Ausgabe 
1.10.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 230 Zweites Blatt.

152. Jahrgang

Mittwoch 1. Oktober 1®O2

fftftWt tltzttch außer Sonntags.

vsm Siebener An-eiffer »erden hn Wechsel mit dem Üesstsche« Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche betgelegt.

biolaNonSdruck u. Ver­lag der vrüh l'lchen ttnwers^Buch» a. Stein» druck« ret (Pietsch (fcrbeii) NedakNon, LrpedMo« und Druckerei!

Schul st ratze 7.

Eid resse für Depeschenr «uretger Vietze«.

tztrnsprechanschluß Nr. 61.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Veßvavprai», mono lüch 7b Pl^ vierte jährlich Dtk. LL0t durch Abhole- u. Zweigstelle« monatlich 66 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel» jährt. ausschl. Bestellg. Anuaßme von Anzeige« für bie TageSnumm« bis oormUtagS 10 Uhr, ßetlenpret»; total ISPf, auSwärrS 20 Pfg. verantwortlich» für den poliL tu allgem. teil; P. Wittko: für .Stadt und ßanb4 und .GerrchtösaalE; Luri Plato^ für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seite«.

Politische Tagesschau.

8mn Besuche der Bureugeuerale t» Berliu.

Wie daS ^B. $.* authentisch mrtteilen kann, ist in den Kreisen, die mit den Burengeneralen persönliche Beziehungen pflegen, nichts davon bekannt, daß die beim Kaiser nachgesuchte Audienz bewilligt ist. Ehe eine end- giltige Antwort vom Hofmarschallamt erfolgt, kann der ge­naue Termin des Besuches der Generale in Berlin nicht fest­gesetzt werden. Wie daS genannte Blatt weiter beruhtet, bestehen lebhafte Bestrebungen, die Generale zu veranlassen, dem Besuche in Frankreich die Priorität für den in Deutsch» land zu verschaffen. Auch hierüber sei eine endgiltige Ent­scheidung noch nicht gefällt. Das Berliner Empfangskomitee trägt sich mit der Hoffnung, daß die Generale zum 12. Oktober in Berlin eintreffen. Die Zeit ihres Aufenthalts ist auf fünf Tage bemeffen.

In der englischen Preffe wird nach einer Londoner De­pesche die Meldung, daß Kaiser Wilhelm die Burengenerale empfangen werde, lebhaft besprochen. DieTimes" bemerkt dazu: Weder der Kaiser noch die Generale könnten die un­vermeidliche Wirkung auf die öffentliche Meinung in England und in Südaftika verkennen. Es sei kaum glaublich, daß Kaiser Wilhelm an einen Schritt denke, der im ganzen britischen Reiche die tiefste Entrüstung erregen und die bitteren Gefühle erhöhen und verewigen dürfte, die der Kaiser versucht habe zu besänf­tigen. England würde gezwungen sein, seine Ansichten über die persönliche Freundschaft des Kaisers und über die Loyalität und die Ehrlichkeit der Burengenerale zu ändern. Der Standard" will die Meldung als einen Ballon dessai an» sehen. Falls sie jedoch zutreffe, so würde der Empfang der Nu-rengenerale einfach eine Wiederholung des Krüger-Tele­gramms in kleinem Maße sein.

Wir wollen hoffen, daß sich durch dieses naseweise Gebälfer der englischen Preßmeute die leitenden deutschen Kreise nicht verblüffen lassen werden.

Nach dem freifmnigeu Parteitage.

