wurde 1936 von der Luftwaffe übernommen. Schon vor dem Kriege erwarb er sich große Verdienste beim Aufbau der Stukawaffe. Irn Kampf gegen England versenkte er mit seiner Staffel weit über 100 000 BRT. feindlichen Schiffsraums. Im Kampf gegen die Sowjetunion erhielt er nach 315 Feindslügen im Januar 1942 das Ritterkreuz.
Das Eichenlaub zum Ritterkreuz.
*D3VB. Aus dem Führerhauptquartier. 27. Mai. Der Führer verlieh am 26. Mai dem General der Kavallerie von Mackensen, Kommandierenden General eines Armeekorps, das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und sandte ihm nachstehendes Telegramm: „3n dankbarer Würdigung Ihres heldenhaften Einsatzes im Kampf für die Zukunft unseres Volkes verleihe ich Ihnen als 95. Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Gez.: Adolf Hitler."
Säuberung
der Faschistischen Partei.
Rom, 27. Mai. (Europapreß.) Das Nationaldirektorium der Faschistischen Partei unter dem Vorsitz des Duce hat unter Hinweis auf die besondere Rolle der faschistischen Bewegung im Krieg eine Aktion zur Säuberung der Partei von unzuverlässigen Elementen eingeleitet. Das faschistische Partei- direktorium fordert die Parteigliederungen auf, eine strenge Auswahl unter den Parteiangehörigen zu treffen, und alle diejenigen aus der Partei auszu- schließen, die aus irgendeinem Grund „nicht mehr würdig sind, unter dem Zeichen des Liktorenbündels zu kämpfen, das durch das Blutopfer tausender Kameraden geheiligt ist". Faschisten, die politische Stellungen bekleiden, dürfen ohne Genehmigung der Parteileitung keine Funktion in der Oeffentlichkeit oder privat entgegennehmen.
,^8allgst weg", schreibt „Popolo di Roma" zu den Beschlüssen des faschistischen Parteiüirekto- riums. „Die Partei ist und bleibt das Hauptorgan, durch das sich der gesamte politische, wirtschaftliche und soziale Apparat des faschistischen Italiens bewegt." Qualität und nicht Quantität, so wird weiter ausgeführt, sei der Gesichtspunkt, auf den die Partei heute Wert lege. Sie fei nicht eine gemütliche Gesellschaft zur Wahrung der gegenseitigen Interessen ihrer Mitglieder. Alle diejenigen, gleich welchen Alters, müßten verschwinden, die aus irgendeinem Grunde nicht verdienten, unter den Bannern der Partei zu kämpfen. Das Parteidirektorium rufe das italienische Volk zu einer tiefen Gewissensprüfung auf, sagt „Messaggero". Die Zu- gehörigkeit zur Partei dürste sich nicht in einen Ruheposten verwandeln.
Der sehr scharfe Beschluß des Parteidirektoriums dürfte nicht ohne Verbindung zu den Fällen sein, in denen in letzter Zeit vielen Trägern von Partei- ämtern die Mitgliedschaft teils verliehen, teils entzogen oder Tadel und Verwarnungen ausgesprochen worden sind. Die Betonung der Bedeutung, die dem Kriegsopfer der Jugend beigemessen wird, dürfte eine Anerkennung der Wünsche der Jugend darstellen, die insbesondere aus den Kreisen der Studentenschaft erhoben worden sind. Die Blätter der Parteikreise, vor allem „Eritica Fasoista", haben seit längerer Zeit auf eine Lösung hin gearbeitet, wie sie die jetzigen Beschlüsse des Parteidirektoriums in ihrer Gesamtheit darstellen.
Argentiniens Bekenntnis zu Europa.
