192. Jahrgang Ur. 121
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Gießener Familienblaiter Heimat imBild-DieScholle
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Zchristleltung und Heschüftrstelle: Giehen, Zchulstrahe 7-9
* Druck und Verlag: vrühlsche riniversttlttrdruckerei B. Lauge
Mittwoch, 27. Mai 1942
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bis 81/» Ubr desVormittags
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Keffelschlacht südlich Sharkow in vollem Gange
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Der Raum um Charkow
etwa von Kursk aus durch die Ebene des Tscherno- jom, der Schwarzerde, die ein in den Zwi- chenzeiten der Eiszeit durch den Wind abgelagerter Löß ist, deren oberflächlicher Teil von Humus chwarz gefärbt ist. Bei Belgorod tritt die Bahn an den Oberlauf des Donez heran. Die Stadt selbst ist auf den hohen Kalkfelsen am rechten Flußufer malerisch gelegen. Fast 100 Kilometer weiter südlich
NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger besuchte am Pfingstmontag ein HJ.-Lager in Roßdorf bei Darmstadt und eröffnete von da aus die in den landschaftlich schönsten Gegenden des Rhein-Main-Gebietes errichteten Sommerlager der Hitler-Jugend.
In Anwesenheit des K.-Geschäftsführers Dr. G a u h l legte der Gauleiter der unter der flatternden Lagerfahne angetretenen Hitler-Jugend seine Gedanken über die Zielsetzung und Notwendigkeit der Sommerlager dar. Mit anerkennenden Worten gedachte er dabei zuerst der Erziehungsarbeit der HI. Ihr Erfolg sei in der durch den Berufswettkampf erzielten und immer mehr verbreiteten beruflichen Bestleistung der Jugend ebenso offenbar, wie in den Taten unserer von der HI. mit dem Rüstzeug des Mutes, der Tapferkeit und Treue versehenen jungen Soldaten. Eine bessere Bestätigung für die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges gäbe es nicht, so folgerte der Gauleiter hieraus.
Der Nationalsozialismus, führte er weiter aus, leugne gewiß nicht die Macht des Geistes. Sein Bestreben sei es daher auch, der deutschen Jugend die geschliffenen Waffen des Intellekts zu vermitteln. Sie werde diese jedoch nicht für eine Beweihräucherung und Vergötzung des Wissens an sich be-
man den Dnjepr als Grenze nehmen. Jedoch reichen die westlichen Einflüsse über diesen Strom hinaus und schließen auch das schlachtenberühmte Poltawa oder weiter im Norden Mirgorod, Konotop, ja selbst Tschernigow an der Desna ein. Um alle diese Städte schwingt ein Hauch westlichen Lebens. Die Ostukraine ist ein ganz anderes Land. Jahrhunderlang war sie Tummelplatz von Nomadenstämmen. Und als die amerikanische Entwicklung von'Charkow begann, brach hier — man kann es gar nicht anders sagen — mit nomadenhafter Ursprünglichkeit erst der Frühkapitalismus und dann die sowjetische Jn- dustrietyrannei herein. Das Dreieck Charkow—Dnje- propetrowsk (das alte Iekaterinoslaw) — Stalino bzw. Schachty wurde der Exerzierplatz der sowjetischen „Gigantomanie", des mechanischen Jndustrie- aufbaus: Hier waren 60 v. H. der Rohstahl- und Walzwerkleistungen, auch etwa 60 v. H. des normalen Lokomotio- und Waggonbedarss der ganzen Sowjetunion konzentriert.
Der Reisende, der von Moskau, her kommt, führt
Charkow liegt an der mittleren (und ältesten) Bahnverbindung Moskaus mit der Ukraine und der Schwarzen Meer-Küste. Oestlich von Charkow fuhren nur noch zwei Linien nach dem Süden. Hier ist die Kriegführung schon weitgehend ein Kampf um Bahnen! Das ist ein Grund, vielleicht der Hauptgrund, warum die Sowjets so verbissen kämpfen, als hätten sie keinen Raum zum Ausweichen!
