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reform, die zwei Drittel aller Abgeordnetensitze der­jenigen Partei zusprach, die die meisten Stimmen auf sich vereinigt hatte, lüste Mussolini im Januar 1924 die alte Kammer auf und erzielte bei den Neuwahlen einen überwältigenden Sieg über die alten Parteien. Aber die innere Krisis, die keiner Bewegung nach dem Uebergang von der Kampf­truppe zur staatstragenden Partei erspart bleibt, mußte der Faschismus erst überwinden, bevor er darangehen konnte, durch Auflösung der alten Par­teien, die sich aus dem Parlament zurückgezogen hatten und in Opposition verharrten, die liberale Epoche Italiens endgültig zu liquidieren. Die Tei­lung der Gewalten mußte einer starken Staatsfüh­rung Platz machen. Der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit fand seine Lösung in der Carta del Lavoro, der Arbeits- und Sozialverfassung des korporativen Staates mit ihren Arbeiter- und Unternehmersyndikaten, deren gemeinsame Aufgabe es war, den Arbeitsfrieden zu sichern. Das Ideal des korporativen Staates ist das Gleichgewicht der sozialen Kräfte, die zwar verschiedene Tätigkeiten ausüben, aber alle Zusammenwirken in der Deckung des Bedarfs der Gesamtheit. Die Krönung des Auf­baus der neuen faschistischen Staatsordnung war die Ablösung des Parlaments durch die Kammer der Fafci und Korporationen als Vertretung aller Gruppen des politischen, sozialen und wirtschaft­lichen Lebens. Sie wurde das Bindeglied zur Masse des Volkes und das Mittel zur Heranbildung der neuen Führerschicht. Ueber ihr erhoben sich der Senat als eine Versammlungerlesener Köpfe der Nation", der Große Rat des Faschismus, dessen

Aufgabe es ist, über die Zusammensetzung der Kammer zu entscheiden und für die wichtigsten Staatsämter der Krone Vorschläge zu machen, und schließlich in der Spitze der Capo del Governo, der Duce der Faschistischen Partei und Oberhaupt der Regierung. Der faschistische Staat ist Wirklichkeit geworden.

Die ungeheuren Leistungen seiner Aufbauarbeit im Innern hat unser römischer Korrespondent hier schon aus eigener Anschauung geschildert. Die soziale Befriedung und sittliche Erneuerung des italienischen Volkes bildeten die Voraussetzung zu der kraftvollen Außenpolitik Mussolinis, deren Erfolg, der steile Aufstieg des faschistischen Italiens zu einer Groß­macht ersten Ranges wir alle bewundernd miterlebt haben. Und wenn heute das Italien Mussolinis Seite an Seite mit dem nationalsozialistischen Deutschland im Kampf steht gegen die Mächte einer versinkenden Welt der sich demokratisch tarnenden Plutokratie und des volkszerstörenden Bolschewis­mus, so kehrt damit der Faschismus an seinen Ur­sprung zurück, denn als Auflehnung der gesunden nationalen Instinkte des italienischen Volkes gegen die gleichen Mächte der Auflösung und Zersetzung ist er entstanden und groß geworden. Erst ihre gänzliche Vernichtung wird auch dem neuen Italien die mit so unsäglichen Mühen und Opfern errun­gene innere Freiheit sichern und in einer neuen und besseren welhwlitischen Ordnung den Lebensraum und die Machtstellung gewinnen lassen, die ihm feiner großen Vergangenheit, seiner hohen Kultur, seiner Tüchtigkeit und seiner sittlichen Kraft nach gebühren. Dr. Fr. W. Lange.

Angriffserfolge südostwärts Noworossijsk

Berlin, 28. Okt. (DNB.) Die schweren Kümpfe südostwärts Noworossijsk haben zum Erfolg geführt. Der schmale, nach Südosten geöffnete Meeresein­schnitt, an dessen Ende Noworossijsk liegt, wird be­herrscht durch Höhen, in denen sich die Bolschewisten hinter Panzergräben, Minenfeldern und Bunker­stellungen zäh verteidigten. Der ganze Gebirgszug mit seinem Steilabfall zum Meer und der schmale Uferstreifen mit seinen Straßen und Fabriken ge­hörte zu dem südöstlichen Festungsgür- t e l von Noworossijsk und war deshalb schwer be­festigt. Die an der Küste vordringenden deutschen Truppen kämpften sich schrittweise gegen die in Betonhäusern und Erdbunkern verschanzten Bol­schewisten an die Höhen heran. Gleichzeitig setzten unsere Jäger von Norden her ihre Angriffe fort, bis die Verbindung der deutschen Kampfgruppe hergestellt war. Damit fiel nach Abwehr einiger Gegenstöße der ganze das Stadtgelände und seine südöstlichen Ausgänge beherrschende Höhenzug in unsere Hand.

