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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhessen)
Nr. 74 Zweites Blatt
frei von Pflichten
Krohe Mütter — lustige Mädel
Ein Ausschnitt aus der vorbildlichen Betreuungsarbeit der RE>V.
erreichen, ma<
egners erzittern, ein kleines Stück
Der „Tag der Wehrmacht" in Gießen
schlagens Unterstand weit draußen vor den letzten Gefechtsständen liegen, mag ihn außer dem klapprigen Panjeschlitten kein anderes Gefährt mehr er unter dem rollenden Artillerie-
Das Wort von daheim.
Von Kriegsberichter Arnim Bledow.
(PK.) Ueber viele tausend Kilometer reicht das Band von der Front zur Heimat. Keine Entfernung kann es unterbrechen. Mag der in die Erde ge
eilte die Wege ein, die zu machen mir der Krieg geboten hatte. Am Schluffe war es ein reichgegliedertes Netz, das besonders dichtmaschig über Polen und Galizien lag, und seine Ausläufer reichten bis nach Rußland und in die Bukowina, dann über die Karpathen ins ungarische Land und weiterhin in die Slowakei. Einfachere Linien gingen südlich bis über die 'Sarve, in die Matschwa und nach Bosnien und Dalmatien. Ein anderer Zweig drang über Innsbruck,- Trient, Rovereto bis zum Gipfel des Pafubiomafsivs vor.
Jeder Soldat des gegenwärtigen Kriegs sollte für sich alle seine Züge aufzeichnen, um solcherart für spätere Tage seine Erinnerung zu stützen. Wie interessant müßte aber eine gemeinsame Aufzeichnung aller soldatischen Wege aus dem gegenwärtigen Kriege werden. Man denke sich eine ungeheure Karte, auf der jeder Weg jedes einzelnen deutschen Soldaten in einer fast unsichtbar dünnen und fast unsichtbar gefärbten Linie ausgezeichnet würde. Da hätten sich vorerst in zarten Ausstrahlungen die Linien der Flieger über ein feindliches Land hin ausgeprägt und erst später beim Borrucken der Truppen wären dichtere Zeichnungen entstanden, dicke dunkle Linien auf den Anmarschwegen und wie mit Kämmen gezeichnete Wege der kämpfend vorrückenden Gruppen.
Natürlich dürften auch nicht die vielfältigen Striche fehlen, welche große und kleine Fahrzeuge unserer Kriegsmarine durch die Meere pflügend ziehen. Im ganzen müßte dies ein ungemein ausdrucksvolles, in seiner Abtönung geradezu plastisch wirkendes graphisches Bild ergeben, in dem sich das gewaltige Spiel der geballten Volkskräfte widerspiegeln würde. Das Entstehen dieser unvorstellbar fesselnden Zeichnung müßte man mit dem Aufblühen einer lange Zeit vertrocknet gelegenen Jerichorose vergleichen können, die, vom nassen Element überspült, allmählich zu neuer lebendiger Entfaltung kommt, indem sie ihre schwellenden Zweige und Fasern kraftvoll zu einem wunderbaren organischen Gebilde breitet. Es wäre wie ein Sinnbild für das viele Jahre hindurch entkräftete, sozusagen emgeschrumpfte Deutschland, das schließlich wie von einem Zauberhauch überweht seine Lebenskräfte nach allen Seiten neu regt.
befchuß des _
Heimat wohnt mitten in ihm. Wann brachten die
Kameraden aus den rückwärtigen Stellungen den
letzten Feldpostbrief? Es wird wohl zwei oder drei Wochen her fein. Aber das von daheim mitgeteilte Wort lebt zwischen den mit morschen Brettern abgestützten Erdwänden, als wenn es eben erst geschrieben wäre. Ein Gruß, eine Mitteilung, eine Kunde überbrückte den Raum, erfüllte die kleine Gemeinschaft, zauberte jene innere Stimmung herauf, die den Soldaten die harte Gegenwart für Augenblicke nahezu vergessen läßt.