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt imterm 30. September:

Die Beschlüsse vom Hamburger Parteitag der Frei­sinnigen Volkspartei füllen drei Spalten derFreis. Zta." JedeS nur einigermaßen wichtige Gebiet hat seine Reso­lution bekommen.Die Beschlüsse der Freisinnigen Bolkö- partei", meint dasBerl. Tagebl.",haben eine ähnliche Bedeutung, wie sie der Ausfertigung eines Gerichtsurteils zukommt: sie bedeuten die formelle Bestätigung der bereits ergangenen Entscheidung." Bemerkenswert ist aber in dem­selben Blatt, das bekanntlich auf Seiten derFreis. Vera." steht, der Ausdruck des Bedauerns über die Ankündi­gung des Abg. Richter, er denke an seine politische Zurruhesetzung, nachdem er noch den nächsten Wahl­kamps mitgemacht habe. Bekanntlich habenBerl. Tagebl." undFreis. Ztg." oftmals sehr lebhafte Fehden mit einander ausgefochten, und es ist dabei von dem ersteren Organ wiederholt nicht undeutlich zu verstehen gegeben worden, die Freisinnige Volkspartei werde durch Richters Rückzug aus denAltenteil" gewinnen. Die Auffassung also hat sich geändert. Das ,Merl. Tagebl." erklärt es heute fürbe­dauerlich, wenn eine rednerische und politische Kraft wie Richter vor der Zeit das parlamentarische F-eld räumen wollte". Darüber kann in der That kein Zweifel herrschen, daß die Freisinnige Bolkspartei in dem Moment sehr erheb­lich an politischer und noch mehr an parlamentarischer Bedeutung einbüßt, sobald derRuser im Streit", der ein Dutzend anderer Führer aufwiegr, seinen Platz im Zu­schauerraum einnimmt. Was die-Politik verliert, gewänne freilich die politische Litteratur. Denn Richter soll noch mancherlei an Erinnerungen und anderem Material im Pulte haben, dessen Ausarbeitung für die Zeit größerer Muße gespart ist.

Noch einmal der Konitzer Mord vor Gericht.

Berlin hat feinen neuen Sensationsprozeß, der am Dienstag begonnen hat. Verleger und verantwortlicher Redakteur der antisemitischenStaats bürg er ztg." stehen einer ganzen Anzahl von Beleidigungs-An­klagen gegenüber. 26 Aussätze derStaatöbürgerztg." sollen Beleidigungen gegen richterliche und staatsanwalt­liche sowie gegen Privatpersonen enthalten. Die Angeklagten beabsichtigen den Wahrheitsbeweis für ihre Behauptungen anzutreten, die sich insbesondere dahin zuspitzen, in der Konitzer Mordaffaire (Ermordung des Gymnasiasten Winter) seien die Behörden den Spuren, die angebliche auf die Familie Levy Hinweisen, nichit mit der erforderlichen Entschiedenheit nachgegangen. So wird denn die Konitzer That nochmals in ihrem ganzen Umfange zur gerichtlichen Erörterung gelangen. Die Möglichkeit, daß es dabei ge­lingen werbe, das Duirkel zu lichten, das auf diesem Morde ruht, ist leider sehr gering. Jede neue Verhandlung viel­mehr, die aus Anlaß des Konitzer Mordes stattgesunden hat, es schlossen sich die Aufsehen erregenden Memeids- prozesse an zeitigte neue Widersprüche der Zeugen, sodaß das Bild der .Vorgänge, weit entfernt, an Klarheit zu ge­winnen, immer mehr sich verwischte. ES ist unendlich viel in und um Könitz geklatscht worden, die Verbreitung von Gerüchten für uni) wider die Familie Levv hat eine große Rolle gespielt, man: sich förmlich berauscht an den verwegenster: Kvrrchttrativrren, dar: abMteirerLichMr Mut­

maßungen. Wie eS zu gehen pflegt: Einer bezieht sich auf den Anderen, von dem er dies und jenes gehört haben will um nicht selbst in die nicht vortellhafte Beleuch­tung eines Phantasten gerückt zu werden. Dann giebt eS wieder Zeugen, die sich mit Gewalt in eine Wahrnehmung hineinversetzen, eine unsichere Beobachtung zur Gewißheit machen, entweder, um sich wichtig zu thun oder uni mit dem Eid die Zweifel an ihren zuvor in kleinerem Kreise geäußerten Bekundungen triumphierend zu widerlegen. So kann es geschehen, daß auch dieser Prozeß sehr bedauer­licher Weise Prozesse wegen Meineids, fahrlässiger und wissentlicher Art, im Gefolge hat. Ein enormes Aufgebot von Zeugen ist zu erwarten; fast alle Personen, d:e in Könitz an Gerichtsstelle aufgetreten sind, dürften in Berlin sich einfinden. Die Leitung der Verhandlungen liegt in der Hand des Landgerichtsdirektors Opitz, der als ein besonders scharssitmiger Richter gilt.

Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte der Ver­teidiger, Rechtsanwalt Dr. .Hahn, die Angeklagten ständen auf dem Standpunkte, daß zu der Zeit, als die Artikel erschienen, der dringendste Verdacht der Thäterschaft auf den Levys und den Juden geruht habe. Sie ständen auch jetzt noch auf dem Standpunkte, daß dieser Verdacht be­rechtigt sei. Sie wollten sich mit den Aussagen der 120 kommissarisch nerniontmcnen Zeugen zunächst begnügen. Die Vorwürfe gegen die Beamten hielten sie aufrecht und be­hielten sich vor, Kritik an den Bescheiden des Ersten Staats­anwalts, des Lberstaatsanwlts und des Oberlandesgerichts zu üben. Aus die bestimmte Ansrage des Staatsamvalts erllärte Rechtscuuvalt Dr. Hahn, baß die Angeklagten that- sächlich den Vorwurf der Mitthäterfchast auch heute iwch gegen die Levys aufrecht erhielten. Der Vorsitzende er­klärte hierauf, daß unter diesen Umständen die Beweis- aufnabme auf den Konitzer Mord luiber werde ein geh en und die ganze Angelegenheit, von ihren Anfängen an, behandeln müsse. Des weiteren ließ sich der Vorsitzende durch Befragen von den Angeklagten bestätigen, daß der von diesen erhobene Vorwurf des Ritualmordes oder, wie es jetzt genannt werde,Blutmvrde s", nicht gegen die jüdische Religionsgesellschaft sich richte, sondern nur die Thatsache behauptet werden solle, daß aber* glaub iscüe Juden solche Blutthaten verrichten. Es folgte die Verlesung der einzelnen Artikel, die die Grund­lage der Anklage bilden. Nach Beendigung der Verlesung erklärte der Vorsitzende gegenüber neuen Verlesungsan­trägen der Verteidigung,er muffe darauf aufmerksam machen, daß man doch nicht drei Monate bei einander fitzen könne, um dieStaatsbürgerztg." zu lefen.

Um 31/2 Uhr wurde die Verhandlung abgebrochen und aus morgen vertagt.

Deutsches Keich.

Berlin, 30 Sept. Der Kaiser hörte heute Vor­mittag in Rom int en den Vortrag des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes, Viceadmirals von Tirpitz.

Anläßlich des heutigen Geburtstages der Kai­serin Augusta war das Mausoleum in Charlottenburg mit blühenden Pflanzen prächtig geschmückt. Unter den zahl­reichen Kränzen, die niedergelegt wurden, befanden sich solche des Kaiserpaares und der Großherzogin von Baden.

In der heutigen Sitzung der Zolltarifkommiffion teilte Reichstagspräsident Graf Ballestrem mit, die erste Sitzung des Reichstags werde am 14. Oktober statt» finden mit der Tagesordnung: Petitionen.

Gestern Nachmittag sand die Vierteljahrssitzung des Kuratoriums der Reichsbank statt, an der außer dem Vor­sitzenden, Grafen Posadowsky, in Vertretung des Reichskanz­lers und dem Berichterstatter des Präsidenten Koch auch Staatssekretär Frhr. v. Thielmann teilnahmen.