Buenos Aires, 27. Mai. (DNB.) Zu Ehren der spanischen Handels Mission fand ein Bankett statt. Außenminister Nuiz Guinazu sagte, cs sei das erstemal seit der Entdeckung Amerikas, daß die Wechselfälle des Krieges jede Verbindung zwischen Europa und dem amerikanischen Kontinent zu durchschneiden drohen. Diese Loslösung wäre ebenso unheilvoll für Amerika w i e für Europa, denn, so sagte Guinazu, Amerika braucht Europa ebenso sehr wie umgekehrt. In Europa liegt das Zentrum unseres Glaubens. Europa ist die Heimat unserer Kultur. Aus Europa erhalten wir viele Produkte, die wir nicht leicht ersetzen können. Argentinien sei gewillt, die Verbindung um jeden Preis aufrecht zu erhalten und nicht zuzulassen, daß irgend ein fremder Faktor die feste Entschlossenheit des Landes schwächt.
Japanische Ortsnamen in Znsulinde.
T o k i o, 27. Mai. (Europapreß.) Die japanischen Herren der ehemaligen holländischen Insulinde sind nach abgeschlossener Befriedung dieses besetzten Gebietes dazu übergegangen, statt der früheren holländischen Orts- und Straßennamen in Nieder^n- disch-Jndien japanische zu setzen. Rach einer Meldung aus Soerabaya tragen auch die Bezeichnungen der E i s e n b a h nstati'onen japanische Namen.
Ordnung und Verkehr im Bereich von ehemals Nie- derländisch-Indien sind wieder völlig hergestellt. Das Geschäftsleben hat in letzter Zeit stark zugenommen, wie der lebhafte Betrieb in Soerabaya beweist.
Das autoritäre Portugal.
Lissabon, 27. Mai. (Europapreß.) Die Zeitung „O Seculo" schreibt in einem Leitartikel am Vorabend des portugiesischen Nationalfeiertages, am 28. Mai, 16 Jahre würden es am Donnerstag, daß der neue portugiesische Staat bestehe. Während dieser Zeit habe er ein völlig neues Ansehen bekommen. Die Nation habe sich von einer monymen Masse zu einem Volk bestimmter Ge- ichtszüge entwickelt. Eine gesicherte Finanzwirtschaft stütze den Staat. Während im letzten Kriege die portugiesische Währung ihre Kaufkraft fast völlig verloren habe, wodurch die portugiesische Wirtschaft schwersten Erschütterungen ausgesetzt gewesen war, seien in diesem Kriege die portugiesischen Finanzen absolut befestigt. Der neue Escudo habe ohne besondere Maßnahme eine Stabilität erhalten und seine Kaufkraft ständig vergrößert. Dies verdanke das Land seiner Staatsführung, vor allem der Leitung von Dr. Oliveiro S a l a z a r. Portugal könne und wolle nicht der allgemeinen Weltwirtschaftsbewegung fern bleiben.
Es habe jedoch das Vertrauen zu seiner Staatsführung auch in diesen schweren Zeiten nicht' verloren, die dem Lande mancherlei Entbehrungen auf- erlegen.
Kleine politische Nachrichten.
Am Morgen des 23. Mai traf ein italienisches U-Boot unter dem Befehl von Kapitönleutnant Gazzcma im Atlantik mit zwei Torpedos einen Kreuzer der Vereinigten Staaten von der Klaffe „P e n f a c o l a" (9100 Tonnen), der einen Geleitzug sicherte.
In der Nacht zum Montag griff der Feind in zwei aufeinander folgenden Wellen mit Bombern Messina an. Erhebliche Schäden erlitten der Dom, die Universität und einige Privathäuser. Bisher wurden sieben Tote und 19 Verwundete unter der Zivilbevölkerung festgestellt.' Ein von der Flak getroffenes Flugzeug stürzte ins Meer. Die Haltung der Bevölkerung war ruhig und diszipliniert.
Auf Einladung des italienischen Unterrichts- mimfters weilt de/ Reichswalter des NS.-Lehrer- bundes, Gauleiter Waech11er, als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Freilusterziehung in Italien zum Studium des Freiluftschulwesens.