Die Bahn, die von Moskau nach Charkow führt, ist das Schicksal dieser Stadt geworden. Sie wurde angelegt, als die Lehren des Krimkrieges (1853/56) dem Zarenreich die Bedeutung der Bahnen für Aufmarsch und Nachschub klarqemacht hatten. 1856, unmittelbar am Ende des Krimkrieges, zählte Charkow noch 30 600, um die Jahrhundertwende etwa 175 000 und 1939 833 432 Einwohner. Charkow ift die viertgrößte Stadt der Sowjetunion und folgt in der Einwohnerzahl unmittelbar auf Kiew, die alte historische Hauptstadt der Ukraine.
Die West- und Ostukraine müssen scharf auseim andergehalten werden. Im groben Ungefähr kann
nützen, sondern sie allein im Einsatz für die Idee zu führen wissen, lieber allem kalten Intellekt aber, so erklärte die Rede weiter, stehe die Kraft des Gemüts, der feste Charakter und das tapfere treue Herz. Sei so das Buch ein unentbehrliches, ja selbstverständliches Rüstzeug der deutschen Jugend, so stünde über ihm dennoch die anhaltende praktische Erprobung der Kräfte der Seele und des Körpers, wie sie sich uns in den Anforderungen einer Jungengemeinschaft an Charakter und physischer Stärke jedes einzelnen ihrer Angehörigen am ausgeprägtesten darstelle.
Hierbei sei den Sommerlagern der HI. eine außerordentliche Aufgabe zugewiesen. Tausende junger Nationalsozialisten werden in den in allen Teilen unseres Gaues errichteten Sommerlagern Körper und Geist stählen. Sie werden neben dem Erlebnis der Heimat den hervorragendsten Teil jenes Rüstzeuges erhalten, der ihnen die Verteidigung dieser Heimat ermöglichen wird. Mit dem Blick auf die Taten der Front, so schloß der Gauleiter, werde diese Jugend in den opferfreudigen Helden unseres Freiheitskrieges ihre Vorbilder sehen und erkennen, daß die Treue zu Führer und Volk die Treue zu den gefallenen Kameraden ist.
Der Wehrmachtberichi.
DNV. Aus dem Führerhauptquartier, 26.2Nai. Das Oberkomamndo der Wehrmacht gibt bekannt:
Die Kesselschlacht südlich Charkow ist in vollem Gange. 7Nit geballter Kraft sucht der eingeschlossene Gegner nach O st e n auszubrechen. 3n harten Kämpfen wurde diese Absicht auch gestern vereitelt.
Gleichzeitig hat der von Süden, Westen und Norden her geführte Angriff deutscher, rumänischer und ungarischer Verbände die Bewegungsfreiheit des Feindes erheblich eingeschränkt. Seine dichtgedrängten Massen unterliegen zunehmend den Vernichlungsschlägen unserer Luftwaffe.
Nordostwärts Charkow wurden wiederholte Angriffe der Sowjets abgeschlagen. 3m mittleren Abschnitt der O st front brachten örtliche eigene Angriffe weiteren Geländegewinn. Eigene Stohtruppunternehmen im nördlichen Frontabschnitt verliefen erfolgreich.
Im Seegebiet zwischen 3 s land und dem Nordkap grissen Kampsflugzeuge in der Nacht zum 26. Mai einen stark gesicherten feindlichen Geleitzug an. Ein Handelsschiff von 8000 DAT. wurde versenkt, fünf weitere wurden durch Bombentreffer beschädigt.
3n Nordafrika bombardierten starke Kampffliegerkräfte militärifche Ziele im Raum um Tobruk.
*
Was mir tun können, das hat die deutsche Heer- führung auf der Halbinsel Kertsch und bei der Abschneidung der drei Offensivarmeen Timoschenkos südlich von Charkow unter Beweis gestellt. Nun ist es an der Sowjetführung, nach so vielen ruhmredigen Ankündigungen auch nur die Fähigkeit unter Beweis zu stellen, die südlich Charkow eingeschlossenen Stoßarmeen zu befreien oder ihnen
das finnische Messer, im Stiefelschaft, stiegen zu. Sie brachten etwas von der urtümlichen Wildheit finnischer Wälder mit. Alle strebten sie nach Hause und waren zugleich noch im kraftvollen Schwung ihrer Arbeit. Zurufe in der uns so fremden, aber schön klingenden Sprache, Gelächter, Gedränge ... Immer mehr preßten sich herein. Ein langsam steigender Wildbach, der über uns Sitzende zusammen- schlug.
