und Handelsmonopol immer fühlbarere Konkurrenz machte. Es war die Zeit, in der mir Deutsche unser Kolonialreich aufbauten und der englischen Industrie und dem englischen Handel in allen Teilen der Welt infolge unserer Tüchtigkeit Konkurrenz machten.
Und als nun in der deutschen Presse sympathische Artikel für Spanien erschienen, benutzte England diese Aeußerungen, um in Amerika den Eindruck zu erwecken, Deutschland hege feindselige Ge- finungen gegen die USA. und suche nur nach einer Gelegenheit, sich einzumischen und Amerika den Erfolg des Krieges mit Spanien streitig zu machen. Frankreichs Sympathie stand noch viel ausgeprägter auf der Seite der Spanier. Aber Frankreich brauchte man ja nicht so sehr als Konkurrent zu fürchten. Frankreich konnte man anders behandeln. Man bedauerte feine Haltung, machte aber deshalb keinen großen Lärm, auch nicht, als behauptet wurde, ein französischer Dampfer, dem die Amerikaner das Anlaufen von Havanna genehmigt hatten, habe Waffen und Munition und Instrukteure gelandet.
Ganz anders aber wurde der Fall des deutschen Kreuzers „Irene" behandelt. Das Schiff hatte, gleich den anderen deutschen Kriegsschiffen, die Aufgabe, nicht nur die deutschen Interessen zu schützen, sondern auch für die Nichtkämpfenden die Schrecken des Krieges soviel wie möglich zu mildern. Der Kreuzer lief am 5. Juli 1898 die Subig-Bucht auf Luzon (Philippinen) an, um alte Leute, Frauen und Kinder, die aus dem Innern an die Küste geflüchtet waren,- aufzunehmen. Bei der Isla grande traf der Kreuzer einen Dampfer, der die Jnsiir- gentenflagge gehißt hatte. Es handelte sich um einen spanischen Dampfer, der von den Insurgenten in Benutzung genommen worden war. Daß die malaiischen Mannschaften am Tage zuvor vier Offiziere des spanischen Dampfers ermordet hatten, war dem Kommandanten des deutschen Kreuzers nicht bekannt. Kanonen führte das Insurgentenschiff nicht. Als die „Irene" näher kam, hißte der Dampfer, wohl im Gefühl bösen Gewissens, die weiße Flagge. Als der Kommandant der „Irene" dem Führer des Dampfers bedeutete, daß die Führung einer nicht anerkannten Flagge — und bei den Insurgenten handelte es sich um eine solche — nicht gestattet sei, fuhr der Dampfer unter weißer Flagge nach Manila weiter. Der Kreuzer „Irene" nahm dann die Hilfsbedürftigen, die ohne Zweifel von den Insurgenten ausgeraubt und vergewaltigt werden sollten, an Bord.
Auf der Fahrt begegnete der deutsche Kreuzer einem amerikanischen Kriegsschiff. Aus diesem vollkommen einwandfreien Verhalten des deutschen Kommandanten konstruierten nun die Amerikaner und ihre Eideshelfer, die Engländer, die Lüge, daß das deutsche Kriegsschiff ein Jnsurgentenschisf an feiner militärischen Tätigkeit gehindert habe, und daß ein weiteres Vorgehen des deutschen Kommandanten nur durch das Erscheinen des amerikanischen Kriem^chiffes verhindert worden sei. Weiter wurde die Lüge verbreitet, die Deutschen hätten unter dem Vorwand Ruhe und Ordnung herzustellen, Mann- schasten in Manila gelandet, sie hätten die amerikanische Admiralitätsflagge nicht gegrüßt und hätten in demonstrativer Weise die spanische Nationalhymne an Bord gespielt. Ferner habe das deutsche Kriegsschiff „Kaiserin Augusta" den spanischen Generalgouverneur Augustin heimlich an Bord genommen, um diesen der Gefangennahme zu entziehen und dergl. Lügen mehr.
