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29./Z0. August M2

Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesten)

Er. 205 Zweites Blatt

Das Qualitätsprinzip in der Lehrlingsausbildung

Erkenntnisse beim Besuch einer Lehrwerkstätte

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Ein neues Lustwarnsignal.

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J übliche Signal.

Dr. Brüggers Patientin

Roman von Walter Klöpffer

(Nachdruck verboten.)

28. Fortsetzung.

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um allmählich immer mehr an größere Dinge her­angeführt und mit ihnen vertraut gemacht zu wer­den. Neben der vielseitigen fachlichen Ausbildung gehen der theoretische Unterricht und die charakter­liche Schulung einher, damit auch der geistige Mensch so entwickelt und gestaltet wird, wie es im Interesse des einzelnen, aber auch zum Nutzen unserer Volksgemeinschaft notwendig ist. Dazu ge­hört z. B. vor allem auch die Gewöhnung des jun­gen Menschen an Disziplin und Ordnung am Ar­beitsplatz, an Kameradschaft, an Gemeinschaftssinn und an Verpflichtetsein gegenüber der Volksgemein­schaft. Bei all seinen Arbeiten und seiner ganzen. Entwicklung genießt der Junge die sorgfältige, ge­wissermaßen väterliche Ueberwachung des haupt­beruflichen Leiters der Lehrwerkstätte, der der Be­triebsführung für die Heranbildung qualitativ und charakterlich hervorragender junger Menschen ver­antwortlich ist. Dies ist für den Leiter manchmal keine leichte Aufgabe, aber sie wird gegenüber allen Lehrlingen niit Gewissenhaftigkeit erfüllt, weil die Freude und der ideelle Gewinn an dem Werden des jungen Menschen den schönsten Lohn der Ar­beit darstellen. Durch die Abgeschlossenheit der Lehr­werkstätte von den anderen Arbeitsstätten wird er­reicht, daß der junge Mensch in seiner ersten Ent­wicklung nicht etwa in die Hände eines älteren Arbeitskameraden gelangt, der aus irgendeinem Grunde für den Jungen nicht den geeigneten Be­treuer abgebe, wie umgekehrt auch vermieden wird, daß ein Junge schon im ersten Jahre nach seiner Schulentlassung an Dinge herangesührt werden könnte, zu deren Bewältigung er nicht in der Sage wäre. Erst nach dem Abschluß des ersten Lehr­jahres, dessen Verlauf in allen Phasen der Arbeit und der Ausbildung sorgfältig überwacht und registriert wird, kommt der Lehrling für seine wei­teren Lehrjahre an die eigentlichen Arbeitsstätten, wo er dann unter gewissenhaftem Aufbau auf der im ersten Jahre geschaffenen Grundlage feine wei-

tere berufliche Vervollkommnung erfährt. Hier hat er dann reichliche und vielseitige Möglichkeiten,

Die drei Akte des kürzlich verstorbenen, sehr begabten, übrigens auch als Erzähler rühmlich bekannt gewordenen Adelbert Alexander Zinn sind ein nicht nur anmutig unterhaltsames Stück, sondern sie verdienen auch den allzu oft angemafjten und mißbrauchten Ehrentitel der Komödie, Hinn schrieb hier die Geschichte des Filmstars im gefähr­lichen Alter, eine Art Gegenstück zu Roland Schachts Schauspielerin", die uns durch das vorletzte Gast­spiel von Frau Agnes Stxpub unvergeßlich ist. Bei Zinn hat der berühmte Mann sechs Frauen wie Heinrich VIII. von England; er steckt sie nicht wie jener in den Tower, es fließt auch kein Blut dabei, und wenn er die sechs Geschiedenen, die un­tereinander gute Freundschaft halten wie eine große Familie, zur Einweihung seines neuen Hauses um sich versammelt, so geschieht das nicht, um eine Lustspiel-Idee in Schwanksituationen auszubeuten. Es stellt sich nämlich heraus, daß das eigentliche Problem dieses Stückes tiefer liegt, als es etwa die gewiß delikate Frage des Rollenfachwechsels wäre: es ist nicht allein ein künstlerisches Problem, sondern auch ein menschliches; wie sehr beide inein­anderspielen, erweist sich an dem Umstande, daß der berühmte Bernd Flor", der, noch ehe er fünfzig wurde, sechs Frauen hatte, mittlerweile auch er­wachsene Kinder hat, von denen der Junge eben­falls zum Film geht. Wie in derSchauspielerin" Mutter und Tochter, stehen sich hier Datei" und Sohn gegenüber als Konkurrenten, die eine ge­schäftstüchtige, Erfolg witternde Produktton in einem FilmDer Thronfolger" nebeneinander Her­ausstellen und gegeneinander ausspielen will. Nicht genug damit, daß derberühmte Flor" sich eines Tages den alten Flor nennen hören muß, weil es auf einmal auch einen jungen gibt: der verlobt sich