Da liegt eine alte Heimatzeitung zwischen den Kochgeschirren. Sie hat Abende lang in den Bunkern die Runde gemacht. Viele, viele Tage find seit ihrem Erscheinen verflossen. Gleichviel, sitz ist ein Gruß aus dem Heimatgau der beiden Gefreiten, der gar nicht veralten kann. Vielleicht enthält sie eine Notiz aus dem kleinen Dorf, in dem die Eltern oder Frau und Kinder des Kameraden leben, vielleicht ein' Bild, des Marktplatzes, an den sich so viele Erinnerungen knüpfen. Und dann erzählt sie von der Arbeit und von der Zuversicht derer daheim, erzählt sie von den tausendfältigen Mühen der Millionen werkenden Hände, der Front ihre schwere Pflicht erfüllen zu helfen. Und wieder war bas Band zur Heimat geknüpft: „Die daheim sind doch auf dem Posten."
Eines Tages erreichte die Kompanie ein schweres Paket: Brettspiele, Bastelgerät, ja sogar ein ausgewachsenes Koffergrammophon mit einem runden Dutzend Schallplatten. Und dann kamen gleich hoch- bepackte Schlitten heran, die Zuteilung für die Einheit aus der Wintersachenspende des deutschen Volkes. Wie spürbar wehte an diesem Vormittag der Atem der Heimat über den frostklirrenden Wintertag. Sahst du die blanken Augen, Kamerad, die lachenden bärtigen Gesichter, als die vielen Decken, Pelze, Socken und wollenen Unterjacken zum Vorschein kamen? In einer geschlossenen Phalanx waren unsere Frauen, Mütter, Schwestern und Brüder angetreten, uns die dunklen und oft bitteren Wintermonate durch ihre hingebende Liebe vergelten zu helfen.
Und immer wieder rückt die Heimat zusammen. Wo auf der weiten Welt ist mit einer so stummen Selbstverständlichkeit gearbeitet, verzichtet und gespendet worden? Wo paarte sich der Fleiß mit dieser selbstlosen Hingabe? Wo wurde so wenig von Opfern geredet und so folgerichtig gehandelt? Gewiß, niemand hat das Recht, sich dieser helfenden Bereitschaft tönend zu rühmen. Ist sie doch nur ein kleiner Dank der großen deutschen Familie, der gar nicht wagt, Vergleiche zu ziehen nfit dem stummen verbissenen Heldentum der Front in der Eiswüste des Ostens. Und doch fühlte der Soldat den Eifer der Heimat und ist unendlich froh darüber.
Wenn sich an den Opfersonntagen des Kriegswinterhilfswerkes die Sammelbüchsen füllen, weiß er eine gläubige, siegesgewisse Bereitschaft hinter sich, die das große deutsche Vaterland von der Küste der Ostsee bis. hinunter zu den Ufern des Bodensees umspannt. Und wenn die Wehrmacht selber aufruft, wenn sie selber wirbt für das einmalige Hilfswerk der Nation, ist sie gewiß, daß die Heimat sie hören wird. An diesem Tag spricht der Soldat der Heimatgarnison zu der Gemeinschaft des Volkes. „Ich komme", ruft er ihr zu, „als Sendbote der Millionen Männer, die alles hinter sich ließen, um mit ihren Leibern den heiligen Boden der Erde zu schützen. Ich will das Band verstärken, bas uns in diesen Kampfjahren zusammenhielt." Und das deutsche Volk wird wieder nebeneinander stehen, wird sich dankbaren Herzens um seine Wehrmacht scharen und dem Ruf ein Echo verschaffen, das jenen namenlosen Dank in sich einschließt, das Sinnbild der ewigen deutschen Schicksalsgemeinschaft, die in sechs Feldzügen geschweißt worden ist.