Die Verhetzung wurde damals soweit getrieben, daß die nordamerikanische Presse allen Ernstes über die Möglichkeit eines Krieges mit Deutschland schrieb, und daß man das Nichtforcieren des Hafens von Santiago auf Kuba durch die Flotte des amerikanischen Admirals Sampson der Notwendigkeit zuschrieb, die Schiffe möglichst intakt zu halten, um die amerikanischen Schiffe gegen die Flotte des Deutschen Reichs verwenden zu können. Heute, wo die Philippinen und die Inseln Westindiens in das Blickfeld des militärischen Geschehens gerückt sind, scheint es angebracht, auf die Stimmungen vor 44 Jahren zu verweisen, weil schon damals, ohne daß es uns Deutschen so recht zum Bewußtsein kam, mit allen Mitteln der Lüge und Verleumdung gegen uns gearbeitet wurde. L. G.
Das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz.
Berlin, 26.Mai. Der Führer verlieh dem bisherigen deutschen Gesandtschaftströger in Washington, Gesandten Dr. Hans Thomsen, für seine besonderen Verdienste als diplomatischer Vertreter des Reiches das Ritterkreuz zum Kriegsverdienst- kreuz und dem bisherigen Militärattache in wa- shlngton. General der Artillerie von Vötti- cher, in Anerkennung seiner besonderen Verdienste das Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern. _________
Altkleider- und Spinnstoffsammlung 1942.
Ein Aufruf des Reichswirtschastsministers Funk.
Berlin, 27.Mai. (DNB.) 3n der Zeit vom 1. bis 15. Juni 1942 wird im ganzen Reich die Altkleider- und Spinnstoffsammlung 1942 durch- gesührt, zu der Reichswirlschaftsminister Funk folgenden Aufruf erläßt:
Deutsche Volksgenossen, deutsche Volksgenossinnen!
In dem schweren Ringen des deutschen Volkes um seine Selbstbehauptung haben immer mehr schaffende Hönde den Hammer mit dem Gewehr, den Pflug mit der Waffe vertauscht und stehen als eiserner Wall fern von ihren Werkstätten und Aeckern im erbitterten Kampf zum Schuhe ihrer Heimat. Ihre Arbeitsstätten, an denen sie seit Jahren für den friedlichen Aufbau im nationalsozialistischen Großdeutschland schafften, sind von Millionen Wertktätigen eiägenommen worden, die vorher an weniger kriegswichtigen Arbeitsplätzen gestanden hatten.
Diese Männer und Frauen brauchen in ihrer neuen Tätigkeit im Frontbereich, in der Rüstungsindustrie und in der Landwirtschaft viel mehr, Kleidungsstücke zum Schuhe gegen Wind und Wetter als in den Büros oder als haussrauen im eigenen heim. In fast jeder Haushaltung hängen Kleidungsstücke, die seit Jahren nicht mehr gebraucht und die auch in absehbarer Zeit nicht mehr getragen oder umgearbeitet wer-
Aus de«
Der neue Gauleiter Weser-Ems.
Berlin, 26. Mai. (DNB.) Der Führer hat an Stelle des verstorbenen Gauleiters und Reichsstatthalters Rover den Stellvertretenden Gauleiter Paul Wegener zum Gauleiter des Gaues Weser- Ems der NSDAP. und zum Reichsstatthalter in Oldenburg und Bremen ernannt. Wegener war bisher Strellvertretender Gauleiter im Gau Mark Brandenburg und seit der Pesehung von Norwegen als Vertreter des Reichskommissars für die besetzten norwegischen Gebiete in Oslo tätig. Parteigenosse Wegener hat in den Reihen der Waffen-^ am Kriege teilgenommen und wurde mit dem E. K. II ausgezeichnet.
Kreisleiter Biedert gefallen.
