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B.

jein.

am Main über

inuten Verspätung.

wir alle diese Ausgaben, die ein außerhäuslich- von

Puddingpulver

Reese-Gesellsdiaft.Hameln

geben werden.

Der Ausgangspunkt all dieser Ankündigungen ist in einem Di»nstzimmer auf dem Bahnsteig 1 anzu­treffen. Es ist ein kleiner schwarzer. Kasten mit eini­gen Hebeln, die zum Einschalten der Warteräume

Wohnung einschließlich Fahrgeld Verpflegung 45 bis 50 NM.

Wäsche, Seife, Strom

Licht, Heizung, Wasser

30, 50,

3, 2,50

Oie Stimmeaus dem All".

0er Lautsprecher des ^ahndofs als guter L e weiser und Berater

dungsstätten aufsuchen.

Dem vielfach verstärkten Summen vor einem Bienenhause gleichend schwingt das Tonen der Unterhaltung von Hunderten von Menschen in den weiten Bahnhofsräumen auf und ab. In dieses Stimmengewirr ertönt Plötzlich mit mächtigem Klang die Stimme eines einzigen Mannes: die Stimmeaus dem All"; so wenigstens kann man sie scherzweise bezeichnen. Es handelt sich um die Stimme des Mannes am Lautsprecher des Bahn­hofs, der Mitteilungen über den Zugverkehr macht. Mag die Unterhaltung der Wartenden auch noch so lebendig sein, sobald diese Stimme mit Stentor­kraft ertönt, verstummt entweder jedes Wort ober die Unterhaltung sinkt auf den Flüsterton herab. Denn der weitaus größte Teil dieser Menischen- -ansammlung ist an dem, was der Lautsprecher- Mann zu sagen hat, stark interessiert, handelt es sich doch dabei um wertvolle Hinweise. Und so ist es denn ganz natürlich, daß sich die. Köpfe recken und die Öhren spitzen, sobald dasAchtung! Ach­tung!" ertönt.

Die Hinweise, die man schon in verhältnismäßig kurzer Zeit aus dem Lautsprecher hören kann, sind gar vielseitig. Sie offenbaren, daß die Reichsbahn auch mit diesem Zweig des Verkehrsbetriebs be­strebt ist, guten Dienst am Kunden zu leisten. Da klingt es z. B. weithin vernehmbar:Achtung! Ach­tung! Schnellzug D 177 nach Berlin über Marburg, Kassel, Göttingen, Kreiensen, Magdeburg fährt heute nicht vom Bahnsteig 1, sondern vom Bahnsteigs ab." Achtung! Achtung! Einsteigen in den verspäteten Personenzug von Marburg nach Frankfurt über Butzbach Bad Nauheim Friedberg auf Bahn­steig 2."Achtung! Achtung! Der Schnellzug

Das Arbeitseinkommen der Hausgehilfinnen

Günstiger als bei gleichallrigen Mädchen in anderen Berufen.

Von Dr. Ilse Buresch-Riebe.

tiges Mädel von ihrem Gehalt bestreiten muß, zusammen, dann haben wir den Betrag, der dem Bareinkommen der Hausgehilfin zugezählt werden muß, um ihr wirkliches Arbeitseinkom» men, das aus Arbeitslohn und sogenannter freier Station besteht, zu ermitteln.

Danach verdient heute eine jugendliche Haus­gehilfin unter»18 Jahren monatlich etwa folgendes:

Tariflicher Barlohn 20 bis 25 RM. 25, RM.

D 76 von Hamburg nach Frankfurt Kassel hat voraussichtlich 30 Minut, Die wartenden Volksgenossen erhalten durch diese Aufklärung gute Hinweise für ihren Weg zum Zuge oder für ihre Wartezeit. Namentlich in der Zeit der Verdunkelung sind diese Belehrungen wich­tig, denn sie ersparen dem Reisenden oder Warten­den ärgerliche Wege in die Irre oder zweckloses Herumstehen auf dem Bahnsteig, vielleicht sogar auf dem falschen, mit anschließendem Hasten und Nen­

nen, das keicht mit Unglücksfällen verbunden sein kann.

