt. Das Endresultat der Beratungen kann man nicht Vorhersagen, doch heißt es, daß die bisher befragten Buren zum Frieden neigen.
Der deutsche Burenhilfsbund versendet folgendes Schreiben: Wie schon früher bekannt gegeben, hat die Pro-Boer-VereinigungimHaag den Plan gefaßt, eine internationale Kun st Verlosung int Haag zu veranstalten, deren Ertrag den Bewohnern der Konzentrationslager zu gute kommen soll. Aus allen Ländern sind zu diesem Zwecke Kunstgegenstände eingesandt worden, und in verschiedenen Landern sind die von den Künstlern dieser Länder geschenkten Bilder, Skulpturen, Modellierungen usw. vor der Msendung nach dem Haag zu einer nationalen Kunstausstellung vereinigt worden. Da nun der Endtermin für die Annahme von Kunstwerken auf den 15. Mai festgesetzt ist, so erfrört sich derDeutsche Burenhilfsbund, Berlin W., Kurfürstendamm 235, bereit, alle bis zum 12. Mai bei chm eingehenden oder an- gemeldeten Sachen von Berlin aus auf seine Kosten nach dem Haag zu senden, und bittet die deutschen Künstler, ihre Gaben mit. denen der Künstler anderer Länder zu bereinigen, damit die Ausstellung im Haag und die Verlosung wirklich international werde. Wo so viel wie in unserem Lande aethan wird zur Linderung der schrecklichen Not in Süd-Afrika, da werden wohl die d eu tsch en Künstler nicht zurückstehen wollen hinter ihren ausländischen Kollegen.
Deutsches Wich.
Berlin, 1. Mai. Der Kaiser, umgeben von den Herren des Hauptquartiers und den fremdherrlichen Offi- . zieren, besichtigte heute vormittag auf dem Tempelhofer Felde je ein Bataillon des 3. Garde-Regts- z. F. und des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regts., sowie das Garde-Pionier-Bataillon. An die Besichtigung schloß sich unter Hinzuziehung von Infanterie, einiger Schwadronen Dragoner und Artillerie ein Feuergefecht, das in einem Angriff der besichtigten Truppen von Schöneberg her gegen einen in der Hasenheide aufgestellten markierten Feind bestand. Nach der Kritik nahm der Kaiser mllitärische Meldungen entgegen und nahm einen Vorbeimarsch sämtlicher beteiligten Truppenteile ab. An der Spitze des Bataillons vom Franz-Regiment begab der Kaiser sich sodann nach dem Kasernement dieses Regiments und nahm im Offizierkasino das ^rühstüÄ ein.
— König Oskar von Schweden, der sich zur Zeit in Biarritz aufhält, wird im Frühjahr nach Ems und Wiesbaden kommen. Auch wird er Berlin berühren, um dem Kaiser einen Besuch abzustatten.
— Der Kaiser verlieh dem General-Inspekteur der Fußartillerie General Edler von der Planitz zu seinem heutigen 50jährigen Dienstjubiläum den schwarzen Adlerorden mit einem sehr gnädigen Handschreiben.
— Dem Kommandanten von Karlsruhe, Generalleutnant v. Brösigke, ist der erbetene Abschied unter Verleihung des Sterns der Komthure des Hausordens von Hohenzollern genehmigt.
— Die beiden freisinnigen Fraktionen des Reichstags haben den Beschluß gefaßt, wenn die Vorlage über die Bezahlung der Mitglieder der Zolltarifkommission zu stände kommt, das Geld nicht anzunehmen.
— Wie der „Frkf. Ztg" aus London telegraphiert wird, ist die Nachricht, Lord Roberts sei in Wiesbaden zur Kur eingetroffen, falsch. In Wirklichkeit sei Lord Roberts in Lonoon und hielt gestern nachmittag auf der Jahresversammlung der königlichen Schule für Offizierstöchter, die unter Vorsitz des Herzogs von Cambridge stattfand, eine Rede. Offenbar liege eine Verwechselung mit Dem Parlamentsabgeordneten Oberst Saunderson vor, der Roberts ähnlich sei.
Ausland.