NSG. Bei den schweren Abwehrkämpfen an der Ostfront fiel am 26. 4.1942 als Leutnant der Infanterie der Leiter des Kreises Rhein- gau-St. Goarshausen der NSDAP., Kreisleiter Adam Biedert. Zuerst als SA.-Führer und dann als Politischer Leiter stand er seit dem Jahre 1930 im Einsatz für die Bewegung.. Als besonders befähigten Ortsgruppenleiter berief ihn der Gauleiter 1935 zum Kreisleiter, in welcher Eigenschaft er der Partei im Kreis Oppenheim und feit dem
den. Deutsche Volksgenossen und Volksgenossinnen! Gebt diese noch tragbaren Kleidungs - ft ü cf c und darüber hinaus alle a Iten, nicht mehr gebrauchsfähigen Spinnstoff- waren (z. V. Anzüge, Frauenkleidung, Unterwäsche, Lumpen) zur Altkleider- und Spinnstosssammlung 1942. Jeder, der für den deutschen Endsieg seine Arbeitskraft einseht, soll an Kleidung das erhalten, was er zur Aufrechterhaltung feiner Arbeitskraft und seiner Gesundheit braucht. Gerade heute im Endkampf um Deutschlands Freiheit muß diese Rohstoffreserve, die bereits in Friedenszeiten regelmäßig erfaßt und verwertet worden ist, eingesetzt werden. Sie darf nicht in den Haushaltungen vermodern.
Auch dieser Appell, der sich hauptsächlich an die deutschen Hausfrauen wendet, wird die Bereitschaft des ganzen Volkes finden, denn niemals wird das deutsche Volk in seiner Gebefreudigkeit erlahmen, wenn es gilt, die deutsche Kriegswirtschaft arbeitsfähig und schlagkräftig zu erhalten. Jede Spende zur Altkleider- und Spinnstoffsammlung 1942 dient unmittelbar oder mittelbar der Front, die unerschütterlich steht und unaufhaltsam oorwärtsdrängt, bis der Endsieg gesichert ist.
Berlin, den 26. 2Uai 1942.
Ge;.: Walther Funk.
n Reich.
Jahre 1937 im Kreis Rheingau-St. Goarshausen hervorragend biente. Mit ihm ist ein Nationalsozialist von uns gegangen, der sich in Gesinnung und Handeln allein der Idee verpflichtet fühlte. So wie er in den Jahren des Friedens als unermüdlicher Kämpfer für den Führer am Werk war, so hat er nunmehr sein Leben für den Bestand des Reiches hingegeben, als unerschrockener, aufrechter Nationalsozialist, der auch in seinen letzten Briefen an den Gauleiter und seine Kameraden stets betonte, wie glücklich er war, für seine Ueberzeugung mit der Waffe eintreten zu dürfen. Seine Persönlichkeit und ihr Wirken werden in Hessen-Nassau unvergessen bleiben.
Gründung des Gausozialgewerkes.
NSG. Nachdem in sämtlichen Kreisen des Rhein- Main-Gebietes Sozialgewerke für die Handwerker gegründet worden find, erfolgt nun am 30. Mai als Zusammenfassung dieser Sozialgewerke in einer Sitzung in Wiesbaden die Gründung des Sozialgewerkes für die Handwerker des Gaues Hessen- Nassau. Damit schließt die Deutsche Arbeitsfront in unserem Gau vor allen anderen Gauen an erster Stelle eine organisatorische Arbeit ab, die bei uns mit den Sozialgewerken in Wiesbaden, Darmstadtund Frankfurt a. M. auch beispielhaft für alle Gaue Deutschlands begonnen wurde. Die Leitung des Aufsichtsrates des neuen Gausozialgewerkes übernimmt der Landeshandwerksmeister, Gauamtsleiter Garner.
Kleines russisches 2
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örterbuch.
^-PK. Damit ihr euch in der Heimat nicht allzu sehr wundert, wenn „euer" Soldat von der Ostfront einmal auf Urlaub kommt und euch unverständliche Worte in seinen (vielleicht auch nicht mehr vorhandenen) Bart murmelt, will ich euch heute einmal einige kleine Tips geben. An Urlaub ist vorläufig ja nicht zu denken, da habt ihr also Zeit genug, um anhand der folgenden Zeilen einmal in die Geheimnisse der russischen Sprache einzudringen. Die deutschen Soldaten haben in den langen Monaten allerhand Russisch gelernt, manche sind wahre Meister geworden. Doch von deren Kenntnissen wollen wir nicht sprechen, sondern nur von den Worten, die heute eigentlich jeder Soldat im Osten beherrscht.