Und wie dem Publikum in den Wartesälen oder in der Bahnhofshalle, so ist der Lautsprecher-Mann auch den Volksgenossen aus den Bahnsteigen ein fürsorglicher Ratgebex. Auf einem Bahnsteig steht eine^'große Menschenmenge. Jeder sieht immer und immer wieder (bei Tage) hinaus in die Richtung, aus der er seinen Zug erwartet. In der Dunkel­heit späht jeder nach den Lichtern der Lokomotive, die das Nahen des Zuges anzeigen. Mancher wird dabei von Unruhe erfaßt. Aber wieder ist es der Mann am Lautsprecher, auf den man sich verlassen kann. Plötzlich hört man auf dem Bahnsteig 2 das Geräusch eines leichten Klickens. Es kündet den Mann am Lautsprecher an. Und schon hört man seine laute Stimme:Achtung! Achtung! der Schnell­zug D178 von Berlin hat Einfahrt. Bitte zurück-

den müssen. Einige Zeit später hört man auf Bahnsteig 1 aus dem Lautsprecher verkünden: Achtung! Achtung! Der Personenzug 707 von Frank­furt am Main nach Kassel über Marburg hat Ein­fahrt. Bitte zurücktreten!" Gleich darauf fährt der Zug in die Halle. Und sofort verkündet der Mann am Lautsprecher die an den vermiedenen Bahn­steigen wartenden Anschlußzüge, wobei er die Bahn­steignummern gleich mit bekanntgibt, damit der Reisende keine verkehrten Wege macht oder sich nicht durch zeitraubendes Fragen aufhält. So geht's den ganzen Tag über und auch in der Nacht, so­lange der Reisendenverkehr im Gange ist. Und im­mer wieder ist man dankbar für die wichtigen Hin­weise, die von dieser Stimmeaus dem All" ge-

bzw. Bahnsteige dienen, und dem darauf montierten Mikrophon. Gleichartige Apparate sind auf anderen Bahnsteigen im Standort des Aufjichtsdeamten für die besonderen Ankündigungen des jeweiligen Bahn­steiges untergebracht. In das Mikrophon des kleinen Apparates spricht der Mann am Lautsprecher. Nicht jede Stimme ist dafür geeignet. Es kommt vor allem daraus an, daß der Sprecher über ein klares Organ mit gut akzentuierter Sprechtechnik ver­fügt, das auch in der Färbung des Tones beweglich ist. Er darf keinBrüller" fein, sondern nur mit ruhiger Stimme in das Mikrophon sprechen; würde seine Stimme stark und laut fein, so käme aus den Schallvorrichtungen nur ein tolles Gedonner her­aus, bei dem niemand etwas verstehen würde. Die Stimme darf auch nichtdes Balles Grundgewalt" haben, ebenso wenig den hellen Klang eines ersten Tenors, da auch diese beiden Stimmarten für die Verständigung ungeeignet sind. Dieklangschöne Mittellage" mit deutlicher Aussprache ist am geeig­netsten. Der Sprecher muß für gute Sprechdisziplin das erforderliche feine Empfinden haben, wenn er feiner verantwortungsvollen Aufgabe gerecht wer­den will. Was er zu jagen hat, muß sich nach einem genau vorgeschriebenen und sorgfältig beachteten Schema abwickeln, damit kein Durcheinander vor dem Mikrophon und keine Mißverständnisse bei den Hörern entstehen. Die sachl'chen Unterlagen für seine Ankündigungen bei Verspätungen werden ihm von der Melduckgszentrale stets in schnellster Weise fernmündlich übermittelt, damit die Bekanntgabe immer so rasch wie möglich er'olgen kann. So kann denn dieser moderne Herold seinen Dienst versehen und damit den' Reisenden und Wartenden nützlich

110,50 RM.

Schon im jugendlichen Alter von 18 Jahren kann also ein Mädel, das sich frühzeitig im Haushalt um­getan und sich einige praktische Haushaltskenntnisse angeeignet hat, 110,50 RM. netto verdienen, denn von diesem Einkommen, von dem sie den Betrag von 25 RM. in bar ausbezahlt bekommt, geht für Steuern und Sozialversicherung in der Regel nichts mehr yb, abgesehen von einem geringen monatlichen Betrag für Büraersteuer, den häufig auch noch der Dienstgeber für sie bezahlt. Je mehr Berufsjahre fie als Hausgehilfin tätig ist, desto höher steigt ihr Nettoarbeitsverdienft; jo kann beispielsweise ein Mädel von 23 Jahren mit entsprechenden Berufs­jahren einen Barlohn von 45 RM. verdienen, so daß ihr Nettoarbeitsverdienst sich dann auf 130,50 Reichsmark monatlich beläuft.