sagen. Tat er ihr unrecht? Nein, nein. Die Jndizien- fette war lückenlos, es gab keinen Zweifel.

Er nahm das ominöse Scheckbuch, roa-rf es wütend in die Lade, drehte den Schlüssel um und steckte ihn zu sich. Zuschließen mußte man! Dor der eigenen Frau! Pfui Teufel! Das war ja mcht ein­mal bei der Purgstaller nötig gewesen, und das war ein wildfremder Mensch. Annas Benehmen hatte ihn so tief verwundet, daß er oben weder die An­schuldigung der Hausdame noch die Bankauskunft hatte mehr erwähnen mögen. Auch über das Ge­spräch im Garten hatte er geschwiegen. Keinen von den Beweisen, mit denen er Anna hätte zur Strecke bringen können, hatte er ihr vorhin ins Gesicht ge­schleudert. Denn er hatte sich für sie geschämt.

Er barg das Gesicht in den Händen und grübelte verzweifelt nach. O Anna, auf dich hätte ich Häuser gebaut, und nun tust du mir das an! Alle die, die ihn vor dieser Heirat gewarnt, hatten recht. Schade, daß man keine Röntgenaugen hatte, um zu erkunden, was für Gedanken hinter dieser Mäd­chenstirne nisteten. Vielleicht machte sie sich im stillen luftig über den vertrauensseligen älteren Herrn, der ratlos im Dunkeln tappte? Je länger man nachdachte, desto mehr gravierende Momente kamen zutage. Also darum hatte sie ihn in der ersten Nacht nicht brauchen können. Sie wollte un­gestört sein, wie raffiniert! Sie hatte gewartet, bis alles schlief, dann hatte sie sich ins Sprech­zimmer geschlichen und den Scheck ausgefüllt. Was das wohl für Schulden fein mochten? Und ihr Ge­sicht vorhin, ihr ganzes Verhalten! Das allein, schon genügte. Großer Gott, was sollte nun werden? Er konnte doch nicht tun, als ob nichts geschehen wäre. Daß er sich in einem Menschen so täuschen konnte!

Er ließ die letzten Tage an sich vorüberziehen und wurde ein wenig unsicher. Sollte das alles Lüge gewesen fein? Annas «Zärtlichkeiten, Annas kindliche Freude über dies und jenes, Annas Be­teuerungen? Konnte ein Mensch so schauspielern? Oder lebten zwei Seelen in ihrer Brust? Oder hatte. sie nur eine Torheit begangen und schämte sich des Geständnisses? Nichts wußte mari, Letz

Es ist sehr hübsch zu sehen, wie in dieser mensch­lich-privaten Losung auch der künstlerische Konflikt sich zu schlichten scheint, obwohl er noch keineswegs entschieden ist und jedenfalls erst ausgetragen wer­den muß. Unter Herrn Zeppenfelds behut­samer Spielsührung kamen nicht allein die schlecht­hin witzigen und unterhaltenben Partien des Stückes wirksam und das Publikum erheiternd zum Vor­schein, sondern auch sein komödienhafter Tiefgang und, vor allem im federnden zweiten Akt, die echte Problemstellung des Motivs auf der schmalen, fließenden Grenze zwischen Illusion und Wirklich­keit. Herr Ludry»ig verzichtete in diesem Sinne darauf, eine billige, womöglich grob satirische Stu­die des großen Komödianten im Privatleben zu zeichnen: er wahrte mit Takt und Haltung und Humor den menschlichen Umriß, den jede Komödie verlangt. Renate F r e i h e n , die erste der sechs und wahrhaftig diegute Sieben", spielte die Frau Katharina mit einer durch alle Leichtigkeit des Kon­versationstones hindurch spürbaren, heiteren lieber- legenheit der reifen unb liebenden Frau. Einige neue Kräfte, Friedl Gollman, Josefine Len­zen und Hanne Schmitz, stellten sich neben Annemarie Schwind und Anja R a u im amüsant abgestuften und lustig zusammenklingenden Sextett vor. Käte Jaenicke und Gaby Amersbach

