Erstes Blatt.
152. Jahrgang
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l Bülow — Chamberlain.
JSSn ' ö?$ c herab stimmende Ausblicke er- antworten gedenken, daß — seitens New-Norker GroK-
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Donnerstag 2. Januar 1003
und Cardenas in Betrieb gesetzt wird.° Die Gründung hat den ausgesprochenen Zweck, den Deutschen auf Kuba den
Landerwerb aus. Dagegen wird sich die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen beiden Mächten, besonders in Mitteb- amerika-Westtndien, während des neuen Jahres allem An- fchern nach erheblich verschärfen. Die Schiffslinie zwischen New-York und den Zentralamerikanischen Häfen befindet sich bekanntlich seit dem Ankauf der Dampfer der „Atlas- LiNie" durch die Hamburger Paketfährt - Gesellschaft in deutschen Händen, und zwar kommt für diese Fahrten der Handel mit Kuba an erster Stelle in Betracht. Seitens der erwähnten Hamburger Rhederei ist nun im Fahrplan
Em Berliner Mitarbeiter schreibt unterm 1. Januar: Der Reichskanzler legt Wert darauf, durch die „Nordd. Allg. Ztg." seststellen zu lassen, daß nicht, wie behauptet worden war, von chm die Verschiebung der. Etatsberatung un Reichstag angeregt worden sei, um die Erörterung der bekannten Chamberlain sch en Aeußerungen gegen deutsche Krieger zu verzögern. Darnach nimmt also Gra: Bülow mcht das mindeste Interesse daran, Herrn Cham-
kommen, ich fühle ihn nahen. Und dann ist Kaiser Wilhelm der. Vollstrecker unsrer Träume."
Wilhelm II. und Goethe. In der neuesten Nummer der „Zukunft" lesen wir folgende Gegenüberstellung zweier Auslassungen Wilhelm II. und Goethes über „Künstler und Stofs": „Wenn die Kunst, wie es jetzt vielfach geschieht, weiter nichts thut, als das Elend noch scheußlicher hinzustellen, als es schon ist, dann versündigt sie sich damit am deutschen Volke." (Kaiser Wilhelm II. am achtzehnten Dezember 1901.) „Die Kunst an und für sich selbst ist edel; deshalb fürchtet sich der Künstler nicht vor dem Gemeinen. Ja, indem er es aufnimmt, ist es schon geadelt; und so sehen wir die größten Künstler mit Kühnheit ihr Majestätrecht ausüben." (Goethe: Sprüche.)
Berlin, 31. Dez. In der „Nat.-Ztg." veröffentlichen 24 Berliner Architekten folgende Erklärung: Die unterzeichneten Architekten erklären sich hierdurch grundsätzlich gegen den Wiederaufbau mehrerer Teile des H e i d e l b e r g e r S ch l o s s e s. Nach ihrer Ansicht wird auch die lijn Aussicht genommene Wiederherstellung des Otto Heinrich-Baues das Bild vernichten, welches seit Jahrhunderten durch seine unvergleichliche Schönheit das deutsche Volk begeistert hat und ein Besch der ganzen gebildetenj Welt geworden ist. Die Unterzeichneten erachten es als Pflicht der deutschen Architekten, die Ruine des Heidelberger Sck)losses lediglich gegen Verfall zu schützen, ohne den gegenwärtigen Gesamt-Eindruck zu verändern.
Ottawa, 1. Jan- Marconiist gestern von dem anadischen Minister empfangen worden, der ihm seine Mithilfe versprach, um die Versuche mit der drahtlosen Telegraphie fortsetzen zu können. Marconi erklärte, nach seiner Rückkehr werde er von Kapstadt aus Versuche mit anderen südafrikanischen Städten machen.
Uebrigens ' ist nicht anzunehmen? daß "bereits'auf Mntlrchem Wege von Berlin aus nach Wien Verstimmung
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Professor MutHer üöer Wilhelm II.