Tatsächlich kann sie aber noch mehr verdienen. Schon nach vieriähriger Mitarbeit in einer kin­derreichen Familie bat sie die Anwartschaft auf Auszahlung einer Aussteuerbeihilse von 600 RM. erworben, zu denen in jedem weiteren Dienstiabr in kinderreichen Haushaltungen neue 150 RM. binzukommen bis zu dem Höchstbetrag von 1500 RM. Legt man diesen jährlichen Zuschuß von 150 RM., den ihr der Staat zahlt, auf das Monatseinkommen um. so erhöht es sich wm weitere rund 12 RM. monatlich. Demnach steht sich eine jugendliche Hausgehilfin mit einem Gesamtmonats­verdienst von netto 122,50 RM. wirtschaftlich sehr gut. Legt sie nach einigen Berufsjahren dann noch die Hausgehilfinnenprüfung ab, jo kann sie es schon mit 23 Jahren zu einem recht beachtlichen Verdienst bringen, sie erhält dann nämlich bei einem TaTrif- barlohn von 45 RM. noch 20 v. H. tariflichen Zu­schlag neben der Aussteuerbeihilfe von 12 NM. im Monat, was alles in allem ein Nettoarbeitsverdienst

Zu den Vorurteilen, die viele junge Mädel und nicht nur sie, sondern auch ihre Mütter dem Beruf der Hausgehilfin und Hausangestellten entgegenbringen, gehört auch die Meinung, man könne als Hausgehilfin nicht soviel verdienen wie in Fabrik oder Büro oder als Verkäuferin.Für. klägliche dreißig Mark soll meine Tochter anderen Leuten die Schmutzarbeit machen?" So ungefähr rechnen die Mütter, und nicht anders natürlich die Töchter. Wir möchten heute einmal an nüchternen Zahlen beweisen, daß selbst bei Zugrundelegung der neuen gestaffelten Tariflöhne für Hauspersonal das Einkommen der Hausgehilfin keineswegs ge­ringer, im Gegenteil, daß es gerade in den jünge­ren Altersklassen, die bekanntlich den Hauptanteil der.Hausgehilfinnen stellen, oft erheblich gün- ft i g e r ist als in den genannten anderen Berufen.

Der Hauptfehler, der bei der Beurteilung des Einkommens der Hausgehilfin immer wieder ge­macht wird, besteht darin, daß sie nur den Bar- lohn als Einkommen rechnet. Aber hat denn die Hausgehilfin tatsächlich nur dieses Einkommen? Nein denn sie erhält außerdem noch den vollen Unterhalt, freie Wohnung, Verpfle­gung, einschließlich Licht, Heizung, Bett­wäsche, sie kann ihre Wäsche kostenlos mitwa­schen, sie verbraucht kein Fahrgeld alles Posten, die der Rechenstift bei der Errechnung des vollen Einkommens ja mitnotieren muß.

Unter städtischen Verhältnissen, für die wir die in Vergleich gesetzten Einkommen anderer Berufe auch ermittelt haben, muß heute für freie Woh­nung ein Betrag von mindestens 25 RM. einge­setzt werden. Dieser Betrag wird für Licht, Hei­zung und Wassergeld meistens nicht mit ausreichen, so daß hierfür weitere 2,50 RM. angesetzt werden müssen. Die Wäsche, die andere Mädel in der Wä­scherei waschen lassen müssen, setzen wir mit 3 RM. monatlich nicht zu hoch in Rechnung und bedenken dabei, daß die Arbeiterin und Angestellte noch manche freie Abendstunde opfern muß, um die seine Wäsche selbst zu reinigen, was auch Wasser uM> Seije kostet, vom Plätten gar nicht zu reden. Nun kommt aber noch der Lebensunterhalt, für den die Angestellte, wenn sie nur drei Mahlzeiten am Tage ißt, mindestens täglich 1,50 RM. aufwenden muß, wobei wir annehmen, daß Morgen- und Abend­mahlzeit selbst bereitet werden; wiederum eine starke Belastung der Freizeit durch Einkauf und Zubereitungsdauer. Oft kommt noch die zusätzliche Ausgabe für tägliches Fahrgeld hinzu, das auf die Wohnungskosten geschlagen werden muß. Rechnen

