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Nr. 76 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Dienstag, ZI. März 1942

Reue Richtlinien für die AusbildungsbeWen

Die Jagd im April

Hubertus.

Gast loszuwerden.

(Nachdruck verboten.)

53. Fortsetzung.

verdunkelungszeit:

31. März von 20.53 bis 6.29 Uhr.

Gelitten haben", fing sie nach einer Weile wieder an:Ja. Und als das Maß voll war, da faßte ich den großen Entschluß. Ich ging aus und davon zum Theater. Ich schrieb Abbeg einen Brief, daß alles aus sei, daß er mich niemals wiedersehen würde ... Ich habe mir damals noch Illusionen gemacht, hab' noch geglaubt, er würde Papa doch schonen, das Aeußerste nicht tun. Jllu- fioneii! ...In meinem ersten' Engagement las ich eines Tages in der Zeitung, daß der Düsseldorfer Bankier Brakel zu vier Jahren Gefängnis ver­urteilt worden war. Abbeg hatte ihn eben nicht ge­schont ich Nutzte es sofort. Und Papa hat es mir in jener schrecklichen Münchener Nacht aus­drücklich bestätigt. Und wenige Stunden vorher hatte ich Abbeg zum ersten Male wiedergesehen in deiner Gesellschaft!"

Christian Fehr schwieg lange. Ein wenig den Kopf wendend, sah Marion ihn in der Galerie vor den erleuchteten Glasschränken stehen. Sie hörte ihn schwer atmen, seufzen.

Und dann ... dann hast du ihn noch öfter wiedergesehen?", sagte er endlich und kam ins Zim­mer zurück:In Berlin? und hier in diesem Hause sogar? Marion, das kann ich nicht ver­stehen. Nach allem Schrecklichen, was es dir und deinem Vater und deiner Mutter gngetan hatte?"

Sie lächelte vor sich hin.

Ach, Jan, du wirft auch das verstehen. Sieh mal, es ist für eine Frau eine merkwürdige Sache: von dem, der der erste war, kommt sie niemals ganz los. Liebe oder Haß irgendeine Brücke bleibt da. Aber das ist natürlich nicht das Aus­schlaggebende gewesen. Etwas viel Schlimmeres. Denk mal zurück! Ich traf Abbeg in München in dem Augenblick wieder, als meine Liebe zu dir

wundere, und im Ausland lebt, wo man von seiner Vergangenheit nichts weiß, diese entsetzliche fixe Idee ist in seinem Gehirn lebendig geblieben. Wie eine kranke Stelle, rnöchtt ich sagen. Sofort wollte er zu Abbeg ... und du kannst dir nun denken, wie mir zumute war! Heiß und kalt ist mir geworden, bei der Aussicht, daß mein leibhaftiger Vater da drüben, ein paar Schritte weiter, einen furchtbaren Skandal entfesseln würde, der alles aufrühren und meine Existenz hier vernichten mußte, daß er viel­leicht gar auf Abbeg schießen würde ... denn er sagte, er habe seinen Revolver im-Gepäck ... Du kannst dir das wohl vorstellen, Jan?"

Gott im Himmel, jrf. Ja, entsetzlich. Aber warum hast du dich mir nicht anvertraut, in allerletzter Minute?"

Du- warst doch fort. Ich war ja ganz allein mit dem Schrecklichen. Ich mußte doch ganz allein han­deln, um das Aeußerste zu vermeiden." .

Ja. Richtig. Und wie ... wie hast du gehan­delt? Ach, mein Gott, ich beginne etwas zu ahnen..."

Ich wußte es selber nicht, bis zum allerletzten Moment. Da hab' ich Papa eine Tablette Veramon in den schwarzen Kaffee getan, darum hat er bis sieben Uhr geschlafen. Aber ich konnte ja nicht genau voraussehen, wie das Mittel auf einen so aufgereg­ten Menschen wirken würde. Und darum, darum bin ich inzwischen in meiner Angst selbst zu Abbeg ge­laufen, um ihn zu warnen. Nicht um seinetwillen, was konnte mir an seinem Leben liegen? Nur um meinetwillen, um unseretwillen! Das ist das Ganze, Jan. Du magst mir glauben oder nicht: mehr ist es nicht. Ich will dir nicht verschweigen, daß Abegg Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hat, um die Situation auszunutzen, wie er mich ja während dieser ganzen Lappersdorfer Zeit verfolgt und be­lagert hat ..."