Der Gauamtsleiter des Amtes für Volkswohlfahrt im Gau Hessen-Nassau hatte die Vertreter einer Reihe von Zeitungen des Gaues zu einer Besichtigung von NSV.-Ein- richtungen im Gau Hessen-Nassau eingeladen, um ihnen Einblick in einen wichtigen Sektor der Arbeit der NSV. zu geben. Es handelte sich dabei um die Betreuung erholungsbedürftiger Mütter und Mädchen, die sich im Einsatz für unser Volk durch außerordentliche Leistungen eine besondere Stärkung ihrer körperlichen und geistigen Kräfte verdient haben. Unser Schriftleiter berichtet hier von seinen Eindrücken und Beobachtungen bei dieser Besichtigung.
Der Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt im Gau Hessen-Nassau, Gauamtsleiter Fuchs, gab am Montag im Jakob-Sprenger-Haus in Darmstadt, dem Sitz der Gauamtsleitung der NSV., vor den Pressevertretern einen Ueberblick über die großzügige Arbeit der NSV. in unserem Gau. Er schilderte in kurzen, aufschlußreichen Umrissen die Entwicklung dieser Tätigkeit von 1933 bis in die jüngste Zeit und knüpfte daran einen Ausblick auf die weiteren großen Aufgaben, die in der Zukunft und besonders nach dem Kriege von der NSV. zum Besten unserer Volksgemeinschaft zu erfüllen sind. Gleichzeitig umriß er die Verpflichtungen, die allen Volksgenossen gerade jetzt im Kriege obliegen, um auch durch ihre Mithilfe in der NSV. zur Stärkung unseres Volkes und zum Siege unserer Waffen beizutragen. Wir behalten uns vor, diese Aufgaben und Verpflichtungen in nächster Zeit noch besonders zu behandeln. Den eindrucksvollen Darlegungen des Gauamtsleiters folgte eine Besichtigungsfahrt zu verschiedenen Einrichtungen der NSV., die der Betreuung besonders erholungsbedürftiger Mütter und Mädchen im Rahmen des Hilfswerkes „Mutcker undKin d" dienen.
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Der Besuch gilt zunächst einem Erholungsheim in Bensheim. Dort sind in dem schönen Gebäude der Gauichule des NSLB. (NS.-Lehrerbundes) Gau Hessen-Nassau 40 Mädel von 16 bis 25 Jahren untergebracht, die in der Rüstungsindustrie wichtige Kriegshilfe leisten und sich nun in diesem Heim in einem Aufenthalt von 3 bis 4 Wochen erholen und kräftigen sollen. Inmitten eines großen und schönen Gartens gelegen ist das weiträumige Haus mit feinen hohen und lichtdurchfluteten Zimmern und kleinen Sälen ein behaglicher Aufenthaltsort. Die junge Heimleiterin, eine frische und anmutige bewährte frühere Frankfurter BDM.-Führerin, paßt in ihrer frohgestimmten Art gut zu den jungen Mädels, die ihr für einige Wochen zur Führung und Betreuung übergeben werden. Schon von weitem hören wir beim Gang durch den Garten den fröhlichen Gesang der Mädels, die wir in einem Wintergarten luftig beisanimensitzend singend an- treffen. Aus den jungen Gesichtem sieht man die Freude an/ber schönen Urlaubszeit leuchten, und begeistert erzählen die Mädels von den herrlichen Tagen, die sie hier verleben dürfen. Bis %8 Uhr morgens können sie schlafen, dann können sie nach dem Frühstück entweder in dem großen Garten spazierengehen, oder es wird Sport getrieben, mit der Heimleiterin ein Ausflug gemacht, oder gesungen und musiziert bzw. Gesellschaftsspiele gepflegt, daneben ist aber auch Gelegenheit zu ernster geistiger Unterhaltung usw. Nach dem kräftigen Mittagessen herrscht für zwei Stunden Bettruhe, damit sich der junge Körper gut kräftigen kann, nachmittags verlaufen die Stunden ähnlich wie am Vormittag, der Abend bringt dann nach dem stärkenden Abendbrot noch einige Zeit ftoher Unterhaltung verschiedenster Art, es wenden auch Konzerte und Vorträge besucht, bis gegen 21 oder 22 Uhr alles „ins Körbchen" steigt. Schöne Schlafräume, gute Wasch- und sanitäre Anlagen bilden eine treffliche Ergänzung der freundlichen Tages- und Gemeinschaftsräume. Die Mädels find von Herzen dankbar für die schöne Erholungszeit, die ihnen hier geboten wird. Mit leuchtenden Augen und strahlendem Gesicht — wie z. B.