Aus der Stadt Gießen.
3m Maienwald.
Die Sonnenstrahlen durchdringen die Luft und erwärmen die Erde. Der Mai wird durch sie zum Wonnemond. Und wenn man in diesen letzten Maientagen aus dem Felde kommend in den Wald eintritt, jo freut man sich. Hier wirft das Sonnenlicht zitternde Kreise auf das junge Grün, das den Boden bedeckt. Die kleinen Meisen zirpen und Hüpfeck, von fern lockt eine Amsel. Drosseln und Finken schmettern ihre Lieder. Und wenn man bann noch den Kuckuck hört, bleibt man unwillkürlich stehen und schaute sich nach dem Schelm um.
Ja, er ist schön, unser Maienwald. So frisch und unberührt, so lebendia und leuchtend, daß ihm nichts gleichkommt. Sieghaft bringt das junge Laub der Bäume zum Licht. Ein leichter Wind säuselt in den zarten Blättern und fährt wie liebkosend über sie hin. UeberaU summt und brummt es von Insekten. Ein angenehmer Geruch von Moos und frischem Grün strömt uns entgegen, und nun ruft der Kuckuck ganz in der Ferne . .1,
An den alten Stämmen klettert der Efeu in die Höhe, kriecht von Strauch zu Strauch. Ganz versteckt im Laub aber läuten die ersten Maiglöckchen. Wie spitze Spieße kommen ihre zarten Blättchen ave dem Laub hervor. Sie entfalten sich, und nun steigt, geschützt von zwei Seitenblättern, der schlanke Stengel mit den weißen Glöckchen in die Höhe. Bescheiden neigen die Maiglöckchen ihre weißen Köpfchen. Herrlicher Wohlgeruch entströmt den klei
nen Blüten. Für uns sind die Maiblümchen das Sinnbild des Maienwaldes, nicht süß und betäubend ist der Geruch, sondern kräftig und würzig wie der der Bäume des Waldes.
Der Maienwald ist für uns ein Jungbrunnen. Hier finden mir Ruhe und Frieden, ynd stille Hoff- nungsfreube zieht in unser Herz, wenn wir ihn durchwandern. Unsere Vorfahren lebten in feinem Schatten, für sie war er die Heimat. Auch wir empfinden immer wieder von neuem den Zauber des deutschen Halbes. Wenn wir einen Spaziergang machen, wenn wir Ruhe für unsere Nerven brauchen, suchen wir ben Wald auf. Unsere Jugend durchwandert ihn, sie lagert an schattigen Plätzchen und belauscht das Getier. Diele, viele unserer schönsten Volkslieder fingen vom deutschen Wald und seiner Schönheit. Sagen und Märchen sind mit ihm aufs innigste verbunden. Rotkäppchen wandert hinaus zur Großmutter, die weit drinnen im Walde wohnt, Schneewittchen aber findet bei ben sieben Zwergen, hinter ben sieben Bergen, Heimat unb Zuflucht. Heinzelmännchen, Hexen und böse Zauberer bevölkern unseren Wald. Wir denken an Hänsel unb Gretel, an Siegfried unb ben Freischütz.
Es ist Frühling. Die Bäche rauschen und laben uns ein, ihrem Laufe zu folgen bis zu ben kühlen, schattigen Tälern, die umsäumt sind von jungbe- fnubten Buchen unb Birken. Ein Tag im schönen Maienwalb wirb zu einem Fest.
Blühende Blumen, rauschenbe Bäume, Bienengesumm, schaukelnde SchmettjAinge unb Vogelge- fang: Alles schenkt uns der deutsche Wald! -h.
Der Ausgleich für Dienstverpflichtete.
Weitere Verbesserungen.