Und dafür soll er mir vor die Pistole!", schrie Fehr plötzlich, es war ein Schrei, der sich aus der tiefsten Tiefe seiner gequälten Brust emporrang: Und wenn es Gerechtigkeit auf der Welt gibt, dann muß sie meine Kugel lenken!"

Aus der Stadt Gießen.

Vom Bleistift.

Jetzt im Krieg, da verlorene oder entzwei ge­gangene Füllfederhalter nicht so leicht zu ersetzen sind, kommt der gute alte Bleistift wieder zu Ehren, der eigentlich gar kein Bleistift ist. Im sech­zehnten Jahrhundert allerdings wurden neben dem Sllberstift von italienischen Künstlern Stifte von Blei und Zinn zum Zeichnen verwendet, doch muß der Name Bleistift für den Graphitstift nicht unbe­dingt von ihnen seinen Ursprung nehmen. Es be­steht noch eine andere Möglichkeit. Als nämlich der Graphit entdeckt worden war und man Stifte dar­aus herzustellen begann, nahm man an, er sei eine Art Blei und normte ihn daherWasserblei",Reiß­blei",Plumbago" (vorn lateinischenplumbum"), die Graphitstifte aberBleiwasserstifte". Das lange vor dem Graphit bekannte Bleiweiß wurde aus Blei hergestellt, und da man nun auch den Graphit

Kartoffeln in'Gaststätten nur gegen Marken.

ßpb. Aus Grund der Verordnung über die öffent­liche Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Er« Zeugnissen wurde über die Abgabe von Kartoffeln in Gastistätten u. a. die Anordnung erlassen: Zu» bereitete Kartoffeln dürfen in Gaststätten im Bereich des Landssernährungsamtes Hessen in den Städten und Gemeinden mit einer Einwohnerzahl von über 10 000 Personen, sowie in sonstigen Gemeinden, auf die das Ernährungsamt den Geltungsbereich dieser Anordnung ausdehnt, nur an ortsansässige Ver­braucher gegen Kartoffelmarken abgegeben werden. An nicht ortsansässige Personen dürfen zubereitete Kartoffeln in Gaststätten ohne Kartoffelmarken nur abgegeben werden, wenn sich diese Personen auf Grund eines amtlichen Lichtbild ausweises als außer­halb wohnhaft ausweisen können und durch Aus« füllung und Unterschrift eines vorzulegenden Vor­druckes versichern, daß sie nicht im Besitze eines im Bezirk des Landesernährungsamtes Hessen ausge­stellten Bezugsausweises sich befinden. An nicht ortsansässige Verbraucher, die sich im Besitz dieses Ausweises befinden, dürfen zubereitete Kartoffeln in den Gaststätten ohne Kartoffelmarken nicht ab­gegeben werden, ausgenommen find Wehrmachts­angehörige ufw. Als zubereitete Kartoffeln gelten Kartoftelgerichite jeder Art, mit Ausnahme von Sup^ pen, die nicht als Hauptgericht gereicht werden. Die Kartoffelmarken werden von den Ernährungsam- tern dzw. Kartoffelstellen im Umtausch gegen Ab« schnitte des Bezugsausweises für Kartoffeln abge­geben. Diese Anordnung tritt mit dem 6. April in Kraft..

Der feurige Ofen

Roman von Hans von Hülsen

Knollen sind bei Hochwild, Rehwild, Hase und Fasan gleich beliebt. Man benötigt für den Hektar etwa 10 dis 15 Zentner, die Mitte 2ft)ril-Mitte Mai in etwa 60 Zentimeter Entfernung im Dreiecksverband gelegt werden. Man bedeckt sie 10 Zentimeter hoch mit Erde. Im Herbst können die Knollen ausge- pflügt werden. Es bleiben dabei noch so viele Reste im Boden, daß ein Nachlegen sich erübrigt. Für eine Stickstoff-Phosphor-Kali-Düngung ist Topinambur dankbar. Ein Topinamburacker in der Feldmark wirkt wie ein Magnet und zieht alles Wild an, da die hohen Stengel viel Deckung geben. Ein solcher Acker ist also Remise zugleich. Aehnlich in Kultur und Wert ist der H e l i a n t h u s. Auch der S a ch a- l i n k n ö t e r-i ch, der aus Wurzelstücken gezogen wird, von denen man etwa 4500 für einen Hektar braucht, wird sehr empfohlen. Er liefert bereits im Mai beste Deckung, viel Aesung, eignet sich zur Heugewinnung und stellt nur geringe Ansprüche an den Boden. Seine Pflanzzeit ist März-April oder August-September.