freuen, im Lesezimmer lesen usw.: sie können alles tun, nur arbeiten dürfen sie nicht, sie sollen nur gepflegt und bedient werden. Nach dem Mittagessen ist für alle Frauen zwei Stunden Bettruhe, dann gibt's Kaffee, anschließend wieder Spaziergänge, frohgestimmte Unterhaltung in den Gemeinschaftsräumen und mancherlei andere Kurzweil, die dem Erholungszweck des vierwöchigen Urlaubs von der Arbeit forderlich ist. Dem Abendessen folgen noch zwei Stunden in froher Kameradschaft, bann geht's in die Betten, die in schönen, großen Schlafzimmern den Gästen beste Ruhemöglichkeit geben. In Schönberg und auch in Falke n h o f hörten wir von den Frauen, mit denen sich die Pressevertreter zwanglos auch beim gemeinsamen Mittagessen unterhalten konnten, übereinstimmend nur Lob und höchste Anerkennung für dieses Werk der NSV.; aus den vielen Stimmen dieser Art zitieren wir hier z. B. die dankbaren Feststellungen der Frau Weimer aus Gießen, Frankfurter Straße 31, und der Frau Mogk aus Alsfeld, daß sie nach einer so schönen Erholung noch mal so freudig als früher in ihr Alltagsleben zurückkehren und daß sie wie alle übrigen Frauen der NSV. herzlich verbunden sind.
Wie im schönen Odenwald an mehreren Stellen, so steht den Müttern auch im Taunus ein herrlicher Ruheplatz zur Verfügung. Hier ist es das NSV.- Müttererholungsheim Ahrtal bei Bad Schwa!- bad). Die NSV. hat dieses Besitztum von einem Deutschamerikaner käuflich erworben, der es sich vor dem Kriege in feiner engeren Geburtsheimat — er stammt aus Eltville — als Landsitz geschaffen hatte. Zwei schöne Häuser mit zahlreichen Zimmern, einem Park mit eigener Gärtnerei und Treibhausbetrieb, Geflügelhof und sogar mit einem Wildgatter, in dem Damwild seinen Standort hat, lassen die 60 Mütter bei ihren je vierwöchigen Erholungsaufenthalten bei guter Verpflegung, in herrlicher Landschaft mit reizvollen Fernblicken und Sonne und würziger Waldluft neue Kraft für die Alltagsmühen gewinnen. Die Heimleiterin ist auch hier, wie in allen diesen schönen Heimen, unermüdlich um das
Wege deutscher Soldaten.
Von Robert Michel.
Vor vielen Jahren blätterte ich einmal in einer großen Literaturgeschichte, und ba fesselten mich im Anhang einige Blätter, auf denen die Reisen deutscher Dichter ausgezeichnet waren. Ich habe schon längst vergessen, von wem diese Literaturgeschichte war, und was ich sonst darin gefunden hatte. Nur diese Darstellung der Lebenswege unserer Dichter hatte sich meinem Gedächtnis tief eingeprägt und seither oft und oft mein Denken beschäftigt.
Jedes dieser Blätter war einem einzigen Dichter gewidmet und hielt übersichtlich seine kleinen und großen Reisen und Wanderungen fest. Man erfuhr aus den Zeichnungen nichts Neues, aber die mannigfaltigen Figuren, welche sich dergestalt ergaben, boten dem Beschauer eine eigenartige Anregung und brachten ihm den äußerlichen Schicksalsgang des Dichters fast zum Greifen nahe.