Durch einen Erlaß des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz ist der Ausgleich für Dienstverpflichtete weiter verbessert worden. Die wirtschaftliche Lage des Dienstverpflichteten und seiner Familie muß auf jeden Fall gesichert werden. Deshalb ist die Sonderunterstützung ohne Engherzigkeit und rechtzeitig zu gewähren. Sonderunterstützung wird auch für den reinen Unterhaltsbedarf gezahlt, wenn der Untechaltsbedarf der Familie nicht mehr gesichert erscheint. Diese Vorschrift wird in Zukunft in allen Fällen angewendet, in denen das neue Arbeitseinkommen erheblich geringer ist als das frühere.
Dieser Fall ist bei verheirateten Dienstverpflichteten ober Gleichgestellten in aller Regel bann anzunehmen, wenn das neue Arbeitseinkommen weniger als 70 v. H. des früheren beträgt, fyit ber Dienstverpflichtete für den Unterhalt von mehr als einem Angehörigen zu sorgen, so soll die Grenze von 70 v. H. angemessen erhöht werden. Bei Dienstverpflichteten ohne unterhaltene Angehörige kann ein geringerer Betrag als 70 v.H. angesetzt werden, jedoch nicht unter 65 v. H. Der Unterschied zwischen dem neuen Bruttoeinkommen unb der hiernach festgesetzten Grenze für ben Unterhaltsbedarf ergibt ben Betrag der Sonberunterstützung, der vom Arbeitsamt für ben Unterhaltsbedarf gewährt wird. Eine Ausnahme bilden die Fälle, in denen das bisherige Bruttoeinkommen so hoch war, daß eine Sonoerunterstützung nach nationalsozialistischen Grundsätzen offenbar ungerechtfertigt märe. Bei Dienstverpflichteten mit keinem ober nur einem Angehörigen wird deshalb kein höherer Unterhalts»
bedarf als monatlich 600 RM. für die Bemessung der Sonderunterstützung anerkannt. Wenn also em verheirateter Dienstverpflichteter ohne Kinder früher monatlich 1000 RM. verdiente gegenüber jetzt noch 500, so darf seine Sonberunterstützung für ben Unterhalt nicht mehr als monatlich 100 RM. betragen.
Neben dem Unterhaltsbedarf werden weiterhin wie bisher bei Bemessung ber Sonberunterstützung die sonstigen Verbindlichkeiten des Dienftverpflichte- ten berücksichtigt. So kommt insbesondere für die Miete Sonderunterstützung in Betracht. Wenn die Wohnungsmiete im Verhältnis zum neuen Einkommen außergewöhnlich hoch ist, soll der Mietzuschlag über 50 v. H. der Miete hinausgehen. Dieser Fall liegt in der Regel bann vor, wenn die Miete mehr als 25 v. H. des neuen Einkommens beträgt. In gleicher Weise werden die Lasten, die auf einem Eigenheim ruhen, anerkannt.
Grundsätzlich aufrechterhallen bleibt die Vorschrift, daß Sonberunterstützung unb neues Arbeitseinkommen zusammen nicht höher fern dürfen als das Arbeitseinkommen vor der Dienstleistung. Um jedoch den Anreiz zu Mehrleistungen nicht zu beeinträchtigen, werden die Arbeitsämter ermächtigt, das Arbeitsentgelt, das ein Dienstverpflichteter durch eine Arbeitsleistung erzielt, die über die für ihn in dem neuen Betrieb geltende betriebsübliche Arbeitszeit hinausgeht, einschließlich der dafür gezahlten Zuschläge ganz außer Betracht zu lassen. Für die Inanspruchnahme dieser Vergünstigung ist eine Bescheinigung des Betriebsführers notwendig.
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
40. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Der Erste Staatsanwalt, der sich die Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens vorlegen ließ, meinte ^,Ich'verstehe nicht, Herr Breuger, daß Sie diesen Sumor überhaupt mit ber Sache verbunden haben. Die Indizien, die auf eine Nichterstattung einer Anzeige hinbeuten, sind sehr mager. Das Verfahren hätte abgetrennt werden müssen. .