Neben diesen Hegerarbeiten muß in Schalenwild? revieren den Jäger die W i l d z ä h l u n g in diesem Jahre in besonderem Maße in Anspruch nehmen. Erschreckend hoch sind vor allem in höheren Lagen die Wildverluste, vor allem an Rehwild. Die Folge muß ein geringerer Abschuß sein, der aber auf einer wirklich einwandfreien Grundlage aufgebaut fein muß, soll der Schaden nicht' noch größer und fast unheilbar werden. Darum ist eine Bestandsauf­nahme von größtmöglicher Genauigkeit nötige? denn je.

Hinter Jagdschutz und Wlldhege tritt unter unse­ren einheimischen Verhältnissen das Jagen selbst fast ganz zurück. Denn fast alle Wildarten genießen Schonzeit. Die Jagd auf den Urhahn und den Minnesänger in Moor und Heide, den B i r k h a h ir. kommt bei uns nicht in Frage. Dafür ist der ,Hahn des kleinen Mannes", der Ringeltauber, bis zur Monatsmitte noch offen, und auch die Wald«? s chn ep f e ist bis dahin noch frei. Sauen , dis übrigens in diesem Winter teilweise schwer gelitten haben, und Fuchs und Iltis genießen, soweit es sich um führende weibliche Stücke handelt, auch den Schutz des Gesetzes. Sonst ist das Jagen auf fitz ' genau so frei wie auf alle die Wildarten, wie z. B. Kaninchen, bie. überhaupt feine Schonzeit kennen« Zu ihnen gehört bekanntlich auch der Habicht, der nun im Laufe des Frühjahrszuges sich wieder einstellt und bald zu horsten beginnt. Ein Brutpaar dieses frechen Räubers ist für ein Niederwildrevier eine böse Beigabe, wenn auch nicht verkannt werden soll, daß die Krähen in ihm mit Recht ihren schlimmsten Feind sehen. In Revieren, wo die Nie­derjagd nur eine untergeordnete Rolle spielt, mag er deshalb tragbar sein. Der Niederwildheger aber wird mit allen Mitteln versuchen, den ungebetenen

Im Hinblick auf den 1. April sind die Bestim­mungen über die Ausbildungsbeihilfe für weite Volkskreise von Bedeutung. Die bisherigen Richt­linien waren ip wesentlichen Teilen überholt. Unter Zusammenfassung und Ergänzung dieser Anord­nungen hat der Reichsfinanzminister neue Richt­linien über die Ausbildungsbeihilfe erlassen, die erstmalig für Lehrabschnitte gelten, die nach dem 31. März 1942 beginnen.

Ausbildungsbeihilfe wird gemeinschaftswürdigen deutschen Familien zur Erleichterung der Ausbil­dung ihrer Kinder gewährt. Sie ist ein Teil des Familienlastenausgleichs, Gesichtspunkte der Be­gabtenförderung, der sozialen Fürsorge und der Wohltätigkeit scheiden dabei aus. Auch das Einkom­men und das Vermögen des Antragstellers sind ohne Bedeutung, Ausbildungsbeihilfe wird Familien mit vier und mehr Kindern für alle beihilfefähigen Kin­der gewährt. Sie wird ferner ohne Rücksicht auf die Kinderzahl alleinstehenden Frauen zugestanden, fer­ner einiger weiteren Gruppen von Unterhaltsver­pflichteten, u. a. solchen, die ganz oder überwiegend auf eine Kriegsbeschädigtenrente angewiesen sind, ferner Empfängern von Versehrtengeld der Stufe II oder III mit Versehrtengeldzulage, sowie Empfän­gern einer Rente nach dem Reichsversorgungsgesetz bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von wenigstens 50 v. H. mit einer Frontzulage. Für Vollwaisen wird Ausbildungsbeihilfe auch gewährt, wenn sie keine Geschwister haben.