Der Breslauer Universitätsprofessor Richard MutHer, Aschen in Leipzig eine vortreffliche Kunst- geschichtein Heinen 80 Pfg.-Bändchen erscheinen läßt und dessen große Geschichte der Malerei im 19. Jahrh. so außer- vrdwtttch fruchtreich gewirkt hat, aber ebenso stark anae- lerndet wurde wegen ihrer überaus zahlreichen ungenierten, Entlehnungen, hat sich soeben in verwunderlicher Weise über die Stellung Kaiser Wilhelms zur Kunst unserer 'Tage ausgesprochen. MutHer richtet eine begeisterte Ode
Kaiser Wilhelm". Er findet in der Rede „goldne Worte", -Mhaltsschwere herrliche Sätze". „Ein Großer der Ber- .gangenheit" — so sagt MutHer —, „scheint aus seinem rebeu: s^lz und selbstbewußt, seinem persön- ttchen Geschmack vertrauend die Künstler anregend und zugleich vom Respekt vor dem Genius durchdrungen". Ml- Mm II. rst aber auch der „moderne Mensch":
,, ,^^nn lediglich dem Glanz des medieeischen Hauses ^eo X" öie Kunst gedient- Ein Mittel der Selbstberaucherung war sie dem Sonnenkönig. Im Kopf Karser Wilhelms ist Schillers Gedanke von der ästhetischen Erzichung des Menschengeschlechts lebendig. Er kennt dre Kulturmrsfton der Kunst. Er denkt nicht an sich ®§eat' das Haius HohenMcrn, nein, an das arme, schönheitsdürstende Volk.
, Der Traum unserer Zeit ist hier in Worte gefaßt. Uns war es em Traum nur. Du kannst ihn verwirklichen- Heil, Kaiser Wilhelm! Das ist das Große, das Bewundernswerte des deutschen Kaisers, was, ach, so wenige Fürsten mit ihm teilen. Er hört das Herz der Zeit rn seiner Brust Pochen, fühlt sich mitten in der Brutwärme der Gedanken, die im Kops unsrer Größten,' unsrer Edelsten reifen. Und er wird sie zum Leben führen, des darf man sicher sein. Wann wird der Augenblick kommen? Wann
Russische Projekte.
Der russische Finanzminister Witte verfügt dem An- chein nach über einen unverwüstlichen Optimismus. Als vollgiltige Dokumente hierfür können die Budgetberichte gelten, die der Minister am (russischen) Neujahrstage dem Zaren zu erstatten pflegt. Seit Herr Witte int Amt ist, md diese Berichte in rosigen Farben gehalten. Es war ein Ding der Unmöglichkeit, daß der Zar aus dem Studium der Denkschrift eine andere als günstige Auffassung von der wirtschaftlichen Entwickelung seines Reiches gewann. Auf
Wrnd aus den Segeln zu nehmen. Aehnliches wird aus Mexiko berichtet, das für die deutsche Exportindustrie, namentlich für Eisenwaren, ein gutes Absatzgebiet darstellt Es soll von New-York aus eine große Aktion im Gange >em, den deutschen Wettbewerb einzudämmen. Die Mexikaner bevorzugen zwar erfahrungsgemäß das deutsche Fabrikat; es ist aber nicht ausgeschlossen, daß das Massen- augebot und der voraussichtlich nicht zu unterbietende Preis der amerikanischen Ware den deutschen Firmen Kunden abspenstig macht. Die Amerikaner haben bei diesem Wettbewerb zudem den Vorteil für ftch, daß sie ihre Seefrachten ungleich niedriger kalkulieren können, als die deutschen Rheder und Exporteure.
wird der seltsame Fürst, den die gleichen Empfindungen, die gleichen Jdeengänge mit uns verbinden, diese Verwandtschaft fühlen?
Die moderne Lkunst ist bei Kaiser Wilhelm verleumdet. Böswillige, die um ihren Posten besorgt sind, haben ihm ms Ohr gesetzt, ihm Lügen aufgebunden, die dümmsten Oberförster-Geschichten erzählt. Der Sozialismus— ja natürlich! Das ist für einen Fürsten dasselbe, wie für einen Toro das rote Tuch. Aber wo sind nur die Bilder, die ,ä>as Elend noch scheußlicher hinstellen, als es ohnehin ist, und sich damit am deutschen Volke versündigen?" Die Grundnote der gegenwärtigen Kunst ist eine .idealistische, romantische. Die Phantastik, die Legende, das Märchen herrscht. Ganz wie der Kaiser es aussprach: die Kunst will uns ermöglichen, uns nach harter Mühe und Arbeit am Schönen zu erfreuen, aus unsren sonstigen Gedankenkreisen herauszutveten."