Sieben" fürchtet. Zinn verkehrt aber die volks­tümliche Redensart im Sinne eines französischen Sprichwortes auf die liebenswürdigste und mensch­lichste Weise in ihr Gegenteil und läßt den großen Mann am Tage seiner silbernen Hochzeit zu der ersten von den sechsen zurückkehren, die von allen die beste war, die klügste, die mütterlichste, die, welche ihn immer geliebt hat und noch liebt.

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Aus der Stadt Gießen

Tausendgüldenkraut.

gar nichts, aber es mar schlimm genug. Sein Ver­trauen zu Anna hatte einen Stoß erlitten, der nicht wieder gutzümachen war. Der alte Hingerl hatte ganz recht mit feinem Pessimismus.

Prugger stand wie gerädert auf und preßte die Handflächen an die schmerzenden Schläfen. Er nahm sich vor, nicht mehr an die Sache zu denken. Leicht gesagt. Vielleicht.lenkte die Arbeit ab. Arbeit hatte ihn schon über so vieles hinweggeholfen. Er goß sich einen Kognak ein und vergaß, ihn auszutrin- ken. Er brannte sich eine Zigarette an und zog nicht daran. Er warf in Gedanken eine Vase um, unb das Wasser rann auf den Boden. Dann raffte er sich gewaltsam zusammen und überlegte das restliche Pensum des Tages. Als er das Haus verlieh, um im Krankenhaus noch einmal nachzuschauen, lag ein bitterer Zug um feinen Mund. Das Leben war durch feine zweite Ehe nicht einfacher geworden. Man mußte die Sache beschlafen. Vielleicht brachte die kommende Nacht eine Klärung.

13.

Professor Helmreich und Franz Hudal langten am frühen Nachmittag, von Trettau kommend, in Jmmenstadt an. Da sie bis zum Eintreffen des Münchner V-Zuges eine halbe Stunde Aufenthalt hatten, wagte der junge Mediziner einen Sprung in die ihm unbekannte, reizvoll gelegene Stadt, während der Professor es vorzog, in der Bahnhofs-

Theater der Universitätsstadt Gießen

Adelbert Alexander Zinn: »Die gute Sieben".

►en Teile, die an der Lust ge­ll itorfnet unter dem tarnen Herba Centaurii auf den rlarft der pflanzliche Heilmittel gelangen.

Man führte früher den schonen gehalt- und klang- «llen NamenTausendgüldenkraut" auf die heil­kräftigen Wirkungen der Pflanze zurück, die auch N tonte noch geschätzt werden. Trotzdem aber hat der «Name Tausendgüldenkraut einen ganz anderen Ur« Lung. Wir haben es

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fie^3dj habe Professor Helmreich beauftragt, beinern »eite? monatlich hundert Mark ^kommen zu! faflen Die Zuwendung ist in die Form e-nes «tipendmms gekleidet. Da Franz nicht ahnt daß das mm stammt, kann er sich nicht verletzt suhlen. Maubs du, daß ich recht gehandelt habe? Ich hatte, das Empfinden, man müßte etwas für den irmgen Menschen tun." Er sprach halblaut gegen die

Bei dieser Gelegenheit möchte ich etwas klar- ftellen Annerl: Wenn du mal Geld brauchst 65 kann auch eine größere Summe fein, dann kannst du natürlich über alles hier -erfugen Was mein ist, ist auch dein. Wir wollen das handhaben wie richtige Eheleute, ja?"

. Sie sah flüchtig zu ihm auf und murmelte:Du bist sehr großzügig, Martin. Ich danke dir.