Bei der Feststellung des Familienstandes werden Kinder, die gefallen, bei besonderem Einsatz ver­storben' oder durch feindliche Einwirkung ums Leben gekommen sind, mitgezählt. Beihilfefähig sind Kin­der deutscher Volkszugehörigkeit, die erbgesund,

geistig und charakterlich entwicklungsfähig sind. Die Ausbildungsbeihilfe kann erstmalig nur beantragt werden, wenn das 25. Lebensjahr noch nicht über­schritten ist, es sei denn, daß sich die Ausbildung in­folge Wehrdienst, Dienstverpflichtung usw. ver­zögert hat. Ausbildungsbeihilfe wird nur für eine Ausbildung gewährt, die die Grundlage für einen Lebensberuf bildet. Sie wird nur zum Schulbesuch gegeben, nicht für die praktische Berufsausbildung. Auch zum Besuch von Hauptschulen steht Ausbil­dungsbeihilfe zur Verfügung, zum Besuch von ande­ren Pflichtschulen nicht. Eine Beihilfe zu den Kosten der Lebenshaltung kann aber auch zum Besuch einer Volksschule gewährt werden, wenn das Kind aus zwingenden Gründen außerhalb des Haushalts wohnen und verpflegt werden muß. Das gilt be­sonders für Kriegswaisen, wenn die Mutter im. Er­werbsleben steht, und bei Kindern von Schwer­kriegsbeschädigten, wenn die Mutter durch die Pflege beansprucht wird.

Im einzelnen wird Ausbildungsbeihilfe gewährt zum Besuch von Hauptschulen, mittleren Schulen, höheren Schulen, Lehrerbildungsanstalten, Berufs­fachschulen und Fachschulen, Berufsfachlehrgängen und Fachlehrgängen und zum Besuch von Hoch­schulen. Die Ausbildungsbeihilfe wird als Beihilfe für das Schulgeld in voller Höhe, als Beihilfe für die Lebenshaltungskosten, für die Fahrtkosten und für die Lernmittelkosten gewährt. Bei den Lebens­haltungskosten wird zwischen der Vollbeihilfe bis zu 50 RM. monatlich und der Teilbeihilfe bis zu 30 RM. monatlich'unterschieden. Anträge sind bei der Schule oder Anstalt zu stellen, für den Besuch von Hochschulen beim Finanzamt.

Brut- und Satzzeit haben nun begonnen; ihr Verlauf entscheidet weitgehend über das kommende Jagdjahr. Drum müssen Jagdschutz und Jagdpflege jetzt im Vordergrund weidmännischen Tuns stehen. Gerade in.den ersten Frühlingswochen mit der noch wenig entwickelten Bodenbewachsung drohen dem Jungwild wie auch den Gelegen mancherlei Ge­fahren. Sehen wir dabei einmal ganz von den nicht oermeldbaren Folgen der Bearbeitung der Aecker mit Maschinen ab, so sind es vor allem tierische Feinde. Obenan steht dabei die Rabenkrähe, die man überall paarweise beobachten kann, sei es, daß sie zu Fuß die Felder absucht oder tief und langsam über sie dahin streicht, sei es, daß sie von hoher Baumspitze aus ihr Revier beobachtet oder daß sie mit Nistreisig im Schnabel zum Horstbaum fliegt Jedes Gelege, das ihr Räuberauge entdeckt, jeder Satz Junghasen ist verloren. Drum muß die- fem schwarzen Gelichter vor allem der Kampf des Jägers gelten. das Giftei während des Krieges nicht zur Verfügung steht, kommt Abschuß wo ir­gend möglich, vor allem am Nest, in Frage. Der Krähe steht in keiner Weise die Elster nach, deren Zunahme in der Umgebung von Gießen so auf­fallend ist, daß sie den Schluß zuläßt, es fehle an der Erkenntnis der Gefährlichkeit dieses Nesträu­bers. Auch hier ist die Bekämpfung am Nest am meisten erfolgversprechend.