Vorhin noch in Stockholm, als wir im „Zubringer" alleine nach dem Flugplatz durch die Stadt hinauffuhren, fast wie irgendwie besonders Aus- gewählte, konnten wir persönlich uns noch in einer Sonderrolle denken. Jetzt, im Warten, in der Enge, in der Dunkelheit des übervollen Wagens, fühlte man sich sofort als zugehörig zu dieser fremden Umwelt, man war ausgenommen und eingegliedert in das Schicksal des' Landes. Wieder waren wir gepackt von dem großen wilden Strom unserer Zeit.
wenigstens eine Entlastung zu bringen. Kann Stalin als oberster Kriegsherr der Sowjets helfen oder kann er es nicht? Das allein ist hier die Frage.
Der deutsche Wehrmachtbericht vom 26. Mai schildert mit wenigen Worten, die sich dem Gedächtnis einprägen, wie sich die Vernichtung der sowjetischen Stoßarmeen vollzieht: „Die Kesselschlacht ... ist in vollem Gange. Mit geballter Kraft sucht der eingeschlossene Gegner nach Osten auszubrechen. In harten Kämpfen wurde diese Absicht auch gestern vereitelt ... Seine dichtgedrängten Massen unterliegen zunehmend den Vernichtungsschlägen unserer Luftwaffe." Der deutsche Wehrmachtbericht zeichnet mit diesen Worten das grandiose Bild eines letzten Aufbäumens gegen ein Schicksal, das übermächtig geworden ift.
Dor dem Auge wird das wellige, von manchen Erdfchluchten und Weingärten durchsetzte Gelände Charkows sichtbar: da oder dort ein Fluß mit steilen Ufern oder ein Bach, der weit über feine ursprünglichen Ufer getreten ist. Eine Landschaft, über der gestern eine Hitze von 30 Grad brütete und heute tiefe Wolken dahintreiben, aus denen die deutschen Kampfflieger und Stukas mit ihrer Unheilslast hervorbrechen. Eine Landschaft von östlicher Weite und Einsamkeit und Eintönigkeit, aber auch nicht so grenzenlos erdrückend wie weiter unten im Süden die steinige Salzsteppe.
Das ist der Schauplatz der Vernichtung. Hier sterben die Gardedivisionen, die Stalin seit wenigen Monaten geschaffen hat. Kommt er ihnen zu Hilfe oder steht er untätig zu? Der deutsche Wehrmachtbericht vom 26. Mai fährt im Anschluß an das Vernichtungsgemälde fort: „Nordostwärts Charkow wurden wiederholte Angriffe der Sowjets abgeschlagen." Das ist alles. Es wird nicht einmal gesagt, daß die Angriffe besonders heftig oder mit sehr starkem Einsatz durchgeführt worden wären. Es werden nur „wiederholte Angriffe der Sowjets registriert. Das ist alles. An den übrigen Frontabschnitten zeichnet sich überhaupt keine Bewegung ab, um die eingekesselten Sowjetarmeen zu entlasten.
Bei unseren finnischen Waffengefährten
Von unserem E. S.-Sonderbcrichterstatter.
Eröffnung der Hl.-Sommerlager im Gau
Oer Gauleiter vor der Hitler-Jugend im Lager Boßdorf.
Rufe, Befehle ... , m , r. . .