Ist das alles? dachte er enttäuscht. Immer nach kein Geständnis? Leichter und bequemer kann ich es ihr bei Gott Nicht machen. - Er ging zum Fenster und betrachtete den Himmel. Brutaer 3u griff war feinem Wesen fremd. Er wollte mit Oute unb Ueberzeugung ans Ziel kommen. Er suchte sich in Annas Lage zu versetzen und z'tnmerte an neuen Sätzen, die besser verlangen sollten als die bis- heriaen Er trommelte em wenig °" Glas und dachte: Nun will ich ihr die allerletzte Chance

aut einen ganz anderen Ur« hier vielmehr mit einer ganz jenartigen und merkwürdigen Namensumdeutung tun. Die alten Griechen nannten die Pflanze zu )ren des in der Kräuterkunde sehr erfahrenen ntauren Cheiron, des Lehrers des Herakles,

feine Fähigkeiten zur Entwicklung zu bringen unb ich einen Leistungsstand zu erarbeiten, ber ihn zum hochqualifizierten Arbeitskameraden macht. Jpabin wird aber darauf gesehen, daß der junge Mensch sich nicht ganz und gar einseitig zu einem Spezia- listen entwickelt, der nur und ausschließlich das be­herrscht, was seinen eigentlichen Arbeitskreis aus- macht, sondern es wird dafür gesorgt, daß er auch über den engeren Rahmen seines Berufs hmaus zum mindesten die allgemeinen Grundlagen der Ar­beitsvorgänge beherrschen lernt, mit denen er zu tun hat.

Auf diesen Ausbildung^ wegen ist es bisher ge­lungen, vielen jungen Männern ein berufliches Können und Wissen zu vermitteln, das sie zu viel­seitigen und in allen Sätteln des fachlichen Gebiets sicheren Mitarbeitern gemacht hat. So ist es auch keine Seltenheit, daß die jungen Menschen, die aus der Lehrwerkstätte hervorgegangen und dann m der praktischen Weiterbildung alle Stufen der be­ruflichen Ausbildung Schritt um Schritt emporge- stiegen sind, schon bald nach der Lehrzeit Arbeits­leistungen aufzuweisen haben, die denen von älteren Facharbeitern durchaus gleichwertig zur Seite ge­stellt werden können. Den Vorteil davon genießen nicht nur der junge Fachmann selbst und sein Aus­bildungsbetrieb, sondern er kommt im weiteren Verlaufe des Lebens dieser Männer der Arbeits- leiftung überhaupt und damit wenn einmal ein Wechsel d?s Arbeitsplatzes vorgenommen wird auch anderen Stätten der Arbeit und so der Ge­samten deutschen Gütererzeugung zugute. Mit dieser guten Auswirkung auf weite Sicht wird von der Lehrwerkstätte Dienst für die Volksgemeinschaft ge­leistet, dessen Bedeutung im Hinblick auf die großen Aufgaben, die alle schaffenden deutschen Menschen für die künftige wirtschaftliche Entwicklung un­seres Volkes und Reiches zu erfüllen haben, gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Darum darf man solche Lehrwerkstätten als wertvolle Keimzellen für unseren nationalen Wohlstand be­zeichnen.

taktvolle Umwege nichts gefruchtet hatten. Er drehte sich mit einer brüsken Bewegung auf dem Absatz herum und sagte:

Um nochmals auf die Bankaffäre zu kommen: Die Purgstaller gibt an, nichts zu wissen. Ist etwa zu dir ein Geschäftsmann gekommen, der Geld wollte? Oder ist eine Rechnung eingelaufen, die bu bezahlt hast? Das betreffende Scheckformular war von mir ja bereits unterschrieben, so daß du nur die Summe hättest einzusetzen brauchen."

Anna hob das Antlitz zum Fenster. Ihre Lippen waren blaß. Sie quälte sich mit einer Antwort ab und sagte schließlich:

Bei mir war niemand. Ich habe auch reine Rechnung bezahlt. Ich habe keinen Scheck ausge­füllt." Das war die Wahrheit, und dennoch wurde sie dieser Wahrheit nicht froh. Ihr war schwer zu­mute, weil sie mit Arglist und Verschweigen ope­rieren mußte. Aber blieb ihr eine andere Wahl? Fenders Namen preiszpgeben, hieß nach einigem Hin und Her sich selbst preisgeben und jene Lieb­schaft mit ihm offenbaren, deren sie sich heute schämte. Martin würde das nie verwinden. Wenn fie jetzt schwieg, konnte noch alles gut werden. Fender hatte ja mit falschem Namen quittieren wollen, da man ihn auf der Bank nicht kannte. Es würde also nichts aufkommen, es würde Gras über die Geschichte wachsen. Das Geld konnte Mar­tin verschmerzen, es galt nur stumm zu sein und Haltung zu bewahren. Wenn sie nur keine so schlechte Lügnerin wäre. Schon als Kind in der Schule hatte sie niemals etwas verbergen können.