Unter dem Haarraubzeug ist es das Wiefel, das der Elster gleich Mit Vorliebe Hecken absucht, dort Nester plündert und abwürgt, was es an Jungwild findet. Entsprechend seiner Lebensweise versprechen in Steinhaufen, Durchlässe, Gräben, Reisighaufen usw. eingebaute Kastenfallen den größ­ten Erfolgs In einem gut gepflegten Niederwildre­vier müßten sie immer fängisch eingebaut sein.

Daß in dieser Zeit jagende Hunde und streunende Katzen sich der besonderen Aufmerksamkeit des Jä­gerserfreuen" müssen, bedarf eigentlich keiner näheren Begründung.'

Der Erfolg dieser Räuber und die enormen Schä­den durch Landmaschinen verstehen sich von selbst, wenn man die Mehrzahl unserer Feldmarken sich ansicht. In der Jagdübersicht im März wurde be­reits auf die Deckungsarmut hingewiesen und da­bei ausgeführt, wie im Laufe der Zeit dieser Erschei­nung durch Anpftanzen von Holzgewächsen entge­gengewirkt werden könne.

Es müssen aber nicht immer Hecken und Sträu- cher fein, deren Heranwachsen natürlich einer ge­wissen Zeit bedarf. Darum sei heute auf zwei Pflanzen verwiesen, deren Wachstum sie rascher erwachte. In Berlin geriet er ganz zufällig in die Entscheidung zwischen uns hinein. Als wir hier eingezogen, hatte er sich bereits in der Hütte ein­genistet das war natürlich kein Zufall, sondern von ihm ganz planmäßig eingerichtet. Und von da an war ich ... verstehst du nun? war ich seine Ge­fangene. Genau, wie früher mein armer Papa sein Gefangener gewesen war. Er hatte mich in der Hand weil er alles von mir und meiner Familie wußte! Was ich von ihm denke und halte, kannst du daraus ersehen, daß ich ihm nach der Düsseldorfer Probe absolut zutraute, er würde dir seine Wissenschaft eines Tages ins Ohr blasen. Und damit unser Glück zerschlagen, das ihm natür­lich ein Dorn im Auge war ... Unser Glück, das freilich auf tönernen Füßen stand ..."

Auf tönernen Füßen, Marion? Sagst du das? Und ich, ich habe so felsenfest an unser Glück ge­glaubt!"

,',Es stand auf tönernen Füßen, Jan. Von An­fang an. Weil es auf einer Unwahrhaftigkeit be­gründet war. Ich hätte dir alles sagen müssen, bevor ich die deine wurde. Schilt mich feige ... ich war es! Ich hatte einfach nicht den Mut, dir zu sagen, daß du die Tochter eines Mannes heiratest, der im Gefängnis gesessen hat, der stellungslos in der Welt herumirrte und sich in seiner Verwirrtheit sogar mit Mordgedanken trug ..."

Mordgedanken?"

Damals, in der Münchener Nacht, als mein Pater wie ein Landstreicher vor mir stand, damals hat er mir gesagt: Ich schieße diesen Abbeg übern Haufen, wenn ich ihn noch einmal treffe! Und das­selbe hat er auch an Abbeg geschrieben, wenig später, ich habe den Brief selbst in Berlin gesehen und zerrissen ... Und als du nun heute ungluck- seliqerweise ..., denn ich war immer um das heikle Thema herumgegangen ... als du unglückseliger­weise von Abbeg ansingst ..."

Mein Gott! Was hab ich angerichtet ... Marion!" n . , .

Sobald du weg warst, zum Landrat, da war diese fire Idee gleich wieder allmächtig in ihm. Obwohl er sich inzwischen rangiert hat, was ich be-

für eine Bleiverbindung hielt, so nannte man ihn höchst paradoxschwarzes Bleiweiß". Allmählich blieb dann dqr Zusatzschwarz" fort, und so ist im ganzen 18, Jahrhundert in Nürnberg, der Hochburg der Bleistiftherstell'Ung, stets die Rede vonBley- Weißstefften" undBleyweißstefftenmachern".