Wir aus dem leuchtend farbigen Vogel sind inmitten dieser graugrün getarnten, von Kraft und Spannung geladenen Welt des Krieges plötzlich nur noch eine Nebensache, die wir vor wenigen Stunden in Stockholm noch angesehene, ja sogar besondere Fluggäste waren mit dem gehobenen Selbstbewutzt- sein das mühselig und teuer erworbene Paßvisen zusammen mit dem Gefühl verleihen, aus einem neutralen in ein kriegführendes Land zu reifen, aus einem gleichsam vom Schicksal noch ausgesparten Bereich in einen solchen des dichtesten und vollsten Schicksals zu fahren. Und doch fühlte man sich als Deutscher hier nun wieder ganz zugehörig, wie sehr mit Recht, das erlebten wir gleich m den ersten Tagen in Finnland sehr..emdrmglich Und da man nach vielen Besuchen im zah und hoffnungsvoll aufbauenden Finnland vor feinem mutig ne- stand en en Winterkrieg 1939/40 nun ^um ersten Male i m Kriege wieder kam, wurde dieses Wiedersehen zu einem ganz besonderen, ergreifenden Erlebnis
Daß- und Zollkontrolle gingen kaum merkbar vorüber ganz anders als neulich bei der Ausreise aus Dänemark. In dem entzückend verträumt an einem kleinen Hafen gelegenen He stngor mi: bem frhfnfe im Hintergrund, hatte em dänischer Grenzbeamter, der sonst Hunderte von Menschen für die Fäh^e nach dem nur durch den Sund getrennten schwedischen Helsingborg abfertigte, fetzt aber nur aaiue acht Menschen betreuen mußte, wohl um feine Kollegen zu beschäftigen, eine Körperliche Durchsuchung" in einem besonderen Raum ongeorbnet. Diese für jeden auch noch so harmlosen ^eistnden fürchterlich klingende Weisung war allerdings durch ein Gespräch über die gemütliche Warme m bem für eigentlich nicht so angenehme Zwecke be stimmten Raum mit einem sehr zur Gemütlichkeit neigenden Beamten so sehr abgemildert worden, wie sie der milden Temperatur des kleinen Gelasses ent
<sirr in Helsinki war noch die Devisenerkla- run?°bzügeb°n7 m°n mutzte, seine L-b-n-mtt marken in '(Empfang nehmen, eine graue Karte, a f
Oie Männer der „Bismarck".
Arn 27. Mai jährt sich der Tag, an dem das Schlachtschiff „Bismarck", manövrierunfähig ge- worden und von fünf britischen Schlachtschiffen, vielen Kreuzern und Zerstörern uipstellt, ein Opfer der feindlichen Uebermacht geworden ist, nachdem es, wie der Flottenchef Admiral Luisens in feiner Meldung an den Führer es gelobt hatte, bis zur letzten Granate im felsenfesten Vertrauen auf den Sieg Deutschlands gekämpft hatte.
Unter Admiral Günther Lütjens als Flottenchef war in der Nacht zum 22. Mai eine deutsche Kampfgruppe — Schlachtschiff „Bismarck" — Schwerer Kreuzer „Prinz Eugen" — in den Atlantik ausgelaufen, um Handelskrieg zu führen. In der Dänemarkstraße westlich Island wurde die Gruppe von einem feindlichen Kreuzer gesichtet und bald darauf von einem schweren Schlachtschiff-Verband der Engländer zum Kampf gestellt. Auf gegnerischer Seite standen die ,^)ood" (42 000 T.) und das neue Schlachtschiff „Prince of Wales", weiter zwei Schwere Kreuzer. Die deutsche Kampfgruppe eröffnete sofort das Feuer aus feinen schweren Geschützen und erreichte bereits in der fünften Minute einen vernichtenden Treffer, der die „Hood" auf den Grund des Meeres schickte. Eine Panzersprenggra-f nate hatte den Seitenpanzer durchschlagen und die Munition einer Munitionskammer zuv Explosion gebracht.