Manche machten den Eindruck, als wären sie die säuberliche Lösung einer Rösselsprungaufgabe. So begann* Hans Sachsens Linie in Nürnberg und kehrte nach einigen bescheidenen Zügen wieder dorthin zurück. Nur im Anfang war sie ein wenig verwickelt; als er über Passau und Salzburg nach Hall in Tirol gekommen war, wandte er sich neuerlich gegen Sonnenaufgang und kam über Braunau bis Wels; dort, besann er sich aber wieder und zog, die bekannten Gebiete durchquerend, noch einmal nach Tirol, nicht anders, als ob er den zum ersten - mal versäumten Besuch Innsbrucks hätte um jeden Preis nachholen müssen.
Die Zeichnung der Lebenswege Luthers machte den Eindruck einer zielbewußten energischen Führung; alle Linien liefen in scharfgespitzten Winkeln in Wittenberg zusammen, nur der Anfang und das Ende waren in Eisleben.
Die Züge Klopstocks und Wielands ergaben nur sehr dürftige Figuren, die sich ängstlich schmal aus dem Norden bis in die Schweiz erstreckten. Weit ausgreifend und klar waren die Lebenswege Lessings, Herders, Hebbels, und Grillparzers, wogegen die Zeichnung der
die junge Martha Eßmann aus Crumb ach am Dünsberg, die in der Crumbacher Zigarrenfabrik von Rinn & Cloos arbeitet — erzählen sie uns von der schönen Freizeit, die ihnen die NSV. hier bereitet und die sie immer in freudiger Erinnerung behalten werden. Und quicklebendig und lebensfroh, wie sie uns empfangen, so verabschieden uns diese Mädels wieder, als mir nach längerer Unterhaltung und eingehendem Rundgang durch das Haus unsere Fahrt fortsetzen müssen.
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Herrlich inmitten der Forsten und Berge des Odenwaldes liegen die NSV.-Müttererholungsheime Schönberg und Falkenhof, denen nun unser Besuch gilt. Beide sind benachbart in kurzer Entfernung voneinander gelegen. Schönberg, ein hübsches Landhaus, war das erste Heim dieser Art, das im Jahre 1937 von der NSV. aus dem Besitz der Landesversicherungsanstalt Hessen erworben und damit gaueigen wurde; Falkenhof, ein schloßartiger Bau hoch oben auf einem Berge, umgeben von herrlichem Wald und prächtige Ausblicke auf die wunderbare Landschaft bietend, gehörte früher einem Frankfurter Bankjuden, der dieses große Haus mit seiner Unzahl von Zimmern und weiten Räumen als Sommeraufenthalt für zwei (!) Personen benutzte; es findet jetzt nach der lieber» nähme durch die NSV. eine weit bessere und für unsere Volksgemeinschaft würdigere Verwendung als > Heim für erholungsbedürftige Mütter. In Schönberg genießen 36 Mütter, in Falkenhof 53 Frauen aus allen Gegenden des Gaugebiets einen Ferienaufenthalt von je 4 Wochen Dauer. Hier können sich die Mütter nach den schweren Anstrengungen ihres Alltags nach Herzenslust ausruhen und wohlfühlen, denn von der NSV. und den Heimleiterinnen wird in bester Weise für sie alle gesorgt. Morgens können die Frauen ausschlafen, bann können sie je nach Wunsch gemeinsam, in Gruppen ober auch einzeln spazieren gehen, sie können in winbgeschützten unb sonnigen Liegehallen Kräftigung finben, ober im Schreibzimmer Briefe schreiben, in -den schönen Gemeinschastsräumen sich unterhalten ober an Gesellschaftsspielen sich er»
tungen ber Artillerie haben wir am Donnerstag bereits ausführlich berichtet. Zu ergänzen ist heute noch bas Unterhaltungsprogramm ber Flieger, bie ihren Besuchern neben ben Besichtigungen ber Unterkünfte am Sonntagnachmittag noch einen Feldflug- platz unb Segelfliegen zeigen wollen, an ber Haupt- wache Solbaten fingen lassen unb im übrigen eine große Varietöveranstaltung im Wirtschaftsgedaube starten, bie bei allzu starkem Besuch sofort burch eine Parallelveranstaltung erweitert werben kann.