Bei Tuapse gehe» die Kämpfe um Bergketten, deren Täler in Richtung auf Tuapse immer breiter werden. Unsere Stoßtruppen erkämpften sich einige Bergsättel und schwenkten dann flankierend ein. Dadurch bildeten sich Ringe um einzelne Berg- massive. Der erste Kessel würde jetzt in zweitägigen harten Kämpfen nach Abwehr starker Ausbruchs­und Entsetzungsversuche ausgeräumt.

Im Zentralkaukasus verhindert tiefer Neuschnee größere Kampfhandlungen. Unsere Gebirgsjäger halten die besetzten Pässe und wen­den hier eine neue Kampftechnik an. Da es schwie­rig ist, geballte Ladungen weit genug bergaufwärts zu werfen, befestigen sie Handgranatenbündel an tief herabgezogenen jungen Bäumen, die dann beim Losschnellen die Sprengladungen viel weiter schleudern als das die menschliche Kraft vermag. Der Feind hatte durch diese behelfsmäßigen Wurf- 'maschinen erhebliche Verluste.

Der Wehrmachtberichi.

DRV. Aus dem Führerhauptguartier, 28. Okt. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Südostwärts Jlo ro or.o f f i jf f haben deutsche Truppen nach tagelangen schweren Kämpfen einen beherrschenden Höhenzug genommen. 3m Kampf­gebiet östlich Tuapse wurde eine durch zahlreiche Kampfanlagen verstärkte und hartnäckig verteidigte Bergstellung erstürmt und alle Gegenangriffe des Feindes blutig abgewiesen. 3m gleichen Kampfraum bekämpfte die Luftwaffe die Stellungen des Feindes sowie Stadt- und Hafenanlagen vo-r Tuapse. Gin Handelsschiff von 6000 BAT. wurde durch Bomben­treffer beschädigt.

Westlich des Terek schritt der eigene Angriff auch gestern gut vorwärts und führte zur Ein­schließung feindlicher Kräfte.

3n Stalingrad stieß der deutsche Angriff östlich der Brotfabrik bis zur Wolga durch und brachte damit ein größeres, vom Feinde stark besetztes Häu­sergebiet zu Fall. Verbände der Luftwaffe griffen mit guter Wirkung in diese Kämpfe ein. Südlich der

Stadt wies 3nfanterie in schweren Kämpfen wieder­holt Entlastungsangriffe der Sowjets ab. Auf Bahnstrecken und im Kaspischen Weer erlitt der Feind durch die deutschen Luftangriffe hohe Verluste. Elf Transportzüge wurden vernich­tet, drei Handelsschiffe mit zusammen 3000 BRT. versenkt, ein Tanker, ein Handelsschiff und zwei Bewacher in Brand geworfen bzw. beschädigt.

An der Donfront warfen rumänische Truppen, von ihren eigenen Kampfflugzeugen gut unterstützt, den Feind in die Donniederung zurück.

Die schweren, aber erfolgreichen Abwehrkämpfe in der El-Alamein-Stellung dauern an. 3nsbesondere im nördlichen Abschnitt führten die beiderseitigen Angriffe und Gegenangriffe zu erbit­tertem Ringen der 3nfanterie- und Panzerverbände, wobei eine besonders stark umkampfte wichtge höhe zuletzt in eigener Hand blieb. Der Feind verlor dabei abermals 5 3 Panzerkampfwagen. 3n hefti­gen Luftkämpfen brachten deutsche und italienische 3agdflieger 21 britische Flugzeuge zum Absturz, eines wurde von der Flakartillerie ab­geschossen.

Bei Einflügen über der westfranzüsischen Küste wurden gestern drei britische Flugzeuge in Luft- kämpfen abgeschossen. Am Abend des 27. Oktober flogen einige leichte Bomber unter Ausnutzung des stark diesigen Wetters in norddeutsches Küstengebiet ein und verursachten einige Verluste unter der Be­völkerung. 3m übrigen entstanden nur geringe Ge­bäude- und Sachschäden.