London, 1. Mai. Heute vormittag traf das erste deutsche Geschwader, das unter dem Befehl des Prinzen Heinrich auf der drillen Uebungsreise nach der Nordsee begriffen ist, in Loughswilly, an der Nordküste Irlands, ein. Das Geschwader ist direkt van Kiel über Arordschollland dorthin gefahren. Prinz Heinrich landete tzllt Gefolge in Buneraua und fuhr von dort sofort, >•*
Der Weltseiertag der Sozialdemokraten ist im allgemeinen in diesem Jahre recht still verlausen. Zum Teil mögen dazu wohl die von vielen Arbeitgebern beschlossenen Aussperrmaßregeln für die am 1. Mai Feiernden beigetragen haben, zum Teil mag aber auch die Ungunst der Lage der Industrie für viele ausschlaggebend gewesen sein, die Furcht, nach der Ent-, lassung nicht sofort wieder Arbeit zu erhalten. Gewiß ist es jedermann von Herzen zu gönnen, wenn er sich einmal eilten Tag erholen kann: zu verwerfen ist es aber icherlich, zu feiern, wenn damit ein Ausfalt des Lohnes verbunden ist. Es bleibt schließlich ja auch nicht bloß bei dem „minus" an Einnahmen, vielmehr kommt noch ein „Plus" an Ausgaben hinzu, also ein doppelter Verlust, Der von den Arbeiterfamilien, die im großen und ganzen auf ihren Verdienst angewiesen sind, gewiß recht schwer empfunden wird.
In B er l in war von der Maifeier im äußeren Sträßew- bilde fo gut wie nichts zu merken . Auf allen Bauten und in allen Fabriken wurde gearbeitet. Es fanden etwa 30 zahlreich besuchte Versammlungen der organisierten Gewerkschaften statt. Tie Zahl der Teilnehmer wird auf 20 000 geschätzt. Auch Frauen nahmen in großer Zahl an den Versammlungen teil. Tie Mehrzahl der Besucher gehörte der Bau- und Goldarbeiterbranche sowie der Metall- iudustrie an. Maurer und Zimmerer waren besonders zahlreich erschienen . Tie Zahl Der wirklich Feiernden war, bisher nicht beftimmt festzustellen, Da die Arbeitslosen als Versammlungsbesucher in Betracht kommen. Tie Droschkenkutscher haben ihren Beschluß, am 1. Mai nicht zu fahren, teilweise iiicht ausgeführt. Die Anarchisten haben eine besondere Maifeier diesmal nicht veranstaltet. Von den beiden Anarchisteiiblättern „Neues Leben" und „Tie Freiheit" erschien die erstere in roter Ausgabe, die letztere in größerem Format als Propaganda-Nummep für den 1. Mai. In allen Versamnilungen wurde die vom „Vorwärts" bekannt gegebene Resolution angenommen, in der es u. a. heißt:
„Vor allem bekunden die Versammelten, daß sie es nach wie vor als ihre vornehniste Ausgabe betrachten,- einzutreten für Reformen auf wirtschaftlichem Gebiete, Schaffung eines ausreichenden, wirksamen Arbeiterschutzes, insbesondere für den Achtstundentag. Tie Zollvorlage der Regierung bedeutet eine wesentliche Verschlechterung der Lebenshaltung Der arbeitenden Klasse. Für dieses Verhalten sprechen die Versammelten der Regierung ihre entschiedenste Mißbilligung aus und erwarten, daß die Regierung ihre Zollvvrlage zurückzieht. Die Versammelten bekunden ihre tiefste Entrüstung gegenüber dem Erlaß des In st iz Ministers, daß bei Streiks gegen die Arbeiter der § 153 der Reichsgewerlbe- ordnnng im Verein mit dem Erpressungsparagraphen des Strafgesetzbuches angewendet werden soll. Die Versam- melteii verlangen energisch die Gewährung des vollen Koalitionsrechts."