Im Gießener Bahnhof herrscht Hochbetrieb. Die! treten!" Gleich darauf dieselbe Stimme:Gießen! fflarlefäle iinb voll bc-fetjt. 3n der B-hnhos-halle «letzen! Umsteigen in den Anschlutzzug nach «ein- stehen die Mensä>en in großen Hausen beieinander, hausen über Hungen, Nidda, Bahnsteig 5, in den Vor der Fahrplantafel hat sich ein dicker Menschen« j Anschlußzug über Grünberg, 2Usfel'd, Fulda, Bahn­knäuel zusammengeballt. Durch die Bahnsteigsperren steig 4, in den Anschwßzug Uber Wetzlar nach Weil- lutet der Menschenstrom hin und her. Auf den bürg, Bahnsteig 1 Sud. Bitte beeilen! Die letzten Bahnsteigen stehen die Reisenden in Erwartung der beiden Worte künden an, daß die Anschlußzuge au' Züge. Es ist nicht etwa ein Ausnahmetag des den etwas verspäteten V-Zug gewartet haben und Bahnverkehrs, der in dieser Massenansammlung nun mit möglichster Beschleunigung abg^fertigt wer- sjchtbar wird, der Alltag tritt vielmehr hier zu­tage. Denn zu dem allgemeinen Reiseverkehr kom­men zu gewissen Stunden ja auch die vielen aus­wärtigen Volksgenossen hinzu, die in Gießen ihre Arbeitsstätten haben und bei der Hin- und Rückfahrt .den Bahnhof passieren, ebenso die Schüler und 'Schülerinnen, die von auswärts die hiesigen Bil-

Darlohn 45, NM.

20 v. H. Zuschlag 9,

Aussteuerbeihilfe 12, w

Freie Station 85,50

Also insgesamt 151,50 RM.

ergibt.

Wie günstig dieses Einkommen ist, erweist si<h aber erst aus einem Vergleich mit demjenigen einer ungelernten oder angelernten Arl beitstraft in der Industrie. Die jugendliche Me.l tallarbeiterin beispielsweise verdient in der Groß, stadt bei einem Grundstundenlohn von Rpf. bis] 40 Rpf. je nach Leistung wöchentlich etwa 20 bist 25 RM Tritt sie mit vollendetem 18. Lebensjahr! in da- Anlernverhältnid, so erhöht sich ihr Per- dienst auf etwa 28 bis 32 RM. die Woche. Erst als Facharbeiterin, also nach mehrjähriger Anlernzeit, kann sie im Akkord bei Fleiß und Zuverlässigkeit auf wöchentlich 38 bis 42 RM. kommen. Da das Bruttoeinkommen sind, so müssen wir von dieftm Verdienst noch etwa 10 v. H. für Sozialbeiträge, Krankenkasse und Steuern abziehen, um das Netto- arbeitseinkommen zu erhalten. Es liegt demnach bei der Metallarbeiterin je nach Lebensalter un) Arbeitsleistung monatlich zwischen 72 und 90 RM.^ für die jugendliche und zwischen 102 und 116 RM.! für die Arbeiterin über 18 Jahre, während die Fach, arbeiterin, die durchschnittlich 22 Jahre und älter ist, im Akkord netto 122 bis 143 RM. monatlich verdienen kann. Bei der ungelernten Textilarbeite­rin liegen die Einkommensverhältnisse noch ungün-i stiger, und selbst eine erfahrene Stickerin, Wirkerin! oder Zuschneiderin kann es erst nach längeren An. lernjahren und im Alter von über 20 Jahren auf etwa 30 RM. brutto in der Woche bringen, was einem Nettoarbeitsverdienst von etwa 108 RM. ent« spricht.