Der Sender London gab in der vergangenen Rächt bekannt, daß die Deutschen durch Vermittlung des Roten Kreuzes den Vorschlag für einen vier­tägigen Waffenstillstand in Stalingrad gemacht hät­ten, die Verhandlungen seien jedoch gescheitert.

Das Oberkommando der Wehrmacht erklärt dazu, daß diese Behauptung eine der üblichen Lügen der britischen Regierung ist, mit der sie den unaufhalt­samen Zusammenbruch der Verteidigung von Sta­lingrad zu verschleiern sucht.

AeußerstkriiifcheVerforgungs- lage -er Sowjets.

Lissabon, 28. Oft (Europapreß.) Der Mos­kauer Korrenspondent derBaltimor Sun" schildert in einem recht pessimistischen Artikel die Dersor- aungslage der Sowjets. Wie groß auch immer das Reservoir an Menschen in der Sowjetunion sei, ohne Waffen und Nahrung werde es unwirksam sein. Man wisse nicht, ob die Rote Armee genügend Nahrungsmittel, Oel, Munition und Ausrüstung besitze. Fest stehe, >daß die entwickelte Industrie Rußlands, die wichtigsten Quellen für Oel und Elektrizität und fruchtbarsten landwirtschaftlichen Gegenden sich jetzt im Besitz der Deutschen tief irrt) en. Die UdSSR, hänge deshalb bezüglich des Nachschubs von den USA. und England, ab. Die Größe der Vorräte sei unbekannt, ausländische Be­obachter'wüßten nur, daß die Treibstoffrationierung

aus Meinungsverschiedenheiten über den Fortgang der Bewegung entstanden war, ging am 7. No­vember 1921 dieNationale Faschistische Partei" hervor und auf ihrem ersten Kongreß in Rom noch im gleichen Monat waren 2200 Fasci mit 320 000 Mitgliedern vertreten.

Eine gewaltige Stärkung erfuhr die Partei zu Beginn des neuen Jahres, das das Entscheidungs­jahr im Kampf um die Macht werden sollte, als ihr Rossini, der Führer der nationalen Syndikalisten seine aus der schon genanntenUnione Socialista Jtalicma" entstandenen syndikalistischen Korpora­tionen mit rund einer halben Million Mitgliedern zuführte, womit der Einbruch in das Lager der Gewerkschaften gelungen war. Die Eisenbahnen wurden durch faschistische Ueberwachung dem roten Transportarbeiteroerband entwunden. Durch ähn­liche Methoden bemächtigte man sich der Kraftwerke und Telearaphenlinien. Der innerpolitische Kampf war längst zum erbitterten Bürgerkrieg geworden. Im Mai organisierte Balbo, der spätere Luftmar­schall und Generalgouoemeur von Libyen, eine Riesenkundgebung von 63 000 Arbeitern und Er­werbslosen, um von der Regierung Notstandsarbei­ten zu erzwingen. In Bologna wurde der Präfekt Mori, der später bet der Bekämpfung der Maffia in Sizilien eine hervorragende Rolle spfelen sollte, tagelang in seinem Palast belagert. In Mailand wurde ein von den Sozialisten an- gekündigter Generalstreik im Keime erstickt. Dös war am 31. Juli 1922 gewesen. Am 20. Septem­ber gab Mussolini in seiner Rede in llbine die Losung aus:Wir wollen Italien regieren!", und bekannte sich zu einer Monarchie, die die geschicht­liche Dauer der Nation versinnbildlichen solle. Da­mit sicherte sich Mussolini die Bundesgenossenschaft der Nationalisten, der monarchistischen Verbände und der rechtsbürgerlichen Gruppen in der Kam­mer und baute dem König die goldene Brücke in den neuen faschistischen Staat, dessen Errichtung bei der wachsenden Spannung und der vöMgen Hilflosigkeit der liberalen Regierung nur noch eine Frage von Tagen war.