Na schön", murmelte Brügger und schritt an Anna vorbei rasch aus dem Zimmer, dessen Luft von Lügen verpestet war. In seinem Arbeitszimmer ließ er sich betäubt in den nächsten Stuhl fallen. Erbauliche Geschichten waren das! Vier Tage ver­heiratet und schon eine Enttäuschung. Seine Frau log Log wie das nächstbeste Straßenmädchen, ab- gefeimt und verstockt. Stellte eigenmächtig und hinter , feinem Rücken Schecks aus, verhalf ihrem Detter zu Geld und bestritt hinterher alles mit glatter Stirn Brav, brav! Und mit Kleinigkeiten gaben t sich die Herrschaften nicht ab, das mußte man schon

Die Lehrwerkstätte bei Heyligenstaedt besteht seit 1936. Durch diesen Ausbildungsplatz ist bisher schon eine stattliche Anzahl junger Menschen gegangen, die jetzt als tüchtige Fachkräfte nicht nur bei der Firma selbst, sondern auch in Unternehmungen an anderen Orten ihre Position voll ausfüllen. Der Zweck dieser Einrichtung besteht in erster Linie in der Heranbildung hochwertiger Arbeitskräfte. Die Erfahrungen, die" man in den sechs Jahren des bis­herigen Bestehens der Lehrwerkstätte gemacht hat, sind so zufriedenstellend gewesen, daß man sich den ständigen Ausbau dieser Betriebseinrichtung be­sonders hat angelegen sein lassen.

Die Nachftage junger Menschen nach Lehrstellen bei dieser Firma ist stark. Aber nicht jeder findet hier den Weg ,zu einem Lehr- und Arbeitsplatz offen. Es wird jedoch nicht engherzig bei der Ent­scheidung über die Besetzung der Lehrstellen ver­fahren, im Gegenteil, Großzügigkeit ist hier Richt­schnur des Handelns. Dennoch kann von gewissen Mindestanforderungen an den jungen Menschen und an seinen geistigen Horizont nicht abgesehen werden, weil man von vornherein dem jungen Menschen Enttäuschungen ersparen will. Als erste Probe oufs Exempel hat jeder Junge, der hier als Lehrling einzutreten wünscht, im Büro der Firma unter Aufsicht seinen Lebenslauf zu schreiben, weil sich schon daraus wertvolle Erkenntnisse über das geistige Format des Bewerbers gewinnen lassen. Nebenher sucht der Sachbearbeiter der Firma in zwangloser Unterhaltung dem Jungenauf den Zahn" zu fühlen, um dessen Allgemeinbildung, gei­stige und technische Interessen usw. einigermaßen kennenzulernen und überhaupt ein ungefähres gei­stiges Bild von der Eignung des Jungen zu ge­winnen. Hier sondert sich meist schon auf den ersten Anhieb die Spreu vom Weizen. In den meisten Fällen wird aber jedem der hoffnungsfroh ins Leben schreitenden Jungen eine Chance gegeben, wenn nur irgendwie eine Voraussetzung oder eine in der Person des Bewerbers selbst begründete

Aufschlußreiche

Die technische und industtielle Entwicklung unserer Zeit und vor allem der Ausblick auf die großen wirtschaftlichen Aufgaben der Zu­kunft machen uns auf allen Gebieten die sorgfältigste Ausbildung der Nachwuchs­kräfte zur Pflicht. In dieser Erkenntnis hat die Firma Heyligenstaedt in Gießen als zweckdienliches Ausbildungsmittel eine Lehr­werkstätte eingerichtet, die in dieser Form natürlich nicht überall geschaffen werden kann, ober doch manchen Betrieben Beispiel oder Vorbild sein dürste. Ech Besuch in dieser Lehrwerkstätte brachte uns interessante Erkenntnisse.