So müßt ihr euch vor allem daran gewöhnen, von eurem Soldaten beim Betreten oder Verlassen der Stube ein lautes „sdraß" bzw. „do swidanja" zu hören. „Guten Tag" und „Auf Wiedersehen" heißen diese komischen Wörter, die nur zuerst unaussprechlich erscheinen. „Ponjumai?" Das wird wohl die Frage sein, die auch am häufigsten in den Ohren klingen wird außer dem anerkennenden „karosch" oder karascho". Ponjumai? Verstehen Sie? Karosch, karosch, pflegen die Russen bann zu antworten, gut, gut, in Ordnung. Ueberhaupt scheinen sie zu meinen, daß doppelt besser hält. „Da, da" (ja, ja), „njät,
njät" (nein, nein)- das hört man den ganzen lieben langen Tag, wenn man bei ihnen „quartira" bezogen hat.
Die Sauberkeit läßt ja meist zu wünschen übrig. „Muyschi, wschi und blockt" (Mäuse, Läuse und Flöhe) sind keine seltenen Gäste. Nach einem „ubor- naja" (Abort) im europäischen Sinne wird man überall vergeblich suchen, von einem „banja" (Bad) ganz zu schweigen. Auch die „muijla" (Seife) ist knapp, doch darin ist nicht der Grund zu suchen für das wenig appetitliche Aussehen der meisten Sowjeteinwohner. Denn „wodi" (Wasser) ist schon etwas reichlicher vorhanden', trotzdem genügt ein „kruschka" (Becher) voll „utrom" (morgens) für die Toilette der ganzen, vielköpfigen Familie. „Nitschewo" kann man da nur sagen, das herrliche Wort, das eigentlich „nichts" bedeutet und doch so vieles sagt, mit dem der Sowjeteinwohner alles entschuldigt. „Ka- puht, Pan, nitschewo".
Aber als es so verdammt „chollodno" (kalt) war, hoben wir uns doch gefreut, trotz aller Unsauberkeit, daß wir einen warmen „pjetsch" (Ofen) fanden. Nicht nur. „wjätscherom" (abends) sitzt die ganze Familie, „atjetz, shenschtina, ssuiin, dokschj und ba» buschka" (Vater, Frau, Söhne, Töchter und Großmutter) um den Ofen herum, sondern fast den ganzen Tag. Vor allem dem Mann steht der Sinn gar
nicht nach „rabota" (Arbeit), sondern nach „tabaf, papirossi, wodka und piwa (Bier)", aber leider, leider: Nitschewo. Ponjumai?
Die „matfa" (Mütter) muh fast alles „domo" (im Hause) allein machen, die Arbeit in der „kuchnja" (Küche) und im Stall. Sie sorgt für „sup" (Suppe) und „kapusta" (Kohl), die einzigen warmen Gerichte, die bie_ßeute im „Sowjetparadies" sich leisten konnten. Sie muß das „chleb" (Brot) backen, sie kocht auch uns den „koste" oder „tschai" (Kaffee oder Tee). Sie hat vielleicht auch manchmal „adin jaika" (ein Ei) oder etwas „molloko" (Milch) für uns. Aber es ist ja alles knapp, denn „bolsche- wist", „wojna" (Krieg) und so. „Ponjumai?" „Maslo" (Butter) zum Braten kann man meist noch haben, aber mit „kartoschki" (Kartoffeln), die man in der „skawaroda" (Psanne) bereiten könnte, sieht es auch nicht gut aus. Also blasen wir das Licht der „kürassin"-(Petroleum)-Lampe aus, gehen wir „spattj" (schlafen), denn „sawtra" (morgen) ist auch noch ein Tag.