Der Ministerpräsident Facta suchte den Faschis­mus durch das Angebot einer Regierungsbeteiligung abzufinden, aber Mussolini lehnte ab. Am 16. Ok­tober setzte er in einer geheimen Besprechung mit nur wenigen Vertrauten die Einzelheiten des Staatsstreiches fest, mit dem er die Macht an sich reihen wollte. Der Marsch auf Rom wurde beschlossen. Perugia wurde das Hauptquartier der Quadrumvirn, in deren Händen die Leitung liegen sollte. Am 24. Oktober nahm Mussolini in Neapel die letzte große Parade über seine Anhänger vor der Machtübernahme ab. Während nun schon im mächtigen Strom der sich überstürzenden Ereignisse in zahlreichen mittelitalienischen Städten die Macht auf die faschistische Partei überging und die Ko­lonnen der Schwarzhemden sich auf Rom in Marsch setzten, konnte der Ministerpräsident Facta zu keinem Entschluß kommen. Er zögerte, Widerstand zu leisten, wie energische Ministerkollegen ver­langten, legte dann jedoch am Morgen des 28. Ok­tober dem König das Dekret des Belagerungszu­standes vor, dessen bevorstehende Verkündung er bereits voreilig hatte bekanntmachen lassen. Doch König Viktor Emanuel unterzeichnete das Dekret nicht, entließ Facta und empfing wenige Stunden später de Vecchi, den Führer der piemontesischen Fa­schisten, der dem König versicherte, daß die faschi­stische Bewegung der Monarchie treu ergeben sei. Am 29. Oktober wurde Mussolini, der noch in Mai­land weilte, zum Ministerpräsidenten ernannt. Am späten Abend traf er in Rom ein, am folgenden Morgen begann der Einmarsch der Schwarzhemden,, die in Parade vor dem König vorbeizogen. Die faschistische Revolution hatte gesiegt.

Für die Bewältigung der gigantischen Ausgaben, die nun seiner harrten, hatte Mussolini nicht ein im einzelnen vorher festgelegtes Programm mit-- gebracht. Auf die Frage nach dem Ziele des Faschismus hatte Mussolini einst geantwortet:Wir sprechen es ohne falsche Bescheidenheit aus: die Nation regieren. Mit welchen Programmen? Mit dem Programm, das nötig ist, um die moralische und materielle Größe des italienischen Volkes sicherzustellen." Jedem Doktrinarismus gründlich abhold, ließ sich Ddussolini ganz von den Erforder­nissen der Praxis bestimmen, wobei ihm freilich eine sehr genaue Vorstellung von dem Idealbild des faschistischen Staates, der sein Ziel war, vor Augen stand. Aber die erste Sorge war die Sicherung der eigenen Machtstellung, denn die faschistische Be­wegung war als Minderheit zur Macht gelangt und sah rings um sich noch die alten Gegner, die im Parlament die Oberhand hatten. Mussolinis erstes Kabinett war nur zur Hälfte aus Faschisten ge­bildet, schon an den ersten Maßnahmen der Neu­ordnung, der Besetzung der Gewerkschaftshäuser, Einschränkung der Pressefreiheit, der Unterrichts­reform im Sinne einer nationalen und religiösen Erneuerung, der Verminderung des aufgeblähten Beamtenapparats und der ins Riesige aufgelaufe­nen Staatsschulden, zerbrach das in sich wenig kon­forme überparteiliche Kabinett. Nach einer Wahl-

Die alchimistische Apotheke.

Seltsames aus alten Rezeptierbüchern.

Für und wider die Arznei" ist ein Aufsatz be- tiltet, den Dozent (zur Zeit Regimentsarzt) Dr. H. Glatze! in derDeutschen Medizinischen Wochen­schrift" veröffentlicht und in dem er auf die tief­gehende Wandlung hinweist, die sich im Verhalten der Kranken gegenüber den Arzneien im Laufe der Zeiten vollzogen hat. Während früher kein Kran­ker ohne Rezept vom Arzt ging und die Arznei­vorschriften streng beachtete, stehen heute viele die­sen Verordnungen kritisch gegenüber. Ja, unter den Aerzten und Apothekern gibt es nicht wenige, die, wenn sie selbst krank werden, nur höchst ungern zur Pille, zum Pulver, zur Arzneiflasche oder zur Spritze greifen. Die Einwände, denen man zu­nächst begegnet, sind: Wer weiß, was das tatsäch­lich ist, was ich da einnehmen soll: und: Das Zeug hilft ja doch nicht. Die Schuld an diesem Mißtrauen gegen die Heilwirkung der Arznei liegt zum guten Teil bei der überlauten Reklame: es ist aber sehr schwer, ein Bild von der tatsächlichen Heilwirkung eines Mittels zu gewinnen. Das Mißtrauen bezieht sich aber nicht nur darauf, ob die richtige Arznei verabreicht wird, sondern es gibt sogar auch Kranke, die die Arznei überhaupt alsGift" ab­lehnen. Wie weit haben wir uns da entfernt von den Anschauungen in früheren Jahrhunderten, in denen man sich nicht genug tun konnte mit den verschiedensten und seltsamsten Heilmitteln, wie würde sich selbst der Anhänger der heutigen Arzneien entsetzen, wenn ihm manche von Den Mitteln angeboten würden, wie sie in alten Rezep­tierbüchern vorgeschrieben waren. Der Heilkünstler war fast wie ein Alchimist, und die Apotheke wurde zu einem geheimnisvollen Laboratorium.