„Das ist richtig", sagte Dr. Breuger der Staatsanwaltschaftsrat, ber bic Anklage vertreten tollte, „und es ist im Grunde auch meine Meinung. Aber sowohl die Polizei als auch^der Unter uchungsricht^r waren der Meinung, daß sumor mit d^fer Sache eng zusammenhängt, vor allem deshalb well er den Namen des Ermordeten trug, eine ^Tatsache, deren letzte Gründe noch vollkommen ungeklärt sind. Außerdem kennt er zweifellos die angefchilldigte mnrnhnn rnenri es auch beide leugnen. Tiei.es Leugnen' ist sehr verdächtig und läßt darauf schließen^ daß noch andere Dinge dahinterstecken, die möalid}erroeifej in der Hauptoerhandlung geklart werden. Landgerichtsrat Dr. fertig, der Untersuchungsrichter, war deshalb der Meinung, daß es im Interesse ber objektiven Wahrheitsfindung pro- zeßtaktisch richtig sei, den Fall Sumor nut bem Fall Lanos zu verschmelzen.
Der Erste Staatsanwalt klappte die 2lkten zu und verschnürte sie wieder.
„Nun, meinetwegen, Hals- und Beinbruch also. „Danke verbindlichst, Herr Staatsanwalt
An einem Septembermorgen, gegen zehn Uhr, "S KSÄ« - $3 to her ßauptfacfre Artisten des Eispalastes, ine
sich dort vorfanden. Man konnte bas gesamte Programm des Eispalastes dort sehen, Harro, den Gentleman mit seiner hellblonden Frau, der verunglückten Liebe des großen Welt, die Japaner, die freilich nicht viel verstanden, der Komiker, Edith, das Nummernmädchen, die Tänzer unb Stepper, die berühmten Illusionisten unb Ben Buff, ben Jnstru- mentalkomiker, ber bie große Schlußnummer bestritt.
Draußen auf bem Korridor warteten bie Zeugen.
Kriminalrat Wenig unterhielt sich mit bem Zirkusdirektor Brommunb von dem kleinen Wanderzirkus, bei dem zuletzt Sumor tätig war. Frau Hauckwitz faß, teils wegen ihrer Fülle, teils wegen ihres Asthmas, teils wegen ihrer Erregung schnaufend, neben dem Portier Wilhelm Hanke, den sie mit Verachtung strafte unb der deshalb still seine Zeitung las. Auf einer anderen Bank saß Eberhard Willis \neben Elisabeth Perling, auf einer dritten Franziska Leeds mit dem großen Welt, bem diese junge, schüchterne und stille Frau außerordentlich sympathisch war. Herr Petersen ging unruhig auf unb ab und sprach mitunter ein paar flüchtige Worte mit dem Regisseur Kräger. Manchmal stellte er sich in eine Ecke unb warf ärgerliche Blicke auf seinen Partner Welt unb auf Franziska Leebs.
Herr Krähe war nirgenbs zu sehen.
Elisabeth war sehr still und schien ängstlich zu ^^Aber es ist kein Grund vorhanden, ängstlich zu sein, Elisabeth", versuchte Willis sie zu beruhigen, Sie müssen volles Vertrauen zur Polizei unb zum Gericht haben. Sie werden bie Wahrheit schon herausbekommen, da bin ich nicht bange."
„Die Wahrheit, die Wahrheit, Willis", stöhnte sie leise, „ich weiß nicht, wie bie Wahrheit aussehen wird, vielleicht wird es dann heißen, daß ich der eigentliche Grund zu dieser Mordtat war. Mein Gott, was dann? Ich werde das nicht ertragen."