„Stoi", werden Sie denken, lieber Leser, halt, jetzt ist es genug, Mir brummt ja schon der Schädel von dem vielen Russisch! Aber ich wollte Ihnen doch nur einige Tips geben, damit Sie Ihren Soldaten dereinst zünftig mit den ihm inzwischen vertraut gewordenen Ausdrücken empfangen 'können. Denn das „ponjumai?" und „karosch" wirb er sich nicht schnell abgewöhnen. Er wird sich freuen, wenn Sie einiges von dem Vorstehenden behalten haben. „Spassiba" (danke sehr) wird er sagen, wenn Sie schön breit und langsam anfangen, russisch mit ihm zu sprechen. Er wird sich dann viel leichter wieder in die heimtliche Umgebung einleben, wenn, ihm auf diese Weise auch ein Gruß aus dem wenig paradiesischen Paradies geboten wird, aus dem er kommt. Ponjumai??
^-Kriegsberichter Karl-Heinz Vollmann.
Aus aller Well.
Acht Todesopfer der Berge.
Während der Pfingstfeiertage haben die Berge acht Todesopfer gefordert. In den Berchtesgadener Bergen starben im Gebiet des Hohen Göll in der Reiteralpe drei Bergsteiger, im Kaisergebirge am Totenkirchl und am Kopftoerlgrat ebenfalls drei Bergsteiger an Erschöpfung. In der Geisteistein- Nordwand stürzten zwei Bergsteiger ab, von denen der eine nur tot geborgen werden konnte. Auch an der Ostkante der Partenkirchener Dreitorspitze ereignete sich ein tödlicher Absturz.
Keine Nachsicht mit Verkehrssündern.
Ein warnendes Urteil fällte die Magdeburger Strafkammer gegen den 46 Jahre alten Walter K. Er hatte mit einem Lastzug eine schon häufig von ihm befahrene Straße passiert und daher sehr wohl gewußt, daß an einer bestimmten Stelle das Einbiegen mit einem langen Lastzug erhebliche Schwierigkeiten bereitete. Um so unverantwortlicher war es, daß er, wenn auch mit geringerer Geschwindigkeit, die Kurve zu kurz nahm, mit den rechten Rädern der beiden Anhänger auf den Gehsteig geriet und dabei einen 12jährigen Jungen anfuhr, der unter die Räder des zweiten Anhängers geriet und sofort getötet wurde. Die Strafkammer erkannte zur Warnung für alle Kraftfahrer auf ein Jahr Gefängnis.
Pflücken von Enzian wird streng bestraft.
Eine Bergwachtstreife stellte in der Nähe eines bekannten Allgäuer Fremdenortes zwei Frauen beim Pflücken des streng geschützten ftengellofen Enzians. Die Zählung des bereits gepflückten Enzians ergab eine Menge von 1220, zum Teil bewurzelter Pflanzen. Anzeige gegen diesen Pflanzenraub ist er- stattet.Wer der Meinung ist, das Reichsnaturschutzgesetz stehe nur auf dem Papier und jetzt im Kriege könne man die Berge ausplündern, der befindet sich gründlich auf dem Holzweg. Alle Gebiete werden wie im Frieden überwacht und den Vernichtern der Schönheit der Berge wird das Handwerk gelegt.
Hauptfchriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter de« Hcmptschristletters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für das Feuilleton: Dr. Hans Thvriot; für Stadt Gießen, Provinz, Wirtschaft und Sport: Ernst Biumschein.
Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange K. G. Verlagsleiter: Dr.-Hng. Erich Hamann: Anzeigcnleiter: Hans Beck.
Anzeigenpreisliste Nr. 6.
Behelfsmäßige Zahnpflege
ist heute leider unvermeidlich, weil die erhöhte Nachfrage nach den bekannten und beliebten Zahnpflegemitteln, wie Chlorodont, größer ist als die zeitbedingte Herstellungsmöglichkeit. Die Hauptsache ist, daß abends und morgens der Mund kräftig ausgespült wird und die Zähne und Zahnzwischenräume gründlich von allen Speiseresten befreit werden Möglichst einmal im Jahre sollte außerdem eine vorbeugende Zahnuntersuchung durch den Zahnarzt oder Dentisten stattfinden.