Der weibliche Lehrling im Handel er­hält zwischen 14 und 17 Jahren monatlich 20 bis 40 RM. Taschengeld ohne frei Station, während das Pflichtjahrmädchen oder der hauswirtscha'tliche Lehr­ling fast ausnahmslos mit einem Taschengeld von 12 bis 18 RM. mit freier Station rechnen kann Tritt die Verkäuferin mit 18 Jahren ins Gehilfen- Verhältnis, dann verdient sie monatlich netto 72 bis 81 RM. Im günstigen Fall kann sie jetzt von Jahr zu Jahr kleine Gehaltserhöhungen erwarten, durch die sie es im 22. Lebensjahr vielleicht zu einem Nettoeinkommen von ca. 135 RM. bringen wird.

Aehnlich ist die Einkommenslage im Handwerk, wo der weibliche Lehrling in den ersten drei Lehr­jahren eine wöchentliche 'Erziehungsbeihilfe von 3, 4 und 5 NM. ohne freie Station erhält. Die aus- gelernte Friseurgehilfin beispielsweise verdient, nach dem 18. Lebensjahr einen Tariflohn von etwa 35 bis 45 RM. brutto wöchentlich, sie hat also einen Nettoarbeitsverdienst, der zwischen 119 und 136 RM. monatlich liegt.

In feinem dieser Beritte aber wird sich ein Mädel in einem Zeitraum von nur zehn Jahren eine Summe von 1500 RM. ersparen können. Das besorgt für die Hausgehilfin der Staat, und er be­willigt ihr außerdem noch wie jeder Berufs- tätigen das Ehestandsdarlehen. Außerdem kommt der Hausgehilfin ihre Lehrzeit für ihre spätere Aufgabe als Hausfrau und Mutter zugute.

Briefkasten öer "ReöaftHn.

Jr. IL in 5L Ihren Antrag auf Gewährung einer Zusatzrente als Weltkriegsteilnehmer, der jetzt 70 Jahre alt wird, müssen Sie bei dem Derfor- gnngsamt in Gießen einreichen. Dem Antrag jind Jhre Geburtsurkunde und Nachweise über 7>hre Teilnahme am Weltkriege, z. B Besitzzeugnisse über das Eiferne Kreuz oder das Frontkämpferkreuz,

beizufügen.

Der feurige Ofen

Boman von Hans von Hülfen

3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Baronesse", sagte er plötzlich.Es könnte fein, daß dies unsere letzte gemeinsame Untersuchung ge= toeien ist ..." .

Ulla horchte auf. So sonderbar klangen seine Worte mit ihren geheimsten Gedanken zusammen, daß sie eine Sekunde ganz bestürzt war.Es soll das letzte Mal sein", das hatte sie gedacht, heute früh und noch vorhin, als sie sich vom alten Fabian durch das Flockengewimmel nach der Glashütte fah­ren lieh und all die Tage schon als Abschluß schwerer Gedankenkämpfe.

Warum, Doktor Wulflam?"

Ich habe diesen Brief bekommen ..." Er holte einen zusammengefalteten Bogen aus der Brust­tasche:Von Professor Wenland, meinem verehrten Greifswalder Lehrer. Er schreibt mir, daß am Kreiskrankenhaus Anklam die Stelle eines Ober­arztes frei wird. Man hat sich wegen eines Kandi­daten an ihn gewandt. Ich sei seiner Empfehlung sicher, schreibt er gütigerweise. Ich brauche also nur zuzugreifen."

Was Sie doch tun werden, Doktor?" sagte Ulla rajch.

Er sah sie von der Seite an. Ihr freies, kühnes Profil war geradeaus gerichtet, nicht ihm zuge­wendet, wie sonst immer, wenn sie miteinander sprachen.Ich hatte nicht die Absicht", erwiderte er.

Aber ich bitte Sie! Oberarzt in Anklam lockt Sie das nicht? Das ist doch ganz etwas anderes als Dorfarzt in Lappersdorf ..."Ja, er soll gehen!", dachte sie bei sich:Er muß gehen, damit dies ein Ende hat! Ich will es!" Und sie dachte, daß sie hätte er nicht auf diese rätselhafte Weise jelbst davon angefangen ihm heute von der absoluten Notwendigkeit gesprochen hätte, nicht als Dorfdoktor zu versauern, jondern einen größeren Wirkungskreis zu suchen, Erfahrungen zu sammeln, die ihm Lappersdorf niemals geben konnte. Sie hatte ihm sogar dringend anbieten wallen, In seinem Interesse an ihren Onkel Sttakonitz zu schreiben,

der in Dresden die größte und beste Privatklinik der Stadt besaß ...