Aus einem alten Rezeptterbuch von Renou vom

Jahrs 1608 kann man sich ein Bild machen, was in einer Apotheke jener Zeit alles zu finden war. Danach sollte eine Apotheke versehen seinmit gan­zen spanischen Fliegen, Kellerasseln, Regenwür­mern, Ameisen, Nattern, Skorpionen, Fröschen, Krebsen, Blutegeln und einer Menge kleiner Vögel". Don einzelnen Teilen von Tieren, die wunderbare Kräfte haben sollen, werden genannt:Das Bein aus dem Herzen eines Hirsches, Sperlings- und Hasenhirn, Wildschwein- und Elefantenzähne, Froschherzen, Fuchslunge, Ziegenbockleber, Wolfs­därme, Schweinsblasen, Natterhaut." Des wei­teren wird in diesem Verzeichnis auf geführt:Item Menschenfett, Lamm-, Enten-, Dachs-, Hasen-, Zie­gen-, Aal- und Schlangenfett: Hirsch-, Kalb- und Ziegenbockmark: Menschen-, Taubem und Bocks­blut; Hirsch-, Reh- und Einhorn-Horn; Elen-, Zie­gen- und Büffelklaue; Austernschalen mit Perlen darin und viele Arten Muscheln. Da endlich auch die Exkremente der oben genannten Tiere ihre beson­deren Kräfte haben, so halte der Apotheker auch davon in seinem Laden, insbesondere Ziegen-, Hunde-, Storchen-, Pfauen-, Tauben-, Moschustier- unb Zibetkatzenmist, samt Haaren und Federn von denselben Tieren." Als das beste Mittel gegen Rheumatismus galt Menschenfett. Und da die Her­beischaffung dieses Stoffes große Schwierigkeiten machte, so wurde der Henker ein gefährlicher Kon­kurrent des mittelalterlichen Apothekers.

Der französische Apotheker Pierre Pomet, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts lebte, veröffent­lichte die folgende Reklame:Wir verkaufen Men­schenfett, das wir auf verschiedene Weise verschaffen. Aber da Gott und jedermann weiß, daß der Scharf­richter in Paris so viel verkauft als man haben will, so werden wir Apotheker nur wenig von dem unfrigen los. Und doch ist das Menschenfett, das wir liefern, infolge feiner Zubereitung mit wohl- rietfjenben Kräutern unvergleichlich viel besser als

das, das man sich von einem Henker verschafft." Das teuerste Fett, das es in den alten Apotheken gab, war dasMückenfett". Als Mittel gegen die fallende Sucht" wurde verordnet:Nimm die Hirnschale einer Mannsperson, die nicht an einer Krankheit gestorben ist, am besten die Hirnschale eines gehenkten Diebes; lege sie in einen heißen Backofen, brenne sie, bis sie vollständig weiß wird, stoße sie zu Pulver und gib dieses dem Kranken am Morgen auf den nüchternen Magen in La­vendelwasser." Die Diebesleichen, die ja am Hoch­gericht lange Zeit hingen, waren von den Apo­thekern besonders gesucht. Große Nachfrage herrschte nach Diebesfingern, die dem Branntwein heilende Kraft gaben. Mittel, wie Rebhuhnhirn, Wolfs­magen, Froschaugen, Hirschgeweihspitzen, Kröten­herz, Schmeißfliegenschwanz usw., die für gewiße Medikamente benötigt wurden, waren nicht immer leicht auf Lager zu halten. Am schwersten zu be­schaffen und am teuersten war das gar nicht exi­stierende Einhorn, dessen Knochen gegen eine Un­menge von Krankheiten verordnet wurden. Meist wurde dasEinhorn" durch das Elentier Ersetzt.