Wer an seinem Mantel ober Rock ein (minbe- stens!) Spenbezeichen vom „Tag ber Wehrmacht" trägt, kann den Fliegerhorst bzw. die Kasernen ohne weitere Zahlung betreten, wer ein solches Abzeichen nicht besitzt, muß am Eingang des Horstes bzw. ber Kasernen 20 Pf. Eilttrittsgebühr ablaben. Photoapparate dürfen nicht mitgebracht werben. Im Fliegerhorst ist auch Abstellmöglichkeit für Fahrräber vorgesehen.
Der SA.-Musikzug wirb am morgigen Sonntag vor ber Universität bzw. im Schulhof der alten Pestalozzi schule während ber Essenausgabe konzertieren, die Artillerie hat für bie Zeit ber Essenausgabe von 12 Uhr ab ebenfalls ein Konzert angefünbigt.
Nach her Gchlachi bei Kunersdorf.
Die nächste Nacht brachte Friedrich in einer von den Kosaken geplünberten Bauernhütte zu, welche dem Wind und Wetter überall Eingang ließ. Seine Adjutanten schliefen um ihn her, denn sie hatten kein Königreich zu verlieren. Aber in Fried- richs Augen wollte kein Schlaf kommen, er erwartete auf einem Strohlager nur den künftigen Morgen. Da meldete ihm ein Offizier, man habe doch noch einiges Geschütz gerettet. „Monsieur, Er lügt!" fuhr Friedrich ihn an, unb befahl seinen 5000 Mann (bie von den 38 000 übrig waren) schnell weiter zu ziehen, benn noch wollte er seine Hauptstabt beeten ober sterben. Deswegen führte er auch während des ganzen Krieges immer ein Giftpulver bei sich, und schon nach der Schlacht bei Kollin hatte er den Entschluß gefaßt, es zu nehmen; nur die günstige Wendung der Sachen hatte damals seine Verzweiflung beschwichtigt, und jetzt kam ihm die Uneinigkeit der Russen und Oester- reicher zu Hilfe." — So zu lesen im 7. Band der Weltgeschichte von Annegarn aus dem Jahre 1833.
Joh. Will), v. Archenholz, der den Siebenjährigen Krieg z. T. als Offizier mitgefochten hat, schreibt in seiner „Geschichte des Siebenjährigen Krieges in Deutschland": „Nie war die Standhaftigkeit dieses Monarchen so außerordentlich erschüttert worden als an diesem unglücklichen Tage. In wenig Stunden hatte ihn das Kriegsglück von der Höhe eines unbezweifelten Sieges in die Tiefe einer Niederlage herabgeftürzt. Er versuchte alles, um feine fliehende Infanterie zum Stehen zu bringen; allein Vorstellungen, dringendes Bitten, fönst von den Lippen eines Königs, und zwar dieses Königs fo wirksam, nichts wollte hier helfen. Man sagte, daß er in dieser verzweiflungsvollen Lage sich laut den Tod wünschte. Seine lebhafte Einbildungskraft stellte ihm in den ersten Augenblicken die Folgen dieser verlorenen Schlacht als schrecklich dar, so daß er von eben diesem Schlachtfelde, wo er wenig Stunden zuvor Siegeskuriere ab gefertigt batte, jetzt Befehle nach Berlin sandte, die Sicherheits- maßregeln und schleunige Rettung zum Gegenstände hatten." — Nach den historischen Tatsachen wird in dem von Veit Harlan inszenierten 9ilmi „-D e r große König" die Schicksalsstunde von Kunersdorf eindringlich beschworen.
Irrfahrten Kleists in einem wirren Gewebe bestand. Schillers Linien waren kümmerlich, wie von einer peinlichen-Not zufammengedrückt.
Und Goethes Lebenskarte: es war seltsam, daß gerade die Linie dieses schönen und harmonisch geführten Lebens eine Figur bildeten, aus der man eine Art Karikatur, das Abbild eines verwachsenen Kobolds, zu erkennen glaubte, der einen übergroßen Kopf hatte. Das Auge war Frankfurt und von da aus ging ein starker Nerv nach Weimar, das rückwärts irgendwo an der Hirnrinde lag. Mit dem scharfen Schnabel hackte er gegen Frankreich, und bic Spitzen bes Kinnbartes gingen bis in bie Schweiz, nach Zürich unb Schaffhaufen. Nach Oesterreich reichte nur ein Haarzipfel, nach Karls- bab und Eger. Der übrige Körper, besten Füße bis tief nach Italien langten, war nur flüchtig gezeichnet, und Innsbruck faß biefem Wicht genau im Nacken.