In Karlsruhe beteiligten sich an der Maifeier nut ungefähr 500 Arbeiter, da die verflossenen Festtage hier schon für genügend freie Arbeitstage gesorgt hatten. Ein Abendseft war gut besucht. — Auch in Leipzig ist die Feier ohne Störung unter schwächerer Beteiligung als sonst verlausen. Reichstagsabgeordneter Bebel hielt im Vorort Stötteritz die Festrede. — Ebenso war in Dresden die Beteiligung mäßig, fast überall wurde gearbeitet. Die Versammlungen waren leidlich besucht, eine wurde aufgelöst. Auch hier dürfte der Grund der schwachen Beteiligung darin liegen, 'd>aß verschiedene Unternehmervereinigungen den feiernden Arbeitern Entlassung angedroht haben. — In Hamlburg wurde der Maifestzug in gewohnter Weife ausgesührt. Trotz sllömenden Regens war die Beteiligung sehr stark.
Auch die aus dem Auslande bis jetzt vorliegenden Meldungen besagen insgesamt, daß die Maifeiern ohne Störung verlausen sind und eine schwächere Beteiligung als sonst aufwiesen. — So meldet man aus Brüssel, daß der Maitag im ganzen Lande unter dem Zeichen der durch die letzten Arbeiterbewegungen hervorgerusenen Abspannung stand . Im Centre und im Borinage wurde in in den meisten Betrieben gefeiert, sonst war die Arbeitsunterbrechung überall nur sehr partiell. Nirgends wurde auch nur im mindesten die Ruhe gestört. — In Zürich verlief die Feier der Arbeiterschaft in herkömmlicher Weise. In verschiedenen Festversammlungen wurden auch Protestresolutionen gegen den neuen, die Lebenshaltung der ärmeren Klassen verteuernden Zolltarif gefaxt — In Frankreich hat der erste Mai weder in Paris noch in den Industriestädten der Provinz zu besonderen Kundgebungen geführt . Die Arbeit wurde nirgends eingestellt. — Nur in Genua veranstalteten die Arbeiter eine imposante Kundgebung. Ein Zug von fünfunddreißigtausend Arbeitern passierte die Sllaßen von Genna nach Sampierdarena, wo der Deputierte Pietro Chiesa eine Rede zur Maifeier hielt.
Was die Feier in unserem engeren Vaterlande und den Nachbargebieten betrifft, so sind sie ebenso wie in den anderen deutschen Landesteilen unter schwacher ober wenigstens schwächerer Beteilung als sonst ruhig verlaufen. — Aus Mainz wird uns geschrieben, daß die sozialistische Maifeier ziemlich unbemerkt vorübergegangen ist. Unter schwacher Beteiligung fand am Vormittag in einem nicht sehr geräumigen Saale eine Festversammlung statt, der am Nachmittag ein Ausflug mit Musik und Fahne nach dem Vororte Hechtsheim folgte. Am Abend fanden in verschiedenen Wirtschaften wiederum Zusammenkünfte der Genossen statt. In den meisten Fabrikgeschäften wurde wie an allen Tagen gearbeitet. — In Frankfurt a. M. fanden fünf öffentliche Volksversammlungen statt. Die Versammlung in der Concordia, wo Redakteur Zielowski sprach, war außerordentlich stark besucht. Es gelangte folgende Resolution zur Annahme:
„Die heute am 1. Mai versammelten Männer und Frauen geloben aufs Neue, für die Durchführung der Beschlüsse des internationalen Arbeiterkongresses zu Paris vom Jahre 1889 mit allen Kräften wirken zu wollen, um einen wirksamen gesetzlichen Arbeiterschutz und eine vernunftgemäße Verkürzung der Arbeitsdauer, den Achtstundentag zu erlangen. Die Versammlung erklärt ferner angesichts der drohenden Volksausbeutung durch den Brotwuchertarif und der sonstigen Bedrückungs- und Entrechtungsversuche der reaktionären Parteien, beharrlich weiter wirken zu wollen für die Beseitigung des Militarismus, damit an Stelle des Völkerhasses und des barbarischen Völkermordes der dauernde Friede und ein edler Wetteifer aller Völker treten kann, der statt Zollschranken anfzurichten und Brotwucher zu treiben, die Kultur und Wohlfahrt jedes Volkes hebt. In diesem Sinne entbietet die Versammlung dem lcasfenbewußten £roleteiri«te der ganzen Erde üjtmi brüderliche« Gruß.