Außerdem mußte der Apotheker mit den Blüten, Früchten, Blättern, Stengeln, Wurzeln aller wild­wachsenden Pflanzen feines Landes und ebenso mit den wichtigsten Heilkräutern der fremden Länder versehen sein. Auch aus dem Mineralreich war vie­les da, was man heute in einer Apotheke nie und nimmer erwarten würde. So werden aufgezählt Alle Arten Erde, als Tonerde aus Armenien, Erde von Lemmos, Malta, Cimolia, rote Erde, gelbe Erde, Kreide". Den höchsten Wert legte man auf Gold und Silber und Edelsteine, welchen letz­teren ganz außerordentliche Heilkräfte zugeschrieben wurden. Erhält doch noch in MolieresArzt wider Willen" der Kranke ein Stückkunstvollen Käses; darin sind Gold, Korallen, Perlen und eine Masse von anderen Kostbarkeiten". C. K.

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sich auch nach Mers-El-Kebir, dem Schauplatz des englischen Ueverfalles von 1940 auf die französische Schlacytflotte. An den Gräbern mit den Hunderten

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England uber Willkies Rede verärgert.

Stockholm, 28. Okt. (Europapreß.) Willkies Rundfunkrede an das nordamerikanische Volk hat in London eine sehr unerfreuliche Aufnahme ge-

Tanker versenkt und 1 beschädigt, insgesamt also 292 vernichtete ober beschädigte Schiffe mit 1444 248 Tonnen. Die italienischen Verluste konnten durch die Neubauten nicht nur ersetzt werden, sondern Italiens Einsatz zur See konnte noch wesenüich verstärkt werden, da die neugebauten Schiffe den modernsten Ansprüchen entsprechen.

Zwei neue Eichenlaubträger.

Berlin. 28.Off. (DRV.) Der Führer verlieh das Eichenlaub zum Rillerkreuz des Eisernen Ären- zes an Oberstleutnant Kirschner, Kommandeur eines 3nfanterieregiments, als 135. Soldaten, und an Hauptmann Hupfer, Bataillonskommandeur in einem 3nfonterieregimenl, als 136. Soldaten der deutschen Wehrmacht und sandte ihnen folgendes Telegramm:3n dankbarer Würdigung 3hres Hel­denhaffen Einsatzes im Kampf für die Zukunft un­seres Volkes verleihe ich 3hnen das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Adolf Hitler."

Oarlan in Oran und Mcrs-El-Kebir.

Genf, 28. Okt. (Europapreß.) Admiral Dar« lau. der Oberbefehlshaber aller französischen Streitkräfte, traf in Algier ein. In Oran sanden große nationale Kundgebungen und eine Truppen» Parade der ganzen Garnison statt. Darlan begab

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Tokio, 28. Okt. (Europapreß.) Der bisherige ja# panische Botschafter in Rom, Zombei Horikiri.,

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Kreuzer mit 79 332 Tonnen, 26 leichte Kreuzer mit 113 264 Tonnen, 160 Torpedoboote mit 163 362 Mchteten Tonnen, 133 U-Boote mit 110 800 Tonnen, insge-, len in noi samt waren es ohne die umgebauten Handelsschiffe, Ilbgeschosse Meß- und Spezialschiffe 335 Schiffe mit 707110 ;

Freund der Elefanten.

Als Heinz Heck den Hellabrunner Tierpark neu eröffnete, bat ihn ein junger Mann um Anstellung als Elefantenwärter. Er habe allerdings bislang nur Mist gefahren bei einem Zirkus, sagte er schlicht und einfach, aber der Zoodirektor spürte die innere Berufung des Menschen, der sich binnen kurzem zu einem der bedeutendsten Fachmänner auf dem Gebiete der Elefantenpflege und Zucht entwickelte. . Zuerst betreute Werner einen einzigen Elefan­ten in Hellabrunn: immer neue kamen hinzu, und durch feine Einfichlungskraft wurde der Pfleger man kann es nicht anders sagen das lenkende Leittier der größten Zoq-Elesantenherde, ja, et wurde für diese Tiere eine Art von überirdischem Wesen.