Im Altertum und im Mittelalter wurde eine kleine Bleischeibe (von den Griechenparagraphos" genannt) benutzt, um damit Linien auf Pergament zu ziehen. (Daß sie auch zum Schreiben benutzt worden sei, wie behauptet wird, erscheint mir äußerst fraglich.) Schon im 14. Jahrhundert aber wurde ein Vorläufer des Bleistifts zum Zeichnen verwendet das wird u. a. von den Malern Jan van Eyck und Hans Memling berichtet, die eigentlichen Graphitstifte aber entstanden erst im 16. Jahrhundert, nachdem um die Mitte des Jahr­hunderts in England (und zwar in Borrowdale in Cumberland) sehr ergiebige Graphitgruben entdeckt worden waren. Schon im Jahre 1565 berichtet der Schweizer Polyhistor Konrad von ©esner über die Herstellung dieses neuen Schreibgeräts und fügt der Beschreibung eine Abbildung im Holzschnitt bei. D araus möchte man schließen, daß der Graphitsti ft damals noch Seltenheitswert besaß und keineswegs ollgemein bekannt'war.

Wo die eigentliche Heimat des Bleistifts ist, steht nicht fest, doch wurde er in England hergestellt, zweifellos bald nach der Entdeckung der obener­wähnten Graphitgruben, die einen ganz besonders reinen und festen Graphit lieferten, weshalb auch seine Ausfuhr verboten war: nur fertige Bleistifte durften ausgeführt werden und waren, ihrer Güte wegen, allgemein beliebt. Deutschland, das seit Be­ginn des 17. Jahrhunderts Bleistifte herstellte, mußte sich zunächst begnügen mit dem sehr viel brüchigeren und unreineren Graphit aus Böh­men, später mit dem aus Spanien. Der Graphit wurde mit einem Bindemittel (heute mit Ton) zu einer festen Masse fadenförmig gepreßt und daraus die Minen geschnitten, die dann in sog.Cedernholz" gefaßt wurden, eine leicht schneidbare amerikanische Wacholderart. Nürnberg, das heute Weltruf ge­nießt alsBleistiftstadt", stellt oieses Schreibgerät sett dem siebzehnten Jahrhundert her.

Neben den einfachen, in Holz gefaßten Bleistiften gbt es heute fogenannteTaschenbleististe", nämlich cbraubblei stifte aller Art mit auswechselbaren Minen (auch farbigen), die aus den verschiedensten Massen gefertigt sind und jeweils dick oder dünn, groß öder klein, sich dem Käufer darbieten. Unter ihnen gibt es recht kostspielige, wenn sie auch nicht annähernd so kostbar sind, wie die zu ihrer Zeit ungemein beliebten silbernen oder gar goldenen crayons". L. B.

Kür Tapferkeit vor öem Heinde.

Dem (3efreiten Otto Kämpf aus Elpenrod (Kreis Alsfeld) wurde für Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

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♦♦ Mieterjubiläum. Am morgigen 1. April wohnen Frau Witwe Rosa Dörner seit 45 Jahren und der Studienrat i. R. Dr. Horn seit 30 Jahren in dem Hause Ludwigstraße 31, das dem Kaufmann Friedrich Seibel gehört. Diese langjährige Haus­gemeinschaft gereicht den treuen Mietern und dem Hausbesitzer in gleicher Weise zur Ehre.___________

Er stand hinter dem.Schreibtisch, die Fäuste vor die Stirn gepreßt, die Augen geschlossen. Rot schim­merte das Licht durch seine erhitzten Lider. In den Schläfen siedete ihm das Blut, in den Ohren stru» bette und rauschte es. Er hörte nicht, daß Marion leise aufgeftanben war und über den Teppich kam. Sie legte ihm sanft die Hand auf bie Schulter:

Nein, Jan. Das könnte ich mir nie verzechen. Denk an die Schießbude auf dem Oktoberfest was Abbeg für ein guter Schütze ist! Und seine Hand ist viel ruhiger als deine das ist kein Ehrentitel für ihn, aber es entspricht seinem ganzen Charakter. Manchmal ich will aufrichtig sein bis zuletzt manchmal hat mich seine Kälte irgendwie bezaubert, hat mich für einen Augenblick an deinem warmen, guten Menscheüherzen treulos werden lassen. Wenn du kannst, vergib mir das. Aber. dich um eines Geschöpfes willen, wie ich es bin, vor feine Pistolen- münbung treten lassen: bas wäre von allem Schlech­ten, was ich bir angetan habe, bas Schlechteste, bas barf und wirb nicht sein! Laß uns Abschied nehmen, Jan", sagte sie schnell.Es ist am besten, ich gehe. Für eine Frau, die dich verläßt, brauchst du dich nicht zu schlagen. Du weißt,-Jan, daß ich dich sehr geliebt habe nicht von Anfang an, ba war es mehr eine Sympathie, vielleicht auch ein Wohlgefallen an den äußeren Dingen aber bald ist es bann bie richtige Liebe geworben, unb von Tag zu Tag mehr. Unb als ich fühlte, daß du auf den armen Musikus ba oben im Walde eifersüchtig warst, da liebte ich dich ganz, ganz stark ba fühlte ich erst, wie bu mich liebtest, beim wer eifer­süchtig ist, ber liebt erst richtig. Unb es ist sehr, sehr hart für mich, baß gerabe jetzt, auf bem Gipfel, alles so zerschlagen wirb burch meine Schulb. Aber es muß fein. Ich kann bas nicht zugeben, baß du um meinetwillen dein Leden riskierst bloß weil ich damals fo eknb unb feige war, bir nicht bie Wahrheit zu sagen! Ich glaube, Liebster, ich stürbe in bem Augenblick, ba bu zum Duell gehst. Liebster, laß mich gehen!" Unb sie lehnte ben Kopf gegen seinen Arm.

(Fortsetzung folgt.)

Deckung geben läßt, die dabei gleichzeitig mit jedem Boden vorliebnehmen und mit ber Deckung Aesung verbinden. So gehört bie 1) a u e r l u p i n e , bie wir meist mit blauer Blüte bei uns antreffen, zu den zweifellos nutzbarsten, lange Jahre ausdauernden Aesungsgewächsen. Bei einem Saatgutbedarf von 15 bis 18 Kilogramm je Hektar schießt sie vom zwei­ten Jahre an bis zu 50 Zentimeter in die Höhe, gibt misgezeichnete Deckung, viel Aesung, hält etwa zehn Jahre vor und verbessert als Stickstoffsammler auch noch den Boden, auf dem sie steht. Empfeh­lenswert ist es, den Samen mit Azotogen zu be­handeln.

Der (3 in ft ef oder Besen pfriem eignet sich ausgezeichnet zum Bepflanzen von Sand- und alten Lehmgruben, von Kultur- und Bestandsrändern, Graben- und Wegeböschungen, Bahndämmen und Oedland, die er in beste Remisen verwandelt. Neben ausgezeichneter Deckung bietet er von Hasen sehr gern genommene Aesung, während Rot- und Rehwild sich örtlich verschieben verhalten. Im Kreise Gießen wurden im vergangenen Winter mit Ginsteräsung durch Rehwild hervorragende Ergeb­nisse erzielt. Die gelben Blüten stellen bekanntlich /für das Rehwild einen wahren Leckerbissen dar, für ben es außerordentlich empfänglich ist. Seine Aus- saatMat ost zuHNißerfolgen geführt, weil Fehler gemacht wurden. Ginstersamen keimt schwer. Man läßt ihn daher zweckmäßig vorkeimen, indem man ihn mit feuchtem Sand vermischen unb etwa drei bis vier Wochen stehen läßt. Erst wenn sich bie Keime zeigen, wird ausgesät. Das Vorkeimen kann sehr verkürzt werden, wenn man den Samen zwölf Stunden lang in lauwarmes Wasser legt. Die Aus­saat soll möglichst früh erfolgen, und zwar so, daß die Erde nur kornstark den Samen deckt. Solche Ginster- ober Lupinenremisen, die auch aus einer Gemischtsaat beider Arten entstehen können, sind für ein Revier unbezahlbar. Ginster kann auch ge­pflanzt werden. Sämlinge von 1 bis 2 Jahren wer­den alljährlich angeboten. Wo in harten Wintern der Ginster abfriert, bringt Abschlagen der ober­irdischen Teile ein rascheres Wiederausschlagen her­vor.

Steht dem Jager Ackerland für einen W ild - acker zur Verfügung, fo sollten vor allem folgende Pflanzen in Erwägung gezogen werden. Der aus Knollen gezogene Topinambur ist eine ber kost­barsten unb vielseitigsten Aesungspflanzen. Er lie­fert im Sommer reichlich Blätter, seine Stengel tonnen getrocknet werden und werden von allem Schalenwild im Winter gern genommen. Die