Warnung aus Stendal
Roman von A. Lothar Philipp
39. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
,„Was mag wohl Sanas im Eispalast gesucht haben?" fragte Welt.
„Sicherlich Elisabeth", warf Petersen ein, „er wollte mit ihr sprechen und alles mit ihr beraten —" , .. „
„Daß er Elisabeth gesucht hat, ist möglich wars Willis ein, „er kann ebensogut beabsichtigt haben, mit Irene zu sprechen. Das wissen wir nicht. Es sind eben nur Vermutungen —"
„Da kommt Elisabeth!" ries Welt.
Ihre Unterhaltung sand in der Bar des Imperial-Hotels statt. Elisabeth war soeben herem- getreten yud schien sie zu suchen. Jetzt hatte sie sic erkannt und schrill auf sie zu.
Petersen erhob sich, verbeugte sich kurz vor ihr und verließ den Raum. Elisabeth sah shm nach und warf dann fragende Blicke auf Willis.
„Nehmen Sie Platz, Elisabeth, wir lasen gerade die Meldungen der Presse über ßanos und die Norodna. Was halten Sie von der Sache.
Ich halte Lanas trotzdem für unschuldig", sagte sie' leise, „vielleicht sagt er alles nur, um eine andere Person zu schützen."
„Sie meinen Irene?" Willis warf ihr einen Blick zu und sah, wie sich chre Augen leicht umflorten.
^Ich "hoffe", fügte sie hinzu, „Sie verstehen mich nicht falsch. Irene ist Zigeunerin Sumor i|t Zigeuner Ist es nicht sonderbar, daß . Sumor und Barthold die Namen getauscht haben? Sollte das nicht ein Hinweis sein? Warum leugnet Irene, am Mordabend bei ßanos gemefen du Äenn sie mischuldig war, brauchte sie nicht zu leugnen.
„Sie haben recht, Elisabeth, ich werde die Sache nicht ruhen lassen, bis die Wahrheit gefunden wird. Ich werde noch einmal mit dem Kriminalrat sprechen. Ick glaube ohnehin, daß wir alle als Zeugen geladen werden."
„Glauben Sie denn, daß ßanos den Barthold Ihretwegen getötet hat?" fragte jetzt Welt etwas zaghaft. Er schien wieder in feine Melancholie zu fallen. Man sah es ihm an, wie er sich in seinen Gedanken quälte, die Wahrheit zu ermitteln.
„Nein", sagte Elisabeth und sah ihn offen an, „ich alaube es nicht, ich glaube überhaupt nicht, daß ßanos es gewesen ist."
„Ich bin ganz Ihrer Meinung, Elisabell)", stimmte ihr Millis bei, „ich glaube es auch nicht. Was auch kommen mag, Sie dürfen fest damit rechnen, mich stets an Ihrer Seite zu sehen."
Sie reichte ihm lächelnd ihre kleine Hand.
„Sie wissen nicht, Eberhard", sprach sie leise, „wie glücklich Sie mich mit diesen Worten machen."
„Elisabeth ist eine Bestie, die Norodna ist eine Bestie, die Edith ist eine Bestie", brüllte Petersen, „alles was weiblich ist, ist eine Bestie, laß mich mit den Weibern in Ruhe."
Willis halle, nachdem Elisabeth gegangen war, Petersen im Zimmer aufgesucht und versuchte nun, ihn vernünftig zu machen und ihn von seinem Vorurteil gegen Elisabeth zu heilen.
Aber Petersen hatte seine Wut gegen die gesamte Weiblichkeit und war allen Dernunftgründen gegenüber unzugänglich.
„Jawohl", bestätigte er, „ich habe die trübften Erfahrungen gemacht. Nie wieder werde ich eine Frau ansehen, nie wieder mich verlieben, oder der Teufel soll mich sauer kochen."
„Ich wollte dich bitten, mit mir zu Brommund 5’i gehen —", begann Willis von neuem.
„Brommund? Wer ist Brommund? Sind da auch wieder Weiber?"
„Nein, er ist der Direktor des Zirkus, an dem zuletzt Sumor beschäftigt war."