Den Untergang der „Hood", des größten Kriegsschiffes der Welt, rief in England lähmende Bestürzung hervor und veranlaßte die brittfche Admiralität, koste es was es wolle, zu versuchen, diese Scharte wieder auszuwetzen. Von allen Seiten zog sie zu diesem Zwecke starke Kräfte zusammen. Der Rest der Home Fleet unter Admiral John C. T o - v e y auf dem neuen Schlachtschiff „King George V." mit dem neuesten Flugzeugträger „Victorious" (23 000 T.), mit 40 bis 45 Flugzeugen an Bord, war von Scapa Flow ausgelaufen, die in Gibraltar stationierte Kampfgruppe unter Vizeadmiral Sir James F. Sommerville mit dem Schlachtkreuzer „Renown" als Flaggschiff, dem Kreuzer „Sheffield" und dem Flugzeugträger „Ark Royal" stieß mit höchster Fahrt vom Mittelmeer nach Nordwesten vor, und schließlich wurden die im nordatlantischen Geleitdienst auf der kanadischen Route Dienst tuenden Schlachtschiffe „Rodney" und „Ra- miIlies" von ihren Geleitzügen abgezogen und auf die „Bismarck"-Gruppe angefetzt.
Während der „Prinz Eugen" von Admiral Lütjens zur selbständigen Führung des Kreuzerkrieges
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Charkow
liegt Charkow auf einer Bodenschwelle, die den. Lößboden durchbricht: Dort, wo die beiden Flüßchen Lopan und Charkow sich vereinigen und bald dar- . auf in die Uba, einen Nebenfluß des Donez, münden. Das wellige Land ift nicht nur von den Flüssen und Bächen tief eingeschnitten, sondern auch von zahlreichen Erdschluchten, die „Balka" oder „Bujerak" heißen und von Eichengesträuch oder Schlehendorn bewachsen sind. Aus den Früchten der Schlehe wird ein Schlehenwein gewonnen. Doch be. ginnt bei Charkow auch schon die Zone des echten Weins. Das eigentliche Industriegebiet liegt 150 bis 200 Kilometer südlicher: aber als großer Esten- dahnknotenpunkt hat sich Charkow zum Dermal- tungsmittelpunkt aufgeschwungen und diese Rolle durch Industrie-Hochhäuser dokumenttert. Dr. Ho.
„Es gibt keinen Ausweg mehr"
Madrid, 27. Mai. (Europapreß.) Die spanische Oeffentlichkeit verfolgt mit täglich gesteigertem Interesse die dramatische Entwicklung der großen Schlacht bei Charkow. „Drei große sowjetische Armeen kämpfen verzweifelt, um den eisernen Um= zingelungsring zu durchbrechen, aber es gibt keinen Ausweg mehr", erklärt „Jnformaciones" und fährt fort: „Die Schlacht von Charkow dürfte sich in einen sowjetischen militärischen Zu - sammenbruch verwandeln. Im Augenblick, in dem die fowjetischeu Kontingente größten Ausmaßes eingeschlossen sind, ist die Schlacht in eine Phase der Vernichtung eingetreten. In unzweideutiger Weise geht aus den Meldungen von den verschiedenen Phasen der gigantischen Schlacht ÖU enorme technische Ueberlegenheit der deutschen Heere hervor. Es ist zu erwarten, daß der Zusammenbruch der gewaltigen sowjettschen Militärmacht näher rückt, als man noch vor Wochen glaubte, und daß diese Erfolge b?m Frieden und; der kommenden Neuordnung der Welt einen i Augenblick nicht übersehbaren Dienst leisten."
I. 1
Don (Stockholm nach Helsinki.
Helsinki, im Mai 1942. \
Auf dem Flugplatz Bromma bei Stockholm landet l ein großes Verkehrsflugzeug. Die Maschine tonynt ■ aus Helsinki, wo wir eben hinfliegen wollen. Wir । treten an die großen Scheiben des Flugplatzgebäudes, um Ausschau zu halten, ob unter den Flug- i gästen vielleicht ein bekanntes Gesicht fei. Aber nie- । mand steigt aus der Maschine aus. Stattdessen strek- fen sich Männerarme der Tür entgegen? Sie nehmen ein vermummeltes Paket in Empfang, setzen es . ab, andere tragen es zu einem bereitstehenden Omnibus. So wird Paket auf Paket von den Männerarmen aufgenommen. Und dann begreifen mir, jedes Paket ist ein finnisches Kind!