Wenn ich an biefe Karten zurückbachte, hätte ich mir auch noch bie Darstellung ber Lebenswege anderer beutfcher Dichter unb Geistesheroen gewünscht, unb ganz besonbers fehlte mir immer bie Lebenskarte Kants. Die gäbe allerdings nur einen einzigen schwarzen Punkt — Königsberg — aber dieser schlichte Punkt müßte neben den Lebenskarten anderer großer Deutscher auf den Betrachtenden überwältigend wirken, weil er immer wieder eindringlich zu erkennen gäbe, daß dieser überragende Geist der es vermochte, ein eigenes Weltgebäude zu errichten, völlig auf bie Bekanntschaft mit ber kleinen irbischen Welt, bie jenseits ber Bannmeile seiner Vaterstabt lag, verzichten konnte.
Immer weiter gingen meine Wünsche. Ich hätte bie Lebenskarten ber Eltern haben wollen unb bie der Großeltern und aller meiner Vorfahren, deren eigenstes Wollen noch in meinem Mute kreiste So manches dunkle Drängen und manche Sehnsucht märe mir vielleicht beim Anblick dieser Limen verständlich geworden.
Manchmal meldete sich auch der Wunsch in mir, meine eigenen Fahrten fo in Amten »«^ufteUen, aber erst zu Beginn des Weltkrieges schaffte ich mir eine große Karte von Mitteleuropa an und zeichnete in den vier Jahren dann mit roter Tinte
Der Verkauf der schönen Abzeichen zum „Tag Äer Wehrmacht" ist in allen Straßen lebhaft im Gange.
Am heutigen Samstagnachmittag werden die Veranstaltungen der Wehrmacht zu diesem Tage mit dem Marsch einer Geschützstaffel durch die Stadt eingeleitet, bei dem von 14 Uhr ab folgende Straßen berührt werden: Kaiserallee, Moltkestraße, Hitler- wall Walltorstraße, Marktplatz, Schulstraße, Son- nenstrahe, Kreuzplatz, Seltersweg, Frankfurter Straße, Liebigstraße, Ludwigstraste, Bismarckstraße, Hindenburgwall, Ludwigsplatz, Kaiserallee. Um 15 Uhr findet am Selterstor Schießen mit Uebungs- munition statt, um 16 Uhr folgt die gleiche Darbietung am Stadttheater. Die Nachrichtenhelferinnen werden heute um 16 Uhr am Selterstor, um 17 Uhr auf dem Kreuzplatz durch Gemeinfchaftsgesänge erfreuen. ' .
Der morgige Sonntag gilt von 9 (bei ber Artillerie) bzw. 10 Uhr (bei ben Fliegern) ab ber Kasernen- bzw. Horstbesichtigung: Im Verlaufe bes Vormittags unb Nachmittags werben bann unsere Artilleristen unb Flieger ihr Besucher mit vielerlei Darbietungen und Ausschnitten aus bem militärischen Dienstbetrieb unterhalten. Von 11 bis 14 Uhr wirb das Essen aus ben Feldküchen ausgegeben. Wer in den Kasernen essen will,.yiuß feinen Löffel mitbringen, in der Bergkaserne auch den dazu gehörigen Teller. Das Essen kann nur an der Stelle empfangen werden, die auf den Eßmarken ausdrücklich bezeichne^ ist. Nudeln mit Rindfleisch gibt's bei ben Fliegern unb im Stubentenheim, Bergkaserne, Zeughauskaserne, ferner in Klein-Lin- ben unb am Bahnhof. Bei ber Artillerie gebfs Erbsen mit Speck, lieber bie Darbietungsvorberei-