Diese moderne Kunst ist — das beteuert MutHer übrigens durchaus zutreffend — ganz und gar nicht sozialistisch revo- lutronär, sie ist märchenhaft-romantisch, völlig harmlos. Und nun haben Begas und Werner, Lessing und Eberlein die Modernen schamlos aus der Gun st des Herrschers verdrängt indem sie diese Kunst als sozialistisch anschwärzten. Also schreibt Richard MutHer:
„Der unerllärliche Widerspruch, der zwischen den Worten des Kaisers und seinen Thaten besteht, geht nur darauf zurück, daß noch alle Herren ihn umschmeicheln, dte aus Zetten der Unkunst stammen. Wenn sie erst einmal tot sind, wenn Männer seiner Generation ihn umgeben, wenn das Bollwerk von Lügen beseitigt ist, das falsche Ratgeber aufbauten, dann wird er nicht mehr Reinhold Begas, den seichten Epigonen des Barock, mit den Griechen, die braven andern Herren mit Meistern der Renatsfattee vergleichen. ... Ich sehe den Moment schon
mit dem Ziel, möglichst glimpflich über Schwierigkeiten des Augenblicks hinwegzukommen, hat noch immer schlimme Folgen gehabt. Es ist eine bedeutungsvolle Mahnung, tote so manche andere, vermutlich in den Wind geschlagen wrrd, bis es zu spät ist.
Klatschgeschichten vom italienischen Konigshofe weiß wieder einmal eine englische Wochenschrift zu erzählen: „Die junge Königin Helene, so heißt es rn jener Betrachtung, „wird bei weitem bezüglich ihrer Bedeutung, dte sie in Bezug auf die äußere Poli- ttk Jtaltens ausübt, unterschätzt. Man glaubt all- gemetn, daß dte hohe Frau ihre Zeit mit ihrem Kinde, Jagden, Ausfahrten und Segelfahrten mit ihrem Gatten öerbrtitgt, toas jedoch keineswegs zutreffend ist. Italien steht tn der That heute unter russischem Einfluß (!). Königin Helene ist bekanntlich eine Tochter des montene- grmtschen Fürstenhauses. Die Umtriebe . moskowitischer Agenten gehen seit Jahr und Tag darauf hinaus, Italien der Tripelalltanz zu entfremden, und der Regierung des Zaren in die Arme zu treiben. Es darf nicht vergessen werden, daß die junge Königin nicht allein von slavischer Herkunft, sondern auch Anhängerin des orthodoxen Glaubens ist. Ihre Erziehung stand völlig unter russischem Einflüsse und wurde auf Kosten und unter Aufsicht der verwitweten Zarina bewirkt; es ist Thatsache, daß von vornherein der gegenwärtige Herrscher aller Reußen eine heftige Abneigung gegen die Verbindung der montenegrinischen Fürstentochter mit dem Sohne Umberto's bekundete. Auch nach ihrer Vermählung hat die Königin ihre moskowitischen Sympathien nicht abgelegt; sie weiß nur allzuwohl, was ihr Heimatland dem Zarenreiche schuldet, sie handelt im Sinne ihres Vaters, des rührigsten Vertreters des südöstlichen Europas für panslavistische Ideen. Die Königin-Mutter Margherita dagegen trägt offenkundig deutsche Sympathien zur Schau und gehen ihre Bestrebungen dahin, die Polittk und die Jntriguen hrer Schwiegertochter, von der sie mehr und mehr ent- remdet worden ist, zu bekämpfen. Die Königin-Mutter ward deutsch auferzogen und ihr Bruder, der Herzog von Genua, ist mit einer deutschen Prinzessin vermählt; auch )re Mutter der hohen Frau war deutscher Herkunft. Nichts- )estoweniger ist Königin Margherita mit dem regieren* )en Hause Rußlands aufs engste befreundet. Auffallend ist, daß König Viktor Emanuel nicht nur nicht einen Bruch in Berlin seit seiner Thronbesteigung vermieden, sondern sogar dank dem Einflüsse seiner Gemahlin eine Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm verweigert hat."