I Wenn der Sommer zur Rüste geht und von den teuren eine schöne Blüte nach der anderen ver- |jjminbet, hat eine unserer zierlichsten Pflanzen den ! Mck ihrer schönen rosenroten Sternblümchen be- kolten: das vom Volke stets hoch in Ehren gehaltene Husendgüldenkraut, das den botanischen Namen frjythraea centaurium führt. Es tft eine einjährige Mauze mit einem steifen, aufrechten Stengel, der 12(1 bis 30 Zentimeter hoch, vierkantig und meist un- rkrzweigt ist. Von den rosenroten Blüten stehen ! viele am Ende des Stengels und der in den ober­sten Blattachsen stehenden Blütenzweige zusammen, lie Pflanze tft auf sonnigen Triften, auf Wiesen, ' rn Gebüschen, auf Waldblößen überall in Deutsch­land verbreitet und tritt da, wo sie vorkommt, meist I htrdenweise auf. Sie ist durch stark bitteren ®e- >1 Hmack ausgezeichnet, und man sammelt von ihr die Beamten oberirdische ~ " llvcknet unter dem ofi

kmzerhand mtt dem Fräulein, mit dem der alte vertraten mit schwärmerischem Schwunde-jun. schon aeliebäuaelt hat, vielleicht nur, um seine um gere Generation zusammen mit Herrn Ä0d)rtng, widerstehliche Anziehungskraft vor sich selbst zm er- der in sympathischer Form den ^t)ronfot^r ab* proben, obwohl er sich ein wenig vor derbösen gab. (Was die neuen^Mttgtieder^angeht^o^kann

Möglichkeit dazu vorliegt.

Nach der Aufnahme in den Kreis der Lehrlinge leben dem Jungen alle Möglichkeiten des Aus- biDungsplatzes offen. Aber zunächst ist noch, nicht zuletzt im Interesse des Jungen selbst, ein Probe­zustand vorherrschend. Erweist es sich in den ersten Wochen, daß die geistigen oder physischen Anlagen des Jungen, aber auch seine ganze Einstellung zu der Arbeit nicht zu den notwendigen Vor­aussetzungen des erwählten Berufs hinreichend sind, so wird ihm entweder der Weg zu einer anderen Lebensaufgabe im Rahmen der Lehrwerkstätte er­öffnet, oder es wird ihm mit guten Ratschlägen der Ausblick auf bessere Chancen in einem anderen Er­werb szweig gegeben, damit er möglichst wenig an Zeit für seine Berufsausbildung verliert und vor Enttäuschungen bewahrt bleibt. Erweist sich ober ein Junge auch nur annähernd für den Beruf brauchbar, den er sich selbst als Lebensaufgabe er­wählt hat, so wird ihm in der Lehrwerkstätte unter verantwortungsbewußter, sachkundiger und umsich­tiger Führung alle Förderung zuteil. Die Lehr­werkstätte ist im Rahmen der Firma gewisser­maßen ein Reich für sich. Ihre Aufgabe besteht einzig und allein darin, dem Nachwuchs die er­forderliche Grundausbildung zu geben, wobei in keiner Weife etwa an wirtschaftliche Rentabilität dieses Zweiges gedacht ist, sondern nur der ideelle Gedanke des Berufsethos und der Entwicklung technischer Anlagen und Fertigkeiten des Nach­wuchses im Vordergründe steht.

Das erste Lehrjahr verbringt der junge Mensch ausschließlich an seinen Arbeitsplätzen in der Lehr­werkstätte. Hier fängt er mit kleinen Aufgaben an,

reftauration zu warten.