Tiermenschen sind meist Sonderlinge, die ihrs Tiere meist besser verstehen als ihre Mitmenschen. Der Elefanten-Werner hatte auch seinen mensch­lichen Freunden gegenüber eine zwar nicht laute, doch frohe Lustigkeit; keiner von uns, der ihn nicht gerade deswegen besonders mochte, sein Direktor einbegriffen. Vielleicht haben diese beiden sich über­haupt am besten verstanden.

Als im Mai 1932 die Elefantin Cora den Wasil zur Welt brachte, war dieses Hellabrunner Ele­fantenkind so schwach, daß es weder stehen noch lau­fen konnte, sondern dauernd von Werner gestützt und gehalten wurde. Es ist einmalig in der Ge­schichte aller zoologischen Gärten, daß ein Wärter während der ersten zwei Wochen ein Elefantenkind mit der Flasche ernährte, bis es kräftig genug war, an der Mutter zu trinken. Unmittelbar nach der Geburt blieb Hans Werner drei Tage und Nächte ohne Unterbrechung bei feinem Schützling. Mit Ge­walt zog ihn der Direktor aus der Stefanien* Wochenstube, legte ihn in fein eigenes Bett und wachte bei chm, bi» er einschlief. Paul Eippee.

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funben. Allerdings benutzen einige Zeitungen die Ausführungen Willkies über die Unzulänglichkeit der nordamerikanischen Rüstungsproduktion, um er­neut auf eine Steigerung der allgemeinen Anstren- Sen zu drängen. So schreibtDaily Telegraph"

ie verstehe zwar von militärischen Dingen nichts, man müsse ihn aber anhören, wenn er über Zustände in den Vereinigten Staaten spreche. Daily Expreß" bestätigt die Aeußerung Willkies, daß die der Sowjetunion gegebenen Versprechungen nicht gehalten worden seien. Aus vielen Gründen seien die Sendungen kleiner ausgefallen, als man versprochen habe. AuchDaily Mail" nimmt dis Willkie-Rede zum Anlaß, um das unerschöpfliche Thema der alliierten Uneinigkeit erneut anzuschnei­den und auf eine bessere Gleichschaltung der alli« ierten Kriegsanstrengungen zu drängen. Im übri­gen lehnt man jedoch in England die Steuerungen Willkies ab.Daily Telegraph" vergleicht Willkis

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ironisch mit Don Quichotte. Am meisten hat di« Aeußerung Willkies verärgert, daß Indien ebenso­gut eine nordamerikanische wie eine englische An­gelegenheit sei. Eine sehr deutliche Absage an Willkie erteilte der Unterstaatssekretär im britischen Kriegsministerium, Lord (Troff Im Konstitutio­nellen Club in London sagte er, England denk« nicht daran, seine Kolonien wieder herzugeben ober auch nur einer internationalen Kontrolle zn unterstellen.

Die Erfolge deriialienischen Kriegsmarine.

Rom, 28. Okt. (Europapreß.) Bei Eintritt Jta- liens in den Krieg verfügte die italienische Marine über 8 Schlachtschiffe mit 234 388 Tonnen, 8 schwere

Die allein von diesen italienischen Schiffen ver- ,, ursachten 23 er lüfte des Feindes belaufen sich ? JlCld)ö auf: 4 Schlachtschiffe versenkt, 1 beschädigt, 15 Kreu- 1 M zer versenkt, 19 beschädigt, 71 U-Boote versenkt, 13 1im beschädigt, 18 Hilfskreuzer versenkt, 4 beschädigt, 125 Handelsschiffe versenkt, 11 beschädigt und 31

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Schlacytflotte. An den Gräbern mit den HundertenJ^ung , von weißen Kreuzen der bei Mers-El-Kebir umsJWn i Leben gekommenen französischen Matrosen, legte es Eiche Blumen nieder. j,W ton

Japan ernennt einen »außerordentliche« "'lichen.

wesentlich verschärft wurde und daß die Beoölke» L( rung von außerordentlich kleinen Nahrungsmittel» rljr Zuteilungen leben müsse. Ueber das Industriegebiet in Zenttalrußland sei die Beschaffung zuverlässiger Informationen äußerst schwierig.Eine o-bjethoe Schätzung", so schreibt der in Moskau ansässige Amerikaner,roüroe die gesamte Produktion in den Rußland verbliebenen (Gebieten auf weniger als diejenige des Staates Pennsylvania berechnen."