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Lerantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": R. D i t t- mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Kekauntmachung. I über die fehlende Zurückweisung der gegen Deutschland
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Es scheint vielmehr" die Sache ^fo ^ücQeu^bQ^’nmn^in Gerichtsschrewereien täglich, mit Ausnahme der Sonn- Berlin etwas wie eine Entschuldigung wegen der — Lücke rmd Feiertagen von vormittags 10 bis 12 Uhr für die Recht- in der Geschäftsordnung" erwartet hat, und daß, "nach- prchenden geöffnet sind. Als Amtstage für die Einwohner nichts dergleichen erfolgte, Graf Bülow das kräftigere des Stadtbezirks Gießen werden außerdem Dienstag, für die I ?An,er Bemerkung vor dem Forum der politischen Einwohner des Landbezirks Mittwoch vorbesttmmt ^Ite. Daß die Polenpolitik bei uns auf einen
Gießen, den 31. Dezember 1901. ^nGretenerenTon gestimmt werben soll, kündigt
Großherzoalicbes Amtsaettckü s Tm folgenden Satze an: „Keiner
a-_________________Qbyerzogiicyes Elsgericht._______________ der beteiligten Regierungen wird es angesichts solcher
I Kundgebungen verdacht werden können, wenn sie Schutz- wehren ihrer Verwaltung gegen internattonale Agitationen Feldbereinigung in der Gemarkung Garbenteich so bedenklicher Art verstärkt." Auch darin kommt der Ge- q, c „ cv » ZS yuwenieic9; danke zum Ausdruck — „beteiligte" Regierungen —, daß
Iß Januar k.J. bis einschließlich es die Pflicht der Regierungen und vernunftgemäß ist,
W. Januar k. I. liegt auf dem Amtszimmer der Großh. den polnischen Herrschastsbestrebungen gegenüber einmütig Bürgermeisterei zu Garbenteich das Projekt über die Drainage- zusammenzustehen. Es ist in der That zu bedauern, daß anlage in Gewann 44, 45 und 65 nebst dem Beschluß derN^ dies Prinzip in Oesterreich - Ungarn sowenig Ver- Vollzugskommission vom 11. April L I. zur Einsicht der 'ländnis sich zeigt. Solche Schwäche, eine solche Polittk, Beteiligten offen. 1 1 mif <_ z
Ms Berlin, 31. Dezember, wird uns geschrieben: Ob der merkwürdig reservierten und duldsamen MV
«mg ter österreichischen Regierung gegenüber den aalvXx , . - k , ■ --------------,
pschen Polen und dem herausfordernden Auftreten weaeu berlllin vor der parlamentarischen Kritik, zu schützen. Es der Vorgänge in Wreschen ist nun doch dem Grafen Bülow vielmehr vom Grafen Bülow selbst ein kräftiges ter Geduldsfaden aerissen. Eine hochoffiziüse Erklärung S^t Sache zu erwarten sein. Zum Ordensfest in ter „Nordd. Allg. Ztg." richtet sich anscheinend zunächst ^^i Wales angemeldet; König Eduard
gegen die Aeußerungen des Fürsten Czartoryski im aali- ^ ^ord Roberts smd nicht in Sicht. Immerhin ist eine Aischen Landtag von der „Einhett aller Polen usw die ^eichstagstebatte über Chamberlain uiid Südafrika für eigentliche Pointe liegt aber in dem Schlußsatz: Wir der- , U englischen Thronfolger keine „Empfangsmusik". Oder mögen es uns nur mtS einer Lücke in der GeschäftZ-Ord- '^ht der englische Kolonialminister doch nicht mehr so nung des galizischen Laiidtags zu erklären, daß eine solche ^aß er preisgegeben werden kann auch von England? .DemonftWtion ohne Widerspruch seitens der Regierungs- ------
prgane hat vor sich gehen können." Man schlägt den Deutsch-amerikamscher Wettbewerb.
_^as Gvautter. Im Ernst macht Graf Bülow Man schreibt uns aus Handelskreisen:
r. .f^/^öht, ein Bülowscher SeiteN-, Es ist jetzt außer jeden Zweifel gestellt' daß Deutsch-
bto Geichästsordnung, sondern die land und die Vereinigten Staaten aus Gründen des no- ^k'ung verantwortlich, litischen Wettbewerbes^in den ^"ttel-^^und^ sütemerikL Ut im Wege daß sch en Interessengebieten nicht aneinander geratenw^-
Regierung den Fürsten den. Deutschland geht nirgend in der neuen Welt auf ^s-vrtorysti und dessen Gesinnungsgenossen nach (5e6ülir । ------
umsomehr, als die Polenpropaganda Mindesten^ die,elben Gefahren für Oesterreich-Ungarn hat ^re für andere Länder. Die Vertreter der österreichischen Regierung wollten schweigen, wie sie im Wiener Reichsrat geschwiegen haben — und das erklärt alles. Wie die Mtenden Kreise in Berlin über solches Leisetreten, solche ubwaus zarte Rücksichtnahme aus „nationalpolnisches Be- r^h9er polnischer Größenwahn, denken, das, erhelll noch deutlicher daraus, daß die „Nordd. Alla. Zta."> T1T rtP-rfpfTlPI-r SVnmntor Cy\. . .. • fl -V o
Einwendungm hiergegen sind bei Meldung des Aus- Wuffes innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfttst schriftlich bei Großh. Bürgermeisterei Garbenteich vorzubttngen.
Friedberg, den 23. Dezember 1901.
Der Großh. Bereinigungskommissär;
______________Spanier, Kreisamtmann. •
Politische Tagesschau.
Au den Verbündeten!