Der Highsheriff Roche von Cork, der mit Geschenken irischer Ruderer an die Berliner Ruderer vor ein paar Tagen hier eingetroffen ist, wurde heute Nachmittag in Begleitung des englischen Botschafters vom Staatssekretär Frhrn. v. Richthofen empfangen. Letzterer betonte, ein wie warmes Interesse der Kaiser an der Miffion Roches genom­men habe. Roche brachte seinen Dank für die freundliche und gastfreie Art, mit der er behandelt wurde, seitdem er in Berlin weilte, zum Ausdruck. Nicht nur der Berliner Ruder­klub, auch alle übrigen Klubs, namentlich auch die Pots­damer Klubs hätten ihm eine so festliche Aufnahme bereitet, daß er nicht genug danken könne. Er erinnere sich nicht, jemals so herzlich empfangen worden zu sein, und hoffe, sein Besuch werde dazu beitragen, ein dauerndes Band der Freundschaft zwischen Berlin und Cork zu knüpfen.

Stuttgart, 30. Sept. DerStaatsanz." schreibt amtlich: Aus dem annähernd zeitlichen Zusammentreffen eines privaten Besuches des badischen Ministers des Innern Dr. Schenkel bei seinem württembergischen Kollegen mit dem durch die offizielle Anzeige der Thronbesteigung des Königs von Sachsen bet dem kgl. Hoflager in Friedrichshafen veranlaßten Besuch deS sächsischen Ministerpräsidenten von Mctzsch in Stuttgart glaubt derBeobachter" den Schluß ziehen zu sollen, daß es sich hierbei um die Organisierung einer Aktion der Mittelstaaten handelt, welche ihre Spitze gegen den preußischen Vorstaat richtet. Fär jeben ernsthaften Politiker bedarf es kaum der Hervorhebung, daß diese Annahnre sich lediglich als eine haltlose, irgendwelcher thatsächlichen Unter­lagen entbehrende Vermutung dacheüt.

Ausland.

London, SO. Sept. In der britischen A r m e e wurden im vorigen Jahre 11414 Soldaten mit Gefängnis bestraft, darunter 1948 wegen Desertion, 1874 wegen Ungehorsams und Gewaltthätigkeit, 1112 wegen Trunkenheit.

Brüssel, 30. Septbr. Der ,,©oir* berichtet aus Madrid unter Reserve: Gerüchtweise verlautet, Königin Marie Christine habe sich auf ihrer letzten Reise nach Wien mit it)rem Oberstallmeister, dem Grafen Escosura, im Geheimen vermählt. Die Königin habe den Grafen schon vor ihrer Ehe mit AlfonS XIL geliebt und sei die Ehe mit diesem nur aus Staatsgründen eingegangen. Der junge König soll über die Heirat seiner Mutter äußerst erbittert sein und die Beziehungen zwischen chm und seiner Mutter sollen sehr gespannt sein.

Sofia, 30. Sept. Den gestrigen Manövern, welche eine Wiedergabe der auf den Höhen von Schipka im Sommer des Jahres 1877 stattgehabten Kämpfe bildeten, wohnten Fürst Ferdinand von Bulgarien, Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch, der Minister und die russi­schen Generale bei. Hierauf wurde vor dem Monument deS heiligen Nikolaus ein Requiem für die Kaiser Alexander ll. und 111., ferner für alle im Befreiungskriege Gefallenen celebrirt. Fürst Ferdinand, der Großfürst NckolauS Nikola­jewitsch und die Minister legten Kränze am Monument nieder. Außerdem wurden von mehreren russischen und bulgarischen Vereinen und zahlreichen privaten Personen Kränze nieder­gelegt.

Washington, 30. Sept. Im Befinden deS Prüft» benten Rooseo elt ist eine andauernde Besserung zu ver­zeichnen^__________________________________________________________

Schwurgericht.