„Sie machen sich dumme Gedanken, die nicht am Pl'atze sind, Elisabeth, Sie haben damit nichts zu
tun, davon bin ich überzeugt. Wenn Lanos ein Mörder wäre, würde er nicht zur Vorstellung in den Eispalast gekommen fein. Ich denke, wir werden noch Ueberraschungen erleben."
„Ja, aber was für Ueberraschungen", seufzte sie.
Wenig hatte die Unterhaltung zwischen den beiden beobachtet, er hatte gesehen, daß Elisabeth verzweifelt zu sein schien, und entschloß sich, sie auch etwas zu beruhigen. Er trat näher und sagte freundlich zu Elisabeth:
„Nun, Fräulein Perling, ich denke, heute werden wir mal die Sache restlos bereinigen. Und Sie können unbesorgt sein, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wirb. Ich glaube nicht, daß Sie irgend etwas mit der Sache zu tun haben."
„Das ist gut, daß Sie ihr das sagen, Herr Kriminalrot", rief Willis, „ich denke, wenn Sie es sagen, wird sie es eher glauben, als von mir. Wird sich denn heute noch etwas Neues ergeben?"
Wenig lachte verstohlen.
„Nun, ich bin kein Prophet", sagte er, „aber ich möchte fast annehmen, daß einige Leute gewisse Ueberraschungen erleben werden."
„Wer denn?" fragte Willis.
„Da fragen Sie mich zu viel, Herr Willis", lächelte er jetzt, „das kann ich Ihnen nicht sagen, Sie werden es schon noch erfahren."
Und dann kehrte er zu Brommunb zurück.
Im Saale hatte inzwischen bie Verhandlung begonnen.
Die Zeugen wurden aufgerufen, ermahnt, bie Wahrheit zu sagen, unb wieder entlassen. Dann wurde Lanos aufgefordert, über fein Leben zu erzählen.
Lanos erhob sich.
„Ich war siebzehn Jahre alt, als ich von Haufe durchbrannte und mich einer umherziehenden Zigeunerkapelle anfchloß. Dort erlernte ich einige Instrumente unb konnte neue Stücke herausbringen. Drei Jahre war ich bei ben Zigeunern, bann kamen wir nach Budapest, dort entdeckte ich in einer an-
Mindestens 200 Postpäckchen beraubt.
Elisabeth Pfeffer aus Eschenrod als Volksschädlingsverbrecherin zum Tode verurteilt.
Die 49jährige Ehefrau Elisabeth Pfeffer aus Eschenrod (Kreis Schotten) hatte sich wegen fortgesetzter schwerer Verbrechen im Sinne des
4 der Volksschädlingsoerordnung gestern vor bem Sondergericht in Darmstadt zu verantworten. Obwohl die Angeklagte mit ihrem Ehemann einem umfangreichen und schuldenfreien bäuerlichen Betrieb oorsteht, hat sie sich seit Kriegsbeginn bis zum März 1942 in der stellvertretenden Verwaltung ber örtlichen Poststelle in zahlreichen Fällen der Amtsunterschlagung unb anderer Po st vergehen schuldig gemacht. Unter bem Eindruck umfangreicher Ermittlungen hat die Täterin das Geständnis abgelegt, im Verlaufe der bisherigen Kriegszeit mindestens 2 0 0 P 0 st p ä ck - chen, bei denen es sich fast ausnahmslos um Feldpostseridungen handelte, veruntreut und bereu Inhalt für s i ch verwendet zu haben. Sie hat sich in niederträchtiger unb gemeiner Habgier und unter Ausnutzung ber kriegs, bedingten Einrichtungen der FeldpoftA trotz des Wohlstandes ihrer eigenen Lebensführung, an Lebens- und Genußmitteln sowie an sonstigen Gegenständen des täglichen Bedarfs schamlos bereichert und ist überführt, bereits im Weltkrieg 1914/18 ähnliche Verfehlungen bei ber Aushilfe in derselben Poststelle begangen zu haben.