Schweden nimmt finnische Kinder auf, vor allem solche, die gesundheitlich gefährdet sind. Es sollen viele Tausend werden, inzwischen sind es rund 16 000. Seit Januar hatten wir plötzlich in Stockholm auf den Straßen hie und da Plakate gelesen, mit denen für die Unterbringung von „Finlands Barn", von finnischen Kindern geworben wurde. Und so vollzieht es sich: Die Kinder kommen mit Schissen und mit Flugzeugen, an manchen Tagen war cs mehr als eine Maschine. Immer wieder heben sich die Männerarme. Wieviel Kinder in so ein Flugzeug gehen! Sie sind noch ganz klein, zwischen anderthalb und drei Jahren vielleicht. Man hat sie in Wollsachen und Decken wohl eingehüllt. Wenn sie oben aus der Tür herausgehoben werden, strek- ken sie die Arme aus, lassen sich fassen, absetzen, weitertragen. Keines weint, schreit oder lacht. Mit stillen Gesichtern gucken sie um sich. Schweigsam und beobachtend, wie ihre Väter — die kämpfen draußen im Osten so wortlos ruhig und unbeirrbar, auch wenn mal der Bolschewik vorübergehend in ihre Linie eingedrungen ist. Echte kleine Finnen! Nun ist das Flugzeug leer, der Omnibus fährt mit den Kindern ab. Alles ging ganz still, schnell, unauffällig vorüber. Diele finnische Mütter denken jetzt, ob ihr Liebstes auch heil angekommen ist. Aber sie werden nicht viel darüber sprechen.
So dankbar die Eltern auch für diese schwedische Hilfe sind, sie und mit ihnen die ganze finnifd)e Nation empfinden doch, wie bitter es ist, ihre Kinder so weit weg in ein anderes Land geben zu müssen. Auch das ist ein Opfer. Und find nicht oft die seelischen Opfer schwerer zu ertragen als die materiellen?
In einem orangeroten Verkehrsflugzeug brausten wir niedrig über dem weißbeschneiten Eis der Ostsee in rund zwei Stunden von Stockholm nach Helsinki. Wo sonst die Schiffe vorsichtig durch die Klippen der oftmals so stürmischen und nebelreichen Aalandssee ihren gefährlichen Weg uchen, schloß eine strahlendweihe Fläche die beiden Länder wunderlich zusammen. Durch das reine Weiß des Eislandes liefen jedoch manchmal schar wie Sprünge im Porzellan die Bruchlmien zwischen riesigen Schotten: Wälle hochgetürmten grünen Eises oder kilometerlange schnurgerade schmale Graben, in denen das Wasser in der schon wärmenden Sonne dampfte und schwärzlich dunkel irn Ostwind brodelte, als ob es koche. Seltsame Rstse und Sprünge sind in diesem starren Winterland, das, Schweden und Finnland scheinbar so harmlos verbindend, sich als ein Drittes für ein paar Monate zwischen sie geschoben hat.
Sanft landen wir auf dem Flugplatz in Helsinki in einer stählern blauen Dämmerung. Maschinen knattern, Schnee wirbelt aus, Jäger, die fast nur noch dröhend gesteigerte Motorenkraft sind, fegen über den gewalzten Platz, mehrmotorige Kampfmaschinen rollen zum Start an uns vorbei, Mannschaften laufen hier- und dorthin: alles im letzten Dämmerlicht nur noch qls fhtjenöe schatten kaum zu erkennen, fast nur noch Motorengedrohn,
der Fett, Brot usw. zusammen mit Fleisch und Bier verzeichnet sind.
Da nun alle Grenzformalitäten glatt und schnell erfüllt waren, saßen die Fluggäste im matten Licht des verdunkelten Zubringerautobus, der etwa eine halbe Stunde vom ziemlich weit draußen gelegenen Flugplatz bis in die Stadt Helsinki braucht. Aber es ging noch lange nicht los. Wir mußten warten... Soldaten in Pelzmänteln, auf dem Kopf die verwegen wirkende finnische Pelzmütze mit den hochgestellten Seitenklappen, kletterten in den Wagen. Müde, abgearbeitete Frauen, die sichtlich keinen leichten Tag hinter sich hatten, suchten einen Platz. Arbeiter in abgewetzten Ledermänteln und hohen Stieseln mit nach oben gebogener Spitze, den Pukko, I
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