„Und was soll ich dort?" fragte der Kleine.
„Vielleicht gelingt es uns festzustellen, warum Sumor und Barthold ihre Namen vertauscht haben —"
„Und was soll uns das nützen?"
„Ich tu’s wegen Elisabeth —"
„Natürlich, natürlich", tobte Petersen, „wegen eines Weibes. Nein — nein und nochmal nein, ich tu’s nicht. Sie ist eine Bestie und ist so schuldig wie Irene und wie alle anderen, ßaß mich in Ruhe in Kreuzteufelsnamen."
Willis verließ achselzuckend das Zimmer.
Unten traf er den großen Well, der melancholisch in der Halle faß und einen Tee trank.
„Kommst du mit?" fragte er ihn.
„Wohin?"
„Zu . Brommund, um etwas über Sumor zu erfahren."
Welt gähnte.
„Ich bin müde", sagte er, „todmüde, aber ich gehe trotzdem mit. Vielleicht finden wir einige Klarheit über Elisabeth. Komm!" —
-x *
Sie kamen beide erst kurz nach ein Uhr nachts nach Hause. Welt schien sehr befriedigt zu fein und schlief zum erstenmal ruhig und traumlos. Aber Willis lag die ganze Nacht wach. Am Morgen zog er sich eiligst an und fuhr nach dem Alexanderplatz, wo er eine Unterredung mit Wenig und Krähe hatte.
Diese Unterredung fand bei verschlossenen Türen statt.
Erst eine Stunde später öffnete sich diese Tür.
Der Kriminalrat begleitete Willis hinaus und drückte ihm die Hand. Dabei lachte er:
„Ich schicke Krähe sobald als möglich nach Stendal", sagte er, „und es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn wir die ganze Sache nicht aufstöbern. Jedenfalls bin ich Ihnen sehr dankbar. Sie haben mir eine große Arbeit abgenommen und mir einen guten Tip gegeben. Fräulein Perling kann Ihnen
auch dankbar fein, ebenso der Staatsanwalt und alle Welt. Nur Sumor und die Norodna werden auf Sie schimpfen, aber daraus werden Sie sich wohl nichts machen. Auf Wiedersehen zum Termin, Herr Willis, und alles Gute!"
12.
Der Staatsanwalt hatte sich nach reiflichem lieber- legen und nach einem eingehenden Studium der Akten und der Ergebnisse, die der Untersuchungsrichter den polizeilichen Ermittlungen hinzugefügt hatte, entschlossen, gegen Joseph ßanos Anklage wegen Mordes zu erheben. Hierzu hatten ihn insbesondere die Manipulationen mit der Uhr bestimmt, die auf große Ueberlegung schließen ließen. Den Vorsatz erkannte er daran, daß Irene mit der Schußwaffe zur Zeit des Mordes anwesend gewesen war und helfen konnte, die Tat zu verüben und die Spuren der Tat zu fälschen. Deshalb hatte er auch gegen Irene Anklage auf Beihilfe zum Morde und auf versuchten Totschlag erhoben, gegen Sumor Anklage wegen Führung falscher Papiere, intellektueller Urkundenfälschung und Nichterstattung einer Anzeige. Er nahm an, daß Sumor zwar nicht an der Tat beteiligt sei, sie aber gewußt habe.
Der Staatsanwalt verhehlte sich nicht, daß manche seiner Anklagen auf schwachen Füßen stand. Namentlich in bezug auf Sumor war nicht mit einer Verurteilung wegen Nichterstattung einer Anzeige zu rechnen, sondern hockstens wegen Führung falscher Papiere, einer Uebertretung, auf die nach § 363 Abs. 2 Haft oder Geldsttafe ftanb. Selbst die intellektuelle Urkundenfälschung war noch reichlich zweifelhaft. Zwar hatte er sich auf Grund der Papiere des Barthold polizeilich angemel^j^^h damit eine falsche Registereintragung war aber fraglich, ob das Gericht diese so streng betrachten würde, um zu lung zu gelangen.
(Fortsetzung folgt.) ;