Sie hat damit die weitere Zugehörigkeit Aur Volksgemeinschaft verwirkt unb wurde als Volks- fchädlingsverbrecherin zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt.
Ae MW d Melksfrsnt
Betreff: Allgemeine kostenlose Ersinberberatung, insbesondere über bie ersinberische Mitarbeit ber Gefolgschaft.
Sämtliche Volksgenossen, die sich in Sachen einer Erfindung, insbesondere über die erfinderische Mitarbeit der Gefolgschaft beraten lassen wollen, haben hierzu am Montag, dem 1. Juni, vormittags zwischen 10 unb 12 Uhr. im Hause der DAF., Gießen, Schanzenstraße 18, kostenlos die Möglichkeit. Auskunft Zimmer 13. 1740V
ttnterrichtsbefreiung für Teilnehmer am Sportwettkampf derHI.
Der Reichserziehungsminister gibt bekannt, baß bie an bem Reichssportwettkampf ber Hitler-Jugend am 30. unb 31. Mai teilnehmenden Schüler unb Schülerinnen am Samstag, 30. Mai, vom Unterricht befreit sind.
Anlernerinnen für Krauen.
NSG. Im Kriegseinsatz finden zahlreiche Frauen eine Tätigkeit, für bie sie erst angelernt, werben müssen. Dabei haben viele Betriebe an ber alten Gewohnheit festgehalten, die Einführung in ihre neue Aufgabe durch erfahrene männliche Gefolgschaftsmitglieder vornehmen zu lassen/ Es hat sich aber herausgestellt, daß Frauen als Anlernerinnen besser geeignet sind, weil sie sich besser in die fraulichen Eigenarten einzufühlen vermögen. Deshalb ist es notwendig, daß sich bie Betriebe bes Rhein-
OHNE miLCH ZU BEREITEN
deren Zigeunerkapelle ein junges Mädchen, das auch seinen Eltern durchgebrannt war und nun bet ber Kapelle ungarische und deutsche Lieder sang und mitunter auch ianxte. Ich stieß zu dieser Truppe, weil ich dieses Mädchen liebte. Später ging ich zur Artistik über, trainierte tagsüber oft sechs unb sieben Stunden und eignete mir viele Fertigkeiten an, weil ich die Absicht hatte, mit meiner Geliebten zum VarietL zu gehen."
„Dort lernten Sie Fräulein Perling kennen?" fragte ihn ber Borgende.
Lanos hielt sich die Hand vor ben Munb unb räusperte sich. Dann sagte er mit einem rätselhaften Lächeln:
„Ja. — Ich erkannte bald bie hervorragenben Anlagen bieses Mädchens und beschloß, sie auf allen Gebieten, die ich selber beherrschte, auszubilden. Und dies tat ich einige Jahre hindurch. Meine Geliebte war inzwischen gestorben, unb ich hatte nichts als dieses junge Mädchen. — — — Dann stieß Barthold zur Truppe, der ein guter Tänzer und Akrobat war. Elisabeth tanzte mit ihm, als sie so weit war, um öffentlich auftreten zu können —"
„Hatten Sie mit Elisabeth Perling intimere Beziehungen?" warf der Staatsanwalt ein.
„Nein, das war ausgeschlossen."
„Sie sollen sie schlecht behandelt und geschlagen haben?"
„Ich denke, sie wird dann selber darüber aus- sagen können", entgegnete Lanos, „ich erzog sie streng, das ist wahr —"
„Unb sie brannte burch, nicht wahr?"
„Ja. Ich erfuhr erst später, baß Bartholb ihr dazu verhalfen hatte. Damals machte ich ihm auch Vorwürfe, aber der arme Teufel war übel genug dran, weil er ^inen Griff in unsere Kasse getan hatte unb verurteilt wurde. Ich habe mich damals bemüht, die Anzeige zu hintertreiben, aber es ist mir nicht gelungen."
(Fortsetzung folgt.)