Eigentlich habe Ich nicht die Absicht", wiederholte er:Mir ist unser Lappersdorf gerade recht. Und warum? Weil ich hier das Gegenstück zu dem sein kann, was die Leute einen Seelsorger nennen. Einen Körpersorger meinetwegen obwohl das die Sache nicht erschöpft. Sagen Sie selber: Was soll mir ein Krankenhaus, in dem die Fälle, klinisch hübsch numeriert und etikettiert, durch meine Hände laufen? Aus dem Nichts auftauchend und im Nichts ver­schwindend ...? Hier, in meinem ganz engen Kreise, habe ich das, was mir liegt: Lebensläufe, die ab­zulesen find wie eine Fieberkurve. Die man von A bis Z kennt. Von der Wiege bis zur Bahre sozu­sagen, sofern ich lange genug hier ausbalte ..."

Aber Sie reden ja wie ein alter Mann!" wider­sprach Ulla rasch:Wenn Sie ein greifet Sanitäts­rat wären, wäre das der rechte Standpunkt. Doch Sie sind jung. Und wer jung ist, muß lernen ..." »Der kluge Papadachte sie bei sich: ,Er hat alles gewußt, fast ehe ich selber es wußte'. Sie sah im Geiste den Vater, wie er das lag lange zu­rück den Finger erhob und lächelte: »Wird bei deinem karitativen Eifer der junge Mann nicht gar auf Gedanken kommen, die weniger mit der christlichen Karitas als mit einem gewissen uralt heidnischen Gott zu tun haben ...?' Sie hatte ihm ins Gesicht gelacht damals. Aber das war nur eine Maske gewesen, die verbergen sollte, was fie litt. Ach, wie hatte sie darunter gelitten, daß Wulflam, völlig in seinen Beritt verbiestert, ganz und gar nicht auf solche Gedanken kam! Und wie. litt sie noch heute...!

Lernen ja. Sie wissen selber, Baro­nesse ...", Wulflam sprach sehr schnell, denn schon kam durchs sachte Schneegeriesel das weiße Schloß­gebäude zwischen den dunklen Tannen in Sicht: ... daß ich mich auf dem Laufenden halte, so gut es geht. Daß ich die Literatur verfolge ich habe nur immer gefunden, es frommt mir wenig, der Kreis hier ist so eng, immer die gleichen Krank­heiten, mit denen ich wohl fertig werde. Ich glaube wirklich, das Wesentliche meiner Arbeit liegt hier auf seelischem Gebiet. Und Sie glauben das auch, sonst hätten Sie mich nicht gerade in diesem Punkt immer so freundlich unterstützt. Und dafür hilft mir kein Krankenhaus."

Mag sein. Ich bemühe mich. Sie zu verstehen", sagte Ulla.Und doch wäre es, 'auf die Länge ge­sehen, für Sie das Richtige ..." »Damals, als er im Schlosse Besuch machte ..., dachte sie: ,3d) liebte ihn gleich. Was an ihm? Ich weiß ganz genau, habe ja zwei Jahre Zeit gehabt, mich zu fragen und zu antworten. Die Geradheit seiner pommer- schen Natur. Auch seine Dickschädlichkeit ja, auch die. Die Zähigkeit, mit der er sich durchgeschlagen, obwohl der Vater so früh starb. Daß er jeden Monat der alten Mutter in Stralsund eine Post­anweisung schickt, obwohl Lappersdorf, weiß Gott, magere Weide ist. Daß er so fanatisch an seinem Beruf hängt, wie ich selber es täte ... Ach, ich liebe ihn! ... Ach, ich hasse ihn! ... Er ist egoistisch und unmenschlich sonst müßte er fühlen, wie jehr ich ihn liebe! ... Gehen er soll gehen! Damit dies ein Ende hat!'Eines Tages werden Sie ja doch heiraten wollen", sagte sie und wußte selbst nicht, wie ihr diese Worte auf die Lippen gekom­men waren, Worte, die eirien so bitteren Geschmack machten:Und da'ür gibt Lappersdorf nie und nimmer die Grundlage", fügte fie rasch hinzu.