Franz ging mit raschen Schritten die Bahnhof­straße entlang, die zugleich die Hauptsttahe war. lieber die Dächer lugten die Berge, das Jmmen- städter Horn, der Stuiben, der Grünten. Im Süden tauchten die Hochollgäuer Riefen aus zittrigem Glast, schieferblau und mit einem bißchen Schnee in den obersten Rinnen. Der Professor hatte Franz unterwegs mitaeteilt, daß da irgendein Stipendium existiere, zu dessen Erlangung er ihm behilflich sein wollte. Kein Wunder, daß sich Franz, den das Leben bisher mit Glücksfällen nicht verwöhnt hatte, in gehobener Stimmung befand. Vor einer Auto­reparaturwerkstätte stieß er, vergnügt pfeifend, auf einen Herrn, den er hier am wenigsten zu sehe« erwartet hatte; Kaspar Fendeve Aott^tzung fotgtj

Die Blüten des Tausendgüldenkrautes haben die Eigentümlichkeit, daß sie sich an solchen Tagen schließen, an denen wegen der feuchten Luft Regen in Aussicht steht. In welch hohem Ansehen das heil­kräftige Kraut einst bei unseren Vorfahren stand, geht aus der Sitte hervor, daß ein Reiter absteigen mußte, um es zu pflücken, so oft er es antraf.

iciuc i/ui. . .

Das war sehr nobel von dir, Martin. Ich danke dir, auch in Franzens Namen/

Keine Ursache." , .

Er wartete nervös und ließ feine ^mger auf b Fensterscheibe Parademarsch üben. Cme bedruckende Stille stand zwischen den Wänden und machte das Atmen schwer. Herrgott, warum spricht fi- den

__ lackte Bruqqer gequält. Er entschlotz ncy, i einten energischen Vorstoß zu unternehmen, nachdem

Vorn gestrigen Tage ab ist im hiesigen Luftgau ein neues Luftwarnsignal ' eingeführt worden. Es heißtOeffenttiche Luftwarnung" (Oe. L. W.) und > besteht aus einer dreimaligen Wiederholung eines hohen Dauertones von etwa fünfzehn Sekunden Lange. Jedes Intervall beginnt mit einem anstei­genden und endet mit einem ab klingend en Ton. Das Signal dauert etwa eine Minute. Das neue Signal

bedeutet, daß feindliche Flugzeuge einfhegen, daß Ieber mit größeren Luftangriffen nicht gerechnet wird. Der Abwurf einzelner Bomben ist jedoch nicht ausgeschlossen. Durch dieses Signal soll die Oeffent- iichkeit zur erhöhten Aufmerksamkeit veranlaßt wer­den. Allgemeines luftschutzmäßiges Verhalten ist ' hierbei nicht vorgeschrieben. Verkehr und Wirt- 1' schaftsleben gehen weiter. .

Bei SignalFliegeralarm" wie bisher (eine Mi­nute Heulton) ist in jedepi Fall, auch wenn dieses Signal nicht im Anschluß an das SignalDeffent- liche Luftwarnung" gegeben werden sollte, lustschutz- niäßiqes Verhalten allgemeine Pflicht. Entwarn wird nachOeffentlicher Luftwarnung' durch das

'Aeskulap, Jason, Achilles und anderer Heroen: fientaurion. Cheiron soll durch dieses Kraut eine »Bunde an seinem Fuße geheilt haben, ebenso heilte damit Achilles nach der Ilias die Wunde des Eu-

I rypylos. Die alten Römer benannten nach dem Siechischen Namen Kentaurion die auch von ihnen s Heilmittel verwendeten aetrocfneten oberirdischen

I Teile der Pflanze als Heroa Centaurii. Diese Be- *1 zfichnung gelangte im Mittelalter zu uns, und da unfere Vorfahren nichts von den Kentauren und insbesondere von dem Kentauren Cheiron wußten, ! ijgten sie sich den Namen Centaurii als centum alirei (hundert Gulden) zurecht. Aureus heißt eigent­lich die goldene Münze, und der Gulden war ur- ! ferünglid) eine goldene (güldene) Münze, ein Gold- ! dulben, wie man heute pleonastisch sagt. Die flanze müßte also von RechtswegenHundert- b Äilbenfraut" heißen; da aber vas Worttausend" i| yir allgemeinen Bezeichnung einer recht großen Zahl bei uns viel häufiger gebraucht wird als das 1 «orthundert", so entstand der Name Tausend- (iilden kraut.

' I Friedrich Rückert sagte von der lieblichen Blume: Wenn das Tausendgüldenkraut offen blüht in Waldgehegen, Darf gewiß sein, wer es schaut, Daß es hat bei Nacht getaut Und am Tage kommt fein Regen."