P. Gießen, 30. Sept.

(Schluß der Verhandlung gegen den Maurermeister Scharmann von Ober-Ohmen wegen Meineides. Die Anklage wird durch Staatsanwalt Neuß, nicht, wie gestern irrtümlich gemeldet, durch Staatsanwalt Hoos vertreten.) Nach Eintritt in die Verhandlung erklärt der Angeklaate, einmal wegen Körperverletzung vorbestraft zu fein. Zur Anklage (über die wir gestern berichtet haben) erklärt der Zeuge, daß er einen Menschen NamensM omberger^ seinerzeit nicht gekannt habe, er habe die unter diesem Namen gemeinte Person nur unter dem NamenSchom- ber" oderSchlüpp" gekannt. Heute wisse er ja, daß Schombert in Wirklichkeit M 0 m b er g er heiße. DaS Renkontre in der Ernst'schen Wirtschaft, daS er mtt Mom- berger gehabt habe, giebt der Angeklagte zu, er bleibt aber dabei, er hätte sich des Vorfalles in der damaligen Verhandlung vor der Strafkammer nicht erinnert An­geklagter will sowohl mit Momberger wie mtt dem Rup­pert aus Ermenrod nie etwas zu thun gehabt haben, er sei auch weder mit dem einen noch mtt dem anderen verfeindet. Dem Angeklagten wird darauf vorgehalten, daß er heute seine Verteidigung geändert habe; in der Vor­untersuchung habe er überhaupt bestritten, nach den Vor­fällen Momberger und Ruppert gefragt worden zu sein. Er hätte damals angegeben, durch den Schlag des Becker sei sein Gedächtnis getrübt gewesen, und daraus sei es zu erklären, daß er. sich vor der Strafkammer der Vorfälle nicht habe erinnern "tonnen. Angeklagter giebt zu, seinerzeit diese Darstellung gemacht zu haben. Er giebt dann weiter zu, daß er vor seiner damaligen Vernehmung durch den Vorsitzenden hinsichtlich des Eides ganz besonders verwarnt worden sei. Bei der Beweisaufnahme wird zuerst der Zeuge Becker von Nieder-Ohmen vernommen. Zeuge giebt an, daß Scharmann ihn im Juli 1901 auf der Land­straße begegnet sei; jener sei, als er feiner ansichtig ge­worden, von seinem Fahrrade abgestiegen, auf ihn in drohender Haltung zugekommen, und habe ungefähr gesagt: Na, da habe ich Dich." Er, der Zeuge, habe zur Abwehr mit dem Stock zugeschlagen, und seinem Gegner eine blutende Verletzung beigebracyt. Er fei von der Gie­ßener Strafkammer dieserhalb zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden, welche Strafe er auch verbüßt habe. Der Zeuge giebt weiter an, daß er den Rechtsanwalt Klar e- n aar vor der Strafkammer mit feiner Verteidigung be­traut und diesem mitgeteilt habe, daß Scharmann ein zu Gewaltthätigretten geneigter Mann wäre; und um dies vor Gericht beweisen zu können, habe er angegeben, daß Scharmann dem Ruppert II. mitkalt machen" gedroht habe, und den Momberger an die Kehle gepackt habe. Sein Verteidiger habe dann auch dieses Material benutzt; Schar- mann, der jetzige Angeklagte, aber habe beide Vorfälle unter Eid rundweg in Abrede gestellt, und hin,zugefügt, daß er einen Momberger überhaupt nicht kenne.

Rechtsanwalt Klarenaar, als Zeuge vernommen, bemerkt hierzu, daß der Vorsitzende der Strafkammer den heutigen Angeklagten, der in der damaligen Verhandlung als einziger Belastung^euge vernommen worden sei, sehr eingehend vor einem Meineid verwarnt habe. Ec habe 1. den Scharmann wörtlich gefragt, ob er den Karl Ruppert II. von Ermenrod mitkalt machet bedroht habe, und 2. kwbe er damals weiter gefragt, ob er den 'JJtourer Johann Momberger von Ober-Ohmen an die Kehle gepackt habe und diesen dann mit einer Bierflasche bedroht habe. Beide Fragen habe der damalige Zeuge verneint und hinzugefügt, den Momberger kenne er gar nicht. Aus ihn tjabe die Ableugnung der Fälle Ruppert uito Momberger durch Scharmann damals den Eindruck der Unglaubwürdigkeit gemacht.

Der Maurer Karl Becker von Ermenrod erzählt,, wtt