»Heiraten? Ich?" Er lächelte ein verschleier­tes Lächeln:Du lieber Gott, daran denke ich gar nicht!"

Sie haßte ihn in diesem Augenblick, wie sie ihn noch nie gehaßt. Was nützte es, sich tausendmal zu jagen, daß er nicht wußte, wie grausam er ihre Liebe mit Füßen trat, wenn er das ausfprad): »Daran denke ich gar nicht!' Das war ja fein Ver­brechen, daß er »gar nicht daran dachte', wäh­rend neben ihm ihr Herz grünte und blühte! ... Nein? Unmöglich, daß sie.dies länger ertrug: ihn täglich zu sehen, täglich um ihn zu leiden ...

Sie standen am Heckentor des Schlosses. In der Halle schlugLeo" lärmend an. Ulla schloß die Pforte, reichte Wulflam über das Staket hinweg die Hand:

Seien Sie nicht dumm, Doktor. Schlagen Sie Jbr Glück nicht aus, indem Sie sich einbilden, es gäbe hier irgend etwas, was Sie bindet!"

Sie litt bei jedem Wort. Sie winkte ihm noch­mals und ging.

Ko-n'schiittelnd wanderte Dr Wulflam weit r Die Chaussee hinunter nach dem Dorfe zu.

Der Fernsprecher in der Pension Nagusa kliw gelte so schrill, daß Marion erschrocken aus dem tiefen Schlafe fuhr, in den sie nach den Strapazen dieses ergebnislosen Vormittags gesunken war. Sie sprang von der Couch an den Apparat.

... Wer ist dort? Verstehe nicht! Ach, Sie sind's, lieber Baron! Das ist ja reizend .. Ihre Stimme wieder zu hören! ... Wo sind Sie denn?"

Christian Fehr antwortete:

Auf dem Görlitzer Bahnhof, gnädiges Fräulein Gerade angekommen. Ja, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief! Er hat mich natürlich gleich mobilisiert bitte, bitte, das ist ltiltttverständlich! Ist ja nur ein Katzensprung nach Berlin ..."

Marion dachte uanz ichi.eu, oao |ie den Bries doch erst gestern Abend in den Kasten geworfen hatte gestern, als sie sich so besonders verlassen vorgekommen war, nach all den Mißerfolgen de» Tages...

Wirklich rührend von Ihnen, Baron! Sie be­suchen mich recht bald ja?"

Aber umgehend wenn Sie erlauben? Ich gebe nur den Koffer im Hotel ab

Marion legte den Hörer auf. Ein paar Sekunden lehnte sie am Tische, ein glückliches Lächeln in den braunen Augen. Sie sah Fehrs Gesicht wie an jenem Abend: den langen, schmalen Kopf, die weißen Wimpern, die Augen von der Farbe de» Meeres. Plötzlich war alle Verlassenheit, _ all'# Schwere von ihr gewichen. Sie begann zu trällern während sie durchs Zimmer ging und klingelte.

Dem Mädchen jagte sie, ein Herr werde kommen

er solle gleich hereingeführt werden, und dann möge man Tee machen, etwas kleines Gebäck dazu, bitte.

War das Zimmer eigentlich o:bentlid)? Die zer- knüllte Decke auf der Couch mußte sie Zusammen­legen . . Wie weit war's vom Görlitzer Bahnhof nach der Meinckestraße? Keine Ahnung.

Im kleinen Waschraum nebenan bürstete sie dar Haar, erfrischte sich mit Lavendelwaffer, zog du Brauen nach, fu^r m;t hAr ^',^",-^"<.0- üb-"-« A- sicht. J)euf abend luftig fein!", dachte sie trällernd.

Nach zehn Minuten ging die G.ocke. Schon? Rasche Schritte draußen auf dem Gang. Das M'id chen mit der weißen Spitzenrittche öffnete die Tür

Abbeg!"- Marion erschrak so. daß sie unroilb kürlich nach dem Herzen griff. (Fortsetzung folgt.)